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Deutsche Texte des Mittelalters
herausgegeben
von der
Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften.
Band V.
Die Lieder der Heidelberger Handschrift
Pal. 343.
BERLIN
Weidmannsche Buchhandlung
1905.
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Deutsche Texte des Mittelalters
herausgegeben
von der
Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften.
Band V.
Die Lieder der Heidelberger Handschrift
Pal. 343.
BERLIN
Weidtnannsche Buchhandlung
1905.
119703
LInter den Liederhandschrifteii des 16, Jahrhunderts stefU nach Umfang und
Bedeuhifig der Heidelberger Codex Palatinus 343 obenan. Den Sammlern des
Wunderhorns war gleich ihren Vorgängenty die sich um den deutschen Volksgesang
der Vorzeit bekümmert hatten, von dieser schönen und reichen Quelle nichts bekannt;
sie dauernd erschlossen zu haben, auf dies Verdienst hat erst Görres Anspruch.
Gewissermaßen als Ergänzung und Nachlese zum Wunderhom gab er 1817 heraus
„Altteutsche Volks- und Meisterlieder aus den Handschriften der Heidelberger
Bibliothek*', wobei Palatinus 343 seine HauptqueUe bildet, welche zu seinem Buche
mindestens die Hälfte der Lieder beigesteuert hat. Aber Görres war in diesem Falle
seiner Aufgabe nicht ganz gewachsen; gar zu deutlich verrät sich bisu?eüen sein
Mangel ebensoselir an wissenschaftlicher Schulung wie an dichterischem Feingefühl,
ebensosehr an philologischer Kritik wie an ästhetischem Takt. Eine deutliche Sprache
reden allein schon die Liederanfänge, die der Palatinus nach seinen Lesungen
bieten soll:
S. 36 Hertzlieb thul mich erfreuen, | die fröhlich Sommerzeit . . . = Hs. Nr. 40
Herizlich . . .
S. 42 Ich hab mein Hertz zu Frauen gestellt . . . = Hs, Nr. 95 Ich hab m. h.
zue friden gestelt . . .
S. 61 Verhüllt hab ich mein Habermuß . . . = Hs. Nr. 76 Verschutt hab
ich . . . Nr. 142 Ich hab verschutt . . .
S. 123 Zurück muß ich dich lassen . . . = Hs. Nr. 139 Isprugkb, ich mues
dich laßen . . .
Ein paar auffällige Versehn aus dem Innepm der dem Palatinus entnommenen
Lieder bei Görres mögen sich anschließen:
S. 32 Ob es mögt ßnd seins Gleichen, | Sucht das Hirschlein mit ganzem
Fleiße. — Hs. Nr. 33 ob es mecbt finden sein speiß, | sucht das hirschlein mit
ganzem fleiß.
S. 34 Harnisch und Pferd auch mit Allem — im Reim zu: fein (statt Hs.
schönn) — Eb. Nr. 36 Harnisch u. pf. auch nit allein.
5. 133 Tamar wurd gar verachtet, | Athie in dieser Welt, | da sie sich un-
betrachtet | In Liebe hat gesellt | Zu Amor, ihrem Bruder . . . In der Hs. liest
man sehr deutlich Nr. 145 Z. 65 u. 68 alhie und Ammon. Z. 70 kommt Amman
noch einmal vor, und hier liest Oörres auch Amon. Soll man, um Oörres von dem
Verdacht eines höchst lächerlichen und fast unglaublichen Irrtums reinigen eu können,
VI
für Z. 65 XL 68, mmol er Z. 70 richtig liest, zwei so schlimme DrtickfeJiler an-
nehmen? Z>ei- Vormirf großer Nachlässigkeit müßte diesem Tatbestande gegenüber
auch dann aufrecht erhalten bleiben. Indes, wenn man das Oberall unzulängliche
Wesen dieses vielseitigen, aber kein abgegrenztes Wissensgebiet gründlich be-
herrschenden Schriftstellers, desselben Verfahren und Arbeitsweise sonst und nicht am
wenigsten in vorliegender Sammlung seiner Volks- und Meister-Lieder in BetrcuM
zieht, wird man den bösen Ärgwohn nicht unbedingt abweisen können, als ob Görres
ein eignes OeschuHsterpaar Amor und Athie aus der Hs. herausgelesen und solches
unbedenklich zwischen Thamar und Ammon eingeschaltet habe, weil ihm diese Er-
Ziihhmg der Bibel nicht gegenwärtig war. Nach solchen Proben tvird man sich über
Fehler wie S. 9 abgeneyt statt abgemeyt (= abgemäht: Hs. Nr. 76), S. 136 schiffet
statt schiffel (Hs. Nr. 32), S. 253 Fanas Weida statt Janas (Hs. Nr. 58) kaum noch
wundem und sich damit aufhcdten wollen.
Leider sind viele dieser fehlerhaften Fassungen, so wie sie von Götres geboten
werden, in späteren umfangreicheren Sammlungen, wie denjenigen von Erlach, Mittler,
Böhme, wieder abgedruckt worden, und nur wenige Forscher sind gleich UMand auf
die Quellen zurückgegangen und haben stillschtceigend berichtigte Fassungen hergestdU.
Eigens diese Handschrift für sich hat bisher niemand bearbeitet. Eine kurze
Beschreibung ufid InhcUtsübersicht findet man bei Bartsch, Die altdeutschen Hand-
schriften der Universitäts "Bibliothek zu Heiddberg (Katalog d. Handschriften, Bd. 1.
1887) S. 96 — 1(X) Nr. 171. Die Quellenangaben und Nachweisungen darin sind
recht mangelhaft und bisweilen geradezu falsdi. Fehler laufen sogar in der Wieder-
gabe der Liederanfänge mit unter wie S. 99 Reiniges bild statt R einiges bild und
dfenda gar Ich armes Roß bin ganz verirrt statt Ich armer Boß . . .
Die Hs. besteht aus 179 schon bei der Anlage durchgezählten Blättern, wozu
noch, eins davor, zwei hintenan, drei nicht mitgezählte Blätter kommen.
Man kann ungefähr 16 ungleiche, meist jedoch zu 12 Blättern zusammengeheftete
Lagen unterscheiden, wobei die mittelsten 2--4 Blätter einiger Lagen ausgerissen sind,
wie manche noch verbliebenen Papierfetzen an den Heftfäden deutlich erkennen lassen.
Das WasserzeicJien des Papiers ist ein vierteiliges Wappen, in dessen rechtwinklig
zusammenstoßenden Abschnitten rechts oben und links unten oder umgekehrt je zwei
dreizackige Wellenlinien und entsprechend in den beiden andern Abschnitten ein sechs-
zackiger Stern im Kreis (oder ein Bad?) je zweimal enthalten sind.
Die Hs. enthält von Bl. i« bis 143^ in ununterbrochener Folge Lieder, die von
einem späteren Betiutzer des 19. Jahrhunderts flüchtig numeriert und vennöge Nicht-
beachtung eines Liedes (11/12) nur bis 204 (statt 305) gebracht sind. Die Seiten
143h bis 167^ sind leer. S. 167^ bis 176^ folgt ein Register, das die Lieder nadi Maß-
gabe des ersten ohne Berücksichtigung der andern Buchstaben mit Bezeichnung der
BlatbtaU ordnet. Die letzten Seiten von 176^ an sind leer. Die Seiten sind 29^1^ cm
hoch, 19 cm breit Sie sind einspaltig in sehr ungleicher Höhe beschrid>en.
Die Hs. ist in weiches, biegsames Schweinsleder gdmnden. Weder auf dem
Deckel noch im Innern findet sich außer den Liedern irgend ettoas von Zahlen,
Buchstaben, Verzierungen. Auch Sprüche, wodurch andre Liederhandsdiriften Beiz
und Abwechslung erhalten^ fehk^i in dieBm" Mm' gwm^ nur hat sich vermhentlick
zwischen die 8fe und Ott Strophe des Liedes Nr, JOS ein Spruch von 4 Zeilen ein-
yeschlichen. Die Strophen^ die Ve$*se nicht so^ »ind abgesetzt und durch Zumdim-
räume voneinander geschieden; zudem sind die Anfangsbuchstaben der Strophen
durch Vef^schnÖrkdung und Größe hermrg^obenj doch ohne daß de etwa mit he-
sondrer Sorgfalt zierlich ausgenmlt wären, Abkürzungen kommen vereinzelt vor^
abgeseheti von dem bekannten Verdoppelungsstrich über n und m ißt bisweilen -er
durch einen aufwärts, -en durch einen abwärts geschxmmgefieti Bogen hegeichmt, einige
Mals steid für das, was bei Weglassung des a nur d, vv mit einem vieBeicht fmch
adter Schreibumj % darstellenden^ jedeti falls dem sofistiget^ z sehr ähniieheti Zeichen.
Die Hs. zerfällt in zwei denn Umfange nach fast gleiche Tmle, deren zweiter
mit Nr. 99 beginnt^ so daß der erste 98 (richtiger bei Mitzäklung von 11112 aber 99),
der zweite 106 Nummern umfaßt Die beiden Teile det* Es* unterscheiden sich rein
äußerlich zunächst durch abweichendeti Federzug, so daß man für Jeden änen be-
sondern Schreiber annehmmi muß. Die Tinte des efsien ist blasser ah diejenige des
zweiten Teils. Ferner ist im zwätm, Teile der Inhalt mäir zusammengedrängt als
tm ersten, dessen 98 (99) Lieder W^j Blätter, wogegen die 106 Lieder des zweiten
Teils nur öi> Blätter fidlen. Sowohl die Schrift ist weitläufiger als auch die
Zfidscbenräume zwischen den änzelnefi Liedern und Strophen sind vid freigebiger
bemesseti im ersten Teile^ wiüirend im zweiten die Sücksicht auf sparsame Baum-
ausnutzung mweikennbar obwaüet^ Abkürzungen üllerdings noch minder oft vor-
kommen als dort. Hödtst bmnerkenswefi hebt sich die zweite Hälfte dadurcfi ab
und kefinzeichnet sich als ein Besonderes, daß in ihr die Lieder nach dem
ersten Buchstaben geordnet sind. Da sie durch das ganze Alphabet von Ä bis auf Z
gelangt, so lud man die Gewißheit, daß der Sammler seinen Plan in det* getroffenen
Auswahl ungestört vollständig bis an's Ende durchführen konnte. In der vordem
Hälfte trittf was bei der alphabetischen Anordnung nicht möglich war^ an einigen
Stdlen das Bestreben hervor, die Lieder gruppenumse nach stofflichen Qesiditspunkien
zu verteilen* Voiansteheti 11 geisUiche LiedtT, von Nr. 57 — ßü^ sind an einer Stdle
me-hrere historisch-politische Lieder vereinigt.
Die Zahl der IJedn^ vermindert sich um ungefähr ein Dtdzmid Nummerfi da-
durch, daß mehrfach dieselben Lieder zweimal in gleichen ode^* ähnlichen Fassungen
geböten werden: 7 in 6 Str> 94 die erste Str, davon^ — 17 und 193 in je S efit^r,
Str. — 24 und 47 in je 3 entspr. Str, — ^ und 33 in je 3 e^dspr. Str. — ^i^ in
3 Sh\ 162 Sir. ö—S ohne Kennzeichnung und Zählung eines besondern Liedes eine
mllständigere Fassung. — 42 und 59 in je 4 etdspr. Str. ^ öl und 169 in je
U enispr, Str, — 63 und 203 in je 8 entspr. Str. — 69 und 181 in je 3 entspr.
Str. — 7o und 142 in je 3 entspr. Str. — 78 die 3 ersten Str. 204 vollständig in
S Str. — 79 die beiden ersten Str. 151 vollständig in 3 Str. — 97 in 8 Str.
186 in 7 Mt\ — (162J3 und 189/94 je zwei verschiedene Lieder mit gleichem An-
fctngj — Die meisteti Wiederholungen sind eidstandenj indem der zweite Schreiber
solche Lieder, die der erste schon gebracht hatte^ noch eimn<jd gaby teils^ um unvoil-
Mmdige oder schlechte Fassungen zu ergänzen oder zu berichfigefh teils woM auch
VlII
aus ünachtMmkeit, Doch sind ir^nerkalb des ersün Teiles sdbst mehrere Lieder
doppelt geschrieben (7 und 94; 24 und 47; 27 und 33; 42 und o9), ivas im zweUen
Teüe mit keinem einzigen Liede geschehn ist.
Wenn auch zwei Personen an der Niederschrift gearbeitet haben, so können die
beiden Teüe doch weder örüich noch zeitlich weit atiseiiiander liegen. Sämtliche
Lieder stammen aus der Zeit vor 1550, keifis der historischen bezieht sich auf ein
späteres Ereignis, und für die meisten läßt sich das Vorkommen in der ersten Hälfte
des 16. Jahrhunderts aus andern Quellen bdegen. Der Zwischenraum, der die beiden
Hälften von einander trennt, kann schwerlich viele Jahre betragen; der zweite
Schreiber kann unmittelbar den ersten abgelöst haben, und jeder von beiden hat
wahrscheinlich in kurzer Zeit, vielleicht in wenigen Tagen seinen Teil nieder-
geschrid>en. Setzt man als Entstehungszeit der Hs. 1560/5 an, so hat man mindestens
für den Abschluß den weitesten Spidräum und die äußerste Chrenze der Möglichkeit
zugelassen. Die beiden Teile stimmen in allem WesenÜichen, was Inhalt und Form,
Sdireibung und Sprache bis in die kleinsten mundartlichen Eigentümlichkeiten hinein
anbdangt, so gut zusammen, daß man den Eindruck vollkommener EinhdÜichkeit
gewinnt. Das Game stammt also nidä nur aus einem auf höchstens ein paar Jahre
zu bemessenden Zeitraum, sondern auch unzweifdhaft aus derselben Oegend und viel-
leicht sogar auA demsdben Kreise.
Die Lautverhältnisse der Hs. entsprechen schon fast ganz dem neuhochdeutschen
Bestände, der sonach im folgenden überall zu Grunde gelegt werden soll. Kleine
Besonderheiten scheinen meist nach dem südwestlichen Deutschland und ziwar in
seinem nördlichen an das mittddeutsche Gebiet angrenzenden Teile hinzuweisen. All-
zuweit von Heiddberg, ihrem jetzigen Aufbewahrungsorte, dürfte demnach der Ursprung
der Hs. nicht gesucht werden. Von örtlichen und persönlichen Beziehungen und
Anknüpfungspunkten, wodurch man die bisweilen etwas unsichem sprachlichen Merk-
male besser stützen und etwaige Schlußfolgerungen sichern könnte, findet sidi in der
Hs. nichts. Wenn für das damals überall verbreitete Lied Nr. 186 zwen Studenten
zue Freyburg in der Statt als Urheber und Sänger genannt werden, so sind sie nur
mißbräuchlich oder mißverständlich für zwen Hauer zu Freybergk einer altem
Fassung, die sich in den Bergreihen findet, eingesetzt, und es kann aus der eineti
Fassung ebensowenig auf den Ursprung des Liedes im badischen Freiburg, wie aus
der andern auf den Ursprung in der alten sächsischen Bergstadt Freiberg geschlossen
werden. Die Lieder als solche stammen aus allen möglichen Gegenden Deutschlands
und bringen in jede Sammlung und Auswahl ihre mundartlichen Eigentümlichkeiten
mit hinein, und sie stammen aus verschiedenen weit auseinanderliegenden Zeiten^
zum großen Teil noch aus dem fünfzehnten Jahrhundert, und führen altertümliche
Wortformen und Ausdrücke mit sich, die sicii in Liedern um so hartnäckiger
behaupten, als Metrum und Beim Änderung erschweren. Wie sich in keiner aus
verschiedenen Bestandteilen zusammengebradUen Sammlung einer Zeit, zu welcher es
eine allgemeingültige, feste Schriftsprache nodi nicht gab, überall Folgerichtigkeit und
Übereinstimmung durchsetzen kann, so läßt sich von vornherein für diese Lieder-
Sammlung noch viel weniger in sprachlicher Beziehung vollkommene Planmäßigkeit
IX
und Emlmilkhkeit voramseiien. Die TäÜtjkeit dw Sammler gegmülber ihreti in
ffeschhssmm^ Form ihnefi nhetiiefertefi Vorlagen kann sich nur in einetn oberfiäch-
Hühen Anfitrieh behmdetu Ihre mtmdartUeh€7i Befangenheiten uud Neiffwiffen tverdcu
sich nicht sowohl in grnndsätilicher Diircharheitmiy ah in kleineti AußerUchkeitm
verriden. Wie fem diesem Kreise das nif-derdenfsehe Sprachgebiet lag, zeigt besonders
Nr. 160 f ein ursprünglich mederländisches Lied, welches der Schreiber gar niehi ver-
standen hai.
Wie die Sammlung ah Games von andern hüchdmitsvhen Schriftstüekm sieh
unterscheidet and ihre Eigeidämlichkeiten aufweisff so lassen sich hei schärf er em
Zusehn auch bei defi beiden daran beteiligten Schrdbem gewisse Besojiderheitefi wahr-
nehmen^ die jedoch nur derartige mnd, wie sie sich ebeti stets bei verschiedenen
Personen selbst bei gleichem Bildungsgange, ghicher Lebens fühnmgf in demselben
Gesellschaftskreise f imter detiselben Bedinffiinge>i natnrnotwefidig htrausstelhn^
im ersten Teile sind bei Znsamfnenseizujigen die Bestandteile fost immer ge-
m^ieden: herz lieb» herz aller liebste u, dgL Im zireiten Teile stehn die Worte
nicht immer^ ahm* oft Eusammengesch rieben: herzHeb, herzallerliebste u. dgh
Der Schreiber des ersten Teih verbindet flns h mit den vorhergefienden Buch-
staben gewöhnlich durch mnefi starkgeknlmmtepij wellenförmigen Bogen, tcelcher dm*
Form des Buchstabens C sehr ähnlich ist, eim (fcwohnheitj bei ffer es meist unmög-
lich ist h und ch zu scheiden. Ob him^ nichts ah ein graphischer Schnörkel oder
vieUeicht eine lautliche Unsicherheit zu Grunde liegtj dürfte schwer zu bestimmen
sein. Damit in Zusammenhang steht es vidlefcht, wenn derselbe Schreiber mehrfach
s und seh vertüBchselt und bloßes h für ch setzt* Besonders oft mid Formen von
sehen und geschehen durcheinmider geratmf offenbar wegen des unmittelbar auf se-
tmd sehe- nachfolgetiden h, das in der Flexion sich oft bu ch verdickt. So findet
man s für seh in 8, Ä^/ gesichts; 9, 139 gesicht; 15, 5 gesiebt; 18, U gesach:
*50, IH gesach; 5-/, 4B gesach; oÖ, 70 gesteh t; 6*5^ 28 gesiebt : 66 ^ ^) gesiebt — ge-
sach; 92^1^1J^2S gesichts; 98^16 gesiebt; und umgekefirt seh für s in 18,41
schehen; 37,2 geschehen; io^ 17 verschehen; 6*6'^ 16ß auffschehen; 68, B5 beschehen:
82f 7 geschehen. Sdten kommen andre Wort^ dafür in Betracht: 1, 47 verseren
für das altertümliche^ dmn Schreiber n:^ahrs€hei7Üidi nicht mehr geläufige verscheren :
9,109 u7id 8n, 13 sein für sehein; 0^,6'-^ slacht für schlacht; 73, S2 vormissen
für vermischen; umgekehrt nur^ wohl unter dem Einfluß des vorausklingefiden gleichen
Änlaids im folgenden Wort, 21j 29 sehend! ich schmertzen statt sendlich. Wenn ch
uhermaßig oft für h gesetzt ist, so tritt wieder dieses nach alter Schreibung mehrfach
für jBfies ein: //, 11$ rehenschafft; 11(12, 3^> mib; 15 ^ 17 niht; 21 f 15 niht; 29^ 41
inih II, s. w.
Im zweiten Teile der Hs. kmnmt eitie VerwechBlung von s mid scli überhaupt
nicht vor: h aber für ch tntt nur auf bei den beiden Pronmnina solher mul wellier,
und zwar durchgehends, wobei man in einm* latälichefi Tatsache den Grund zu
suckmi nifdd umhifi kmnef^ mrd: 103, 13 solher; 106, 26 soihs; 106, 55 solhs;
106,112 solher; 106,135 solhes; 107, 13 so]hen; 107,30 soWis; tt 17, 4^J solhes:
117, 15 solher; 117, 23 solhem; MK 8 welher; 1^4, 11 welhes u, s. w. Es läßt sich
X
annehmen, daß in dei' Mundart dieses Schreibers der Laut hitUer 1 in welcher
und solcher gar nicht gesprochen umrde oder tmr äußerst schwach eu vernehmen war.
Für a (= mhd. ä) steht in der Es. sehr oft o, doch seUener in der zteeiien
Hälfte. In der ersten Hälfte laufen die Formen noch und nach für die Präposition
beständig wie gleichberechtigt nebeneinander her: noch «. B. 1, 40; 3,26; 5,19 (u.s.w.);
48, 21; 50, 15; 52, 13 (u. s. w.); 95, 18, 21, 22. Auch sonst zeigt sich Vorliebe für o:
1, 41 los; 15, 25 loß; 8, 31 Ion; 18, 19 verlon; 22, 22 abelon; 22, 23 Ion; 27, 22
und 53, 7 verlon; 54, 30 Ion u. s, w.; 1, 46 klor; 1, 67 roch; 1, 71 woffen; 2, 3
jomerthal; — gethon 5, 15; 33, 10; 40, 1^; femer 49,8 underthon; 54, 14 thon; —
7,36 moße; 8,9 besthon; 8,.55 widersthon; 40,44 slhon; 48,7 slhon; 8,23 mol;
34. 16 zumol; — 8,41 erghon; 27, 20 verghon; 42, 28 gon; 53, 23 ghon u, s. w.
— L% der zweiten Hälfte der Hs. steht noch nur einmal für nach wirf zwar im
ersten Gedicht dieser Hälfte gleiclisam als Sachwirkung der ersten: 99, 72. Dagegen
wird in der zweiten Hälfte do neben da ganz gleichberechtigt angewandt, tvälirend
in der ersten Hälfte do nur selten (z. B. 49, 25; 52, 21) begegnet: 102, 12; 105, 16;
106, 100; 108, 2; 119, 10; 123, 16; 124, 19 u. s. w. Nicht selten stellt auch in der
zweiten Hälfte lo(h)n für lan = lassen: 125, 13; 126, 20; 131, 42; 155, 8; 159, 5;
181, 4. Sonst findet sich o für a nur vereinzelt in der zweiten Hälfte: 117, 5 won
(im Beim auf: khan); 124,20 u. 42 et wo; 153, 21 gethon (: cron); 154,4 groll
(: Partzefal); 180, 2 spot (: not); 182, 20 won (: schon). — Gleich hier mag sich
anschliessefi blo 76, 1; 90, 28.
Umgekehrt steht bisweilen a für nhd, o = )nhd. ä, dieses auch öfter in der
ersten als in der zweiteti Hälfte, so vor allem a(h)n(n) für ohne: 11, 23; 16, 16
u. 16; 23, 22; 24, 11 u. 33; 29, 41; 41, 22 u. s, w. 11112, 2 wa; 24, 15 wa u. s. w.
— 146, 44 stram; 179, 23 wa; 183, 21 ann u. s. tr.
Sehr viel seltner findet sich a für nhd. o = mhd, o: so 72, 13 nach (= noch);
74. 17 dannach u. ö,; nicht in der zweiten Hälfte,
Neben auf steht in der ersten Hälfte nicht sdten, in der zweiten sefir oft uf(f):
6, 18; 8, 52 u. 54; 11/12, 12; 14, 4; 40, 19; 43, 7; 4o, 13; 52, 31; 54, 34; 98, 27;
— 103, 31; 104, 3; 106, 42 u. 44; 109, 1; HO, 6, 10, 30, 31, 32, 41, 47; 111, 6 u,
16; 112, 2, 9, 39 u, s. w. Außerdem ist noch anzumerken u für au: 17,3 bruns;
55, 60 u. 151 18 uß.
Wie a und o schwanken auch o und u durcheinander, ebenfalls mehr in der
ersten als in der zweiten Hälfte: sun (= söhn) 1, 26; 2, 13; 6, 38; 52, 68 u. ö. —
sun (= sonne) 31, 40; 32, 41; 55, 85 u. ö, — khum (menj, khumbt u. dgl, 1, 68;
3, 34; 7, 13; 10, 21; 20, 7 u. 19; 33, 29; 39, 5; 41, 5; 42, 52; 48, U; 54, 6, 13,
22 u, s. w, — 10, 37 genummen; 11, 66 genummen; 40, 37 vernumen; 54, 20
vcmummen u. ö. — summer 17, 2; 32, 3; 40, 2; 54, 1 u. ö. — wun(e) 23, 16;
40, 15; 55, 87; frum 3, 24; 33, 30; 54, 11; su(n)st 25, 10; 26, 19; 29, 17 m. 33;
35, 18; 50, 30 u. s. w. — In der zweiten Hälfte: su(n)st 104, 34; 124, 35; 132, 23;
136,13; 150,16; 182,42 u. ö. — khum(men), khurabt m. dgl. 112,15; 123,10;
139, 12; 171. 27 u. 29; 180, 2 n. ö. — k(h)un(d)l(en) 1&<, 21; 131, 6; 136, 30;
153, 57 u. 0. — frum 168, 19; 178, 51 u. s. w.
XT
o statt mhd. u pndd mch nur einige Male in der zweiten Hlilfie: 100, l)i komcrs;
//>/, 10 khommer; 162 ^ GÖ komer; 165, 62 komm er; 194^ 25 kommern; 166 ^ 42
krommen; 132^ 17 onvorkert (i56\ IB unvcrkhert); — o ^att mhd. uo {nhd, u);
/4ö, 45 gron; 190^16 gronet {vgL 100 j 9 grön); 157\30 thon; 178,54 magthom.
Der l>iphthm%ff ai kommt im er&tefi T^äe seltm vor: 11, 61 ainß; 31, 10 ain;
86^23 aidt; 36^24 aigen; 44,22 ai^en iL s. w. Viel häufiger trifft man dienmi
Diphthong im eweiten Teile^ wobei stets nur altes mhd. ei dadurch hmekkrut wird^
nährend für nhd, ei = mhd. l nur die Schreibung ei gebraucht wird: 99 ^ 57 raizen;
109, m fayle; 1Q9, 18 aierr; 110, 18, 26, 44 ich wais, haissen, pain; 116, 4 da
waisl; 118^ 13 ay; 122,6 laider; 125, 4, ö, S kayserin, ayde, layden; 128, 12 ik
15 taygen, taigen; 128,16 haid; 128,19 haisset; 129, 3 u. 14 laid, aigen; ML 2
u, 4 herzenlayd, hochgemait; 133, 1 u. 134^ 17 ainigs; 134, 35 u. €() wais;
/34, 53 kayserin; J35, 8 aid; 135, 28 ich rnain u. t^* n\
Was femer noch den Vokaltsmns anbetrifft, mnd keine sofisHgen weseniltchm
t nt€}*schiede vou da* netthoehdeutschm Schriftsprache nachnttretsen. Doch verdient
betnerkt 2ii werden, daß in der Hs. die Bezeichnung des Vmlmds noch sehr srhwan*
ketid und unregelmäßig ist; ä ivird gncöhnlich durch e gegeben, ron o und n wird
ein Umlaut selten unterschiedefr, ntmal in der ersten Hälfte, während in der zfveiten
ein mitschiedfmer Fortschritt h im bei bemerkhar nmrt Bei der Bezeichnung der wit u
oder ü zusammen yesetHen Diphthonge, denen mhd. omv, iuw, üw mi Grunde Hegt
oder denen r folgt, besteht ein graphischer Unterschied zwiBcheti defi beiden
Hälften i in der ersten findet sich dafür meist w und uw, dieses öfter ah jcneSf
in der zweiten steht in den entsprechenden Fällen w und mit Umlaut w, wm
in folgendem Ihiick stets i>i uw und üw aufgelöst ist Daß in damaliger Zeit im
AnlaiU V ßir u, dagegen im Innmjt der Worte beim Silbettanfang u für v gesetzt
umrde, ist hinlänglich bekannt; die^e rein graphischen Geimhdieiten sind ohne latd-
liche Bedetüung, und es liegt kein Anlaß vm\ de7*€trtiges in genauem Abdruck zu
verewigen. Es kann kaum ein Zweifel mdstehm, ob u oder v in einem bestimmten
einzelnen Falle Konsmiant oder Vokal ist, und es empfiehlt sieh, im Neudruck
für den Konsonanten stets \% für den Vokal stets u zu setsm. Da die Zachen f
und Y schon damals oft denselben Laut bezeichneten, damals aber noeh mgar bei
denselben Wortefi durcheinandergingefti, kommt auch für jetziges f in der Hs. bisu^mlen
u vor^ so Nr. n5 Z 10 der graue =^ grave zwischm Z, 6 w, 2(J graffen»
Schwieriger ist in einigen Fällen bei dmn andern Halbvokal i : j die Entscheidung
zu treffen^ ob Vokal odm- Konsonant vorliegt Zwar überwiefjt vor a, o, u, tco der
Jjüut sicher auch damals konsonantisch war^ die Schreibimg mit dem langen j, aber
es kommen doch daneben auch Schreibmigen vor tüte geiagten 3, 27; ianimers 48, J;
iungenoö, 6' u. ö7; y erjaget Ö7f 53 u, a. nu Es läßt sich also nicht sagest, daß zur
Bezeichnung des Konsonanten stets das lange j getvahlt sei. Zur Bezeichnung des Vokals
wird aber im Anlaut neben dem allerdings übermegenden \ ganz tmter schied slo$ j ge-
braucht: ir und jr^ im und jm u, s. u\ Jnfolgedessm wird es bd ie und seinen Zu-
sammensetzungen meist zweifelhaft bleiben, ob j den Vokal oder de^i Konsonnnteyi be-
zeichnet, so bd jeder, jeglicher, jet^ft) oder jetzund(t) u. <l m. In beiden Teilen der
XII
Hs. kommt hei diesen Worten selten i vor, es überwiegt '], und bei dieser Odegenheit
zeigt sich wieder zwischen den beiden Teilen ein graphischer Unterschied, indem der
zweite Teil y, der erste j bevorzugt. Eine gewisse Neigung , das i : j vor e kotiso-
nantisch aufzufassen, könnte man daraus entnehmen, daß ein paar Male jh dasteht.
Unter solchen Umständen darf man in diesem Abdruck wohl nicht ohne weiteres j
diberaü durch i ersetze)!, wo mlid. i sicher cokalisch dasteht, sondern wenn man
keine laiUliche Möglichkeit verwischen wül, wird man gut tun, für die Schreibung
■als Regel zu befolgen, daß, wo j Mtir Vokal sein kann wie vor Konsonanten, es
als rein graphischer, bedeutungsloser Schnörkel fallen gelassen wird, wo es aber
unzweifelhaft einen Konsonanten bezeichnet wie vor a, o, u, oder vielleicht bezeichnen
könnte wie vor e, beibehalten wird. Das kleine i wird man ohnehin an keiner
Stelle durch das lange j ersetzen. Fiir die Frage nach dem vokalischen oder kon-
sonantischen Charakter des i : j vor e kommen aus der Es. in Betracht Stellen und
Worte wie: 9, 210 je; 11, 45 jhe; 18, 16 je; 37, 2 jhe; 40, 33 ie lenger ie lieber;
43, 10 ie; 45, 19 je; 49, 12 ie; 54, 55 ye; 91, 19 u. 34 jhe u. s. w. — 100, 13 ye
lenger ye lieber; 103, 8 ye lenger ye mer; 107, 39 ye; 121, 9 ye lenger. ye bas;
152, 20 ye (im Reim auf: die); 160, 30 ye u. s. w. — ,9, 154 jeden; IZ, 55 jeder-
man; 40, 10 jederman; 66, 152 jederman; 77, 4 jede u. s. w. — 55, 24 jeglichs;
61, 28 itzlicher; 66, 84 iglicher; 66, 85 ieglicher; 66, 99 u. 109 iglicher; 76, 40
iglichs u. s. w. — 112, 7 u. 141, 28 yemand(t)s u. s. w. — 9, 15 ietzundt; 9, 118 u.
IM ilz; 9, 145 jetz; 11, 3 jetzt u. s. lo. 43, 11 jetzundt; 44, 14 jetz; 44, 32 jetzt;
46,2 u. 20 jetz; 47, 9 ietz; 49, 4 jetz; 50, 26 yetz; 53, 3 jetzundt; 54, 5 yetzundt
u. s. w. 87, 4 ietzt; 87, 11 ietzundt; 95, 21 ietzett; 95, 22 u. 24 jetz. — 99,
m yetz; 99, 126 jetz; 99, 153 yetz; 104, 25 u. 30 yetz; 104, 39 yetzunt; 105, 4
yetz; 115, 10 yetz; 117, 19 yetz u. s. w. — Zu beachten sind noch die Schreibungen
genem, gennem 36, 3; 76, 10.
Was die Konsonanten anbelangt, so kommen die meisten Schwanlamgen inner-
halb der Hs. soune die meisten Abweichungen von der neuhochdeutschen Schriftsprache
hei den der Lautverschiebung unterworf^en Konsonanten vor, und auch hier wieder er-
scheinen die Abweichungen viel häufiger in der ersten als in der zweiten Hälfte der Hs.
d statt des gewöhnlichen i nicht nur nach 1, n, r, sondern auch im Anlaut und
nach Vokalen oder Diphthongen:
8s 16 halden; 9, 64 soldu; 11, 54 khunden; — under 17, 9; 22, 2 u. 23; 34,
4H; 49, 8 underthon; — 21, 64 entgelden; 24, 6 werder; 32, 66 werde; 47, 3
werde; ^, 6 werdere; 25, 25 u. 51, 5 hinder u. s. w.
99,146 underlaß; 100,25 darunder; 101, 7 under; 109, 4 darunder; 131,33
u. 34 under; 140, 16 u. 160, 40 under; 179, 36 underwindt; 112, 12 werder; 156, 25
werde; 156, 29 werden; 160, 17 u. 33 werde; 139, 10 hinder u. s. w.
1, 13 du = thu; Deufel 1, 23; 2, 5; 11, 70 {1, 72 Teifel; 5, 27 Teufel); 1, 31
dragen; 21, 11 dragen; 44, 19 dragt; 47, 41 dragen; 1, 64 drenk; 4, 31 dickh; 6, 30
duckhen; 24, 29 dickh; 4,33 daugen; 6, 14 duch; 6, 25 drieglich; 9, 163 misse-
thadcn; 10,22 dreu; 11,17 dreuer; 29,49 dreu; 10,34 u. 35,32 dott; 11/12,22
u. 27, 23 bedracht; 11/12, 30 dreiben; 24, 31 dreibt; 29, 21 dreib; 34, 48 dribests:
XIII
13, ä deur; 14, 13 drauwen; 44, 21 dreuwen; 14, 16 dugent; 18, 27 drauter; 23, 7
dieflf tt. s. w.
99, 108 u. 106, 147 bedort; 102, 52 dickh; dückh 104, 8; 119, 34; 177, 2;
106, 69 du = thu (s. 1, 13); 166, 89 dueslu; 106, 109 dreib; HO, 38 u. 47 dannen;
dochter 118, 16; 123, 26; 131, 83 n, 87; dapfer 124, 14 u. 30; 140, 10 u. 8. w.
t für d: 8,10 lichten; 12, 1 meyten; 12, 16 ettel man; 29, 46 getruckhet^
62, 64 iL 60, 66 vertruckhen; 36, 7 thu = du; 40, 17 wellten {54, 23 weiden =
Tradet-w); 50, 36 furter {58, 60 forderst); 58, 71 Thonau: 71, 12 trumb; 86,39
winlen n, s. w.
99, 54 truckhen; 108, 19 truckt; 116, 24 truckhen; 166, 42 truckt; 160, lii
truckh; 165, 26 troest «. s. w.
p für b: 2, 9 hept; 3, 28 u. 45 prun; 40, 13 prunnen; 5, 6 gepom; 7, 20
gcpott; 9, 125 gepotlen; 11, 2 geprist; 11, 32 u. 31, 4 pluetl; 13, 27 pringl; 43, 38
pringt; 49, 2 pringt; 16, 21 pitter; 18,49 zcrprochen; 19, 15 geprochen; 21, 17
pesl; 36, 33 pesser; 37, 8 pas; 21, 75 plicdt; 47, 8 pliett; 23, 24 u. 33, 18 pill;
24, 32 piß; 26, 1 weiplich bildt; 26, 12 m. 50, 11 weiblich pildt; 26, 32 pin; 38, 1
pin; 47, 13 pin {47, 28 u. 43 bin); 29, 27 prin; 32, 40 pluemen; 33, 5 pruckhen;
37, 3 u. 13 geperden; 37, 17 prauner; 40, 3 gepliet; 40, 13 prunnen: 43, 31 pleibe;
46, 4 pei; 47, 36 u. 41 peses «. s. w,
106,96 pracht; 110,44 pain; 112,35 pange; 114, 10 prauns; 116, 6 ploch;
128, 12 pirn; 130, 22 precht; 131, 36 prünlen; 132, 9 pues; 133, 9 widerstrepl;
153, 60 parfues; 156, 28 pranndte; 167, 5 print ; 161, 17 pitter; 162, 12 pier; 177, 23
peut; 177,46 praut; 182,21 pergen; 186,18 päumelein.
b für p: 31, 23 brangen; 35, 5 brieflf; 42, 34 blagen; 43, 7 baß; 62, 21 babsts;
64, 27 boßen; 66, 6 babst; 66, 53 breiß; 66, 127 ubbigkeit; 70, 26 gebreist; 77, 10
bochen; 174,4 bracht; 189,17 verbraßen.
b und w: 5,5 anwegin; 22, 10 schawab: im Beim auf: grauw; 32, 15 taub: im
Reim auf: au ; 32, 57 grab = grau; 93, 8 growe: zweifelhaft oh = graue oder = grobe.
g und k: 36, 25 gluckh = klug? — 58, 29 kram; {58, 41 Krichisch Weissen-
bürg); 77, 24 klicks; 80, 29 kar; {82, 13 Krichenland); 83, 26 kharten. — 110, 18
vergaugelt; 46, 1 laggei. —
Eis bleiben noch einige mehr vereinzelte sprachliche Erscheinungen hervorzuheben.
Die Verkleinerung icird überall durch angehängtes -lein, an keiner Stelle durch das
mitteldeutsche -chen bezeichnet, und zwar wendet der erste Schreiber nur aus^
nahmsweise daneben -len oder -lin an, wogegen im zweiten Teile der Es. -len und
-lin mit -lein ganz gleichberechtigt erscheinen; ganz vereinzelt sind 32,59 wangel;
75, 16 tröpfle; 165, 62 wengle; — somt 17, 15 bluemlin; 18, 42 brieffelin; 20, 15
meidlen; 40, 44 bluemlen; 86, 2 lufiftlen; 86, 26 tropf len; 90, 6 bluemlen; — 100, 8
gärtlen; 100, 18 mundlin; 102, 13 freüwlen; 103, 3 freuwlin; 103, 26 jungkhfreuwlin;
103, 31 bliemblen; 105, 6 bliemblen; 129, 1 bluemlen; 108, 37 mediin; 119,lu,36
medlen; 119, 43 mediin; 110,5 vögelin; 111, 8 vöglen; 111, 20 jungkhfreuwlin;
7ii,^i liedlen; 119, 50 WedVm; 122, 16 Wedhn; 123, 41 Medien; 112, 22 heuWn;
113, 16 euglen; 113, 20 eüglin; 119, 22 pfeiflin u. s. w.
XIV
Femer sind bemerkenswert Formen wie: mir = wir 1, 69; 20^ 4; 66, 105; 93^ 11;
131, 23; 156, 68. Weglassung des t am Schluß der Worte besonders nach andern
Konsonanten: 25, 4 dich(t); 52, 61 setz(t); 68,11 sich(t); 69,25 khen(t); 80, 15
mach(t); 83, 15 krenk(t); 99, 34 dich(t); 108, 10 betrug(t); 131, 72 lieb(t); verdnedt
nadi Vokal 55,29 gemeide: im Reim zu: felde. Verwirrung bei st und z. Scheu
vor tst (oder dst) und zt: 1,8 halfts; i, 36 verletzts; 12, 8 zusprichls; 23, 26 ihuets;
39, 8 thetz; 80, 8 leidls; 80, 11 machts; 81, 12 liebsts ; 95, 14 weichts; 18, 39 stiffl(st);
108, 34 ergetz(est); 48, 8 seiflfs; 155, 21 beüts; 80, 9 w. 81, 21 darfs; 14, 9 u.
39, 13 finstu; 27, 7 befinst; 1.9, 16 finst; 153, 31 finst m. s. w. Anders aufzufassen
sind: selbs 3, 18; 71, 1; 101, 15; 131, 65; am lesten ende 5, 25 u. 6, 36 u. s. w,
Auslassung oder Anghichung von n: 146, 12 hörrlin; 155,28 hüelin; 175, 22 n.
26 gerlen; 55, 102 omacht; 183,2 tauset.
Es überwiegt das oberdeutsche fer, fher, ver 4, 2; (9, 174 fern: tm Beim auf:
Herr); 11, 44; 33, 28; 36, 3; 44, 13; 55, 3L 53, 54; 76, 72; HO, 17-, 112, 33 {im
Reim auf: gern); 153, 28; 204, 41.
Außei' manchen altertümlichen und später veralteten Worten finden sich auch
einige aUe Wort- und Flexionsformen in der Hs.: 31, 35 sy ligent; 42, 46 u. 63^ 10
sie thund(t); {60, 4 wir sthent); — Iei(d)t, leut, laid w. ä. = liegt 15, 17; 21, 56 u.
63; 29, 30; 55, 117; 60, 12 u. 68; 72, 10; 76, 39; 77, 23; 84, 11; 112, 25; 113, 4
u. 7; 140, 8 u. 9; 146, 6; 156, 12; 173, 25; 186, 27; leyten = legten 55, 28 (Schreib-
fehler?); geit = gibt 40, 4; 71, 10; 163, 13; 173, 27 ergeüt; 66, 47 geseil; 66, 60
seit. — Die erste Pers. Präs. auf n 66, 1 ich han; 70, 1 ich han; 146, 17 ich thuen;
188, 26 ich gern; aber auch 131, 84 ich furchten ti. a. m. — Adverbialformen auf^en
(stets -liehen) z. B. 56, 9 treulichen; 63, 5 herzlichen; 63, 29 taglichen u. a. m. —
Imperativ zu sein: bis z. B. 56, 33 u, s, w.
Wegen ihres Geschlechts mögen vermerkt werden: Masculina 1, 32 u. 154, 20
last; 9, 111 Wollust; — gewalt 9, 176; 37, 22; 66, 9, 30, 37; 70, 30; 87, 16; —
57, 33 pracht; — Fem. 61, 31 mittwoch; — Neutra 23, 24 pitt; 66, 58 fan; 204, 5
gebert; — mensch 31, 14; 52, 48; 66, 4, 141, 143 u. s. u?.
Die Füllworte sich und es, die bis auf diesen Tag im Volksgesanye mancher
Gegenden üblich sind, kommen auch schon in der Hs. vor: 8, 4 wen sichs schon thet
verwirren alle weit gar (an dieser Stelle durch das folgende schon wahrscheinlich
beeinflußt); 34, 35 ringlein khanstus gießen; 61, 52 ein freyer landtsknecht ist ers
genant; G7, 10 das ers erblindt; 95, 17 weichstus von mir, rechs Gott an dir {viel-
leicht in Vorausnahme des folgenden rechs); — 102, 67 — 69 soltus, mein hört, ein
schnödes wort, also durch mich erwerben; {106,1 hestus); 128, 24 so ichs über
die beide khomme; 130, 17 krefftig soltus ringen; 155, 1 Ich bins ein armer reüters
knab; 164, 9 hab ich sy mirs außerkorn; 166, 20 ich habs gewartet dein; {170, 27
woU es); 172, 26 ein stolzer Schreiber ist ers genant; — 61, 54 er ist sich bey
siben veldtschlecht gewest; 110,16 drumb sprach sich die atzel; 141,28 ligt sich
yemandts hie verborgen; 153, 30 sprach sich der Jüngling guet; 156, 69 also redt
sich das raine weih u. s. w.
Entsprechend den für alle Mitarbeiter an diesem Unternehmen der Akadetnie
maßffebmdeti LeiUatzmi hat bei Wieckrgc^e der Hs. in vorlmjmidem Nmdmch ah
Hauptregel gegoUeny daß im aUgemeinefi der Buchstabrntbestand nach AföfflwhkeH
gmchmii %ind jedmifalU unverändert bleiben soUtß, wo lautliche und sprachliciie Tat-
saehefi zu Gmnde liefen oder icenigstefis liegen könntet^ Abgesehn von der schon
erwähnten Auseinandersetzung ^wi^chen u und v, i and j beschrankt sich die Yer-
einfachnng der Schreibart hiei' faU gans darauf, daß ck, tz*) fiach Diphthongeti und
Konsonanten p some die planlose^ phonetisch und etymologisch durch nichts gerechtfertigte
Häufung von Döppdkomonanten, bem^iders IT, nn, ti nicht nur 7iach Diphthongen^
tw und nadi atidetn Konsonanten, sondefm auch tu unbetont4m Silben aufgegeben
ist. Das beigegebene Faksimile wird jene leidige Manier der Schreiher zur Genüge
veranschaulichen. Darüber hinaus Änderungen vorzmiehnien^ ist vermieden it^orrfeti **)
Auffällige Fonueriy seltsame Schreibungen mußten eben wegmi ihrer Eigenart,
eben wed es darauf ankam, deti besonderen Charakter der Hs. zu schonen und nicht
£u venvisehen^ unangetastet bleibmu
Sonstige Bessenmgen oder Änderungen des Wortlauts finden nur bei mrklichii
Sehrtibfehlern und gegenüber ganz unsinnigen Stellen Zulaß und auch dabei nur,
wetm das Einzusetzeftde sich mit unzweifelhafter Sicherheit ergibt und andre Mög-
lichkeiten ausgescidosseH scheine?i.
Wetm es im Plane dieser Veröffentlichung Idgcj die Lieder in ihren ursprüng-
lichen Fassungen herzustdlen unter Ideranziehung eines gfvßefi Apparates und untef*
Afiwendung aller kritischen MitteL so böte vor allem das Metrum die beste Handhabe
dazu. Bei den mmtm Liedern läßt sich das zu Grunde liegende Stri^hetischema
genau festutelleny und Abweichungen davon in Keim oder Silbenzahl müßten als Ent-
s^Unngen entfernt werden. Gr'6fiei*e Freiheit im Versbau besteht nur hei den wirk-
lichen Volksgmängen^ deren in der Es. eine ve^'hältnismaßig bedeutetide, doch immer
nur eine geringe Zahl vorhanden ist. Bei deti kunstmäßigeti Liedern, die hier me
samt in dm Sammlungen aus dem lb\ Jahrhundert beträchtlich übenviegeHj ist Silbe
für Silbe vorausbestimmt und festgelegt, durchaus dem Strophefischeina unterwarfen,
Wie kihhstliehf Ja verkünstelt in jener Zeit, welche man als die Blütezeit des
V(^ksgesange;^ bezeichnet, die Versiechnik vielfach war^ da^ bekundet mehr noch ah
mreinjstlte Kunststücke nach Art von Nr, 29j 79^ 106, 151 oder gar 99 mit emer
ifi?- (eigentlich 6^-) mtigen Strophe jene große Gruppe^ die jedem beim Ihirchlesm
[«der auch schon beim Durchblättern wegen ihrer Einförmigkeii auffallen muß. Es
*i$t eine Gruppe mn Liedern, deren Strophen überwiegend oder zum Teil aus ganz
kurzen Reimpaaren zu je 4 Silben besteht Diese kurzen Reimpaare, die sich in der
Lgrik damaliger Zeit unerträglicli breit machen und alles überuMchem^ sind ent-
*) Diete Vereittfachung de» Iz, dm ülirigen» nach Diptithongen nkfit grade ttävfitf vorkotintii
(lt,36 geitz; fJlJ^ ät n. 40 creuta; Sf9^ 58 rüitzen u. t* v^J^ dyrfte tü&lä unbedenklich mrgmommen
tttrden, da »cfwn z aliehi in dieser ffs. nur die Affricata hedoitet, abgesehen von den zweifel/tafitn
AbkSriungen du, ^^z^ itafür im \eudruck das^ wa& eingeiteUi «/ (iv^/. ohfn S, VII).
/**) In der Verblendung den kleineren Spatinmst das von dem votiai SpaU'um streng ^u tcheiden
die SeUer tich nur achtuer gewöhnen konnten^ »t'nd namentlich anfangs ein paar AhwtuJmngen troff
der Vonekrift tmierffelaufen, ein Mangel, den man enischufditfen woUe. Roefhe.I
XVI
standen, indem die längst herrschenden Kurzzeilen vo7i 8 Silben oder 4 Hebungen in
der Mtte zerhackt wurden, so daß die beiden Hälften miteinander in Reimbindung
traten. Fast ganz aus diesen Reimen in mannigfachen Spielarten bestellen Lieder loie
Nr. 10, 23, 25, 27, 43, 47, 50 u. s. w. Von längerer Dauer tmd bedeutenderem Ein-
fluß sind von diesen strophischen Gebilden zwei gewesen, die auch in der Hs. mehrfach
vertreten sind. Beide gehen auf dieselbe Strophe von 8 Zeilen zurück und sind aas
ihr durch Zerlegung aller vier an ungerader Stelle befindlichen Verse oder nur zweier
davon entstanden: lOzeUige Strophe s. Nr. 8, 45, 73, 75, 82, 87, 116, 183, 188,
196, 202; lüzeüige Strophe s. Nr. 4, 11/12, 35, 67, 72, 74, 80, 81, 102, 152, 179,
180, 182, 192. Diese beiden Strophen finden sich in der deutschen Lyrik vom Be-
ginn des 16. bis zum Schluß des 17. Jahrhunderts ungemein oft, tcerden auch später
noch bisweilen angewandt, haben in kirchlichen Gesangbüchern den Wechsel der Zeit
und des Oeschmacks überdauert und ragen solchermaßen in die Neuzeit hinein. Eine
13zeilige Strophenfonn, die sich aus Bestandteilen dieser Art zusammensetzt, hat
Goethe benutzt in dem Gedichte: Es lacht der Mai ... 5 Str. Die neun erstepi
Zeilen des Goetheschen Schemas entsprechen deti neun ersten des 12zeiligen, die vier
letzten den vier ersten des 10 zeiligen Schemas in jeder Silbe; nur die Beimbindung
ist mit Notwendigkeit verändert. Diese kurzen Verse, bei denen mit jeder vierten
Silbe sciwn ein Reimivort eintrat und bei denen sich der Takt und Verston dem Ge-
hör förmlich einhämmerten, mußten dazu beitragen, der natürlichen Wortbetonung
gegenüber der bloßen Silbenzählung, die wohl übrigens kaum jemals von det* Wort-
betonung unbeeinflußt sein konnte, vollends zum Siege zu verhdfen.
Das für die meisten Gedichte der Hs. unzweifelhaft anzunehmende, ganz regel-
mäßige Strophenschema soivie die durchaus fest vorgeschriebene Silbemahl der Verse
läßt sich an vielen Stellen schon durch Streichung eines überschüssigen oder Hinzu-
fügung eines felilenden e wiederherstellen. In der Dehnung und Zusammenziehung
der Worte zu metrischen Zwecken war man damals viel gewaltsamer als in späterer
Zeit, wie man auch dem Reim zuliehe die Vokale willkürlich änderte und ohne Bedenken
die Worte zustutzte. Doppelformen wie beleiben neben bleiben, gelück hieben glück,
genade neben gnade, gelauben, geleich, zoren, gheren, zum Teil noch sehr viel
später erlaubt, hatten damals nichts Auffälliges; in solchen und älmlichen FiUlefi
bietet die Hs. oft nachlässig die metrisch falsche Form, aber sie durch die richtige
zu ersetzen, kann wohl dem Leser überlassen bleiben. Um des Metrums allein willen
sind in diesem Dnick nur die Versenden dem Strophenschema gemäß riciüig gestellt.
Davon, daß der volksmäßige Gesang des 16. Jahrhunderts nicht frei war von
Künsteleien, legen auch die Akrosticha Zeugnis ab, die in der Hs. ebensowenig fehlen
wie in irgend einer umfangreicheren Sammlung damaliger Zeit:
49, Sag an, herzlieb 3 Str. Sa — b — ina.
](X)\ Ach Jupiter 8 Str. Adam von F— (gewöhnlich 12 Str, Adam von F — ulda).
107. Bedenkh, herzlieb 4 Str. Barb— (ara).
116. Ee ich dich, herzlieb, verlies 3 Str. Eis —
132. Für alle freud 3 Str. F— e— li-(x).
133. Herz ainigs lieb 3 Str. He— le— na.
XYII
I
145, Ich weiß kein mt jelzunder 9 S5tn Jörg Wae(h)ter.
165. Kein lieb on leid wirt frniden 7 Sir. Eatarin.
J74. Mag ich unglückh nil widerstan 8 Str. Ma — r(i)— a.
176. Mach mich nit thumb 3 Str. Ma — ri — ^a,
204, Zucht, eer und lob dir wonet bey 8 Str. Cristina,
Da die »ich aus der Hs. sdbEt ergeim^^deti Hilfsmittel für die ganz unerläßlichefi
B&^ertmgm umweifdhaft verdorbener^ simdoser Stelleti keine gmmgende Grundlage
(ieten^ so ivar es m Übereinstimmimg mit den LeitsätBeti dieser Hefte ratsam^
ParaUdfassungen heranztiziehn. Für handschrifßiehe Ided^aamndimgenj deren jede
für dch ahne ParcUlelhs. dmttM^ und in denen für jede Nummer eigefis der
litm^arische Zmammenhang hergestdlt werden mufi^ ist eine Vereinfachung und Se-
Bchränkung des beständig wechselnden kritischen Apparats besonders dringlich, Stamm-
baume der Überlief erimg, die jeder mit vellstandigem kritischefn ÄpparcU versdienen
Ausgabe vorangehen ^ müßten hier bei jedem einseinen Liede vorgelegt werden, u^-
durch man einer verhundertfachten Arbeit gegenüberstände, deren Schwierigkeiten in^
üniAsdibare und Ungeheuerliche wachsen würden* IHe Vorschrift, wonach man Btdt
bei diesen Ausgaben womöglich auf eine gute Faralldfassung beschränken solle ,
kommt solchermaßen vorliegendem Hefte sehr zu gute^ ja, macht sein Erscheinen
überhaupt erst möglkk Dieser gegmiüber sonstigen Fardenmgeti der Wissenschaß
mäden Vorschrift entsprechend stellt sich hier die Aufgabe so^ daß nach Möglichkeit
für jede^ Lied aus der gewaltigen Masse der JJberliefenmg^ den gedruckten und
handschrifÜichen, mmikalischen und rein literarischen Sammlungen some den un-
zähligen Meitien Liederheftchen die nächstverwandte, zugleich aber besonders gute
Par^klfassung heramzustichen war — eine Aufgabe, die bisher von keinem sdbst
tmffrgr besten und sorgfältigsten Forscher auch nur annähernd in ähnlicher Weise
durchgeführt ist
Zur Vergleickung herangezogen sind vor altem die zahlreichen Berliner Hand-
schrifteuj deren an sich und für diesen Zweck wichtigste drei nach äfinlichen Qe-
siddspunkten, wie hier die Heidelberger^ nunm^r aügemäner zugänglich getnacht
smd, und zwar:
Mgf 752 V. J. 1568, 127 Lieder enthaltend, s. Zeitschrift f dmOscke PhiloL
XXXV (1903) S. 507—532;
Mgq em V. J. 1574, 76 Lieder enthaltend, s. Eupkorion VUI (1901) 8, 499—528;
IX (m02) S. 21^42, S. 280—810, S. 621—6^.
Mgf 753 V. J. 1575, IBO Lieder enthaltend, s. Archiv f, d* Studium d. neueren
Sprachen CXI (1903) 8. 1—28, 8. 257—274; CXIl (1904) S. 1—24.
Außerdetn sind von den Berliner Handschriftefi besonders nodi die mit den
genannt^i ungeftifir gleichzeitige der beiden Herren von Helmstorff Mgq 402 (vofu
Jahre 1569175) und dm viel ältere, jedenfaUs aus dem Anfang des 16. Mirhunderts
herstammende, Mgq 718 u. a, m, berücksichtigt. Doch sind audi zahlreiche Hand-
schriften andrer Bibliothekefi nach Bedarf gelegentlirh bm^utzt
Hirn- mag darauf hingmmesen werden, daß in Goedekes Grundriß ufUer den
zafdreichen Liedersammlungen des 16, Jahrhunderts, die darin gmannt und zf4m
xvni
Teil ausführlich beschrieben sind, aufier der kure erwähnten Es. Vol. HoUs, IP S. 28,
als einzige handschriftliche Sammlung nur noch diejenige für Ottilia Fenchler auf-
geführt wird, IP 8. 42, eiiie Sammlung, die neben den soeben genannten und viden
andern kaum einen sdbständigen Wert besitzt und im Vergleich damit Überaus dürftig
und kümmerlich erscheint, Birlinger in seiner Alanannia bringt sie sogleich im ersten
Bande vorne an: I (1873) S. 1 — 59 (vgl. 224). Die wenigen Lieder darin sind
noch dazu größtenteils in einem ganz trümmerhaften und wahrhaft kläglichen Zustande.
Da schließlich die handschriftliche und mündliche Überlieferung selbst bei ganz
volksmäßigen Liedern doch im letzten Gründe meistenteils auf Drucken beruht, so
durften auch in diesem Hefte gedruckte Parallelen nicht zu Gunsten abgeleiteter und
minderwertiger Handschriften ausgeschlossen werden. Die wichtigsten gedruckten
Fassungen sind überall im folgenden sorgsam zu Rate gezogen, meist im Original.
Von den Liedersammlungen aus dem 16. Jahrhundert sind bisher wenige vollständig
im Neudruck erschienen; es kommen besonders in Betracht das Ambraser (so nach
dem Aufbewahrungsort, besser nach de^n Druckort: Frankfurter) Liederbuch v. J. 1582,
1846 als 12. Band der Bibliothek des lit. V. in Stuttgart herausgegeben wm Joseph
Bergmann, ferner die Bergreihen, 1892 von John Meier veröffentlicht (Neudrucke
deutscher Litteraturwerke H. 99/100), und ganz neuerdings Oeorg Forsters Frische
Teutsche Liedlein, 1903 herausgegeben von M. Elisabeth Marriage (Neudr. H. 203/6).
Leider konnten die sehr reichhaltigen literarischen Angaben der fleißigen Sammlerin
für dieses Heft nicht mehr ausgenutzt werden, was immerhin zu bedauern bleibt,
wenn auch innerhalb des hier vorgezeichneten Planes Vollständigkeit in der Auf-
zählung der Quellen keineswegs einbegriffen ist.
Hoffentlich wird in dieser Beschränkung das Heft andern Forschem wtUkommen
und nützlich sein. Wenn auch allerdings die besten Lieder der Heiddberger Hs.
besonders durch Uhlands meisterhafte Sammlung alter hoch- und niederdeutscher
Volkslieder längst allgemein bekannt und verbreitet worden sind weit über die ge-
lehrten Fachkreise hinaus — ein Abdruck der vollständigen Hs. bei fortlaufender
Vergleichung mit sonstigen Quellen kann dadurch an Wert und Reiz nicht einbüßen,
wenigstens nicht in historisch-philologischem Sinne. Denn auch das ist unssenswert,
wcks dem einzelnen Liebhaber des Gesanges aus dem Liederschatze seiner Zeit besonders
gefiel, was er ohne Rücksicht auf andre Zwecke nur' zu selbsteigner Lust aUein für
sich aufzeichnete, was ihm bequem erreichbar und zugänglich war; und audi das
äußere Oewand seiner Aufzeichnungen, der sprachliche, metrische, ja sogar der
graphische Zuschnitt ist nicht gleichgültig und belanglos.
Schließlieh wird das Verzeichnis der Liederanßnge, indem es die wichtigsten
gedruckten und handschriftlichen Sammlungen vereinigt, für die (Gesamtmasse der
Lieder aus dem 16. Jahrhundert einen festen und zuverlässigen Grundstock bilden^
an den sich Neues leicht angliedern und worauf sich getrost weiterbauen läßt.
Friedenau, 80. Dezmnber 1904.
Arthur Kopp.
Die Lieder der Heidelberger Handschrift
Pal. 343.
*
ff] [h] Ein schön
geistlich liedf. ^^|
1. Ich dank dir, lieber Here,
du wirst mirs nit versagen, ^^H
das du mich hast bewarl
30 wie du verbeissen hast: ^^B
in diser nacht geferde.
das er mein sindt thutt dragen ^^H
darin ich lag so hart
und erloB mich von dem last. ^^|
W ß tnit flnsternus ombfangen,
^^1
dar züe in grosser notth,
5. Die hoffnung mir auch gibe ^^M
darauß ich bin entgangen:
die nit verderben ^^t^ ^^H
halfts du mir» Here Gott
35 dar zue ein christliche liebe ^^|
zu dem der mich verletzts, ^^H
2. Mitt dank wil ich dich loben,
das ich im gutts erzeige, ^^M
10 du mein Gott und Her,
such nit darin das mein ^^m
im himel hoch dort oben,
und lieb in alls mich eigen ^^H
den tag mich auch gewher
40 noch all dem willen dein. ^^H
darumb ich dich du bitten
^^H
und auch dein will mag sein:
6. Dein wort los mich bekennen ^^B
15 leit mich in deinen Sitten
vor disen argen weit, ^^H
und brich den willen mein.
auch mich dein diener nennen, ^^|
nit forchten gelt noch gewaJt, ^^H
3, Das ich, Herr, nit abweiche
45 das mich baldt mecht ab keren ^^H
von deiner rechten ban,
vor deiner warheit klor, ^^H
der feindt mich nit erschleiche,
wolst mich auch nicht verscAeren ^^|
m 20 darmit ich ir mocht gan:
von der Christlichen scharr* ^^M
^ erhalt mich durch dein gutle,
^^H
^H das bitt ich Üeissig dich,
[2*1 7. Laß mich den tag vollenden ^^M
^H fürs Deurels tist und wuiten,
m zu lob den namen dein, ^^^H
^V darmitt er setzt an mich«
das ich nit von dir wende, ^^H
r
ans endt bestendig sein, ^^M
■ (ib] 4. Den glauben mir verleye
behuett mir leib und leben, ^^M
^^ 26 an dein Sun Jhesu Christ,
dar zu die frucht im landt, ^^H
^H mein sundt mir auch verzeie
55 waB du mir hast gegeben ^^M
^^ alhie zue disser frist.
stell alles in deiner handt. ^^M
u
^^M
I. IL
8. Herr Christ, dir lob ich sage
umb deine wolthatt all,
die du mir alle meine tage
60 erzeigt hast über all,
dein namen will ich preissen
der du allein bist guett,
mit deinem leib mich speisse,
drenk mich mit deinem bluett.
65 9. Dein ist allein die ehre,
dein ist allein der ruem,
die roch dir niemant were,
dein segen zue uns khum:
das mir im fridt entschlaffen,
70 mit gnaden zue uns eyl,
gib uns des glaubens woffen
vors Teifels listig pfeil.
J9t.: 20. darmit jr mocht gen. 34. sost. 47. yerseren.
Bern, 47. vencheren « auuehtießen,
PMmen vnd QeistUche Lieder (Leipzig, VaL Babit) 1546 Nr, 18: 8. halflPsta. 13. Wammb
ich dich ihn bitten. 20. damit ich jrr möcht gan. 32. vnd lös mich. 34. lest 37. jm gats.
88. suche nicht. 42. für dieser. 44. nicht förchten gwalt noch gelt. 46. von. 47. verscheren.
50. dem. 52. ende. 54. frftcht. 56. alls. 58. deiner. 59. mir diesen tage. 67. räche.
69. wir. 72. fürs Teufels listige pfeil, Amen.
Wackemagei, Kirchenlied 1841 S, 12 Nr, 290; III 1870 S. 56 Nr. 114; Böhme, AM, Lieder^
budi Nr. 643 (Str. i, 2, 7); Fischer, Kirchenlieder-Lesicon 8. 325.
m
[2.] Ein annder geistlich liedt
1, Her Grott, las dich erbar-
men
und sei das heil der armen
in disem jomerthal,
wolst uns gnedig erhören,
6 dem Deufel sein list weren,
vor im bewaren all.
2. Groß sorg, angst, nott und
geferlichkheit,
elent, schmerz und groß herzen leidt
hept sich in der weit an:
10 gedult gib uns darinnm,
das wir deiner hilf entpfinden
ehe wir scheiden daruon.
3. Mitt deinem Sun Herr Jhesu Christ,
der allein der Erlosser ist,
15 hilf du Herr aller meist:
wan wir v(m dannen faren,
laß uns dein wort bewaren
durch trost des Heiligen Geist
H»,i 10. 4arin. 16. von fekU.
Seb, Ocksenkhun, TahukUurbuch avg die LatOen, Heydelberg 1558 Bl. LVim
not vnd gferligkeit 8. schmertz grofi. 10. darinnen. 11. deinr. 13.
14. allein erlöser. 16. wir von dannen. 18. Geists, etc.
7. Sorg angst
Sun Jesom Chnst.
III, rv.
Ein annder liedt
1, Der gnaden brun Ihul fiusen:
den soll [3^] man trinkhen;
o sunder, du solt busen:
dir thuett Gott winkhen
ä mit seinen gültigen äugen
und rieht dir deinen fuß
wol durch das wort des glaubens:
Christus der allein helfen mueB.
2, Dein thun Ist zwar zu nichten
10 zum ewigen leben,
aufChristumb muest du dich richten:
der wirdt dirs geben,
der hatt versönet den zor^
mit seinem teuren bluett,
15 wir wern all verloren,
sein leiden ist den glaubigen fftU.
3, Du solt dir selbs nit trauwen
zu tilgen deine sundt,
auf menschen Iher nit bauwen^
20 Vernunft erdicht vil sindt.
Sathan thuet dich anwehen,
raocht er dich stürzen umb;
das wort Gottes thuett nit schweigen
und macht vil manchen sunder frum.
s& 4. Mein seel die thuett ser dursten
noch Gottes (3*»] stime
recht wie ein geiagten hirschen
zum kullen prune.
Jhesus, thu mich laben
30 mit deinem heilsamen safft,
mein seil wirdt mir verzagen,
sterkh mich mit deiner Gottlichen
krafifl.
5. Die solchen durst empftnden»
die sollen kummen,
35 die werden labung finden,
den geist auch nemmen,
wer glaubet an den Herren:
ich mein an Jhesum Christ:
wie uns die schriflft thutt leren,
40 ein solliches wortlein sehg ist,
6i Das Wasser thuet her quellen,
von himniet geben,
er speisset unser sele
ins ewig leben,
4& es ist der prun der gnaden
und aller guettigkeit,
wescht ab den sundigen schaden
und gibt die ewigen selligkeit*
Hm.: IS. zom. 16. gut fehii. 37. HerriL
Bergr. 1574 II 27: L genaden . . , flieaien. 3* büseen. B. Cliriatiii allein dir hElffen mnB,
12, dir geben. 13. vereänt den Eoren, 15. warn. 16. dem glaubigen gut. 18 u. 20. aünci
22. möcht. 24^ fromb. 23. sum kUlen Brunne. 40. Bokbes, 45. Brunn der genaden..
48, ewig Böligkeit
Wackemagel, Kirchenl. 1841 S. 578 Nr. 679 (vergL S. 851)-, III 1S7Ö S. 1120—22
/Ä". 1292—95, Qoed^ce-Tttim. LkderL 8. 246 \ Böhme, AUd. LiederL AV. 133; Fächer, Ktrcher^
Ueder-Lejeicon S. 105*
■ km€r-Le
I [4^1 1, Bewar mich Her
1^ und sey nit ver
^^B Ton mir in meinen notten.
[4.] Ein annder liedt.
hilf das ich kin
mit herz und sin
den alten Adam theten,
1*
IV. V.
der bey mir will
stetz herschen vill
mit manigfaltigen synden:
10 las mich mit sieg
in gewaltigclich
durch dein wort überwinden.
2. Ochsenkunlich
vermeint er mich
15 ganz graussam umbzustossen
und jagt mir nach
mit grim und räch,
wan ich will ghen die strafen
die du Her bist,
20 Jhesu Christ:
von dir las mich nit weichen
ewiger stundt,
dan kan der hundt
mein seil nimer erschleychen.
25 3. Verwirf mich nit,
wan ich dich bitt
umb hilf wider den raben,
den bessen gast
so rhue noch rast
30 kein augenblickh kan haben:
sein schmeicher dickh
stoß Her zu rickh,
sy megen mir nit daugen,
schlag in von mir,
35 reiß mich zue dir
da ich hab Gott vor äugen.
JSi,i 4. kin » konfie. 6. theten =^ töten, 10. nit sieg.
Ochienkhun, TabukUurlntch 1558 BL LXXXI<^i 10. mit sig. 11. gwaltigklich. 13. OCHSEN-
KVNUch. 31. Bchmeichler duck. 36. das ich HAB GOTT FVR AVGEN.
HAB GOTT FVR AVGEN.
Sebastian Ochsenkhan.
Ende der Teutschen Lieder.
Wackemagdy Kirchenlied IV 1874 S, 104 Nr. 164; Fücher, Kirchenlieder' Lexicon 8. 65.
[4b]
[5.] Ein ander liedt.
1. Allein zu dir, Herr Jhesu
Christ,
mein hoffnung sthett auf erden,
ich weiß das du mein troster bist,
kein trost kan mir sonst werden,
5 von anwegin ist nichts erkhom,
auf erden war kein Mensch geporn
der mir auß notten helfen khann:
ich meff dich an
zu dem ich mein vertrauwen hann.
10 2. Mein sundt seindt schwer und
übergroß
und reuwen mich von herzen,
derselbigen mach mich quit und loß
durch deinen todt und schmerzen
und zeig mich deinem Vatter ann
15 das du hast genueg für mich gethon,
so wer ich quit der sunden lo^:
Herr, halt mir vast
was du mir versprochen hast.
V. vh i V
3. Gib mir noch deiner barm-
4. Ehr sey Gott in dem höchsten ^M
herzigkeit
thron, H
20 den waren Christen glauben,
dem Vatter aller gutte, ^M
auf das ich deine sussigkheit
30 und Jhesu Christ sein liebsten Son, ^M
mog innigklichen schauwen,
der unß alle zeit behuette, ^^H
für allen dingen lieben dich
und Gott dem Heiligen Geist, ^^H
und meinen [5*] nechsten gleich als
der uns sein hilf allezeit leis^, ^^H
mich,
damit wir ihm gefeilig sein ^^H
25 am lesten end dein hulf mir senrf,
35 in disser zeit ^^H
thue mir behendt,
und folgendt zu der ewigkeit. ^^^
denn Teufels lisl sich von mir wend.
ende . , . sende. 30, Christi, 33. leist«, ^^H
Hs.i 5, erkhoren. 16, loß. 17. veet 25.
Ptaimen u. GeüÜ. Lader 154S Nr, 2ii 4, trost mag* 5. anbegin - . . erkom. 15. gnug. ^|
16* so werd , . . Bunden los. 17, feat. 18, wes
da dich mir vere prochen hait 22. möcht ^M
25, end . . . send, 26. tbu, 27, des, 30. Christ eeim. 31, allzeit behüte. 32* Geiate. ■
33. albeit lebte . . .
^M
Wack^rmigßt, Kircheni, 1841 S. 183 ifr. 2ßö; III WO S, 174- m Br.20i—2QA\ Füeher S, 34. ^^B
[6*] Ein ander liedt ^H
1, In dich hab ich g ehoffet, Herr^
wider meine feindt, ^^H
hilf das ich nicht zo schänden wer,
der gar vil seindt ^^H
noch ewigklich zu spotte:
gegen mir uff beiden seilen. ^^H
das bitt ich dich,
^^H
6 erhalte mich
4 Du bist mein sterkh, mein ^M
in deiner treu» Her Gotte.
felß, mein hordt ^M
30 und meine krafft, sagt mir dein w^ordt, ^M
2. Dein gnedig ohr neig her zue
mein hilf, mein heyl, mein leben, ^M
mir,
mein starkher Gott ^M
erhör mein bitt, thue dich erfur,
in aller noit ^^H
eil baldt mich zu erretten,
wer mag mir widerstreben? ^^H
10 in angst und whe
^1
^^K ich lig und sthe,
i& 5, Mir hatt die weit drieglich ^M
^^H hilf mir in meinen netten.
geriebt ^M
^^H
mit liegen und mit falschem dicht ^M
^^ I6b] 3. Mein Gott und Schirmer, sthe
Til netz und heimliche strickhe; ^^H
^^_ mir bey«
Herr, nim mein war ^^H
^^f sey mir ein duch darin ich frey
in dissem far, ^^H
^^^ lö und riterlich moch streiten
30 behuett mich für falschen duckhen. ^^B
e
VI. vn.
6. Herr, meinen geist bevil ich dir,
mein Gott, mein Gott, weich nit von
mir,
nim mich in deine hende,
warer Gott
35 in aller nott
hilf mir am lesten ende.
[e»l 7. Glory lob ehr und herlig-
kheit
sey Gott Vatter und Sun bereit,
dem Heiligen Geist mit namen,
40 die Gottlich kra£ft
macht uns sigenhaflft
durch Jhesum Ghristumb — amen.
J7«.: 7. ohren. 8. erfor » herfür; vgL 9, 184 u. ö. 19 a. 80. hordt mein krafft.
84. o fehä.
. PMmm tf. Gfeütf. Lieder 1545 Nr, 8: 2. werd. 4. de«. 7. ohr neig HERB zu mir. 8. mein
bei . • . herfttr. 13. steh. 14. ein borg. 15. mög. 16. mein. 18. an mir. 20. mein schilt,
mein krafft. 24. mir. 25. trüglich. 26. gdicht. 27. heimlich. 29. in dieser gfar.
80. bhüt mich vor falschen tücken. 34 O warer Gott. 35. ans. 39. heiigen. 41. mach
yns sieghafft . . .
Waehemoiiel, Kirchenked 1841 8, 207 Nr, 286; III 1870 S. 133 Nr. 170; Fi9cher 8, 409.
[7.] Ein ander geistlich liedt.
1. Ich hab mein sach zue Gott
gesteh,
der machts alles wies im gefeit,
dem thue ich mich ergeben,
mein seel, mein leib, mein ehr und
guett
5 erhelt Gott stetts in seiner hut
hie und dort zum ewigen leben.
2. Was alle weldt verloren acht,
das erhelt Gott stetts inn seiner macht,
wenß im gefeit zu wenden,
10 ich bevelch mich in den willen sein,
er wirdt mich als der vatter mein
außfueren zue einem seligen ende.
3. Was kan mich dan ankhummen
vor nott,
wan du mir beystest, du mein ge-
waltiger Gott,
15 was kann mir dan gebrechen?
gib mir geduldt, den willen dein
zuvergeben die mir zuwider sein.
mein unschuldt wirst du wol rech-
nen.
[6'>I 4. du mein lieber Here Gott,
20 erhalt mich stetts bey deinem gepott,
darwider nit zustreben,
du khanst wol helfen auß aller nott,
waß mir zu sei und leib ist brot,
kanstu mir alles wol geben.
25 5. Jhesu Christ, mein höchste
zier,
laß mich kein gluckh noch ungluckb
von dir
in disser weldt abwenden,
sterkh meinen gelauben durch dein
genadt,
erlöß mich von der sunden schadt,
30 gib mir ein seliges ende.
6. Der unß das liedtlein new
gesang,
ein arme sunderin ist sie genant.
VII, VHL
Gott wirdt sie nit verlassen,
wer sein vertrau wen stell auf dich,
oHer,
35 dem wirdt sein unglickh nit zu schwer,
Gott weiß wol zeit und mosse —
der wirdt dich Bit verlassen.
Hi.', 2. allen 11. mein fehlt 12* endt. 23, brot fehU. 37 m itreiahm.
Nt. 94 unttn die erMe Sirof^e noch einfnal,
1582 Ä 209: Str. I 2. er wirds wol machen. S. mich befehlen. 4. mein leib and &eeL
5. das erhelt er stets. 6. dort im, // 4. ich geb mich, 5. Tater mein» 6, zum. /// {= H$. 4)
1, Du mein lieber herr und Gott* 3. wider dein wort nit, 4* kanat mir helffen« 5. zu leib
und seel ht gut, 6, das k ans tu mir wol geben. IV{= H*, 5) h mich kommen an für not,
2, wenn ... du gewaltiger, S. mir doch gebrechen, 4. gedult in dem, 5, zu vergeben
auch den feinden mein, 6. wirstu rechen. V (^? J9#< 5) 4. gnad, 5. behüt uns herr ror
sünd und Bchad, 6, uns, VI 1. dia liedJem. 2. ein armer stlnder iat er genandt 3. jhii
nit, 4. anff Gott den herrUi 6, er weis , , , massen,
VgL 158 2 B 170 {Hi. 1574 Nr. 73 1 Eupharim 9, 629).
Görres S. .331; Mutier S. 763 Nr, 1256; Ooedeke-Tätm. Ä 234^, Böhme, AUd. Lkderhuch
Nr. 6$9; Liederhm III B. 860 Nr. 2165-, Wackcm, III S. 1071/2 Nr. 124S/8; Fächer, Kirchen-
Üeder^L^kon S. 338.
[8,] Ein annder geistlich liedt.
1, Wies Gott gefeit, so gefeit mirs
auch
und laß mich ghar nichts irren;
ob schon zu Zeiten beist der rauch
und wen sichs schon thett verwirren
b alle weit gar,
weiß ich furwar:
[7*1 Gott Wirts zu letst wol richten;
wie ers wil hau,
so tnueß besthon;
10 sols sein, so seys on tichten.
2. Wies Gott gefeit, ich zufriden
bin,
das übrig laß ich f hären;
was nit sol sein, das stell ich dahin,
GoU will mich recht erfaren
i& ob ich auch will
im halden still,
wirdt doch wol gnadt bescheren,
daran zweifei nicht:
sols sein, man spricht,
20 SO seys, dem kann man nicht wehren.
3. Wies Gott gefeit, so gefeit mirs
woll
in allen meinen Sachen;
was Gott versechen halt ein mol
wer kandas änderst machen?
25 drumb als urab sonst,
weldt, Witz und khunst,
hilft auch nit har auÖ raufen,
mur oder beiß:
solts sein, so seis,
30 Wirt doch sein weg nauß laufen.
4, Wies Gott gefeldt, wils ge-
schehen Ion
und mich darein ergeben,
woli ich seim willen widersthon,
so mueB doch bleiben kleben,
36 gewiß und war:
altag und jar
[Tb) bey Gott seindt auß gezalet,
drumb schickh mich drein,
gescAichts, solts sein,
40 bey mir seis außerwellet.
VllL
6. Wies Gott gefeit, so weis erghon
in lieb und auch in leide,
dahin mein sach will gestellt han,
das sie mir sollen beyde
45 gleich gefallen wol,
darumb mich soll
ja oder nein nicht schreckhen,
schwarz oder weiß:
sols sein, so seys,
50 dan wirtt Gott gnadt erwegken.
6. Wies Gott gefeit, da laufls
hinauB,
daruff laß ich vögel sorgen,
ob mirs glickh heut nit kompt zu hauß,
so wart ich sein uff morgen;
55 bleibt unerwhertt
was ist beschert,
ob sichs schon thuett verziehen,
mich nit drumb reiß:
sols sein, so seyß,
60 gefelts Gott, wil mein theil wol
kriegen.
7. Wies Gott gefeit, nichts weiters
wiU
von Gott noch sonst begeren,
Gott hatt mein Sachen [8»] gestelt
ein zil,
die bleiben miessen weren
65 das leben mein,
drumb gib mich drein,
auf guetten grundt will bauwen
und nit aufs eiß:
sols sein, so seys,
70 wils Gott allein vertrauwen.
8. Wies Gott gefeit, so nim ichs an,
wil umb gedult in bitten,
Gott ist allein der helfen khan,
und wenn ich schon wher mitten
75 in angst und noth,
leg ghar in todt,
so wirdt er mich wol erretten
gewaltiger weiß:
sols sein, so seys,
80 ich gewin — wher nun wolt whetten.
J5«.: 16. inn. 29. so fehlt. 35. die weil gewiß. 87. bey Gott P] bey Gott 89. ge-
fliehte. 43 lk$i gestellt will. 62. begere.
B^m, 64. die bleiben miessen weren auf Sachen tn 63 jni beziehn : die besUkn bleiben müssen.
Vgl, 34 bleiben kleben.
Wackemagel 1841 S. 470 Nr. 578; III 1870 8. 588 Nr. 651 nach einer ZOricher Handschrift
0, J. 1562 in 8 entspr. Sir. Die S. 589 enoahnte Mutmaßung, wonach in der Überschrift zu einem
aUeren Liede nicht „ Wils Oott* sondern „ Wies Oott* zur Bezeichnung der Weise gelesen werden müsse
{8. 585 Nr. 649) leuchtet keineswegs ein; weshalb sollte nicht vielmehr das Lied „Wils Gott so ge-
schichts**, Nr. 92 unten^ gemeint sein^ das in genau derselben zehnzeiHgen Strophenform gebaut ist
wie diese Liederf
Der 8, 589 genannte Sonderdruck beendet sich in der Königlichen Bibliothek zu Berlini
Hymn. 3464 Zwey schiene | Newe Lieder, deß frommen | Johansen Friderichen von Sach- | sen,
welche Er in seiner Gef&ngk- | naß gedichtet hat | Im Thon: | Mein Seel erhebt den Herren
mein, 2c. | Oder: | Beschaffens Glück ist vnaersaumbt ^c. {ISteiliges Wappen. 4 Bl. 8^ o. O.
u. J. Rucks, des letzten Bl. leer.)
Das erste Lied. Wies Gott gefeilt ... 3. Ob mich z{L 4. vnnd wann sich schon veiv
wirren. 5. All sachen gar. 10. ohn dichten. 11. zfriden. 13. sein, stell. 14. wöL
16. im halten. 18. dran. 20. 8o seys, dem kan nichts wehren. 21. gfelts mir wol.
23. Was Gk>tt fOrsehen hat ein mal. 29. Solls sein, So seys. 30. weyls doch sein weg m^
laofPen. 81. gschehen lahn. 83. widerstahn. 34. müst ich doch. 35. Dweyl gwiß vnnd
waar. 87. aoßgezehlet 39 n. 40. geschechs, Solls sein, So seys bey mir erwehlet 41. wöUa
ergahn. 43. gestellet. 44. beyden. 45. Gleich gfallen woll. 47. nit 50. denn. 52. draoff
VIU.
9
]&ß ichg YÖglfin Borf^en. 53* nicht 54. auff. 55. vnerwehrt. 58. Dicht. 60. gfellti Gott^
meiü theyl wirt kriegen. 62. begereu. 63. Gott hat meint Bachen geteilt ein isyt. M. mfia^m
werdeD. 67, hiU [!]. 6B. nicht. 72. Gedult nur bitten. 73. ista. 74 wann. 76. am.
77. so wnrdi Er mich wol retten, 78, Gwalltiger weyß. 60. ich gwinna, wer nur wolt wetten.
Das ander Lied. Ich habs gestalt, inne Herren gwalt , . . 5 zwölf m. Str,
Eben diese beiden Lieder nach einem sehr ähfUichen Eineeidruck Hehn in der Handtchr^i def
htidtfh Herren von Helmsiorff 1369/75 BL 22^—24^1 Zwaj schöne Newe Lieder, | des frommen
Jehanst^n Frider- | leben von Sachsen, wel- 1 liehe Er in eetner Gefengkhnue gedieht- | et hat. |
Im Thon: Mein Seel erhebt den Herren mein, ic. OderiBeachaäTeni Gluckh ist vnuersaumbt, le, [
Das Erst, | Wiee Gott gefeilt ... 6' nach VVorilaui u. Reätenfolge entspr. Str. Das annder Lied, |
leb hab» gebtaUt | inns Herren gwalt . . , 4 Sir, SdUuß der zweiten Sirophe springt zur driUen
übeTi so daß die^e fefdt außer dem der zweiten fälschlich heigefügien Kelirretm.
Eine »piitere Bearbeitung des Ltede* ^ ^Vw Gott gefällt*^ ^ndet *^cA in folgendem Einteldmck der
KtmigL Biblioiliek sm Berlin: Yd 7831 (Einband t?. J. 1566) St. 29t FÜnff Schöner | Chrbtlicher
Lieder, anß Got- | tea Wort, FÄr betrübte hertEen | vnd andere junge Leut zn- t »amen ge-
zogen, I Die Melodey findestn bey eim y^g- | liehen Lied Insauderheit verzeichnet. | .., 5|
Gedruckt zu Eißleben, | durch | Ändreara Petri. | M,D.LSVL (8 BL S\)
1. Wo sol ich mich hin wenden, in meiner groeeen uöt . * * 15 Mtbenz^ Str. Akrostichon
„Wolf gang Waldner."
2. Merck t aufF jr frommen Christen . . . 13 siebetiz. Str. %int^, Martinas Waldoer.
3. Wie» Got gefeit ., * 10 nettnz. {nicht zehftM.) Str. Die Strophen 1 — ^ entsprechen bei starken
Verichiedenheiten im IVorttuut nach Reihenfolge wie Gedankengang vorste^tendem Liede der Hand-
Bchrift. Jedoch ist im Strophenhau die jedesmalige mbetde Zeile fortgeias&en^ so daß di& Fassung
des Einz^drucki nach dem Schema verläuft:
ab ab c e c c x
H. 4 3 4 8 2 2 2 2 3
E. m m m w m w
In dm beiden leUten Strophen hebt sich der Name des Bearbeiters ab „WolfganguB Watdner
von Taln*** Anfang und Schluß dieser Fassung lauten:
L Wies Got gefeit / so gfelts mir auch /
Vnd las mich gar nicht jrren i/i
Ob mich z\x zeyteu beist der Hauch/
Vnnd wenn eich schon verwirren
All Sachen gar /
bringts mir kern gfahr/
Wies Gott wiJ han/
so muß bestan /
Sols sein gscbecUe in Gotts Hamen,
2. Wies Gott gfelt ich zu frieden bin/
Das vhrig las ich faren;/:
Was nteht briugt gwin/ stell ich dahin/
Gott wil mich recht erfaren.
Ob ich auch wil
jm halten stil /
Drumh zweiffei nicht/
sola sein / man spricht /
So seya Herr Gott mit ehren.
9. Wiea Gott gefeit / On allen schertz /
Laß ich mira auch gefallen :/;
FrAlich dabey ist doch mein hertz/
Gilt es denn nicht bej allen /
Acht icha nit groß/
Nachred ist bloß /
6ot lebet noch /
Tertraw jm hoch /
fiols aeiii/ so gschechs mit frewden.
10, Wies Gott gefeit /An argen list/
Laß ich es auch eo walten;/;
Das bitt ich aber Jean Christ/
Hoch bej dir laß mich alten/
Ein diener sein/
Hecht schaffen reiji /
VON deinem Thron/
Tna Laß gunat hon/
Nach gnad thu alles enden.
Anno 1566.
' 13. J&nnarg.
I
M
10
VIII. IX.
4. Ach Gott Vatter im höchsten thron ... 14 tUben», Str. 12—14 in Zeilen abgesetzt,
AkraUiehon »Martin N— Waldner— Vo-n Steir."
5. MerdL anff was ich wil singen , . . 13 fünf»* Str, Akrostichon «Martin Waldner^.
Das erste Lied dieses Einzeidrueks gibt Wackemagd im dritten Bande S. 1055 Nr. 1227.
Vgl noch Fischer, Kirchenlieder- Lexicon S. 388.
[9.] Ein schon geistlich liedt.
1. Ewiger Vatter im himmelreych,
der du regierst ewigleich
von anfang bis ans ende,
der unß allsambt geliebet hatt
5 und für uns geben in den todt
sein aller liebsten Sone,
der uns allsamt erlöset hatt
die wir in warhaflftig erkhennen,
er ist allein der ewig trost,
10 davon wir uns thuen nennen,
wer sein fueßstapfen folget noch
und lest sich nicht erschregkhen,
von der hell ist er erlöst.
{8t>] 2. Es ist firwar ein enger weg:
15 der ietzundt will ghen den himmel
Steg,
der mueß sich eben halten,
das er nit strauchel auf der fardt,
inn angst und nett, thrubselligkeit
die lieb mueß nit erkhalten,
20 er mueß sich verlassen ganz und
ghar
und Gott von herzen verthrauwen,
die schrifft zeygt an lauter und klahr:
auf Gott sol man vhest bauwen,
Gott ist der fels, eckstein und grundt,
25 der auf sein hauß thuett bauwen,
kein windt stosts im nit umb.
3. Der ist in Gott ein weiser man
der sein haus wol bewharen khan,
das im nit wirdt umb gestossen
80 wol von dett menschen in der weit
die nur nachstellen gutt und gellt
und Gottes wort verlassen,
jha das es bleibt in ewigkeit,
hatt nimmer mher khein ende,
35 der Herr gibt uns ein freundtlichen
bescheidt,
wir sollen von im nicht wenkhen,
er ist der schätz in ewigkheit,
and der in thuett erlangen,
würdt haben die ewig freudt.
[9»] 4. Zu diser freudt khan niemandt
khommen,
41 er muß von der wellt ganz Urlaub
nemen,
von allen creaturen,
er muß sich Christo ganz ergeben,
mueß im aufopfern leib und leben,
45 die zucht Gottes erdulden,
auf daß er werdt von sinden frey,
und nimer dran gedenkhen,
auf das er Gottes diener sey,
kein tritt von im nicht wenkhen:
50 sprich ich: ,mein Gott im himmels
thron,
halt uns in deiner liebe,
das wir erlangen deine khron'.
5. Gott spricht: ,daß will ich
gherne thun,
so du dich allein mein heltest nhun
55 und liebest mich von herzen,
waß du würst leiden von meinet
wegen
[X.
1
^^^^^^^^ H
daß will ich dir yergelten eben
95
der vorigen ding er dir nicht gedacht, H
und wenden deinen schmerzen,
es sthett allein inn Gottes macht ^M
ich will dich fieren in mein reich,
waß du nit khannst erfüllen, ^M
60 du soldt dich mit mir freuwen,
so ist Gott threu, freundtlich und H
ich will dich beh netten ewiglieh
mildt, ^^H
für angst und großem leiden;
daß hatt er überwunden; ^^H
jha wo ich bin, da soll du sein,
100
wildt du in freuden leben mit, ^^H
die herlichkheit soldu sehen.
bitt Gott zu allen stunden ^^^|
65 in freuden bey mir sein/
daß er dich behuett für ungemach: ^^H
so wirstu dich ewig freu wen ^^^H
[9^] 6. Dammb so bilt in herziglich
inn dingen die Gott schafft* ^^^B
das er euch krafll und sterkh verleuch
das irs mugent erdulden:
105
9. Kein mensch lebt hie auf H
wen er straffet seine khindl
erdterich H
70 in der geduldt gar sanft und lindt,
der unß die ewig freudt außpreidt H
dar zue mit grossen hulden,
die uns Christus wil geben, ^|
^^^^_ daß in Gott threu und gewalt
die hie leben noch dem willen sein H
^^H^p
und meiden allen bössen s^/iein: ^^H
^^^^^ das sie in sollen erkhennen,
110
was uns hindert am leben, ^^H
^^^ er will sie setzen inns Parendeiß
daß ist der wollust disser weit ^^H
^L^ 75 und nimmer mher darauß nemen —
mit fressen und mit saufen, ^^H
^^K das durch Adam verlorn war,
die nur noch stellen dem guedt und ^M
^^B halt unß Christus aufgebauwet,
geidi, ^m
^^H geziertt schonn und klan
handtieren und Terkhaufen — ^^H
^^B
115
Godt spricht, dasselbig werdt zer- ^M
^^^ 7> Die klarheyt ist der ewig Gott,
ghen, ^^M
^^^ 80 der alle ding erschaffen halt
und du muest rehenschafft geben ^^H
^^B im himmel und auf erden,
wie du für Gott wirst besthenn. ^^H
^^H ja gönn und mon, als Brmamendt,
^^^B
^^H- die Stern wol an dem himniel sthendt, [^^^1
10, Wer itz noch volgt der weldt ^^H
^^P die preissen Gott den Heren,
gemein, ^^H
^^^ 85 die vogel in dem gruennen waldt
er sey groß, gewaltig oder klein, ^^^^
^^^ mit iren hellen stimen
120
dem wirdt die thur verschlossen ^^^|
^^H sie schreyen laut so manigfalt
durch die Christus gangen ist, ^^^|
^^H das in dem waldt thuett erklingen.
wie anzeigt die heilig schrifft, ^^^H
^^" ja alleß was da schweben thuett
der mueß werden Verstössen; ^^^H
K^ 90 im himmel und auf erden.
wer itz nochuolgt dem Meister sein, ^M
^^K zeigt an das ewig guedt.
125
wie er uns halt gepotten, ^M
mueß von der weldt geschaffet sein, H
E [lo*] 8- Gott spricht: ,ich schaff neu
er was selber verspoltet, ^^H
^^K himmel und erdt,
wer sein fustaffen folget noch, ^^H
^^B so du meiner warheit hast begerdt
ist für der weldt verdampt^ ^^H
^^^^^ und lebst noch meinem willen' —
lao
\ mith Christus leidet er schmach. ^^H
12
IX.
11. Gott ist das licht mit seinem
glänz,
in aller warheit gudt \md ganz,
thut wis die schrifft bezeigen;
den er gerecht und warhafFt ist,
135 dar zue braucht er kein argelist,
so kan er auch nit liegen,
den er selbst die warheit ist,
die warheit wirdt er bleiben —
was uns umb seinet willen geschieht,
140 das will er alles auf schreiben
biß auf den tag der herligkheit,
wen er die weit wirdt richten
mit gericht und gerechtigkhait.
190
[na] 12. Die werden in grosem
schrecUien sein
145 die jetz wollust auf erden hann
verbracht noch jrem willen,
die werden ghen in ewigkheit, ^^^
wurdt nichts dan angst und schmer-
zen sein
daß niemandt khan erstillen:
150 ,die weil sie hie auf disser erdt
kheins wegs noch meim gefallen
meiner warheit haben angehengt,
so will ich sie bezallen,
einem jeden geben sein gewin,
155 darbey wirdt man erkhennen
das ich der Herre bin.'
195
13. Es nahet sich herzu die zeitt
daß man in allen landen streidt [12«]
den al mächtigen Herren,
160 das man wurdt hören anfersten
und über alle volkher ghen
die nahendt und die ferne:
von wegen irer missethaden 200
die sie haben begangen,
165 unnschuldig bludt vergossen hann,
gepeinigt und gefangen,
erwürgt, vertriben ganz und ghar:
der ewig Gott wirdt das rechen
woll an dem jüngsten tag.
170 14. Der ewig und almechtig (Sott
der hilft alzeit [ii^] auß groser nodt
die seinen namen preissen,
wenn er der ewig Gott und Herr
in allen landen weidt und fem
175 kan er all hilf beweissen,
den aller gewalt auf erden ist
allein in seinen henden,
er sterkht wan er gnedig ist,
all weit mueß inn erkhennen,
180 ja wher in nit gepreisset hatt,
den wirt er ewig straffen
wol mit dem ewigen thodt.
15. Wen man wirdt wider anf-
ersten,
das from und böß erfur thun ghen
die gelegen sein ein lange zeite,
die wurdt er stellen auf rechte handt
die seinem namen seindt bekhandt,
die andern auf linkhen Seiten,
das urthel wurdt gesprochen
schnell
mit gar schrockhlichen worten:
,ghett hin ir verfluchten in die hell,
leidt ewig pein und marter,
kompt her ir frommen in mein reich,
da solt ir mit mir leben
immer und ewiglich.'
16. Darumb, mensch, schau wer
du bist,
brauch loider Gott kein arge list
mit schimpfen noch mit scherzen,
gedenkh und tracht im herzen wol
wie du für Gott recht leben solt
mit reinem keuschen herzen,
gedult und lieb am aller meist
soltu alzeit erzeigen,
du seist reich, arm, klein oder groß,
IX.
IS
205 dem Herren schenk dich für eigen,
ja wo du schiäffst oder ghesl,
wurstu von Gott dem Herren
^l2^ all augenblickh getrost.
17. Merkht auf, ir kinder Gotteß
rein,
210 ir seidtje von seinem fleisch undbein,
sein bluedt hadt euch erworben
da ir in sinden gefangen lagt,
darumb sich Gott euwer höchster
hordt
hatt über euch erbarm bt,
215 ja lauter in barmherxigkeit
Ihedt von im endtspringen,
den weg er euch zum leben bereidl,
daß ir in soldt furchten,
auß lauther guette er euch beweist,
220 darum sey Gott der Herre
in ewigkeyt gepreist* Amen.
Ei.; 30. dem, 62. angst groß leiden. 78. kJare. 109. sein. 139. geiicht. 15^. Herr.
159, Herrn. 184. böß fehlL 189, geprochen. 197. brauch Gott 207. Herm. 215. Druck
MtaU in; lieb; meUeiehi su leim: lautere^ vUiletchit erbarmherzigkeit? 220. Her,
Wackemagd III S. tHO — IGl Nr. 193 zwei Fas^ngen lu je 12 ^ Nr. 194 zwei Faumtngen su
je IT Sir. Füeher^ Kirehenlieder^Lexic&n S, iBÖ*
Fl. Bl. Ht/mn. 3SCiI Ein ach5n New | Geyatlleh 11 ed, zu sin- | gen in des Bern es weyß,
Oder I in Hertzog Ernat weyse* {Büdchm, Am SMaßi) Gedruckt zft Nürnberg durch | Hans
Güldenmundt. (4 BL S° o. J, Rückt, du entm und de» letzten BL leer.) Ewiger Vater . . .
12 Sir. = Es. 1—10, 16, 17.
Hymn. M73 Ein schun new Gejstlkh | Lied, zn singen, in des Beraers weyß, | oder in
Herteog ernats weyß. | Ein Ander gejstlicb Liedt, Im thon« | Ich armes meydlein klag mich
■ehr. {Biidcken. Am ScMuß:) Gedrückt zu Nfiruberg | durch Valentin | Nenber. (8 Bl 8*
0. J* Rücke, de» ernten u. de$ letzten BL leer.) Bier mht das Lied eusammen mit „Ich armer
Sünder klag mich sehr" 3 nenns. Sir, Das d<rfiir sur Beeeichnung der Weise herangezogene lAed
j,Ich armes meydlein klag mich aehr*' s. He. i\fr. 138. An ersl&' Stelle tielti im Einzeidruck
wEwiger Vatter im Himelreych" mit 17 Str.
Bit Ver$e einä hier abgeietei und mii großen AnfangahuchMtaben versehn. Leearien:
Sir. I 2. regierest. 6. Sune. 7, allsamb. 8. Wer jn warhafFtig erkennet 9. Er ist
11, Ja wer jm selber folget nach. 13. wird er erlSst* // L edler Gott ein enger weg»
2. Der jet^t wil gehen. 4. nicht atrauehelt anff" dem pfad. 5. Das ist durch trfibsall anggt
vnd nobt, 6- nicht 7. Muß sich. 8. trawen. 9. Die geschrifft. 10. Man seit auff jn
fast bawen, 12 ü. 13. Wer sein hauß draitff thut bawen | Dem atesta kein wind i^lcht vmb*
/// 3. nicht werd vmbgstossen. A. Tonn menschen yotx in diser weit 5. Die wol leben in
gut und gelt, 7. Das doch bleybetn 9. vna frenntlichen bescheid. 10. Von jm solln wir
nit wenden. 12 u. 13. Vnd wer jn wird erlangen | Der hat die ewig frewd. 1 T 1. Zu der
frend mag sun&t keiner kummen, 2. weit vrlank 5. Vnd jm. 7. Das er werd von den
sflnden frey, 8. nach gedenckea. 9, Ja das. 10. jm thu wencken. IL Vnd sprich mein,
13, Das ich erlang dein Krön, V 1. gern, 2. So dich wirat halten mein allein. 3. Vnd
lieben von gantsem hertzen. 7. Vnd wil, 8. Vnd soll. 9. Will . , . ewigkleieh, 10, Vor
angst vnd grossem leyde. 12. aoltu, 13, Genietsen der frewde mein. VI l. hertsigkleych.
2. verleych. 3, Das jr es kfmd erdulden. 4, Wann er strafft hie die aeynen kindt. 7. vnd
gnad beweyst. 9. Er wÜ vns setzen ins Faradeyß. 10. nimmer daranß. 11. verloren.
12. erbawet. IS. Gelieret seh An vnd klar-
VII (*== Es. 9) 1 n, 2. Kein mensch lobt nit anff erdereych | Der anB aprech die ewige
freud. 4. Die hie thun nach dem willen mein. 5, schein. 6. zum leben. 7, Das iitt der
Wollust in der weit. 9. nach stellen gut. 11. wird. 13. Wie du vor mir wAlst bestehn.
1
14 IX.
VIII (»= Hs, 10) 1. Wer hie lebt nach der weit gemein. 2. gwaltig. 4. gegangen.
5. Als vns anzeigt. 6. Er ward selber Verstössen. 7 u. 8. Wer aber nach dem willen
sein I Lebt wie er hat geboten. 9. verachtet. 10. war. 11. foßstapffen. 12. Die weit
wird jn verdammen. 13. Mit Christo leydt er schmach.
IX (» Es. 8) 2. So jr . . . habt 8. lebt 4. Der voring ding wem nit gedacht.
5. Allein es steht in. 6. jr nicht kftnd. 8. Der hat es. 9. Wolt jr. 11. Das er each
bhftt vor vngemach. 12. Werd jr euch.
X (» Hb. 7) 2. geschaffen. 7. Vi^gel. 9. schrien. 10. wald erklinget. 11. Ja was da
lebt vnd schweben thut.
XI («= Ha, 11) 3. gschrifft bezeugen. 4 n. 5. Sein wort besteht vnd bstendig ist | Inn
jm ist kein betrag vnd list. 6. leygen. 7. Denn er selber. 8. Vnd warheyt wird beleyben.
9. gschicht 10. wird er als. 13. grechtigkeyt
XII (= Hs, 14) 2. in. 4. Denn er der eynig. 5. ferr. 6. Allein kan hilff beweyaen.
7. gwalt der. 9. Er stercket dem er.
XIII (es Hs. 12) 1. stan. 2. jetzt. 3. nach. 4. gehen in ewig pein. 5. Da wirdt
groß angst. 8. nach meinem. 9. haben begert. 10. Nan wil. 11. Eim jeden geben
seinen gewin. 12. Dabey sol. 18. Herre bin.
XIV (=: Hs. 13) 2. inn aller weit den strejt. 3. Des . . . Herren. 4. Wird sehen, hören
vnd verstehen. 5. vdlcker gehen. 6. ferren. 7. Missethat 9. Vnschftldigs blnt vergossen
hat. 11. Veriagt, vertriben. 12. wirds. 13. jüngsten tag.
XV 1, Wenn man wider wirdt anfferstehen. 2. Das fromb vnd bdß thut f&rher gehen.
3. Die gelegen sein lange zeyte. 4. Die wird er stellen zur rechten band. 5. sein. 6. aaff
die. 7. Das vrtheyl wird gesprochen schnell. 12. Non solt. 18. ewigkleych. XVI 2. Brauch
gegen Got kein argen list 3. vnd mit. 4. Bedenck. 5. Wie man vor . . . sol. 7. Lieb
in aller maß. 10. Herrn. 11. du ligst schleffst 12. Wirst du in Oott dem Herren.
18. getrost X VII 2. Die jr seyt von seim. 4. In sftnden jr gefangen wardt 5. ewr.
6. Thet vber euch erbarmen. 7. Ja laatter Lieb barmhertzigkeyt. 8. jm her. 10. soUet
finden. 11. Anß seyner gut er enchs beweytz [!]. 12. Herre. 13. gepreyst Amen.
Hymn. 3879 Ein sch5n Ne- | wes Geistliches Lied zu sin- | gen, Ewiger Vater im Himmel-
I reich, etc. In Hertzog Ernst j Melodey. | Ein ander Geistliches Lied, | Im Thon: Ich armes
Medlein | klad [!] mich sehr, etc. (Bädchen) Im Jahr, 1576. (Am Sdäuß:) Zu Leipzig, bey
mir Nickel Ner- | lieh Formschneider. {8 Bl. 8\ Rucks, des ersten u. des leisten Bl. leer.) Nach
Inhalt und Reihenfolge entspricht dieser EinjsMruck, bei zahlreichen Abweichungen im einzelnen, genau
dem vorigen. Die Strophen des ersten Liedes sind nicht nach Versen abgesetzt und sind schon im
Druck durchgezählt.
Hymn. 3880^ Einzeldruck derselben beiden Lieder, entsprechend 3873 u. 79, aus 6 Blättern be-
stehendy wobei das Titelblatt und wahrscheinlich ein achtes, leeres oder den Druckvermerk enthaltendes
Blatt abgerissen sind, von den Liedertexten aber nichts fehlt.
Hymn. 3886 Ein schdn Geist- | lieh Lied, Ewiger Vatter im | Himmelreich, In Hertzog Emsts
Thon. I (Bildchen) Getrackt za N&mberg, Im Jar | M.DCI. (4 Bl 8^. Rucks, des letzten BL leer.)
12 Str. entspr. 3861.
Hymn. 8494, Druck von vierzehn geistlichen Liedern, vom verstümmelt, so daß das TitMatt
und der vermutlich auf dessen Ruckseite stehende Anfang des ersten Liedes „Ewiger Vater^ fehU.
Von diesem Liede steht hier die 12 strophige Fassung^ den andern Drucken entsprechend. Hierin sind
auch Nr. 3 u. 202 d. Hs, enthalten-
Yd 7829 (Einband v. J. 1554) St. 34 Ein New Gaist- | lieh Lied, Ewiger Vatter | im
Himmelreich, }c Zö singen | in des Bemers oder Her- | tzog Emsts weyß. (Büdchen) Ge-
druckt zu Augfpnrg, Durch | Hans Zimmerman. (4 Bl 8^ o. J. Rucks, des letzten BL leer.
Druekvermerk am Schluß, BL 4«, noch einmat.) 12 Str. entspr. Hymn. 3861 u. s. w.
IX. X. 15
Yd 7831 (Einband v. J, 1566) St. 6 Ain New Geystlich Lied, | Ewiger Vatter im Himmel-
reich, I zu Singen in Hertzog | Ernste weyfe. (Büddien. Am Schluß:) Gkdmckt zu Straa-
bing, I durch Hannsen Burger. (4 BL 8^ o. J.) 12 Str. entspr, Hymn, 3861 «. 8. v>.
Bergr. 1574 U 20 gUichfalU in 12 entspr. Str.
[I2t>] [10.] Ein annder geistlich liedt
1. Herr, ich klag i5 2. Herr, hilf mir,
daß ich mein tag daß ich mag dir
so hab verzerty stetts dankhbar sein
leib sei beschwerdt, deß leidens dein
5 darumb sich nhat in rechten schein,
so frü wie spat 20 dardurch mir mein
zu dir mein stim, herz khummen in reu,
ach Herr, vemimb, das al deiner dreu
zu dir ich schrey, er man ich dich:
10 ich bitt: verzeich barmherziglich
mein missetatt, 25 wolst mich gewhern
ich bitt umb gnadt und von mir khem
und nit umb recht: dein gottlich recht:
du bist mein herr und ich dein knecht du bist mein herr und ich dein knechL
3. Herr, laß mich
30 nit ewigclich
leiden in nott —
dein schmach und spott,
auch wunden rodt
und bitter dott
35 hatt mich erlost
und mir den rost
genumen hin,
darzu ich bin
gewest [13»] verpflicht,
40 auch Her, nit rieht
nach deinem recht:
du bist mein herr und ich dein knecht.
Hm.: 5. nhet. 6 fehU. 25. gewheren.
Waekemagd III S. 1255/6 Nr. 1467-69', Fitcher S. 172.
Berlin, Hymn. 6748 Ein schien New | Oeiztlich Lied, Herr ich klag, | das ich mein
Tag, tc I Ein ander New Geistlich Lied. Der | Gnaden Prunn thut flieÜTen, Ln | Thon, Die
PrOnlein die da tc. (Bildchen, Jenu am Brunnen dar et. Am Sdiluß:) Gedruck [I] zu Straubing,
durch I Hansen Burger. {4 BL 8^ 0. J. Riick$. des ersten u. des kUten BL leer.) Wegen des ta
diesem Einßeldruck zweiten Liedes vgl. oben Hs. Nr. 3.
16
X. XL
HERR ich klag . . , Str. I 4—6 t^dtlich venert, Leib Seel beschwerdt, dardurch sich
«nert. 8. Herr. 10. auch bit verseih . • .
Str. II (= Ha, 3) 5. dein wunden rot 6. todt. 7. band. 8. vnd mir der trost.
12. o Herr. 13. nach strengem recht . . .
Str, III (=s Hs, 2) 1—4. Herr, hilff mir, das ich mit gir, dem leiden dein, stets danck-
i>ar sein. 5. rechtem. 7 a. 8. hertz kompt inn rew, all deiner trew. 12. nit von. 13. dein
gnedigs recht . . .
IV, Herr dein Gleist, | den mir yerheist
dein Göttlich mandt, | send noch zu stund
meins hertzen grund, | dz recht werd kund
dein bot vnd leer, | Gi^ttliche Eer
hej mir erschein, | dardurch mir dein
gnad kumb zu trost, | vnnd werd erlöst
Ton strengen recht,
'du bist mein Herr, vnd ich dein knecht.
V. Herr ich gilff | zu dir vmb hilff
in diser stund, | so jetz mein mund
denn rechten grund | schwerlich thut kundt,
vor angstes not | vnd bittem tod
des Teufels list | mich treiben ist,
zeigt mir die stat | meiner missethat,
beut mir zu recht,
Herr verlafi nit deinen knecht.
E}in andrer, diesem sehr ähnlicher Einzeldruck derselben beiden Lieder Gedruckt zu Straubing
durch Hannsen Burger: Yd 7831 St. 8.
Goedeke 11^ 8, 33: Finch 1536.
Bs. d Herren ». Helmstorff 1569/75 Bl, 4«, 2. Abt Qeiitliche Lieder Nr. 2 in 3 Str.
II s= Pal. 3f III »> 2, sonst entsprechend.
[IL] Das vatter vnnser in der weiß. Es seindt doch sellig.
1. Ach unser Vatter der du bist
im himmel, hör was unß geprist 20
und was wir jetzt begeren,
im geist und warheit ruefifen wir,
b wie Christus lert, allein zu dir,
darumb weist uns geweren:
du bist der vatter, wir die kindt,
du bist im himmel und wir sind l^^^\
im ellendt hie auf erden, 26
10 darumb sich mit lieb und gnadt
herab,
das unser herz ein hoffnung hab
durch Christumb sellig zu wer- 30
den.
2. Dein nam der heilig ist allein,
sol auch billich von unB gemein
15 allein geheiligt werden,
das bitten wir durch Jesum Christ 35
der so ein dreuer Mitler ist,
unß hilfe auß allen geverden.
darnach reiß hin das reich der weit,
dein reich zuekhom welches dir gefeit
von glauben und von leben,
dein reich ist doch ein sellig reich,
ahn sundt und schuldt des nit geleich,
dasselbig wellest geben.
3. Dein wil geschech, der unser nit,
das ist auch unser ernstlich bith,
die weil du bist der Herre,
im himmel beschichts als wie du wildt,
darumb sich auf uns, o Vatter milt,
und unß dasselb auch lere;
waß du nit wilt, daß ist nit guett,
vor aus waß khombt von fleisch und
pluett,
das miessen wir bekhennen.
Her Gott, so hilf zu volgen dir,
das dein will geschech, der wol unß
schier
vonn unserm geiz entwhennen.
^^^^^^P 17 ^H
4, Ach Gott, wie brist so vil all lag
vergeben und fridt mögen han ^^H
unß armen, das ist auch ein dag,
mit freunden und mit feinden, ^^H
da wellest do unß geben:
in lieb zue suchen deinen preiß, ^M
40 dem leib nit vil, die noUurft bloß»
wie dan wol zirapt noch vatters weiß ^M
dem herien aber gnaden groß
60 den rechten Gottes kindm, ^|
auf dich also zue leben,
^1
das teglich brott gib unß, du Her,
6, Noch thuett ainß nott und ^|
den gei^ und sorg treib von uns fer.
ligt vil dran ^|
45 du khannst unß jhe wol speissen.
das wir, Herr Gott, rhue mögen hann H
du wollest dem fleisch sein wollusl
im gewissen und im herzen ^|
wher«,
und beharren steif auf deinem wordt, ^|
die seel mit deinem wordt ernem,
66 es wirdt als creuz baldt haben ein ^|
daran dein lieb beweissen.
ordt, B
auß genummen der helle schmerzen; ^|
[14*1 ö- Zu dem so bitten wir umb hult,
ach Vatter treu, so slerkh dein ^^H
so Gott, vergib uns unser schuldt
^^1
und sovil grosser sunden;
daß unß kein arges uberwindt, ^^^^
gib, Her Gott und Vatter treu,
behiet uns alzeit vorm bessen, ^^^|
daß uns al sundt von herzen reu
70 es sei der Deufel oder weit, ^|
und wir si lassen khunden;
und was nit mit der warheit heldt, ^|
66 gib daß wir auch frey jederman
davon wolst unß erlössen. ^^H
\U, 44. geiBt 46. whereD. 47. emeren. ^^^B
Hm.: 6, gewern, 8. aind fehlt 45. unß fd
m. Gocte« kindeti fehä.
^^H
Wackemagei 1841 Ä MO J^. 567; III 1870 5,
, $09 Nr, $84. ^^M
Volgent etliche vnd schö
ne weldtltche liedter. ^^H
(14»] [lK/12.] ^1
L Wo sol ich hin,
2> Von edler art ^^H
wa sol ich herr,
ein freulein zart ^^H
wo soll ich mich hinkeren?
15 hatt mir mein herz besessen, ^^H
ach reicher Gott,
ir zucbt und ehr ^^H
s schickhe mir dein hilf
erfreuwet mich sher, ^^H
und thue mich weissen und leren;
ich kan ir nit vergessen; ^^^H
ich bin enzindt.
vor aller weit ^^^|
mein herz das brindt^
so sie mir gefeilt, ^^^|
ich khan nit frolich werden,
sie liebet mir an dem herzen, ^^^|
10 das schafft allein
wan ich bedracht ^^H
die liebste mein
ir tugendthafft, ^^H
die ich hab uff disser erden.
benimpt sie mir all mein schmerzen. ^M
^^1
18
XI. XII.
25 3. Inn stettigkeit
bin ich bereit
in irem dienst zu bleiben,
kein falsche zun^
bö9 oder frum
30 sol mih von ir nit dreiben;
ir stettigkeyt
mich hoch erfreut,
sie liebt [15*] mir ob inn allen;
darumb ist mein bith:
35 verschmee meiner nit,
laß dir mein dienst gefallen.
4. Ich beger nit mher:
Gott bewar ier ehr
vor allen falschen zungen,
40 Gott wel sie spam,
in tugent bewam
die hübsche schöne und viel fromme,
vil glickh und heil
das wuntz ich ir,
45 nichts geringeres noch minder,
Gott spar sie gesundt
zu aller stundt,
das ir kein ungefalle hinder.
Hs.: 28 u. 29. zangen böse (vnd durdutrichen) oder frommen. 40. sparen. 41. bewaren.
44. das fehü. 45. noch minder fehit, 48. hindere.
Bern. 5. im Reim auf Gott wohl ursprünglich bat (bot) = Hilfe. 44. werd ir za teil?
1582 Ä 82: Str. I 4 u. 5. Ach Gott mein Herr send mir. 10 u. 11. das schafft die aller
schönste mein. // 5. erfrewt. 7 — 12. Jr schöne zier erfrewet mich, sie geliebet mir in dem
hertzen, wenn ich sie ansich, so erfrewt sie mich, so benimpt . . . /// 1 u. 2. Ich bin bereit,
in Stetigkeit. 3. dienste. 4 — 6. Keine falschen zungen aaff erden nit sein, die mich von jr
sollen treiben. 7 — 9. Jr angesicht erfrewet mich, sie geiiebet mir vor andern allen, 10. das
ist 11. mich. 12. last each meinen ... IV 1. Jch weis nit mehr. 2. dein ehr. 4 — 6. der
falschen kleffer sein so viel, sie schaffen nicht viel frommen. 8. das wünsch ich dir, 9. das
wüntsche ich dir von hertzen. 10. dich gesund. 12. das dir nit misselinge.
Es. 1568 Nr. 94, 1575 Nr. 68 u. s. w.
[12.] Ein annder weidlich liedt.
1. Schönes lieb, ich mues dich [I6i>] 3. Schenes lieb, ich wil dich nit
meyten, lassen
ist alles der klaifer schuldt, lo die weil ich das leben hab,
zue dir trag ich heimliche liebe, var hin dein weg und Strassen:
herz lieb, trag mit mir gedult ich laß nit van dir ah.
5 2. Die stundt thue ich mich freyen
wan ich denkh, herz lieb, an dich,
ein alte lieb wirt neuwe
wen du mir freundllich zusprichts.
4. Der uns das liedlein neu gesang,
von neuwem gesungen halt,
15 das halt gethan ein ettelman gutt,
Gott geh im ein freys guetts jar.
Hs.: 10. ich hab das leben hab. 12 fehlL
Vorstehende Fassung bei Mone gedruckt im Anzeiger f. Kunde d. t. Vorzeit 7 {1838) Sp, 238 1
Mittler 8. 541 Nr. 731.
XII. XIII.
19
Gewohniich eine lanffere Fassunff tn flügenden Drucken: Yd 7821 Si. 11 = 54, Yd 9S72\
London HS 2 2 df 44 — j€ ^ nnand£r entsprevhendt Strophen, Dtxglmchen in Htmdichrifteni FeacÄ-
fcriit 1592 1 Alemannia 1 (1S73) S. :i9 Nr. '2S — und m der Berliner Hs. 1575 Nr. 139 1
1. Feinß tiek ich mtieß dich meiden,
i^t ällm der kJeffer echutt,
zn dir drage ich hei^lichs leideo;
horz ieib, habe mit njir gedult;
b mein herze das li|^htt gefangen
eo hart nach deiner liebe^
zu dir ateit mein vorlangen,
dti her£ einigem lieb.
2« Mein herze das ist betrubel,
tO verwundet bee in den dodt,
dein liebe mich so hart übet,
das sehaiFet dein mnndtlein rodt;
det stunde dho ich mich freu wen
webn ich dich^ feines liob^ anaehei
15 eine alte liebe wert neuwe
so du mir frauntlicb zusprichst*
3. Feinß lieb, ich will dich nicht lABsea
deweUe du das lebeut hast,
fahr hen deine weghe und atraase
20 da du KU Behauen liaat;
mein leib der ist dein eigen,
soll deir sein unterlbaen}
du liebest mjx oben den allen,
bist meines herzen eine kronn.
25 L Feinfi lieb, halt mir deine trenwe
de du mir vorheiesen hast,
es wirt dich nicht gereuwen,
rede ich ohne alles haß;
ich schenke mich dir für eigen,
30 das glaub du mir vurwar,
du liebeat mir ob ihn allen
in aller frauwen achaer.
5, Das leidt dae aj gesungen,
feinß leib, Jiu tausent guter nacht,
35 zu dir kan ich nicht kommen,
das habe ich woU bedacht —
ach scheiden immer scheiden
und wer hatt dich erdacht?
haat mir mein junges herze
40 ans freu den in trorent gebracht*
Bm.i 9. betrüb. aS. und fehä.
Vgl Ärckw f. d. Studium d. n^erm Spr. 112 [1904) S. 12.
[13.J Ein annder liedt.
1, Ach Gott, was sol ich singen?
freiidt ist mir worden deur;
fernet lebett ich in Sprüngen,
das bueß ich alles heut;
6 mit manchen seufzen herten
verzer ich manchen tag,
unfal ist mein geferte,
wie wol ichs niemant clag*
2. 'Gesell, du clagst dich sere
10 dein ungefel sey [16"] groß,
doch gelaub ich nwmhere
das du seists so bloß
von freundtlicher lieb verlassen,
von schenen junkhfreiellein fein —
15 wen im schein also where,
so mneß die schuldt dein sein/
3. Mein lieb die hatt ein ende,
vor der thier da stett mein schanz,
darzue mein groß eilende
20 halt mich nmbgeben ganz;
das kan ich an ir wol merkhen
das ich kein gnadt mher han^
mein sach will sich nhun schickhen,
sie legt sich übel an»
2*
20
Xllk XIV.
36 4. Ach Gott, wie whe thuett
scheiden
dem jungen herzen mein
und pringt mir grosses leyde
und darzue schwere pein!
vor Zeiten scheindt mir die
sonne,
30 jetz wilß leider nimmer sein,
bin ich dan also verdrungen,
so schlag das hellisch feur darein.
5. So gesegen dich Grott mit
treuwen,
meins herzen [I6i>] ein deckelein,
85 du magst mich immer reuwen
biß in das ende mein;
weil du mich thuest verachten
ein weiblichs bildt so werdt,
noch winsch ich dir ein freundlicheß
lachen
40 und alleß waß dein herz begertt.
Es.; 11. nun. 32. darein fehU.
Bern, Hi. 3. fernet im vorigen Jahre\ dem entsprechend 4 zu lesen heor im Reim auf denr.
15. im schein ^ m Gewißheit, in WirkUchkeU; vgl D. Wb. VIII 2426 f. \ 10, 19 oben schon m
ähnU^m Sinne. 34. deckelein d, t. „Docketein"; Püppchen, Liebling,
Oörres 8. 71; vgl Es, 1568 Nr. 56: Ztschr. f. deutsche PhHohgie 35 {1903) 8. 519 \ AmaUa
V. Oeoe: Z. f. d. PL 22 {1890) 8. 416\ Zwickau XXX, 5, 20 8t 37: Zwey schöne Lieder,
Das I Erst, Ach Gk>t was sol jch singen, kortz | weyl ist mir worden thefbr . . .
[14.] Ein annder liedt
15
1. Schonnes lieb, das mich er-
freuwet, das muette vil leut,
noch wil ich mich nicht iren lan,
die weil ich verstau dein gunst und
liebe,
so bleib ich uff der alten ban,
6 recht wie ich soß —
du merkhest mich wol —
gedenkh an mich
alß ich an dich, ^^
m treuwen du mich suchest, so
finstu mich.
des widerumb gelt
mit deiner hul(2,
du dugent last
der du vil hast,
nit mache mich deiner liebe ein
frembden gast!
[17»] 3. Frolich erfreuet es mich wie
lenger wie mher
das ich in deiner liebe soll sein,
vor andern allen
bringstu mein herz in gevallen
10 2. Bey dir dergleichen versiehe
ich mich
von dir zu thun, mein schonnes liebe,
dan ich alle meine drauwen
und freundtschafft zu dir stelle;
25 mir leidt gar nichts daran
wer mirs vergan,
die weil ich dich, herz lieb, zu gna-
den hann.
Es,: 5. solle. 15. hulde. 23 n. 24 fehlen.
XIV. XV.
21
Hi. t574 Nr, 59:
l. Des ich mich erfrew» das muedt
viel leudtf
noch wil ich mich nit irrhen lahnn,
dweü ich sehen ihr ganat und «hr,
so pleib ich uf der alter ban,
6 recht wie recht wie recht wie ich böU —
du mirks mich woll *—
denk hinder dich, denk hinder dich:
MO Wie du mich
gel&Bsn hast, also ^rindeitn mich.
10 2. Deagleicheu doidt anch sn mir,
mein frnndtliches liebr mit deiner lieb
bleibt unverkehrt,
der hofhongh ich alz ei t pleib zu dir,
^u dir mein Üeb und gnmt sieh mehrt,
15 ohn anderr all
licht mir darahnn
wer es mir v ergahn,
wan ich mein lieb in frewden zu gnaden
hau.
3. Mir geliebt auch eehr wie lenger wie mehr,
20 so ich in deinem dienat magh aein«
in zucht und ehr mit hoeger beger
mit trawen und fleis, herzallerliebste meinl
mit deiner milt
das weder gilt
25 der tagen mit last
der du yil hast,
nicht magt mich deiner liebten einn fremder gaat-
Hs: 8, BO fehÜ. 1$. zu dir fehlt. U fekiL 24. gehet.
Dt€s Lied in erträgliche Form jsu bringen, erscheint fast untnogtich^ solange nicht andre Süft-
fnittd bekannt werden. Die Strophenform iH wahncheinlieh ne^tnseUig naah dem Schimai
ah ab c c d d d
4 4 4 4 2 2 2 2 4 H. nur m.
Dabei werden, wie sehr oft in diesen Formen o«« dem ifJ. Jaftrhundertj die Zeilen von 4 Hebungen
gelegentlich durch ^wischenreime w* die beliebten kurxen RHmpaare zerlegt worden «tit, wovon die
FoMunif der Handschrift v. J. 1574 in ihrer dritten Strophe {Z. l u. 3) noch unverkenfdmre Spuren
aufweist. Wegen dieser Inkongruene in der Strophenform war das Oedichi von vorf^erem leichter
der Zerruäung ausgesetM als GedicMe vm gleichmäßigem Vertbau.
[15«] Ein annder hibsch Hedt.
L Vil haß und neitt
zue hoff ich ieidt,
wie wol ichs nit verschulde,
den ich weiß nit
b warumbs ges^/dcht^
umb Gottes willen ichs dulde:
der weiß mich recht,
sympel und schlecht,
wie wol ?erschraecht,
10 und bin in groß unnbulde.
2. Wem Gott wol wil
in gheim und still,
khan sandt Fetter nit wheren;
ich frag nicht nach
15 solch groser Schmach,
sye reicht mir nur zue ehren;
mir leidt niht drann
das der hoffman
mir nit vil gan,
20 doch hab ich huldt meins herren*
22 XV. XVL
3. Den ich mit fieiß
in ehr und preiß
bisher gedient [17^] mit gefallen;
nim mich nicht an,
26 loß als für gan
was sy von mir thun khallen;
ich hoff zue Gott
werdt meinen spott
in hocher nott
30 im nicht lassen gefallen.
Hm,: 5. gedcht. 8. stTnepel.
Fortier I (1552) Nr, 86: 6. gotts. 7 a. 8. grecht, simpel. 21. Dem ich. 23. gfallen.
[16.] Ein annder schön liedt.
1. Scheiden mich krengt 2. Ist mir mein junges herz
so ich der lieb gedenkh bekhummert sher mit schmerz,
die mir von dir widerfaren ist, alles woll durch den willen dein,
ewig will ich dein sein, darumb ich sprich:
6 herz einigs liebe, erbarm dich mein, 15 frölich ann dich
wann khein getreuwer mensch auf khein stundt well an gedankhen
erden nit ist: sein,
das mueß verwegen mich ewig will ich dein bleiben,
und soldt verlassen dich, [is*] o du mein schätz und edle krön,
ist meins herzen ein grosse clag, so ich schon von dir bin,
10 wie wol ich das kheim menschen 20 hastu mein junges herz, gemiet
auf erden nit sag. und sin.
3. Pitter ist scheidenß endt:
aide, ich mich von dir lendt,
ist meins herzen ein grosse bues,
herzigs herz, ich dag
25 das ich khein trost mher hab,
ursach das ich mich von dir scheiden mueß,
unvergessen bleib ich dein
in lieb alß du bist mein,
in treuwen dein wirt gedacht,
30 aide zu hundert taussendt guetter nacht!
H$.: 20. herti, aach off gemiet.
XVI. XVII.
23
10
Es, 1575 Nr. 133:
1. Scheiden mych krenkt
wenn ich der liebe gedenke
die mich yann ihr widerfahren ist,
ewigh will ich dein sein,
herz aller liebste mein,
kein getreawer mensch anf dieser erdeA
nicht ist:
maß nu derwegen ich
und muß vorlassen dich,
das bringt meinem herze eine grosse klage,
wiewoll ichs keinem menschen auf dieser
erden nicht sage.
2. Ist mich mein junges herz
bekümmert sehr mit schmerz,
geschieht alles durch denn willen dein,
darumb ich sprich
15 das ich frolich
ahne dich keine stunde im tage sein
mach,
herz einiges lieb,
nach ehren dich stedes begib,
halt dich in guther hoeth,
20 so ist mein junges herze stedes woll ge-
moeth.
3. Ewig
will ich
dein pleiben,
meinen schätz den will ich dir vorschreiben:
25 wen ich schon von dich binn^
so hastn doch mein junges herze moeth und sjnn,
nicht vergessen will ich dein
in ehren als du bist mein,
inn stediger liebe wirt deiner gedacht,
30 adde zu hundert thansent guther nacht.
[17.] Ein annder hibsch liedt.
1. Wie schonn freidt sich der
meye,
der summer ferdt dahin,
mir ist ein feinß bruns meidtlein
gefallen in meinen sin;
5 auf sehen tutht den äugen wol,
wan ich an sie gedenke,
mein herz wirdt freuden voll.
[isb] 2. ^Die sonn sthett am hogsten,
der mon ist under gangen,
10 mein feineß lieb sol mich trö-
sten,
wie sol es im erghan
im regen und im khalten windt?
ach Gott, solt ich in suchen
wo ich in im ellendt fündt
15 3. Die bluemlin auf der heideii
mit namen wolgemuett
die laß fein lieblich wachsen,
sin uns vortrauwren guett,
vergiß nit mein stett wol dabey —
20 Gott grueß mir ine in dem herzen
der mir der liebste sey.'
4. Mich thett mein feins lieb
lernen
wie ich im diennen solt —
in züchten und in eren —
25 dan anders verstundt ich ganz wol;
ja waß heimlich liebe mag gethun,
berumbt sich manicher seinß bue-
lens,
thuett im die leng kein guett.
24
XVII.
[19«] 5. Und wan ich lig und schlaffe,
30 so khombt mir mein feins lieb für,
und wan ich dan erwache,
so fert sie wider dahin:
o whe raeins herzen ein grosse notth!
yill lieber woldt ich sterben,
36 vil weger wer mir der todt.
6. Mancher thuett sich seins
bullen ruemen
des nachts bey dem wein —
was gab sye im zur letze?
von rossen ein krenzelein,
40 das gruenet sich recht wie der waldt;
wher ich bey meinem bullen,
ich jungert und wurdt nit aldt
7. 'Herz lUb^ ich will dich bitten:
wo du bey gesellen bist,
45 ^edenkh du mein in züchten,
die wellt ist voller list,
gedenkh des meinen in keynem
wort,
so will ich an dir halten,
du bist mein högster hordt'
50 8. Herz lieb, ich sol dir clagen
mein kummer zue disser [i9i>] stundt,
so hab ichs nit am tage,
nun spar dich Gott gesundt,
zu hundert taussent guetter nacht —
55 es ist von ir gesungen,
es ist von ir erdacht.
H$,i 6. gedenck. 14. in fehlt. 18. vns vertranwen: geheuert m yortrauwren. 20. herts.
28. die leng fehtk 40. der fehlt. 43. lieb fehlt. 45. denckh.
Nr. 193; Sir, I 1. Wie schon frewt vns der Maye. 2. Sommer. 3. branns Megetlein.
5. thuet. 6. an sich gedenckhe. // 1. Die Sonn stet sich amm höchsten. 2. ist ynderthan.
3. feins . . . trösten. 7. wo ich jne im eilend find. /// 1. Blaemblin yf. 3. die laß vns
feins lieb wachsen, 4. 8y sein far trawren g^et, 5. yergiß mein nit steet anch darbej,
6. jnn jm hertzen. IV 1. leren. 2. dienet sollt. 3. züchten. 4. das ander yerstee zwar
wol. 5. lieb mag gethan, 6 a. 7. berüembt sich mancher eins Baelen, thaet jm die leng
kein g^et. V 1—3. schlaff, kombt . . . für, wann ich dann wider erwache. 4. er wider.
6. ichs. VI 1. Baelen rüemen. 2. Nachtes. 3. was sie jm gab zur letze. 5. der wald.
6. Baelen. 7. Ich jangt Ich ward nit allt. VII 1. Hertzlieb ich. 2. den gsellen bist.
3. gedenckh du mein jnn züchten. 5. des meiner. 7. höchster hört. VIII 2. kommer.
4. nw. 6. yon jme. 7. yon jm erdicht.
Beide Fauungen der Handschrift sind entstanden durch Ineinanderschieben stoeier lAeder, die
voneinander siunächst gane unabhängig sind. Der dritte Teil von Forsters Liedlein bietet unter Nr. 19
und 20 diese beiden Lieder unmittelbar hintereinander. Die Strophen 2, 4, 6 der Es. entspreehem
den drei ersten Strophen der Forstersehen Nr. 19, deren Schlußstrophe, wie bei verschiedenen Fassungen
derselben Lieder oft geschieht, für sich bleibt. Die Strophen /, 3, 5, 8 der Hs. finden sich in Försters
Nr. 20 an erster, fünfter^ zweiter und sechster Stelle wieder, so daß in der Hs. die siebente Strophe,
bei Forster die dritte und vierte für sich stehn.
Forster III (1552) Nr. 19:
1. Der mon der stet am höchsten,
dson hat sich unterthon,
mein feins lieb ligt in nöten,
ach Got wie sols jm gon
in regen nnd in wind?
wo soll ich mich hin keren
da ich mein feins lieb find?
2. Mein feins lieb wolt mich lehren
wie ich jm dienen solt —
in züchten und in ehren —
das weiß ich selbs gar wol
and kan aach noch yil mer,
wer sich seins baten that rhümen,
der hat sein kleine ehr.
XV».
XVIIL 2& ^^B
3. Manchör geht zu seinem bulen
4. Ach scheiden über scheiden ^^^H
bey Iiechtea monen Bcheia —
wer hat dich doch erdacht? ^^^H
was gibt sie jtn zu lone?
bast mir mein junges hen&e ^^^^|
ein ro sen k reu le lein,
anß freudt in trawren bracht, ^^^H
ist pröner dan der klee,
darzu in ungemach — ^^^H
ich muB mich von dir scheid an,
sej dir, schöna lieb, gesungen, ^^^^|
tbnt meiDem herben wehe.
ade au guter nacht ^^^H
Fenter lll {1552} Nr. 2Öi
^1
K Wie schön blüt uns der inejen,
L Wolt Gott ich Bolt jhr wünschen ^^^|
der fiommer fert dahin,
drey roien auf eim zweyg; ^^^H
mir kt ein schön junkfrewlein
solt ich auch trewiich warten ^^^^|
gefallen in mein sin-
auf jren graden leyK ^^^H
bey jr da wer mir wol,
wer meines harzen freudt ^ ^^^H
wann ich nur an sie denke.
ich muß mich %'on dir scheyden, ^^^H
mein herz ist freu den vol.
aide mein schöne meyd. ^^^H
2. Wenn ich des nachts lag schlaffen,
5. Zwey bKimblein auf der heyden ^^^H
mein feina lieb komht mir ftir,
mit namen wolgemut ^^^^|
wenn ich als denn erwaehe,
laß uns der lieb Qott wachsen, ^^^^H
bej mir ich niemandta spür;
seind uns für trawren ^ut, ^^^H
bringt meinem herzen peyn —
vergiß mein nit darbey — ^^^H
weit Gott ich solt jhr dienen,
grüß mir sie Gott im herben ^^^^|
wie möcht mir baß geaein^
die mir die liebste aey. ^^^1
3. Bey jr da wer ich gerne,
6. Der liebsten solt ich klagen ^^^H
bey jr da wer mir wol,
mein leydt ^u diser stundt, ^^^H
sie ist mein morgen sterne,
so hab iehs nicht am tage, ^^^^|
gfelt mir im herben wol.
noch fipar dich Gott gesund, ^^^H
sie hat ein rot^n mund,
ade zu guter nacht — ^^^H
seit ich aie darauf küaaen,
sey dir achöns lieb gesungen, ^^^^^
mein herss wirdt mir gesund.
&nß gutem mnt bedacht, ^^^H
"■" —" ■— - j
[18,] Ein annd
er schön liedL ^^^|
1. Ich bin 2ue frue geborm
2, Sol ich nun von dir scheiden, ^^H
das ich kein gluckh soll hann:
gescÄach mier nie so whe ^^H
ich halt mir auB erkhoren
10 von grossem herzen leide: ^^H
ein meidlein, das wil mich lan;
ich beger nichts anders mher ^^H
5 thuett mir in meinem herzen whe,
dan das mich nem der bitter todt, ^M
es ist mein grose sorge
in allen meinen tagen ^^H
^^B ich geseh sie nimmer mhe.
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iS 3» Bäiwoi amfili micii meiL -x ffin. büt' thiK ich.
Idtaesilfla^ M Älne aa 'fissEr zAuiiiit;
(las fsn»l ich äe ;^ j^BEsach: ifir süa micii
ich. h^t miidL tiir eacspsiifsu cwcii nur 'Iesii milisn.
ich zn dem flrBrimi :9iiacii: « -g^nmichhe fe: auch. SasaniSSBfc
mB ^xach: 3ie wnit: micii wt wAiuiu ir
jo ich aoit in tsesiL hflnawi aiit ltbzl
atett an ütaeieia haniL s ^ mch Timfaifpwy omi feist.
■L Wisai wiit ich cBr ccaarae i. Qsd lachss was^ ans bence«
gaHo: 3ti^ mut auch ^eaDseht. rettt :ch her rnffifipm \9Bß{ &A —
j5 all ftwmtttHffhaflt «fier ist schlecht; ia stifS^ ^mii hecBEai leiift::
janr stell: büi an. cham jungatKn togr 40 aim intt ich cScel in raius weib:
gisoh mir was ich ifir sa^ & zmr dsn brTgflMtn schrahü
IL *Oas wil ich tfami » ^hezan:
Mitu hh»xi sw^S mt sann:
46 behiett dich Sott cmt 'Scm^
das ist das ich -tir ^ur —
da citt ich ^nm Joat linsten: m&u.
ich meint vor ^ p itiKian. I01&
mi^n hffl^ sait secpcochtHi sen.
A.: L gRiuiBL. 7. mhaxe. >. ;rBSMuiL 41. jehuiiifii* 4kl. fw<wym- ^ ggn. 4^. ac^
Fl BL Td r^n SL^ m * ;^. ^ SamL Sar. A >T V!« ffiE^wsn» üäw« linte; Da» «aC
^f»" > w4n?ks in lÜan. waadei. 3B. T^nm ml*- •hai Winorr itt unuc vdons vUbl Das ircB.
Iiirf>H^?h hat Äeh s^ se&ifC. Da» ^ws%. luh bin iuBm ^bSmbbu 3:. JuaeA«^ 1 AC "^^ ol O.
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1/ X n. X Wji: ißh ^^wi ]r dies leiiavdffiu gwiffhagfe otir dEn wi«. i ▼or. 1. b«|BKt sin
Miün« itii». S a&B. "). üiTiifni» T. hsjd üsh n^ en&er aadlL £LL L BSirva auoft wek
mf% U^i^^nk lattfi: X ich 4ieh 7«. 4l oredwüiL. ?. mit mmiL ozs wühl. •!.. ach mhn,
7. Mw^ mu fcftüa kaa. /^ Ka «ia ib ich dir a^w^n^ nta cn«:hc ^nu&i scte aa beb;
fhifU U«^ Mll mich oic rlw^u jA lieh vmi (fia ösh &^ . «DB»yx fiA sk iast jan^ utaa ti^
dn mytk frOadclieher lehacia; . aiarek ^ waa ich >& »c. T I. Lth c&d occ n» ha^citm .
'^. ^^tsmidc JÄ. ^ da«, 4l häc aur «ifiL 5. Ich »hnmah aidL u ja aoOMa hnat. 4L jr
miMmßifWfmm^ ^/ I. Ladum iaa trard ▼aa diär«. ± tS bttmil ^ Tn m a hih e^. Ä. ga>>
i H f p » <1l^ ^MCC du r»$ya«a «jik 7. brwflm aehrrh. VII l — ^L Lrk vilt <a duia Mra gvicr
|MI, d» üoie k^rfa 2«rey|E§i haa. 5im bühds dseh Goa f^ va^^siL x
tö» d«Hr iliihafSda aiya. T. aiTa h««ru w>\bc on
XIX. XX. 27
[19.] Ein hibsch liedt.
1. Ach Gott, wem sol ichs klagen [21»] 2. Ich hett auf inn gebawet
das heimlich leiden mein? 10 als auf einen herten stein,
mein lieb ist mier verjaget es hau mich sher gereuwet,
in frembde landt dahin, die lieb ist worden klein,
mein lieb ist mier verjaget, kan ich an im wol spueren:
scheiden ist mir worden khundt, er ist vol arger list
ach Gott, wem sol ichs klagen? 15 und hatt an mir geprochen,
mein herz ist mir verwundt. daran kein zweifei ist.
3. Daran solt ir gedenkhen,
ir jungen junkfrauwelein fein,
an aller falscher khnaben trew
20 und die ist warlich nit klein,
dan sie sindt falsch im herzen,
sindt aller untreu vol,
mit schimpfen und mit scherzen,
wie man sie haben soll.
H$r. 11. hatt fehlt. 19 u. 20 sehr verdorben^ nit in diesem Zusammenhange störend.
56 Lieder = Qassenh. Nr. 17; 65 Lieder Nr. 54; Qassenh. u. Reutterl. Nr. 67; Fortter V 38;
Seandeüus 1578 Nr. 17 — immer nur d. erste Str.
Hm. 1574 Nr. 51; 1575 Nr. 66 andres Lied. Vgl. Antw. Lb. 15U Nr. 142 {Eoffmann, Horae
Belg. XI 8. 213).
Qörres 8. 85; Goedeke-Titim. S. 60 (nur d. ersU Str. nach ScandeUus)\ Böhme, Liederb. Nr. 208
{andres Lied Nr. 242); Liederh. II S. 298 Nr. 478 {andres Lied II 8. 703 Nr. 918).
[20.] Ein annder schon liedt.
1. Gott geb ir heindt ein guette 2. Nechten da ich bey ir was,
nacht ir angesicht stund voller rette,
bey der ich ghem weer alleine, [21b] sie den knaben freundtlich an-
ein traurigs wort sie zue mir sprach: sach:
'mir zwey miessen uns scheiden, 11 'das dich der liebe Gott beware
b scheiden ist nit weit, vor schimpf und vor scherz,
Gott weiß die zeit, und scheiden bringt schmerz,
widerkhummen bringt grosse freude.* das bin ich innen worden.'
28
XX. XXI.
16 3. Das meicflen an der zinnen
stundt,
fieng cleglich an zu weinen:
^gedenkh daran du schennes lieb,
laß mich nit lenger allein«,
kum wider baldt,
20 mein aufenthaldt,
leß mich auß schwerem trauren/
4. Der khnab wol über die beide
reitt,
er warf sein rösslein herumbe:
^gedenkh darann du schonnes lieb,
25 wend deine redt nit umbe;
bescherdt unß Gott das glickh,
wendt nimmer zu rickh,
ade meins herzen ein khronne.'
H$.i 3. er. 9. stund fehlt, 15. Meindlen. 18. allein. 21. leß »- lös.
Fonter III {1552) Nr. 17: Sir, I 1. So wünsch ich jr ein. 2. ich war. 8. Kein traang.
5. Ich scheyd mit leid. 7. bringt frenden. // 1. Da ich am jüngsten bey jr was. 2. jr
mündlein was vol rote. 3. Sie sach mich aach gar freondlich an. 4 dz sie mirs got behüte.
5. Jr schimpf jr schertz, 6. recht trawren bringt schmertz. /// 2. hab kleglich. 3. da
junger knab. 4. nit lang alleine. 5. ker. 7. löß mich auß schweren peinen. IV 1. Der
knab vber die heyden rit. 2. sein rößlein warff er rumme. 3. daran mein feines. 4. dein
redt kcr du nicht vmbe. 5—7. Beschertes glück, get selten zrück, ade ich far mein Strassen.
V, Der vns das liedlein newes sang,
von newen hat gesungen,
das hat gethan ein freyer knab,
ist jm gar wol gelungen.
Er singt vns das,
darzn noch baß,
hats meydlein vberkommen.
a. 1574 Nr. 46, 1575 Nr. 41: Archiv f. n. Spr. 111 (1903) S, 25 u.8.w.
Wunderhom I (1806) S. 110; Oörres 8. 103; Simrock 8. 251; C. F. Becker, Lieder u. Weim
(1853) I 8. 5; R. v. Liliencron, Volkslied um 1530 (National-LiU. 13) S. 325 Nr. 114 u.e.w.
[21.] Ein an
[22»1 1. Einiger trost,
mein freudt ensprost
da du erlost
mein herz auß sendtlichem schmer-
zen:
5 gedenk an mich
alß ich an dich
ganz ewiglich,
trost mich in deinem herzen;
darumb wil ich
10 ganz ewiglich
ein E verborgen dragen;
ach du mein schöne frauw,
gedenkh und schauw
deß klaffers gefer
15 daß er unß leide niht vermer!
nder liedt.
2. Ir stett und vest
verfueg das pest,
wo ich nit west
das dir zu sinne und muette were;
20 'heimlich und still'
wer ganz mein will,
setz mir ein zill
und gib mir weiß und lere;
ja freulein zardt
25 von hocher artt,
wir haben dar nach zurichten,
leist mir dein treuu;
und nicht vemeu
mein ^endlich schmer^^ —
30 o frau, mit mir treib doch khein
scher^ml
I
XXI.
M
3, Mir halt der tott
verfueget nott,
das clag ich Gott,
mein lieb hatt sich verschnitten j
35 noch denkh an mich
als ich an dich,
erwellett dich,
du khanst mir [22i>I leidt wol ver-
treyben;
all mein gemiett
40 mir teglich wiedt
mit dir in freuden zu leben^
ob es schon feldt
an barem geUt —
das hab ich nicht —
45 mein herz hatt sich zue dir verpflicht.
4. Ich hab kein rue
wie ich im thue,
ich sag dir zue;
in deinem dienst woldt ich ster-
ben;
50 nun thue mir khundt
auß herzen grundt
zue aller stundt
ob ich genadt mege werben;
ich bin ellendt —
55 WO ich mich wendt»
so leidt mein herz gefangen,
ich habs verlorn
und hab dich ausserkhom
für aller weit,
60 mein herz hatt sich zue dir gestelt
5. Ob nun dein mann
dich niemandt gan^
was leydt mir daran?
&au, laß mich das nit entgelden!
65 ist dirs zue muelt,
es dunkht mich guett,
wir sein behuett,
ich wil dich warlich nit melden;
mein höchster hört,
70 sprich J23»] nur ein wordt,
wir haben darnach zurichten;
ob mir geling,
nach dir ich warlich ring
in meinem gemiett,
75 mein herz alzeit in freuden pliedt.
£f#.: 2, ein eproat. 27. trenwe. 29* BchendUch achmerUen. 30, öcHertEen. 62* kbant.
FL Bl. Yd ISO! [v, Magier) 8t i4 (öjfm» BlaU): l. Eynicher. 2. entaprost- 3. da.
4. sendlichein- II. tragen, 14. gefeiTi 15. vns beyde nit vermer, 17, best 19. w&a dir
xü Bitm md mut were. 29. mein sendliclieii schmertz. 30. scberU. 34, veracheiden.
35. gadenck* 37. 6rw51et dich. 39. gem^t 40, w^t, 43. param. 44. des. 46* tw.
47. thn. 4fl, wölt. 53, mng erwerben* 55, mich hiu wendt, 57. verloren« 58. außerkoreti,
59, für alle weit. 60. g«selt 62. gan. 63. dran. 64 dae nit entgelten, 73. ich ring,
74, in meim gem&t. 75. pl^t.
Herseihe Drvck noch einmal Yd 7803 (tJ, N.) Sl 60.
Yd 8917 Ein achone tagweyß/Mit | gantzem eilenden bertzen/Eln ander /Ej- | nicher troat/
mein fre&d enteprnat 3C. (BMehm. Am Schluß:) Gedrfiekt zu N^Lmberg | durch Jobat Gut-
30 XXI. XXIL
knecht (4 Bl. 8^ o. J, Ruch, des ersten u, des letzten Bl. leer,) Das erste der beiden Lieder
s. Nr, 56 d. Es. 2. Eynicher trost , . , 5 Str. entspr. Yd 7801 «. Yd 7803.
Weimar^ Samtnelb. 8t. 3 t Drey schöner lieder, Das | Erst, Ach hftlff mich leyd vnd sehn- |
lieh klag. Das ander / Eyniger | troat, meyn fread entsprost. | Das dritt / Ein 6chßlein | geil /
yersucht sein heil. (Büdchen. Am Schluß:) Gedruckt zö Nfbrnberg durch | Kunegand Hergotin.
(4 Bl. 8^ 0. J. Rucks, des letzten Bl. leer.) 2 in 5 Str. Das erste Lied s. Hs. Nr. 99 unten.
Bern, Z. 15 ursprünglich wie Yd 7801: daß er uns beide nit vermer d. i. vermare^ ins Oerede
bringe; der spätere Schreiber, der das nicht verstand, machte daraus: leide nit vermer, wobei mit
Veränderung eines einzelnen Buchstabens ein ähnlicher^ sonst ganz annehmbarer Smn hergeetdU isL
[22.] Ein annder liedt.
1. Der verloren dienst findt man lo 2. Ich weiß mir ein kraut, das
vil; heist schawab,
der ich mich underwunden hab, krengt mir das junge herz für war^
noch sich ich wol das sie mein nit es wer nit ein wunder es macht
wil mich grauw,
und ich mein hoffnung zue ir hab; wen ich mein hoffnung zue ir hab;
6 sie nimbt mir hin sy nimbt mir hin
herz muett und sin, 16 herz muett und sin,
waß zeucht sie mich? waß zeucht si mich?
das ich wol sich: sich, der bin ich
dan sie mich alzeit verachten thuett. den sie alzeit verachten Ihuett.
3. Gesegne dich Gott, du schonne magt,
20 laß mich nit [23i>J also scheiden ab,
du hast mir mein junges herz erfreit,
wie wol ich nit mage abelon,
ich khans nit under wegen Ion;
mein junges herz
25 leitt pein und schmerz,
bleibt alzeudt dein,
ich will kheiner andern dienner sein.
Hs.i 26. mein.
Forster III 1552 (Nr. 73): 1. Verlorner dienst der sind gar vil. 2. han. 3. So merck
ich wol, das mein. 4. kans doch nit ynterwegen lan. 8 u. 9. dz mein nit wil, ja der bin
ich, den man albsejt verachten thut. 10. Ich weyß ein. 11 — 13. krenckt mir mein junges
hertz fürwar, Wer nit wunder das ich würd graw, dann ich all hoffnung zu dir hab.
.14 — 18. Wiewol sies nit erkennen wil, mein traurigs hertz in grossen schmertz, es ist kein
Bchertz, ich förcht es sei meins ends ein zil. 19. Gesegn . . . mein reynes weyb. 20. nit
scheyden von deim leyb. 21 u. 22. Du krenckst mir das junge hertze mein, vnnd machst
das ich muß traurig sein. 23 — 25. Mit deiner lieb bezwingst du mich, laß mich erscheyn,
der gnaden dein. 27. keinr.
Es. 1568 Nr. 41 u. s. w. Oörres S. 86 u. s. w.
XXIll. XXIV.
31
[23.] Ein annder liedt.
10
1. Auß herzen grundt
bin ich verwundt
noch dir, mein P,
dir ist khundt eh
die schwere pein,
das herze mein
verstrickhet dieff;
ach P, ich rieflf
zu dir umb gnadt;
mags haben statt,
wendt sendlich schmerz,
freundtlicheß herz,
hilf mir zue dir mit freidt und scherz!
2. Für all auf erdt
15 mein herz dein begertt
zue lieb und wun:
glick mir das gun
zum neuwen jar,
wan du mich zhwar
20 umb fangen hast
das ich khein rast
an dich mag hann,
ach P, nimb an
mein freundtUches pilt
25 durch liebes sitt,
ich hoff du thuets es abschlagen nit.
[24*]
30
3.
35
Mein holdtselligs bildt,
biß nit so wildt,
erzeig doch dich
ein kleins freundlich
gegen mir mit lieb,
mich nit betrieb,
mein herzigs P,
laß mich versthen
deiner lieb ein grundt!
zu disser stundt
gegen dir nit spar,
glaub mir für war,
und lebt ich hundert tausent jar.
16.
27.
Hs.: 4. ehe. 11. Bchmertzen. 25. durckliebiste sitt. 39. tausent fehit,
Bern. Hs. 25 liebes sitt (tcie Liehesbrauch) zu lesen entspr. unten 25, 32,
A, V. Aich Nr, 13: 3. meyn b. 7. yersencket tüff. 8. ach. b. ich raff. 15. dein gerdt.
in lieb. 19. mich gar. 22. on dich. 23. b. njm, 25. durch liebes sitt. 26. thnsts.
holdselgs. 33. b. 34. laiß mich verstee. 35. deinr. 37. gen. 39. hundert tausent.
[24.] Ein annder liedt.
1. E du mein schätz,
dein süsser schwatz,
dein liebliche schön und
ist mir so khundt
das ich in grundt
nit hab erkhennt khein werder frucht;
deshalben mein gmiedt
höchste in freuden bliedt
zucht als jetz der mey
10 und ist mein geschrey:
dein dein an endt zu eren dein.
32
XXIV. XXV.
2. E du mein hordt,
es darf nit wordt,
du bist mein wonn auf diser erd;
15 wa du nit bist,
daselbst nit ist
mein khurzweil in verlangen sthett.
o glück, lauf mit
das Unfall nit
20 mein freudt zersterr —
mein geschrei hinfur
soll sein: dein dein zu ehren dein.
[24b] 3. E du mein trost,
sich an du hast
25 mein ganz gewalt, daß wider gelt
mit gleicher prob
und behalt dein lob
alß ich dir dein, du schöneß bildt,
Schlags klaffers dickh
30 alß ich zu ruckh,
mich dreibt nit ab
piß zue meinem grab
sein neidt, und denkh: dein dein an
endt zu ehren dein.
Hs.i 6. vund khein. 7. grondt. 14. wann aaff erden. 17. Ues: kert. 21. liinfar
mein geschrei.
Dasselbe Lied in einer sonst selir ähnlichen Fassung, nur mit enbeitertem Kehrreim^ noch emmai
unten i^. 47 d. Es.
Hs. 1568 Nr. 65: 1. H Da. 3. dein weiblich schon, vnnd hohe zachtt 4. ist mir kmit.
5. im. 6. nahe (= nie) hab erkantt. 7. derhalb mein gematt. 8. blaett 9 a. 10. mey, ist.
11. ohn endt in erhenn dein. 12. H Da. 14. won aaff dieser erdt. 15. wo. 16. daselb.
17. kertt 19. dein vnfall nitt. 20. zerstuir. 21. hin far als hier, mein geschrei soll sein.
22. ohn endtt in erhnn dein. 23. Du mein trost. 25. widder giltt. 26 u. 27. prob, laß dein
lob. 28. dir traw da. 29. schlag kleffers tack. 31. threib. 32 u. 33. biß in mein grab
sein nitt vnnd grin, dein dein ohn endt in erhnn dein.
Oassenh. u. Reuüerl Nr. 81 nur d. erste Str.
[25.] Ein annder liedt.
1. P höchste frucht,
all mein Zuflucht
zu dir ich hab
und laß nit ab
5 biß es sich glickht
und also schickht
daß ich mein tag
verstreckhen mag
mit dir allein;
10 sunst anderß khein
auf erden, ich mein,
mit gir und gunst
den preiß behelt
für all disse weldt.
15 2. P höüichs bildt,
freundtlich und milt
erzeig dich mir,
mein höchste zier
und Zuversicht —
20 wan ich verpflicht
mich genzlich ghar,
für eigen war
ergib ich mich,
deß ich dir versprich,
25 nit hindersich,
schau
meins herzen aufenthalt,
dein trey nit spalt.
XXV. XXVI.
3S
[2öt]
3. P freundtliches wort,
30
ainiger hört,
brich an mir nit,
haldt liebeß sidt,
mein herz und sin
ich üben bin
35
zu diennen dir
40
mit stetter begir,
• •• ••• •••
das glaub du mir ganz,
der eren ein kränz,
kheins andern schätz begeren
dich^ ich auf erden
dan dir zu werden.
ir«.: 15. P. beflicht baldt. 26 unvoiUtändig, 33. dein. 37 fehlt, 41. dich.
[26.] Ein annder liedt.
1. E weiplich bildt,
wie reich und mildt
dein lob erhieltt
ob allen das auf erden ist!
5 zierlich gemacht,
vast hoch geacht
und wolbedacht,
auch aller menschen Ursprung bist,
von lob so reich
10 das dir geleich
sich nichts erfindt
das weiblich pildt ganz über windt.
2. E weiblich zucht,
du edle frucht,
15 laß dich nicht frembdeß iren,
und ob einer khem
der sich annemb
mich gegen dir verwirren,
laß nit umbsunst
20 gegen dir mein gunst
und liebe sein vergeben:
ob ich bin schlecht,
doch bin ich gerecht,
ich beger mit dir zue leben.
[25i>l 3. E mein höchste krön,
26 nimbß freundlich an,
du hast mich ganz für eigen
biß zu meinem endt,
thu in ellendt
30 deim dienner trost erzeigen;
laß klaffen sein,
ich pin der dein,
setz in mich dein vertrauwen,
dein weiblich gemiedt
35 in rechter giett
stett vest auf mich soll bauwen.
Es,: 3. er hieltt ^ erhilt, d. t. jetziges erhaüL
Deutsche Text« des Mittelalters Y.
28. ende. 29. tha fehlt.
34 XXVII. XXVIII.
[27.] Ein annder liedt.
1. Ach W, nit brich 2. Ach W, du bist
durch klaffers stich auf erdt ohn argelist
dein trew an mir, mein trosterin,
gedenkh vor, mein zier, 15 und nim^t hin
5 wie du mich gerecht von mir dein huldi
alzeit dein knecht ohn alle schuldt,
treulich befinst so wirdt mein herz
in deinem dienst — vor grossem schmerz
sol nun untreu 20 in leidt groß verghon;
10 mir werden neu, doch trost ich hann
so wirt erst groß mein leidt von neuw. du werdest mich nit also verton.
[26a] 3. Ach W, bedracht
daß ich dich acht
25 vor alle weldt,
mir kein gefeltt
dan du mein ein,
und ist nit nein
stett lieb und treuw,
30 darumb denkh nit schew,
dich halt hernocA,
mich nit verschmach,
das dir khein ander biet den schacA/
ffs.: 4. dein. 15. nimbst. 16. holde. 25. alle fefiU, 30—32. darumb denckh nit
Bchwenckh, doch haltt hertt nit verschmach. 33. Schacht.
Nr, 30: 1. Ach E. 3 u. 4. dein ehr, mir denckh vor dein zier. 5 a. 6. mich, alzeut. 11. leyt
von neuw. 12. Ach E. 13. ohn list. 15. vnnd nimmes hin. 16. hnldt. 19. schmertzen. 20. in
leyt groß vergan. 22. also verlann. 23. Ach E. 25. für weldt. 27. mein rein. 29—32. stett
übe vnd tren, drumb denck nit schey dich, haltt treulich mich nit verschmach. 33. scliach.
Forster, Außbundl {1652) Nr. 54: 1, Ach h. 4. denck. 5. grecht. 12. Ach B. 13. on
list. 15. nimmest. 20. in leyd vergan. 22. da werst. 23. Ach B. 25. für alle weit
26. gfelt. 27. mein rein. 30 — 33. drumb denck nit schew, dich halt hernach, mich nit ver-
schmach, dz dir kein ander biet den schach.
[28.] Ein annder liedt.
1. Was al mein tag erlebt mein so ist es doch khein wunder nit
herz, das mich dein lieb so hart anficht,
ist alleß gegen dissem erst ein scherz du bist mir die liebst auf disser erden,
so ich mich . . . mueß scheiden 10 darumb ich mich zu dir verpflieht
von dir, herzallerliebste mein, und bin des all mein tag gericht
5 on dich khan ich nit frolich sein zu dienen dir noch deinem gefallen:
so ich dich herz lieb mueß meiden; du liebst mir ob in allen.
XXVIIL
36
2. So bewar dich Gott, mein
schönne kheisserin!
15 ich fhar dahin, herz, muetL und sin
bleibt dir zu letz gegeben,
ich wuntsch dir taussent guetter
nacht,
du hast mein herz in deiner
macht,
darzue 126^^1 mein ellendls leben;
20 du hast mich ganz mit deiner
krafft
durchschossen, herliglich behafift,
mich ganz und gar besessen,
darumb trag ich ein traurigs ge-
muelth,
ich bitt dich durch dein weiblich
guett
25 du wellest meiner nit vergessen;
du hast mir mein hetz besessen.
3. frau mein Irost, mein
höchste freudtj
erst wirdt mein lieb gewendt in
leidt,
bey dir khan ich nit mher blei-
ben^
30 hoffnung ernert mein herz allein,
ich hoff daß ich werdt bey dir
sein
mein zeit und weil vertreiben,
die hoffnung hab ich auch zue
dir
das du dein lieb , , , an mier
35 von mir nit welest wenden;
was wolt dein lieb auch zeichen
mich,
die weil ich begher so herzlglicb
mein leben bey dir zue enden:
und will von dir nit ab wenden.
^ji.: 11. bin des fehU. 26. mir ein. 5L werdt Bein bej dir* 34. lieb und treu?
Fl. BL Berlin ¥d 9108 Ein gchönee newes lied, \ Jn dem thoo, Die Sunn iat verblichen. |
Ein ander Hed, Mein M. ich hab | dich außarweh etce. Noch | ein ander lied, genandt | Waa
aH mein tag 1 erliedt mem hertz. (Büdchen, Am Sciitnßi] Gedmckt zu NÜjnnberg | durch
Jobat Gutknecbt. (4 BL 8^ o. J. Rucks, deä letzten BL leer.) 1. leb weyß kein zeyt yetz-
undeou s. ßs. Nr. 145. An driiter Stelle i
Sir, I 1 n. 2. Was an mein tag erbt mein bertz, ist als gegen diaetn ernat. 3, weyl ich
mich BO gar. 5 n. 6. ich kan kein atundt nicht frAb^eh aein, aeind ich. 7. Aach iBt. nicht
Ü. da biat die frei^ndlichat ob allen, 10. dmmb hab ich. IL vnd bin dea alle. 12. zu thuo
nach allem deim wolgef allen. 13 feh^.
Str, II (^= Ih. 3) 1—3. Fraw mein troat vnd hficbste freud, erst ist gewendt mein
lieb inn leyd, das ich bey dir nit darff blayben. 5—9. ich hoff gar bald die atand zn
sein, mein zeyt mit dir zn vertreyben, Ali mein hoffnung hab ich allein zu dir, drumb
mich dein lieb so hart anficht, vnd bo hertzltch thut bekrencken. 10 u. 11. Wat wii
dein gnad dann ^eychen mich, sich ich. 12. mein junges leben bey dir 2U vollenden.
13 fehlt
Sir. III (tsi Hs, 2) L Bewar dich Gott du mein KeyBerin. 3. «ey dir »u der letz gegeben.
L dir vil tauaent. 5. baat mich gantz in. 1—9. Da haat mir mein herti mit Venua krafft,
durchachloaBeu vnnd hertilicb bebafftf anch gantz« 10. TrÖBt wo du kanat mein trauriga
gem^L IL dich fraw durch. 12. mein nimmer vergeaaen. 18 fehä.
Ikr»elhe Druck dir$el&en drei Lieder (Nürnberg^ J. Guiknechi o. J.) befindet »ich oMteh m der
RatischäiMiotltek tu Zwickau, SammelL XXX, V, 20 SL UL
VgL fvocA i21 nme Lieder 1534 Nr. BOv Goedeke, Grundriß 11^ S, 30.
36
XXIX.
[29.] Ein annder liedt.
[27A] 1. Mit allem sin
bin
ich behafft,
das schafft
5 in mir der liebe bunt;
was ich fuiv kher,
schwer
es alles ist,
und brist
10 mir rat zu disser wundt;
damit
ich bitt
und schrey:
verzeich,
15 herz lieb, dein gunst,
al khunst
ist sunst
an mir verloren, mein lieblichs L.
2. Nimb hin mein herz,
20 scherz
mit im dreib,
verschreib
dich ewiglich zu mier;
wan ich als dicht,
25 rieht
ganz mein feur,
ich prin
noch dir meins herzen gir;
alzeit
30 so leidt
mirs an
und khan
sunst nichts denkhen;
lenkhen,
35 schenkhen
muß mich zue dir, mein freundlichs L.
3. Khem nur die zeit
weit
vorhin dan!
40 Verlan
das mih macht freuden ann;
immer ich harr,
spar
all mein lust
45 biß brüst
zu brüst getruckhet werdt schon;
des gleich
mein ich
dein dreu
50 sei neu
alzeit gen mir,
verlier
verster
mich nit, mein herzigs L!
Es,: 10. Sehreibung jeweifelhaß: rott oder r&t, uxu auf eins hinauskommt. 25. richett. 26. lies:
mein sin. 33. denckhen, denckhen. 38. weit fehlt. 42—44. herr sparaU. 46. schone.
52. verliere.
XXIX--XXXI. 37
Förster I {1552) Nr, 46: 5. der liebe band. 8. es als ist. 10. mir rat za diser wund.
14. verzeyh. 18. verlorn. M. 25. rieht. 26. gantz mein sinn. 35. sencken. 86. ich
zu dir. M. 38. weit. 39. ferr hindan. 41. das mich macht frenden an. 42. Immer ich
harr. 46. gedruckt werd schon. 52 — 54. yerlir, verstir mich nit mein hertzigs M.
[30.] Ein annder liedt.
[27i>] Ach E nit brich, durch klaffers stich, dein ehr
3 Str. = J^. 27, 9. oben.
[31.] Ein annder liedt.
[28a] 1. Freiich so will ich singen, 3. Sy furdt von golt ain hare,
frolich auß meinem muett, zwey braune eiglein fein,
ich hoff mir soll gelingen: sy schiessen lieblich dare
ich weiß mir ein edel pluett, 20 wol durch das herze mein,
5 ain zarts junkfreielein, der tugent ist sy voll,
dem dient ich alzeit eben, mit tugent ists umfangen,
ob sie mir möcht gewerden, in ehren khanns wol brangen,
ir dienner wolt ich sein. ir lachen sthett ganz wol.
2. Ich bin ir holdt für wäre 25 4. Sy hatt ein leib, ist linde,
10 gewessen ain lange zeit, weis wie ein harmellein;
für all diße weldt so gare [2Si>] solt ichs in eren finden,
hatt sich mir mein herz derfreidt; vergangen wher mir mein pein;
wan ich sie han gesechen, sy hatt ein rotten mundt,
khein mensch lebt nit auf erden 30 mit tugent ist umbfangen,
15 das mir möcht lieber werden: nach ir stett mein verlangen,
die warheit muest ich jhehen. freudt mich zue aller stundt.
5. Ja fircht ich nichts so sere
als nur des klaffers wort:
35 sy ligent hin und here —
glaub nichts, mein höchster hört,
du tugenthaffter mundt,
dein genat laß umbher fiiessen
das ich dich mag umbschliessen:
40 du bist mein klare sun.
H*.: 1. ich fehU. 33. nicht
Oörre$ S. 16.
Es. 1574 JNr. 4: Euphorion 8, 514 in 4 Str. Bkmia 1545 II 80 nur d. erste Str,
38
XXXI. XXXII.
Berjfr. 1531 («. 5.) Nr. 6 {Neudr. 99/100 S. 15) m 6 Str. E$. d. Herzogin Ämaüa van Oeve:
Zt9ckr. f, deutsche Phäol. 22^ 411 Ich hoff, mir solß gelingen in 6 den Bergr. enttpr. Str.
Em ebemo beginnendes^ im toeUem Verlaufe jedoch davon abweichendes vnd oms verschieden-
artigen Feteen kümmerlich zusammengestappeUes Lied findet sich im Eimeldruek {Yd 7853 St 39).
Vier Schöne Newe Weltliche Lieder, Hamburg 1614, worin vom viertm^ aus 6 neftnjeeäigen
Strophen bestehenden lAede Anfang und Schluß lauten:
1. Fr6Uch 80 wil ich singen / haben ein freyen mnht / ich hoff es sol mir gelingen / mein
Sach wird werden gndt / mir ist in meinen Sinn / von Gott gevallen ein / ein zartes Jangfrew-
lein / ich hoff sie soll mir werden / sie sol mein eigen sein.
6. Wer ist der yns dith Liedlein sang / frey wol gesungen hat / das hat gethan ein Schu-
knecht gut / zu Hamburg in der Stadt / sein Hertz im Leibe lacht / der diß Liedt hat erdacht /
zu EHiren hat ers gemacht / einem hübschen zarten Jungfrewlein / zu tausent guter Nacht.
[32.] Ein annder liedt.
1. Mit lust reidt ich,
da freudt ich mich
der Summer zeit;
des angers weyt
5 stett lustigklei^ bezi^et,
es hatt die heit
ir winder kleit
gezogen ab,
ir reiche hab
10 hatt sich darein massieret;
mein herz in hochen freuden sthett —
ich sich der planien knöpfe,
da bey da sthett daß [29*1 grienne
graß,
daran da hengen tropfen;
15 mit klarem taub
hatt sich die au
leblichen überzogen,
mit gillen weiß, mit rossen rott —
mein sin sindt tott,
20 ich setz das mein gemiett
inß maien guett,
der hatt mich nie betrogen.
2. In paurs reyß
fierdt hochen preiß,
25 in meiens krafft
sein meisterschafft
durch das härte holz außtringen;
secht BXi wie . . .
o\ß ••• ••• •••
wie lustiglich sthett uns das veldt,
die wissen und der anger,
35 manch edle frucht bringt uns der mey,
das veldt ist worden schwanger
mit schöner zieht,
manch edele frlcht
khan uns der mey wol bringen,
40 er bringt uns vil der pluemen färb,
der sunnen khlar,
geben lichten schein
den vögelein
die vor dem waldt hersingen.
45 3. Ich han der weit
um kleines gelt
gediennet lang
mit meinem gesang,
er ist mir noch gheschlichen —
50
55 der mich mit freuden machet alt,
der mey hatt [29i>] mich betrogen,
mein har das ist mir worden grab,
mein ruckh hat sich gebogen,
XXXIU XKXllh
39
meine wangel sal
eo sindt mir worden schmal,
ich schiffe! auf der erden, [rodt,
raeine äugen die semdt mir worden
das klag ich Gott
das ich nit schon
65 gediennet hann
Maria der vil werde-
Hs^: 5. lu&tigkleit beseinet 10. massierdt 15. taub = tauw. 19, ain fehlt 23. In
pautnea? 24—26. preiß des meiens krafft, eeia? 27. mueti tringen? 28—32 d. i. der ganze
zweäe SioUen tjusgeiassmij mdem der Schreiber von dem Z* 28 vorau9smet£enden me su dem wie
Z. SS abirrte. 34. 4ie feh/t 46. ein. 50 — 54 d. i. d^^ game zweite Stoiien auch der driiten
Stroi^te weggefaikn,
Gürres S, IM.
[33.] Ein annder liedt.
1* Dort ferne vor griennem walde 25 4 Der jager mit den hunden
sach ich mir ein hirschlein stan, wen der allein nit wher:
Lhett sich bedu«ken gar balde
wo es sein narung möcht ha/i,
ö es liefif schnell über ein pruckhen,
ob es mocht im glickhen,
ob es mecht finden sein speiß,
sucht das hirschlein mit ganzem
fleiß.
2* Wasbegegnet imaufdemwege?
10 ein fei klein, war woll gethonn,
wol auf dem selbigen steige
tratt es zue im hindan,
thett im als baldt gefallen.
Hebt [30»] im ob den andern allen:
15 *Gott grieß dich felkhlein rein!
wie stestu hie allein?
3, Zardt felkhlein auß erkhoren,
ich pitt, vergiß nit meini
mein dienst hab ich dir geschworen,
20 dein eigen der will ich sein,
mit mir hast du zu schaffen,
in nichten will ich dicli straffen,
ich will dir diennen zue aller zeitt,
mit diennst bin ich dir ganz wol-
bereidt.
schafft alls des klaffers munde,
khein weg wher mir zue ver,
zue dir da woltlh ich khummen,
30 du zarte, du schöne, du frumme,
ich wollt dir dienen nach allen dei-
nen ehm,
waß dein junges herz thuett begem,
5. Ich bilt dich inniglichen,
meins herzen ein stheüigkheit,
[sot] du wellest dich seuberlichen
36 bewaren zu aller zeit,
dein zucht und dein ehre
daß die dir nit werdt verseret:
darauf sei ganz wolbedacht —
40 allde zue thaussent guetter nacht!'
6. Das meidlein stundt an der
Zinnen
und sach zum fenster aus,
in rechter lieb und treuwen
warf sie ein krenzlein rauß
45 von feiel und von rossen,
von feüel, vonn grienem khle:
*söl ich dich feim lieh loasenf
meinem Jiemen dem geschieht gros weh*
fh,: 3. thett sich gar baldtbeduckhen. 4. haben. 17. erkborn, 31. ehren. 32. be-
geren. 35, eenberlich, 47 u, 48 fehkni vgl. 1582 A fi4: aol — Heb meiden, meinem ^ wehe.
A. 1574 Nr. 49, 1575 Nr. 58 ti. s. w.
Bikres S. S2\ Döring, Bergr, 2, 199; Miäkr S. 507 Nr. e6ß\ Böhmej JMd. Liederb. Nr, 44S\
Lkd^k in S. 460 Nr. 1652.
40
XXXIV. XXXV.
[34.] Ein annder liedt.
1. Feuflr über feuerl
mir brenndt das herz im leib
noch dir, herzallerliebster mein,
das selbe du mir gl^ub,
5 ich red es dir für wäre
das du mir die liebste bist,
lieb haben will ich dich gherne,
aber nemmen khan ich dich nit.
2. ^Wie khann ich dir das glauben,
10 herz aller [31^] liebster mein,
daß du mich lieb wolst haben,
wilt mich eim andern lan?
darbey khan ich erkhenneii
das alB erlogen sich,
15 du gibst mir vil der guetten wordt
zumol im falschen schein/
3. Ach herz aller liebstes meidelein,
laß ab von besem wan,
du solt mir das gelauben
20 das ich khein lieber hann:
die weyl mein sach dann also
sthett
das ich dich nit nemmen khann,
so rhatt ich dir in treuwen
du wellest kheinen verschlan.
25 4. 'Ach falsch und ungetreuwe
magstu, herz lieb, wol sein,
eß sol dich nit gereuwen,
hab Urlaub, far dahin;
ich hett mich deß vermessen
30 du solst mir der liebster sein,
den tag will ich erleben,
du muest der viertte sein.'
5. Ach herz aller liebstes meidelein,
die klaffer L3ii>] han mich verfierdt
35 mit iren falschen worden
alß ich sy hab gehordt;
noch will ichs michs nit irren lan,
verzeuch mir noch ein jare,
so weiß ich khein auf erden
40 die ich für dich woU han.
6. 'Ey gesell, du khannst wol
schiessen
und duckhen under dem huett,
und khans^ wol federlessen
und meinst eß nimer guett,
45 und ringlein khanstus giessen
und seiden reden war:
ich mein, wer dichs liesse,
du dribests noch ain jarr.'
Es.: 1. Fear yber fear. 4. das selb das glaub dn mir. 5. ich red es dir /e&A, vgl. 1582
A 70: ich rede es dir in der warheit 14. sich = sig, si. 16. falsch. 24. verschlagen. 28. f ar-
hin hab yrlaab. 40. die ich fehlt, wol. 48. ynnd federlessen khansta wol. 44. mir.
Bern, 32: du bist überzählig^ du mußt hintenan $tehn. Wie 3 den Kreis der Vollendung, den recht
eigentlichen Abichluß darsidlty so 4 als darüber hinausgehend bisweilen in älterer Sprache das Überschüssige.
Es. 1574 Nr. 29, 1575 Nr. 62 u. s. w.
[35.] Ein annder liedt.
1. herziges N,
wie hoch mich das
erfreiet in meinem herzen:
dein treuwe lieb
die ich stetts brieff
in deinem lieblichen scherzen,
die du gen mir,
meins herzen gir,
freundtlichen thuest erzeigen,
10 darumb will ich
ganz ewiglich
von herben sein dein eigen.
XXXV. XXXVL
41
2* herziges N,
du weist wol was
15 mein [32»] herz nach dir thuelt
trac/i^en,
daß alle freudt
mir ganz erleit
und thuetl sunst nicht niher achten
dan dir zne dien«
20 mit herz und sin:
das solstu, mein schätz, wol glauben
das ich mir dich
vor alles reich
der ganzen weit wil haben.
36 3. herzigs N,
ich bitt vermeß
mein groß schmerzliches leiden
das ich wurdt han
wen ich solt st an
30 von dir und dich muest mei-
den :
das wher ein nott
daß mir der dott
vil pesser wher dan leben;
dasselb bedenkh,
Sd von mir nii wenkh,
die sach ich dir hab ergeben.
Eil 7. tha. S fßhii, 9. freundtlich. 10, ich wilL 12. von heraen fehii. 15. tragen-
19. dienen. 22. dicb fehU, 23. recht 24. wil hahm ergeben, SO. vor.
Förster I U^rt2) Nr. i27: 1. hertzigß S. 2. des. 3. erfrewt. 5. dick brieff. 6, in deim-
7» du. 8. meine hertien gir. 9. freundlichen. 10. darumb will ich. 12. von heiizen aein
dein eygen. 13, hert^igs 5, 14. wee, 15. trachten. 17. erleid, 18. vnd tbu snnet
nichta- 19, denn dir zn dien. 21. das Bolet mein schätz glauben. 22 — 24. das ich mich
dich, vor anea reich, der gantzen weit wil haben. 25. S. 26. crmeß. 30. von dir. 36. der
sich dir hat ergehen*
[36*] Ein annder liedt,
1. Ich weiß mir ein meidlein gar 4. Harnisch und pferdt auch nit
hübsch und fein^ allein,
bey im woll ich ghern schlaffen, darzuc auch stiffel und sporen:
es wonet nit f lier von genem Rein, i6 das meidlein ist gar hibsch und
zue fosse so wolte ich darlaufen.
schönn.
132^1 2. Acli Gott und wher der Rein
so klein
6 das ich innen meht erschwimmen,
und wan ich an das meidlein ^edenftA»
so mueß mein roslein springen^ ia
springen.
daß hab ich auß erkhoren.
5. Gebunden hast du mir mein
herz,
desgleichen auch hendt und fueße:
o gtickh, lauf mit und säum dich
nit,
20 thue sie mir herzlich griessen!
3. Darumb so geb ich hämisch
und pferdt, [33^] 6. Ich wil auch dir ganz mit
10 darzue ein ungerischen gülden, begir
das ich mit dem meldlein mecht lieb, gunst und ehr erzeigen,
reden genueg auf meinen aidt ohn underscheidi
nach meines herzen willen* gibe ich mich dir zu aigen.
42 XXXVI. XXXVII.
25 7. Liebs meidlein gluckh, ist es 8. Am letzen und da ich bei ir
so laß es mich erfaren: [dein fueg, war,
dich duckh und schmuckh, das 30 da bott sie mir zu drinkhen
bett ist khurz — auß einem vergultten becherlein,
der liebe Gott der wöl dich bewaren. thett freundtlich mich an winkhen.
Hb.: 7. gedenckhe. 18. faeß.
Bern, Z, 19, 21, 23, 25 Binnenreime, Z, 25 gluckh wohl = A%. Z, 27 die beiden
Hälften ufohl umzustellen, wodurch man bessern Reim zu Z, 25 erzielt.
Oörres S, 34; ühland Nr, 152-, Mittler S, 861 Nr. 1401.
[37.] Ein annder liedt.
1. Das ist die aller holdtseligst auf l33i>] 2. Nun woldt ich gliern wissen
die ich jhe gesehen hann, [erden lo wer mir sie sehenden khundt —
hübsch ist ir zucht, weiß und ghe- wer dan auß neit geflissen —
perden — ob er et t was unrecht an ir fundt;
die warheit ich reden kann: hübsch ist ir zucht, weiß und
5 man findt nit ires gleichen geperden,
in disser ganzen weit, ist alles an irer gestalt,
im heiligen römischen reyche 15 anderß darf niemandts reden,
mir keine nit pas gefeit. er thuett uns beiden gewalt.
3. Sy hatt zwey prauner eiglein klare,
darzue ein rotten mundt,
der hatt mein junges herz umbfangen
20 jetz und zue aller stundt:
mein leib und auch mein leben
stett ganz in irem gewalt,
mein treu hab ich ir geben,
sie ist meins herzens ein aufifendthaldt.
Hs.: 2. geschehen. 3. ghepreden. 4. sol. 5. mant. 11. werdt. 24. ist feldt.
Ochsenkhun, Tabulaturbuch 1558 Bl. LXXIIII<^ : / 1. Die aUer. 2. die ich noch nie gesach.
S. Mit jhrer zacht vnd berden. 4. ich doch sag. 5. Es lebt nit jhrs geleiche. 6. in aller
diser weit. 7. im gantzen Bömschen Reiche. 8. keine baß. // (= Hs. 3): 1 u. 2. eaglein,
darzu. 3. Mein hertz hat sie gefangen. 4. gfangen zu. 6. steht als in jrem gwalt. 8. sie
ist mein auffenthalt. /// (= Hs. 2): 1. So wolt ich gern wissen. 2. wer sie mir tadlen
künd. 3. Wer schon mit. 4. ob man an jhr was fünd. 5 fehlt. 6. In aller jrer gstalt.
7. mit der warheit kans. 8. er thue jr dann gewalt.
Mone, Anzeiger 7, 239, Mittler S. 514 Nr. 677 (nach Mone) die Fassung d. Heidelb. Hs. Hier
■das Lied noch einmal unten Nr. 162 Str. 5 — 8. Hs. 1575 Nr. 7 dieser zweiten Fassung entspr.
4n 4 Str.
XXXVII -XXXIX*
43
Zur Bezeichnung der Weist t, B, in Zehen Schöner Lieder, Das erste: E9 hett ein Meld-
lein ein Reutter hold . . . Das vierJtr Ich Uab mir ein Edcla lieb aaßerw^^lt. Im Thon; Die
all er haldeeilg auff erden . . . Augfporg, Mich. Manger 0. /. (Yd 7SöO SL 2.)
[38.] Ein ander liedt
3
1, Wie wol ich Jetzt ganz ellendt
pin,
so für ich doch ein sielten sin,
Hoffnung Ihuett mich erneren;
was mir von Gotl bescheret ist,
ö khan mir khein klaffer nit whe-
ren,
[34a] 2. Vyl falscher zungen neyden
mich,
das wirdt sie alles helfen nit,
Golt ist Yon aller gieüe,
dem ich mich ganz zu eigen gib,
10 wirt mich allzeit behuetten.
Wie wol mein herz bedrubt
ist sher,
der lieb Golt well eÖ zum besten
khem,
ich fhar dahin mit schmerzen,
ich sich das ichs nit wenden khan,
15 Gott Irost all betruebte herzen.
4 'Verstu dahin und lest mich hie»
waß tastu mir zue der letze da
das ich mich leides mug trösten?^
alle lieb, treu und steltigkeit
20 laß ich dir, feins meidlein, zu der
letze da.
Ä.; 12. kheren. 14. ich fehä.
Ht, t5€S Nr. mi «1. #. w.
1582 A. 27: Str* I 1 u, 2. Daa ich bo arm und elend bin, noch trag ich einen. // 1 n. 2,
hassen mich^ es wird aie atseit helfen nicht St von grosser. 4 u. 5. dem ich mein sach he*
fohlen hah, der wird uns wol hehüten.
///. Und weren der kleffer noch »o viel^
so geschieht doch was Gott haben wil,
Gott ist mein trost auf erdetj,
so schwer ich doch bei meinem eyd,
keine liebre sol mir werden.
IV lu, S. Drumb ist mein hertz betrübet sehr, Gott wöl all ding xum besten kehrn.
4. ich sehe. V 1—0. bir, was lestu denn znr letzte mir, damit ich mich mag ttösten?
4 u. 5. die rechte lieb und Stetigkeit, las ich dir feins lieb zur letzte.
[39.] Ein annder liedt
L Recht gluckh von herzen [34b]
winsch ich dir
zu deinem hinfaren,
mein junges herz das ferdt mit dir,
halt dicii ganz ausserkhoren,
6 dein widerkhumraen bringt freuden
mir,
an dir ist nichts verloren.
2, Recht gunst von herzen bet-
test u bey mir
wen du mirs thetz erkhennen^
mein jungeß herz freitt sich in
mir
10 wan ich dich nur hör nennen,
khein hoffart oder hochan muett
thuett man an dir erkhennen.
44
XXXIX. XL.
3. Recht gehorsam von herzen
ßnstu mich,
herz lieb, zu allen stunden,
15 wan ich, herz lieb, dich nur an
sieb,
ist mir mein leidt verschwunden
die weil ich selber sihe das khein
untreu an dir wirdt erfunden.
4. Recht gunstig von herzen will
ich dir, herz lieb,
20 das liedt also beschliessen
mit bitt dich herzigs herzigeß lieb
du wellest haben, ja haben khein
verdriessen —
damit zu guetter nacht
und hundert thaussent griessenl
Bi,: 6. an d; d mit Abkurzungshogen^ welcher gewöhnlich -er am Ende bezeichnet'^ tm dieier
Stelle jedoch unMweifelhaft dir gemeint. Vgl Nr. 49 Schluß, 15. lieb an sihe.
[40.] Ein annder liedt.
1. Herzlich thuett mich erfreuen
die frolich [35^] summer zeit,
al mein gepliet verneuwen,
der mey vil woUust geit,
5 die lerche thuett sich erschwin-
gen
mit irem hellen schall,
lieblich die vogelein singen,
vor auß die nachtigal.
2. Der guckguckh mit seinen
10 macht frolich jederraan, [schreien
deß abentz frolich reyen
die meidlein wolgethon,
spacieren zue dem prunnen
pflegt man zue disser zeit,
15 alle weit sucht freudt und wune
mit reissen fern und weit,
3. Es gruenen jetz in den weläen
die bcwmlein . . . frey,
die rossen uff dem felde
20 von färben mancherley,
ein bluemlein sthett im garten,
das heist vergiß nit mein,
daß edel kraut wegwarden
noch guettem äugen schein.
25 4. Hoch doben ein kraut wechst
in der auwc
mit namen [35^] wolgemuett,
liebet sher denn schönnen frauwen,
darzue holunnderbluett,
darzue die rotten und weissen
30 helt man in grosser acht, [rossen
groß gelt darauß wir gelesset,
schone krenz man daraus macht.
5. Wan daß kraut ie lenger ie lieber
an manchem ende bluett,
35 bringt offt ein heimlich fieber
wer sich darvor nit hiett,
ich habe es offt vernumen
waß diß kraut vermag,
doch kan man darvor kommen
40 wer was liebs braucht al tag.
6. Deß morgens in dem thaue
die meidlein grassen ghön,
lieblich sich anschauwen
die schönnen bluemlen sthon,
45 darauß sie krenzlein machen
und schenkhen es irem schätz,
thun sy freundtlich anlachen,
und geben im ein schmatz.
XL, XLK
45
1* Nuen darumb lobe ich noch den soniiner,
[36»1 darzue den meyen ^uell,
51 der wendt uns allen khumraer
und bringt vil frei dt und muettf
der zeit will ich geniessen
die weil ichs leben hab,
65 und wenn das thuett verdriessen,
der fall die stiegen hinab!
ffs.: 1. B.9Tt3i lieb gebeaert in B.Qttzlich. 16. und weit fM/if. 17. weltten. 18. dia blnem-
lein fein. 20. vem« 22. melunit. 41. Von morgen ac^ deß morgenne. 52^ emdrdt.
iSS2 A 20: 2, fröliche. 5* lerch, 8. darzn fraw nachtigaL 9* seinem, 14, in dieser zeit,
15 u. 16. all weit aucht fread wonne^ mit reiien fem und brett {1582 B 72 fem viid weit).
17 u. 18, E» ^ünet In den weiden, die bawme blühen frey, 19, röÜlein. 20. von färben,
23. edle. 24, mftcbt guten angenschein. 25, Ein kraut, 28. darsu die holderblüL 29. die
weißen und roten rosen, Sl n. 32. man kan geld draus lösen, scböne krent^siein draus ge-
macht. 33, Das kraut. 36. wer eich nit darfür hüt, 37. Ich habs gar wol Ternommeii^
39 u, 40. dem fürkommen, measig lieb alle tag. 41. Des morgens. 43. gar lieblieh aie. 44. die
schön e blümleio schon. 45. davon aie. 46. Bchenckon sie. 47. den sie ao. 49. Daramb
lob. 50. darzu die mejen zeit gut. 5L die wendet una. 52. und mut. 54. ieb pfenning
hab. 55. und den ea, 56. falle.
Mmiandus^ Neuwe außerletene Tetitscfte Qe§äng iS15 Nr. 4 WoJaufF gut Giell von binnen
(vgl Hb. Nr, 197) Str. II: Ein kraut wechst in der Auen, mit namen Wolgemut . . . Sir, Uli
Das kraut je lengr je lieber, an manchem ende blül . . ,
Meiiandtte i57ä Nr. 3 HerzUch thut mich erfreuwen die fröHch Sommerzeit , , . J Sir, ^
E». Str, 1—3.
FL BL Berlin Yd 9091, 9695, Fe UM.
Ba$d, Sar. 15 i St 44 Vier Hüpsehe | nüwe Lieder» Das erst, | Hertzlich thüt mich er-
freuwen, I die frölieh Summer zyt, ac. Daa an- 1 der, Vngnad begär ich nit von jr, ic | . . , | |
{Bildchen) . . . | | {Am Schiuß:} Getruckt zft Bemn, by | Samuel Apiario, | 1563. (4 BL S^) 1 in
7 Sir. 2 -= Ha. Nr. G5,
mrich, öaL KK 1553 Si. 52 Fünff schöne newo Lieder, Nürnberg, Lantzenberger 1610.
1, Hertzlich thut mich eriVewen 7 Sfr. 2 = Ht. AV. 17 u. 193; 4 = Ha. Nr. 20,
Ha. l5ßS Nr, 10 u.i.w.
Öbrru S, 35 \ Miiiicr S. 507 Nr, 607 u, i, lo.
[4h] Ein annder liedt.
L Ach Gott, wie mueß ichs
schickhen,
wie mueß ichs greifen an?
mein glickh ist mir entwichen,
es wil kein furgangk hann;
so das khumbtauß falschem herzen,
auß lauter ubermuett,
so thue ichs Gott bevelchen,
ich hoff mein sach werdt werden guet.
2. So mueß es mich gereuen
10 das ich dir hab vertraut
mein herz in ehren und in treu-
wen,
hab festlich auf dich baut:
du werst mein herzen ein kröne,
das zimmet sich also wol;
15 an dir da thue ich spiren:
dein falsches herz ist untreu voL
46
XLI. XLIL
3. Nun was thuett dich dan helfen
dein beser [36^] wankhler syn
das du mich hast betrogen
30 und geben feischlichen hin
den klaffer an sein zungen?
ist warlich an mein schuldt!
so thue ichs Gott bevelchen,
ich wils leiden als mit gedult.
[42.] Ein annder liedt.
1. Vil gluckh und heil
ist niemant feil
und lest sich nit betriegen,
wem es vergundt,
5 dem ist vonn stundt
gar schnell und baldt zu fliegen^
und gibt im wol
vil reichen zol
das er sich mag
10 bey nacht und tag
unfals erweren, zehren:
glick so reich,
thun von mir nit kheren!
2. Weich von mir ab
15 mit schnellem drab,
du gewaltigs unnfals reiten:
seindt du mich hast
mit schmerzen lost
geengstige^ auf allen selten;
20 das ist schier genueg —
ich kauf dir schuch
darin du baldt
mit eilendts gewalt
wandern magst von hinnen,
35 dan ich ganz ho/f
ein anders Zugewinnen.
[37«] 3. Wiltdu die ban
zue fueß nit gon,
ich leich dir roß und wagen;
30 wer ich dein queit
vil guetter zeit,
ich wils noch wol erjagen;
schedlicher gast,
du blagest mich fast
35 mit deinem joch —
was wildu noch
ruemenß an mir er hetzen?
o glickh so reich,
thue mich unfalß ergetzen!
40 4. Weistu nit wo
du magst haben nie,
ich wil dir ein wirdt bevelchen:
im wilden waldt
behausen solt,
45 da findestu vil deiner gesellen;
sie thund dir andt,
seindt dir wol bekhandt;
ein harter balk
khan dich, du schalkh,
50 baß dan ich ertragen:
o glickh so reich,
khum ehe ich thue verzagen!
H9,: 6. fliehenD. 11. sehen. 12. o fekä. 14. Weich ab von mir. 19. geengstigest.
25. hoffe. 50. tragen.
Dautlbe Lied noch emmai Nr. 59 d. Hs.z 1. Viel. 2. niemanta. 3. sich niemants. 6. fliegen.
11 n. 12. des vnfals erwheren, o gluck. 13. tha dich niht ron mir kheren. 15. trab. 16. ge-
XLI[. XLIIU
47
walttigeB. IT« eeidt IS^ mit eehwerem last 19; geen^^tiget. 20. schon gung. 23. mit
eillendta gewaltt 25. wen ieli. hoff. 27. Wiltu du, 28. zu fuß nil gan. 34. plagest,
36. wiltu- 37, ruiüs an mir ergetjcen. 40 n. 41. wu^ magst haben rhne* 42, wirtt bestellen.
44, behaussen, 46. thundt, 48. Ir hartter balckh. 50. ertragen, 52. thu.
Bergr. 1574 II ßt 2. niemandts. 5. istB, 11. des vnfals ©rwereu* 12. o Glfjck. 13, thü
nicht ¥on mir abkeren. 16. gewaltiges, 18. mit Bchweretn last 19. geenstiget. 20. sehon
geaug, 23. mit eylens gewalt. 24. wandeln. 25. wann, 27, die han, 30. dann
qneit. 34. plagst, 37, rhumß. 40 n. 41, w« magst, 42. bestellen, 48. jr harter balck.
49 n. 50. Schal ck, baB. ertragen. 52. ehe dann ich.
Vgl Niiderd. Litderh. Nr, 2fl: Jahrb. f. niederd. Sprach fonchung 26 {1900) S. Iß. Oome S. 15,
Wdmar^ Sammdk 14, ß: fiO* Sl 2i Schöner außer | lesen er Heder. X. \ 1 VII glück vnd
heyl, \ 2. Ach vnfals neydt. 1 3, Ich rew vnd klag. | 4, Ach werde fruclit | 5. Ach weyblich
art, I 6, Wol kumpt der Mey. | 7, Man siclit noch wol, [ 8. Mich zwingt dar^u, | 9. Ein Thumier
sich er* | haben hat, ) 10. So wÄnsch jch jr ein | g&te nacht. (Am Schluß:) Gedruckt zu Nürn-
berg durch I Kunegund H ergo t in, {S Bl, >t^ o. J. Rucks, des ersten u. das kUte BL ker^ L Viel
glück ... 4 £wöifjs, Sir, 2. Ach vnfals neydt . , . S sw'ötfz. Str. 3. Ich rew vnd klag , , .
df z}tolfz. Sir. = H$, Nr, 152, 4, Ach werde frucht ... 5 zy^olfz, Str. 5. Ach weiblich art . . .
3 zitantigz. 8tr. 6, Wol kumpt der May , , , <? acAf^. Sir, = Hs. Nr, WO, 7. Man Bicht ...
Ü fünfz, Sir. ^ H$. Nr. 5i v. IflO. 8. Mich zwingt darzu . . , J achtz. Sir. 9. Ein thurnier . , ,
7 zwöifz. Sir. 10. So wiinsch ich jr ein gute nacht^ zu hnndert taueent stunden , , ,. 3 ^ehitM^
Sir. = m. Nr. !S3. Vgl, Goedeke m S, SO.
Dksdhen zehn Lieder in derseiifen Reihenf'Jge ^iehn in dem Einzeldruck des Britiichm Museums
tu Londons SammelL liöläa 48 Si. 12 1 Schöner auß- | erleßoer Lieder | Zehen. | 1, Vil glück
vmi heyl | . . . | . . .7 | . • * | 10. So wünsch ich jr ein | gute nacht. {Am Scfduß:) Gedruckt zu
Nurmberg | durch ValcntJu [ Neuher, [S BL S^ o. J. Rückt, des eritcn u. rfes ieitien BL ker^
Vorders, des kisien BL enift. nur den Dntckvermerk.)
[43*] Ein annder liedt.
1. Ach meidtlein rern>
ich hab allein
eigen mich dir ergeben;
darumb ich will
5 in gheim urid still
dir zue gefallen leben;
baß frey daniff
das dir der khauGT
nit reuwen soll;
10 ie doch wie wol
ich jetziindt scheidt
mit schmerzen und leidt,
so hoff ich doch
es werdt mein noch
vergessen nit:
erbarm dich mein, das bitt ich dich.
I37b]
2. Mein herz das ist
one argelist
mit schmerzen gar urab geben»
20 wan ich dein bin
und sletts mein sin
noch deinem willen streben;
ich weiß kein zeit,
mir ist zuc weit
ein drit von dir,
herz lieb, glaube mir:
khein solchem schmera
vcrschuldt mein herz
durch liebes fall,
liebfit mir für all
und picibe der dein:
ich wÜ und muß dein eigen seifu
25
30
48
XLIIL XLIV.
3. Ganz kreffUglich
befilch ich mich,
35 reins meidlein, in dein gnaden,
ich hoffe auch frey
das ich der sey
dem hinfaren pringt khein schaden;
gedenkh an mich
40
alß ich an dich,
halt fest und sthett
wo einer dich heü
umb liebe dein,
biß wandeis rein,
45 denk an meine treuu;
on aüe reuw,
verlaß mich nicAt,
halte mir deine versprochne pflicht.
H$,: 5. in gegen Still. 16. lie$: das ich dich bitt. 21. mein sin hier Flured, 27. solcher
flchmertzen. 30. liebet 32 fehlt 42. bette. 43 — 15. ymb deine liebe denckch biß
wandeis rein den an meine treuwe. 46 fehlL 47. nit
Förster I (1552) Nr, 62: 5. in gheim ynd stil. 7. paß frey daranff. 8. das dich. 16. ds
ist mein bitt. 18. on argen list 21. ynd setz. 25. trit 28. yersncht. 30. liebst. 82. ich
wil ynd muß dein eigen sein. 35. feinß meidlein. 38. dein hinefart bringt. 42. wo einr
dich bet. 43. nmb dliebe dein. 45 u. 46. denck an mein trew on alle rew. 48. halt mir
deine yersprochene pflicht.
Vgl. 1582 A 175, B 128; 121 Lieder 1534 Nr, 102 (nur d, ersU Str.); Bicinia 1545 II Nr. lOl
{nur d. erste Str.)\ ütentlial, Lieder 1576 Nr, 5, vgl Qoedeke 11^ S. 51.
Fl, Bl, Yd 7831 (Einband v, J, 1566) St. 63 Drey schöne newe lieder (o. 0, u. /.) 3. Ach
Meydlein reyn. (Darin auch Nir, 168.) — Yd 7850 St, 18 Drey sch6ne newe Tantzlieder
(o. 0, u, J.) 3. Ach Mädlein rein. — Fe 71 Fftnff Schöner newer Lieder, Nürnberg,
Valentin Newber (o. J,), 3. Ach Meydtlein reyn. (Darin auch Nr, 82 u, 103.) — Je 3 der
Ms, entspr. Str.
Basel, Sar. 151 St. 56 Drey schöne Lieder, Das | Erst, Vor zeiten ward ich lieb ynd | werd.
Das ander Groß lieb hat mich | ymbfangen. Das Dritt, Ach | Meydlein rein / ich hab | allein.
{Bildchen. Am Schluß:) Gedruckt zn Straßburg am | Kommarckt bey | Chri- | stian Müller.
(4 Bl. 8^ 0. J. Rucks, des ersten u. des leteten Bl. leer.) Ach Meydlein ... 3 Str, Da» ersU
Lied dieses Einzeldrucks s, Nr. 53 d. Es,
London 11522 df 31 Drey schöne neu- | we Lieder: Das erst, Mir ist | ein feins branns
M&getlein 2c. | Das ander: Auff gnad so will ichs | heben an. Das dritt: Ach | M&ydlein
reyn 2c. (Bildchen. Am Schluß:) Gedruckt zu Augfpurg, | durch Mattheum | Francken.
(4 Bl. 8^ 0. J. Rucks, des letzten Bl. leer.) Ach Mäydlein . . . 3 Str. Das erste Lied dieses
Einzeldrucks s. Nr. 168 d, Hs. Vgl. Berlin Yd 7831 St. 63.
Hb. d. Herren v. Eelmstaif 1569/75 Nr. 23 in 3 entspr. Str.
[44.] Ein ander liedt.
1. Wolt Gott daß ich solt singen
mit lust ein neuwes liedt:
mir ligt in meinem sinne
die mir im herzen liebt,
b sie liebt [38»] mir sher in ehren,
sher hoch über alles guett,
ir treu thue ich begeren:
thuett sie mich des geweren,
so wher ich ganz wolgemuett.
10 2. Ich glaub daß auf disser erden
khein schwerere pein mag sein,
geradt wo zwey herzen lieben
die fher von einander sein;
also ist jetz geschehen,
15 herz lieb, in mir und dir:
mag ich mit warheit jehen:
ob ich dich schon selten shee,
so wunß ich mich ofift zue dir.
XLIV, XLV.
49
3. Drag^ gedult alleine,
20 herzallerliebste mein,
in dreuwen ich dirs meine,
dein aigen will ich sein,
und ob ich doch nicht habe
ein statte wonung bey dir:
25 mag ich mit warheit sagen:
wan ich gedenkh all tage,
Gott /tier uns zusamen schier!
4. Der zeit schuldt thue ichs geben
unser beidr groß [38i>] ellendt,
30 der lieb Gott soll dein pflegen
der alle ding zum besten wendt,
also sey jetzt beschlossen
unser beider lieb und treu,
darin sey unverdrossen,
35 hutt dich fürs klaffers genossen,
so bleib ich alzeit bey dir.
Hs.: 13. lieb. 16. sagen. 21. mein. 27. der. 86. dir bey zu lesen f
[45.] Ein annder liedt.
1. Beschaffens gluckh ist un-
versaumbt,
des mueß ich mich jetz trösten,
es wirdt der weg noch wolgeraumbt,
niemandt das glickh khan nötten,
5 das ist mein bestandt,
es hatt sein landt,
thutt hin und wider streben,
wo es hinwil,
der hatt gutt spill,
10 mag allzeit frölich leben.
2. Beschaffens gluck verborgen
llgt,
niemandt das kan nit wissen,
wo es hinwil, gar baldt uffbricht,
darzue ist es geflissen,
15 hilft manchem baldt
aus nott und gewalt;
der sichs nit thuett vergehen,
dem eilt es zue
spatt und je firue,
20 das mueß ich jetz veijehen.
[39>] 3. Beschaffens gluck bleibt unveijagt,
die weit khan das nit wenden,
noch wil ich sein ganz unverzagt,
es wirdt sich alles enden
25 woll mit der zeit —
darauf ich beidt,
es wirdt sich änderst schickhen,
wills Gott undts glickht,
so gehts mir wol,
30 wil es sich änderst enden.
Hg.: 17. yerschehen.
änderst glickhen.
DenUche Texte des MitteUdten V.
daranff ich yerhar ynnd beidt. 28. Nes: undts sol. 30. Hes:
50
XLV. XLVI.
1582 A 197 1
1. BeschaflTens glttck ist anvenaompt,
8ol anders mir gelingen,
mir wird der weg noch wol geraumpt,
kein mensch das glück mag zwingen
5 das jhm beystandt,
es hat sein rant,
that hin and wider schweben,
wems glttck wol wil,
der hat gut spiel,
10 mag allzeit frölich leben.
2. Beschaffens glttck kompt nber nacht,
der hoffnang tha ich leben,
sey wo ich wöU, dasselb betracht,
glttck wird von mir nit streben,
15 dammb, mein hört,
gedenk der wort,
las dich kein arges anfechten,
es kompt der tag,
dir warlich sag,
20 da findst mich ganz gerechten.
3. Beschaffens glttck kompt alle tag,
darauf mein herz thut bawen,
daramb ich noch nit gar verzag,
tha dem glttck yertrawen
25 das all mein sach
und angomach
za frenden sich wird kehren,
wo das geschieht,
bin ich verpflicht
30 mein lieb mit dir zu mehren.
Finek 1536 Nr. 41 in 3 Str.
J. 3. Be-
JF7. BL Ye 508 Drey Sch6ne Lieder, Magdeburgk, durch Joachim Waiden o.
schaffen glück 3 Str. entspr, 1582 A. {In diesem Einzeldruck auch Nr. 117.)
London 11522 df 37 Drey Httpscher | newer Lieder. Das Erst: | Beschaffen Glfick
ist vnuersanmpt, 2c. | Das Ander: | Es solt ein M&dlein frft auff stehn, tc | Das Dritt: |
Vngnad beger ich nicht von jhr, sc. (Bildchen. Am Schluß:) Getruckt zfi Augfparg, |
durch Mattheum | Francken. (4 Bl. 8^ o. J. Rücke, des letzten BL leer.) 1 in 3 Str.
— 3. Lied = Hs. Nr. 65.
Erk' Böhme, Liederh. III S. 558 Nr. 1776.
[46.] Ein annder liedt.
1. Ein junger laggei soll frölich
sein
und sol nit traurig sein —
ich sach in nechten spatte
pei einem feur stan;
5 was hatt er an seiner handt?
ein rodt golt fingerlein
der liebste herre mein. •
2. In weiß will ich mich klei-
den,
und leb ich nur ein jar,
10 meinem hern zu leide
von dem ich Urlaub hab
on alle schulde:
ich wils gedulden,
ich erwirb filleicht noch hulde.
XLVI. XLVII.
51
15 3. Mein herr der reilt spacieren
offt in den gmenen waldt,
da heret er hofßeren
im khloster manigfalt:
grien ist der waltt, die spiel sein manigfaltf
20 die leit sein wolgestalt,
meins hern lieb fraget gar baldt.
Hm.i 12. ich on. 15, Bpaciem. 19 zweite Hälfte lu streichen. 21. li mä JhkürminffBbogtn
für -er; herz^ hemf Der Sinn hldht m jedem Falle schwierig,
Gurrei S. f65.
Dies Lied ist abgtleitet und entstellt aus dem bekannten Mein Feinst leb iat von Flandern;
N». 1575 Nr, €4 u. s. w.
139^1
[47.] Ein an n der liedt.
Ip H du mein schätz,
dein siesses geschwatz,
dein werde schon und höctiste zucht
ist mir so vil khundt
& das ich in meines herzen grundt
nie hab erkhennt khein werdere
frucht;
der halb mein gemiett
in freiden pliett
alß ietz der mey^
10 und ist mein geschrey
daß ich, mein R, nur dein wil sein —
du bist mein,
ich pin dein«
dein wil ich sein,
15 an endl und ewig dein.
2. R du mein hordt,
es darf nit wordt,
du bist mein freitt auf disser erdt;
wo du nit bist,
20 daselben ist
mein kurzweil in verlangen kherdl ;
darum, mein R,
weich nit 7on mir,
ich laß nit ab
25 biß in mein grab,
hiett dich ?or dem klaffer der vil
sein —
du bist mein,
ich bin dein,
dein wil ich sein,
30 an endt und ewig dein.
3. R du mein trost,
sich an du hast
mein ganz gewalt, daä ist gewiß,
wer es nit erleiden mag,
So dem winsch ich alle tag
das herzen leidt und alles peses —
geben uns guette wort
40 und meinen es doch hardt,
dragen [40*] uns ein peses herz in
einem guettem schein —
du bist mein,
ich bin dein,
dein wil ich sein,
45 an endt und ewig dein.
Ni.: 37 ü. 38 fehlen.
Vgl. da£u Nr* 24 obenj wo dasselbe Lied noch einmal iteht^ doch mit kürzerem Kehrrnm fmd
mtch sonst recht tcesentlii^ien Abweichungen.
4*
4
52
XLVIIL
[48.] Ein ann
1. Ich bin verwundt in iaromers nott
wen ich gedenkh an scheidens pein
das ich mueß meiden ir mundlein
rodt:
ach Gott, wie mag ich frölich sein
5 das ich so gar den unnfal habe?
was ich anfache, das wider wendt,
daramb mueß mein herz in trauren
sthon,
ich seiffs und klage mein ganz ellendt
2. Zue trost hette ich mir auss-
erwellett
10 ein trosterin die mir gefelltt,
so khumbt unnglickh und wider
wendts
und schlegt mirs alles zue ruckhe —
unfal, du ungetreuwer gast,
H$. 1568 Nr. 31:
1. Ich bin verwundt in jamers nott
wen ich gedenk an scheidens pein
das ich moß meiden ihr mondtlein rott:
ach Gk>tt, wie mag ich frolich sein
5 das ich so gar den unfall hab?
was ich anfang, ist wieder windtt,
des mos mein herz in traaren stahenn,
ich sucht and clag and bins ellendtt.
2. Zu trost hab ich mir außerweltt
10 ein frewlein fein das mir gefeltt,
so kompt der unfall und wieddor
wendtt
und stust mirs ganz zu rucke —
och Unfall, du untrauwes kraut,
was zeigstu mich in dieser weit
15 das du mir nimbst die liebste mein
die ich zu trost hatt außerweltt?
3. Mein freundt, mein schätz, mein Zu-
versicht,
vergiß meiner nitt, das bitt ich dich,
ich geb dir ganz das herze mein,
20 das sali allein dein eigen sein
und will auch lieben nach deinem beger,
das sali ohn allen zweifei sein,
geprist mus sein dein zucht und ehr —
der liedt.
was zeihest du mich in disser weit
15 das du mich beraubst meins höch-
sten schätz
den ich mir zu freiden hatt aus-
erwellett?
3. Mein schätz, mein kindt, mein
Zuversicht,
verlasse [40i>] mich nicht, das bitt
ich dich,
ich gibe dir ganz das herze mein,
20 zu eigen ich mich zue dir versprich;
das ich will leben noch deinem
beger,
daran soltu kein zweifei han,
gefireitt sol sein dein junkhfrauelich
weiblich ehr
in aller weit wo ich mich hin kere.
Es. 1575 Nr, 105:
1. Ich binß vorwundt in jamera nodt
wen ich gedenk ahn scheidens pfein
daß ich muß meiden ihr mundlein roth:
helf Qott, wie magk ich frolich sein
6 daß ich so gaer den ungefall habe?
waß ich anfha, daß widerwendet sich bald,
deß muß mein herz in trauren sthan,
ich seufftze und klagh und bjn elend.
2. Zu den frewden hab ich sie mich
außerweit,
10 ein trosterinnen die mich gefeit,
nu kumpt ungluck und widerwendet
und stotz mich gaer zu rugge —
ach uDgefall, du untreweß krauth,
weß zygestu mich auf dieser weit
15 daß du mir vortreibest den hohesten schätz
den ich mich zuvom hette außerkom?
3. Mein kindt, mein schätz, mein tzu-
versieht,
vergiß meiner nicht, daß bitt ich dich,
ich gebe dir ganz daß herze mein,
20 ich will dartzn dein eigen sein,
ich will auch thun nach all deinen begher,
daß schall ohne allen zweifei sein,
jha freigh schall sein dein weibleiche ehre
in der ganzen weiden weit whar ich mich
henkere.
XLK.
53
[49.]
1. Sag an, herz lieb, was schei-
den thuett,
pringt schweren muett
und traurens vil,
dein hinfart mir mein herz jetz
krenkht,
in leidt versenkht,
daß klag ich sher,
alß was ich han
ist dir ganz underthon,
vil glickh und heil ich dir wol gunn.
[4i*] 3
21
Ein annder liedt
2,
10 2. Bey dir alzeitt
das war mein freidt,
nichts anders ie begertt ich im;
dan dich herz lieb
in treuen ieb,
15 in statter treu
finst mich ohn reu,
herz lieb, nit wenkh,
dein treu nit khrenkh,
mein lieb und gunst ich dir für
eigen schenkh*
In allem landt findt man nit baldt
dein liebliche gestalt —
mein lieb und leidt
hatt gar ein endt,
und das erkennst von herzen wol,
25 do ich dich an schaut,
mein herz schrie laut —
ade, mit leidt
ich von dir scheidt.
H$r. 4. hinfart hatt mir. 9. lies gan. 12. im] na? mir? 20. aller. 28. von d; d mt^
Abkwrzung$bogen\ an dieser Stelle sicherlich => dir. Vgl. oben 39, 6.
In der Es. zeigt sich das Akrostichon ^Sa — 6— tna" unversehrt^ sonst ist der ursprungUcke Wort-
laut sehr entstellt \ eine noch schlimmer verdorbene Fassung bietet 1582 A 17 2 1
1. Sag an, herzlieb, was scheiden thut,
bringt gros unmuth,
macht trawrens viel,
mein hinefahrt mich sehr bekrenkt,
5 wers selb gedenkt
im herzen sein,
halt dich gar schon,
ich bin dir noch unterthon,
viel glttcks und heils ich dir wol gan.
10 2. In aller weit find man nicht bald
hiemmb im land
jr schön gestalt,
jr mttndlein rot, jr helslein weis,
jr leib ist ziert
15 mit ganzem fleis,
darauf ich bawt,
mein herz schreit laut,
glück bringt die zeit
die rote rößlein geit.
20 8. Recht wie ich jm thu, mein herz es krenkt,
mit leid versenkt
in scheidens pein,
wenn lieb durch leid hat ganz und gar ein end,
wers selbs erkendt
25 im herzen sein,
ein schwere bus,
wers meiden mns —
aide, mit leid
ich von dir scheid.
54 XUX. L.
Fl. BL Yd 9911 Zwey Schöne Lieder, Nürnberg, Valentin Neaber o. /. 1. Sag an Hertz
lieb S Sir. entspr. 1582 A.
7e 816 Vier Schöne Newe Lieder, Magdeborgk, Wilhelm Roß o. /. 3. Sag an Hertz-
lieb 3 Str. entBpr. 1582 A.
[50.] Ein annder liedt
1. Trostlicher lieb 2. Phebe, dir gescÄach
ich mich statt yeb auch also gach
wie ich die lieb 15 do du eiltest noch
und huldt erlang ein freileins zart Daphne der junkhfrau on gezam,
5 dem ich mit fleiß die dir entgieng,
in stiller weyß zu stundt anfieng,
noch dien zue preiß, mit laub umbhieng
sie heldt mir das ganz wider part: 20 und wardt ein schonnerlorberbaum:
wer hett geacht dir nit mher wardt
10 das solt sein gemacht von blattlein zart
ein weiblich pildt dan nur ein kränz
von sin und gemuet so fest und den du noch tregst umb ir lieb
mildt? ganz.
25 3. Ach wer ich der
dem yetz nicht mher
von der ichs geer
[4ii>] möcht werden dan ein krenzlein fein,
darzue ir gunst,
30 dar mit umb sunst
nicht als der dunst
vergieng ohn frucht die liebe mein:
erst wirdt ich trost,
von pein erlost
35 mein gemiet ganz ring:
villeicht mir furter baß geling.
Es.: 5. mit mit. 12. Hes: wildt. 13. gesach. 24. ynnb.
OegUn 1512 Nr. 8: 2. stets ich mich üb. 3. wie ich erhttb. 4. erlangt eins. 8. so helt.
9. gedacht. 10. gmacht 12. gmüt. mild. 15. do eiltest nach. 16. jungfraon angezaum.
33. erst würd ich tröst. 35. gmüt. 36. fOrder.
VgL Niederd. Liederb. Nr. 81: Jahrb. 26 S. 31. Dazu: Qassenh. u. ReuUerl. Nr. 20 (nur d.
erste Str.). — Liedlein 1614 Nr. 18 {Lechner) in 3 Sir.
Fl. Bl. Basel, Ün.-Bibl. Sar. 151 St 34 Drey Schöne newe Lieder, | Das Erst, Semlicher
schmertz, | bekrenckt mein hertz. Im thon, | Tröstlicher lieb. Das ander, | Tröstlicher lieb,
ich mich st&ts | f^b. Das dritt. Man | sieht noch wol wie st&t | du bist, }c. {Bildchen. 4 Bl. 8^
0. 0. u. J. Rucks, des ersten u. letzten Bl. leer.) Am Schluß: Lieb haben vnd nit gemessen. |
Dz mftcht den tettffel verdriessen. 2 in 3 Sir. 3 in der Es. unmittelbar folgend: Nr. 51.
U LL
55
Berlin Yd 7S21 St 34; Ye ^36 {dann owcA AV. 156 d. B§.),
FrmkfuTi a. M, SiadtbUtL Amt Germ, L 522 St S5 They achflne newö Lieder, | Daa Erat,
SeuHchef Bchmertz, bo- | krenckt mein hertz. Im thou, Tr6&t- 1 Heber lieb. Das ander, Trt^st-
lich* I er lieb, ich mich atäts ^b. Daa | dritt, Man eicht noch wo! | wie stSt du \m%, 3e.
{Bildchen, 4 BL ^'« o. 0. u. J. Rucks, dcM ersten u, kUien BL leer,) Jm Schluß: Lieb haben rod
nit geDiesaen, | daa mAcht den tcüfel verdriesaen. T"^^. BaseL
Weimar^ SammelL St 79 (Einzeldruck o. 2 Liedern) Ein schön new Jied, | Senlicher achmerta
, . . I . * . J Mer ein schönes lied, Tröat- I lieber lieb , . ♦ | . * . || (Biidchm, Am Schhßt) Qedrücht
durch Hana | Guldenmundt. (4 BL 8^ o* X Etkks. deä etilen «, da» ganze UUie BL le^.}
2 tn 3 Sir,
Zmckm, Sammelb. XXX, V, 20 St 28 Vier echoner lieder, Erffurt 1529- AUe 4 Lieder
dieses Einzeldrucks enthält auch die Na. / = Nr, 104 Ach lieb mit leyd. 2 =^ Pontehender AV, SO
Troatlieber lieb. S = Nr, 183 So wunseb ich yr ©jrn gutte nacht. 4 = Nr. 115 Erst hebt
sich not vnd jamer an.
[51.] Das annder liedt,
L Man sieht noch vvol wie slett [42*1 ^^ Untreu trifft sein herren ghern,
du bist, ich hab mir ein feins lieb ausserwelt
so gar und ganz ohn allen list, noch ehm^
recht heltsl du dich, niht als du bist
des freu ich mich» die untrefv ist —
5 ich Yersthes wol^ — jha bindet sich, 20 wer weyß wers andern schwager ist.
2, Ein spil für mich; wans tau-
schen gut
und untrey sein, so bist du niilt^
ich hoff der rankh
wer dich nit lang»
10 tausch weil du hast die wechsel
bankh.
3. Treibt mich von dir dein fal-
scher syn:
gewinst vil daran, du wirst wol in
zu seiner zeit —
ich har und beidt,
6. Farhin, mein raetz» mit deinem
tausch,
ich hoff mir geling noch wol ein
rausch
mit einer auf erdt
die mein begertt,
20 zu seiner zeit wirtt ich gewerdt.
6, 'Hab dank, mein Hennsel, mit
deinem preLB,
du hast gethann das best mit fleiß,
als ich versthe,
thutt mir nit whe,
16 wher weyß wher noch den esel reitt. 3o bist mir ein gesell recht ohn das g/
Bm,i 16. herm. 19 fehlt 22. gelin. tausch.
Doiadhe Lied noch einmal^ unten Nr. 169 : 2, so gantz vod gar ohn arge liTTt, 3 u. 4 achön
böltstu dich, das* 5- veratee mich wol ich maina hinderaich. 6. für dich soes, 7. biatue.
IL mir von. wanckhler eyn. 12; geneüatus tjI eo wirta wol inn. 14. ich wart und beut
16. Wann Tntreuw trifft im heireii gern* 17* eine außerwölt £ue den em, IB u, 19. nit als
'ä
56 LL LIL
du bist, die falsch ynd vntrenw ist 21. Meints. toosch. 22. Ich wolt noch haben ein
gaeton rausch. 24. der ich. 25. ward ich. 80. gesell on das O.
65 Lieder ^. 24: Sir. I 1. nnn wol. 2. recht gants vnd gar on argenlist 8. schon
helsta dich. 5. versteh mich recht, meyns hindersich. // 1. dich, so. 8. hoff noch der
ranck. /// 1. stoltzer sinn. 2. geneoßt sein vil, so wirstns inn. IV ('^ Es. 5) 1. taoBch.
2. ich hoff ich sol noch han ein rausch. 8. einr. 4. die ich beger. V (» fft. 4) 1 n. 2. Wann
yntrew trifft jm herren gern, hab mir ein ausserwelt noch em. 3 u. 4. Nit als du bist, die
vntrew ist . . . Sir. 6 fehü.
Forüer I €4 u. 69 in je 5 Sir. Meiland 1575 Nr. 21 in 3 Sir.
1582 A 193 1 8. heltestu. 5. versteh es. 6. ftir dich, wenns. 7. bistn. 9. were.
10. rausch. 12. wirsts. 16. seinen herren. 17. fein. 18. noch ehren nit. 19. als du
denn bist. 20. wer des. 21. tausch. 22. geling. 23. ist eine auff erd. 25. wfird ich ge-
wert. 28. verstehe. 29. thu mir nit wehe.
Vgl 1582 B 150.
Es. der Eerren v. Edmeiorff 1569/75 Nr. 14 in 6 Sir.
Fl. BL Basel u. Frankfwi a. M. eusammen mii dem unmittelbar vorhergdtenden Liede d. Es.
Nr. 50, in je 6 Sir. In dem bekannten Sonderdruck von 10 Liedern^ Weimar und London^ an
siebenter SieBe mü 6 Sir. Vgl. Es. Nr. 42.
Femer noch: Basel, Sar. 151 St. 53 Drej hübscher newer lieder/ | Das erst/ Auff fiftulen
baw kejn eilen | soll. Das ander / Man sieht noch | wol wie st&t du bist | Das dritt / Wer sech
dich fttr I ein solche an/2c. {Bildchen.) Schluß: J. F. S. d. i. Jacob Fröäch, Strafiburg, als
Drucker. (4 Bl 8^ o. J. Rucks, des letzten Bl. leer.) 2 in 6 Sir.
[52.] Ein annder liedt
1. Es batt ein Schwab ein doch- 4. Und da sy in die Stuben
terlein, kam,
es woldt nit lenger diennen, da bott man ir zu trinkhen,
siewolttnurrockhundmandel haben, die äugen ließ sie umbhergan,
zwen schuch mit schmalen ryemen — den becher ließ sie sinkhen —
5 du feins mein Elselein. 20 o du feines mein Elsselein.
2. Wiltu rockh und mandel haben, 5. Do sassen drey gesellen gutt,
zwen schuch mit [42i>] schmalen die spilten mit den wurflen,
riemen, und wem die meisten äugen khe-
so muest du nhun ghen Augfpurg ein, men,
daselbst rottes goldt verdiennen — der solt beim Elsselein schlaffen —
10 o du mein feynes Elselein. 25 o du feines mein Elsselein.
3. Da sy nun ghen Augfpurg 6. Der aller jungst derunder in war
kham der warf die meisten äugen:
wol in die enge gassen, 'gehabt euch wol, mein schon junk-
sy fragt noch dem besten wein frau,
da ritter und kneht bey sassen — heindt wil ich bey euch schlaffen' —
16 o du mein feins Elsselein. so o du mein feines Elsselein.
LH.
57
[43*] 7. Und do sy uff der sydel
saß,
gar heimlich Ihett sy weynen:
*so hab ich stolzer bruder drey,
ein reichen valter daheimen^ —
35 du feines mein Elsselein-
8. *So hastu stolzer bnieder
drey,
ein reichen valter daheimen,
so magstu wol ein meidlein sein,
du schlaffst nit ghem alleine* —
40 o du feines mein Elsseleiiip
9. Der jüngst der under den
brudeni war,
der war der aller beste:
*ach vatler, liebster vatter mein,
so gib mir geldt in seckeF —
45 o du feines mein Elsselein»
10. Da er nun ghen Augfpurg
kam
wol in ein enge fassen,
das erste mensch das er ansach,
das war sein liebste schwester —
ho o du feines mein Eisseleiu.
11. *0 Schwester, liebste Schwe-
ster mein,
wie ist es dir [43^] ergangen,
das dir der rock ist fornen zu kurz
und binden vil zu langen* —
U o du feines mein Elsselein.
12. *Brueder, liebster bnieder
mein,
du redst mir an mein eere,
und thedt mir das ein ander man,
er must mirs widerkeren' —
eo o du feines mein Elsselein.
13. Er setz sie hinder in auf das
roß,
da kert sie im den ruckhen:
'o bmeder, liebster bruder mein,
hilf mir die schandt vertruckhen' —
65 o du feines mein Elsselein*
14< 'Schwester, liebe schwester
mein,
ich will dirs widerkeren,
ich weyß ein reichen burgers sun,
der begert dein zue ehren* —
70 o du feines mein Elsseleim
Ä,; 39. gber.
Fl. BL Yd 9531 Ein newa Ued/Ea b«t ein | Schwab ein tdchterlein. {Bildi^en. 4 BL 8^
&. 0. u. J* Rück», d€§ eritm «- ki£$€n BL leer.)
1. Es het ein scbwab ein töchteriejo. 3. muntel 5. dn fejnes mejn Elseleyn*
6- Wilt dm rock vnd mantel haben* 10, dn fejnea meyii Elseleyn, IL Do sie na gen,
12. engen. 13, sie fragt wol nacb, 15, o du feines mein Elaele^n. 16. Ynd do &ie.
18. vnter gan. 20. dn foynei meyn Elselejn, 22. Würffein, 24. bey dem Elßlejn,
25 «?w 20. 26- jöngst der vnter. 28. schöne junckfraw. 29. bejnt. 30. du feines meyn
EJaeleyn, 31. Ynd do eie auff der Bidel saß, 32. da hüb sie an zn weynen, 33. hrüder.
35 mt 30. 36. Hast du denn. 39. du schleffst nicht gern alleyne. 41. Der jüngst der
Tnter den brüdern war. 46. Do er nu gen* 5L liebe. 59. müst. 6L Er eetsit sie hinter
jn. 63. lieber, 66. liebste.
XV. Vnd der vds dises Ltedleyn sang, | von newem bat gesungen, | das haben gethan
drey Bitter gtU \ zu Angfpurg ist es erklungen, | o du feines mein Else lein.
Ein dümä übiruMnitimmmder EinMldmck im Weimarer SammeHntnd, St 19. — Nieder d. Li&lerb,
Nr. 122 {mi
Görre$ S. IS7 {vgl ls^)\ ffoffmmn-Riehter, SeMeM. Voihl, {tS42) S. 173 Nr,92\ Erk-lrmer
(18i3) H. V Nr. 12-, miand Nr. i?J7; Simrock S. //tf; MiUltr S, m/G Nr. 21819; Woifrtm,
Na*sQui*che Volkä. $. S»^; Bohme^ Liedtrh. Nr. 51* Liederh. I 5. 425 Nr, 119,
I
i
58
UlL
[53.] Ein annder liedt.
[i4«] 1. Vor Zeiten was ich lieb und
werdt
die ich mir hett auserkorra,
jetzundt halt es sich ghar verkhert,
es ist alles an ir verloren,
5 dan sie wil ein andern lieber hann,
niemandt zweyen herm dienen
khann,
ein mueß man lieben, den andern
verlon,
darmit scheidt ich auch darvon.
2. Hutt euch, ir jungen kna-
ben,
10 haltt euch in gutter hutt
das euch die lieb nit zwinge,
das ir mugt abelon —
ein gutten muett, ein kurzes zil!
nit glaubt den schönen junkfrauwen
zu Til;
15 es ist händt lieb, ist morgen
leidt,
das schafft ir stettigkeyt.
3. Den falkhen kunnen sy strei-
chen
die weil wir bey in seindt,
vil Sprichwort thun sy treiben
20 als baldt wir von in ghen,
verheissen vil und halten nur ein
theU
biß sie uns bringen ans narren seyl,
den muessen wir bey in gefangen
ghon
die weil wir das leben bann.
[441»] 4. Sye thun uns lockhen und
singen
26 biß wir in fliegen zue
das sie uns thun bezwingen —
die weil haben wir khein rhue:
gleich wie man den kleinen waldt
fogelein thnt,
30 so pfeift man in sieß und macht
ins gntt;
wen man sy dan gefangen hatt,
so schlecht man sy dan zue todt.
5. Aide zue tausendt guetter naht!
mein trauren hatt schon ein endt —
35 hett ich dein un trey lengst er khent^
mein herz hett sich von dir gewendt,
für war ich las gereuen dich,
du betreigst ein andern als baldt als mich,
dein untrey macht das ich dein nit acht,
40 aide zue guetter nacht!
Ht.z 2. aaferkoni. S5. dein vnnd trej.
iS82 J 28 z 2. maßeriLom, 3 o. 4. jetzt hat es sich so guitz verkehrt, ist. Teriom.
5 — 8. Denn sie hat ein andern lieber denn mieh, tireyen herren nicht kan dienen ich, der eine
ist Heb der ander leid, damit ich von jhr scheid. 10. habt euch. 11 o. 12. last eoeh die
liebe nicht zwingen, and lernet abelan. 13 a. 14. Ein gater mut ist halber l«b, glaubt nicht.
15 n. 16. was heat ist lieb, wird mori^en leid, das macht jr onstetiglceit. 19. Sprichwörter
kdnnen sie. 20. von jn sein. 21. Sie geloben viel nnd halten ein teiL 23. denn müssen
wir ge&ngen gan. 27. nns ja beswingiNi. 90 n. 31. man pfeifiet jn s&fi, man machts jn
^nt, nnd wenn sie denn gefisngen sind. 32. sie aO cn todt. 34. hat ein tsid. 37. Fürwar
es wird gerewen dich. 38. dn betrengest ein andern so bald.
LHI. LIV.
59
Diesei und dai fötgmde Lied vereinig der Einieiärvck Vd 996 f3 : Zwej bcIi5ii© Lieder, das |
erate, Vor zejten was ich lieb vnd wert | Das ander, Mich bat erfrewt de» ( Sommerfl zeit
Im Thon, 1 Es het ein meidlein, ae. {Bildchen. Jm Schluß:) Gedruckt zu Nitrnberg, durch |
Valeutin Newber. (4 BL S^ o. X Rüüka. des letzen BL leer,) 1 in 5 d. ff», enüpr. Str.
m. f674 Nr. 33 u. s. w.
aOrre» B. 67; Mittkr [S. SI2 Nr. ß74) S. äl3 Nr, 676; Ootdeke-TiUm. 8. 39-, K Frhr. v, Mien-
cron, VidkiL um 1530 (Nai.Lüi. 13) S. 258 Nr. 86 ; Böhme, Md. liederb, Nr. 21Ö\ liedtrK H
S. 284 Nr, 46*2.
[54.1 Ein an n der liedt.
1. Mich hatt erfreut des summers
zeit,
der waldt halt sich belaubet
und auch darzue der anger weit,
meines bulen byn ich beraubet»
5 yetzundt darf ich nymer ins hauß,
wenn lieber kuinpt, muß leider auß,
ein ander der gket ein und aus —
wie mir, wie mir,
ob ich möcht geraten ir.
[is*] 2. Weil es noch in dem winter
war,
u ein eydt schwur mir die frumme:
*keyn hebern man gewan ich furwar,
von dir wil ich nit kummen' —
yetz mcrkh ich wol warumb sies
hall thon:
16 sy hett nit vil zu legen an,
jetzundt khan sie im wedel gan —
wie mir, wie mir,
ob ich mecht gerathen ihr-
3» Der waldt ist hoch, die Stauden
grün,
20 das hatt sy wol vernummen,
meint es wer gutt spacieren ghan,
ist in den orden kummen
da man in den weiden heldt hauß,
darumb ist jelz mein buelen auß,
25 sye bult ein junkhem, kert stell
auß —
wie mir, wie mir,
ob ich mecht gerathen ir.
4. Ann irem hauß klopfet ich an
sam sie mich hett geladen,
30 ich meindt sie solt mich einhin Ion,
gutz herauß, hieß mich ein fladen,
sy sprach mein buelen wer verlorn,
sy hett ein andern auferkorn,
das thut mir uff die schalkhin zom —
35 wie mir, wie mir,
ob ich möcht gerathen ir,
5. Jetzundt weiß ich wol wer ist
der
den sy selber 145*») thutt nennen:
wenn er kumpt auf sein hoches
pferdt»
40 thut er sich selbs nit kennen,
er reit ghen Mugenhoff oder
Schweynauw,
sprengt hin und her, schreit wie
ein sau,
fiert hinder im sein liebe frau —
wie mir, wie rair,
45 ob ich möcht geratten ir*
6. Es ist nit lang, do gescAach das,
gieng ich fürs thor spacieren,
das sy hinder ihm auf dem pferdt saß,
er woltts ghen Schweinau fueren,
50 ich docht er wer von hochem ge-
schieht
das sy mich so gar hett verschmecht:
do war er auch nur ein hauß knecht —
wie mir, wie mir,
ob ich möcht geratten ir<
1 1
ä
60
LIV.
65 7. Vor, wenn sye ye mit mir
thett gan,
ließ sie sich nit genuegen,
wenns schon buener, vogel, tauben
thet han,
noch tbett sie mit mir kriegen,
sy sprach, wen ichs nit ghem woltt
thun,
60 so west sy wol ein andern man,
der woldt ir seiden kaufen an —
wie mir, wie mir,
ob ich möcht geratten ir.
[46*] 8. Weil ich ir pfenning geben thett,
65 kundts freundlich milt mir lachen —
jetzundt, wen mein mül nimmer ghett,
tbuetts mir den äffen machen;
mih dunkht sie hab sich selbs ge-
schmecht,
ist worden in die sylber kammem
gerecht,
70 ich mein da man diesattel uff hecht —
wie mir, wie mir,
ob ich möcht gerathen ir.
9. Der schalkheit sie ein canz-
lerin ist,
das khan ich wol erkhennen,
75 in ir hatt sy vil arger list,
noch wil ich sye nit nennen;
wen ich umb gelt lieb kaufen sei,
so wirt es sthen umb mich nit
wol,
steckhs in eim sackh wer wasser
vol —
80 wie mir, wie mir,
ob ich mocht gerathen ir.
10. Man hördt wie Salomon der
weiß
von frauwen wardt betrogen,
Sambson fürt in der sterkh denpreiß,
85 wardt auch von frauwen pogen;
also laufen wir noch in der brunst,
mancher meint er hab frauwen
gunst,
so ist 'nequam fallis' ir kunst —
behalts dir, behalts dir,
90 Jörg Graff scAenkht das gedieht ir.
43. sein liebe sein liebe.
64. thett
46. gesach.
Vgl. Hederh, II
Et.: 7 fehU, 32. wem verloren,
pfenning geben. 90. senckht.
Bern. 41. Magenhof und Schweinaa sind Orttckaften im Nürnberger Gebiet.
S. 773 Nr. 1018: Schweinauer Tanz.
Yd 9953, Einzeldruck, der an erster Stelle das vorige Lied Nr. 53 enthält, enthält an zweiter
Stelle diese Nr. 54 mit folgenden Abweichungen :
Str. I 1. Sommers. 4. meins. 7. Ein ander der geht ein ynd auß. // 4. nicht 5. than.
7. inn. 9. m6cht. /// 2. vernommen. 8. sey gut spatziren gehn. 5. Do. 7. stall.
9. mScht. IV S. lan. 4. gntzt. 5. wer. 7. aa£P die Sch&lckin. V 8. kompt Pfer.
4. nicht. 7. fftrt hinder jm sein liebe Fraw. VI 1. nicht, geschach. 3. hinter jm.
5. dacht. 6. het so gar.
VIL Heimlich hinach stund mir mein sin, ins Wirtshauß thet ich fragen. Do ich hinein
kam warn sie hin, der wiert der thet mir sagen. Was sie beyde betten verthan, die snmm
die traff zw^lff pfenning an, der knecht het ein pfand müssen lan, Wie mir, wie mir, ob
ich m6cht geraten jr.
VIII (7) 2. nicht. 3. v^gel. 5. than. 7. kan£Pen seyden an. IX (8) 6. kanmier grecht.
7. Sättel auff hecht. X (9) 4. nicht. 6. stehen. 7. wassers. XI (10) 4. bogen. 5. pmnat.
8 u. 9. Bhalts dir, bhalts dir, J6rg Graff schenckt das gedieht jr.
Also fecht man die Affen.
Über Jörg Qraff s. 0. Schade: Weimarisches Jahrbuch IV (1856) S. 417—452. Vorstehendee
Lied fehü dabei. Vgl. femer Frh. v. Liliencron 3, 209 u. 212, Nr. 305/6-, Goedeke 11» S. 255.
LV,
61
im
[55,] Ein annder liedt.
1. Khundt ich von herzen sinken
ein hübsche tage weiß
von lieb und biterem schmerzen:
nun merkhen ufif mit fleiß
5 wie es eins kunnigs toeliter gienng
mit einem iungen graffen,
nun hördt hupsch wunder ding!
6, Die junkhfrau thett sich zieren
in einen mantel weiß,
ir brüst thett sie in schnieren,
vermachts mit ganzem fleiß,
40 auch sprach die edel Jungfrau schon:
'kein man soll mich auf preissen
dan eines graffen sunJ
2. An ireß vatters hoffe
manch edler ritter was,
10 noch liebet ir der graue
uff erdt für alles das
was Gott durch sein weif hei t erschuff,
heimlich auß betriebtem herzen
thett sie so manchen rueff.
7. Da sie kam zu dem brunnen,
sie Tandt vil freudt und lust,
45 sie dacht: Hch hab gewunnen»
mein trauren ist verdust,
auß aller nott wher ich erlost —
o das ich sech herr reytten
mein hoffnung und mein IrosU*
15 3. *Herr Gott, sendt mir das glickhe [47i>] 8. Zu handt lieff uß dem walde
das er mein herz erkhenn,
löß mir auf bandt und strickhe,
frau Venus edle mein* —
wie der j unk frau wen im herzen was,
20 also waß auch dem graffen
alzeit ohn underlaß.
51 ein grimme löwin her,
die junkfrau lieff gar balde,
sie floch von dannen ferr
und kam so fer den selben
üö im mandel ließ sie ligen,
darauß kam nott und klapr.
tag,
4 Keins dörft dem andern offnen
was im 147*] im herzen lag,
ihr jeglichs thett sich hoffen
25 ein seiden reichen tags
der doch zue lest mit jamer kham:
eins thett dem andern schreiben
und leyten hin ir schäm.
9, Die löbin gebar ir iungen
wot uff dem mandel guett,
der mandel war besprenget
60 mit schweiß und rottem btuett,
darnach die lowin wider gienng
zu walt mitt iren jungen —
do kam der jungling.
6, Ein tag der wardt gemeide
30 zu einem brunnen kalt,
der lag fer in dem felde
vor einem gruenen waldt;
wer ehe kern zu des brunnen fluß,
das solt des andern warten:
35 also was ir beschluß.
10, Do er den mantel fände
65 besprengt mit blutt so rott,
do schrau er laut zu bände:
*D whe, mein heb ist todt!
so sie mich nit gefunden hatt,
sie hatt sich selber tödet,
70 whe der grossen noth!
62
LV.
11. Nun mueß es Gott erbarmen!'
thet er so manchen rueff:
*o whe o whe mir armen
seidt daß mich Gott erschuff!'
76 sein schwerdt das zog [48»] er aoß
der scheidt:
^kom mir zu meinem ende,
Ifarie du reyne meydt!
12. Wie hastu mein vergessen?
wo ist das edel weib?
80 handt sie die tier gefressen,
so kost es meinen leib,
ist sie dnrch mich gestorben hie
iren leib wil ich bezallen' —
er fiel auf beide knye.
85 13. ^Gott gesegne dich mon und
sune,
deß gleichen laub und graß,
Gott gesegne dich freudt und wune,
und was der himmel beschloß!'
sein schwerdt das stach er durch
sein herz:
90 'es soll kein weibes bilde
durch mich leiden schmerz.'
14. Da es wardt umb den abent,
die junkhfrau widerkham
zu dem brunnen glau/*en;
95 kein todtlich herz vemam
so bitterlich klag furwar,
sie wandt ir sehne weiß hende,
rauft auß ir gelbes harr.
15. Die junkhfrau fiel da nider,
100 gar oflfl ir da [48b] geschwandt,
wen sie auf blickhet wider,
ir omacht sie empfandt:
das trib sie also dickh und yU
biß an den hechten morgen —
105 ir klag ich kurzen will
16. Diejunkhfiauthett sich neigen
wol uff den graffen schonn:
'Gott gesegne dich erb und eigen,
Gott gesegne dich kunigklich krön,
110 deßgleichen feur, wasser, luffl und
erdt!' —
in dem thett sie uff springen
und zog im auß sein schwerdt.
17. Das schwerdt begundt sie
stechen
durch ir betriebtes herz:
115 'Herr Gott, thue in mir rechen
die ding zu bitterem schmerz,
so es warlich am tage leidt:
die liebe überwindet
alle ding in diser zeit
120 18. Hast du durch mich auf
geben
landt, leut, auch ehr und guett,
verzeret hie dein leben,
[49»] verreret hie dein blutt!
du hast gemeint ich sey ermordt,
125 da will ich bey dir bleiben
ewigklichen hie und dort.' —
19. Damit wil ich beschliessen
die schöne tage weiß —
Herr, durch dein bluett vergiessen
130 gib in das paradeiß!
das liedt schenkh ich einer junkfrau
rein,
durch sie wolt ich auch sterben
uff erdt, möcht es gesein.
Es.: 38. sie fdiU, 52. lie£P fehU. 73. ein o whe fehü. 94. glaabett 123. hie fehlL
1582 A 253: 3. von liebe und bittem schmerizen. 4. mercket aaff. 5. tochter ergieng.
12. beschnff. 14. gar manchen. 19. jangfraw. 23. jhn im. 24 u. 25. ein jeglichs thete hoffen,
eina seligen reichen tag. 28. legten. 29. der war gemeldet. 31. fem. 33. der eh.
LV. LVI.
brnunena. S4. der iolt. 38. jhr brüst thet sie emechoiereD. 40. edle, 44, groa trend.
47. bio ich* 48. o Gott dae ich her sehe reiten. 52, Heff gar, 53. und floch, fem,
54, io weit. 55. jren matiteL 62, £um* 63« Jüngling, 65. beaprenget. 66. da schrej*
63, da sie, 69. aelbe ertödtet. 73, o weh o weh. 74. beechuC 77. Maria da reine tnagd,
79, edle, 84. er fiel nid er anfiF beide knie. 85, geaegeo. B7, geiegen, 9L nimmer durch
mich leiden schmerts. 92. Da es was. 94. zu dem briinnen sich nahet* 95. ein, 96^ bitter*
Ikhe. 97. achneewelBe, 93. ranC 99. darnidar 103. gesegen. 109, und königliehe
krön. 112. aus jm* 115. Gott wölst nit bn mir rechen. 116. bitterm.
)6ut, ehr und auch gut, 123, nnd ancii verzehrt dein blut. 126, ewiglich.
133. möcht er gciein.
Ms. 1574 Nr. 21, /575 ifr, iU: Archiv f. d. neuerm Spr, 112 {19fM) S, 3 u. #. w.
119 all. 121. land,
127. icbfi. 130. uns.
[56.] Ein annder Hedt.
1. ^Mitt ganzem elenden herzen
klag ich mein schweres leydt,
ich slhe in sorgen und schmerzen:
ach wechler» gib mir bescheidt,
5 hilf mir die sach besinnen
das ichs fach weisslich an,
das ich mit fueg wher drinnen
das mein niemandl werdt innen —
treulichen ich dir Ion.'
10 2, Ein freyer wechter hört die mere,
wie baldt er an die zinnen tratt,
er sprach: 'wer klagt so sere?
begerst meiner hilf und ralt,
laß mich dein willen hören ^
15 darnach so rahl ich dir,
sag was ist dein begeren?
des wil ich dich geweren,
seidt du getrauest mir/ —
[is^j] 3. 'Wechter, nun höre mich eben,
20 merkh auf was ich dir sag,
mein trey wil ich dir geben,
darzue was ich vermag —
hilf mir heimlich verborgen
in stil zu ir hinein,
2ö das ich bleib one sorgen
biß an des tages morgen
bey der aller liebsten mein.' —
4. *GeseU ich hör dein klagen,
ich wil geweren dich,
30 noch eins will ich dir sagen:
gar eben dich versieh,
ghe heimlich zue dem thore,
biß nur weiß in der sach,
thu mich und dich beware
35 das uns nicht widerfare
beiden groß unngemach*' —
5, 'Wechter, noch deinem gefallen
hast du erfreuwet mich,
ih dankh dir zu thaussent malen,
40 noch eins will ich bitten dich,
gib mir die rechten kreiden
das ich nit schlaff zu lang,
mein herz das ist bey fryden,
verschwunden ist all mein leuden,
45 meiner lieb ein anfang.' —
150»| 6* Inn freuden thetten sy leben
die zwey die ganze nacht,
Irauren was innen entwichen
was inen beiden gescAach,
50 holdt seliger lieb sie pflajen
die zwey die ganze nacht,
in grosser freudt sie lagen
biß ane hub zu tagen,
der wechter sang mit macht:
64
LVI. Lvn.
65 7. 'Wolauf, mein gutter
gutt Warnung ich dir sag,
hutt dich für ungefelle,
es nahet ghen dem tag,
du solt dich freundlich letzen
60 noch deines herzen lust,
freudt solt du dich ergetzen
und deinen willen setzen
wen du herwider kumbst.' —
8. *Wechter, du wilt mir bringen
65 mein herz in grosse klag,
nun hör ich wol an deinem singen,
verkündest mir den lichten tag,
wilt mir mein freudt erleiden,
doch ist mein herz verwundt;
70 wie geschieht uns allen beiden!
mueß ich mich, herz lieb, scheiden?
nun spar dich Gott gesundtl'
Es.: 20. ich fehU. 49. gesach. 50. pflagten. 70. gesicht.
Mffq 718 BL 10^: 2. layd. 4. wachter. bschaidt 6. Daß ich fach weyflich an.
7. mit lieb sey. 9. trewlich wil ich dir Ionen. 10. Ain freyer wachter hört die mftre.
11. paldt« 13. begersto. 17. das. 18. yertrawest mir. 19. Wachter nan hör. 20. was
ich. 28. yerporgen. 25. pleyb. 82. Qang. 88. Biß weys in diser sach. 84. bewaren.
37. Wachter nach meim gefaUen. 88. Hastu. 89. Danck dir. 40. eins das. 41. krenden.
43. frewden. 44. ist mein leyden. 45, ain anefang. 47. Die zway die gantsen nacht
49. Wie es in baiden ergieng. 50. Holtsaliger. 51 «= 47. 54. Der wachter gab in die
krendt. 55. trautter gselle. 57. vor. 61. soltn. 63. Wen da her wider wilt komen.
M. Wachter. pringen. 66. deim. 67. Verkundst. 70. gschicht. paiden . . .
H BL Yd 7801 (v. Nagler) St, 49 (offnes BlaU) Ein tagweyß weltlich ... Mit gantsem
«lenden hertsen , , , 8 entspr. Str. — Yd 8917 Ein schöne tagweyß / Mit | gantsem eUenden
hertzen . . . 8 entspr. Str. In diesem Emzeldruek auch Nr. 21^ s. oben.
Yd 8986 Ein hübsch Liede / Es | fleugt ein kleyns waldf5gelein. | Ein sch^^ne Tagweyß /
Mit gantzem | eilenden hertzen / klag ich. (Büdchen. Am Schluß:) Gedruckt zn Nfumberg
durch I Valentin Neuber. [!] (4 Bl. 8^ 0. J. RiU^. des ersten u. letzten Bl leer.) 2 in 8 entspr.
Str. 1 in 7 siebenz. Str. — Yd 8991 Ein Schöne Tageweiß / | mit gantzem elenden hertzen. |
Ein ander Lied / Von einem Jeger / | Inn einem newen thon. Es leit ein | Stat an jhenem
Bein. (Bildchen. Am Schluß-:) Gedruckt zu Nürnberg / durch | Fridench Gutknecht. (4 Bl. 8^
o. J. Rucks, des letzten Bl. leer.) 1 in 8 enUpr. Str. 2 in 23 zweiz. Str. — Yd 8992 (entspr. 899 f).
Ein Schöne Tagweyß / | Mit gantzem eilenden hertzen. | Ein ander Lied / Von ey- | nem J&ger.
Inn einem newen | Thon. Es leyt ein Stad an | jhenem Rein. (Bildchen. Am Schluß i) Ge-
druckt zu Nürnberg / durch | Valentin Newber. (4 BL 8^ 0. J. Rucks, des leUten BL leer.) 1 tu
3 entspr. Str. 2 in 23 zweiz. Str.
In der Liederhandschrift der Herzogin Amalia von Cleve geistliches Lied, wehAes als ümdichtung
dieser weltlichen Tagew^se gelten muß: Bolte, Ztschr. f. deutsche PhiloL 22, 409.
[57.] Ein annder schon liedt.
Jö0i>l 1. Frisch auf in Gotteß namen,
du werde teutsche nation!
furwar ir solt euch Schemen
das ir euwer gut lob ietzt laßt
undergahn
5 das ir lang habt behalten
in ehren und ritterschaflfl:
also geschach den alten,
der lieb Gott soll sein walten,
der verleihe uns sein gottliche kra£Ft
LVIL
65
10 2. Eeiser Karl auB Hifpania,
ein edler fürst auß Osterreich,
er ist von keiserlichem stammen,
wo findet man seins gleich?
in züchten und in ehren
15 ist er ganz wol erkhandt,
darnoch thut er sich kheren
wann er das reih sol mheren
und aller fursten landt*
3. Wach auf, du heiliges römisches
reiche,
so wan es ist an der zeit,
ir fursten alle geleiche,
rust euch zu disem streit!
wan ir habt ausser welet
ein keiserlich bluet,
25 darumb so thut euch gesellen,
thutt euch zusamen stellen,
es wirdt euch alles zu guett.
[51»] 4 Darumb so seindt gewarnet
und seindt eins guetten muetts,
30 er sey reich oder arme,
das er sein vatterlandt behut
für den türkischen hunden —
sy füren ein grossen pracht,
des gleichen hab ich niht funden,
35 rede ich zu disen stunden,
keiner ehr nemen sy nit acht.
5. Geschieht es nit gar balde
in einer kurzen zeit,
so besorge icbs mit gewalte
40 es werdt ein grosser streit
von Welschen und von Teut-
schen
tn ganzer teutscher nation,
ich rede das unverholen,
daran sol niemandt schmollen,
45 es mag nit änderst erghon.
6. Darbey will ichs lassen bleiben
wol itz zu diser zeit,
mich verdreust ietzt weiter zu schreiben,
es mocht sich einreissen zu weit —
50 den verstendigen ist es gesagt,
den andern frag ich nichts nach:
wen einer wirt verzaget^
der ander gar veriaget,
dem teutschen landt kompts zu schnack
gichach auch. 9, d^ verloyh
19. hcj^ligs Römisch Reyche.
25. geetlen. 27. aU kommen
36i eie acht. 37, Gaehicht»
43. icha wiL 47* yetzund lc>
E».z 54. SU gQtt
F&rster III {1552) Nn 80: 4, ewr lob l&et. 6, ehm. 7.
VB8. 10. Hifpanien, 12. stammo. 13. find. 17. wenn.
20. wenn. 23, Wenn jr thot auserwelen. 24. Keyserlichee.
ÄU gut 28. sey dt 20. seyd. 32. Vor den. 35. redt ich.
39. besorg, 43. rod. 44 niemand e seh m ölen. 45. ergan.
48. verd reust weyler» 50. iate. 54. zu echmaeh.
Bertir. 1574 II f9 ebf. in fJ Sir, ftS Licffer o. J. Ar. fJS nur fL erste Sir.
It BL Yd 9637 Em Bchöu New ] Lied, Frisch au ff in [ Gottes namen etc. | Ein ander Lied,
Der Weite t bracht i^t hoch geacht. | Noeh ein Lied, Was wird es | doch, des wundert noch*
{Bädcftinj einen Herold darst Am Sdtluß:) Gedrückt za Nürnberg durch | Friderich Gutknocht*
(4 BL 8^. Bücki. des kUtm BL ker.) 1 in 6' der ff 9. enUpr, Sir. iMs dritte Lied s. ttnUn JVir. 192.
QörreM S, 257 \ B. p. LUtencton, Die hist&r, VolhL IV S. l^ß AV. M9\ Volkd. wm 15 W S. 12
Ai*. 4; Gotdeke-Tium. S. 268*, BBme, AHd. IkderL Nr. 398-^ LiederL II S. 99 Nr. 290.
DttkiMch« Teile des Mlttekltera V. §
06
LVD.
[u^I [58.] Ein annder liedt.
1. Frolicb 80 wi) idi singen
wol heoer za diser frist,
wol Ton dem knnnig aoß üngon
dar imscholdig gestcHiien ist:
5 er war bey zwenzig jaren
ein könig im üngerlandt,
er war von edlem stammen,
Inmig Lndtwig was sein name,
ein konnig in Ung^n ond Behemer
landt
5. DerTorUisaambt sich nit lange,
&r zog wol inn das feldt,
mit hundert mol taossent manne
40 kam er in das Ung«rlandt;
Erichisch Weissoiborg wardt über-
geben,
stedt, Schlosser nnd die landt,
die bischcrfr und die prelaten
bab&i iren konig verathen —
45 ist in imer nnd ewig ein schandL
10 2. bn wardt kürzlich verhearatt
ein frenlein was hochgebom
von keiseriichem stammen:
das Ihett den Ungern zom —
man säumet sich nit lange,
16 man furtt sie in das landt,
' da gab man sie zusamen,
Uaria was ir namen,
ihr lob sthet weit erkandt.
3. Die zwey lebten in fireudm
30 biß in das fünfte jar,
in fireundtschaffl und in ehren:
das thett den Ungern zom —
die Behmen und die Teutschen
die [59*1 fienngen vil khurzweil an,
86 das wolten die Ungern nit leiden,
wolten iren konig vertreiben,
sie halfen im khurzlich auß dem
landt
4. Einer heist der Janas Weida,
der was dem konnig kram,
ao dem Tuikhen er thett schreiben
solt im hilf und beystandt thun
den konig zu vertreiben,
im helfen under die krön,
darnach wolt er im geben
36 bey alle seinem leben
den tribut wol auß dem landt.
[63^1 6. Es ghet gegen disem sommer, /
gegen diser sommer zeit:
die bodisen bort man krach^i
im Ungerlandt so weit;
60 stett, Schlosser waren eingenommen,
darzu Petroworadey —
das wolten die Ungern rechen,
wolten mit dem Turkhen fechten,
sie waren frolich bey d&ok weyn.
65 7. Die Ungern saumbten sich nit
lange,
sie zogen wol in das feldt,
ein Wagenburg thetten sie schliessen,
auf schlugen sie ir gezelt,
sie machten einen häufen,
60 iren konig zue forderst daran,
iren könig thetten sie verkhaufen,
er mocht innen nit entlaufen
konnig Ludtwig der junge kune man.
8. Die scftiacht die was verloren —
65 einer heist der Thummer Paul,
der Türkh hatt inn geschoren
ein platt ist nit zu schmal, \
Graft Jörg der wardt sein innen, \
des königs eberster war,
70 auß dem [63>] feldt thedt er entrinnen,
in der Thonau thett er schwimmen,
also empfieng er seinen lohn.
Bs.: 4. ist gestorben. 49. yngerlmngt 54. wejnc. 64. slaclit
LVIIL
67
Bm-^. A^. 5ß (Neudr, 99/100 8.113): h Frölicli. 2, hewr. 3. künlg auß Hungera.
6. künig im HuDgerlftDd» 7. Etamme. 8. künig. 9, ein Küog in HuDgem uud Bebtner land.
28, Johann Weyda, 29. Küoig gram.
eatimet, 42. stat »chldifier. 43 > und
id. Es gebet. 48, bort man prumen^ 50. ein*
6L Künig. 62, jn nicht, 63. Künig. 66, jm.
13, Hungern, 23, Behem, 26, Künig, 27. halffn,
30, thet er, 31, holff. 32. Künig. 35, aUein, 37,
Preisten , 44. Künig. 45, iat jmmer.
genumen, 58, jre gesselt, 60, Eünig,
68. J5rg. 69, ders Künigs oberster.
Vgl 1SS2 A IUI.
Fl. BL 1« 27 99 Ein newer berg \ reyen von K6nlg Lud- | wig auß Voganif FrMich | so
wil ich iingen, \ Ein ander new Lied, anß { der H^mer Uistori geflogen j { In Frawen ehren {
Thcn. {Ziirkktsn* Am Schhß;) Gedni«^t zn Nürnberg, | durch Friderieh | Gutknecbt,
(4 BL S* 0. /, Rüvh. des kUim BL leer.) 1 m 8 d. Hm. entspr. S^, 2. Titus ManliuB Tor*
quaiufl, ein Senator %\k Rome , . , Mtüiergtsang i>on S Str.
DUseiben beiden Lieder in ent^^echender Fassung enthüllen audi zwei Beflchen aus det Druckerei
des Valentin Neuher £u Nümbergj Te 2800 und 2801, und mn Druckhefichen okm Nemming du
Uriftrungsi Yd 2S0fL
Zusammefi mit Nr. 149 der Hs. {*. unten) bietet eine allere^ in manchen Einzelheiten, s<f £, B. §<^wn
in den Jnfangsißüfien bessere Fassung vorstehenden Liedes der Ein^eldruek Yd 2191 : Zwaj ScbAne
lieder. Das 1 Erat von dorn Küuig von Vngem, [wie er vmbknmmen ist. Das ander, | Wol
bewr zu diseru Meyen, in [ grün will ich mich klejden. (BUdchtn. 4 BL 8^ a. 0, u, J. Rucks,
des ersten u. letzten BL ieer.)
1, KlegUch so will ich heben an,
gingen zu diser friet
wol vonn dem Künnig vonn vngem
wie er gestorben ist,
5 er war bej vier vnd Äwaint^ig jaren,
ein Künnig jm vngerland.
Er was vonn Edlem stammen,
König Ludwig was sein name,
Ein Künig im Bechemerland,
10 2. Kürt dich was jhm verheirat
ain sartes Junckfrowlein,
die was vonn Keyserlichem stammen ,
das walten die vungem nit Ion.
Man räumet uieh nit lannge,
15 man brachte gar bald ins tand,
Do gab man sie zusammen,
Maria waa jhr nami, [i]
Ihr lob ist wejt erkandt,
S. Sie lebten beyde in freüden
20 wol jhnn das fünfFte jar,
Ihr knrtzweyl znnertreyben
jhm Vngerlandt, das ist war,
die Peche m vnd die Teütschen
fiengen vil kurtiswejl an,
25 Das mochten die Vngem nit leyden
jhren Herren ztiuertreyben
Som hoff [l] wol &nf der paa.
4. Dae mochten die Yngern nit lejdeD^
sie trachten frü vnd spat
30 wie sie jhn w Alten vertreiben
vnd g:iangen eina t^gs sü Ratt
jhren Küuig zünert reiben,
ain Kaiser inu Kriecbenlandt,
Die Bisch off vnd Prolaten
35 iiaben jhren Herren verratten,
ist jrmmer ain ewige scband.
5. Einer der heißt Janisch weydß,
der was dem Künig gram.
Er thet dem Türeken schreiben
40 €r solt jhm beistand thoo
Den Kttoig z^uertreyben,
jhm helfen binnder die krön.
Darum b w51t er ihm geben
bey allem seinem leben
45 Sein gnnnst wol abo schon.
6. Der Türck saumbt sich nit lannge,
Ehr kam gar bald jnns lannd,
mit dreymal hundert tausent mannen
kam er inns Vnnger lanndt,
50 vonn erst erkriegt ehr Weyssenburg.
Darnach Betra wardt sein,
wie bald jhm ward aufgeben
die krön, die was jhm eben.
Wann sie was vorbin sein.
5*
68
LVIII. LIX. LX.
56 7. Der Türck ließ niderliawen
Was jhm kam ynder die band,
vil schöner meyd vnd fraweu
f&rt ehr auß dem Vogerlannd,
Der Weyda thet hertraben,
60 gen Weyssenborg was jhm gach,
sein Herren zu begraben,
ist selber Künig worden
Mitt Eeren, meinß hindennach.
8. Das mochten die Vngcm nit leyden,
65 sie zohen auf das feld,
jhr Wagenburg thetens schliessen
vnd schl^en auf jhr zoldt
ynd schickten einen häufen,
jhren Künig z&noran,
70 Sic selten von jhm laufen
vnd thetten jhn verkaufen
Den junngen stoltzen man.
9. Der schimpf der will sich inachen
gegen diser Summer zeyt,
75 Die büchseu hört man krachen
jhm Vnngerlandt also weyt,
Die mauren thetens brechen,
8t5t, Schlösser namens ein.
Das wollen die Vnngem rechen
80 vnd wollen mit jhm fechten,
Seyt Mlich bey dem wein.
10. Das lied das hat ain enndo
gegen diser Summer zeyt,
der Türck der hat vorprennet
85 Im Yngorlannd also weyt,
so m^Q es Qott erbarmen,
es geth über arm vnd reich, |
Die jhm Vngerlandt sindt verdorben
vnd seind also gestorben,
90 Gott helf jhn inns himelreych.
ZuBommen mit Nr. 61 d. H%, ist vorstehende Nummer in einem Sonderdruck der Batstckvi-
bOliothek von Zwickau zu finden: XXX, V, 21 St. 7 {Einband v. J. 1546): Zwey Schöne newe
Lieder. | Von dem König | Ludwig aus Hnngerrn | vnd der Königin, Auch wie der | Tftrck die
Stadt Wien | belagert hat. {Biidchen, eine Krone darsL 4 Bl 8^ o. 0. ti. /. Bücke, des ieUden
Bl. leer.) 1. Was wollen wir aber singen, wol hewr zu diser frist ... 8 Str.
Weimar^ Sammeib. 14, 6: 60« St. 37 Ein newer Berg | reyen von Künig Lud | wig aus Vngem.
Frö- 1 lieh so wil jch singen. | . . . (8 Str.) Nürnberg, K. Hergotin o. /. {2 Lieder im ganten enih.)
Qorres S. 252; Qoedeke-Tittm. S. 292; B v. Liüencron, Die histor. Volkslieder der Deutschen
in (1867) S. 562 Nr. 403; Volksl. um 1530 S. 26 Ar. 7; Böhme, lAederb. Nr. 392; Uederh. II
S. 79 Nr. 276.
Das Lied beeieht sich auf den Tod König Ludwigs von Ungarn in der Schladd von Mohace
29. Aug. 1526. Der in der Heidelberger Es. Z. 28 erwähnte Janas Weida ist der Woiwode Johtmn
(ungar. Jdnos) Zapolga; Z. 68 Qraff Jörg ist sein Bruder ^ der es mit König Ludwig hielt; Z. 65
Thummer Paul bezeidtnet wolä Paul Tomori, Erzbischof von Kdocza^ gleichfalls eine Hauptstütze
Ludwigs. Es. Z. 51: Petro-woradey, Druck: Betra wardt sein = Peterwardein.
[59.] Ein annder liedt. Viel gluckh vnnd heil, ist niemants feil . . .
4 Str. =^ Nr 42. Str. III Z. 3 ich leich dir [53b] roß vnnd wagen.
[60.] Ein annder schon liedt.
1. Jetzundt so woln wir sin-
gen
auß frischem freyem muctt,
wil Gott, uns Wirt gelingen,
wir sthent in seiner huett;
es kompt in teutsche lande
das junge edel bluett,
keiser Karel genant,
Gott geh im alles guett.
[54a] 2. Teutsch landt soll sich jetz
freuwen
10 des edlen keisers zeit,
das gutt wirt er verneuwen —
der Turk zu felde leidt —
was recht ist, wirt erloben
der edel keiser gutt,
15 er wirdt wenden sein toben,
rechen der Christen blutt.
LX.
^^^^^^^f ■
3, Es ist war, niht erlogen
haben gefüert groß kriege ^^H
was alte gesungen han,
und das reich groß gemert, ^^^|
wir sein darmit erzogen;
55 erlanget grossen siege, ^^H
20 das kumnien soll ein man,
als man es lesen hert. ^^H
sein Schwert alwolt sol zwingen,
^^^M
zu ihm sol Zuflucht han
8, Her Gott, gnedigleiche ^^H
wer gtiettes ist verbringen —
gib genadt, barm- [bbt] herzigkcit, ^^M
das ist der keyser fronn.
den forsten und den:i reiche ^^^|
V
60 verstandt und dein weyßheit; ^^H
n 4. Gott hatt durch in geplaget
weyl sie jetz seint beysamcn ^^^|
seiner feindt untreu groß,
zu Augfpurg auf dem tag ^^^|
er ist noch unverzaget,
zu ehren deinem namen, ^^^|
sein Schwert das fürt er bloß,
dein hilf in nicht versag! ^^H
darin wirdl sich verschneiden
^^^M
30 wer guetts verachten will,
C5 9, Solt diser tag verlruckhen ^^H
die armen bringt in leiden
ohn frydt und einigkeyt, ^^^|
und schrei tt über das ziU.
die warheyt nit furtrueken ^^^|
die an dem tage leidt, ^^^|
5. Er thutt nit wie tirannen:
so wirdt Gott hefftig straffen ^^^|
so es in glicklich ghett,
70 die schuldig weren dran, ^^^|
[541*1 alle weit wellens verpannen
der keyser wirt verschaffen ^^H
36 mit freuel und unnrath;
das warheit f urgang hann. ^^H
er will sein glickh zum friden
^^H
wenden und eynigkeit
10. Bitt Gott, ir Jungen, alten, ^^^|
in des reiches geltden:
jetzsundt in d isser zeit ^^^1
40 darzue ist er bereidt.
75 er woU sein wort erhalten ^^^|
durch sein gerech tigkeyt; ^^H
6* Hifpani hatt uns geben
dem Teufel wel er weren, ^^H
vier frumraer keiser reich;
mach seiner tickh ein endt, ^^H
Carolus, noch in leben,
das man sein wort mög hören ^^H
nie fandl man sein geleich;
ao durch alle reiches stendt ^^H
45 uns wol helfen sein guette
^^^1
daß Gottes wort werdt erkhandt,
11, Und das auch alle Strassen ^^B
regier unser gerauette
in dem heyligen [65^1 reich ^^^^^H
durch auß durch alle land.
werden sicher gelassen ^^^^^H
von raub und mordt geleich — ^^^H
7, Trayanum wol mit rhume
S5 und ein guett regimende ^^H
50 und Theodosum weiß,
in teutscher nation ^^^B
Alphonsum treuw und frumme —
durch alle reyches stende — . H
all sampt voll ehr und preiß —
lob sey Gott im höchsten thronn! ^ä
^j.: 12. fetdt. 39. geleiden. 48. ianndf».
_ """'■' 1
70
[61.]
LXI.
Ein annder liedt.
1. Ir GbristeDf lasts euch zu her- 6. Die landtsknecht schworen dem
zen ghen reiche ein eidt:
wie sich der Tirkh hatt under- [6eb] ^solt wir uns geben, es wer uns
stan —
es ist war und nicht erlogen:
es ist drey hundertmol taussendt
starkh
6 für Wien ins veldt gezogen.
2. Er zog bey eitler finster nacht
ghen Wien wol für die werde statt,
die buchsen hordt man krachen,
ein burger wider den andern sprach:
10 *der schimpf will sich machen.'
3. Die burger gienngen zusamen
in ein rodt —
[5SA] wie baldt sie ein botteii auß santten
zum kOnig und zum reich,
man solt itttt hilf und beystandt
tliun:
15 ^den Turkhen wollen wir schla-
gen.'
4. Der könig den hotten wider
zue ruckhsandt,
er wüst ihn weder hulf noch bey-
standt
zuthun vom könig noch vom
reiche:
*erst wollen wir dem Turkhen die
statt aufgeben,
20 mit im wolln wir nit streiten.'
leidt' —
eß Sprung ein itzlicher zu seiner
heleparten:
*wollherr, woU herr, ihr frommen
landtsknecht,
30 des Turkhen wellen wü: warten.'
7. An einer mittwoch das geseftach
das man die fendlein schweben
sach
zu Wien woU auf der mauren,
erst dhett der Turkh die fromme
landtsknecht
35 gar tapfer anne schauwen.«
8. Bey dem Eetner thor hüben
sie zu graben,
da ließ der Turkh sein geschutz
abghon,
er nam sein keinen frommen,
es ist sich manhes bidermans kind-
lein
40 in muetterleib umbkommen.
9. Guus, Grems sein uns die stett
genant,
so zieh wir in das Ungerlandt,
darin thun wir uns tapfer wheren
45
5. Es stundt ein landtsknecht 10. Man mischt uns den kalk
wolgemuett: wol under den wein,
*haltt ir die statt inn werder huett, das mueß der landtskneht trinkhen
darzu in warhafftiger hande; sein,
solten wir dem Turkhen die statt [57*] damit thun sie uns vergeben,
aufgeben, also kumpt mancher landtsknecht
S5 es wer uns ein grosse schände.' 60 im Ungerlandt umb sein leben.
I
LXI, LXIL
11, Der uns disen reyen sang,
ein freyer landtsknecht ist ers genant,
er hatt so wol gesungen,
er ist sich bey siben veldt schlecht gewest,
5ö BS hatt im niht miß gelungen*
71
Hä.i 14. jm. 31, gesaelh 44 u. 45 fehlen. 55, gelingen,
Zmammen mü Nr* S8 («* oten) in einem Sünderdntck zu Zwickau : Zwey Schöne newe Lieder,
2. Ihr Chriaten laita each zn hertzen gan ,.,/(/ Sir. Jhuytichungeni
1. gan. 4. er, 10. dar echimpf der wird stell machen. 11. in einen rath. 13. Reiche»
14. aol ihn. 15, wol wir. 17 u. 13. er wAat ihn widder )AW noch l>e79taudt 2U thun, vom
Mnig , . . 20. woJI wir, 23, werhafftiger, 24. soft wir. 3h geschach. 32. da man die
Fenlein, 33. man er. 34. frummen, 3G, Kerner thor, 37. abgan. 33. fmmmen. 80. kindt,
40. matter lejbe, 41—46. Gunif Krembs, sein vns die Stedt genanti so zihe wir in das
Hanger] and darinn thu wir vns tapffer weren, man mischt vns den Kalch wo! yd t her den
wein ... 49, kAmpt. 50. in Hunger! and. 54. bej sieben Feld seh] achten.
Q^rre» S. 2r>-r, Liltencron, fnHor. Voihl. III {iSfU) S. ffO? Nr.4iS tme hochdetsische Fammg
{nach der Heiddherger Hs. Einzeldruck nicht erwähnt) w- ein« medertL nach Dre lede, Lübeclc,
ßAlhora 0, J. ti Str. Anfang u. Schluß:
h Latet iuw Christen to herton gaen
Wü Bik do Türke heft underdaen,
Torwar, ys nicht gelagen,
he y& wol dre mael hunderd dnaend man sterk
For Wene jnt feld ge tagen . , .
IL De uns dit nye ledlyn sang,
ein framer lan^knecht ys he genant,
he beft uns wol gesungen;
he jB wol dre maeJ yn Ungerland geweet,
alle tid ys weder kummen.
[62,] Ein an n der liedt.
1, Ach Colt» mich thutt Verlan- lbl^
gen
nach dem der jetz gefangen,
dem liebsten fürst en mein;
das Ich in muß meiden,
5 bringet mih herzlichs leiden —
ach Gott, hilf ihm auß diser peini
3. Ob er was hett verbro-
chen,
für war es ist genueg gerochen,
15 lant, leut hatt man verderbt,
den fursten abgefueret,
mein herz damit gerhueret,
der chur halt man ihn enterbt.
2. Er ist ins keysers banden —
mein Gott, thue es baldt wenden,
dem keiser gib den muett
10 das er rheht thue bedenkhen
woher khumb disses zenkhen,
dem fursten gib wider sein guett!
4 Hoff aber es soll sich wenden:
20 man spurt an allen enden
des babsts falschen rath,
damit der keiser gehetzet,
Teutschlandt hatt er verletzet —
das klag ich stett ganz frue und spatt.
72 LXIL LXIII.
25 5. Damitt will ichs beschliessen,
hoff auch deß zue geniessen^
mein rueffen ist zae Gott,
der well uns helfen allen
nach seinem wolgefallen,
30 uns ledig machen auß aller notth.
H$.i 10. rfaobt ^ recht. 15. yerderbet. 17. gehaeret.
Fl. Bl. Ye 3581 Drej schöne newe Lieder, Strasburg, Thiebolt Berger o, J, 2. Ein klag-
lied der Hochgebomen Frawen Sybillen Uertsogin t& Sachsen, Chorf&rstin, ic Z. 3. Den.
4 o. 5. Das ich jbn so maß meyden, bringt mir hertzliches leiden. 7. henden. 10. ers.
11. kumpt 12. geb. 14. Fiirwar ist gnfig gerochen. 17. gerftret 18. jhn enterbt
21. Bapstes. 22. den. 24. stehs (/. stets). 25. ich. 26. das. 28. w^\L 30. machen
aller noth.
Frankfurt a. M. Auei. germ, L 522 8t, 30 Zwey Schöne Lieder, 1551 o. 0. 2. Ach Gott
mich that verlangen, | Nach dem der yetzt gefangen , . , 3 Str, (Durch Petmm Watsdorff.)
Jfs. 1575 Nr. 24 ti.#.ir.
Glfrres 8. 277; Ä. v. Uiiencron, histor. VoüuL IV 8. U5 Nr, 563 u. $. w.
[63.] Ein annder liedt.
[58*1 1. Zart schöne frau, 2. Dein rotter mundt
gedenk und schau zu aller stundt
wie mich dein lieb mich sher anficht,
in statter yeb 20 mein herz das dicht
5 herzlichen seer thuett krenkhen; taglich mit dir zu scherzen,
kein rhue hab ich furwar glaub mir,
so lang biß mich freundtliche zier,
die euglein fein das du voral
mit liechtem schein 25 in disem thall
10 gegen mir freundlich thundt wen- mir liebst in meinem herzen;
die haben mich [khen, herwider scherz
so herziglich begert mein herz
mit deiner lieb besessen, in freudt und lust taglichen,
darumb schau an 30 weiter du aller
15 was ich dir gon: schönests bildt
dein kan ich nicht vergessen. von dir wil ich nicht weichen.
3. Herz lieb, ich sprich:
dein trey nicht brich
35 an mir mit gwalt,
in solcher gestalt
groß zucht wurt dir zu gemessen.
LXIII, LXiV.
7a
auch schon und werdt
mit weiß und geberdt
40 hast du das lob
in solcher prob,
an dir ist nichts vergessen;
wie wol du hast
mich hardt und fast
45 SO herziglich gefangen,
all weil und slundt
[58tj] auß herz und grundt
nach dir hab ich verlangen.
H»A 10. freundlich ftkit. 30 u. 31. bemer: als ich rertraw, heraliebste firaw (nach Nr, 203).
Nr. 203 Str. I L itetter. 7. bis ich. 8* dein Eüglein fein, 10. gegen mir freonttich
tbuen winckhea« 12. so krefftigclich. 13» dein lieh hat mich besaßen, 14. hcr;ilieb echaunr
an. 15* gan. 16. leh kan dein nit vcrgeBcOi
// L Dein roter mond. 2. atund. ^. seer aoeicht 5. täglich mit dir schertzen.
8. fnr all. 9, tbaL 10. Du liebcat nrir im hertzcn. 11—16. her widerfert Mein hertK be-
gert In freüden vnd in ßchertzen Als ich vertrauw hartzlieate [I] frsuw, von dir will icb
nit weichen.
/// 2, trenw nit, 3—5, von mir mit gewallt znatraffon. 6 — 10. Schone franw vngewert
Inn weia vnd geberdt hastu den preis in gantzem vbis, an dir ist niclits sastraffen.
11 — 16, damit du hast on allen raset, mich hart vnd fast ymbfangeii, vfl hertKcn gmndt
zne aller stund, nach dir stet mein verlangen.
1SS2 A 2: / 5, hertzlich. 7. hia ich. 8* dein. 9. klarem. 10. gegen mich frennd-
licb sehe wencken* IL Sie hat mich, 12. gantz krefftiglich. 13. dein lieb hat mich be-
sessen. H. H<jrtz lieb schaw an* 16, deiner < , . nimmer vergessen. // 5. freundlich.
8, für all. 9. fal. 10. liebest in. 11—13. ker wider bald, mein anffenthalt, in sclierz
und auch dergleichen. /// 3. von mir mit gewalL 5. hast da gewalt zo. achafien. 6. schön
fraw auff erd. 8. hastu. 10. nichts zu Btrnffen. 11 — 16, Dadurch du hast, ohn alle raatj mich
hart und fflst gefangen^ zu aller stunde von hertzon grund^ tlmt mich nach dir verlangen.
Hf, um Ar. U, 1575 Nr. 29; Archiv f\ d. neueren Ä//r. ifl {I9m) S, 22 u. *. w. Da^a
Minier Ä 501 Nr- 654.
[64.] Ein annders*
1. Ade, mit leidt lo
ich von dir scheidt,
da durch mein herz
in grossem schmerz
all stuudt empfindt
und ist enlzundt 15
in Jammers whe —
ade, ade!
on dich lust mich kein freudt nicht
mhe.
2. Ade, gedenkh,
dein treu nit krenkh
und halt recht maß,
vergiß nicht das,
du weist wol was,
dein trey mir leist
als vor und ee —
ade, ade!
obn dich lust mich khein freudt nit
mhe.
74
LXIV. LXV.
3. Ade, mein freudt,
20 wenn ich kein zeit
so frölich ahn
verdrieß mag han,
das ist mir frembt
and bin ellendt,
26 in leidt ich sthe —
ade, adel
reiß mir kein faulen bossen
mhe.
H$,i 4. schmertsen.
m. 1568 Nr. 102 u. $. w.
OegUn 1512 M*. 18: Str. I 4. anseglich schmen. 9. keinr freudeo me. // {enUpr, A. 3)
2. der ich. 3. za sehen an. 4. möcht. 5. mir gwent. 9, entspr. I u. IIL III (enftpr.
ffs. 2) 5. als da wol weist. 7. hiiifür als e. 9 = 19.
[65.] Ein annder liedt.
[59*] 1. Ungnadt beger ich niht von
ihr,
hoff auch das mir
die nit werdt zue gemessen,
was muglich wer, bin ich be-
reit
5 in lieb und leidt
ihr nimmermhe vergessen;
mein leben lankh
nim ichs zu dankh
das sich die zart
10 von edler ardt
so freundlich hie
und änderst nie
erzeigett hatt
als iren ehren wol anstatt.
15 2. Eren reich und werdt ists er-
kbandt,
billich genannt
ein krön weiblicher guette,
ihr dattum gesetz allein darein:
frum frolich sein
20 auß adenlichem gemuette
gezimmett ist,
wie wol arg list
seindt auf der ban,
verdrieß möcht hann
25 ab solcher freudt,
das als durch neidt
wurt zue gericht
als mir und meinem häufen gc-
serAicht,
30
3. Wo beurisch art eii hoff regiert,
gefunden wirt
gutts regimeut gar selten,
der adel dardurch wirt veracht,
als ich bedracht,
muß sein gar offt entgelten;
LXV, LXVI.
75
40
ZU dissem fal
es möcht ein mol
yerkheren sich,
wie wol ielz ich
bin geschlagen aiiB,
kher nit zum hauß^
ist klaffers schuldt —
in iren dienst trag ich geduU.
H*.: 14 aL 28. ßeaitht, 29. atu fthU. 32. der fthU.
Ufß Lkdletn 1544 Nr* 19 1 3, Bolchs nit 4. ist bin» 6. dein njimnar zu. S. ioli zu.
9. düB ich. 10. wojblicber art 1 1. erzeyget je. 14. als* 15 u. 16. Ehrentre^cb vnd
werdt wird sie erkaDt, ynd biUich gnant. 18. Dein datom steht allein darein. 20. ginütte.
2L Verborgen ist. 22. böß liet. 24*^26. yerdriesBen möcht naeb solcher schwer, das ab
mit gfer. 27, wirdt 29. zu hoC 3L gut. 32. der adel wird dadurch ve rächt 34. muß
ich. 35. ID. 36« es wirdt. 38. wie jetzt ich. 39. geehjagen. 40. darff nicht. 42. in
jrem dienst, trag ich hsrUticb gedulL
Hi. läßS An 30 H. I. fß.
[fidi>] [66.] Ein annder Hedt Wie man den Turckhen
hatt sollen streitten.
1. Ich han gelessen ein coppey —
merkh was darin geschribcn sey —
für war es ist kein stempeney:
ein Christen mensch das ander wil
vertreiben ;
5 Ei» Christen mensch das ander
bindt,
babst, keyser wider ein ander sindt,
das freudt sich der Turkh so blindt,
der thuett sich hoch und also mech-
tig schreiben:
Eylff hundert könig hab er in
seim gewalte,
10 in seinem dienst mit krefften manig-
falte
die im gehorsam sein zue seiner
krön,
drey thausent churfursten so kon
die im allzeit seint underthon
15 WO er sie darf in stürmen und
streiten.
2. Also schreibt er sich offenbar,
uns Christen [60^] greusonlich für
war —
ich sprich also: es sey nit whar,
er thues allein durch grossen uber-
muette<
20 Im gescAicht alß Luciper gegfÄach
der Gott sein schopfer ubersach,
darumb kham er in groß un gemach,
mueß ewig leiden in der hellen
gluite.
Hoffart zoch Lucifer zu der helle,
25 darnach wardt könig Meinrat t sein
geselle,
der also mechtig waß und un-
ge^eme
der sich gleich Gott seim schopfer
maß,
und dabey könig Kosteras,
der auch zue Babiionen saß,
30 mit seinem gewalt bezwang Jheru-
saleme.
76
LXVI.
3. Er nam das heilig creuze fron,
er fuertz mit im ghen Babilon,
zur rechten selten muest es sthon
bey seinem stuel, sein abgott auch
daneben.
35 Er daucht sich kunig und keiser
gar —
das wardt Heraclius gewar,
mit sein gewalt macht er sich dar
und bracht den konig Kostras umb
sein leben.
Er todt den kunig Eostras und
ein sone,
[60b] darnach fürt er das creuz von Babilone
41 hin ghen Jherusalem der kheiser
werde,
dabey so laß ichs bestan —
merkh, könig Maximilian,
thun als Herclius hatt gethon,
45 wan du bist kunig und keisser auf
erden.
6. werder konig, thun darzue,
der arge Turkh lat uns khein rhue,
er greift unß an spatt und fru,
groß ubermuett hatt er getriben
lange.
65 Zu Rodiß und an manchem ort
hatt er getfion vil grossen mordt,
in der Boleckhen lande dort,
er hatt auch manchen Christen man
gefangen.
Der Turkh hatt manig taussent
man erschlagen,
70 vil Christen blut vergossen, hör Ich
sagen,
vil weib und khint verberget und
vertriben;
im acht und neunzigisten jar
Im selben summer, das ist wor,
der Turkh auch manchen man verlor
75 vonn seinem hör die uff der wal-
statt bliben.
4. Ein mherers reichs zu diser zeit,
Sibbila hatt von dir geseit,
ein M sie dir zu dienst bereidt
dasheiliggrab Zugewinnen über möre.
50 Uns seit also des buches stam:
Maria ist ein siesser nam — [6ii>]
von der uns heil uff erden khara, 8i
der selben gib ich billih breiß und
ehre.
Das -M« uns deut kunig Maximi-
liane,
55 demjctzsundt wirdtdie kheisserliche
kröne, 85
ich trau Gott im soll nit mißlingen;
greift er die sach weißlich an,
reckht uff das keyserlich fan —
er hatt mengen [6i»l werden dienst-
man
60 die im zue hilf in notten all zu- so
springen.
6. Der Turkh sein arge list nit latt
er greife uns an frue und spatt,
dar zue gib ich ein weissen rhatt —
nun hören zue wie thett man dissen
Sachen:
Wan man ein volkh zusamen brecht,
sehs hundert tausent freyer knccht,
herlesen schon geordnet recht,
auß dissem ix)lkh wolt ich z^elf
häufen machen.
Iglicher häuf wer fünfzig taussent
mane,
ieglicher da muest haben ein fane,
darzue zwölf hauptman frum und
ausserkhoren,
zwelf fenderich darzue erwölt,
die all von hocher macht bestell,
und wer sich da unnerlich hielt
bey dissem volkh, der hett sein leip
verloren.
LXVl,
77
[62b]
125
7. An jedem fan geschriben da 120
zwölf stuckh des Christen glaubens
ja
mit goldt buchstaben also klar,
darin ein crucefix muest slhon gar
eben:
95 Das erucifix also geheur
gebildet noch Christus figur^
des schopfers aller creatur
und der uns allen seel und leib
hat geben.
[eta^l Iglicher hauptman geb sein volkh
bescheidte:
100 all morgen fme alda bey irem eide
mit irem hauptman umb das baner
knien,
fünf Pator noster sprechen da
und auch fünf Aue Maria
zue lob Gel und unser Frau
105 ZU der mir haben sollen ein ganz
vertrauwen,
130
135
8. Das Volk mueß sein bekleidet
gleich
mit rott weiß seh warst ganz Oste-
reich,
mit grauer färb dardurch ein slrich,
ein rottes creuz must iglicher haben.
110 Die Juden in der Christenheit
die muesien da bey irem eidt
das tuch versorgen bei der zeit
damit ich wolt kleiden die freien
khnaben. 140
Die Juden wolt ich al darzu be-
sehetzen,
116 ir leib und guett muesten sie daran
setzen,
das kem zue hilf und steur dem
gemeinen man,
darzue gewin gar mancher lust
und der sich an dem Turkhen rust 145
mit buchsen, spiessen, armbrost
damit man straETen möcht den sol*
dane,
9, Also das volkh wirt auß ge-
sannt,
griJfs an mit wherhaffliger handt
den Turkhen suchen in seim landt
jeglicher häuf in eins Zwelf Pötten
namen.
Das volkh muest haben den bc-
scheidt;
schwur meiden, spiel und un-
keuscheit,
zutrinkhcn, füllen, ubbigkeit
wett ich in da verhielten alle sande.
Und welcher diß gebott hie thet
verschmachen,
dem wolt ich Ion sein haubt ab-
schlagen,
kein guett noch gelt wolt ich für
keinen nemen,
ich wolt im haben streng gericht,
es hilft khein guett noch adel nicht,
dieb, morder, reuber, boßwicht,
die bössen wolt ich dilgen und
verdammen,
10. Domit die sundt wirdt ab-
gelon —
merkh, lea»] konig Maximilian,
wie ich ein anschlag hab gethon
in meinem gedieht, nun merkh mich
gar eben;
Ein schatzsung wolt ich haben
furwar,
welchß mensch wer alt vierzehen jar,
vermocht es fünfzig gülden zwar,
daßelb mensch muest al wochen ein
Pfenning geben.
Wer hundert gülden werdt ver-
mocht so reiche,
der geb al wochen zwen pfenning
Sicherleiche,
78
LXVI.
von thaussent gülden zwenzig pfen- 170 All Strassen muest man freyen wol,
ning haben [Qiß] wie man landt Strassen billih soll.
furwar es deucht mich niht zuvil,
al Wochen bar, kein ander zil,
kein beiden weder stundt nodi weil,
150 damit ich aufenhalten wolt die Treyen
khnaben.
11.
Ein sollich Schätzung wolt
ich han
von geistlich, weidlich, jederman,
vonn priester und edelleut alsant,
das muest geben ritter und auch
knehte.
155 Die Schätzung muest man geben
par
zu hilf [63b] und steur an die zwelf
schar,
bapst, bischoff, apt, minch, alle gar,
ein doster geb noch dem alles es
vermöchte.
Mönch closter der sein mher dan
dreisig taussent
160 ia die allein die Christenheit be-
hausset
an manchem ort so mechtig und
so reiche,
auch seindt der frauwen closter vil
das ich sie nit all nennen will,
wiewol sie miesten auch ins spil, ^^ ^
165 die Schätzung wolt ich außtbeilen
geleiche.
das niemandt geben dorf kein zoll,
ganz frey geleidt an alle ordt ver-
schreiben.
All Strassen musten sein gar wol
besetzet
175 das niemandt wurdt an leib und
gut geletzet,
man mueß zue fueren aller handte
zu hilf und steur in die zwelf her,
mit speiß und trank und auch gewer,
mit frey geleidt biß an das mher,
180 biß das man brech dem Turkben
in sein lande.
13.
185
12. Aufsehen muest man haben
druflf,
wen man das gelt wirt heben uff,
das man gleich theilt in die zwelf
Damach wolt ich dem Tur-
kben schem,
ich wolt in straffen uff den khern,
seins ubermuetts must er entbern
den er getriben hatt so vil lange
zeite.
Sein ubermuett must im zer-
ghen —
merkh, khönig Maximilian,
zeuch auß dein schwert der römi-
schen khron,
geschliffen scharpf zu seinen beiden
Seiten.
Thue dein gewalt und macht an
Turkhen zeigen,
190 so wirtt dir alle konig und fursten
neigen —
also hab ich das mein gesang vol-
endet —
ir herm merkhent alle bey:
das halt gesungen Petter Frey
zu lobe Gott und Marey:
hauff,
damit das volkh bcy einander möcht 195 die helf uns hie zu einem guetten
. bleiben. ende.
Bs.: 5. Eim. 20. geeicht, gesach. 49. mör. 53. ehr yddcI breiß. 55. krome. 63. an
feMi, 75. bor. 83. wolckb. zwen. lOL xmdfehlL 128. weit = wölt 158. /te«: als? 166. Auff-
scheheu. 181. scheren.
Über Peter Frey «. Qoedeke, Qrundr. 11^ S. 264; Läiencron, hütor. VoOcsL III S. i Nr, 251.
LXVIK Lxvni.
79
Ein anoder liedt.
L Elenl bringt pein
dem herzen mein
das ich dich lieb mues meiden,
mein herz schreit ach
£ vor leidt der sach,
der Uaffer mich tkid neiden:
mit seiner macht
hatt er mich bracht
in trauren und grossen schmer-
zen:
10 das ers erblindt
der mir das gundt^
das \^nsch ich im von herzen.
S5
2: 'Laß nit dnimb ab,
mein stolzer knab,
15 und kher dich nit an des klaffers
geschwetze,
bleib mein allein,'
so spricht die rein,
'ja du [65») ntifer welter schätze,
khum her zu mir
20 auß rechter begir,
mein herz thiitt dein begeren»
in eren dein
so ml ich sein
die weil ich hab das leben/
3. Mein holdtselligs bildt^
in eren mildt
hast» mein herz besessen,
kein stundt im tag
ich für mein klag
30 und kan dein nit vergessen,
heimlich und still
das wer mein will,
herz liebster trost, bey dir zu sein;
gluck, fueg und schickh,
35 all angen blickh
wintsch ich mich dir inns herze hinein.
ffi.i 4, aeh fehU. 6. ihut mich felUt, 15. geechwota. 27. haat
6^ Lkder Nr. 4Si 3, bo ick 4, scbreit ach. 6. der kläffer mich thnt ntiden. 9, \nä
in Bchmertsen. 10, er. 11, der mim nit gündt 13. drumb nit. 14 xl. Id. knab, ker . < ^
ich IV atz. 1& — IB, Bleib alE^lt meini so apTich der reini} du schöner ausser welter Bchatz.
20. mit gantzer gir. 21. thut Dach dir atrebon. 22 a. 23. Gantz eygau dein, wil ich etetz
fteia, 25. Schftns lieblichä bild 27. haat du. 28. am tag. 29, ich treib. 31—33. Stets
wer m^iD >vü, bei dir in still, noeb lust hertz lieb alzeit Euaein. 36, beitse mein.
Für9ta^ I {iS39 tt. 0.) Nr. 92, III {iS49 u. o.) Nr. W in je 3 eakpr. Str,
H$. 1588 Jfr. 97 ö, #. w.
[68.] Ein ander liedl.
1, Mein herz ist alles Iraurens
darzu gar sher betrupt,
druckhen der last kumpt gar da her^
vir ein narren bin ich geacht:
6 reicher Goti, das klag ich dir,
das ich die schonnst mu/ meiden^
das ist meins herzen verdrieß.
80
LXVIII. LXIX.
2. Druck leiden mueß mein eigen
sein,
(Irauren [65^] muB ich tag und nacht,
10 der schönsten der ich lang gediennet
hann,
die sich mich nimer an,
das ist des falschen klaffers schuldt :
Gott, mag ich das nit rechen,
sie wirt mir nimer holdt.
16 3. Ich hab den tag vor mer ge-
lebt
das ich was von freiden reich,
kein freyer heldt uff erden nit was,
lies ich gedunken mich:
nun bin ich verlassen von aller
weldt,
20 mein herz ist in den todt gewöltt,
wan sie mir so wol gefeltt.
4. Nun weiß ich hulf noch rhatt
darzue —
o we mir armen elender man!
der schönsten der ich lang gediennet
han,
25 die hatt mich darzue gebracht
das bin ich hart auf den todt ver-
wundt,
und wher mich armen trösten will,
der wardt kein halbe stundt.
5. Das ich alzeit so traurig bin,
30 das ist [66^] meiner treuwe schuldt,
wann sie sich recht bedenkhen woldt,
sie muest mir bleiben holdt —
ach möcht es sunder den thodt ge-
schehen,
mein herz wolt ich aufschneiden
35 und lassen ir in wendig begehen.
H»,i 6. inast. 7. hcrtzscheD. 35. beschehon.
Hs. 1568 Nr, 59:
1. Mein hers ist alles traorens voll,
•darza bin ich bedrofft,
Areudtt und mnth ist gar darhin,
fdr einen narren werden ich geeafft:
och richer gott, das cli\g ich dir,
das ich die liebste moiß meiden,
brengt mir ein scliware pein.
2. Traaren und leiden moß mein eigen sein,
•darza bin ich bedru£Pt,
die schönste der ich so lang gedienet lian,
hatt mich darza gebracht,
daß ist des falschen kleffer schuld tt:
her gott, mocht ich daß ahn im wreghon,
«unst wirt sie mir nymmer holdtt.
3. Ich hab den tag woU ehr geliebt
daß ich was freuden reich,
kein Areier helt auf erden liebt,
daß ließ ich gethunken mich:
nhu bin ich verschmadet vonn aller weltt,
daß licht mein herz in den thoitt gequeltt,
biß daß eß mir besser gefeltt.
4. Daß ich nhu so traurich bin,
das ist meiner traurigheit schuldtt,
und wan sie sich bedenken woltt,
sie must mir wesen holtt —
och mocht eß sunder den thott geschehen,
mein herz woltt ich aufschliessen
und lassens vonn binnen besehen.
[69.] Ein ander liedt.
1. Der Wechsel dregt, ist kein
gutt art:
wie lenger wie bas so merkh ich
das —
ir khent kein stette lieb nit tragen,
darumb wil ich dich faren Ion;
5 ^far hin, far hin' ist ganz mein sin,
an deiner lieb ist gar kein gewin,
es ist besser gescheiden den len-
ger gebeiden:
ratt ich auf meinen eidt —
zu scheiden bin ich genzlich bereidt.
LXIX.
LXX. ^^J^BI^P
V
10 2. Ach leiden und meiden ist mir
(66b] 3, Dem schimpf vogel wil ich nit
1
wol bekhandt,
lenger sein —
1
merkhf lieb, wie nodt scheidt ich
so ich hett dich genzlich ausserkhoren,
■
von dir!
da lieber kam, muest ich von dan,
fl
das halt dein falsche lieb gelhon,
treuwen dienst hab ich an dir ver-
JB
die für war acht nit mher^
loren,
^^1
die untreu teilst du ganz mit mir,
du schaffest mit mir dein argen list
^^m
15 das bin ich jetzsuntl worden gewar:
do du der kanzler von bist,
■
ehe lieber kam, do was ich wert^
25 den wer dich khen, der kauft dich
1
da liett ich was mein herz begert,
nit:
^H
nun seit ir genzHch von mir ge-
das ist . . , mein bericht —
^^M
kert.
far hin, guett gesel, verseum dich nit!
Q warlieit ein^meitent
j
HiA 1, wecheL 2j. dich nit khea. 26, i
Dusjseihe Lkd nodi einmai unten, AV, ISt^ tbmfaUs m 3 Str. |
^^H
Qörres S. 6'9,
1
^M
[70,] Ein annder liedt
■
1. Darumb ich lang gehoffet han,
sol eigen sein
^M
ist mir von Gott gegeben schon:
20 das herze mein,
^^M
ein hochgebornne schon und mildt,
das darf sie gar kein zweifei hau,
^H
dardurch ist mir mein herz gestilttt
in lieb und treu,
^H
k der icti mich gar
do ist kein reu,
^^H
ohn allen gefar
ich bleib ir stett ohn abelon.
^^M
zu eigen geb;
die weil ich leb,
thu ich mih zu ir verpOfchten,
10 in zucht und ehr
ist mein beger,
auch all lueln gemuett dohin richten.
25 3* Adel ich von höchstem stam^
gebreist ist weit . < . ir nam,
der ich doch geb ganz alles lob,
sie hatt den rum in aller prob
von leib und gestallt;
30 in iren gewaldt
1
2. Ade all vergangene freitt!
ergeh ich mich
^^M
ich hab nun mher ein ander bescheidt
ganz ewiglieh,
^^H
15 der mir von Gott befollen wurtt,
nim wol verguett an dissem theil^
^^H
das ich mich . . , wie sichs [67*] ge-
das ich begert,
^^■i
burtt,
35 bin wol gewert:
^^1
an der allein
Gott geb uns beiden gluckh und
I
ganz schon ond rein
heilt
. hau, Ich bleib, In lieb vund treu, do
5
Bma 10. ehren. lö. raich haltf 21—24
iat kfiiii reu, Jx Stett 25. Uutaddicli? 26. weit und breit? D&men.
^^1
^""~
6
5
82
LXXL Lxxn.
[71.] Ein annder liedt.
1. Mein selbs bin ich niht ge-
waltig mher,
allein deiner gnadt ich hoflEaung
haby
verpflicht ist mir mein herz ohn be-
schwer,
kein nngefell mag wenden ab
5 mein gemutt von dir
die weil ich spar
die treuwe dein —
ghe wie es ghe,
so will ich stetts dein eigen sein.
[67b] 2. Dein trost mir fradt und boff-
niing geit
11 und nimbt von mir als tranren hin,
acht nit ob man schon uns trumb
nridt,
dan du hast in gewalt herz, muett
und sin,
darumb regier
16 und nit verfier
den diener dein —
ghe wie es ghe,
so wil ich stetts dein eigen sein.
3. Halt vest, du mein holdtselliges bildt,
20 las dich kheins wegs verfueren nit,
bleib gegen mir stett fireundtlich und mildt,
dan ich uff erden nichts anders bitt,
dan ich hoff, gluckh
sich zue uns schickh,
26 vergis nit mein —
ghe wie es ghe,
so will ich stetts dein eigen sein.
Hs.: 10. yimd VDod hoffnnng gibt
Forster III {1552) Nr. 20: 1. gwaltig. 2. deinr ehr Ich. 3. ist dir mein herts mit
•ehmertE. 4. kein mhl mag ydb trejben ab. 5. gmfit. 8. gehe wie es w5L 10. geyt.
11. all trawren. 12. man yub dammb nejd. 13. da hast mein gmfit hertz. 14. Dmmb
mieh regier. 17. gehe wie es wöll. 19. holdtseligs. 21. Halt dich gen mir freondtlieh
ynnd mild. 22. von dir ich gar kein anders bitt. 23. Wann ich. 26. gehe wie es wöll . . .
Vgi. FoTiter IV 37 {-39).
1582 A 163 in 3 Str.
Ochsenkhun Bl. LXXUI^ in 3 Str. {LXX<» ein andres Lied mit gleichem Anfang m 3 Str.
Akrostichon: Friedrich -Dorothea.)
[72.] Ein annder liedt.
1. Ein zuchtiges biltt,
schon, reich und mildt,
hatt mir das glickh gegeben;
(68*] zu diennen ir
5 für aus uff erdt,
nach irem gefallen zue leben
wer mein begir,
wie wol man mir
mein wolfart nit will gunnen —
10 leit mir nit dran:
was Gott will han,
wurt niemants weren kunnen»
LXXIl. LXXIII. ^^^^^^P 83 M
2. Nach will ich mich
35 3. Wie wol unnfal ^^H
bekümmern nit.
sucht uberal ^^H
15 mein lieb darumb nit lassen;
ob er mich möcht verdringen, ^^H
was mir nit bezimpt
sucht fleissig zu, ^^^|
Hocfi ist bmtimbtj
hatt wenig rue, ^^^H
das wil ich mich alzeit mossen
30 er hoffet inn soll gelingen; ^^H
in Zuversicht —
der neit thutt vill ^^^^
JO untreu die schafft
in disem spill: ^^^
das ich glickh mueß lassen walten
noch will ich mich nicht besorgen — 1
ob ich bei ir
wer wider ehr nit thuett, ^^H
auß herzen begir
u darf keiner huett, ^^H
möcht lieb und gunst behalten.
....,._ 1
Ilg.: 14. darumb bekümmern nit 17 fehlt
[ti8b] [73.] Ein annder Iiedt. _ 1^1
Ip Des splls ich gar khein glick
3, Darumb ist es ein schwere ^^B
nit hab.
pein ^^1
der unfal thut mir zoren,
den [69^1 spillsacht hatt beladen: ^^|
wie wol ich guet spil in henden hab,
empündt ich jetz im herzen mein, ^^H
noch ist es alles verloren:
ghett mir auch selbs zu hannden ^^H
fi was ich uff setz,
25 das ich nicht khan ^^H
ich wurf drey herz —
mein Spillen lan, ^^H
du herz wurf wider warten!
und hab doch gar kein gefeile — ^^H
da was kein blatt»
an dissem ort ^^H
weder herz noch rott,
geworfen wart ^^H
10 fegen mir in irer kharten.
30 uff mein dreu herz zwu schellen. ^^H
2. Wie wol sie doch in henden hätt
4. Da kam frau Venis mit irer _^^B
herz, schellen, gras und eichel,
kunstf ^^M
gar baldt sie schellen auß warfen
wolt bas vermissen die kharten, ^^B
thett
so wolt ich ghern wie wols umb fl
als mir zum narren zeichen —
sunst ^^B
n ein blatt mit graß
irer gnaden lenger warten, ^^H
bedeutet das
35 ist aber verlorn, ^^H
das sie kein lieb gegen mir thett
Jupitterß zorn ^^H
tragen,
hatt mich mit unglickh droffen, ^^H
noch wurf ich herz
das ich mein Matt, ^^H
und bedenk myt schmerz:
drey herz ohn rott, ^^H
20 ich sol villeiht kein glickh nit haben.
40 so vergeblich hab auß geworfen. ^^H
84 LXXIIL LXXIV.
5. Darumb ist alles schon Terlom,
den glickh batt mich verlassen,
ich bin zue kheinem heil gebom:
kundt ich mich spillens mossen,
45 deucht mich das best;
wen ich es aber west
ir gnadt und huldt zue finden,
wolts noch zur zeit
verreden nit
50 und solt ich kein spil nit gewinnen.
Es,: 2. sorn. 7. wurff erwider. 35. verloreo. 36. in pitterß. 38 o. 39. ich nun hab
mein drey. 41. shon. verloren. 43. geboren. 49. verretten, tt gebessert in d.
65 Lieder Nr. 50: 1. nit han. 2. zome. 3. Hab ich gut spil inn henden schan. 4. alt
verlorne. 7. thet hertz wurffs. 9. noch hertz noch radt 10. gen mir. 12. eycheln.
13. schellen werffen. 14. mir zu eim. 15. von grafi. 16 n. 17. dz deatet das, sie mir kejn
gmüt will tragen. 18. So wirff. 19. vnd denck. 20. ich soll keyn glück erjagen. 21. Noch
ist es dem ejn. 22. hat vmbfangen. 23. Das denck ich itz. 24. vnd geht mir selbe zu
banden. 27. vnd trag sein gar keyn gfellen. 29. mir gworffen wurdt 30. dreL 31. jr
konst. 32. wolt mischen baß. 33 n. 34. Nun wil ich lenger wol vmb sonst, noch jrer gnaden
warten. 35 u. 36. Eb ist verlorn, Jupiters zom. 37. vnfal troffen. 38—40. Das ich mein
bladt, das hertz vnd radt, vergeblich hab verworffen. 41 u. 42. Nun hilfft mich doch als
sehnen nit, dann. 43. heyl geschickt. 45 — 50. Es deucht michs best, noch wil ich fest,
wiewol vergeblich harren, Ir diener sein, glück gib mir schein, ob sie mich schon tut
narren.
Forster I 86; Blumm u. AufiL 1602 S. 181 Nr, 186.
Görres S. 59 \ Böhme, Liederb. Nr. 486; Liederh. III S. 556 Nr. 1773. Heyse, Bücherschau
8. 158: M 3.
[74J Ein annder liedt.
1. Zart schönes weib, 2. Ich los nit ab,
dein edler leib herz liebster schätz,
hatt mir mein herz umbfangen, 15 darumb ich hab von dir muessen
auch noch nit mher bey deinem leib [weichen,
5 den zucht und ehr ich dannach bleib,
bringt mir noch dir verlangen; nihts mag ich dir gleichen;
zu aller zeit ach edles B,
wintz ich on streit 20 nichts klag ich mher
bey dir zue sein in freuden, in allem meinem leiden,
10 ich schlaff oder wach, wan dich allein,
in Ungemach: sunst anders khem:
sie mag mir niemandt leiden. dich mag mir niemandt leiden.
LXXIV. LXXV. 85
25 3. Mein herziger trost,
wer ich erlost
[?()•] und möcht auch bey dir bleiben,
kein lieberen schätz
begert mein herz,
30 mein schönste ob allen weihen;
zu aller stundt
wuntsch ich auB grundt
bey dir zue sein in eren,
ich schloff oder wach,
35 in ungemach:
dich mag mir niemandt leiden.
Hb.i 8. in. 36. Ucb: weren? oder 83. in Areuden?
[75.] Ein annder liedt.
1. Verschutt hab ich mein haber 2. Wo sol ich aus, wem sol ich
mueß, zue,
das mueß ich offt entgelten, wo sol ich mich hin kheren?
das ich nun alzeit fasten mueß, alles das ich immer thu,
das geschieht mir offt, nit selten — das thu ich ihr zun ehren,
5 ich armer man, 15 mein hab und guett,
was hab ich gethon! kein tröpfle bluett
mein gluckh hab ich yerspillet, will ich in mir behalten,
herz, muett und sin o reines weib,
ist gar dahin, noch deinem leib
10 ist alles durch irent willen. 20 wil mir mein herz zerspalten.
[70i>] 3. Gedecht ich nit so offt daran,
es khem mir zu verweisen
die untreu die du mir hast gethonn,
die solt ich dir verweissen,
25 und wher es doch
nit scheltens wert
als sich die brieff inhalten,
so forcht ich doch
es gesche mir noch —
30 nun will ichs Gott lassen walten.
Hm.: 7. liea: thet ich venpilen. 18 a. 14. ich Ihr thu das thu, dz tha.
DoMdbe Lied noch einmal Nr. 142: 1. Ich hab verschfitt. 8. na allezeit 4. geschieht
mir offt vnd seUten. 6. than. 10. alles dorch deinetwillen. 13. alles das ich inn mir thue.
86
LXXV. LXXVL
14. dm tiioe ieh Ir Za Elirai. 16. tiopffeii. 18. o emigw weib. 19. nadi. 22. e
24. Idi tollt dich niderreißeo. 26. lelielt«!. 28. ao hoff ieh dodi. 30. kn wanten.
1SS2 A 170i 1. Ieh hab Tenehfitt 2. dM. 3. ich «keit. 4. offi und seltai. 9. ud
«n Bein g«wiii. 10. deinel willeii. 13. und mlles wis. 14. dir xa dveii. 15 /dUL
16. tropv6D.
///. Laeheii mag ich nimmcnnehr
wenn ne mich nü thnt troeten,
so ftfirb ich sehen jar deet ehe,
mein leiden ist am grösten;
wie ich jm thn^
hab ich kein roh,
hast mir mein hen gefangen,
o reines weih,
nach deinem leib
steht mir mein gros Terlangen.
IV{^E$,S) 21. so dick,
wolt Ichs Gott lan walten.
Es. i56H Nr. 34 u, $, w.
Wrret 8. 61 «. $. w.
24. ich solt dich niderreißen. 25. ja weiestn. 23. hoff. 90. so
[76.] Ein ander liedt
1. Ich weis mir ein blumlein
bloe
▼onn bimmelbloem schein,
es sthett in gruener auwe,
es heist vergiß nit mein;
5 ich khondt es nirgent finden,
was mir verschwunden gar,
vor reif und khaltem winde
ist es nimmer da«
2. Ich weiß mir ein bluemlein
weise,
10 es sthet in gennem riett,
von art so ist es kleine,
es hdst nun hab mich lieb;
es ist mir abgemeyd
wol in dem herzen mein,
15 mein lieb hatt mich verschme^,
ich khan nit frölich sein.
(71«] 3. Das bluemlein das ich meine
das ist rosinarott,
ist herzen trost genennet,
20 auf dirrer beiden stett;
sein färb ist im verblichen,
der wolgemuett ist dur,
mein lieb ist mir entwichen,
verloren hab ich mein trost
25 4. Ich weiß mir ein bluemlein
weisse,
sthett mir in gruennem graß,
ist gewachsen mit ganzem fleisse,
es heist nun gar schabab;
das bluemlein mueß ich tragen
30 wol dissen sommer lang,
vii lieber wolt ich haben
mein« bulen umbefang.
5. Noch heuer gegen dissem
sommer
kumpt uns der liechte mey,
36 bringt uns der blumlein wider,
der färben mancherley,
bringt unß der bluemlein wider:
braun, weis, gelb noch der zeit —
so leut in mir nit wider
40 was ein iglichs bluemlein bedeutt.
LXXVI, 1
-XXVIL ^^^IP^^^
1
[7ii>] 6, du herziger wolgemoelt,
8, Der reif mit seinen Zeiten
H
wie orfreigtu mich so wol!
verderbt vil blumlein zart,
^^M
kein bluemlein mir nie lieber wartt,
ghett umb die klaffer schmeichlen
^H
zun eren ich dein beger,
60 mit ungtreuwer art;
^H
46 ich beger dein ewig zu bleiben
vil grosser Heb uff erden
^H
biß uff das ende mein;
die [72»] itzsundt mus zerghen —
^^M
halt mich in deiner werde,
was mir heuer nit mag werden,
^H
herzig lieb, vergiß nit mein!
das wjI ich ein ander jar hann.
^M
7. Mein herz leidl groß kummer
65 9. Herz lieb, du darfest nit den- "
^M
öo daß mein vergessen ist,
khen
^^^
so hoff ich uff den suramer.
das ich von dir wil Ion, d
^^M
wol uff des meyes frist —
an dir wil ich nit wenkhen,
^H
wan sich die reifen vergangen
bey dir khan ich nit sein;
■
und auch der kalte sehne,
was ich gbem thett in treuwen,
H
6& von der aller liebsten werdl ich
70 das schafft mein ungewin: J
^fl
entpfangen,
herz lieb, nun halt dich stette, "
^^M
detts dem klaffer im herzen whe.
wie fer ich doch von dir bin.
j
Hm,% 12. efl heifit fehlt, 13. abgemejL 1
57 u- 59* ifes: Eeichen, achmeiehen? acbmeicher ich&n ohen 4, 31. 70. angewon. J
^^M
Görru S. 9-, Uhiand Nr, M] Böhme, Liederh. .
Nr. Mä; Lüderh. II Ä m ifr. 387, 1
H
[77J Ein ander liedt, 1
1
1. Gnadt und gunst hoff ich, herz [72b] 2, Hoffnung die halt mich alzeit
^B
allerliebste mein,
emhert, J
^H
von dir allein,
bin ohne beschwert ■
^^M
dergleichen soldu wider warten
16 gewessen, dein zun ehren ich hab
V
sein,
begert;
■
ker dich nit an ein jede falsche
dein weiß, gebert und gestalt mir
H
redt,
so wo! gefeit.
^H
6 biß mir stett,
hab ich zue Gott gestelt |
^^M
du siest doch leider wol wie es mir
und dich herzallerliebste auferwelt;
^H
jetzsundt ghett:
dan was Gott gibt.
fl
des klaffers mundt
20 mir selbs vor allen dingen liebt,
H
uns beiden kein guetts nit gundt.
des klaffers list wurt mir es nit
H
an seinem hals mueß es sich enden,
wenden,
H
10 sein boehen, bellen, vU der argen
sein krafft und macht im ganz und
H
dickh
gar nit helfen mag, J
^H
ist unser glickh;
es leidt am tag; "
^H
darumbf herzallerliebste, schlags
was klicks ich hab, ist alles des
^M
zu ruckhl
klaffers klag. J
1
j
88
LXXVn— LXXX.
26 3. Sein zung darzu so sher geschliffen ist
auf alle list,
an einem falschen herzen im gar nichts brist,
er weis wol was er thun und lassen soll
oO ••• ••• •••
dem windt khan er den mandel henkhen —
dem ich das liedt zue gefallen ver- [73*] teutschet han,
85 khans wolversthon,
den ich nit mein, den ghett es auch gar nit an.
H$.\ 1. Hebst. 29—32 feMtn.
[78.] Ein ander liedt. Zucht ehr ynnd lob ir wonet bey . . .
S funfiehnz. Str. [7db] Str. III 1. Ich lafi in reden, was er will . . . Da$$eibe Lied nodi einmal
unten Nr. 204 volUtandig^ Akrostichon auf den Namen: Cristina, m 8 Str.
[79.] Ein annder liedt. Ich hoff es sey vast sher wol muglich . . .
2 ttDontigg. Str. Von einer driäen Strophe nur die wieder durchetnchenen Worte: Ich hoff es sey
vast sher wol muglich, daramb ! . [74*] Str. II 1. Ich hoff es sej fast sher wol muglich . . .
Dasselbe Lied noch einmal unten Nr. 151 vollständig in 3 Str.
[80.] Ein annder liedt.
1. Kein lieb ohn leidt,
schwer ich ein eidt,
ist nie erfunden worden;
die Heb ist blindt,
5 ganz nihts besindt
und macht ein schweren orden;
kumbst du darein,
du leidts groß pein
und darfs doch niemants klagen,
10 du krengst dich sher
und macbts dir schwer,
dein herz mecht dir verzagen.
[74i>] 2. Lieb hatt kein mos,
bringt neidt und has
16 und mach vil schweren gedankhen;
ghett er von ir,
sie meint gar schier
er werdt zu einer andern wandern;
der gleihen thut
20 in seinem muett
so er sie meint mit treuwen,
ersieht ir nach,
im ist gar gach,
groß lieb thutt sich vemeuwen.
25 3. Lieb bringt leidt
noch grosser freudt
wer sich darein thutt geben;
vor lieb und gunst
ist kar kein khunst
30 und bringt manchen umb sein leben
der sich so gar
in sorgen zwar
die lieb lest überwinden,
er hatt kein Tue
35 nicht spatt noch frie,
vor leidt möcht im geschwinden.
Bs,: 18. Hes: wankhen? 31 reu. 35. nicht f^lt.
LXXX. LXXXh
m
Fl, BL Yd 9570 Vier schöner lieder {o. 0. «. J.) 2, Kein Üeb mn lejd ... Z. 2^ ichi,
8* leydfit 9. irnnd darff&t das niemaDd klagen. 10. krenckst. IL madis. 12. m<^cht
13. m&B. 15- vnd macht yU schwerer gedancken, 18. wancken, 19. dorgleych er that.
22. Behaute 25. briDget. 29. gar. 3L der Bich spar, SS. die liebe yberwindenD.
35 o. S6. spät vnde fru, vor lejd m^cht er »terbeo.
Frml^tirt o. .¥. StadibibL Samme!b. L 321 BL 77 Schoner Lieder drey, | Das Erst» | Keyn
frefid an layd mag mir | widerfarcn. | Dae Ander. | Keyn lieb an layd, schwer | ichs eyn eyd. [
Dflfl Dritt I Die Snnn steht am h<>chsten^ { der Mond hat sich verbert. (4 Bl. 8^ o, 0. u. J.
Rück», des ersten tt. dai letzte BL ieer.} 2 in 3 Str.
Vgl, H9, 1574 Nr. 12-, Niederd. Lüderk Nr. SO i" Jahrbuch f\ nd. Sprachf. 26 {tBOÖ) S. 23.
Qorrei S. 54.
Ein ander liedt.
1, Nach wülen dein
gib ich mich dir allein
in treuwen zue erzeigen,
für alle auf [75*] erdt
6 bis tu mir werdt
und gib mich dir für eigen
ganz in dein pflichte
der Zuversicht:
laß dir mein dienst gefallen —
10 glaub mir furwar:
in frauwen schar
liebstä du mir ob in aHen.
2&
2. Bey deiner ^estalt
winsch ich offt und baldt
15 zue sein in lieb und ehren;
da hetl mein herz
freudt, Kist und scherz,
recht lieb und Irey zu nheren,
ohn allen verzug
20 hilf, rhatt und schickh —
darfs du dich nit besorgen,
wan das glickh khera
das ich dich nern,
woU sein faey dir verborgen.
3. Leben bey dir
wer alzeit mir
für alle freudt auf erden,
beger offt der stundt
darin dir kundt
ao meins herzen gelieim mecht werden?
dan itzsundt eÄ
nach dem abe
lieht mir der buchstab zutragen,
dan dein lieb . . .
8$ Sprach:
es wirdt halt viere schlagen.
Ä<; 31. ehe. 36, schlage.
Oefftin 1512 Nr. 26i 1 u. 2, Nach willen dein mich. 4. ol. 10. dan glaub für war*
12. libttu. IS. gstaU. 14 oft bald* 17. tust, frt'ud und scherz. 18. meren. 19. on aÜ
Yerzick. 21, bedarf t doch nichts. 22, wo dfts. 23. daa ich dir guem. 24. würd sein bei
90 LXXXL LXXXIL
mir Terborgen. 28. ger oft 30. gheim. 31. jetst and e. 32. nacli abe. 33. xtragen.
34. den dein lib aach. 35. und darauf sprach . . .
H$. 1568 ^. 5 U.S.».
Dk beiden Lieder ik. 81 «. 82 sowie Nr. 120 emAaUen mehrere Scmierdrucke^ deren emer m
der H$, der beiden Herren van Hdm^orff {1569/75) abgeeekrieben isi und Nr. 29—31 darin ^
liefert hai:
Yd 9299 Drey hfibeche Lieder, Das | Erst, Nach willen deyn, jch mich dir allwi. | Das
Ander, Bosina wo war dejn | gestalt. Das dritt, Ehm werd 1 anff erdt, von tngent | schön tc
{Am Schluß:) Oedmckt zu Nfirmberg durch | KOnigund Hergotin. (4 BL 8^ o. /. Ruck», des
ereten u, leUten BL leer,)
Zürich, Stadtbibl. SammOb, XVIII 2017 St 13 Drej schöne lie | der. Das erat: Nach
wil- I len dein, ich mich dir, }c. Das | ander: Bosina wo was dein ge- | stalt, )c Das dritt:
Ehm I werdt, auff erd. {Bildchen. 4 BL 8^ o. 0. u. J. Rücke, de» leUten BL leer.)
XVIII 2017 8l 14 Drey schöne Lie- | der. Das erste: Nach willen | dein, ich mich
dir, 7c Das ander: | Bosina wo was dein gestalt Das | dritt: Ehm werd auff Erd, :c
{Büdehen. Am Schluß:) Qetrackt su Augfpurg, | bey Michael Manger. (4 BL 8^ o. J. Aüdb.
des leUten BL leer.)
Es, 1569/75 M*. 29-^1 Drey schöne Lieder. Das Erst, Nach willen dein, ich mich dir
allein. Das ander. Bosina wo war dein gestalt. Das dritt Ehmwerd, auf Erd.
(76b] [82.] Ein annder liedt.
1. Rosina, wo was dein gestalt 2. Hett dich Virgillius bekannt
bey kunig Paris leben, weil er bedacht zu schreiben
do er den apfel hett in gewalt, von Helena aus Erichenlandt
der schönsten solt em geben — ir zier ob allen weihen:
6 für war glaub mir: 15 so hett er dir
hett Paris dich vil mher dan ir
mit deiner schön gesehen, der schöne zu gemessen,
Venis war nit mit der du hast
begabt damit, mich hart und yast
10 der preis wer dir verjehen. 20 lieb habenlich besessen.
3. Ich weys: hett Ponttius zu seiner zeit
gesechen dich der gleichen,
Sidonia hett muessen weit
von seiner lieb entweichen
25 und ander vil,
darzue ich will
er aller keine reuwen
und freien [76»] dein —
dein will ich sein,
30 die weil ich leb, in treuwe.
Hs : 7. geschehen. 10. dir vil höher. 18. vo. 27. er = ir.
LXXXIK LXXXIU.
91
A* »* Aich Nr. 39 1 B. gwalt. 5. glatib ich. 8, wer nit. IQ, dir verjehen, IL Virgilius
bekandt. 14^ zierd. 21. Pontus seiner seit, 24, von deiner, 26. damin b. 27. ir aller.
28. frewen* 30, trewen.
H». tSßS Nr. 28, 157i Nr. 34 u, t. tp, Zitchr. f. deutidie IWoL 33, 614, Dasui Mmtand
tS7S i^, 13 m 3 Sft-, Mitäer S, SSB ifr. <f57,
Fl. Bl Batet, Sar. Uti SL 42 {t^mtümmelt, 3 BL A ij, A iij, —; Tium. felilt; lUder, 4 an der
Zahl, voüntändig): Jth ajrmer Boß, bin gantz verjrrt ß Sir* Ein ander hüpach Lied. Der
Ynfal Tjtt mich gantz Ytid gar S Str. Das dritt Lied. Ro&ina wo was diu gestalt 3 Sir,
Das Tierdt Lied» Keer wider glück mit frönden 3 Sir,
[83.] Ein ander liedt
1. Ach Gott, ich klag dir nieioe
nott:
ich bin verwundt biß in den todt
und mir ist raissolungen,
ich hett mir ein feins lieb auss*
erkhoren,
5 von im bin ich verdrungen.
2. Er hell mich lieb, er hedt mich
werdt,
ich thett als was sein herz begert
in züchten und auch in ehren —
er hatt ein andere vil lieber dann
mich,
10 er hatt mich übergeben, übergeben.
3* Was hilft dich, knab, dein
falsche list,
das du so gar der untrey bist!
magesl nit uff mich ^ewarten!
dein untrey hab ich lengst gewist,
la krenk mir herz, muett und sin«^.
[76*»1 4p Hett ich dein untreu vor pe-
wist,
deiner lieb hett mich nit gelust,
du hast mir ofifl gelogen;
far hin, far hin . < .
20 du must mir aus dem herzen, ja
herzen,
6. Der sich uff einem distelbaum
se^0t
und sich uff junge khnaben ver-
lest,
der lest sich blinden leiden:
art der lest von arte nit,
25 unnkraut vsrill auß dem kharten nit.
6. Ich hett mir ein apfel, war
hübsch und rott,
halt mich verwundt biß in den todt,
noch war ein wurm darinwe;
far hin, far hin, mein apfel rott!
30 du must mir auß dem sinne.
Em,: 15. kreok = krenkt, sin. 16. vor f^hU, 2L sehet 28. darin.
aorr€9 S. m; Ukkmd Nr, 50; Hüfffnmn, QtMdkehL /fr. 125; Erk-Böhme, LtedcrL II S. 214
Ä- 403.
Hämmer mU dem Anfange Ach Gott, wem soll ich klÄgen mein leid; Hg. 1574 Nr. 50^ 1575
Jfr, 99 u, 145 u, 9. w,
AfQhw f. (f, nsuerm Spr. 111^ 271. Da^: Miükr S, ^06 Nr. 665-^ Ä, Frhr. t?. Mitncr&n,
Voikti. «m 1530 {Naiiünul-Liii. 13} S, 225 ifr, 7^.
92
LXXXIV. LXXXV.
[84.] Ein ander liedL
[TT] 1. All mein gedenkh
kber ich and wenkh
noch einer zarten, ist seuberiich —
wan ich sie an sich,
6 so erfreidt sie mich
in stetter begir,
sie geliebt mir sher.
2. O whe, o whe and ach
der schweren sacb [rott!
10 das ich maeß meyden ir mindlein
sie leidt mir in dem sin,
und wo ich bin,
so bleibt bey ir
herz, mutt and all mein begir.
16 3. O do mdn tansent schon,
mein höchste bon,
da hast mein h»z in deiner gewaU;
dein dienner will ich sein,
herz liebste mein,
90 die weil ich hab
das leben mein.
4. Ich sendt and dracht
stetts tag and nacht
das ich nit stetts kan bey ir sein;
35 schweig, lieb und leidt,
erwardt der zeit
in stetter iiatt:
mein will ist gaett.
B$. i:^6S Air. 12:
L AU mein gedenk
ker ich ond wendt
nach «ner »urt is soaeiüeh —
wjui ich sei angesehen,
5 so erfrewet sei mich
in Stettiger boger,
sie liel>et mir sehr.
2. Ich sacht aod tracht
bei tag nnd nacht
10 das ich nitt stetz bei ir mag sein;
sei ligt mir in dem syn:
stets wor ich bin,
noch ist bei ir
all meins herzen boger.
15
20
3. Da dnsent schon,
da höchste krtm,
da hast mein hers in d«ner gwalt;
dein dieno" will ich sein,
zart schönste mein,
dweil ich haben
das leben mein.
4. wee ond wach
der Bchwarer clagh
das ich moß meiden ir mandlein roth!
25 na schwigh, leidt ond meidt,
verbeidt der zeit
in stUttiger hoitt:
mein will ist gaitt
[85.]
(77bl 1. Ich klag
den tag
und alle stundt
das mein außbundt
5 nit halt sein gesundt,
der halben ich bin verwundt,
mein herz leidt schmerz aus guet-
ten grundt
Ein ander liedt
2.
Wie mag
ohn klag
10 mein herz nur sein
die weil groß pein
sich meri darein?
mein glickh, mer sc^in,
das werdt getrost die herz aller
liebste mein!
LXXXV, LXXXVI.
»3
U B. Unglickh,
dein dockh
baldt voD mir wendt,
thue das behendti
mein groß ellenndt
m zu guttem endt
das wirdl durhs gluckh in freiden gewendt.
ff«.: 1, guott 12 fehä. 13. sein.
i2l Lieder 1534 Nr. 27 1 6 n* 7* deßhalb verwunde mem liert« üj leid aus gutem gmndt
12 u. 13. eich mert dfireii), meiti Sonn mir Bchein. 14. die liebste meia. 21^ mit fr enden
wendt, dnrch glüeck getendt.
ffs. IS68 Nr. 7St ZtMchr. f. deutsche miol. 55, S24, ^ FL BL Yd 7S2J (Emhand v, J. 153B)
Sl 33 Drey schöne uewe Lieder | Das erat / Ich klag den tag vnd alle stand . . . Nürnberg /
Kunegund Hergotin o. J. 3 Sir. — Yd 926 i Brudisiück^ letztes Blatt eines Lieder heftcheru^ Rück-'
aeiie ieer^ Vardergeite: Ich klag den tag vnnd alle stund , . . 3 entspr. Str. — Yd 9fiSl Drey
Schöne Lieder/ | Das erst/ Ich armer Foß 2c. Da« | ander /Ißbruck ich mn(3 dich | läesen. Das
dxit/lch I klag den tag viid | all© stnnd, {Bädchen. Am Sckhfii) Gedrückt äu Nürnberg j
durch Frl derieh | Gntknecht. (4 BL 8° o. J. Rucks, des ersten u. letzten BL leer.) 3 in 3 entspr.
Sir. Die beiden andern Lieder dieses Einzeldrucks in der Hs. Nr. f39 u\ täl. — Ye 466 Drejr
schAne newe Lieder | Das Erst / Es saß ein Ewl \ vnnd span. | Das Ander / Es iBt ein Bchnee ]
gefallen / hndelump. | Das Dritte /Ich klag den tag | Tnnd alle stnud. {Biidehen^ Eule heim
Spinnrocken darsL 8 BL W° o, 0. u. J, Rücke, des ersten u. letzten BL ker.) 3 in 3 entspr. Str.
— Frankfurt a. M. Fre^ag XXI 3U Drey schöner ] newer Lieder. Daa Eretei ] Von deinet-
wegen hin ich hie /Herta/ 7c, | Das Ander: | Inßbruck Ich mül5 dich lassen /ich far/ ac. | Das
Dritt: Ich klag den Tag vnnd alle stund / jc. {Bildchen. Jm Schluß:) Getmckt zu Angfpurg/
durch I Hichaelem Manger/ Mattheus | Francken nachkommen. (4 BL 8° o. J. Rucks, des
lelßten BL teer.) 3 in 3 Sir. Die beiden andern Lieder dieses Einseidrucks in der Hs. Nr. 139
u. ist;.
[86.] Ein ander liedt.
1* Der Summer ferl lins von hinnen,
[78 •] die lufftlen sein Worten kaldt —
mir liebt für all mein sine
ein röslein, was wolgestalt;
5 wie mecht ich das erheben
für reif, für schuees frost!
den Winter wolt ich es tragen,
verschwunden ist alles mein klagen—
wan sie ist wol behuett
10 vor manchem dummen muett —
o wie whe mir scheiden thutt
Ton meinem röslein rotll
2, Ich sähe mir in gruener auwe
vil manches roslein stau,
16 die lieblicli waren an zu schauen,
von färben gemalet schon:
da sähe ich under in allen
ein roslein in dem thal —
das thelt mir bas gefallen
20 die schönste mit reichem schalle —
bey den andern roslein stlion;
wie baldt ich zue ir sajß
nider in das grüne gras,
von dem thau da wardt ich naß.
S4 IXKXVL
fi 3l I«Br ÜBE äsr äieSl nüä: i^rtaiBD. 4. W«käi
OET trapTies iiaEnnhp zal. iPEsäi thnnilinti aa8 dm lindl
«cumuL KsiäcsäC XDBEc iTKifiiD mH "^^ Tili' ngHTwiri Qiftyn v^dAcb«
Tss steag Sem sactc^pftL 41* luu vbu «ts-Miibu« baidi
Sil äs JL ^wwi 'vaJdi csiisL äi& mf äem fe^'>^ sann:
J7^ ic^ inäsi jdk nfii sb ralrizi^'szi. itsrnäo' MiunAri ins öer BMyen,
*ral dnrds dem Uee ba^rmrezL xs saüem wir uns flcu»«i ,
^itjffmnif äät wmt p^oäL 4i' ofs- srnmna' fErt teffidi diiwr —
ert käi faäjäs biSu urer jdi nuns bokn ^ifweri
ad dB moD &iiB Sd» ws& &k vss mem ben bf^pal:
flimim pefki Her i«. kii bfd |tq8 freaäi auf dusstts- cniL
5l Im khun snr Snr sn fron Testf —
«fr vk baldt k^ nöA äarzoe* kfirl
dB 5ci2 si£3D feöxs Bd> wesle.
•ÖK v^s ITBS 3ZMS3X1S beneD be^.
öfi fmät xi2 säe aDÖDe
&£ eözKS- XBSK säum,
» SHÖi tzmareD das was kkäxie —
dk «cboDcsl die leb möaxt —
£e ibor wurden anf prthar:
<5?1 ward! idi eäogebii
TZDji warät eszip&cDfvsi ^ar fviicscL
«• das fneoksn wardl mir za IbocL
Cir—iiL frBnoem re&EL 5ixr bk> 5ts< — i^ foiiat :^£.:: J.v^^f «. l. «aanr. £. &. ^ sc:
■87.] Ein asder Medt.
L Sdrv^r lax^kweylir kl xczr i&esn ^ was mesden kl —
ses! acls wbe der &kt!
»jdl Jdj xzDcb falb ^escbeiden k: ndr fir bm^ mH ddazKnes.
Tcc äir. XD€SD scbaix und faocbsle des idi cffi kkp —
Ireadt es ^cbeandt kein ta^
kitn sae kb, das kb BmS meideD, k< dem wirdl (tidadsl k
LXXXVII. LXXXVUL
95
2, Wan mich ietzundt ein lange
fardt
in thraurens pein thutt setzen,
mein einigs lieb, gedenk der wort
domit ich mich thett letzen»
lö mit was gestalt
in deim gewalt
ich mich dir hab ergeben,
darumb ich sprich
[n^ das ich ohn dich
20 kein stundt mag frölich leben.
3, Ach das ich dich, o herzigs lieb,
die zeit in leidt mus mi^idenf
so pitt ich dich: nit acht was man
klafft,
ich wil dir sthett beleiben;
s& darmiit will ich
beyelhen dich
deinem ganz treuwen herzen,
ohn zweifl frey:
sey wo ich sey,
30 dein wirdt gedacht in schmerzen.
Hs.x 14. do ich. 26. be$A^i micb. SO. in memem hertzeD.
^5 Lieder Nk iU\ 4. erst morck dz ieli muß leiden. 5. leiden. 7. wirt mir au lang.
6. daa ich. IL dann micli itzund mein lange fart- 13. eüiigs E. 14. da mit ich, 2t. Vnd
das iqIi dein edle freüntscba0't. 23. Ich bitt dich. 24. wil der dein. 26. mich. 27. deim
gantien. 28. aweifeL 30. trag ich nach dir groß Bchmertzen.
For§t^ I mi Meümd U75 Nr. L9; 1582 A 22^ B 74 — in je 3 Stf. u. m. ir,
ffs. 1575 Nr. 89.
G&rrea S, 51.
[88.] Ein ander liedt.
1. Vil untreu ist auf erden,
darvor mich Gott behuet,
ich wintzsch im das heimlich leiden
der mir das wider riedt
6 das ich mich solt von dem wenden
der mir als guetts gunt,
mein leben wurdl sich enden
so ich in miest verlhonn.
[softj 2. Darumb ich Gott will bitten
10 das er mich baldt erher
und alle meine gedankhen
das ers zum besten kher,
dan alle meine gedankhen
die sthen allein zu im,
16 sunst keiner auf diser erden
sol kummen in mein sin.
3. Lang zeit das ist nit ewig,
das hab ich offt gebort,
ich hoff noch zue erlangen
20 als was mein herz begert;
so schickh uns Gott das glickhe
zu seiner gelegenen zeit,
so will ich in nit auf geben
in lieb und auch in leidt.
FL BL Yd 7850 St. 21 Zwej Bcliöne ne- | we Lieder/ Da* erst / Mir Hebt | im gn^nen
Mayn 3c. Hat seine eygen | Melodaj, Dae ander / Vil vn- | trew ist auff Erden /Im | Thon /
Wie möclit ich | frfilich werden. (Bil<khenj Frau im Blumengarten äaTsieäend\ links oben die Buch^
96
LXXXVIII. LXXXIX.
$taben: LMAI|DNMB|I, — rechts unten T. W. Am Schluß:) Gedruckt zu Nfbrnberg/
durch I Valentin Fuhrmann. (4 BL 8^ o. J, Rüdes, des letzten BL leer.)
1. Viel vntrew ist aufiP Erden,
dauor vns Gott beh&t,
wünsch jm das heimlich leyden,
vnnd der mirs wider thet,
5 das ich mich solt von jhm wenden
der mir so gutes g&ndt,
mein leben das wird sich enden,
wenn ich jhn must yerlan.
2. Dammb wil ich Gott bitten
10 das er mich w^l erhören,
vnnd alle mein gedancken
w611 er zum besten keren,
dann alle meine gedancken
die stehen allein zu jhm,
15 sonst keiner auff diser Erden
sol mir kommen in mein Sinn.
3. Er hat mein hertz getroffen
der zarth vnd wolgemut,
zu Gott da thu ich hoffen,
20 mein sach solt werden gut;
er leid mir allein von allen
wol in dem Hertzen mein,
sonst keiner thut mir gefallen,
sein eygen wil ich sein.
25 4. Langweilig ist nit ewig,
das hab ich offt geh6rt,
ich traw mirs wol zu erwarten
vnnd was mir Gott beschert:
beschert mir Gott das gl&cke
30 zu seiner gelegnen zeit,
den Knaben wil ich nit lassen
zu lieb vnd auch zu leyd.
5. Ach wer ist der vns das Liedlein sang,
so Frey gesungen hat,
35 das hat gethan ein betr&btes hertz
wol an eim Abendt spat —
es hats so frey gesungen
auß frischen freyem muht,
weinen hat es inn worden,
40 wie wee das scheyden thut.
21. von allen fehlt, 29. glück. 32. zu fehU.
Nürnberg, Qerm. National-Mus, L 1728^: Zwey Schöne | newe Lieder /Das erst: | mir liebt
im grünen Mayen / 2c. Hat sei- | ne eygne Melodey. Das ander / Vil | vntrew ist auff Erden /
im Thon | Wie m6cht ich frölich | werden. (Bildchen. Am Schluß:) Gedruckt zu Nürnberg / 1
durch Valentin | Newber. (4 BL 8^ o, J, Rucks, des letzten BL leer.) 2 in 4 achtz. Str.
An erster Stelle steht in diesen beiden Drucken das berühmte Mailied Q. Qrünwalds mit je 14 Sir.
Es, der Herren v. Helmstorff 1569/75 Nr. 42 in 2 Str.
Oörres S. 95.
[89.] Ein ander liedt.
1. Ann dich hatt sich gebunden [80i>]
mein herz mit stettigem eidt,
die treu so werdt ir finden
bey mir in ewigkeit;
5 das wil ich dich gheweren,
dan thue dich freundtlich zue mir
keren
aus gunst und rechtem bescheidt.
. Ganz rein solt du dich hal-
ten,
beger ich zue aller stundt,
10 damit uns nit zu spalten
falsche redt aus klaffers mundt:
so will ich khein andere pflegen,
und solt mich auch begeben
unglickh und grosse notth.
LXXXiX,
^ XC, 97 ■
15 3. Dir will ich lieb versprechen
das laß du mich geniessen H
die weil ich im leben bin,
und thue mich freundlich schliessen H
niein treu an dir nit zu brechen
wo[ [si»l in dem junge herze
das hab ich ein statten sin,
dein. ^^^
wjl auch kein lieb nit sparen
^^H
20 SO lang biß ich dan fare
5. Das liedt sey dir gesungen ^^H
ans dissem etlendt dahin*
30 zu thausent guetter nacht ^^^|
von einem khnaben junge ^^H
4 Freundlichs herz in ehren,
mit fleiß ganz wotbedacht, ^^^|
mir geliebt kein andere nit,
das liedt will ich dir schenkhen, ^^^|
mein tag bey dir zuverzeren
darbey soltu meiner gedenkhen ^^H
25 ker ich zue aller frist;
35 wan ich nit bey dir bin« ^^H
m.z 3. die fehlt. 25. ker an dmer SuUe =
BarUch im Kutaivfj der Hetdeibtrgtr Hmd$€hriftm (/, B1) verweist für diete« Lied auf Qoedekes ^|
Qnindriß £1^ S. ö7. Das dort v^zetckneie Lied am DedekindM Dodekat<mon {tSSS) NrJ^ beginnt: ^|
An dich bin ich g«bundea, | jungfraw zart
vnd rein . , > 4 achtz. Str, Akrmtichon Aim&. ^H
Jußer dem ähniichen Anfang hat et mit dem Liede der Ms. nichts gemein. ^^^H
[90.] Ein ar
ider liedt. ^^^|
1. Nach gruener färb mein herz
3. Umb irent willen trag ich weiß ^^H
verlangt,
20 in meines herzen grundt, ^^|
und da ich ellent was,
mein herz das sthett mit ganzem ^^H
das schafft der liebe ein annfang —
fleis ^^H
recht wie das gruene gras,
noch irem rotten mundt, ^^H
5 gesprosen aus eim anger weiß
noch ir setz ich mein gedankhen hin ^^H
mit manchen bluemlen klar,
den tag und auch die nacht, ^H
also hatt sieh ein ni eidlein fein
25 noch ir so ghe ich manchen gang^ ^^H
gebildet in das herze mein
die zeit wirt mir nit zu lang ^^H
zu dissem neuwen jar.
wen ich sie nur sheen mag. ^^H
10 2. Der rotten färb der hatt sie vill,
4. Bio hastu, feins meidlein, von ^^H
in der Isib] ijeb so brenndt mein
mir 132«] begert ^^H
herz,
in rechter stetligkheit, ^^H
und das sies nit erkennen will^
30 und wüst ich was dein herz beghert, ^^H
das bringt mir grasen schmerz;
das solt dir sein bereidt; ^M
ich she es auch von herzen ghem
darann soltu khein zweyfel haben: ^^H
15 das ich wer bey ir allein,
mit treuwen ich dich mein, ^^^M
ich hoff sie soll schir
ich wil in deinem dienst bestaun ^^^|
ir junges herz kheren zue mir
35 die weil das ich das leben ban ^^^|
die weil ich eilend t bin*
biß an das ende mein. ^^^|
E$,: 5, geproBen, 17, sne mir kheren.
DeuUebe Texte des Mltteljüterf V
^^1
98 XC. XCI.
1582 A 57: / 1 n. 2. verlangt, da. 3. das ist der liebe ein anfang. 4. recht so dz.
5. Entsprossen aus des meyens schein. 6. mit so manchen. 7. des hat sich ein jangfraw
fein. 9. diesen. II (=» Hs. 3) 5. Damach setz ich all mein gedancken. 6. beyde tag.
7. darnach gehe ich so. 8. nimmer zu lang. 9. sie schawen mag. /// (= Hs, 2) 1. Roter
färbe der hab ich leider viel. 2. brent mir mein. 3. das sie das nicht. 4. sicher schmerz.
5 — 9. Das sagt ich jr yon hertzen gern, ach möcht ich bei jr sein, ich hoffe das sie ja
schier jr junges hertz kehr, wo ich im elend bin. IV h Blaw bistu lieb von mir gewert.
8. wüst ich. 4. solte. 5. han. 7. dienste stehen. 8. dieweil ich das leben hab. 9. ans.
5. Qrawe färb bringt mir pein 6. Gelber färb hat sie mich vennant,
mit seufzen und auch mit klagen, da sie mir begegnet die seuberliche,
also ich ein trüblichen schein ich sehe sie gern, hat sie erkant,
in meinem herzen trage. das macht mich freudenreiche.
Das sie solchs nicht erkent, Sie bot mir jren roten mund
mein meiden bringt mir pein, meins leids [/. leides ich] vergas,
mein herz jr manchen seußsen send, ich dankte jr zur selbigen stund,
ich hoffe es werde schier ein end, mein herz in großen freuden stand,
das ich bey jr möcht sein. da ward mein sorgen ein end.
7. Schwarze färb mich erschreckt,
es mns ein scheiden sein,
all meine freude hat sich bedeckt
unter jrem finstern schein.
Gott gesegen dich lieb zu aller zeit,
scheiden bringt mir die gröste pein,
tag und nacht denk ich mit fleis,
wo ich bin fem und weit,
vergesse ich dein nimmermehr.
ffs. 1574 Nr. 10, 1575 Nr. 52 u. s. w.
Oörres S. 39; Mittler S. 524 Nr. 697.
[9L] Ein ander liedt.
1. Ach du heimliches leiden, lö darumb, herz lieb, so bitt ich dich
wie krenkstu mich so hart du wölst nit vergessen mein,
das ich dich, schons lieb, mus mei- so wol mag es nimer erghon,
den! herz einiger trost, gedenkh daran:
auf mich halt niemandts kein acht, kein lieberer mensch ich jhe ge-
5 seidt das ich hab verloren wann.
den herzallerliebsten mein:
für war es thutt mir zoren —
ich hett mir in außerkhoren —
[82i>] 3. Das ellendt muß ich bauwen,
21 du mein aufer weltter schätz,
^ . ^, . , , . so solt es mich nit reuwen,
der mem, der fem fhert gar dahm, ^.^ ^^^^^^^^ ^.^^^ ^^ j^^^^j
mich wundert das ich so fröhch bin. ^^ ^j,^ ^^^ ^^.^^^^ f^^^„^
2. Mitjamer und auch mit Schmer- 25 das thutt mir im herzen whe,
zen du wilt von hinnen faren,
muß ich mich von dir scheiden, herz lieb, laß mich dich erbarmen,
das ich auß grundt meins herzen ich förcht ich sehe dich nimmer
erbarmen möcht einen beiden; mher.
xci. xcn.
4. Hett ich das gluckh und einen wuntzsch,
30 nit mher wolt ich begeren,
so beger ich weder gelt noch guelt»
allein dein freundiiehs zue mir keren;
so mag es leider nit gesein:
jhe grossere liebi jhe schwerere pein!
35 darumb muest ich in trauren slhenn
und wirt mir mein leb tag nit verghen,
seit ich dich, schons lieb, mueÖ faren Ihon.
A.; 7* lorn. B eu streichen. 32- ker,
Ht. 1674 Nr. 3: iL heimltcbs- 2, krenckestti. 3. feines hib. 4. niemandt achi*
5« seindt. 6> die hertzallerilebate mein. 7. vurwar es mich zuraenn, 8 fsliii. 9. die
mein die fein die fart dahin. // 2, Moe£S iah mich ach ei denn Ton ihr. 3. das sich vou
gnxndt Beines hertzann. 4^ ein heidt. 5, femea lieb eo pitt^ 6, wo II es nimmer yergeasen
mein. 7. bo woll kan oder magh es mir nit gahttn. 9. lieber. /// 3. Noch soll, i-awenn*
4. krenckesthu. 6. thttedt mir im hertzenn wehe, S. der Hebe Gott wilt dich gespaerenn,
9i ich froechte ich. IV L Het ich nn daa gluck vnd einen wünsch- 3. bgert. 4. dan
allein dein frenndtlich zn mir kehren, 5, so kan oder magh es nit anders sein. 6. wie
groesser leih wie schwerer pein. 7 — 9, därnm mein hertz in trawrenn muß stahn, VDod kan
mir nimmer ? er gähn, dweil ich dich feine lieb muce fahren laen.
FL BL Yd 785Ö St 2 Zehea Sehflner Lieder, Augfpurg, bey Michael Manger (o. J.). Das
eibeüdt Lied, du vil heymlicha lejden, wie mÄChst mir mein Hertz so ichwer , , * 4 mk-
ffletclie Sir. I su iO Zeilen^ deren achiei Ich het mir jhn «ußerkorea» II mu 8 Zeilen ^ Nt. 2;
Z. 6 fehU, III 2u 8 Z. = Ih. 4; Z. 8 fehlt IV zu 7 Z. = Ei, 3\ Z. 6 u. 7 fehlen.
Gorru S. ISO.
[92-] Ein ander liedt
1, Wjls Gott, so gescÄlchts, den
reumen [83»] hab ich,
den los dir, herz lieb, wol gefal-
len,
dan du allein der bist
den ich ohn alle arge list
6 lieb hab vor den andern allen;
das glaub ohn reu,
irags keinen scheu
in züchten und in ehren;
möcht es gesein,
10 herz aller liebster mein,
nit reiher wolt ich mich begeren.
2* Wils Gott, so gescAiehts — herz
lieb, ich bitt dich;
las dir es ga« zu herzen;
dan Gott allein der ist
16 ohn alle arge list
mit dem man nit soll scherzen,
er beschert und wert,
es gefal gleich wem es wolle;
darbey laß ichs bleiben,
20 dan du siehst
das du mir bist der liebst,
thue ich dich über meinen reimen
schreiben.
7*
100 XCII-XCIV.
3. Wils Gott, so gescAichts, herz lieb, dein will ich
in ehren stetts bleiben,
25 dann du allein der bist
dem ich zue aller frist
mein herz [88i>] gib gar für eigen;
wen das erkhenst
was ich dir gmidt,
30 du liest dirs wolgefallen;
damit du siehst
das du mir bist der liebst,
trag ich dir ein schwarzes kleidt zu gefallen.
J7«.: 1, 12 o. 23. gesiebte. 13. gantz zu.
[93.] Ein ander liedt.
1. Gar herlich kam gegangen 2. Er hatt sich hart zerbrochen
ein graff, war wol gethonn, dar alte growe man,
er war nit schon empfangen, die junkfrauwen thetten sprechen:
man sach in gar linkh ahn, lo ^was fangt der alt Joseph an?
b man wolt sein nit, wol, man möcht mir wollen sein nit, mir möchten
sein nit, sein nitt,
damit schiedt er von dann. schafft in nur baldt von dann!'
[84»] 3. Es thett in sher verdriessen:
'ach Gott, was fang ich an?'
15 er thett bey im beschliessen:
'nun wil ich heime ghan,
man wil mein nit, man mag mein nit,
mein Maria mueß mich han.'
Oörres S, 139.
[94.] Ein ander liedt.
Ich hab mein sach zue Gott gesteltt,
der machts aller wies im gefeltt,
dem thue ich mich ergeben;
mein seel, mein leib, mein ehr und guett
erheltt Gott stetts in seiner huett
hie und dortt zum ewigen leben.
Dasselbe Lied noch einmal vollständig in 6 Strophen oben Nr. 7.
^^^^^^m 101 ^1
[95.] Ein an
der liedt* ^^H
1, Ich hat» mein herz zue friden
4, Weichstus von mir, rechs Gott H
gestelt, ,
ann dir, H
hab mir ein feins meidlein auferwelt,
weichstus von mir, rechs Golt an dir H
kein man soll toirs nit nemmen,
noch seinem göttlichen gefallen — H
und kum ich über die Ihaussent
wie wol man findt vil schöner ^^H
meil,
khinndt, ^^H
5 tröst mich Gott in meinem elende.
20 liebst mir doch ob in allen, ^^H
2. Ich gieng mir in ein stubelein
5* Noch treuer sitt ist ietzett H
klein.
mein bitt, ^|
darin [84^] das was die lieb allein,
noch 185*1 treuer sitt ist jetz mein bitt : fl
wolt frundüch mit mir khossen,
du weist nit von mir weichen — H
do bandt sie mir ein krenzelein
wie wol es jetz die zeit nit geit ^^H
10 von feil und rotten rossen*
25 das ich kan bey dir bleiben.' ^^^
3. Ich nam den kränz an meine
6- Wol auf, wol auf, geluckh und fl
hant,
heil! ■
ich gab ir mein treu zu einem pfandt:
ich hab wol uberkhnmmen mein H
von ir wolt ich nit weichen:
theil — H
*weichts du von mir, rechs Gott
gluck zue, gluckh zue mit freuden! H
an dir —
hab mir ein feins lieb ausserwelltt, H
16 man findt noch wol deins gleichen.
30 kein man sol mirs nit erleiden* ^^H
h. II S. 669 Nr, 8GB, ^^H
GGrru 8.42-, Bokm, iAaderk Nr. 231-, UetUr
Bersr. 1574 11 i! mä ähnlkfam Beginn ein an^e^ Ued. ^^H
[96.] Ein an
ider liedt. ' ^M
L Herz einiger trost uf erden,
2. Eins tags hab ich mich ver- H
verlangen thuett mir in meinem
messen, ^^H
herzen whe,
herz aller [B5^] liebste mein, ^^H
verdrossen wil ihs werden,
10 mit grosser lieb was ich besessen, ^^H
kein trost ich hab auch nimer
das schafft allein ir rotes mundlein H
mher
das freundlich gegen mir thuett H
5 seit daß es mueß gescheiden sein
lachen, H
von Iren braunen euglein klar:
ich bott ir ganz freundlich einen grus : H
ein bösses kraut hatt mich, hatt
ich hoEF mein Zuversicht sey noch, ^^H
mich verdrungen ghar.
sey noch nicht gar umh siists* ^^H
102
XCVI- XCVIL
15 3. Das meidlein waß bedrubet sere
auß lieb des jungen knaben fein,
sy sprach: *far hin, das dich der
liebe Gott beware
weil du nit lenger bleiben wilt;
von dir mueB ich mich scheiden
20 so gar in schwerer pein,
dan du nimbst mir mit dir das junge,
das junge herze mein.'
[86*] 4. Und wher ist der aaB das
liedlein sang,
von neuwem hatt gesungen?
das hatt gethon ein edelman,
26 em hubscher und frummer,
er hats ganz wol, ganz wol bedacht,
er hatts ganz wol bedacht,
Gott geh im heindt vil hundert, yil
hundert thaussent guetter nacht
H$,: 11. rechtes.
H$. 1568 Ik. 13 II. $. w.
GSrra 8. 128.
[97.] Ein ander liedt.
1. Glucl&selig ist der tag
der mir das glickh verkündet hatt —
Gott hatt geholfen mir
daß ich bin wider khummen zu dir.
5 2. Ich dankh der stundt,
darzu, feins lieb, deim rotten mundt,
die antwort gabstu mir zue handt
die mir und dir, herz lieb, ist wol-
bkhandt.
5. Halt stett ann Gottes wort,
das bitt ich dich, feins meidtlein zart,
bedenks wol, halt drey bey mir —
20 wilß Gott, ich kum baldt zue dir.
an
6. Ach du mein edler schätz,
an dich gedenkh ich tag und nacht,
ich khan deiner vergessen niht,
mein herz hatt sich zue dir ge-
richt
3. Die frag mich nit gereut, [87*] 7. Kern ich von dir
10 wie wol doch sint [S6^\ vil bosser leut 26 und du, herzigs lieb, von mir,
die mir das gluck vergunnen dun, so gib du deinen willen drein
die miessen den schaden han. und laß mich dir befollen sein.
4. Halt stett und rein,
vertrau Gott und vergiß nit mein
15 so lang biß Gott schickht die zeit
die mich und dich, herz lieb, er-
freudt.
8. An dir verzag ich nicht,
30 darumb hab ich dir das liedt gedieht,
zu einem neuwen jar hab ichs dir
gemacht
und wünsch dir vil guetter nacht
ffs.i IL yer-; sodann durchstrichen: khundett hatt {vgl. Z. 2); sodann: gannen; yergnimeii
hier «= mißgönnen.
1582 A 95:
1. Selig ist der tag
der mir dein liebe yerkttndiget hat —
der liebe Gott hat geholfen mir,
herzaUerliebste, zu dir.
5 2. Ich bedanke mich der stand,
darzu, schöns lieb, deinen roten mond,
daraus du mir antwort gäbest bald,
wie es mein junges herz von dir haben wolt.
XCVII- XCVllL
103
3. Mkh diese frage nit gerewt,
10 wiewol auch viel sind der bösen leut
die uns solch glück doch gönnen nicht,
schad nit, s^höns Heb, ob mire und dir
auch geschieht.
4. SchÜn hin ich nicht,
das weietUf schöne lieb, sicherlich,
15 doch seind wir einönder von herzen
hold,
die liebe geht für silher und rotes gald.
5. So halt dich steht und fray,
förcht Gott und he war dein ehr da-
bey,
bleib &om und getrew bey mir^
20 ich wÜ bald wider kommen zn dir*
6, Ob ich gleich jetzund acheid von dir
und du herz allerliehsfee von mir,
fio weis ich doch das widerkomman macht
das ich und du, schöns lieb, kein achei-
den acht.
25 7. So halt dich steht und frey,
fBrcht Gott und he war dein ehr dabey,
bis das der Uebe Gott ^hickt die seit
die mich und dich, schöna Heb, in ehreu
zusammen bereit,
8, und der uns dieses Uedlein sang,
30 ein frey er buch druck er Ist ere genau dt,
er hats der allerliebsten zum newen jar
gemacht,
aide, achöns lieb, zu tausont guter nacht.
A. UeS Nr. 69, 1S7S Nr. 3 u» #. w.
Vgl. m, Nr- 185 ujUm, 7 Sir.
DU beiden Berimer Handschriften v. J. i^68 u. 1575 enUprtc/ien sieh mit je 8 Strophen sowohl
nach Reihenfolge wie Wortlaut recht genau. Sie sÜmmen auch £u der Heidelberger heiser als die
Fmmng ^tm 158 2 A. Doch iieh» in der Hmdelherger die Stropimi der Berliner NandechrifUn m
der Folge 1—3, 5—7, 4, 8,
Hi. 1515 Nr.Si
1. Salich ist der dach
der mkh das gluck vorlenet hatt
und hatt geholfen mir
daß ich, herzlieb, byn kommen zu dir,
5 2. Ich danke der stundt,
darto deinem rosenfarueden mundt,
die anthwurth gab sie mir zuhandt
die dir und mir sein wol bekant.
3* Der frage mich nicht gereuwet hatt,
10 eß seind doch viell der boaeu leuth
die mir sukh galuck vergunnet hau
und mußena doch selbst schon wen ahn.
4. Ob leb nicht byn stedeß bey dyr
und du herselieb bey myr,
15 so gyb deinen willen darin
und laß eß Gott befbten sein.
5« Bleib fromb und frey,
fruchte Godt, beware dein eher dabey,
beß daß Gott lehicket die zeit
30 die dir und mir große freude gibt.
6. Halt fest ahn Gotts wordt,
daß hitt ich dich, mein höh est er hordt,
bleib fromb und treuwe bey mir,
ich will bald widerumb kommen zu dir.
25 7. Ach du mein edler schätz,
ahn dir gedenk ich dagh und nacht
und kan deiner vorgeßen nicht,
mein herz haet sich zu dyr vorpflichtt.
8^ An dich vortzage nicht,
30 darum b hab ich diß leidt gedieht,
zu einem neuwen jhar gemacht,
adde, heriilieb, tzu guder nacht.
[98.] Ein ander liedt
L Frolich bin ich auß herzen
grundt;
wan du, schöns lieb, bist frisch und
gesundt,
freudt sich mein junges herz;
wanns dir wolgieng zue aller zeit,
5 wher mir im herzen ein grosse
freidt.
104
XCVIIL
2. So es dir aber nit ghett
wol,
so ist [87i>] mein junges herz trau-
ren vol
und krenkht mir mein gemiet;
wan dir mein trost behilflich wher,
10 glaub mir khein weg wher mir zue
schwer.
3. In treuwen ich dich herzlich
mein,
auf erden sol mir kein lieber sein,
kher dich, schönns lieb, zue mir,
sprich mir von herzen freundtlich
zue,
15 so wirt mein herz gestelt zue rhue.
4. Gese/^icht es nit, so gereuets
mich
das ich mich hab gestelt so freundt-
lich
gegen dir, schons lieb, alle zeit,
mein ho£fhung ist dir heimgestellt,
20 eins bitt ich dich, wans dir gefeit.
5. Schonns lieb, die hoffnung
zue [88A] mir liab,
laß dich, schons lieb, von mir nit
scheiden ab,
glaub du den klaffern nit,
sie reden vil auß haß und neidt —
26 ich bitt dich: solcher geselschafft
meidtl
6. Wirstu die falsche zungen
meiden,
uff erden sol uns niemant scheiden —
laß reden was sie wellen!
und solt mir das mein freundtschaffl
weren,
30 wurdt ich mich wenig an sie kheren.
7. Rhein andere mir baß gefallen
thuett:
sagt mir mein herz und eigen
dein eigen wil ich sein, [bluett;
auch bey dir sthen in angst und
notth,
36 biß unß scheidet der bitter todt
8. Beut mir auch dein sehne weisse handt,
[SS'»] mein herz setz ich dir zue pfandt
das ich dich herzlich mein;
so du mir von Gott bist bescliertt,
40 will ich dich halten lieb und werdt.
Hs.i 16. Gesicht.
1582 A 81: / 2. so du. 4. Wenn dirs. 5. wer mir hertz lieb ein große freud. // 1 — 3. So
dirs aber nicht gehet wol, macbstu mir mein hertz trawrens vol, and krenckst 4. Und
wo dir. /// 1. hertzlieb. 2. mns mir kein liebere. 3. neig dich freundlich zu mir. IV 1, ge-
rewts. 2. das ichs gemeint hab so hertzlich. 3. allzeit 4. sey dir. 5. so dirs.
V (= ffs. 8) 1. mir deine. 2. hertz geb ich. 3. hertzlich lieb. 4. So du feins lieb mir bist
beschert. VI {= Hb, 5) 2. las mich von dir nicht. 5. solche gesellen. VII (= Hs, C)
1. Wirstu falsche. 2. sol uns schons lieb niemands scheiden. 3. sie reden. 4 u. 5. Und
wenn mirs gleich mein freundschafiPt wolt wehren, würde ich mich wenig daran kehren.
VIIL Mein herz dir ist ganz offenbar,
glaub mir, schons lieb, denn es ist war,
was ich jetzt singen thn.
Ist dein gemttt wie ich gern wolt,
so bist du mir von herzen hold.
XCVIII. IC.
105
IX (= Hi, 7) 1. Kein auf erden mir. 2. da bist mein hertz nnd einiges blut.
wil sein. 4. und dir beistehen. 5. bis mich yon dir scheidet der todt.
3. ich
X Glaub mir, schöns lieb, bis unverzagt,
die warheit hab ich dir gesagt
und dir mein herz bekandt.
Ich kann dir geben keine schuldt,
wenn ich gleich jetznndt sterben solt.
XL Herzlieb, ich bit dich freundlich:
erzeig dich gegen mir herzlich,
thu mir auch offenbaren.
Dein herz und gemüt mir nit verhalt,
so du wilt, erfrewestu mich halt.
XIL Also beschleust mein junges herz,
halt es, schönes lieb, für keinen scherz,
ich habs gedieht mit fleis.
Ohn aller menschen hülf und rath,
bewar dich Gott.
Hb. 1575 Nr. 67 v. s. w.
[99.] Ein annders lied.
1. Ach hilf mich leid und sent-
lich clag!
mein tag 25
hab ich kein rast,
so fast
5 mein her^:
mit schmerz
thuet tringen, 30
ringen
nach verlorner freud.
10 Wiewol ich besorg es sey umb
sonst 35
mein gunst
den ich imm trag,
doch mag
ich nicht
15 mit icht 40
verlaSen,
haßen
um umb lieb und leyd.
Ich arme metz 45
80 setz stets
mein syn in gros gefar;
zwar gar
entbrindt,
rint
dise treuw
neuw
aus edler art;
hart ward
mir nie so wee:
gee, stee,
schlaff oder wach,
gemach
hab ich nicht;
ficht, dich^
wie ich
mich
halt,
baldt
zu erwerben,
erben
sein gnad;
mein schad
und schu;er
wer
noch ein scherz;
herz
liebster gesell,
stell
106
IC.
wider her,
50 ich beger
nit mer
dan dich
freüntlich
zu truckhen,
55 schmuckhen
an mein brüst,
als etwo was deines herzen last.
2. Mein kleglich bit dich raizen
soll,
wiewol
60 mein schön ist dein,
doch kein
mit zier
thuet mir
gleichen,
65 weichen
mues sy meiner gunst.
Schön nimbt von deinem wer
ein endt,
behent
geschwindt freüd und muet,
70 dann thuet
die treuw
noch reuw
sich lenden,
wenden
[89*] aus der liebe brunst.
*
76 Zir, gunst betracht,
lacht, wacht
und liebt, eylt, sterkht, und kraft
schafft, strafft
80 und treibt,
bleibt
onverzagt,
wagt
alles ungevell;
85 schnell, gsell,
dasselb bedenkh,
lengkh, senkh
dein herzlich gir
schier
90 her an mich,
sprich: ich
bin dein;
mein
blüet
95 wüett,
will ergetzen,
setzen
dich aus pein,
laß sein
100 dein klag,
frag
weiter nit,
bit
eines ich
105 dich,
mein höchster hört,
dein wort
bedort
mein syn,
110 ich brinn
yetz täglich
kleglich
ubermas,
inn treuwen ich dich nymmer laß.
115 3. All dienst an mir findest un-
gespart,
kein fart
mich nie beschwerdt,
wie hart
sye ist;
120 du bist
der eren
merew
kan weiblicher zucht.
IC
107
Ich eilend meyd ich bit dich eins,
125 sonst kheins
ich jetz beger:
gewer
das ich
mög dich
130 mit freüden
weiden
inn der liebe frucht.
Gunst du mir das,
bas was
135 mir nie dieweil ich lebt,
schwebt, strebt
und facht
nacht,
tag und stund,
140 grund
deiner lieb zuhan;
dan wan
ich nimmer bleib,
treib, schreib
145 on underlaß,
das
hilft mich dein;
kein weinn
noch klag
150 mag
mir
schier
yetz verkheren,
wören
155 diß ellendt;
gsell, wendt
dich umb,
kum,
jag und eyl
160 dieweil
ich bin
in
lebens frist,
sonst ist
165 khein list
der mich
on dich
mög sterkhen;
merkhen
170 ich das kan —
mein herz dir aller eheren gan.
Hi. : 5. hertzt 15. jr. 26. neuw fehlt, 29. nie fehlt. 34. dich. 43. schmertz. 76. zu.
104 u. 105. Ich dich eines. 122 u. 123. merer kein. 124. eines. 125. kheines. 141 u. 142.
zn-hand an. 148. weinen. 152. schier fehlt, 162. ins.
A. V, Aich Nr, 22: {!) 7 u. 8. th&t rjngen, dijmgen. 10. bsorg. vmb snnst. 12. iem.
14 n. 15. ich nicht mit icht 18. in ymb lieb noch leid. 21. in grosse gfar. 23. embrint.
25 o. 26. djse trew, new. 29. mir nie so wee. 32. gmach. 34. dicht. 41. genad. 43. und
schwer. 47. gsel. 50. ich ger. 54 u. 55. znschmucken, tnicken. 57. etwan was deins.
(//) 64. geleichen. 66. kunst 67. Sch^n njmbt von kleinem we ein end. 69. gschwindt.
72. nach rew. 73 u. 74. sich wenden lendenn. 76 n. 77. Zir ganst betracht, lacht, wacht.
78. vnnd liebt, lebt, sterck vnd krafft. 84. alß vngefel. 103—106. bitt ich dich eyns, mein
höchster hört
(///) 117. mich nit beschwert. 118. wie ^ert. 122 a. 123. meren kan weiblicher zncht.
124. Ich eilend meid dich bit vmb eyns. 125. sanst keyns. 130. in freiden. 141. deinr
lieb zehon. 142. on won. 148 u. 149. keyn, weyn, noch klag. 150—153. mag mir jetz ver-
keren. 162 u. 163. in lebens frist.
VgL Ooeddte, Grundriß m S. 27-, 8. 26 Schöffer 1513,
Finde 1536 Nr. 43 m 2 Str. — Iheinia 1542 Nr. 55 nur d, erete Str. — Foreter V Tenor
Nr. 22, Vagans Nr, 20 nur d. ente Str,
108 IC C
FL BL Yd 7S21 {Emhamd v. J. 1539) 8l 2 Zwej schöne lieder. Das | ent. Von einem
MtUner vnd Mfilnerin. | Das ander, Ach hilfT mich lejd sc (Bädcken. 4 BL 8* o. O. m, J.
Rucks, des letzten BL leer.) 2 m 3 d. Es. aUspr. Sir. — Yd 9562 Ein hfipech new Hed ge- 1
nant. Zucht eer vnd lob. | Ein ander hfipsch lied. Ach hilff | mich lejd vnd sentlich dag.
(Biidchetu^ 4 BL 8* o. 0. «. /. Ricki. des letzte» BL leer.) 2 m 3 emtspr. Str. Das erste Lied
s. Es. Nr. 204. — Wemar, Sammdb. St 31 Drej schöner lieder. Das | Erst, Ach hiklff mich
leyd . . . Nürnberg, Konegond Hergotin o. /. 3 entspr. Sir. Darm an zweiter Stelle Nr. 21 d.
Es. — Zwickau, Sammdb. XXX, V, 20 SL 14 Drey Schone lieder o. 0. u. J. 1. Ach hiUff
mich leyd ...3 entspr. Str. ~ Aus einem Samme&ande der Darmstädter Eoßibliotkek nterkt Äddf
Schmidt im CeniralbL f. Bi&lwtkAsw. 12. Jahrg. 1895 S. 125 einen Sanderdruck an, der asta einem
offenen Blatte besteht und außer dem Uede Mag ich vnglück nit widerstan (Wadum. III S. 120
Nr. 159; vgl. Es. Nr. 174 unten) die erste Strophe des Liedes Ach hnlff mich lejdt enthält
Es. des Martin Ebenreutter von Würzburg 1530: Berlin Mgf 488 BL 330^ das Lied it^ 3 entspr. Sir.
Es. der Eerren von Edmstorff 1569/75 Nr. 35 in 3 entspr. Str. — In der zweiten AbieOung
dieser sdben Eandsehrift stdU als erstes von zehn geistlichen Liedern eine Umdichtung m geistlichem
Sinne.
Oegsäiche Lieder^ Leipzig, V. Babst 1545 Nr. 49 Ach hilff mich leid. Geistlich« Adam yon
Fulda. 3 Str.
Gorres S. 46; Wackemagd, KirehenHed 1841 S. 8U; II {1867) S. 1081/2 Nr. 1314/5 ; R. o. LUien-
eron S. 167 Nr. 51.
Bartsch, Beitrage z. Qudlenkunde d. altd. La. {1886) S. 366.
[89b] [100.] Ein annders lied.
1. AchGott, wie weethuet scheiden 15 3. Das blüemlein das ich meine
aus meines herzen grundt! das ist von edler art,
so trab ich über die beiden ist aller tugende reine,
und trauwr doch zu aller stundt — sy hat ein mundlin rot^
5 der stunden seind also vil, ir hend sein hüpsch und fein;
mein herz tregt heimlichs leiden, 20 wann ich an sie gedenke:
wiewol ich oflTt frölich bin. wie gern ich bey ir wolt sein!
2. Ich het mir ein gärtlen ge- 4. Sollt ich mich meins bulen
bauwen verwegen,
Yon feyhell und grönem klöe, als doch mancher thuet,
10 der garten ist mir erfroren, sollt füeren ein frölichs leben,
thuet mir in meinem herzen wee, 25 darunder ein letchtm muet:
ist mirs erfroren bey Sonnenschein: so mag es leider nit gesein,
ein kreutlein ye lenger ye lieber, gesegen dich Got von herzen:
ein bläemlein vergiß nit mein. es mues gescheiden sein.
Es.: 2. meines fehä. 14. mein nit IB. Ues: zart 25. ein leücht mit mnes.
Forster III {1552) Nr. 18: I 1. wehe. 2. hat mir mein herts verwandt 3. dheyden.
4. trawr zu. 5. stunden der seind. 6. heimlich. // 1. Het bawet 2. yon yeyl.
C, CL 109
3. ist mir zu frü erfroren. 4. thut meinem hertzen wehe. 5. mir erfrom. 6. kraut je.
7. yergiß nit mein. /// 4. jhr mündtlein das ist zart. 5. jr euglein die seind hüpsch vnd
fein. 7. so wolt ich gern bey jr sein.
/F. Mich dunckt in all mein sinnen,
vnd wann ich bey jr bin,
sie sey ein Eeyserinne,
kein lieber ich nymmer gwin,
hat mir mein junges hertz erfrewt,
wann ich an sie gedencke,
verschwunden ist mir mein leydt
V 1. Solt mich meins bulns erwegen. 2. als offt ein ander thut. 3. füm. 4. dazu ein
falschen mnt. 5. das kan ynnd mag doch nicht gesein. 6. gesegn. im hertzen. 7. es
soll vnd muß . . .
FL Bl. Yd 9661 Ein Sch6n New Lied, | Ach Gott wie wee thut scheiden. | Ein ander
Lied, Groß | lieb hat mich ymbfangen. | Noch ein ander Lied, | Vor zeiten was ich lieb | ynd
werd. {BildtAen. Am Schluß-:) Gedruckt zu Nürnberg, durch | Friderich Gutknecht. (4 Bl. 8^
o. J. Rucks, des ersten u. letzten Bl. leer.) 1 in 4 Str. /, //, IV entspr. Es. i, 2, 4. III entspr.
Forster IV. Vor zeiten s. Hs. Nr. 53,
Wunderhom I {1806) S. 206; Qorres S. 43; Erk-Irmer ff. II S. 42 Nr. 43; ühland Nr. 67;
Simroi^ S. 253; Mittler S. 534 Nr. 718; Qoedeke-Tittm. S. 70; R. v. LiUencron S. 355 Nr. 124;
Böhme, Liederb. Nr. 262; Liederh. II S. 551 Nr. 746.
[101.] Ein annders lied.
1. Ach Gott, wem soll ichs kla- 2. Dannocht willich nit yerzagen,
gen 10 ob ich gleich ellent bin,
das ich ganz elent bin? zu Got will ich hofnung haben
mein herz will mir verzagen der mir freud [90*] und glückh ver-
wann ich gedenkh dahin, gunt;
6 denkh an das heimlich scheiden — er hat ein garn gestellet,
wee der großen noth! er hats gestellt zue hoch,
des gschicht wol under uns beiden, lö hat er sich selbs darein gefeilet,
vil lieber wer mir der todt. weis ers nit, so erfar ers noch.
3. Dein treuw hastu mir geben,
herzallerliebste mein,
ein aid hastu mir gschworen
20 du wölst keins andern sein,
ein aid hastu mir gschworen
du wölst keins andern sein,
mein treuw ist an dir verloren,
ich setz mein willen nit darein.
ffs.: 6. .0 fehlt. IL Kes: tragen. 12. lies: vergün.
110
CI. CIL
m. 1568 Nr. 38:
1. Ach Gott, wem sali ich clagen
das ich im ellendtt bin?
mein herz will mir verzagen
wan ich gedenk an sie,
es gahett sich an ein scheiden —
wee der großer noth!
geschieht eß zwischen anß beiden,
des erbarmen dich, Gott!
2. Ach zarte junkfrawe reine,
10 bedenk dein stettigheit^
in trewen ich dich meinen,
mein herz ist dir bereit,
auf dich han ich gebauwet
wie off einen harten steinen grnndt,
15 mich en kan keinen weib erfrewen
dan, lieb, dein rottermundt.
3. Nu mach ich auch woll sprecken
und redden auf meinen eidtt,
mein herz will mir zubrechen
20 von liebden und auch vonn leidtt,
ich hatt sie außerkoren,
sie achtt eß werlich klein,
mein dienst hab ich verloren —
B8.: 5. ein fehlt, 21. sein außerkorenn sie außerkorenn. 23. Schluß fehU, 24 fehä.
Vgl München, Cgm 810 (jetzt Mus. Mi. 3232) Bl. 125: ZUchr. f. deutsdie PhUol. 15, 105.
Mone, Anzeiger 7, 240; Mittler S. 513 Nr. 676; Böhme, Liederb. Nr. 208\ Liederh. II S. 300
Nr. 478 c.
[102.] Ein annders lied.
1. An liebs brüst
nach herzen lust
lag da mit armen umbfangen
ein junger knab,
5 nach herzen lab
dorst in damit verlangen;
das hat er vil,
nach allem will
ward im gar nichts versaget,
10 keins leids gedacht
die ganzen nacht,
bis das es doher taget.
2. Das freüwlen sprach:
Mu schnöder tag
15 willt uns vil freüden zerstören;
herz lieb, lig still,
das ist mein will,
bis das wir thun erhören
des Wächters stymm
20 der uns mit grymm
vil freuden thuet vertreiben,
mit seiner sag
verkündt den tag
und bringt vil laid und leiden.'
25 3. Er sprach: 'schön frauw,
die zeit ist gnauw
die wir noch für uns haben;
bueler und dieb
die nacht vast lieben,
30 bringt inn vil manchen schaden;
des tages glast
bringt schaden vast
denen so ligen bey weyben —
wie mir ist wol,
35 dannocht ich soll
mich hynnen in zeit thuen schei-
den.' —
CIL CIII.
111
4. *0 edler bort,
dein gschwinde wort
möchten mein herz zerbrechen;
40 ich bitt, bleib noch
ein dein zeit doch
bis der tag thuet herbrechen;
der hundt nit bildt,
die gans nit schult,
45 die schwalben thun nit schreien,
nach irem syt
hört man sy nit,
der wechter thuet slylschweigen.' -
6. Darunib, schön frauw,
denkh selbst mid schauw,
man mir und dir daran liget,
dein zucht und eer
65 zwingt mich vil seer
und macht vil hefiftig wigen;
soltus, mein bort,
ein schnödes wort
also durch mich erwerben,
70 das wer mir leid —
bey höchstem eyd,
vyl lieber wollt ich sterben.' —
[90^] 5. 'Viel lieber ich wer
50 dann dein beger
stettigs bey dir an wenkhen,
des klaffers dickh
treibt böse stückh
mit seinen schnöden gedenkhen,
55 macht vil leüt irr;
daßelb brist mir,
kein mue sollt mich verdrießen
zu dienen dir
nach deiner gir,
60 ich hoft wolt sein genießen.
7. 'Mues es dann sein
das ich mich dein
75 zu diser zeit soll maßen,
so bitt ich ser
die widerkher,
die wölst nit underlaßen —
inn kurzer zeit —
80 sonst mein herz bleibt
in trauwren bis an mein endo,
wann Gott und dein
will ich ewig sein,
bis mirs der todt thuet wenden/
Es,: 2. hertz ein. 9. versagt 12. er. 24. hdb beiden? und meiden?
fehlt. 80. leit (= liegt) zu lesenf 81. endt.
Qorres 8. 112,
hört. 78. nit
[103.] Ein annder lied.
1. Aus argem wahn
so heb ich an
ein freuwiin zubeclagen,
ich seäftz und dag
5 das ich mein tag
nie liebers hab verloren,
das dag ich seer
ye lenger ye mer
das ich dich lieb mues meiden,
10 bringt meinem herzen leiden,
das dag ich dir,
darumb, herzlieb, so hilf du mir.
2. Hilf mir, herzlieb, aus solher
noth,
gib mir, herzlieb, dein treu wen rath;
112
CHI.
15 es kombt mir vil
das ich nit will,
es kombt mir hart
das ich erwart,
es kombt nit her
20 das ich beger;
ich bin ellenndt und ganz un- [9i*]
wert,
villeicht es sich nit bald verkert,
vor grossem leid so mues ich ster-
ben.
3. Gründe meine wort,
25 jungkhfreuwlin zart,
die weil ich dich mues meiden;
klag sohnn und mond, klag laub
und gras,
dag alles das der himel beschlos.
clag roßten fein,
30 clag khleine waldvogelein,
klag blQemblen uf der heide,
klag auch der schone wolgemueth:
ach Gott, wie wee mir scheiden
thuet!
4. Selbst will ich sein
35 der tröster mein
dieweil ich dich mues meiden;
reut mich der weg
und auch der steeg,
mein treu wer dienst, dieweil ich leb;
40 nun kans und mags nit änderst ge-
sein,
kanstu, herzlieb, nit halten mich,
so wollen wirs lafien rauschen,
kanstu wexeln, so kann ich tauschen.
Es,: 9. maes fehlt, 17. er. 42. rauschen laßen.
1582 A 162: 6. hab ich verlorn. 9. dich mus. 10 u. 11. bringet mir es schweres leiden,
hertz lieb hab das klag ich dir, dammb so hilff da mir. 13. aus aller solcher noth. 18. des
ich nit wart. 19 u. 20. es kompt mir nit her, des. 22. vielleicht das sich nit gantz verkehrt
24. Grund. 31. hejden. 32. klag auch die braune wolgemut 33. wehe. 35. dein. 37. reut
mich die müh. 40. Nun kan und mag nit anders sein. 43. wechßlen.
F. Schabab bin ich [L Ich bin schabab]
unwerder knab,
han in das blat geschossen,
leit mir nit dran,
kom ich auf die bahn,
das ich jetzt nach mus lassen,
wenn es ist jetzt der frewlein sitt,
zween ander hat sie auch darmit,
dem dritten schlegt sies auch nit ab,
das schafft das ich bin worden schabab.
FoTiter V 12 {vgl. 4:i) Md, u. d. erste Str, Aletnannia I S, 49 Nr. 43,
Fl. Bl, Ye 71: Fftnff Schöner | newer Lieder. | 1 Auß argem won . . . | 2 Mein feins Lieb
ist von Flandern, tc. \ 3 Ach Mejdlein rein . . . | 4 Rosina . . . | 5 Wer ich ein wilder Falcke, 2c.
(Büdchen. Am Schluß:) Gedruckt zu Nftmberg, | durch Valentin | Newber. (4 ßl. 8^ o, J,) 1 in
6 Str, entspr. 1582. Vgl zu 2 Nr. 46, zu 3 Nr. 43, zu 4 Nr, 82.
Basel, Sar. St. 46, verstümmelt (3 Bl, TUelbl. fehlt. Äij, Aiij, —). 1. Auß argem won so
heb ichs an, ein Fröwlin zu beklagen . , . 5 Str. Ein anders Lied. Mir ist ein kleins Wald-
uögelin, geflogen auß meiner band . . . 8 Str. Ein ander Lied. Ich schwing mein hom ins
Jammerthal . , . 3 Str. Getruckt durch Samuel Apiarium. 1565.
Qörres S. 73; Erk-Böhme, Liederh. III S, 457 Nr. 1647.
CIV, 113
[104.] Ein annder lied.
1. Ach lieb mit laid, 15 2. Eilend, du hast
wie hast dein bescheid mich streng gefast
kleglich in kurz gespylt uff mich! inn senen und verlangen gros,
ich het gemeint das all mein freäd
h wer stets vereint zuruckhen leydt
das lieb nit soll verwandlen sich; 20 und stee on alles trost ganz blos;
nun hat ungluckh was fieng ich an?
gebraucht sein däckh, vor weiser man,
genomen hin, weis nit wollend,
10 mein syn eilend;
darumb betriebt ist harrt, 20 ich komm yetz wo ich wöll,
mich reuwt die zart ist ungefell
weiblicher art, stetz mein gesell,
die fast schon, jung, liebblich und schaft die schön, jung, liebblich und
fromm. fromm.
3. Sentliches leid
30 ist yetz mein weid,
entpfrembdt ist meins herzens lust;
was hilft mich das
ich bey ir was,
und [91^1 soll nun sein all freäd umb sonst!
35 ganz schmerzigclich
mues leiden ich
betriebter man,
ich kan
yetzunt nit umbwenden zur freud,
40 kein trost mich geit,
seit das ich meid
die hoch, schön, jung, liebblich und fromm.
H§.: 26. mein, übergeschrieben vn. 40. keins? geit v&n geuden?
OegUn 1512 Nr, 6: 2. bscheid. 5 n. 6. war stet^ vereint, daß lib solt nit verwandeln sich.
S. tück. 9. es gnnmen hin. 20. on allen trost. 21 a. 22. was fang ich an yerweister man.
34. umb sost. 35. gar. 39. nit umbwenden zu freud; yetzunt fehii und itt in der Es. ßUch-
Uch eingeechoben. 40. keins trosts mich geud . . .
Vgl Goedeke II » S. 26; S. 27 Schöffer 1513.
Ochsenkhun 1558 Bl. LXXI^ in 3 Str.
FL BL Zwickau XXX, V, 20 Sl 9 Schoner Lyeder fanff, Erffurdt 1529. Berlin Yd 9483;
Frankfurt a. M. L 522 Sl 10,
Hm, 1568 Nir. 58 u. $. 10.
Wadtemageij KirdienUed 1841 S, 860\ Mittier S. 502 Nr, 657; Erk-Bohme, Hederh. III 8. 455
Nr. 16U (verdruckt 14U).
D0«tse]i6 Texte dee MlttoUlten V. 8
114
CV.
[105.] Ein annders lied.
1. Ach sorgen, du muest zu
ruckhen stan,
du bist zufrüe gekommen,
der Winter hat mir leids gethan,
das will ich klagen yetz dem sommer.
ö 2. Hat dir der winter leid ge-
than,
dieselben bliemblen entspringen,
und wer ein stetten buelen hatt,
der mag wol frölich singen.
3. Und wer ein stetten buelen
hat,
10 der halt inn lieb zu maßen,
und wann es an ein scheiden
gat,
das er kan von im laßen.
4. Auch als zuvil ist ungesundt,
hab ich offt hören sagen,
15 der bronn der hat ein falschen grundt
do man das wasser ein mues tra-
gen.
5. Deß brunnen grundt den preis
ich nit,
er hat mich ofiTt betrogen,
er hat ein andere lieber dan mich,
20 hat mich gar offt betrogen.
6. Auch suden nord und wester
wind
die hallten selten stille,
und wann zwei herzlieb scheiden
sollen,
geschieht wider beider willen.
Hs.i 20. hat mich, hat mich. 23. wann fehlt.
Bei dUtem Lüde sind ausnahfnsweüe die Strophen schon in der ff$, durehgezäkU.
1582 A 120:
1. Winter, du mast nrlaub han,
das hab ich wol yemommen,
was mir der winter hat leids gethan,
das klag ich diesem sommer.
2. Diesem sommer nicht allein,
die gelben blümlein springen,
welcher ein lieben bulen hat,
mag wol mit frenden singen.
3. Welcher ein lieben bnlen hat,
halt jhn in rechter massen,
and wenn es an scheiden geht,
mns er jhn fahren lassen.
4. Zn wenig nnd viel ist nngesmid
hab ich offt hören sagen,
der brann hat einen falschen gmnd
darein man das wasser mns tragen.
5. Des brunnens des trink ich nit,
er hat mich offt betrogen,
was mir mein feines lieb hat zugesagt,
ist ganz und gar erlogen.
6. Der uns das liedlein new geeang,
von newen hat gesungen,
das haben gethan zween landsknecht gut,
ein alter und ein junger.
Vgl 1582 B 50.
FL Bl Bcuely Sar, 151 St, 36 Zwey schöne newe lieder, | Das Erst, Winter du müst vr- |
lanb han, tc^l . , .^l 6 Str. (o. O.u. J.) — Sar. 151 St. 37 Vier Hüpsche nüwe lieder {darin auch
M-. 18 u. 164 d. He.) 2. Winter du mÄst vrlaub hsji . . . 6 Str.
Hs. 1537: Weim. Jahrbuch i, 103 Nr. 7 in 8 Str.
Oörres S. 45; üldand Nr. 48; Wunderhom IV (hrsg. v. Erk 1854) S. 13; Böhme, Liederbuch
Nr. 152; Liederhort II S. 207 Nr. 395.
CVI
•
^^^^^^v^iu» ^H
[106,] Ein annder
^H
1,
Ach Jupiter, hestus gewaJt
3<
'Auf deine wart gezimbt mir ^^^H
so manigfalt
^^H
als etwe was erhöcht dein preis.
40
gesell, mit icht ^^H
mein dag die füer ich manigfallt
zu antworten an keinen ort, ^^H
5
inn der gestallt
wann nieman^^f ist uf erd ver-^ ^^^|
vor deinem thron cleglicher weis;
pflich^^, ^^1
mein bit
werd ich bericht, ^^H
[92*]
wirt nit
antwort zu thun wS alle wort; ^^H
von dir gewent,
46
und mer ^^H
10
bebenci
mein leer — ^^^|
so erman Ich dir der gir
du liest darvon: ^^^|
da dich
der Ion ^^H
schwerlich
der lieb ist traurigs eml; ^^H
der liebes craft
60
gedenkh, ^^H
15
behaflFt
bekrenkh ^^H
durch frauw Diana zier;
dich selbst nit fasst, ^^H
hör, raerkh mein clag
du hast ^^^1
die ich dir sag,
inn lieb nit leid erkhent; ^^H
send hilf und trost ehe ich ver-
5&
solhs nit beger, ^^H
zag!
es brecht mir schwer, ^^H
sonst ich verlur schäm, zucht ^^|
20 2.
Das herz in mir hat gam verserl
mit seinem schwert
und ehr/ ^^^
Cupido, der soo Veneris;
4.
Mein ainigs lieb, ich hoff dein ^^^H
alles mein geblüet ist ganz verzert
^^H
und hart verkert,
du nit an mir ^^H
n
her Mars in mir solhs üben ist;
60
als übel als du reden thuest; ^^H
kein lab
wan leib und guet ich ehe ver- ^^H
ich hab
trauw ^^H
die mich enthalt,
ee wann das ich an dir ^^H
erkhailt
wolt sehen deiner ehren verlust; ^^H
30
ist mir herz, muet und syn^
^^H
umb hilf
65
kein frucht ^^^|
ich giir
die lieb mag hau, ^^H
zu dir, mein trost,
auch kan ^^H
den rost
nit bleiben ehr on schäm; ^^H
35
magslu mir nemmen hin;
man hört; ^^H
durch all deiner ehr
70
die wort ^^H
höer mein beger:
Anrioli ^^H
tröst mich, ich hab kein trost
noch nie ^^H
nit mehr.
50 Streng Querentiam ^^H
116
an.
OBQIliydKD BGSD
7f. ak dicb dae
IID
d!^ jdi Im der
Sl ^EJBoflmmLr
kt don be-
eor —
wäta mer?
p vart belfeD fidi niti u^ 7.
ob €s ^saA TJinBrh
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zuefieboi Adi vie cA fpsdiidd.
11^ docb 90 saut
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fö andi höett£D imdi:
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des* fmätz bnnf^t gros leid.
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nnOöfio:
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der firvitz mmtlie meid
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£e 5ki»eHi pradit in «DfemadL'
Ob kfa. mein faorL dkb wäter
bitL
M wimder mL
fnm hA dsrcoe thoet zwingen
XXQCiL
doD BcfaöDe wee. gcbenit imd
sitt
do dn mich mit
fciMDgai bxA gerattigdich:
herzficb.
betiieb
nucfa Dil 90 seer,
icb ger
fDMd TOD dir, mem heO,
dem hirt
getst
hüiHm lofan.
19D Medeun xoA TcrinerL
dromb icb iiit tu
in disem spyi
gewTmien iiocb Tcrfiera ttüL'
8. FrenDtScber bort docbfst dich
iid wann solbec nit w^r
gesd^ehen oft rem fnnwesi bst:
Grces bracbt mandieai bold inn
abwer,
dnrdi weibs gebr
ber Herailes belropen xsL
140 Adun
der kam
dnrebs we3i in noL,
den todt —
borest — er audi empfieng,
14^ Sambdon
ist von
eim weib bedort,
gjos mort
Semiramts beging;
150 soll drumb ich
auch meiden dich,
ich stirb vor leyd, glaub sicher-
lich.
H^A 10. 1>eheiid6. 18* dir: el&g: sag. 20« gaiu fäät, 34. troit; dafyg- rost jn ktm\
dkui in j^ietc^er Verbindung §chon iihe^ 10 S$ m*37. 36, ehre. 42, nimioer« y erpflichtet.
48 fekU. 49. ende. ^9. du = tbn, 61. lie^i verlir. 64—66. kein zncht, die fmeht
on lieb mag h&n. 75. meinen* 8S. &i:hafffc. 94. deDen. ^5. Siben, ein gemacb.
na. Imnw. 126. Imu 136. on. 137. dire».
^. ir. .^sbAiV^.4a: L betetn. 3. etwan. 4, tatuantfalt. 10. bebendt IL bo fehiL dick
14. liebe. 16. dnreh Iräw deine zir. 19. ee. 20. gantz versert 23 u. 24. Als mein gepl&t
iet gantz Terkert« md gar verxert 25. bet mars solcha in mir leben ist. 34. den roit*
36. dein er. BS. ich hab nit trdfites mer, 42. niemandt. verpflicbt 43. bin icb,
45. Tod wer. 4$* der Ion. 49. endL 54^ in lieb nie leid erkendt 58. Mein einigi ein^
59. ihn nit. 60. fto rbel. 61. e« verlir. 62. ee ich an dir. 63. deiner em* &I— 66. on
ancbt, kein frucht, die lieb mag ban, 69 — 72. mein hört, die wort, anrioli noeb nie nam.
73. Lucretiam. 75. die m^in. 76* was zeichst dn* 79« dein saBse wort irren mich
nicht. 60. Ich set^ echon ob mir zimlicb wer. 82. als offt. S3 — &5. doch solt, 7nd
wolt, ich bnten mich. 87. ät^ furwitz, 88. Sapbo. 93 — 95. in we vnd ach, als Diane
gscbacb die Sichern bracht in vngemach. (Zu ie$en: Dina «toff Diane; Geichtckt^ von Stehern
imd Dima i. M&tts I Kap. 34} 99* dein 8ch6n zocht weiß gep^rd vnd sitt 106. genad.
107 n. 108. dein hert, gefert 110 — 114. mein leib, wnrd snnat dem tod zu teil, in solche not^
bracht &aw jsot, herm tristrant der vor leidt lag tot 110. bitet 120. in. 121. Dido.
125. joles betört {loh, QäiebU deg fferkuks). 126. Eea. 130. verfort. 134. klagst. 135. sokhs.
136* von ft-awen liit 137. Circes* 142^ durch weib. 144. Horreitea. 152. glanbs sicher-
lich* Ei folgere noch 4 Strophen^ #o daß dm AkroiH^on Adam von Fulda voiiM^ndiff ie«rrf:
IX. Ton herzen wer ich dir geneigt^
so sich erzeigt
ISi dein herz als lanten fein dein wort.
So ich in lieb mich gen djr eigt 176
nnd ward ge^hweigt^
beging ich an mjr selbs ein mort,
al ding
leo gering
lieb nberwindt, 180
ist blind t,
on forchtf bedenkt kein end,
Thamar
10§ ward gar
verachtet bie, 1$^
das sie
Amon in Heb erkendt,
lieb bringt groB leidt,
170 nach kurzer freid,
iat Toller angst und sorcklichkeit, 190
LoB ab mein trost von solcher klag^
ea ist am tag
da« heb selten on leid zerget.
Was tin gluck darin w&rcken mag
ich mit dir trag,
als Piramns mit Thißbe thet;
furwar
ich spar
kein dinst an dir,
iolt myr
der todt drumb werden knndt,
mejn hers
vor achmerz
jn lieb erdort,
mein hört,
mach mich durch lieb geanndt,
Pontum um b floß
matäch nnfal groß
biß Sidani wardt sein geao0i
118
CVI. CVIL
XL Dein wort, gesel, hat mich behafft 210 XII. Ach henigs hen, glaaba sicherlich.
in solcher krafft
das ich dir nit versagen wil.
Lieb acht nit was ein yeder klafft,
196 jr eigenschafft
in weibes bild ist gar on zill, *21ö
sich umb,
ich kumb
dir an dein arm,
SOO erbarm
dich mein, ich habs gewagt, 220
so du
mich na
yerliest zoletst,
205 du hetst
eyn kleine er eriagt, 225
herzliebster gpsel,
nit von mjr stel,
ich halt mich dein, ge wie es well.
dein ja hat mioh
in frend gesetzt aoß schwerer not
£e ich wolt, lieb, verlassen dich,
ee wiUigklich
wolt ich mjr selbs welen den todt;
ach fraw,
verttÄW
mir bessers zu,
ich thu
so schmaechlich nit au dir,
gesel,
kein fei
ich an dir han,
sich an,
dein lieb wend nit von myr,
ach einigs ein,
dein red las sein,
du bist die ich mit trewen mein.
115 Liedkm 15U Nr.4 in 4 Str. Adam.
Gaaenh. u. RetOterL Nr. 82 nur d. ersU Str. Schöffer 1513: Qoedeke II» S. 26, 31, 38.
FL Bi. Yd 7801 {v. Nagler) St. 5 (offne$ Blatt)i Ach Jupiter hetst du gewait . . . 12 Sir. --
Yd 9201 Ein hübsch lied, | genant, Ach Jupiter. (Bildchen. Am. Schktß:) Gedrftckt za Nürn-
berg durch I Hans Guldenmundt. (4 BL 8^ o. J. Rucks, des ersten u. letzten BL ieer.) 12 Str. —
Yd 9206 Ein schdn Lied, | Ach Jupiter. (Biidchen. Am Schluß:) Gedruckt zu Kibnberg, i
durch Friderich | Gutknecht. (4 BL 8^ o. J. Rucks, des letzten BL leer.) 12 Str. — Yd 9211
Ein new lied, in dem thon | Zart schöne fraw, gedenck vnd schaw. | Mer ein ander lied. Ach
Juppiter. (Bildchen. 4 BL 8^ o. 0. u. J. Aüdb. des letzten BL leer.) 1. Venus dein art hat
mich vmbfangen hart . . . 3 Str. 2. Ach Jupiter . . . 12 Str. — Zwickau XXX, F, 20 St. 21,
zum Lieder enthaltend, dieselben wie Yd 9211, o. 0. u. J. 2. Ach Jupiter . . . 12 Str. — Basel,
Sar. 151 St. 55 Ein lieblichs schon Lied, | genant der Juppiter. (Bildchen. Schluß: J. F. S.
d. i. Jacob Frölich, Straßburg. 4 BL 8^ o. J. Rucks, des letzten BL leer.) 12 Str.
Berlin, Mgq 718 BL 24a in 12 Str. — München, üniv.-BibL Ms. 328 (mit Noten) BL 42 a in 12 Str,
Wackemagd 1841 S. 842-, Bartsch, Beiträge zur Quellenkunde d. altd. Lit. 1886 S. 367.
[931]
[107.] Ein annders lied.
1. Bedenkh, herzlieb, mein eilend 2. All mein hoffnung hab ich
in
wie gar on maß
es mich thuet betrieben,
dannocht noch
hoff ich doch
trauwren werd sich
ganz willigclich
irrgents ein mal
on all Unfall
gros,
dich
du werdest mich
ein solhen thuen schetzen
als ich wer
15 dein liebster,
dann warlich ich
ganz innigclich
dich thue lieben
vor allen weibem,
10 inn freuten thuen verkhercn. 20 thue mich laids ergetzen!
CVIL CVIII. 119
3. Beyß ich von dir und mir nit 4. Bistu mir hold, so thue dar-
geschicht nach
wie ich dann sprich, als sey dir gach,
wert mein trauwren meren; hest lust mit mir zu scherzen,
herzigs lieb, dann das R
25 nit betrieb 35 mit großer
den buechstab G schwer gedenken
und auch das E, thuet bekrenkhen,
wie du dann kanst dann auch das 6
on alle angst lenger ye me
30 solhs wol thun weren. 40 imm solhes wünscht von herzen.
Hs.i 10. verkhern. 30. wem.
Akrost, BAEB[ABA].
[108.] Ein annders lied.
1. Der Wächter ruefft an den tag
wol an der zjmnen do er lag:
^woUauf, es mues gescheiden sein,
und wo zwey herzlieb beyeinander sein,
5 scheiden sie nit bald —
es taget vast vor jhenem wald.' —
2. ^Nun lig, guet gsell, und hab gemach!
es ist vorwahr nit heller tag,
der tag scheint durch die liechtestem,
10 der Wächter, der wechter betrug uns beide gern,
das sag ich dir:
die mittemacht ist noch nit herfür.' —
[93^] 3. ^Die nachtigall singt iren thon
als sie vor langst hat gethan,
15 darbey spürt man des tages schein,
wollauf, es mues gescheiden sein,
es taget fast,
ich laß dir weder nie noch rasst.' —
4. Sie truckt in freuntlich an ir brüst,
so sy lagen nach ires herzens lust
mit weißen armen umbfangen schon;
si sprach: 'schOner buel, gehab dich wol!
laß dir wol sein' —
sie bot im ir rots mundelein. —
120
CVllI. CIX.
25 5. Der guet gesell freudt sich der wort:
^kher dich herumb, mein höchster horti
du hast erfreuwet das herze mein,
verschwunden ist mir all mein pein
zue diser frist —
30 sich, du mein herzallerliebste bist.' —
6. Was zog er von der hende sein?
von rotem gollt ein fingerlein:
'sehe hin, buel, wol zue der letz
damit du dich deines laids ergetz
36 zue diser zeit' —
damit schied er wol trauwrig über die haid.
7. Das mediin schrie mit layd: 'ade!
nun behuet dich Gott vor allem weel
du bist meins herzens ein edler trost,
40 gedenkh, herzlieb, mein eilend gros
so ich erduldt —
noch bin ich ime von herzen holdt' —
ff$.: 80. mein fehU. 32. rotem fehlt; vgl 1582 A 60 Z. 20.
Hm. 1574 JSIr. 40 u. s. w.
Qorres S. 115 «• s. w.
[109.] Ein annders.
1, Dorrt außen ufif jhenem berge
do steet ein rosen heckherlein
geneiget zue der erden.
[94*1 2. Ich lag eins mal darunder,
5 do trauwmet mir ein schwerer
wol zu derselben stunden, [träum
3. Mir träumet wie mir were,
wie ein allter grauwer matin
in meinen armen läge.
10 4. Wollt Got das es were
das man siben allte menner
umb ein jungen gebe.
5. Also wolt ich den meinen
mit einem scharpfen hagedorn
15 wol zue dem markht hintreiben.
6. Ich wolt in bietten fayle
umb ein halbes weis brot
und umb siben aierr.
7. Das weis brot wolt ich essen
20 bis ich meines allten maus
schier thet vergeßen.
8. Die eyr wolt ich braten
bis mich Got eines jungen mans
gar schier het beratten.
B8.: 8. manne. 12. jonge. 18. vij.
CIX. ex, 121
1582 A 216:
1. Gar hoch anf jenem berge 10 4. Und da ich nun erwachet,
da stehet ein raatenstöcklein do stund ein altes grawes weib
gewachsen aas der erden. vor meinem bett und lachet.
2. Und da entschlieff ich unter, 5. So wolt ich das es were,
5 da träumet mir ein seltzamer träum das man sieben alte weiber
zu derselbigen stunde. 15 umb eine junge gebe.
3. Mir träumet wie ich hette 6. So wolt ich auch die meine
so gar ein wunderschönes kindt geben umb ein bratwurst
bei mir an meinem bette. und umb ein seydlin weine.
VgL 1582 B 119.
FL Bl. Lcndan 11522 df 35 Ein schdns Lied / | von der alten Schwiger / vnd | jrer Schnur /
sampt jrem Son | Heintzen / In seiner | weiß. | Ein anders Lied / von dem | Bautenst^ckelein.
(4 Bl. 8^ 0. 0. u. J. Rucks, des ersten u. letzten Bl. leer.) 2. Gar hoch auff jenem Berge, da
steht ein Bauten st6ckelein , . . 6 Str.
Wand Nr. 291; Böhme, Altd. Liederbuch Nr. 245/6-, Liederhort II S. 699 Nr. 912.
[110.] Ein annders lied.
1. Der heher ist ein speer vogel,
er spottet aller vögel ins gemeine,
ich habs gehört, es ist also:
der waydman geet uns,
5 geht uns nach vögelin deine.
2. Der heher uf den cloben trat —
was helfen ine sein böse falsche lisste?
der waidman in zu gasste bat,
er sties in inn sackh
10 den er ufF dem ruckhen hat.
3. Des waren all die vögel fro
und das dem heher was also ergangen:
ach sammer Gott, ich guns im wol,
er blies vil
16 das in doch nit brant
4. Drumb sprach sich die atzel: 'der ich het ein nest
sover vor jhenem hage,
ich wais nit wie ich es vergaugelt hab,
mir ist so vil
so aus meinem nest enttragen.
1» ex.
|Mb| 6. Die aier die darinnen lagen,
die sind mir also dieblich abgestolen' —
ja sanier Gott, ich gons im wclj
des spetters haus
S6 das steet in haifien kolen.
6. Es wolt ein jungfrauw sparber fahen,
da flog ir ein gugkhgauch auf ir netze;
sy hueben auf, sie zogen auf,
sie begund
^ in ufT ir handt zu setzen.
7. Da sie ine uferzogen het
und also lieblich listig ufTerzogen,
da flog der gugkhgauch — gugkh hin, gugkh dar —
vor jenem wald;
Wh da war die jungkhfrauw betrogen.
8. Rs wollt ein her spaciern gan,
da heg<>gnof im ein äff inn kurzweile,
da ward der äff einer dannen gewar,
darauf lief er
40 alito mit groöer eyte.
0. Kr liof die dannen uf und ab
h\% in «lio no.^l nit longer wolten tragen;
dn Hol dor nff oin großen fall,
«»in prtin ontzwcy.
4r. i\<\ dnrft or e;? niemant clagen.
KV s> wot^ mir armes affelein
dn«. ioli dio dannen <50 hocJi uff wolt steigen!
tfov mnos ioli nun ein krüppel sein' —
«f«M|i nit 7.M hooh.
ro «!!) tn.'i|,!^^tn boy ehren bleyben.
1 1 . Das lied haben un? die weisen gedieht
vot» oin«M' jungen inngkhfrauwen
dor ni«^ koin m«nn 7u maßen was,
ilnnmdi not man ein narr
^.^ \n\\ ireti arnn^i rnehen.
ex* CXI.
123
Es, 1568 An U^:
1. Der heger däi ii ein aparwer irogei,
er Bpott allen andern vogeleiti an der
ich hab gehört uad iat alBOi [heideD,
ein weideman gueti
5 reit au 11 nach yogeieui kleine,
2. Tarquart auf den klawen tratt —
wag helfen im sein falsche nucke?
ein weideman guett in zu gaaleu batt,
er staeh in in ein eaeke
10 und bengede in auf den rugge^
3. Dbb weren alle Yogeiain fro
das dem heger also w&a ergangen:
öommer potz Veiten, ich gunnes im wo 11,
er leichet doch viell
15 das in doch nitt kan brennen.
4. Der heger sprach: ^ein thummer
war ich und flog in hagedorn, [gaat
ich weiß nitt wie icha versehen hab
das mir so yiell
20 auß meinem nest sein getragen.
5. Die eier die ich darinne hett
die sein daraufl diefflich geatolen* —
nu wo 11 hen! es ist well ehr geschehen
das des apötters hauß
25 stund t in heischen kolen«
6. Efl woltt ein junkfraw spatzieren
gaben —
der bunte kuckuck ist in dem neste,
sie meint sie hett ein falken gefangen,
sie beguntt
30 in auf ir handtt zu setzen.
7. Do sei in woll ge^emmet hatte
und hatt in so Üebliche ausgezogen:
kuckuck kauwan!* so sagt ehr
und itog hinweg;
35 das megdlein hatt ehr bedrogen-
8« ^Hett ich dich eben angesehen,
deinen worten hett ich nitt gegleuhei' —
"HU woU hin! eß ist woll ehr geschehen,
sich oben zn^
40 so wirstn nitt betrogen.
9, Eß woltt ein her spatzieren reiten
ein so kurze kleine weile,
do wardt ehr einer tannen gewar,
darauf dar lieft*
45 ein appelein umb die ^weiche,
10, Ehr liefT die tannen auf und nyeder
das sei die 2weig nitt mehr khundt tra-
ge i fioU einen ubergrossen fall, [gen»
ein bein enzwei^
50 sie durft das aemantz clagen.
IL *0 wee ich armes appeletn
daß ich dieaen ubermutt mns leiden J
des miis ich nu ein kruppell sein' —
steig nitt zu hoch^
55 so wirstn on schaden pleiben.
12. Deiß lyedt haben uns die weisen
bedacht
vonn einer auaser massen schöner junk*
und der nemant zu maß w^as, (frawen
des must ein nar
60 in irem armlein rauwen.
FL BL Ye IMl Veer schöne Leder o. 0. 1611-
Börrei S\ M*2\ Böhme^ Altd. Liederh. Nr. 111 \ Woikam Liederbuchi Eupharion 6\ 65 L
Vgi Zischr. f, dsuiscJic Ffiüoi. 36, 52U,
[95*] [111-] Ein annders lied,
1. Der gutzgauch hat sich zu todt gefallen
von einer holen weiden —
wer soll uns disen somnier lang
die zeit und weil vertreiben?
ö 2, Das soll sich thun frauw nachtigal,
sie sitzt uff einem zweige,
sie singt, sie springt, ist freüden voll,
wann andere vöglen schweigen.
124 CXI.
3. Mein buel hat mir ein brief geschigkt,
10 dar inn da steet geschriben
sy hab ein andern lieber dann mich —
darauf hab ich yerzigen.
4. Hastu ein andern lieber dann mich,
das acht ich warlich deine,
15 da sitz ich uff mein apfergrowes roß
und reit wol über die beide.
5. Und do ich über die beiden kam,
mein feins lieb trauwret sere —
laß farn, laß farn was nit bleiben will:
20 man findt der schön jungkhfreuwlin noch yill.
6. Der uns das liedlen neuw gesang,
von neuwem hat gesungen,
das haben gethan zwen reuter guet,
ein allter und ein junger.
Hm.x 15. pferdt: roß. 20. Umi noch mere.
1582 A 38:
1. Der gackguck hat rieh zu todt ge- 2. Ey das sol thon fraw nachtigal,
von einer hohen weiden • [fallen die ritzt auf grünem zweige,
wer sol uns diesen sommer lang sie ringt, sie springt, ist allzeit fro,
die zeit und weil vertreiben. wenn ander waldvögelein schweigen.
1582 A 196:
1. Mein feins lieb ist hinweggeflogen 4. Mein feins lieb hat mir ein brieflf
auf einen grünen zweige — darin so steht geschrieben [geschickt,
wer wil mir die winter lange nacht 15 sie hab ein andern viel lieber denn mich,
mein zeit und weil vertreiben? sie hab sich mein verziegen.
5 2. Mein feins lieb hies mich nider 5. Das sie sich mein verzi^en hat,
ritzen dammb trawr ich nicht sehre —
an jre schmale selten, las reiten, las fahren was nicht bleiben
sie sach mich aber die achsel an, wil,
sie meint mein geldt im bentel. 20 der schönen frewlein find man mehre.
3. Dieweil ich geld im bentel het, 6. Und der uns dieses liedlein sang,
10 da ward ich werd gehalten, von newem hat gesungen,
da ich kein heller noch pfenning mehr het, ^ das haben gethan zween schlemmer gat,
hat rieh die lieb zerspalten. ein alter und ein junger.
Vgl 1582 B 90 u, 153.
115 Liedlein 1544 JNr. 30 tiur d. erste Str.
BergUederhOMein {1700/10) S. 244 jW-. 235 Sir, 1 u, 2 entspr. 1582 A 38, B 90.
Wunderhom III {1808) S. 111; Oorres S. 57; Wackemagel 1841 S. 858; Uhhnd i^. 13 u. 153;
Simrock, Volksbücher 8 {VoUcsUeder) S.177; 9 {Kinderbuch) S.227; Mittler S. 446 Nr. 664/5 -^
Qoedeke-TiUm. S. 46 u. 156; Alemannia 12, 71; Lüiencron S, 266 Nr. 90; Böhme, AUd. Liederbmek
Nr. 168; Liederhort II S. 301 Nr. 481.
CXII.
125
[112.] Ein annders lied.
1, *Die sonn die ist verblichen,
der mon ist uf gegangen ,
die nacht die konibt geschlichen ,
frauw nachtigall mit gesange
ö thuet süeßigclich ansingen' —
sprach sich ein wechter zart:
*so yemands hat verlangen
und ist mit lieb umbfangen,
der mach sich gar wot uf die fahrt.'
10 2. Und das erhört ein geselle
imm hage do er hgi
^ach wechter, werder geselle»
wie nahet ist es nun tag?
wie soll ichs anegreifen
u das ich khum vor liebes thür?* —
*gar [95<>] heimlich solstu schleichen
ee dann der haußhan tuet pfeifen,
das man dich am tag nit spür.'
3» Der wachter gieng verborgen
20 do er die frauwen fand,
er weckhet sie mit sorgen:
^steet auf, freulin, zuhandtl
neuwe mehr will ich euch sagen,
da ist kein zweifei an,
2b es leut ein hold imm hage,
fürt sicherlich gros clage,
es mag eur buel wol sein/ —
4 *Ach wechter, liebster gselle,
der mon gibt helles liecht,
30 du solst der reden nit glauben,
sie haben dich sicher gedeicht;
der mich hat umbfangcn,
der ist mir laider ferr,
nach ime trag ich verlangen,
35 imm herzen ist mir pange,
mein äugen sehen in gem.' —
5- 'Ach frauw, glaubt mir der reden,
wann sie sind sicher war' —
die frauw stund uff mit freüden,
40 sy schwang ir gelbes har,
ir leib war wol gezieret,
gekleidet in eitel weis,
vor freudan ir herz erquickhet
da sie den gsellen anblickhet,
45 sy umbüeng in mit ganzem vleis.
Hi,: L gelang. 11. l&ge. 3L Tuith For$ter su Äet«em: bb hat dicb ionat gedeuclit.
FüTsler Hl (1552) Nr.i2t
L *Die mnn die wt verbuchen,
die stem seint aafgegang,
die Dacht die kommt geachlicheI^
fraw Dachtigal mit jrem gsang,
5 der monn itt aufgegaDgen' —
ret sich ein weehter gut:
'^tmd welcher liat verlatigen
und ist mit lieb iimbfaiigei],
der mach sich bald auf die f&rt/
10 2. Und das erhört ©in geelle,
der achrey dem wecbter zu:
*acb wecbter^ traut geeellet
gib deinen rat darzu
wie ich das seil fingreyffen
16 dae ich kern für die thürV* —
^gar heimlich eokt da achJejchen
ehe der wechter thet pfeyffen,
daa man dich gar nicht spür.*
126
CXll. CXIIL
3. Der knab trat anverborgen
20 für jr schlaffkemmerlein,
er sprach zu jr mit sorgen:
'zart schönes janckfrewelein,
new mehr wil ich euch sagen,
da ist kein zwejffel an,
35 es leyt sich einr im hage,
der fürt ein schwere klage,
es mag ewer bale sein.'
4. Die junckfraw sprach mit sinnen:
*e8 hat dich sonst gedeachf •—
30 *der monn hat mir geschinen,
die Stern han mir geleacht,
der monn der hat geschinen,
o zarts janckfrewelein,
er ligt in grüner awe,
35 sein leib ist jm zerhawen
in grossen trewen zwar/
5. Die janckfnRr erschrack sehre,
jr herz was lejdes vol,
sie wolt kein freadt mehr hören,
40 botschafft gfiel jr nicht wol,
ein hembt thet sie ambschnüren,
ein hembtlein das was wejß,
den knaben sie erblicket,
jr herz vor freadt erquicket,
45 gert jn mit ganzem fleyfi.
6. Der knab der thet sich schmucken
gar freundlich an jre brüst,
sie thet den knaben trucken
mit jrm freundlichen kuß,
50 der knab fieng an zu ringen
mit der junckfrawen zart,
der wechter an der zinnen
fieng an ein lied zusingen,
ein schöne tageweyfi.
55 7. *Gesegn dich Gott im herzen,
zart edles frewelein,
du bringst meim herzen schmerzen,
es mag nicht anders sein,
von dir muß ich mich scheyden,
60 zart edles frewelein,
ich schwing mich über dhejden,
in braun will ich mich kleyden,
durch feyl und grünen klee.*
Hb. 1574 Nr, 30 u. s, w.
Qorres S. 96 u. 8. tc.
Böhme, AUd. Liederb. Nr. 116\ Liederh, II S. 606 Nr. 806.
[113.] Ein annders Hecht.
1. Der liebe Gott der woU mein schönes lieb
inn ehren und züchten behüetten —
ich schlaff oder wach oder was ich mach,
so leidt sy mir stets in meinem gemüete.
5 2. Ich schlaff oder wach oder was ich mach
oder was ich auch beginne,
so leit mir die herzallerliebste mein
doch stets in meinem senne.
CXIIL CXIV*
127
[961] 3, Wo)l Gott icli sollt dise halbe nacht
iO bey meinem schonen buelen sitzen!
und wer der winler noch so kallt,
vor freu den raüest ich schwitzen.
4. Und wan ich an den tanze gee,
so sehe ich mich nach ir ume,
u ich laß mein engten rnmher gan
ob sie auch irgent stnende.
5. So springt sie vor mich an den tanz,
leuchtet wie der helle morgen sterne,
mein herz ist jung und freuwet sich seer,
20 meine eüglin selien sie gerne.
6. Vatter und mueter hab ich lieb,
darzue all meine freundte,
noch dannocht wolt ich sie fahren lahn
und dich, schöns lieb, belvailten.
FiA 4. g«müet. 6. begönne. 8. Sonne. 14 vmb. 16. &Ie de auch Ir gemüet ßtoendt.
käme: ume su lesenf 18. morgen: glants: ateme,
m. /574 Nr. VJ:
1. N« segen dich Gott, mein ßchoenea
woltt dicli «ud mich behueten! [lieb,
ich schlaif ich wAch oder was ich mach,
my licht mir inn dem herzen,
5 2. XJnd wan ich dan zd dem dau2 aoll
so sehen ich mich hemmme [gahnn,
ob die herz allerliebitho mein
ob aej dar nit enn attinde.
S. 8o Bp ringt sei für mich ahnn den
10 recht wie der morgenatern^ [danz
mein herz ist Jungk nnd erfrewet sich,
mein äugen sehen sey gerne.
Hm. V, Rdffmbi^gs I5SSt NmiV. Smwenirs cPAUem. I (tSSO) S, 230 Nun wolt mir Gott mein
feins lieb in züchten und in ehren behüten * . . 10 Str.
Görru S. S8[ Erk- Böhme, Liederhort II S. 318 Nr, 497.
4, Schwarze färb so dreget sey ahnn,
schwarz so sehen ich gerne,
15 mein herz iat Jungk und frewden voll,
mein äugen sehen sey gerne,
5, Mocht ich ein winter langen tagh
bey der herz allerliebster sitzen,
und wer der winter schoen noch ho kalt,
20 Yonn frewden so moist ich schätzen,
6, Mocht ich ein winter lange nacht
bey der herzallerliebster kneeen,
und wehr der sehne schoen knieea thieb,
noch blueten uns die roesen.
[114J Ein annders lied.
1. Entlaubet ist der walde
gen disem winter kalltt,
beraubet wirt ich balde,
mein feins lieb macht mich allt;
5 das ich die schönst mues meiden
die mir gefallen iktmtj
bringt mir gros heimlichs leiden,
macht mir ein schweren mueth.
128 CXIV. CXV.
2. Feins lieb, was last mir zur 3. Feins lieb, laß dich nit äffen —
letze, der klaffer sind zuvil
10 mein feins pramis megetlein? halt dich gegn mir recht gschaf-
laß mich die zeit ergetzen fen,
dieweil ich von dir mues sein; 20 treuwlich ich dich warnen will,
hofnung thuet mich erneren, huet dich vor falschen zongen,
nach dir so wirt ich krankh, darauf bis [96b] wolbedacht,
15 thue bald herwider Veren, sey dir, feins lieb, gesungen
die zeit wirt mir zu lang. zue hundert tausent gueter nacht.
Es.: 6 fehlt. 15. kommen.
65 Lieder Nr. 42: 4. meins liebe dz macht. 5. die schön. 6. die mir ge^Edlen thut.
7. mir manchftltig. 8. mir fast schweren mat. 9 a. 10. Lestu mir nichts zur letze, schwartz,
foraons, weiß meydelein. 11 a. 12. das mich die weil ergetze, so ich. 13. mafi mich. 15. keren.
16. ist mir. 17. Sei weiß laß. 18. so vil. 19. gen mir rechtschaffen. 20. trewlich dich.
22. sei. 23. schöne lieb. 24. zu einer gutten nacht.
ffe. 1575 Nr. 42 u. $. w. Archiv f. d. neueren Syr. 111 (1903) S. 26. Anfangsttraphe des Liedee
nodi m: 56 Lieder Nr. 52; Oassenh. u. Reutterl Nr. 2; Bidnia 1545 II 93\ MeOand 1575 Ik-. 37.
Erk, Neue Sammlung III H. 1 (1845) S. 90 Nr. 83; Uhland Nr. 68; Hofmam, QeeeüachafUL
Nr. 4; C. F. Becker, Lieder u. Weisen (2. Aufl. 1853) H. 2 S. 9; Simrock S. 265; MiUler S. 533
Nr. 716; Goedeke-TiUm. S. 152; R. Frh. v. Liiiencren, Voiksl. um 1530 (Deutsche Nathnal^Litt. 13)
ß. 194 Nr. 59; Böhme, Liederb. Nr. 257; Liederh. II S. 549 Nr. 7U.
[115.] Ein annders lied.
1. Erst hebt sich not und jamer an
seit es nu mues gescheiden sein,
ich sich das ich nit wenden khan,
laß dichs erbarmen, herzallerliebste mein!
6 tröst mich
und sprich:
'herzliebster gsell,
her wider stell!'
so freuw ich mich, sey wo ich wöll.
10 2. Ist scheiden yetz so nahent hie,
so eyl, herzlieb, zu trösten mich,
setz mich aus pein und großer not,
ich will auch nit verlaßen dich,
ergetz,
15 erletz
dein diener schier,
mach dich zu mir,
wer weis wenn ich mer komm zue dir.
CXV. CXVI. 129
3. Kein hörtere bues ward mir nie khunt
20 dann daß ich bey dir nit bleiben mag,
darumb werd ich mit herz verwandt,
eyl, einigs lieb, ehe ich verzag,
nimm war,
ich far
25 von dir dahin,
mein kayserin,
glaub mir das ich ganz eilend bin!
1582 Ä 195: 2. so es nun. 3. ja sich das ichs. 7. hertzallerliebster gesell. 10. Ich
scheiden jetzt. 15. zu letzt. 16. den diener dein. 17. neig dich. 18. niemand weis.
19. hardter. 20. seit ich. 21. bin ich ins. 22. hilff. verzage.
Hß. 1568 Nr. 81: Ztschr. f. demische PhiM. 35, 525. Dazu: Fl, Bl. Zwickau XXX, F, 20
St. 28 Vier schöner lieder, Erffurt 1529. 4. Erst hebt sich not ynd yamer an. Derselbe Sander'
druck enthält aU erste» Lied Nr. 104, als zweites Nr. 50, als drittes Nr. 183 d. Es.
[116.] Ein annders lied.
1. Ee ich dich, herzlieb, verlies,
geh mich zu tauset mal gefangen,
ja wann man mich nur stelen hies
dorthin du waist mein gros verlangen,
5 schluegst mich ins ploch,
so lit ichs doch
und mochts vil kaum erbeuten;
ach edler schätz,
on keinen tratz
10 laß uns bald voneinander scheiden!
2. Lieb, treuw, gunst, ehr hastu von mir,
freud, gluckh und lust des bin ich warten,
ja ob ich [97a] schon nichts reden darf mit dir,
so bin ich doch khein stundt von arten;
16 das irrt doch nit —
mein herz mues mit
dir sein inn allen Sachen;
laß murren wol,
ich hoff ich soll
20 noch freüntlich mit dir lachen.
I>«ntadi6 Teste Am MmeUlten V. 9
130 cxvi. cxvii.
3. Sich selber drauf, mein herzigs E,
ich weis sonst nit wem ichs clagen soll,
damit uns glückh mit schanz bestee,
mit truckhcn, schmuckhen, du merkhst mich wol
25 do wahr all freud
bey geschwornem ayd
und mag mirs niemant erlayden,
mach nur kein preng,
das sich die sach vorleng,
30 nur nein mit allen freüden!
7. erbeatOD » erbeiten; d. t. erwarten, 29. yorlang.
[117.] Ein annders lied.
1. Ein weiblich bild mein herz umbfangen hat
inn rechter lieb bis in den todt,
dardurch mein gemäet und alles mein geblüet
inn rechter lieb sich nach ir seenen thuet.
5 2. So red ich sicherlich on allen won
das ich zu dir nit komen khan,
das mir mein herz vor trauwren nicht zerbricht,
wann mich mein herzigs medelein so freuntlich anespricht.
3. Mit jamer und ellendt ich gar umbfangen bin,
10 mein herz, mein gemuet und all mein syn,
ich gee oder stee oder was man zue mir spricht,
das ich vor liebes dankhen nyemants recht bericht.
4. herzliebster schrein, schleäs auf das herze dein^
schleus mich in dein schnee weis ärmlein
15 inn solher lust gar freuntlich an dein brüst,
so wirt das junge herze mein imm leib davon getrost.
[97b] 5. In lieb ich ganz und gar umbfangen bin,
mein herz, gemäet und all mein syn,
yetz bin ich fro, dann weder wee noch wol,
20 so denkh ich allzeit wie ich mich hallten soll.
6. herzigs weyb, gib hilf und rath darzue,
rath mir das besst wie ich ime thue,
inn solhem schein das junge herze mein
bey mir, herzlieb, dein rosenfarbes mündelein.
CXVIU CXVUI,
131
sr5 7. Der rayeii ist gesungen zu trosl der liebsten mein
und allen schönen jungkhfreuwelein fein,
er ward gemacht do ich an sie gedacht,
Gott geh dem feinen medelein vil tausent gueter nacht. —
Nun ist es doch kein augenblickh, es wirt an sie gedacht* —
ffi.: 14. weiB ärmlein weis. 15, Bolh — mit undetäHcher Ablesung ^ ^er? -en? -em?
freantllcheD. 24 medelein. 25. liebste^. ^7. sie «n eie^ 2d tm Urekkem,
iSS2 J i9S: I 1, bezwungen hat 2. Hebe* 3 u. 4. dardnrch Bich mein gemüte and all
tneiß geblüte, in rechter liebe sie sich zu mir wenden thut. // L. Das red. 2. 2ur bertz*
al]erliebBten- S. mein kÜhDes herti. zubricht 4. wenn sie mich also frenndlicb aneicbt.
/// {^ Mi. €)i Hortzigos hertz gib biJff gib raht darzu, rath mir daa allerbeste und wie
ich jhm thn, bey dir zn aein, hertzaHerliebate meiOf schleas auff dein rosenfarbea mündeteln«
IV {= Hl. ¥\ \. Hertdge» berU, schleyB. 2. dein blancke arm el ein. 3. freundlichen an.
4, für frewden wird mein junges hertss getrost. V {= H». 3) L In liebe ich gantz und gar
entzündet bin. 2. mein bertz nnd gemüth. 3 u* 4* ich aing oder dicht oder was mau spricht,
vor großen gedancken niemand recht be rieht. VI (^^ H$. 5) 1, In liebe, verbunden bin.
2. und gemüth und alle. 3 u, 4. eine zeit frölieb die ander aeb nnd webe^ ieh beiienck
alzeit wie ich dem feinen meidlein dienen wü.
F//— X fehlen in der Hb. XI:
Das lied das aej gesungen meinem feinen bulen allein
EU Leipzig auf dem harten pHaeteretein,
da ist das Hed gemacht, da ich an das feine megdlein gedacht,
mein herz in meinem leibe vor großen freoden lacht.
Fl. BL Yd 7B0i (ü. Nagltr) Sl t2\ Yd lüQi St 1S\ Yd nus. - Ye SOS Drey 8chSne
Lieder, [ Das erste. Es war einmal ein Junger | Knab . . . | , . . | Das Ander, Ein Weib- | lieh
bilt mein bertz bezwan- [ gen hat, etc. | Das Dridte, Beschaffen Gltck ist vnuersaumbt^ Im
thon I Nach willen dein. {Bildcf*en, Am Schluß:} Gedruckt zu Magdednrgk [t] 1 Durch Joachim
Waiden, Won- | haflPtig inn der Brandtatraasen. (4 BL S^ o. J. Rikks. des leiMien BL leer.)
2 iti t i der Foxmng von i5H2 A enUftr^ Sir. Wiegen de$ driiten Lkd&t vgL oben H». Nr, 45. Nach
wiUen dein *. Nr, SL — Zwickau, Sammelt. XXX, F, 20 Sl 29 Drey bobsche lieder, Erffurdt
I52a 1. Ein weyblich bild meyn herta bezwungen bat — Be. 1568 Nr. 29,
[118.] Ein annders lied.
1. Es fuer ein man den Rhein aus —
mit narren und esell« —
er kam Tor einer frauw wirtin haus —
mit narren und eselln —
was eselln, was eseln, was narren und esel,
was narm und esell
Frauw wirtin» seit ir gewaltig %mA —
mit narren und eselw —
das ir den gast heut beherbergen wollt
mit narren und eselln?
!J
182
CXVIIL CXIX.
3. Ja, so gewalltig bin ich wol —
10 mit narren und eselln —
das ich den gast heut beherbern will
mit narren und eseln.
[98*] 4. Die frauw die briet dem gast ein ay
mit narren und eselln —
15 die dochter briet ime «xij- und 2 —
mit narrn und eseln.
5. Der wirt der kam in das haus —
mit narren und eseln —
er jaget den gast zum fenster hinaus
20 mit narrn und eseln.
H$.i 2 a. 4. eseU. 5. wol fehlt. 6. esel. 8 a. 10. esell.
Q9tre$ S, 141; Böhme, AM. Liederb, Nr. 479; Liederh. I S. 482 Nr. 148.
[119.] Ein annders lied
1. Ein medlen, ein medlen
das ist gar hüpsch und fein,
es thuet leckhen den löffeil,
das mues ich laßen sein;
6 darumb hab ich das lied gemacht
das sie vorbas mein nimmer
acht —
sy lacht und sprach unhum.
4 Ein pfeiflin, ein pfeiflin
tregt sie an irem hals,
das hat ir geben ein edelman,
25 darumb ist sie so stolz;
sie meinet sy woll kein schuester
han,
sy meint sie woll ein edelman han —
sy lacht und sprach unhum.
2. Zum tanzen, zum tanzen
stet all ir gedanM,
10 do hört man, do hört man
den aller bessten schwang;
und wann ir einer spotten thuet,
sam sey er ir nit guet genueg —
sy lacht und sprach unhum.
15 3. Ein steine, ein steine
tregt sie an ürer handt,
der ist gefast in golde,
darumb ist man ir holdt;
sy ist von erbam leäten
20 von brüsten und von heuten —
sy lacht und sprach unhum.
5. Zum tanzen, zum tanzen
30 kan sie gar hoflich prangen,
den höchsten vleis sie an sich legt,
die schlüßel last sy hangen,
sam sie hab ein edelman, [stan —
ir dückh sollt doch niemant ver-
35 sy lacht und sprach unhum.
[98b] 6. Ein medlen, ein medlen
das ist gar hüpsch und fein,
sy hat ein wunder lange nas
und trinkht auch gerne wein,
40 und laß mirs hie und umbher gan,
und wer das nit geraten han —
sy lacht und sprach unhum.
CXIX.
■
■
^^^^^^ 133 1
7, *Ey niedlin, ey medlin,
60
8
L Und wer uns das li edlin fl
wollauf rait mir ins feldt!* —
sang, ^J
45 'so nein ich, so nein ich!
von
L neu wem gesungen hat? ^^H
du narr, du hast kein gellt,
das
hat gethan ein pfefTer still — ^^M
du hast ein deines segkhelein,
Got
geh im ein fein guet jar! ^^H
es geen doch kein drey heller
er
hats gar wol gesungen, ^^H
drein* —
55
der
lang hat in verdrungen — ^^H
sy lacht und sprach unhum.
■n.
sy lacht und sprach unhum, ^^H
52. pfefferetil jsur Bezeichnung einet kieinm ^^^|
ffif,: 9, gedancklien. 38, wunde. 39. gm
ßilenachenf Qe^enteii vm 55* der lang?
■
Garru S. 62; Uhkmd Nr, 272-, Böhme, AM,
Lüdetk .
Nr. US-, LiBdtrk JII S, 504 Nt. 1707, H
[120,] Ein annd
ers
^H
1, Ehrnwerdl
25
wolbertig sitt, ^^H
uff erd
das glaub: ich bitt ^^^|
und tugent schon,
das glück h wol wöll ^^H
ein krön
lm\
vor ungefell ^^^|
Ä weiblicher art,
ir huetten wo2, ^^^|
von der ich ward
30
das
ir kein unnfall nit schaden sotL ^^H
herzlich erfreuwt,
zue welher zeit
4 Halb theil ^^|
ich wider kam
^^H
10 und sie micli freuntlich in ir erme-
lein nam.
35
mein leben ist — ^^H
kein frist, ^^^|
all stund! imm tag — ^^H
1 Will ir
allein sie hab ^^H
mit gir
mein gemuet verwundt» ^^H
und rechter treuw
kein mmsch mich ^undi ^^H
on reuw
sonst machen kan, ^^^|
15 mit stetter üb
40 sie
leg dann selbst ir aigen hilf daran. ^^B
inn rechter lieb
verbunden sein,
5. Die wort, ^^H
im herzen mein
kheiner andern gedenkh,
mein hört, ^^H
treuwiich bedenkh, ^^H
20 dann ich mich dir ganz für aigen
schenkh.
45
nit krenkh ^^H
das mein gemüet, ^^^|
durch all mein guet ^^H
3, Traut fromm
schickh mir dein trosti ^^H
darumb
so Wirt erlöst ^^H
m loben ist
mein herz aus leid, ^^H
on list
50 das sich dein lieb nit von mir scheid*. ^^M
8. keim Menicban nicht gesandt. ^^^|
m,i 15. Heb. 23. jolobeo, 29. wöll* 3
iä4
CXX. CXXI.
FonUr 1 (1552) ^. 107: 3. von tagent 0chön. 4. ich krdn. 10. das de mich sn jr
am. 19. nit anders denck. 20. vnd mich jr gantE. 25. wolpertig. 29. jr bhfiten
woL 30. ynfal schaden soll. 31. Halm teyl. 33. meins lebens ist 37. mein gmüt yer-
wnnd. 38. kein mensch mich gsund. 40. jr hülff daran. 45. gmat. 46. dein gfit. 48. so
wfird. 50. das deine lieh . . .
Em. 1568 Nr. 42 «. «. w. Vgl ^. 81 oben.
[121.] Ein annders lied.
1. Ein freuntlichs augenwenkhen
bringt lusst meines herzen beger,
wan ich an die liebste gedenkhen,
wie gern ich bey ir wer;
^ sy ist mein trost uff erden,
das änderst nit sein mag,
die schönste ist außerlesen —
ach, mocht ich bey ir genesen!
sie liebt mir ye lenger ye bas.
10 2. Wie schwer feilt mir mein
leiden
das ich von der liebsten mein;
über alle die da leben
soll sie mir die liebste sein;
umbfangen und umbbunden
15 hat sie mir das herze mein,
sy rasst zu aller stunde
inn meins herzens gründe,
das zarte jungkhfreuwelein.
3. neyder! der neider zungen
20 betreffen das herze mein,
laß mich der freuntschaft geniessen,
schons lieb, ob es mag sein,
und sollten mir zwey nun scheiden,
stell dein gedankhen zue mir,
25 und fuerstu [9^] über die beide,
stetig will ich nach dir beidten,
deßgleichen thue du wider zu mir!
4. Kein mann mag mich er-
freuwen,
dann ich bin ganz trauwrig,
30 dem ich yormals pflag zuegetrau-
der hat betrogen mich; [wen,
nu wolan, ich bin es zufriden,
es mag nit änderst gesein,
inn das beste will ichs keeren,
35 vergessen mues ich leren,
ich sete verloren spyl.
Es.: 11. liebste, mos sein? otkr ich bin? 36. sens.
Es. 1568 Nr.4 U.S. w.
1582 A 94 m 4 Str. 156 in 7 Str.: I 1. Mit freundlichen sagen wincken. 2. meins.
3. wenn, gedencken. 4. gerne. 5 n. 6. sie ist von solchem wesen, das anders nit sein
nnd mag. 7. hab ich. 8. o Gott möcht. wesen. 9. sie geliebet mir. mehr. II 2. Uebsten
mos sein. 3. all. 5 a. 6. and aach verbanden, wol in das. Z. 1 = Es. Z. 8. hertzen.
Z. 8 = Ei. Z. 7 rast sie. 9. jungfrewlein.
///. Sie hat zwey freandlich sagen,
die leuchten recht wie die stem,
die thet sie mir freundlich schießen,
denn ich sie sihe gern,
sie hat zwen rote wangen,
die haben betrogen mich,
nach jr trag ich yerlangen,
sie hat mein herz umbfangen,
ich seh sie von herzen gem.
CXXI. CXXII. 135
/F (=> Hm. 4) 1. Kein menBch. 2—8. denn ich bin trawriglich, die ich eins pflag sa
freyen, die hat begeben mich, wolan ich mna es leiden, das anders nit sein und mag, ins
best wil ich es kehren, vertragen. 9. nnd fähren. V (= Hs, 3) 1 — 3. Hertz lieb die falschen
rangen, das anders nit kan sein, lassen ans keiner. 4. kan sein. 5. und sollen wir zwej
nns scheiden. 6. von mir. 7 n. 8. so trab ich aber die heyden, stets wil aaff dich bejten.
9. da anch za mir.
VL Hertalieb wollest bedencken VII. Seafzen und fantasiren,
die große schwere pein, darza ganz trawriglich,
so sich von dir mas scheiden hab ich fOr ein manieren,
das jange hertze mein; glaab es mir sicherlich,
ich wil es dir bedeaten das machen die falschen kleffer
das heimlich leiden mein, mit jrem falschen rath,
so ich bin bey den leuten, die scheiden mich von meim balen,
kan ich nit wol verbergen es sol sie noch wol rewen,
das heimlich freyen za dir. des trag ich ein freyen mut.
[122.] Ein annders Med.
1. Ein neuwes lied hab ich erdacht,
wollt Gott ich hets zum ende bracht,
frölich so wollt ich singen,
köndt ich bey der herzallerliebsten sein,
6 wie kondt mir bas gelyngen,
ja gelingen.
2. Es kan aber laider nit gesein,
darumb ist betriebt das herze mein
und ist gar seer beschweret,
so kan ich sie doch aus meinem herzen nit lan,
10 und wer sie noch so ferren,
ja so ferren.
3. Die liebste vor allen ist sie genant,
ir mündlen ist rosenfarb,
sy hatt zwey rote weiße wangen,
goltgeel und braun das tregt sie gern,
16 damit hat sie auch mein herz umbfangen,
ja umbfangen.
4. Wer ist der uns diss liedlen sang?
ein armer reäter ist ers genant,
er hats so wol gesungen,
wer er bey der herzallerliebsten mein
20 da- [100«] heimen gebliben, imm hatt vor langst gelungen —
er hett sie wol überkommen. —
Es.: 10. ferm.
Gerrit S. 65.
186
CXXIIL
[123.] Ein annders lied.
1. Es wollt ein jäger jagen,
wolt jagen wilde schwein —
was begegnet irom uff der bei-
den?
ein mediin in weißen cleidern,
5 ein feins brauns megethlein.
5. Da lagen die zwey die lange
nacht,
die weil was inen mit lankh,
do spilten die zwey des guete,
bis das erwachet die muetter:
25 'ach dochter, du weckhest mich.' —
2. Er gräest sie also freye,
und ob sie sein buele wolte
sein;
sie sprach: 'von herzen gerne,
ir seyt mein morgen sterne,
10 khumbt hent, ich laß euch ein.'
6. 'Ach muetter, liebste muetter,
nun laß dein zürnen sein,
die deckh war mir entgangen,
ich muest sy widerumb langen,
schweigt, mueter, und habt guet
nie.' —
3. Der knab der was so thumme
nit,
er nam der reden wahr,
er klopfet also leyse
mit seiner ganz stillen weyse:
16 'standt uff und laß mich ein.* —
7. 'Die deckh die dir entpfallen
ist
da schlag der jarryt zue!
so hastu eingelaßen
den jager uff freyer Strassen,
35 den aller gotßliebsten dein.' —
4. 'Wer ist, der do klopfet
und mich nit ruehen lasst?' —
'es ist der jäger imm manntel!'
wie bald ine das mediin kann-
dte,
30 der jeger ward eingelahn.
8. 'Hab ich dann eingelaßen
den allergotßliebsten mein,
des mues ich offt entgellten
mit fluechen [ioot>] und mit schell-
ten,
40 ich armes brauns megedtlein.' —
9. Der uns das liedlen neuw gesang,
von neüwem gesungen hat,
das hat gethan ein jäger,
er reytt nit gern imm regen,
4ö der narren find man noch vyel.
Es,: 9. morgen stern. 19. kanndt. 22. nit fehlt
1582 A 112 in 10 Str. I u. II entspr. Es, 1 u, 2; JV—VIJ entspr. 5—5; ///, VUI^X
einerseits^ 3, 4, 9 andrerseits für sich,
Lieder mü ähnlichem Anfang im 16, Jahrhundert öfter: Yd 9281; Niederd. Liederb, Nr, 63 (55);
Oörres S. 183; Wackemagtl 1841 S, 841; ühland Nr. 104,
CXXIV.
137
[124.] Ein annders lied.
1. Ein freüwlin zart,
ganz schon von art,
mir treuw erzeigt,
ist doch geneigt
5 vil ander mer zu lieben,
sy thuet dergleich
als ob sie mich
mit treäwen mein
und sich allein
10 gegen mir inn lieb thue üeben,
welhes ich nicht acht,
so ichs betracht
wie falsch mit treuw vermischet —
setz dapfer dran
15 was ich mag han,
laß frölich umbher wischen!
2. In solher treuw
lebt ich on reuw
do ich was wildt
20 und etwo spylt,
khunt nie kein schanz gewynnen^
denkh noch wol dran
das mancher man
durch frauwen list
26 betrogen ist,
bin ich auch worden innen;
ich find irs gleich,
ist sie reich,
villeicht kombt glückh mit freü-
30 setz dapfer drann [den —
was ich mag han,
die mir niemants mag leyden.
3. Es wer ein spott,
brecht mich in noth,
35 darzue umbsunst
brecht groß Ungunst,
solt ich sie darumb meiden,
ob sie schon gegen mir
aus rechter gir
40 braucht falsdie lisst
und untreuw ist,
mues ich doch etwo leiden,
ich lob sie drumb
die sie macht fromm
45 und kan den schalkh bedeckhen,
wicwol mags sein,
lies sie mich ein,
freuntlich thet ich sie weckhen.
Hß.i 8. meine. 13. vermiBcht. 16. wüttschen. 44. sie «= sich?
138 CXXV. CXXVI.
[125.] Ein anders lied.
tioift] 1. Ein tage weis will ich singen, 2. Die tagweis ist gesungen,
herz allerliebste mein, lo herz allerliebste mein,
mir liebt vor allen dingen so scheinet mir die sonne
die edle kayserin; imm hellen tage schein,
5 das red ich uff meinen ayde: das ich sie mues fahren lohn —
wer alle dise wellt mir leät ein berg
under einem gezelt, I5 wol uberzwerg
so möcht mirs niemandts layden. inn allen meinen Strassen.
3. Die tageweis hat ein ende,
herzallerliebste mein,
so schreib ichs an die wende:
20 ein K, ein M verstrickt,
darauf setz ich ein kröne —
wer buelen will,
der halt sich gar styll,
so Wirt es ime gelonet.
Hs,: 4. kayserine. 12. helle.
Mone^ Anzeiger 7, 241,
[126.] Ein annders lied.
1. Es taget an dem höchsten, 4. ^Nun erschreckhet nit so seere,
es taget ann der hardt, mein wunderschönes lieb,
und wer will heimlich buelen, lö ich bin dein getreuwer diener,
der mach sich wol bald auf die farht. ich hab dich von herzen lieb.' —
5 2. Dei^ sich will heimlich freyen 5. ^Bistu mein lieber diener
aus ganzer stetigkheit, und wusst ich das vorwahr,
der halt red mit dem wachter, mein herz wolt ich bezwyngen,
der gibt ime den rechten bescheidt. 20 mein trauwren wolt ich lohn.'
3. Es lag ein schöne jungkfrauw [loi^] 6. Do lagen die zwey die lange,
10 inn irer cammer und schlief, die liebe lange nacht
sie ward so seer erschreckhet mit weißen armen umbfangen,
das sie der magdt ußrief. des morgens schyn der tag.
25 7. 'Nun standt uff, ritter, balde,
und es ist an der zeit,
die vögell vor dem walde
die singen widerstreit.'
ffa.i 2. er. 12. yffrüefft. 13. Nan nit so erschreckhet seere. 14. schönes: weibe:
lieb. 21. lannge Nacht.
Bern. 25. balde wohl Adverb in heutigem Sinne, nicht Adjektiv zu ritter in der Bedeutung i kühn.
Vgl unten 131, 86,
CXXVI. CXXVII.
139
1582 A 4i:
1. Es taget vor den oaten,
der mond scheinet überall,
and der da heimlich bulen wil, bulen
der mas ganz frü anfstahn. [wil,
5 2. Und der da heimlich bulen wil,
der halt es in Stetigkeit,
der halt es mit dem wechter, wechter,
der gibt dir ein guten bescheid.
3. Und das erhört die tausent schöne
10 in jrem schlaffkemmerlein,
sie erschrack von herzen sehre, sehre,
bald sich der wechter blies.
4 ^Erschrick du nicht so sehre,
mein wunder schönes lieb,
15 ich bin ein jOngling schöne, schöne,
von herzen hab ich dich lieb/ —
5. 'Bist du ein jOngling schöne,
und wüst ich das fürwar,
so wolt ich mein junges herz zwin-
gen, zwingen,
20 es mOste sein trawren lahn.*
6. Und das erhört der wechter,
hub an ein liedlein und sang:
'ist mir in keinem jare, jare,
kein nacht nicht worden so lang.
26 7. Und es ist nacht geworden,
es wird wol widerumb tag,
es hat ein feines megdlein, megdlein,
ein beyschlaflPen zugesagt.
8. Das megdlein das ich meine,
30 das ist gar hübsch und fein,
und solt ich bei jhr schla£Pen, schla£Pen,
das wer der wille mein.* —
9. 'Ja solstu bey mir schlaffen,
wer das der wille dein,
35 dein trawren mustu lassen, lassen,
ganz frölich mustu seyn.*
10. Wer ist der uns dis liedlein sang,
von newen gesungen hat,
das haben gethan zween berckgesel-
len
40 auf Sanct Annenberg in der stadt.
MoMj Anzeiger 7, 241.
Hs. 1568 Nr, 112 u, s. w.
[127.] Ein annders lied.
1. Ein stundt vermag
das jar und tag
zuwegen nit mag bringen,
darumb auch, glfickh,
5 ich nit erschrickh,
ich hoff mir soll gelingen
inn kurzer zeyt,
hoff sey nit weit,
das unglückh wirt verschwinden
10 und als mein layd
das wirt sich freüd,
bey dern ichs hoff zu finden
wann mir der stem thuet zinden.
2. Ein stundt vermag
15 das ich mein clag
zue ruckh mues . . . senden,
darumb ich fafi
mit dem compaß,
das stundt glas thue ich wenden;
20 wirt mir nit sonn,
wart uff Johan,
die zeit glogkh las ich schlagen,
aus herzen grundt
wart ich der stundt,
85 darauf will ichs wagen
und will auch nit verzagen. »
140 CXXVll. CXXVllh
3. Ein stundt vermag
das ich erjag
das glQokh uff meiner seilen,
30 das wart ich gern
und hoff der stem
zint mir noch wol bey Zeiten,
wie ichs ansah
der stundt nah
36 und hofnung zu erwarten,
das vögelein singt,
zeit rosen bringt,
leg schon der schnee im garten
und regnet es helleparthen.
Es.: 12. dern » der 'ad'; vgl D. Wh. 2, 958. hoff fehlt. 16. maea ich senden.
80. gerne. 31. Sterne. 33. ansabe. 34. nahe.
Görree S. 84.
[102»1 [128.] Ein annders lied.
1. Es sollt ein medlen waschen gan
ir hemdlen weis, ir eäglin dar,
sy hört ein reüter singen,
sie winkhet im mit ir schneweiJBen hand
5 das er ir hälfe außwinden,
wynden, ja wynden.
2. *Ach jungkhfrauw, wolt irs mit mir gan
und do die schone rößlen stan
drauset uff jhener wysen?' —
'ach reuter, weis du der rotten nit zuvil,
10 es wirt mich sonst verdrießen.' —
3. 'Ach jungkhfrauw, wolt irs mit mir gan
und do die taygen pirn stan
dort aussen uff jhener heyde?
ach jungkhfrauw, wolt irs mit mir gan,
15 so gib ich euch deren taigen,
dertaigen, ja taigen.' —
4. 'Über die haid so komm ich nit,
es sey dann zuvor meinem muetterlen lieb,
mein muetterlen will ich fragen,
und haisset michs dann mein mäeterlein,
20 so will ichs frölich wagen/
CXXVIII-
*
CXXX. 141 ■
5. *Ich bin bey meinem mueüerlen gewesen, "
so hat sy mir den text
gelesen:
daheyraen soll ich bleiben.
und so ichs über die beide kliomme.
2h SO geschehe mir als andern weibern, ,i
ia
Weibern/ ^^^^1
ja.
H§A 4. jr mit jr, hando. ^^^^
T \rr M. MM^^^ ^^^^^^^^^^^^^^H
m Lieder Nr. 30 nur d. erste Str,, Nr. 23 £ U^Ue Sir. ^^H
Gorres S. IBO; Ühland iSÄ", UO; Simrock S, 112; Böhme, Lkderh, Nr. 59; Lkderh. I S. 2G0 fl
Nr. 72.
^^M
[129.] Ein annders lied. ^^|
1. *Ein blüemlen das heist mei-
15 3. *Guet gsell, du sollt dich ^W
den,
freyen ^^^H
des krenkht sich mein gemüeth^
gegn disem neuwen jar, ^^H
soU ich dir laid vertreiben
inn mein färb soitu dich cleiden, ^^^|
so gar on alle sorg —
solsts von meinetwegen tragen, ^^^|
ö ach Got, was meiden thuet!
solt haben ein leichten mueth — ^^^|
vergiß mein nit stett woU dar-
20 ey das dich Got beware^ ^^H
bey,
dein seel, dein leib, ehr und H
du mein brauner wolgemueth/ —
ßuethr — ■
lioiJb] 2, 'Wie khündt ich dein ver-
4 'Wie khundt ich dir ver- ^^B
geäen,
sagen, ^H
du herzallerliebste mein?
du herzallerliebste mein? ^^H
10 mein herz will mir zerbrechen
die färb die will ich tragen ^^H
so ich von dir mues sein.
S5 . . . * . . von wegen dein, ^^^|
darbey gedenkh du mein.
will haben ein leichten muet, ^^H
die lieb und treuw die ich zue dir
wolt Got ich sollt stets bey dir H
trag
sein, H
die soll ganz, A, dein argen sein/ —
"'"""■■■""'" j
Görru S, 88.
[130.1 ^i^ annders lied. ^^M
1. Eilend war ich ein weyle
2. Feins lieb, laß mich genießen S
inn dem jungen herzen mein,
10 auch nun zu aller stundt ^^H
mir ist worden zu theile
das ich sey on alles verdrießen ^^H
ein junges medelein,
inn deinem dienst alzeyt bekunt, ^^^|
5 der ich mich hab ergeben
alls ich dir will zuetrauwen, ^^^H
in irem dienst zusein,
das glaube du mir fürwar^ ^^^|
nach irem willen zu leben,
ih ganz vesste uff dich bau wen, ^^H
bis an das ende mein-
du schön und seüberleüch. ^^H
142
cxxx.
[103*] 3. Ere/flig soltus ringen
in rechter stettigkheit,
keer dich an khein verdringen,
20 ich sey dir gleich noch weit;
hörstu was von mir sagen
das dir precht zweyfels an,
ker dich ann keines falschen claffers
sagen,
du solst mir die liebste sein.
25 4. Feins lieb, ich tbue dich fra-
gen
ob es auch in der warheit sey wahr,
. ich dir komm aus den äugen,
sollt meiner vergeßen sein? —
'ach nein, das sollt nit sein«
30 und warst du über tauset meil,
keinen liebem wollt ich gewynnen,
es sey dann der wille dein.'
5. Ein wörtlin hab ich gehöret
aus irem roten mundt,
36 dardurch wirt mir zerstreuwet
mein trauwren zu aller stundt,
inn freuwden will ich leben,
inn treuw ganz tugentreich,
den trost hat sie mir geben
40 die schone, die seüberleüch.
H$,i 10. ach. 14 fehU. 16. Thae. 17. KrelTtig soltas rein geo. 27. komm dir. 35. Ue§
zerstöret.
H$. 1575 Nr. 108:
1. Elende, du hast keine weile
ahm jungen fro herze mein,
mich ist gewurden zu theile
ein hübsch braunß megdelein fein,
5 ich gebe mich ehr over
in rechter stedigkeit
nach ihrem willen zu leben
beß an den ende mein.
2. Junkfraw, laß eß mir geneiBen
10 auch nu und zu aller stundt,
ich byn in keinem yordreißen
in deinem dienste boreith,
so offt du mir vortrauwest,
daß glove du mir vorwar,
15 auf deine gnad will ich bau wen,
du herzallerliebste mein.
3. Junkfraw, ich thu euch fragen
wie eß in der warheit magh sein:
wen der keme ein gudt geselle auß eawem
20 ob ehr vorgeßen solde sein? — [ogen
'auch geselle, du bist alleine,
und werstu über tausent meil,
kein ander lieb will ich haben,
daß wher dan der wille dein.
25 4. Geselle, du bist mir trewe,
ich weiß woll wher du bist,
du hast mir auch bedragen
und bist vuU argelist,
von dir will ich nicht scheiden,
30 daß gleube du mir vorwar,
von dir will ich nicht scheiden,
und levede ich tausent jhar.*
5. Ich hab ein wortlein gehöret,
auß einem zart mundtlein rodt,
35 darauß so ist vorsturet
mein traurent zu aller stundt,
in frowden will ich leben
in ehrem dienste schon,
nach deinem willen will ich leben,
40 du herzallerliebste mein.
CXXX. CXXXL 143 V
' Offenbar «i'nd in dieser ftumng der Bertiner Mm. die vier ersten Zeilen von Strophe 4 eiru "
getchoben ; sie iUhn im Wider »pntch eowohi zu den vorhergehenden und folgenden Worten der Qeiiebten,
die keinen andern zu liehen vnd avch dern ulhst tn
meüesier Feme Befindlichen Treue m halten per-
tpriehU ah auch namentlich in grellem Gegensatz
^u der frohen ZuverMU, welche der Liebende
darauf äußert.
II
[131.] Ein annders lied. ^^H
(Ist gewesen ein herzogin '
?on Hechel burgs doehten ^^^|
Die bürg beisi Stergerdt.) ^^H
1. Es wonet lieb bey liebe,
5. Sy gab im dem mantel zu be- ^^H
darzue gros herzen layd:
wahren, ^^H
ein edle herzogine,
30 den roch ann seinen arm: ^^H
ein herzog, was hochgeraait —
'nun farthin, jungkhfrauw edell, ^^H
5 sie helten einander von herzen
das euch Gott bewahr!' ^^^|
• lieb
sie kam under einen holen stein ^^H
und kundlen vor großer huete
als under ein grüene lynde, ^^H
zusamen kommen nie.
36 darunder ein prunlen was dein. ^^H
2. Die jungkhfraw die was edel,
6* Und diß erhört der zwerge ^^H
sie gieng wol einen abentgang
inn der holen do er was, ^^H
10 vor ires vatters bürge
ufhueb er sein füeße, ^^^|
do sie den wechter fand:
gar heim lieh schleicht er dar: ^^^|
*ach wechter, Irit du her zu mir,
40 ^ach junkhfrauw, ir sollt mit mir gan^ ^^H
ich woll dich seelig machen,
ich bin ein l>ot zue euch gesandt, ^^H
dorfl ich verlrauwen dir/
ir solts nit fahren Ion,* ^^H
[103^] 3. *Das Ihet ich also vil geren,
7, Ab zog sie iren schlier, ^^H
16 zart allerliebste jungkhfrauw fein,
sie warf in uff eins baumes ast: ^^B
so furcht ich also seere
45 'nu sichstu, vil edler ritter, H
den liebsten herren mein.
das ich alhie was; H
ich furcht so seer eurs vatters
mich füert ein wilder zwerg da- H
zom;
hin — ^^^1
so wann es euch mißelinge,
ach reicher Crist von hime], ^^H
das leben het ich verlorn,' —
wie soll es mir ergan?' ^^H
4. *Mir soll nit raisselingen,
50 8, Er fuert sie zue seiner mueter ^M
ich will nur vor den hag,
wol in die höll hinein; ^^H
und schlaff ich dann zu lange,
'nun fuer sie balde . ^^H
25 SO weckh mich mit deim gesange
du schaffest uns gros jamer und ^^H
und laß mich, wechter, zoe dir hin-
^H
ein,
ehe skh die nacht noch vollendet^ ^^H
dieweil so schlefl mein mueter
56 drey mordt werden . , , ^^H
dartzue der vatter mein.'
vor großem . . leid,' ^^H
144
CXXXI.
1104*] 9. Er nam sie bey der hende,
bey ir schneweißen hand^
er füert sie an das ende
eo do er sie funden hett;
da hueb sich gross jamer und her-
zen leid,
do lag des edlen herzogen kind
inn seinem schwerdt, was todt.
10. Auß zucket sie das Schwerte
65 und stach es selbs durch sich:
'und hastu dich ermordet,
ertödten will ich mich,
es soll sich nymmer mer
eines ritters kind ermorden
70 wie . . . durch mich.'
11. Der wechter an der zyn-
nen
heb uf ein lied, gesang:
'mich daucht in tausent jaren
noch nie kein nacht so lang
75 als mich die hinacht hat gethan —
ach reicher Crist vonn himel,
wie soll es mir ergan?'
12. Und diß erhört die muetter
amm beth und do sie lag:
80 'nun hört, vil edler herre,
yemembt des wechters clag
und die er hinacht hat gethan —
ich fürchten unser dochter
sey nit wolgethan.' —
85 13. 'Nu standt auf, baußfirauw,
balde
und zindt ein kerzen liecA*!' —
sie kam vor der dochter betthe,
die dochter fand sie nit;
do gehueb sich gros jamer und
^ herzelaid,
90 do lagen die edlen herzogin kinde
in einem schwert versert.
14. Man thet den wachter sue-
man legt in uff ein tisch, [chen,
man thet in dein zerschneiden
95 recht sam wer er ein visch;
das thet man als darumb
das andere darann gedächten,
sich hfietten furbas bas.
Es.: 15. gern. 19. zorns. 42. fahrn. 49. mir fehlt; vgl Z. 77. 52. za rackhe?
53 a. 54. du schaffest — peiu, du schaffest vns gros jame [!] vnd hertzenleid, ehe sie.
Die Worte zwischen pein und ehe sind als OherschUssiger Vers oben im Text weggelassen; der
Schreiber hat gedankenlos die Worte von Z. 61 vorausgenommen, 55. sein geschehen? 56. herzen
leid? 58. hennde. 64. er das schwert. 70. nun gescheen? 83. Ir. 86. lied. 93. mag.
1582 A 223 in 17 Str. I—IV entspr. Es. 1—4; V—VII für Es. 5; 7 fehlt 1582 A mü
Recht; VIII = 6; IX u. X für Es. 8; XI— XIV entspr. 9-12; X Vu. X VI für Es. 13; X VII = 14.
Niederd. Liederb. Nr. 73: Jahrbuch f niederd. Sprf. 26 (1900) S. 29.
Fl. Bl. Berlin Yd 7821 St. 20; Yd 8968; Ye 514. — Frankfurt a. M. Sammelb. L 521 Bl. 35. —
Weimar^ Sammelb. St. 25 Ein schöne Tagweis | Es wonett lieb bey liebe . . . Nürnberg, K. Her-
gotin 0. J. 17 Str. — Zürich, Stadtbibl. Gal. KK 1552 St. 24 Ein H&bsche \ Tageweiß, von
«ines Kö- | nigs Tochter vnd einem jungen | Ritter, Es wohnet Lieb bey | Liebe, 2c. | Ein
andere schöne Tageweiß, von | eines Königs Tochter . . . 1 1 | (Bildchen) Ein ander schön Lied,
Ich stund I an einem Morgen, }c. | 1613 — (Am Schluß:) Getruckt zu Basel, bey | Johann
Schröter. | 1613. (8 Bl. 8^ Rucks, des ersten u. letzten Bl. leer.) 1. Es wohnet lieb bey liebe . . .
17 Str. (Dahinter:) Lieb ist Leyds anfang, | Es steh gleich kurtz oder lang. 2. Röndt ich
von hertzen singen, ein hübsche Tageweiß . . . 19 Str. 3. Ich stund an einem Morgen . . .
7 Str. Zu den Liedern 2 u. 3 s. Nr. 55 u. 153 der Es. — Ebenda XVIII 2017 St. 5—7: Ein
schöne Ta- | geweyß, von eines KÖ- | nigs Tochter. | Im Thon: | Es wonet Lieb bey Liebe, 2c |
(Bildchen) \ Gedruckt zu Augfpurg, | bey Michael Manger. (4 Bl. 8^ o. J. Rüdu, des erttm u.
CXXX!, CXXXll.
letzten BL leer,) das ich künd von Hertzen, Biugen ein Bcb^ine Tageweyß , . , t9 Str, —
Ein BchÖD Ta* [ geweyß : Von einee Küniga 1 Tochter, vnd einem jungen Eit- | ter, Auch vom
Zwergen, :c. E« | wobnet Lieb bey Liebe, dar- [ zn groß hertzenleydt, {Biidchm. i BL 8^
0.0, u. / Rüch^ du ersten u. kizUn BL leer.) Es wohnet Lieb bey Liebe . . , 17 Str. — Ein ach^n
Tag- I weyß , . » 1 1 [ Im Thon: | Ea wohnet Lieb bey Liebe, darKU | groß Hertzenleydt.
{BUdchm.) Dieweil mein Herta thüt lieben, ein Edle junckfraw zart . . . SS Sir. — Zwickau^
Rat»scMAi6L XXX^ V, 20 Sl tO Ejn Schone tageweya, | Von eynes Ktinig» Tochter, vnd einem |
Wechter, Im thon, ea wonet lieb bey | liebe, dart^u groß hertze leydt | Das ander. Kein fremd
&n I Jeydj mag mir wider | faren. | M.D.XXIX. {Bildchen. Am Schluß:) Gedruckt zu Erffhrdt
zum I acbwartssen Hörn, (4 BL S**, Ruch, des a-sien u. kuten BL leer.) 1. Es weuet lieb bey
liebe , , . /7 Str. (2. Kein freud an leid . . . 3 Sir. Hs. 1^68 Nr. 83 u. $, «?.)
Wunderhom II (iSÖS) S. 273\ Görre» S. 19 1\ Ufdand M:90{ Mütter S.9 Nr, 5, Goedek^
TiUm, S, 83 \ R, ©. Läiencrm S. 125 Nr. 37; Bohmty LiederL Nr. 19; LiederK I S. 304 Nr. 8$ u.
S. Sit Nr, 88.
VgL Hogmmm, Hota^ Befy. 2, 105 u. II, 234; WUiem (iS4S) S. 168.
[I04b]
[132.] Ein annders lied*
1. Für alle freüd ufiF dtser
erd
hab ich mir ein schätz erweit,
mein herz nichts liebers begert
dann das ich ein weil bey ir
5 sollt bleiben ein zeit;
wie hart ich leyd
das ich so lange von ir bin
nnd bleiben mues,
bringt mir schwere pues,
10 noch ist bey ir herz, mnet und
syn.
2, Es ist onnoth und darf nit wort:
sie ist mir die liebst die ich in treu
^fewan,
darzue meins herzens ein höchster
bort,
daran sie khein zweifei soll han,
15 das trauw sy mir:
ich bin der ir
inn steter treuw ganz onverkert»
wiewol man flndt
vyl schöner kind,
20 noch ist sie mir für alle die werdt.
3* Lieb thuet mich zwingen also seer,
die ich nach ir durch seenen trag,
das ich sunsi keiner kurzweil ^ehr,
man spring, danz, sing oder sag —
SA bringt nur schwer,
mich freuwet nichts mer
wann das ich altzeit hoff und wart,
komment zue ir
aus herzen begir,
30 mich freuwet nichts mer dann die wyderfarth.
ff 8.: 7. lange Zeit. 12. sie mir die liebst, die Hebst, trenwent 23. melir. 24 a. 25. sag-
koment xue Ir ans Lertzen begir: Bringt
88 Ikder, Numh^g {J. v. Berg u, CT, Neuber) o. /. Nr. 40: 1. Fvr all anff diter erd.
2. schätz anßerwelt. 3. Mein berte hat liebere nie begert 4. daa ich ein eeit bey jr «olt
146
CXXXll. CXXXlll.
sein. 5. vertreiben mein zeit. 7. lang jetzt von jr sol sein. 10. noch (m der Wiederkobmg:
doch) bleibt 11. darff hertz lieb nicht wort 12. wie wol da bist die liebet, die ich doch je
gewan. 18. meines hertzen. 14. daran solt du kein zweiffei nicht han. 15. des vertraw.
19. hertz lieb noch vil schöner kindt 20. noch liebst da mir fttr alle dise weit 22. mit sehnen,
ä. wenn ich mich sonst keiner kortzweyl nit acht. 24. man tantz, sing oder apring, ja aber
sing. 25 — 27. Das ist mir alles schwer, mich erfrewt hertz lieb nichts mer, dann das ich alle
zeyt. 28. vnd komb za dir. 30. Mich erfrewt hertz lieb nichts mer, denn dein widerfart
Airatüdkon: F— e— li(— x).
E$. 1568 Nr, 82 u. $. w.
[133.] Ein annders lied.
zue
. Herzainigs lieb,
mich nit betrieb,
so uns die zeit
yetz widerstreit;
sich do wol wie
das kein mensch nie
so seelig lebt,
wie hoch er schwebt,
Zeiten imm etwas wider-
[105*1
11
15
mein
Lei gleich als ich,
das bitt ich dich,
drumb will ich
nit abelan,
nit irren soll,
erkhens doch wol,
was untreuw khan,
dasselbig sich an,
herz dir guets vor
allen
strept.
andern gahnn.
3.
20
25
Nach solher schwer
mein treuw heger
inn hoflfnung wart —
unfal uns gar —
bin ganz verpflicht,
so gar mit nicht
ich von dir setz
mit keiner letz,
schier ich dich alles laids ergetz.
Hs,i 10. Lebt 12. will ich = willig? kan zu ergämenf 18. gahnn =» gan. 19. schwert.
20. bewert.
Akrostichon: He — le— na. Die Verse sind merkwürdig durcheinander geworfen. Das zweite Reim-
paar der dritten (Z. 21^ 22) muß mit demjenigen der zweiten Strophe (Z. 12, 13) den Platz tauschen.
1582 A 36: 1 a. 2. Hertz einiges lieb, dich. 5. siehst doch. 6. mensch hie. 10. Leb.
12 — 14. in hoffnung wart nnfal ans nicht, lang jrren sol. 17. dasselb. 18. für andern gan.
19. schwer. 20. beger. 21 — 24. die dir voran, ohn abelan, stets ist verpflicht, fttrwar
mit nicht. 27. frenndiich dich sicher alles leide ergetz.
Ä. 1568 Nr, 33 u, s, w,
Fl. BL Weimar, Sammelb, 14, 6: 60« St. 17 Drey hübscher Lieder/ | Das erst /Hertz
e3migs lieb / bis nit be- | trftbt Das ander / Ist yemand hie der | sich frewt der langen nacht
Das dritt | Weyß mir ein feynes megetleyn. {Bildchen. Am Schluß:) Gedruckt zu Ntbmberg
durch I Kunegnnd Hergotin. (4 Bl, 8^ o. J. Rücke, des ersten u. letzten El. leer.) 1 in 3 Sir,
Akrostichon: fle—le— na. Das dritte Lied entspr. Nr. 150 d. Hs.
CXXXIV. 147
[134.] Ein annders lied.
1. Herzlieb, ich scheid aus herzen grimm,
mit lauter stimm
thue ich deiner lieb begem;
herzlieb, sich an, merkh und vernimm,
5 wo es sich zimm,
so thue dich zue mir kern!
mit deiner gewalt
mich lenger behallt,
unnfall hat mich umbgeben gar,
10 seit mir die stundt
ist worden khundt
das ich mich scheid genzlich färwar,
tröst mich, mein schon und dar,
das ich mich scheidt genzlich färwar —
tröst mich, mein schön und dar!
2. ^Herzliebster gsell, mein trost wirt klein,
15 wie ich gemein
deßgleichen geschehe dir auch als mir;
wann ich mich scheid, mein ainigs ein,
last mich allein,
erst ich enntbür meins herzen begir;
20 mein syn und herz
mues leiden schmerz
bitzue deiner wider ker —
es darf nit beth,
ich bleib dir stet,
25 das red ich dir bey treuw und ehr:
vertrauw mir das und noch vil mehr!'
[lOb^] 3. Herzlieb, zart schon und innigclich,
wie hoch freüdt mich
das du die lieb recht hallten wiltt,
30 und das ich mich zue dir versieh,
deßgleichen ich
inn treuwen dienst dirs vergilt
inn allem dem
das wer genem,
36 wo ich das wais, merkh und verstandt,
10*
148 CXXXIV.
so bin ich der
keiner andern beger,
und bleib dir allzeit underthan,
uff erd beger ich khein lieber zuhan.
40 4. *Hab großen dankh, herz liebster gsell,
als dann dein will
sovil freuden von mir begert,
und alles was ich vermag, ich dir zuestell,
mein ungefell
45 urab uns beide bezalet wirt:
dann wirt erlost mein herz
aus seenlicher schmerz,
wann das geschee inn selber gstallt
das du blibst steet,
M) so hett ich nie erlebt
größer freud so manigfalt —
schaff und gebuyt an mir, du hast gewallt'
5. Herzallerliebste kayserin,
inn meinem synn
55 dein trost mich seer erfreuwen thuet
in allem dem das ich beginn;
ich lieb und brinn
inn feürs hitz, inn hohem muet,
wiewol ichs doch
60 für war nit wais,
der stunden meiner widerfart,
mues nu von hinn,
dieweil ich yetzo bin,
alltzeit ich deiner hulden wart,
65 das red ich dir, mein schön und zart.
Hs,i 20. hertz vnd 8711. 22. einer. 40. danckh großen. 56. begieng.
Mgq 718 BL 6^: 1. Hertz lieb icb rueff von hertzen grym. 3. vnd tu deinr hilff be-
geren. 4. Sich an vnd scbaw mich ains vemym. 5. ob es. 6. keren. 8. bhalt. 13. tröst
mich mein aller schönst vnd klar. 15. So ich wol main. 16 u. 17. mir gschech des gleichen
auch als dir, So dn dich schaidst. 19 u. 20. enpir. gir, mein gmuet. 22. so lang pis zu
dir wider ker. 23. So hilfft kain pett. 24. pleib. 25. das glob (= gelob). 26. getraw.
27. Hertz liebste zart vnd wqneclich. 29. dein lieb stet 30. für war ich michs. 31 n. 32. des
gleich auch ich, mit trewem dienst dirß wider gilt 34. was dir ist gnem. 35. yerstan.
36. pin. 37 — 39. kain anderß mer, ich pleib altzeyt dein vnderthon, aoff erd ger ich
nit liebers zhon. 40—42. Hab grossen danck hertz liebster gsöll, njm hin vnd wöU, aU
frewd died von mir haben wilt 43—45. was ich vermag ich dir das stöÜ, ob vngef511, noch
CXXXIV, cxxxv.
Tmb vnß pftide wurd geBtilt 46 — ^52. So wer mein hert£, erlöst von Behmertz, wann es g%*
Bcbecb in sÖIHcher gstaJt, das du pleibet bie, lob bet nocb nie, eölicb frewd erlebt ao
manigfalt, Bcha^ rnd gepult mir mit gewalt. 55« micb gantz^ 56. dem wai. 57 u. 58^ leb
icb md prinn, in Yenns bit£ Tnd hochem mut. 59. ich. 60 n. 61. als vor vnd noch, nit
waiß die stund meinr widerfart. 62 — 65. nymb von mir bin^ die wejl ieh pin, das icb
altiejt der liebe wart, leb halt dich mein mein icbönete zart
6. ^Machs wie da wild^ hertz UebBter mein,
ich ger die Bein
die willig tat was dir gefeilt,
ob icb micb leid in Bökbem scbein,
iet mir kein pein,
dn piit der liebBt der micb entbelt,
mein frewd Tnd wann
ich niemantz gann
atlbie auff erd an kainem ort
wan dir allain,
mein ainiga ain,
habe nit darflir daB es sej wort:
du piet vnd pleybet mein höcheter hort^
7« Eb plaipt dapej, mein ainigs bertE,
herwider wert«
trdBt ich in lieb dich des geleichf
wan mir doch liebt dein frenntlicb Bcbertz
f^ aUe ertz
vnd alle frewd die lebt im reiah,
da nem icb für
daa ich pey dir
vertreiben meobt mein zeyt vnd atnnd,
ea mag nit sein,
ich gib mich drein,
bewar dich Got, mein rotter mandt,
glück füeg vnl^ achter zu aamen geund«
Jioe»]
[135.] Ein annders Hed.
1- Het ich viel gellt»
so wurd ich werdt gehalUen,
seyt ich keins hab,
so ist die lieb zerspallten,
6 frauw, zwischen mir und dtr^
die lieb die hebt sich schier,
sy ist auch bald zertrennet,
ich het ein ayd geschwom
du bettest mich außerkorn,
10 ee ich dich recht erkennet.
2. Das ist ein lust
das du kanst narren machen,
es ist umbsonst^
ich mues dein altzeit lachen
15 wann ich an dich gedenkfa,
du kanst die rechte schwenkh
die narren kappen zumeßen,
die hastu mir gescbenkht
und an mein hals gfehenkt^
20 ich kann dein nit vergeßen.
3. Noch seind ir vyl
die mir mein cappen wollen zerreißen,
doch ehe ichs inn lies,
ehe wollt ich mich mit inen schraeyßen;
35 wirt sy mir dan entzuckt,
von meinem hals geruckt,
so mues ich sie laßen fahren:
ich main es sey ein plag
das ich mich all mein tag
30 Tor narren aie khunt bewaren.
ff9.: 10. erkennt 11. dein Inat?
150 CXXXV. CXXXVL
Hb. i5ßB Nr. 105 u, $. w.
A. #. Akk Nr.i9: 1. wer ieh. 8 o. 4. So myr das feit so. 6. Heb erli&l». 9. h^ü.
10. efkennet 11. dein loBt 13. Ymb smt 17. kappen meeeen. 19 n. 20. an meinen hab
geheaekt. daa kan ich nit vergeeeen. 21—24. Ir synd noch viL woln mir mein kap aer-
riaeea« jedoch ich wiL mich mit jn daromb beissen. 27. icha lawen. 90. vor narrn nit
kan bewaren.
[136.] Ein anders lied.
1. Herzlich so wünsch ich mich bey ir
. . . ze sein in freüden,
die ich mir für alles guet beger,
kein mensch khann mir sie erleiden,
6 dann allein der todt
und sonst khein not
solt solhe lieb nit scheiden.
2. Ob ich gleich nicht allzeit bey ir bin,
daromb soll sie nit trauwren,
10 ich lass doch bey ir herz, mueth und syn,
rede ich on alle scheue,
mein junges herz
bleibt [106t)] gegen ir unverkhert
in rechter lieb und treüwe.
15 3. Der liebe Got wöll ir beschirmher sein
und sie bewaren vor leide,
mein junges herz leit schwere pein,
wann ich von ir mues scheiden,
der liebe Gott spar sie gesundt
20 zu aller stundt —
hilf uns bald widerumb zusamen mit freäden!
Ba.: 11. Bcheuch. 14. ich.
Ä. 1575 Nr. 2:
1. Herzlich Wunsche ich mich bey ihr 2. Ob ich nicht allseit bey ihr aey,
allein tza sein mitt freuwden, daromb schalsto, hersUeb, nicht troren,
die ich vor aUes guden bogere 10 ich laße bey ihr herz, mueth und synne,
kein minsche schall sie mir nicht leiten, rede ich ohne alles löghen«
5 dan alleine der todt mein Jungs herz
und sunst keine noeth bleibt stedes jegen ihr anyorkert
schall solche liebe nicht schieden. in rechter lieb und treawe.
CXXXVI— CXXXVIIL 151
15 3. Der liebe Qott mtiße ihr beechuUer sein
und sie be waren vor liede,
ed briBget meinem bergen schwere peine
d&ß ich mich Ton ihr mneli schieden,
dammb epare sie Gott gesnndt
20 zu aller atundt —
hilf nits xusamende ndtt freuwdeo*
[137.] Ein anders lied.
L Yelz scheiden bringt mir 2. Unfall durch seinen neid
schwer, lo hat solhe clag erdacht,
und macht mich ganz traurigclich und schickt sich slettigclich
das ich soll und mues von dir, das scheiden wüt vollhracht,
die oflfl erfreu wet mich; dardurch trag ich gros leyden
5 mit schimpf und auch mit scherzen und ist langweylig mir
hat sie mir mein herz beward t, i5 das ich dich, schön, mues mei-
erst werd ich krankh von herzen den —
so ich gedenkhe der hinfart. o glücWiT das dag ich dir.
3. Eomm mir mit trost zusteür,
bedenkh des scheydens end,
vil kurzweil wirt mir werden theur,
20 so ich von hynnen ]end\
mit wißen mues ich scheiden,
doch bleibt mein herz bey dir;
glückh, schickh die zeit mit freüden,
hilf uns zusamen schier!
ff 9.1 2. gantz ja. U. ist feh/L 18. ende, 20. lennde.
A^ V. Aieh Nr. 2i 2. mich traurigküch, 3. dai ich n-un «ol von der. 6. hat sie meyn
gmüt bewart. 3. so ich gedenck der fart. IL vnd schickt die klegliöh rijt 14. vod iat
laogkwyÜg rayr, 15, das ich die Bchöen aol meiden. 18. doch Bcheidene endt, 19. mir
teuer. 20. lend* 21. mjt lieb so muß. 23* gluck bringt die %yi. 24, acheir.
ffi. ISeS Nr. IG u. ». w.
[lOT»] (138-1 Ein anders lied.
1. Ich armes m edlen dag mich seet —
wie soll mir nu geschehen,
das ich den allerliebsten mein
so lang nit hab gesehen^
b der mir mein zeit und weil vertreibt,
sonst kheiner uf diser erden —
wann ich gedenkh wie es im geht,
mein herz in großen trauwren steet,
der liebst mues er mir werden.
H
3
152 CXXXVUI.
10 2. Ach reicher Gott, gib im das gläckh:
wo er reüth inn dem lande,
bewar im seinen geraden leib
vor layd und auch vor schände;
das will ich immer dankhen dir
15 tag, nacht und alle stunde,
noch frey ich mich seiner widerfarth,
du mein einiger trost, mein liebstes lieb,
vergiß mein nit in treu wen I
3. Er zog mit willen nit dahin,
20 noch hat er mein herz vor aigen,
vyl guets ich mich versyhe zu iw,
treuw wil ich im erzaigen;
kein falsche that hab an ime erkant,
an seinem ganzen leibe,
25 noch ist der knab so wolgemueth,
vor in nemm ich nit dkheisers guet,
der liebst mues er mir werden.
4. Er zog dahin, es was mir laid,
meins herzen außerkor^;
30 inn meine färb ward er geclaid,
wie er dahin thet fahren;
sein Urlaub nemmen bringt mir schwer
und macht mir großes trauwren,
doch freuw ich mich seinr widerfart,
35 du mein ainiger trost, mein liebstes lieb,
vergiß mein nit imm herzen!
ffs.i 21. EU ime versyhe. 23. : hab: hab. 26. dkheisers; d angeuUi {um des £u
sekreibenf)y daraus dann k gemacht. Vgl Z. 24 des folgenden Liedes, 29. aoBerkom. 34 fehU.
Forster III {1552) Nr. 31: 2. leyd geschehen. 6. sonst keinr auff. 9. wie kan ich
frölich werden? 10. verleyh jm glück. 12. bewar sein leyb ftir vnfall duck. 13. bhüt jn
vor leyd vnd schände. 14. des. 16—18. wann ich gedenck das jm wol geht, mein hertx in
grossen freuden steht, mir ist der liebst aaff erden. 19. Er ritt mit meim willen nicht
hin. 20. noch ist mein hertz sein eygen. 21. Als guts ich mich versihe za jm. 23 u. 24. Kein
falsch hat er an mir erkand, an meinem. 25. es ist. 26. nichts. 27. sol er. 28. Er
ritt dahin das war. 30. ist er. 31. wo that er nar hinfaren. 32. Sein vrlaab that mir
bringen pein. 33 — 36. mir heimlichs rewen, doch frew ich mich seinr widerfart, mein
eynger trost, mein höchster hört, vergiß mein nicht in trewen.
Forster III {1552) Nr. 32 nur die erste Strophe: Z. 2. wie sol mir nnn geschehen . . .
Es. 1575 Nr. 23: Archiv f. d. neueren Spr. 111 {1903) S. 20; dazu: Oehsenkkun 1558
BL LXXIV^ in 3 Str, entspr. den 3 ersten d. Es. Dedekind, Dodekatonon 1588 Nr. 8 d. erste Str.
Görres S. 125; Wackemagel 1841 S. 855; ühland Nr. 71; C. F. Becker, Lieder u. Wessen S. IS;
Mittler S. 511 Nr. 672; R. v. LiUencron S. 359 Nr. 125 u. s. w.
CXXXIX. CXL, 153
[107b] [139.] Ein anders lied.
1. Isprugkh, ich mues dich laßen, 3. Das median sprach mit
ich far dahin mein straßen, schmerzen:
ist wider meinen dankh; 'o wee, o wee meins herzen
der mir mein bueln hat gnom- 15 das ich dich mues fahren lahn:
men, hab ich inn all mein tagen
5 den halt ich nit fum frommen, kein mensch nie lieber gehabt
das jhar ist mir zu lang. dan dich, herzlieb, allein.'
2. So fahr ich über die beide, 4 Der knab der stuend alleine:
von meim bueln mues ich scheiden, 20 ^feins lieb, du sollt nit waynen,
ich wirf mich dückh herumb, solt haben ein leichten muet,
10 sehe hinder mich zu ruckhe ich will dich nit ufgeben,
und wünsch dir, feins lieb, gläckhe dieweil ich hab das leben,
bis ich wider zue dir khumb. und hett ich des kaysers guet.'
26 5. Damit scheid ich von dannen —
Maria und Sant Anna
wollen mir hilflich sein
inn allen meinen dingen,
das sie mir nit mißlingen!
30 Gott behüet mir die schönste kayserin!
Hs.: 9. dückh = dick d. i. oft, vielmals, 10. nickh. 11. lieb fehlt, glückh. 18. alleine.
Vgl. 1582 A 188, B 1^\ Forster I 36.
Fl. Bl. Yd 9681 Drey Schöne Ldeder, Nürnberg, F. Gutknecht 0. J. {Darin audi Nr. 85
u. 157.) Yd 9685 Zwey Schöne Lieder, Nünnberg, V. Neuber 0. J. (Darin auch Nr. 157.) —
Basel, Sar. St. 48 Drey Hüpsche nüwe Lieder, Getmckt durch Samuel Apiarium. (BaseL)
8. Inßbrnck ich muß dich lassen ... 4 sechsx. Sir. (Darin auch Nr. 168.) — Frankfurt a. M.
Freitag XXI 311 Drey schöner newer Lieder, Augspurg, M. Manger 0. J. 2. Inßbruck ich muß
dich lassen ... 4 Str. (Darin auch Nr. 85 u. 186.)
Niederd. Liederb. 53 (50): Jahrb. f nd. Sprf. 26 (1900) S. 24.
München (Cg. 980, 4^ Johann Ketzmanns von Nürnberg Hs. Bl. 278»: Isbruck ich muß dich
lassen . . . (3 Str.) Descr. 8. Jun. 1552.
Qörres S. 123; Mone, Anzeiger 7, 238\ fVackemagel 1841 S. 846-, ühland Nir. 69; Erk, Neue
Samndung, Bd. III H. 1 (1845) S. 92 Nr. 84; Simrock S. 264; C. F. Becker I S.9; Wunderhom
4, 235; MitOer S. 535 Nr. 719/20; R. v. LiHencron S. 349 Nr. 122 u. s. w.
[140.] Ein anders lied.
1. Ich ritt mit lust durch einen wald,
do sangen die vöglein jung und allt.
2. Sy sungen alß lang bis mich verdroß,
do fielen drey rößlin in mein schoß.
154 CXL. CXLL
[108a] 3. Nun sag, nun sag, guet rößlin rotb:
6 lebet mein buel oder ist er todt?
4. 'Er lebet noch, er ist nit todt,
er leut vor Münster inn großer noth.
5. Er leüth zu Cöln wol ann dem Rhein,
10 er schenkht den landtßknechten dapfer ein.'
6. Guet Henßlin lies sein rößlin beschlagen,
es soll in den hohen berg uflragen.
7. Wie hoher berg, wie tieflfe thal!
es ist schad das Henßlen sterben soll.
15 8. Und stirb ich dann, so bin ich todt,
so begrebt man mich under die rößlin roth.
9. So begrebt man mich an dieselben statt
do mir mein buel die treuw ufgab.
Görre$ S. 157; ühland Nr. 150; Böhme, Liederb. Nr. 430; Liederh. I S. 618 Nr. 206.
[141.] Ein annders lied.
1. Ich bin durch freu Wiens willen [108^] 3. Er nam sie bey der hende,
geritten so manche nacht, 20 bey ir schneweißen handt,
nu sagt mir, schone jungkhfrauwe: er füert sie an ein ende
was habt ir euch bedacht? wol über ein schmalen gang,
5 ob ir mich wollet neramen, wol in ein cammerlein, was finster:
so verheist mirs bey der zeit, do lag der hold und schlieff,
ich soll und mues von hinnen 20 der wechter uff der zynnen
— ja schöns mein lieb — — schön ist mein lieb —
mir liebt kein anders wei6. den hellen tag uffblies.
10 2. 'Geliebdt dir kein anders weybe, 4. *Ligt sich yemandts hie verbor-
so geliebet mir kein anderer man, der erheb sich bey der zeit, [gen,
so kher dich her zue mir! 30 und das man in nit spare
das ich die schönste sey, wol bey dem schönen weib;
das lob will ich behallten ich sich die morgen röte,
16 dem allerliebsten mein den tag spür ich darbey,
und wils mit recht behallten die deine waldt vögelein singen
— ja schons mein lieb — 35 — ja schöns mein lieb —
dein lauter aigen will ich sein.' darzue frauw nachtigall.' —
CXLI-CXLUL
5. *Ach freölin, ich hat mit euch
gescherzet,
ist mir von herzen leid,
ich hab durch euch gelytten
40 lieb und leid,
so bin ich durch eurentwillen
geritten so manche zeit,
des sollt ir mich laßen genießen
— ja schönes mein lieb —
45 aide, ich fahr dahin.
6. Wir zwey möeßen scheiden
aus disem grienen clee,
so geschieht uns allen beiden
ann unserm herzen wee/
50 do kert er ir den ruckhen,
er sprach nichts mer zoe ir,
das freuwlen thet sich schmu-
ckhen
— ja sch5ns mein lieb —
^ade, ich far dahin/
Hir. 5, wollet: habenn^ Hemmen, 9. weibe. 21. sie fehlt. 24. hold, 40 anvotUtändi^,
46. zwe^^; mir: müeBan.
15S2 A 184 t I 2 u. 3 gerieten manchen tag, &q bit bh euch edle^ frewleia. 5^ habt
jr mich willen wxt nemen^ 6. veTbeiBeht. 7 — 9. ich boU vo^ hinnen reiten, o schönes
mein lieb, mir geliebt ein andera weib. // 1—4* Geliebea dir andre weiber, so kehr dich
weit von mir, nun sprechen sich die lente, das ich die scbÖoBte sey* 6 — 9, meinem
feinen bulen alJein, ans frischem freym ge walte, ey echönea mein Heb, dein eigen sol
ich »ein. /// {^= ffs, 5) 1. Zart fraw ich hab geschertzet 3—9. ich bin durch ewrent
willen^ geritten so manche heyd, das «olt jhr mir »art frawe, alkeit genießen lan, thut
ewer hertz an flach ließen, äcMeua mich darein, hertzall erlieb st e mein. IV (= E9, 3) 3. fiiret
sie* 5. kämmerloin änster. 7. an. 8. o aehdnea mein lieb. 9. anblies. V (^ ff§. 4)
h Liegt jemand. 2. der beb. 3. das jn die leut nit spüren. 5. morgen r5t her dringen.
6. ich im thaL 7. kleinen, S. o schönes . . * Schhßntr. cf, Hi. fehlt.
Ber^r. Nr, 461 Neudr. S, 97 in 4 Str. GS Lmdtr ifr. 20 in 3 Str. «, *. w.
m. 1575 Jfr, 129 u, i, 10,
Gdrret S. iSö? MiUler S. 14€ ifr, 158 {S. 8 Nr, 4 Keren^iein) u. #.10.
[109*] [142,] Ein annders lied. Ich hab verschütt mein habermues > , ,
3 2ehns. Str, = Ar, 75.
[143.] Ein annders lied.
3
1. Ich saß und was ein mal allein
in einem stöbelam,
do sähe ich zue der thür hinein
die allerliebste mein :,: die aller-
liebste mein.
Gries dich Gott, mein feines
lieb!
10 wie stet unser sach?
ich Sichs an deinem mundelein:
dein herz leidt ungemach :,:
5 2. Von herzen was ich nie so fro, [io9t>] 4. Dein mundlein ist verblichen,
wiisst selber nit wie mir was, ist nimmer als roth als vor,
ich gieng zue meinem feinen buelen, 16 do ich dich zum ersten mal lieb
ich nam sie inn mein arm ;,: ich gewann,
gieng. ist langer dan ein jar-
156
CXLlii. CXLiV.
5. Und wer mir trauren helfen will,
der heb ein finger aufl —
ich sehe vil finger und wenig treuw,
20 drumb so höer ichs singen uff.
; Böhme, Liederb. Nr. 155-, Liederh. II S. 265 Nr. U7 u. $. w.
Oörres S.
Hb. 1574 Nr. 35:
1. Nu f al du reif, da kalter sehne,
fall mir of meinen foes,
das medtlein ist nicht über hundert meilen
nnd das mir werden mues,
nnd das mir werden mues.
2. Ich kam far lieblein kemmerlein,
ich meint ich wer allein,
da kam die herzallerliebste mein
woll 2U der thoer hinein,
woU 2u der thuer hinein.
8. Gk)t gruesse dich, mein feines lieb!
wie stehet unser beider sach?
ich sichs an deinen brunnen augelein klar:
du traegst groes unngemach,
du trägst groes unngemach.
Vj^. Euphonan 9, 280.
4. Die sonne ist verblichen,
ist nimmer so klar als vor,
es ist noch nichts ein halbes jähr
dar ich dich ihrst lieb gewann,
dar ich dich irst Heb gwan.
5. Was sol mir den mein feines lieb,
wann sey nicht danzen kahn?
fahr ich sey zu dem tanze,
spot mein ein jedermahn
das sey nicht danzen kahnn.
6. Wer mir will helfen trawren,
der recke zwehnn fingher auf! —
ich sehen vill finger und wenigh trawren —
ade, ich fahr darhin
das ich so ellendigh bin.
[144.] Ein anders lied.
1. Ich ritt mir aus nach abentheur
durch einen grönen wald,
und der was ungeheuwre;
darinn fand ich ein seuberliche magt,
6 rößlen wolt sie brechen,
het sie mir gesagt:
2. Rößlen roth zue einem kränze,
und wer ein lieben buelen hat,
mag gar wol frölich tanzen;
10 das hab ich armer reuter nit,
mues reiten und rauben,
stein wie ein dieb.
3. Man soll durch schöner junkhfreulen willen
zerstechen die speer, zerhauwen die schulten,
15 man soll durch irentwillen
wagen leyb und guet —
Got geh ir tausent gueter jar
die mich erfreuwen thuet!
ff 8. 1568 Nr. 53:
1. Ich reit mich einmall auf eventure
für einen walt, was ungehuire,
nnd dann so fant ich sitzen
ein wunder schone magt,
rosen so wolt sei brechen,
das batt sei mir gesagt
die wunder schone magt:
2. Roßlein rott zu einem kränzen,
und wer ein stättigen holen hatt,
der mag woll danzen;
das hab ich armer reuter nitt,
des mos ich rauten und rauben,
Stelen wie ein dieb,
mein wunder schönes lieb.
CXLIV, CXLV, 157 ^B
3, Bauten und rauben is kein aehandef ™
des tbun die beate boffleut
im Bruüschwigiache lande,
drumb aoU ein fromer nian
wagen leib und guitt^
sie ist mir in dem herzen
die mirs gefallen thuitt,
^^J
ich Wunsch ir alles guitt.
■
Vgl ZeiUchr. f. <kmche Ffiüoi. 35, 519.
^
Qmru S, 90^ Mme, Ameiger 7, 318^ MitUer S. B81 Nr. UOO:, Erk- Böhme, liederhm III |
S. m Nr. 1295 «. #. w.
j
[145.] Ein annders lied. ^^^
1. Ich weis kein zeit jetzunder
4, Gar schön find ich geschriben ^^B
die mich erfreuwen tuet,
von Ponto dem ritter guet: ^^B
mein freud ist mir verschwunden,
30 gros wunder hat er getriben ^^H
ich hoff es wer- [no*l de noch guel;
bis er erlangt die guet, ^^H
& wiewol ich trag verborgen
Sydonia was sie genante ^^H
groß jamer und herzenleid,
die edle königin schon, ^^|
ich hoff glückh komm bis morgen
gross unfal sties im zuhanden ^^B.
und erlös mich wider aus sorgen,
35 ee dann er denn herzog durch rante H
ich hoff einer bessern zeit
zue Vanes wo! auf der ban. ^J
10 2- Ob ich jetz schon mues leiden
5. Was soU ich aber singen? ^^H
so ich verschuldet hab,
man find ir noch wol viel ^^|
die allerschonste meyden,
weihe die liebe thuet zwingen ^^|
bringt mir ein schwere clag —
40 bis zue des todtes zyl; ^^|
die mich thet offt erfreyen
den nenn ich ein mit namen: ^^H
15 mit irem mundlen roth,
PIramus ein ritter stolz, ^^H
so ich gedenke irer treuwen,
der umb sein leben käme ^^H
mein clag thuet sich verneuwen,
wol bey des bronnes strame ^^H
ich klags dem lieben Gott.
4th vor einem gronen holz. ^^H
3. Richti Herr, in deinem reiche
6. Ach Venus, edle koniginne, ^^H
20 all die mir schaden thuen,
was hab ich dir gethan? ^^H
ich hoff ich wöll erschleichen
du krenkhst mir herz, mueth und ^^B
ein freudenreiche stundt
synn^ ^^H
die mich bringt wider zufreüden,
das ich kein rue [iiot>] mag han, ^^|
und lös mich wider aus noth,
50 Cupido das kleine kindlein ^^|
S5 ich trag senliches leiden
lernst du mit schneller eyl ^^H
das ich mich solang mues schei*
das es mich ganz bezwingen, ^^|
den,
darzue mein herz durchdringen ^^H
es wer mir lieber der todt.
mit einem feurigen pfeyt. ^^|
158 CXLV.
55 7. Cato thuet uns beschreiben 8. Tbamar ward gar verachtet
mit seiner scharpfen lisst: 65 alhie in diser weit
ich sollt mein laid vermengen do sie sich unbetrachtet
mit freud zue diser frist het gesellt
und mich gar nichts bekrenkhen, zue Ammon irem brueder —
60 sonder schlagen alles inn windt inn liebe ich da sprich —
und haben ein leuchten muethe, 70 deßhalb kam Ammon in nöten
nit trachten uf zeitliche güeter — und empfieng also den todten
welhes alles die lieb uberwindt. so gar ellendigclich.
9. Erlasch nit herzog Friderich,
der khüene Schwab genant,
75 do er erschoß ellendigclich
drey tauben wol bekant?
bey einem bach sie lagen
und waren laider todt,
erst fleug er an zuclagen
80 und thet also verzagen
inn seiner großen noth.
J7«. : 20. unprungUch tbuent im Reim auf stondt 32. genant 38. schöne. 35. rant
36. wol auf wol auf. 40. zue zae. 46. königin. 48. syn. 57. Uesi vertreiben m Rnm
auf beBchreiben. 61. mueth. 62. He»i guete. 67 unvolUtandig. 79. sudagent.
Fl. BL Berlin u. Ztoichou {Druck von 3 Ldedem, Nürmberg, J. Gutknecbt o. J. VgL oben
Nr. 28): Ein schönes newes lied, In dem thon, Die Sunn ist verblichen ... / 1. Ich weyft
kein zeyt yetzondenn. 4. werd. 5. ich klag. 6. mein jammer vnd grosses leyd. 7 n. 8.
morgen, erldß. 9. einer vil bessern zoyt. // 1. schon yetz. 2. begangen hab. 3. schön-
stenn. 5. Die mich stets thet erfrewenn. 6. mündtlein. 7 u. 8. mein klag thnt sich ver-
newen, so ich gedenck jrer trewen. /// 1. Rech Herr. 2. thun. 4. ein seidenreiche stand.
5 — 7. die mir hilfft wider zu freaden, vnnd wendet all mein not, mir geschieht engstliches
leyden. 9. vil lieber wer mir der todt. IV S. Vil wanders hat er vertriben. 4 gewon.
5. genante. 6. Königin schon. 7—9. groß vnfal wardt jm bekante, ee er den Hertsog
dnrchrandte, sa Vannes aaff der Ban. V 1 u. 2. Was sol ich weytter singen, man findet
jr aach gar vil. 3. thet bezwingen. 4. biß aaff. 5. Der ich einen nenn mit namen.
8. brannens. 9. grünen holtz. VI 1. Königin. 2. gethon. 3. krenckest. synn. 5. Cupido
das jange kinde. 6. inn. 7 a. 8. das er mein leyb bezwinget, hertz math vnnd sinn durch
dringet 9. fewerin pfeyl. VII 1 a. 2. Catho der that mir nennen, in seinem. 3. Mein
leyd sol ich. 5 — 9. Vnnd haben ein gatten mathe, so wfbrdt mir mein hertz gesandt, sol
bleybenn in gatter hüte, nit achtenn aaffs zeytlich gatte, welches die liebe verwandt.
VIII Hoffnung die thut emeren
mein kranck vnd schwaches gemüt
Ich hoff es sols verkeren
Jupiter durch sein ght.
Gegen Marti dem vil starcken
der solches zu wegen bracht,
hat mir mein freud zerspalten
mit trawren manigfalten,
der stettigs vmb vnfal tracht.
CXLV, CXLVI.
IX (= H9. Ä) 1 n. 2. Thatnar die ward veracbtet, wol hie, 3 u* 4. Ir hertz in byd ver-
schmachtet, do aie aich het geaelt. 5. bruder trotte* 6. daa^ 7 u. 8* drnmm Amon kam
in note, empfieng alao ^en todte.
X {= Ih. 9) 4. TaubeD weyß bekandt. 6 u. 7. vnd waren geatorben todt, da fing,
klagen- 9, so gar in grosser not.
XL Rede ich anfiT meinen eyde
vnnd hab dea guten bescbejd.
Die lieb die bringt groß leyde
ao gar nach ktirtzer frend.
Circia thut wikt aufgieasen
mit jrer groaeenn macht,
da mit will iche beschlieesen,
bit euch habt kein yerdneseen —
Aide zu gutter nacht.
Trost Gott alle betrübte hertzen.
Die Jnfangsbuc^tabi'n d^ Strophen ergehen ah Akroüichon den Namen Jörg Wnehter. Damit
nennt mch ak VeffmMcr des Liedes der bekannie Nürnberger Drucker ^ aus ^€i«fji Werkstatt auch
Mahlr eicht Lieder heflchen hervorgegangen sind und welcher detrtnach in den Nachwetsungen zu den
eimelnen Liedern als Drucker meitrfach erwähnt wird. In vorstehendem Gedicht prunkt er mit Lese-
früchten aus der Bibd^ am antiker Mythologie und aus RiUergediühten^ Wegen Thamar %md Ammm^
ßgL das 2. Buch Safnuelis Kap, IS^ wegen Pontus und Sidonia vgL ßoedeke, Orundr. I^ S. 355^ ^ßS\
wegmi des Her^gs Friedrich tfon Schwaben Qoedeke 1^ S. 2^8 und neuerdings Deutsche Teste des
MiUelalters H. L Herzog Friedrich aus Sehwi^en auch unten Nr. i54 E, 31 — 40 \ Pontius und
Sidonixi auch often Nr. S2 Z 21—24.
Qorru S. fSL
[146.] Ein annders lied.
1. Ich hart ein freu vvl ein clagen,
furwar ein welblichs bild,
ir herz wolt ir verzagen
nach einem ritter mild,
ö sprach sie das freiiwlein mit lüsslen:
'er leüth mir an meinen brüsten
der mir der liebste ist.*
[111*] 2. Die 2wey die fheten rassten
nit gar ein halbe stundt,
10 der wechter ob dem cassten
den hellen tag verkündl,
er Ihet sein hörrlin schellen:
'franw, weckhet euwren gsellen,
wann es ist an der zeitJ —
15 3, *So wolt ich gern weckhen
den allerliebsten mein^
ich sorg ich thuen erschreekhen
das junge herze sein;
er ist meins herzens ein geselle^
20 er sey gleich wo er wolle,
wie gern ich bey ime wolt sein.'
4. Ach scheiden immer scheiden
wer hat dich erdacht?
du hast mein herz aus freuden
25 inn trauren . . . bracht,
du hast mein junges herze
aus freuden bracht in schmerze —
ade, ich fahr dahyn.
ffi.i 8. theten fehlt, 27. in achmertzen bracht
Bergr, Nr. S3 (Neudr, 99/100 S. 109): I 2. weiblich,
frewlein mit liaten, 6. an den. 7. liebate sej.
4. Jüngling milt. 5. da sprach daa
// 1, die theten. 5* der thet 6. owern.
160
CXLVI. CXLVII.
III 1. So darff jch jn doch nicht wecken. 3. jeh farcht jch ihn.
das mejn. 5. hertzen gselle. 6. vnd sej er wo er wolle. 7. jm.
IV u, V {fehlen in der H$.):
4. sein hertz imd auch
Der vns das liedlein newes gesang,
von newem gegangen hat,
das hat gethan ein gut gsell,
Got geh jm ein feyn gut jar!
er hats gar wol gesungen,
wann er ist innen worden
wie scheyden von liebe thut.
VI (» H$. 4) 2. wer hat sich dein erdacht 3 u. 4. hast mir meyn junges hertze auß
freuden in trauren bracht. 5 — 7. geschieht mejnem hertzen leyde von dannen muß jch
scheyden aide zu guter nacht!
H$. 1574 Nr. 38 u. $. w. Qörres S, 120 u. #. tr.
Die zwey musten sich scheiden
gegen dem Hechten tag —
so schrey wir beyde leide,
groß leid ynd vngemach,
so schrey wir beide leyde —
von dannen muß jch scheiden,
meim hertzen dem gschicht we.
[147.] Ein annders lied.
1. Ich beut dir da,
mein herziges A,
ganz willig pflicht;
doch nit gedenkh
5 das solhes krenkh
an eren icht —
'verhüet, guet gsell!
gros ungefell
mir draus entstund^
10 wo ich begundt' —
soll dan mein dienst nit angenem
sein,
au wee, herzallerliebste mein!
so schrey ich dannocht: rumb,
her ja rumb,
16 bleib steet bis ich feerwider khumb!
2. ^Mein schuld ist nit
das ich deiner bitt
kein genüegen thue' —
ein anders ists
20 des mir gebrist,
du merkest wol wo;
es ist doch kein,
herzeinigs ein,
was ich dir gönn,
26 warumb nimbst nit an? —
4ch darfs nit thun, das hörstu
woP —
au wee das ichs erleben soll!
so schrey [iiii>] ich dannocht: rumb,
her ja rumb,
30 bleib steet bis ich herwider khumb!
3. ^Laß ab dein clag
und nit verzag,
herzallerliebster freunde!
leucht kombt die zeit
35 das ich on neyd
dein freüd entzindt,
so ich on forcht
und unbesorgt
von dir mag han
40 on argen wan' —
so schrey ich dann: herzigs A! mit
freud,
au wee bringt mir dan gar kein leid,
so schrey ich dannocht: rumb,
her ja rumb,
46 bleib stets bis ich herwider khumb!
Ee.i 9. entstünde,
argkh gewan.
10. begundte. 15. ich wider. 33. freunde. 38. yngebeth. 40. on
CXLVU. CXLVIll.
Fonter 7 {f552} Nr. tlHi 1 u* 2* da, freundliches Ä. 5, dich solches bökrenck. 6. an
ehren nicht B u. 10. mir daraaÜ entstlent, wfUin ich begint. IL sott. J3 u. 14. ich d&iui
rumm her, ja rumm. herwider kumm. 17. deinr. 13. kein gnugen thuti. 19 u. 20 kt, das
mir briet 2L inercket wol nti, 22. ist das doch klein. 23« eynigcs. 24 u. 25. das dich er*
man, dtumb nimm es an. 20. das weista wol. 27, ich erleben. 28 q. 29. dann rtunmi her jft
namtn. S3. hertz liebster freund. 36. dir freud erzint. 3S. vnd one sorg. 4L so aeheid
ich hertzigi K, mit frendt 42. mir jet2 gar. 43 ti, 44. doch schrey ich rumm^ her ja rumm,
bleib stet , . *
[148,] Ein anders lied.
1, Ich het mir ein buelen außerkoreOf
der was mir ganz lieb und werdt
inn zueilten und auch in ehern,
wie es ir junges -Q. begert;
5 ich het sie lieb und das ist wahr,
die stund ich nit mag bey ir sein,
das dunkht mich ein ganzes jhar.
2, Schöns medlen, laß dich geauegen,
ich bin zue dir gesandt,
10 das glückh wir! sich wider amb 2ue uns fuegen,
das jar ist mir worden so lang,
das liebe lange jar ist mir worden lang genueg,
khondt und mochte ich der zeit erwarten,
mein sach möchte noch werden guet.
15 3. Der falschen klaffer seind sovil
gewachsen inn disem landt,
sie schießen mir und dir sovil der falschen pfeyl,
Got geb inn das ungefell!
Got geb inen [U2»l der ungefell sovil,
20 ja die so mir und dir und andern gueten gesellen
reden an ir zuchl und eher!
4. Viel eer und zucht wolt ich erzeigen
dir, du schönes brauns medelein —
von dir so mues ich mich yetzundt scheiden,
25 ach du herz aller liebste mein —
der Unfall hat uns den schaden gethan,
aide, bleib du Inn freüden,
inn großen trauwren so scheid ich darvon.
A.: 1. AnßerkQrn. 3. Imi ehren,
Bart^, AM. Eandichriftm^ S. 98 hmterht «« diutm Lkdei ^QedrucU im Liederbuch der
Hätzkrin S. 85,' Dort findti man ein Li&f, weiche* olkrdings ebenso beginnt wie vorstehendes^ aber
Dsiitaehfl Tute des Mltt«U]t«re Y. 11
162 CXLVIII. CXLIX.
aufitr der Anfangsßeüe weder im Gedankengange noch im S^ophenhau damit irgend etwas gemein
hoL E$ besteht aus 5 fänfzeiligen Strophen^ wogegen obiges Lied siebenzeiUge Strophen hat.
[149.] Ein anders Med.
1. Itz zue disem mayen 2. Ich het mir ein freuwlin außer-
grien will ich mich cleiden, ein ander hat rairs abgestellt; [weit,
den liebsten buelen den ich hab, lo das schafiFt das wetter so unstet ist,
der will sich von mir scheiden, ein liechter windt wedt mirs dahin,
5 das schafft allein ir untreüw, zu letzt so kommbt ein regengus,
ir wankhellmüetiger syn — der fuert mir alles dahin —
hab Urlaub und fahr dahin. schafft das ich trauwrig bin.
15 3. Ach Gott, was soll ich mich emeren?
mein feins lieb hat mir Urlaub geben,
und was ich nit gehaben mag,
das mues ich mich laider verwegen;
mit iren falschen worten
20 hat sie an mich gebracht,
ich hett sonst nitt daran gedacht.
Forster III (1552) iV^. 33:
1. Es naht sich gegem meyen, 2. Het mir ein samen außgeseet,
grftn wil ich mich kleiden, den mir ein ander abgmeet;
den liebsten bulen den ich hab, das schafft das weter ynstet,
der wil sich von mir scheiden, ein leicht wind der mirs hin weht,
das schafft allein jr yntrew, auch kam ein groß giisse,
wanckelmfttig sin — fürt mirs alles dahin —
hab vriaub far dahin. schafft das ich trawrig bin.
3. Mein lieb thut sich yerkeren,
hat mir vrlanb gegeben,
was einer nit gehabn mag,
sol er sichs leycht verwegen;
mit jren falschen worten
hat sie es an mich bracht,
het sonst an sie nit dacht
In Ye 2791 Zway Schöne lieder zusammen mit Nr. 58 (s. oben): 2. Wol hewer zu disem
Mayen, jhn grün will ich mich kleydenn ... 4 Sir. Von den Varianten hebe ich hervor: 5 u. 6. das
macht allain sein yntrew, sein wanckelmütiger sinn. 7. vrlanb ich. 8 u. 9. Ich het mir zu
freädenn außgeseet, einn annderer hat mirs abgemeedt. 12. ein grosser giß. 15. Ach Qott
wie soll ich mich ernem ... IV. Der vns dises liedlein sanng, von newem hat gesungen,
das hat gethon ein bargers sun, jm ist nit misselongen, wann er ist jnnen worden, was
scheyden f&rt von eim ordenn wol hewr zu disem jar.
Weimar y Sammelb. 14, 6: GO' St. 16 Drey hübsche Lieder, | Das erst Wol hewr zu disem
Meien, | in gr&n wil jch mich kleiden. | Das an- | der. Aide mit leyd, der jch on frewd. | Das
CXLIX. CL. 168
dritt. Von dem Junckfraw har. {Bädchen. 4 BL H^ o. O. u. J. Rucks, des ersten u. letzten Bl.
leer.) I in 4 Str, Dem zweiten Liede dieses Einzeldrucks entsprechend beginnt, aber verläuft anders
Nr. 64 d, Hs.
Qörres S. 77; ühland Nr. 66; Wunderh. IV (hrsg. r. Erk) S. 231; Mittler S. 499 Nr. 648;
Böhme, Liederb. Nr. 214; Liederh. II S. 200 Nr. 389.
|ii2i>| [150.] Ein annders lied.
1. Ich wais mir ein feins brauns mägetlein,
hat mir mein herz beseßen,
es kan mir ein feins kusermeülen sein,
ich kan ir nit vergessen,
6 sy gfellt mir aus der maßen wol,
ir weis und geberd
ist lobens werd,
es zimmbt ir alles wol was sie thuen soll.
2. Sy hat mirs heimlich zuegesagt
10 sie wöll mein buele werden,
hat mir mein trauwrigs herz erfreuwt,
meins komers bin ich genesen —
o glückh, vergib mir solhen lust!
wann es bleibt recht,
16 so wirt es schlecht,
mein bitt wirt änderst gar umb sonst.
3. Feins lieb, ich hab dich außerwölt
und bin dein büelin worden,
hat mir mein junges herz erfreuwdt
20 und brent an allen orten;
das clag ich dir, meins herzen begir,
du hilf und schein,
mein groß pein —
herzlieb, sag mir ein herzlich zyl!
Hs.: 6. geberde. 7. werde. 10. lies: wesen.
1582 A 33: 1. megdlein. 3. ein krauserlein mauserlein sein. 5. gefeit. 6 u. 7. berd,
ist goldes wert. 8. es steht dem megdlein wol, was ich thun sol. 9. mir heimlich. 10. bule
sein. 13 — 15. Unglück vergang mit solchem lust, das bleib ich recht, so ist. 16. mein
freud ist. umbsunst. 17 — 19. Freundliches hertz, mein anserwehlte, halt dich nach meinen
werten, mein hertz hat sich zu dir geselt. 21—24. Das sag ich dir, aus hertzen begir,
schrej ich zu dir, mein höchste zier, feins lieb setz mir ein gnediges ziel.
Fl. Bl. Yd 7850 St. 20 Vier schöne newe Lieder, Straßburg, Thiebolt Berger o. J. 2. Ich
weiß mir ein feins brauns Mägetlin . . . 3 Str.
Weimar, Sammeib. St. 17 Drey hübscher Lieder, Nürnberg, Kunegund Hergotin o. •/.
3. Weiß mir ein feynes megetlejn ... 3 Str. Derselbe Druck enthää Nr. 133 d. Es.
II*
5i^ CL. OJL
^ ^ a.
CLK CLIl,
H». Nr. 79 von dcuKi^en Liede du beiden erstem Siropken noch emmal^ Le^artem: 10. tbiie.
11, dATumb. 15. auff ir gan&dt. 23. dammb ich. 24. dir* 28 Q. 29 ^wetmaL 30. dammb
ich bitt. 3L lost 32. an mir. 40. damtnb dae tcb*
Ftfrtterl (15S2} Ar. 122 1 1. fast wol, 2, dnimm. 9. Tnd berd. IL dAranik IB. aorg.
22. fjiat wol- £^. dnunb ich. 24^ tod dir nit weich. 26. seit vedriessen [!]. 27. dir bold.
29* ja mt. 90. dammb ich bit. 31. last mich d£. 32. thti&t an mir. 33. an dir. M. Ter*
trawen. 39. mil giiQtxem fleiS. 43. fast wol. 44. dmmb ieh. 47. freandHchs. 4S. mit
gantiar gir. 49. gen mir. 50. iü. 51. darnmb, 52. für. 33. On als. 54^ gring.
55. herttigs. 56. ak. 59. wann ich gedenck. 60. der freundlich schwenck.
F^rxier IJJ {1552) Nr. i3, MotiM wie I 122^ nur: IL darin. 15. jr genad. 2L eej noch
faet woi müglich. 29. hab nit 31. le«t. 42. sey f&st noch wol mügtich. 63. pej faat
wol mfiglich.
Qoedekt //* S. 2$ Sdk^^ 1513.
M. Ebmre^Men B$. (USQ) Mff 4SS Bl. 325^ m S Sir,
[152^] Ein annders lieci
1. Ich reuw und clag
das ich mein tag
nit IJebers hab Terloren,
Dach dem ich mir
5 zu freüd, lost nnd gir
ein [113h] feins medlen hab auf-
das mich so hoch [erkoren,
all stund und noch
mit schmerzen thuet bekrenkhen —
10 erbannet mich hart,
ich leid und wart
weß mich das glückh Ihut hedenkhen.
U
2. Dann unfal gros
on freuden blos
ib hat mich mit laid umbgeben,
mit seiner krail
in trüebsal bracht
und trauwren auch darneben,
das ich nun die
20 mein herz het ye
%Mm höchsten thun erfreuwen^
erst soll Verlan —
wie Wirts mir gan?
mein hinfartli thuet mich reuwen.
3. Dardurch mein herz
inn wee und schmerz —
laß dich mein laid erbarmen
und denkh an die
treuw dienst und müe
30 des diener dein inJ armen,
das bit ich dich
von herzen freuntlich
du thuest mich defl geweren,
und wollest nit
a5 in ertan sltt
dein diener thun verkheren.
M»,i 4. mir f^tU. 35. in erlan »itt hede^m vidiekk; fiooA Jri emer M:hwankenden {htiweiiem
umd wpHckvSrUieh tmgeßkrten) Erk. 36. den.
166
CLii. CLIII.
A, V. Aieh Nr. 52: 4. ich mjr. 5. zu heud ynd gyr. 6. eyn lieb het aaß erkoren.
10. erparm. 11 u. 12. ich peit vnd wart, biß mein gluck thüt bedencken. 14. an freiden
plo8. 16. mit seiner macht. 23. yr gan. 26. tregt we. 28. denck doch die. 31. bit ich
n&n dich. 32. von hertz. 35. in trewem sit. 36. dein.
Förster I 121. Nteht tu verwechseln mit Ich klag und reu, Akrostichon Jesu: A. v. Aiek
Nr. 15, Förster I 84.
Fi. Bl. Berlin Yd 7801 Sl 15; Yd 7821 St. 26; Ye 22. - Zwickau XXX, F, 20 Sl 39. -
Sonderdruck von 10 Liedern, Weimar u. London; vgl. Hs. Nr. 42.
Es. 1575 Nr. 74.
G&rres S. 37.
[153.] Ein annders lied.
1. Ich stuend an einem morgen
gar heimlich an einem ort,
da het ich mich verborgen,
ich hört clagliche wor^
6 von einem freuwlen hüpsch und
fein,
sie sprach zue irem buelen:
'es mues gescheiden sein.
2. Gesell, ich hab vemomen
du wölst dich scheiden von mir;
10 wann willtu wider kommen?
das solt [114*] du sagen mir' —
'ach schone, das kan ich euw nit
sagen,
mein zuekonft thuest mich fragen,
ich weis weder stundt noch tag.
15 3. Ich mues in frembde lande,
thuet meinem herzen wee,
beut mir dein schneweis hende,
ich gesehe dich nimer mee;
nun gsegen dich Gott, meins herzens
ein cron,
20 Gott dankh dir deiner treuwe
die du mir hast gethon.*
4. Das freuwlein wainet seere,
ir herz was laides voll:
'nun gib mir weis und lere
25 wie ich mich halten soll,
ich will verlaßen guet und eehr,
mit dir will ich von hinnen,
khein weg ist mir zuferr.* —
5. 'Du sollt dich wol gehaben',
30 sprach sich der Jüngling guet,
'du finst wol ander knaben
die dir geben freüd und muet;
denkh an dein allerliebste freundte,
die dir solhs nit getrauwen
35 und täglich bey dir sindt.
6. Wir haben der lieb mit ein
gepflegt
gar heimlich frue undt spedt,
du sollt dich mein verwegen —
inn treuwen ich dirs rath —
40 und solt es werden offenbar,
so kembst du, lieb, zu schänden,
das wer mir laid fürwahr.'
7. Das freuwlen schreit: 'mort
über,
mort über alles leid!
45 ein pfeil durdringt mein herz«,
herzlieb, nit vonn mir scheid!
ich streckh dir für alles das ich hab,
und willtu lenger bleiben,
ich halt dich jar und tag.'
[114b] 8. Der gsell der sprach mit
züchten:
51 'den willen ich wol spür —
clu. cliv.
verthet ich dir dein guete,
ein }har wer bald herfür;
dannocht mues es Bescheiden sein,
65 ich will dich freuntlich bitten,
setz deinen willen darein**
Kundt ich dich, herzlieb, schließen
ein
inn das jungd ber^e mein,
wan ehe ich dich wollt fahren lan,
ee wolt ich ewig parfues uff
dprrnen gan.
9; Da kert er ir den ruckhen,
er redt nit mer zu ir,
das freuwlen thet sich schmuckhen
60 in einen winkhel schier,
sie waynet das sie schier was lodt:
der ists wol innen worden
dem solhs zuhanden gath.
Hi.: 4. wor* 45. hertz. ff int^ der achitn Strophe, Z. 5(?, *mcf I ipruchariige Zeilen fremden
XlnprungE in doM Lied eingeschoben. 61. eie fehtL
121 Lieder {mmherg, Ott) /554 Nr, (22—) 26 in 7 Str. enUpr. ffi, /, 2, i {t)ffL 7), S, 7
/ 1 Q. 2. morgen heimlich. // L Hertz lieb ich. 2. du wölat von hinnen schier. 5. nun
merck mein feins lieb wfti ich sag. 6 n. 7. frogen, weis. III Z, 1 — 4 enttpr. Hm, Sir. 4,
Z.6—7 entipr^ He, Sir, 7 : 2. sein hertz wäb vnmuts voL 3. ao gib. 5—7. für dich ao aetz
ich al mein hab, vnd wüta hie beleibeo, yerzer dich iar vnd tag. IV {^ N», 8} L Der knab
ipracb ana aeinem muete. 2- dein willen, 3. Terzer. 4, hinfür. 5. darnach. V Z. 1 — 4
tnitpr.Ifs. Str. 7, Z. 5 — 7 entspr. He. Str. 4: 1, Das frenleio schrey laut morte. 3. mich krenckin
deine worte. 5^ — 7* für dich da setz ich gnt vud eer, vnd aoU ich mit dir »iehenj kaio weg
wer mir za ferr. VL Da sprach der knab mit züchten, mein schatK ob allem gut, ich wil
dich freuntlich bitteni schlag eolchs aua deinem muat, gedenck mer an die freunde dein, die
dir kein arges trawen, vnd teglich bey dir sein. VIl (= Hi. 9) 2. er sprach. 5. es weinet
daB sie schier verging. 6 u. 7. dia hat ©in Schreiber gesungen^ wie es eim Frewlen gieng.
Bergr, Nr. 40: Neüdr. S. 83 in 7 der Fmmng f>. J. 1534 entspr. Str.
HS LkdMn UU Nr. 73 m 5 Str. Bicinm 154^ I 95 nur d, erOe Sir. Sß Lieder Nr, H nur
d, trm Sir. 1582 A 17ß, B 129 in ß 7 S^.
Niederd. Liederb. 102 {87): Jahrb. f, nd. Sprf. 26 (1900) S. 3n.
FL Bl Yd f Sät Sl3S\ Yd 9335-, Yd 9339-, Ye 29-, Ye 47ß (mederdeutMch). — Numherg,
Germ. Nadonal-Mm. L 1731^ Drej Schöne Newe Lieder (o. 0.) 1642, Daa Dritte: Ich stund
an einem Morgen ... 7 Sir. — Ziirich^ Qai. KK 1552 St. 54, drei Lieder enihaitend^ 3. Ich stund
an einem Morgen . , . 7 Str. Darin aiich ifr. 55 u. 131 (Basel, Joh. Schröter 1613). — Mgq 718
Bl 22^, gedrmkUB offnes BlaU, 7 Sir,
A. Krouft 1587: Darmsladt, He. 1213 BL 7(}^ in 7 Str,
Nicoiai, Jlmanaeh I {1777) Nr. 23 \ Wunderhom Ul {1808) S.U\ Waekem^ä 1841 S. 85Ö\
Uhhnd Nr. 70; ffoffmann, GeielhchafUi. Nr. 85 \ C. F. Becker, Lieder ti. Weüeii III {tS53) S 5;
Mimer S. 13 Nr. 8\ Qoedeke-Tittm. S.91\ R. ^. Liliencrm S.343 Nr. 121-, Böhme, AM. Liederb.
Nr. 2G9-, Liederk II S. 544 Nr. 742,
[154.] Ein annders lied.
1. Feh weis kein zeit die mich erfreuwt,
und leben in sorgen als Partzefal,
die er mit strenger wee erleid
da im von erst verschwandt der groll;
168 CLIV.
5 mit höchster dag ist mir mein herz umbfangen,
^ Satumus kreis
mit seinem geschmeis
macht mir, wans eins schlegt, ein erschrockhens leben.
2. Ward ye mein gleich? das glaub ich hart —
10 fürwar mein ungefell ist gros!
der sonnen glast ist mir verkert,
mit clag bin ich Trystrans genos
da ime verkhöndt ward der schwarz [116*] segell,
yil krenkher syn
15 er do begin,
als bald die glockh schlegt zwey aus rechter regell.
3. Was clag ich mer? dann gewalt one schuld
macht mich gedenken, synnen fast,
aus hartem wee so leid ich geduld,
so ich han doch großen überlast,
ja Jupiters guet mag mich nit behalten,
die dritte stundt
thuet er mir kunt
als Flordamur der ward in freüd zerspallten.
25 4. Ich zweifei noch, das ich bin schwach —
die vierte stund widerkere —
Artus der hoch leut ungemach
da im erschyn ein frembdes höre
uff weitem feld, darab er het verdrießen,
30 nach dem er sant,
gros freud er fandt —
Mars, thue mir mein khumer hie süeßen!
5. Mein leben ist dem monne gleich,
sein schein der wechst und wirt auch klein,
35 des klaffers list dickh seret mich,
die fünfte stund die leid ich pein
als herzog Friderich . . . uß Schwaben,
und er erlöst
und sie macht los
40 drey tauben weis in einer bach one leben.
6. Mercurius, send mir dein hilf
und kher den lauf zufreüden mir,
aus hörter clag ich schrey und gilf,
die sechste stundt ich freuden enlbiei,
CUV,
4fi die dag lert mich der ritter mit dem bockbe,
ob irae was bues
von hohem grues,
den sant mir ein schönes weibes dockhe.
7. Acb Venus frauw, wo ist dein rath
50 darauf ich dir gedienet han?
sich an und sc hau w wie es mir geet —
will mich dein hilf also Terlan,
die sibende stund mitt [ii5b] strenger qual vertrieben?
hinlegstu mich,
55 so wird ich gleich
Hectorn dem höId, der muest vor Troya bleiben^
8. Ich dag und sag manch jar und tag
stund, zeit und weil ich armer knecht,
ich ruefF und sag bey nacht und tag ^
00 wolt mrr mein sach nit werden schlecht!
ich hoff und trauw glückh thue mir widergellteUf
wann all mein syn
stet noch dahyn,
den widerlauf wolt ich dann gern fast zellten.
65 9, Wol hin nach freüd, ich harr uff won,
ich lieben steet dieweil ich lebe,
khetn lieb ich spar, ich will bestan,
ob mir yetz gluckh nit widerstrebt,
ich hoff und trauw mein werd nit lang vergeßen,
70 in diser zeit
hab ich mir nit
in aller weit kein freud on dich vermeöen*
169
H
Ema 4, groll = $r^. 15, ich do begin? 27* lent = fi5W. 37. der kOn twmmUenf
44, liui entbir im Reim auf: mir, 45. bockh. 65» wone.
Mgq 718 BL 5*: 2. Ich leb m Borg &)« Parcifal. 3. »trengem. 4. gralL 5. mit grosser
klag, ymbgeben» 7 u. 8* mit aeiBem fraiß, tut mir ao we^ seh locht aine erechrockens leben,
11. Der fiunnen scheii^ mir decket ward. 12 u, 18, pin ich Triatr&mß gnoß, da im verkündet
ward der ichwartze Begeh 15, ich da begio. 16. anflf rechter regel. 17, gwalt on,
18 — 20. Macht mich in Borgen ienen vaat^ in strengem wee leidt ich gedtilt, woll vmb den.
2L Jupiter mag mit gut mich nit behalten. 25 n. 26, Ich ssweiffe! noch vnd pin des ich wach,
die gerde stund her wider ker. 27. laid. 28, her. SO. m dem. 31. frid. S2. Marß hilfiT
daa mir dein krafft tne knmer pnesaen. BS, Mein wesen ist dem monn geleich* S4. der
selb der. 36 n, 37, stnnd leidt ich groö pein, als HertzoR Priderich der kön von Schwaben.
38-*40. da er erkoet, ynd auch erlost, drey tauben weyfl ob ainem prunnen lagen. 42. wend
deinen lanff. 44. die sec^jston stund ioh freüd enpir. 45. dem pocke, 4ti— 48. dem ward
io suB auf hoehem griiB, denn jm da gab aiu achönes wejrh ain docke. 49 u. 50, Venus
170 CLIV. CLV.
Fraw wa ist dein ratt, daryonn. 51. nun merck vnd. gat. 52. dein trew. 53 — 56. die
sibent stnndt tat mich mit gwalt vertreiben, lasta mich hie so gschicht mir wie, Hector dem
held der must vor Troy beleiben. VIII %l IX fehlen.
Görrea 5. 79.
[155.] Ein annders lied.
1. Ich bins ein armer reüters knab,
ich hab verzert alles das ich hab,
und all mein hab steet hinder dem wirt,
ja vnrt,
do dacht ich mir nach einem gueten
6 wie ich mein hab brecht von dem wirt
das er meiner armuet nit innen wlrdt.
2. ^Ach wirt, ich will dich bitten schon
das du mich wollest reuten lohn
und reuten vor den Behemer wald,
ja wald,
10 und reflten uflf freuwer straßen —
so will ich dich bezalen schön,
daran soltu kein zweifei han.' —
[iie«l 3. *Reut hin, reut hin, mein reuterlein,
es kan und mag nit änderst gesein,
16 bezal du mir den kuelen wein,
ja wein,
darzue die gebraten hennlin guet;
wann du mich dan bezalet hast,
so hab Urlaub, mein reüterlein!' —
4. 'Ach wirt, ich will dich immer noch bitten —
20 hab dir in deinem haus den ritten!
du beüts mir vil der suessen wort,
ja wort,
bis ich mein gellt bey dir verzert —
begegnestu mir uf der breiten beide,
ich will dich bezalen aus der scheide.' —
26 5. *Reuwt hin, reuwt hin, mein werder gast,
du troest mir seere, ich achts nit fast,
bezal du mir den kuelen wein,
ja wein,
darzue die versotne häelin guet;
wan du mich dan bezalet hast,
30 so hab Urlaub, mein werder gast!'
CLV. CLVI. 171
6. Die wirtin sach den reüter an,
er deucht sich sein ein hoflich man,
sy bot im ir schneeweiße handt,
ja handt,
darzue die gueten gülden roth,
35 die hülfen dem gueten schlugker
aus aller notb.
7. Er nam das rößlen bey der handt,
wie bald er sich inn sattel schwangkh,
do thet es manchen hasensprung,
ja Sprung,
40 er khert sich gegen der frauw wirtin umb,
die wirtin thet den reüter vasst loben,
damit ward der falsch wirt betrogen.
Hsr. 28. hüelin = htinlin; vgl 140, 12 hörrlin. 32. sich] sif 39. ja sprang fehlt,
Görres S, 156; ühland Nr. 147; Böhme, Liederb. M-. 428; Liederh. III S. 184 Nr, 1297.
[116b] [156.] Ein annders lied.
1. Ich treu wer wachter trit daher
und warne zwey mit meiner leer,
die mir so seer beyolhen seind bey aide;
der helle tag hat seins gezelt
5 wol auf gericht vor all diß weit —
nun huettet euch, ir lieben zwey, vor leide
die hie so sendt entschlaffen setn,
ich ermanet etwar mit schimpfe,
ich warnet euch uf die treuwe mein:
10 hüettet euch vor unglimpfe!
wach uf, wach uf, dan es ist zeit,
der helle tag so nahet leut,
die Yoglen singen widerstreit
dort niden ein dem hage,
15 darumb ich euch thue warnen khundt
und scholl ein hom aus meinem mundt
inn diser stundt:
es nahet sich dem tage, dem tage.
2. Die red das freuwlin weckhen thet
20 amm suessen schlaff, den sie do thet
in rechter lieb mit liebes armen umbschrenket.
172 CLVI.
die frauw aus rotem mundt do sprach:
*ach wecbter, du bringest ungemach,
mit deinem gsang thuestu mein herz bekrenkhen.'
25 der wechter sprach: *o werde frucht,
es kombt von Oriente
der helle tag mit seiner zucht,
er leucht recht als er pranndte —
weckh uf, weckh uf den werden gast
80 und hilf iroe aus der sorgen last,
ee in bescbeint des tages glast,
das sein nit acht das yolkhe,
das tauset laid gespnnnen witi —
[117A] die yelder seind illuminirt,
36 der Her gloriert,
der tag dringt durch die wölken, die wolkhen.' -
3. ^Ach heller und ach liechter tag,
das dich niemant verbergen mag!
du thuest gewalt an mir yil armen weibe' —
40 die frauw den knaben umb beschlos,
mit heissen zehem sie in begos,
sy truckt in hart an iren zarten leibe«
sie kust in mer dan tausentmal,
der hold begunt zu erwachen,
46 ir beider herz was hart verwunt,
das kunt die lieb wol machen:
'tröstlicher hört, manlicher hdid,
mein herz das hat dich auferwölt
vor all diß weit, zue dir gesellt,
60 ein cron ob allen mannen;
lastu mich hie in diser noth,
vil weger wer mir der bitter todt' —
ir mändlen roth
erlaubt dem holden von dannen, von dannen.
66 4. 'Es was kein lieb nie so gros
die der liebe schlußel ye beschlos,
des kleffers mundt bringt großer lieb zu leide;
darumb so mues ich meiden dich,
herzliebste frauw, so innigclich
60 zue dir ich sprich: immer mues ich dich meiden.'
do sie erhört des holden wort
CLVK
dm er sie wolte meidefi^
do schry die frauw; *mort über raortt
wie soll ich das erleiden?
65 manlicher höM, tröstlicher horf,
nu sprich zue mir ein freunÜichs wort,
erfrey uns beide hie und dort
die weil mir miießen scheiden/
also redt sich das raine weib,
70 *o hilf Gott, erst Ist es zeit,
mein freüd ist weil,
es ^eschach mir nie so leyde, so leyde.^
5. Die frauw allein do lenger la^,
bis es wolt werden heller tag,
75 ir laid was groß so imm herzen gründe:
[117^] 'acb Got, das ich nit wünschen ma^
das es nimmer wurdt heller tag!
so leg ich noch an liebes armen verbunden;
der liebe feuer hat mich entzünt,
so wann ich an in gedenkhe,
mein herz hat sich zue im Terpflicht,
von ime will ich nit wenkhen,
ich will auch nit entbern dein,
ich schlies dich inn das herze mein,
85 du dunkhst mich wol ein kayser sein
wo du bist bey den weihen;
so will ich wol vertrauwen dir
du kombst bald wider zu mir —
duestu das nit schier,
90 dannocht will ich steet bleiben, ja faleyben,'
Wm, t Ö, leid< 7. aendt 12. nahet leut d i. nahe leit = nafte Hegt ZS. ges^nn. wfrt feJiii.
42. leib. 47. bold. 48. herij /Wi/t aarerwolt 54. holden. U n. B2 fehkn, 65, troBt<
lichep hört, manlichor hold. 72. leyd. &o leyde fehli, 75. grundt 79. des.
FL BL Yd S977 Ein hftbich© T&gwey&i \ von eynom getrewen | Wechter, (Biidchen. Am
Schluß t) Gedruckt au Nürnberg durch
BL ktr,)
1. leh trewer w echter tritt daher,
für alle die weit. 6. dud hottend.
schimpBfe. 9. wam. 10. hüttendt
16. erichell.
brente, 30.
Velentin [!] Neuber. (4 BL S'^ o. /, Rikki. dt* letettn
3. sein beim aide, 4. eeyn, ^5. wol anffgericht
YOT laide. 7. so &tit), 8. ich meynt e« wer nnr
11. denn* 12. nabe leyt 13. vögeL 14. inn*
20. auß eüssem schlalT den iie da het. 23. briogat 26. kompt. 28. ob er
jhm, 31. bescbeyn. 33> daa leydt für taueent leydt gespurt. 35. dort her
gloriert. 37, vnnd auch, 38, niemande, 40. vmbeBchloe. 41
43, Sie k^t ja offt an seynen mnngt [1]* 47* mancher heldt. 48.
Jn yrobgos, 42. leibe.
mein hertz dz, 49. ^r
174 CLVI. CLVII.
alle diß weit zu dir gesielt. 51. Lest da. 52. mir schier der todt. 54. dem kanben [mu
streichen!] beiden. 55. Es ward kein liebe nie so groß. 57. klaffers. 59. minigklich.
61 u. 62. Vnd do sie hört, des beiden wort, vnd das er sie wolt meyden. 63. scbrej.
65. Tröstlicher bort manlicher heldt. 66. nun. freundtlich. 72. es gschach mir nie so leide
so leyde. 75. gründe. 76. nicht. 77. wfirdt. 78. arm. 79. fewr. 82. Yon jm wirdt
83. entperen. 88. da knmbst baldt wider za mir. 89. thost da. 90. dannocb will ich stAt
bleyben Ja bleyben.
Mein hertz schweygt vnd leyt.
Biß glftck frewten geyt.
Ye 536 Drey sch6ne neüwe Lieder | Das erst / Ein hüpsche Tagweiß / | von einem traawen
W&chter. | Das ander / Tröstlicher lieb / ich | mich stäts ü^b. Das dritte / Ich | bin versagt /
gegen einer | Magd /etc. (Bildchen. Am Schhifi\) T. B. S. [d, t. ThieboU Bergery Straßburg.]
(4 Bl. 8^ 0. J. Rucks, des letzten BL leer.) Ich trewer w&chter drit daher ... 5 entspr. Str.
Dahinten Mein hertz leidt vnd schweigt. 2. Tröstlicher lieb s. Hs. Nr. 50.
Aus einem Sammelbande der Hofbibliothek zu Darmstadt gibt Adolf Schmidt im Centralblati für
das Bibliotheksioesen 12. Jg. 1895 S. 126 die Fassung eines Einzeldrucks in 5 entsprechenden Strophen,
wobei jedoch die 3 ersten Zeilen der dritten Strophe fehlen.
Zwickau, Batsschulbibl. Sammelb. XXX, V, 20 St. 2 Ein hübsche Tagweis | von eynem ge-
trewen Wechter. {Bildchen, Wächter auf dem Turm, ins Hom stoßend. 4 Bl. 8^ o. 0. u. J.
Rucks, des letzten Bl. leer.) Ich trewer wechter tritt daher . . . 5 Str.
Handschriftlich schon im Liederbuch der Clara Hätzlerin (1470/71): C. Haltaus, Bibl. d. ges.
deutschen NationaULit. 8 (1840) S. 2 in 5 Str. entspr. d. Hs. (nur III = 4, IV = 3). Femer in
der Liederhs. des Martin EbenreuUer von Würzburg (1530): Berlin, Mgf 488 Bl. 204^ in 5 Str.
(fll u. IV «= 4 u. 3 in einem Abschnitt fortlaufend zusammengeschrieben).
Qörres S. 117; Qoedeke- TiUm. S. 359.
[157.] Ein annders lied.
1. Ich armer boß bin ganz verirrt,
wo soll ich mich hinkeren?
ach Jupiter, send mir dein hilf,
thue mich weysen und lehren —
5 ich bin entzint, mein herz das print
das ich nit kan entschlaflfen,
das schaflft das aller schönste kind —
schreit waflfen über waflfen!
2. Schauw an die clag die ich yetz trag,
10 ach Venus, durch dein guete,
• styll mir mein herz in kurzer eyl
das es nit also wüete,
ich bin behafft mit liebes kraft,
mit Adams ripp durchschoßen,
15 ich jag den tag und auch die nacht
und bin ganz unverdroßen.
CLVII. 175
3. Loß Jupiter, Venus! dein kind
hat mich seer hart geschossen,
wiewol dir die äugen verbunden [us»] sind,
20 hast mich ungfer getroffen;
spann dir und mir und drif die zeit
durch deiner mueter ehre —
wann das geschieht, so wirt mein schmerz
inn gros freäd sich keren.
25 4. Es ist doch nicht verwunder/ich
das ich ein solhe liebe hab
gegen dem allerschönsten kind
als konig David hat gethan;
do er ein weih vor ime sach
30 . . . ir fües thon waschen,
von stund ward er in der lieb entzünt,
das kan ich wo! ermeßen.
5. Dardurch mein herz wirt seer betriebt,
wan ich von ir mues keren,
36 kein andere uf erd mir also geliebt,
sy kan mir freüden meren,
sy ist die recht von weyb geschlecht,
von guetem samen geboren,
mich armen knecht sie nit verschmeöht,
40 an ir ist nichts verloren.
6. Kein lasster ist an irem leib
von füeßen bis uff den scheitel,
sie hat ein gang recht wie ein pfauw,
ir eüglen kan sie leiten,
46 sie hat ein gsang recht wie ein lerch —
nicht weiter will ichs bschreiben,
kein andre uf erd mir also geliebt,
sie kan mir leid vertreiben.
Hb.: 18. hast. 24. kern. 25. verwundert sich. 26. lieb. 34. kern. 36. frettd mem.
38. gebom. 40. verlorn. 42. scheitl.
Forüer III (1562) Nr. 75: 7 u. 8. das aller schönstes kind, ja waffen. 9. yetz für.
10. o Venas. 15. den tag, biß an die nacht. 17. Laß mich Jupiter. 18. mich so hart.
19. Wiewol daugen. 20. yngferd. 21. Spar mir vnd dir. 22. ehren. 23. wo das gesche.
24. keren. 25. ist auch nit, yerwundert sich. 26. lieb han. 28. nit änderst hat König Danid
gthan. 29 u. 30. Als er. sähe, wie sie die füß thet waschen. 31. in lieb. 33. fast betrübt
34. keren. 35. Keine auff erd mir also liebt 36. frenden meren. 37. weybes. 38. stamm
176 CLVII. CLVIII.
geboren. 40. yerloren. 42. vom fuß biß auff die scheyteln. 45. wio Lorch. 46. schreyben.
47. keine auff erd mir also liebt . . .
Ä. 1568 M-. 75 u. «. tt).
[158.] Ein annders lied.
1. Ich leyd und meyd, ist nit [iisb] 2. Von tag zu tag wirt mir erst
mein will, wee,
inn einer styl], 15 wo ich hinker,
das bringt meinem herzen pein; sich ich nit mer dan dein gestalt;
darumb komb ich in Venus freud und auch muet fert gar
noth — dahin,
6 ey wer ich dodt, eilend ich gar bin,
seit ich nit bey dir kan sein! vor großer dag so wirt ich alt;
dann alle mein freüd 20 das schaflFt die flucht
bringt mir erst laid, nach deiner zucht,
die ich bißher gesehen han, die du, mein schätz, gefangen hast;
10 darumb ich mich dan all mein begir
so wonigclich stet stetigs zue dir,
gegen niemandts nit darf merkhen 25 ja tag noch nacht hab ich kein rue,
lan — mein herz leidt noth, gib rath dar-
la/7 dir mein ellent zu herzen gan, zue,
ach zu herzen gan. ach gib rath dartzue.
3. Heimliche clag bis an mein end
sich nimmer wcndt,
inn stetigen treuwen steet bey dir,
30 all mit begir bin ich entzündt,
mein herz das brint
inwendig in meins herzen grundt,
vyl eilender zeit
hilf mir aus not,
35 mein herz altzeit an dich gedenkh,
ich beger nit mehr:
du bleibst die
inn treuwen steet bis an mein endt —
bis ich dich sich, bleib ich ellendt,
ach bleib ich ellendt.
Hs.i 13. last. Wiederhotfing ach sa herzen gan fehlt. 15. Uesi hingee. 27. Heimlich ich.
34. Ue9i aas leid.
CLIX. CLX.
177
[159.] Ein anders lied.
1. Ir hel£Iin weis, ein kettlen dran,
ir hende weis wie der schnee,
ir brüst mit lust werinn ein bandt zufaßen;
icb rüers nit an und babs nit getban
und mues jetz Ion —
mort, mort inn allen gaßen!
[119*] 2. Acb Gott, acb Gott! was bupscher weißer peini
schmal uff dem scbue — ey ey bab rue!
es komm darzuel
vor freuden muest ich lachen.
3. Ach Gott, ach Gott! möchl icb ein deine weil bey ir sein,
wer mir der winter nit zu kalt,
auch nit zu warm,
vor freuden mueste icb schwitzen.
Hs, Schluß: lacnen .|' schwitzen. Zu der letzten Strophe vgl Nr. 113 oben.
[160.] Ein anders lied.
1. Icb bet mir ein stetigkb lifikin,
das mir so wol bebagt,
gekoren in mein synnigkin —
was trauwens sie da bat —
5 wann sie mich nun be^fifft,
darumb mag icb wol schriffen
untreuw von einem wiffen,
wan sie ein andern bett.
2. Zwey braune äugen traget sie
10 so freüntlich ins gesiebt,
damit veijaget sie
truckh, leiden hindersieb;
das ist lang zu ferne gedieht,
es ist lang zu ferne geschriffen
16 das sie mich soll begiffen,
sie bat mirs außgericht.
Deatiehe Texte des liittelAlten V.
3. O werde sötte li/'i&in,
dankb so/stu des wißen
inn ein geschrifen briefgiklein
20 sonder almasey —
seer seilten bin ick bley,
all wat ickb essen oder trinken,
an die liebste dat ick denke
die nu ein ander bat
25 4. Wie soll ick nun genesen?
ick Hg in schwerem verdries —
von deinigken oder von wessen
kan ick gewißen nit —
icb weis wol wie sie beist
30 die mir mein herz bat befangen,
nach ir stet meins herzen verlangen
die nu ein ander bett.
12
178
CLX. CLXI.
[119b] 5. werde sote liffikin,
it dit urs dieners lohn?
35 ein rinkh von aller trawen
da wat dat beginnen schon —
sterf ich in disem thun,
dat da ein ander soll trauti;en
die blumb hoffen allen frauwen
40 all ander des himlischen thron!
6. Ade! mag ich wol schriffen,
ade! it mein amys,
ickh soll betrogen blifen
wie Salomon der weis,
45 die schönste von Paris,
Absolon der schone,
schöne frauw, ein span die crone,
fäert sie den höchsten preis.
7. scheiden, bitter scheiden,
50 wartzu bistu gemacht!
der todt will uns verlaiden
der also bitter schmackt —
es mues gescheiden sein,
schons lieb, sta mir zue spreckhen,
55 dann ich mueth faren latten,
dan ich far in die pein.
Hs.i 5. sich, begrifft 11. verjagt. 17. sottellifpigkhin. 18. sonfltn. 38. traawren.
47. Crono.
AfUwerpener Liederbuch v, J. 1544: Hoffmann^ Eorae Belg. XI {1855) S. 147 i^. 98 mä starken
Abweichungen, wwan bemerkenswert: Ic hadde een geBtadich minnekeD, | geen scoonder die daer
leeft, I vercoren in mijn sinnekeiif | van rouwe mijn herte beeft ... 11. daer mede so
veriaget si. 12. druck lijden int gewicht 13 u. 14. te voren. 20. al sonder fiintasi. 27. yan
drincken noch yan eten. 28. ghevoeden. 34. Is dat 35. int eynde van v tronwe. 42. ia mijn
aduijg. 49. bitterlijcke scheyden. 55 u. 56. ick yalle in desperaten, ic bliae al in die pijn.
Mone, Anzeiger 3 {1834) Sp, 179 Abdruck nadi der Heidelberger ffs, u, Hinweis auf den nieder-
ländisehen Ursprung des Liedes.
[161.] Ein ander lied.
1. Ich mues von hin,
darumb ich bin,
herz liebste mein,
in schwerer pein,
5 darzue in großem schmerzen;
so ich betracht
bey tag und nacht
dein schone zier,
lust und begier,
10 darzue dein freuntlichs scherzen:
so will mein herz
vor leid und schmerz
in rechter lieb und treuw zergan,
furwar ich sag
15 das ich mein tag
uf erd kein mensch nie lieber ge-
wan —
scheiden ist pitter dan entzian.
[120»] 2. 'Guet gsell, dein fart
die krenkht mich hart
20 das ich nit mag
kein stund im tag
ja frolich sein vor laide;
wie soll hinfur
geschehen mir,
25 eilendes weib,
so ich dein leib
verlieren mues durch scheiden?
so bitt ich dich
ganz vleißigclich
30 und las mich dir bevolhen sein,
vergiß nit mein,
das bit ich dich,
halt mir ein stete lieb in dem her-
zen dein —
scheiden ist über alle pein.'
CLXI. CLXII.
179
35 3. Jungkhfreuwlin werdt,
mich reuwt uf erd
sonst nichts dann du;
so ich mich nu
so gar mues dein verwegen,
40 ich befilh mich dir
die zeit hinfär,
deßgleichen ich
will bitten vor dich:
Gott woll alzeit dein pflegen;
45 uns ist die zeit
kommen mit leyd
das ich dich, feins lieb, mues vcrlan,
beut mir dein mund
zu diser stund,
50 sonst mag uns nimmer werden
bas —
scheiden macht uns die eüglen naß.
4. Ach weiblichs bild,
tugentreich und milt,
wie hastu mich
55 so ellendigclich
geschloßen aus deinem herzen!
so hoff ich doch
du werdest mich noch,
die edle krön,
60 nit gern lang lan
ligen in solhem schmerzen,
gefangen sein
inn schwerer pein;
darumb clag ich dir mein große
noth,
65 vil schwerer ist
zue diser frist
so ich yetz meid ir mundlein roth —
weger wer mir der bitter todt.
1582 A 166: 8. die schöne zier. 10. freundlichen. 11 n. 12. bo wil mir mein herz, für.
16. anff erden kein liebere gewan. 17. bitterer denn der entzian. 18. gesel. 21. und tag.
22. für. 25. weibe. 33. im. 37. denn du. 39. crwegen. 42. dergleichen ich. 43. für.
44. dein allzeit. 45. nnd ist. 50. mag mir. 51. ein äuglein. 56. deim. 59. du. 60. nit
gar. 63. ist schwere pein. 64. dmmb. 67. dein mündlein.
Es. 1568 i^. 70 u. i. w.
[192.] Ein anders lied.
[120b] 1. Kehr wider, gläckh, mit freuden
und wendt den Unfall von mir,
das ich mich von der lieb soll scheiden,
ach Got, das clag ich dir:
5 wann ich bedenkh den anfang,
so hat mein gluckh ein krebßgang —
kher wider, gluckh, und machs nit lang!
2. Mein herz hat vil erduldet,
mein gemüet das krenkt mich seer,
10 nit wais ich wie ichs hab verschuldet,
mein seckhl ist mir worden lehr,
vor pier und wein gib ich das mein,
darumb kombt mein gellt inn die weit,
der lieb Got weis wers gluckh behelit.
12*
180 CLXII.
15 3. Wer do will buelen und praßen,
der füll den seckhl mit gellt,
dann bnelschaift raumbt die taschen,
niinbt bald was ir gefeilt;
wie bald sie spricht: 'laB fahren dahin!
20 der narr der hat des gellts zu vil,
erkauft mir was ich haben will/
4. Guet gesell, Jörnen dir deines gleichen,
so geschieht dir eben recht,
nimbst du dir sonst ein reiche,
26 so muest du sein der knecht —
wie bald sie spricht: *du narr, hast mir verzert das mein,
stee auf, heiz ein, trag waßer hinnein,
und alles des du hast und das ist mein.'
1. Die allerholtzeligst und schonest uf erden
80 als ich ye hab gesehen
von schön, weis, zucht und geberden —
die warheit mues ich jehen —
wo iindt man irs gleichen
inn diser ganzen wellt?
35 imm ganzen römischen reiche
ist keine die mir bas gefeilt.
[121»] 2. Sie hat zwey eüglein die sind dar,
darzue ein roten mund,
mein herz ist ir ganz und gar,
40 mein dienst zue aller stundt,
mein leib und auch mein leben
steet alles inn Gottes gewalt,
mein junges herz dobey neben —
ach! sie ist mein hofnung und aufenthallt.
45 3. Nun wolt ich gern wißen
wer mir sie tadlen khundt,
mit neid so mues er ir sein geflißen
der was strefflichs an ir find
von schon, weis, zucht und berden,
50 darzue von schöner gestallt,
mit der warheit kans kein mensch anders sagen,
man thct ir dann großen gewallt.
CLXIL
4. Schaid ich mich mit dem leibe,
so bleibt doch mein junges herz stetigs bey ir,
56 aide du Gottes megetlein,
ich soll und mues von dir,
der lieb Gott bewar dein jungen leib,
kein Unfall stöB dich nit an,
damit sey dem heben Got bevolhen —
m aide, ich fahr dar?on.
ff*,: 22, römam. 35, r6-^^ reich. 47. mitt weia: neid.
B$. 1568 Nr. 2:
L Ker weder, gluck, mitt 'freu den
und jag ungef&ll vonn mir,
groe nngluck muB ich leiden,
ach Gott, das clag ich dir:
5 wann ich bedenk mein anfangk,
mein glnck das hatt ein krebeganck —
ker wiederi gluck, und m&gs nitt lanck!
2. Mein herz iflt aehr bedrubet^
mein gemutt dae kreuket mich aehr,
10 wiewoll ich« nitt hab verecbuldet^
mein seckell ist mir worden leher^
Tnr wein und beer gob ich mein gelt
darmitt mein gelt kompt in die weit,
der lieb Gott weia wer daa jair das gluck
hebelt.
15 3. Der dar will bolen und braeaen,
der füll sein buttell tnitt gelt,
die bolBchafft reumet ei in die taachen,
Bie macht wie irs wo 11 gefeltt,
sie spricht: ^mein bole far darbin,
20 der nar der hatt des geltes viell,
er giltt mir was ich haben wüL'
4< Halt dich zu deines geliehen,
so geschiett dir eben recht,
und nympato eine reicbe,
35 Bo mnetn sein ir knecht,
iie spricht: ^du nar Teraerest das
mein,
ithe auf, laß in, dreif auß die schwein,
nnd was du hast das ist mein/
5. Das leedttein ist gesungen,
30 ieder man es nttt gefeltt,
vonn der bubcbafiTt ist ehr verdrangen,
das macht; ehr hatt kein gelt,
sein houl zerhau wen, sein mautell nitt guett,
sein wambis ist ime zerrissen gar,
35 das ehr zu dem bruns megdlein nicht komen darf
B», iS68 Nr. 23 i>gl folgende Nr. 163.
Zu dem m der Htiddherger Hs. ntchl besonders ahgueUten Lüde Die atlerboltzeligflt und
sehonest uf erden v§L obm Nr. 37 d. Em.
VgL noch Goedeke m S, 27 1 Schoffer 1513.
ffi. ms Nr.li
1. Die acboneste auf dnßer erdon
die icb habe gesehen
von zucbtf eher und scboneß geberde —
die warheit die muefl ergehen —
wbar vindt man ihres gleichen
in der ganzen weiten weit?
im ganzen heiligen romischen reiche
kein megdlein mir beier gefeltt.
t. Sie hact zwo falken ogelein klare,
10 dartzü <nuen roten mundt,
mein herz ist ihr ganz und gare,
meinen dienst, herxlieb, zu aller stnndt,
mein lieb und auch mein tebendt
stehet alles in Gatte gewalt,
15 mein junges herze darneven,
Gott 10 mein hoffnungh und halt
182
CLXII-CLXIV.
8. Iti wold ich gerne wißen
offt sie jemandts tadellen konde,
ob einer mitt neith were geflißen
20 und ethweß strafflich ahn ihr wnste —
von zacht, ehr and schönes geberde,
dartza Ton schöner gestait,
keiner kan eß mitt der warheit
reden,
hie dede ihr große gewalt
25 4. Adde du aoßerwelts megdlein!
adde herzlieb, ich mneß davon,
scheide ich itz mitt dem leibe,
so bleibet daß jange herze bej djr,
der liebe G^odtt wirt uns beiden woU be-
waren,
30 kein ungeluck stoße dich nicht ahn,
damitt weß dem lieben Gott befolen —
adde herzlieb, ich mueß davon.
[163.] Ein anders lied.
1. Ker wider, glückh, mit freäden [I2ii>] 2. Mein herz tregt groß verlangen
und jag nnfall von mir,
ich mues mein feins lieb meiden
wiewol ich trag gros begir
6 zu dienen ir vor all uflF erdt —
wie wol sie ist eim andern beschert,
deßhalben mir mein herz wirt be-
schwerdt.
die zeit so manigfalt,
10 ach Got, möcht ichs erlangen
das ich ir weiblich gstallt
möcht sehen ein deine zeit!
uff erden mir nichts mer freuden
geit
wo sie mir yetz nit hilft aus laid.
15 3. Wie bistu so gar verstrigket?
das laß, herzlieb, nit schaden mir!
wer wais wie es s\ch schigket
das ich, herzlieb, mocht gsein bey dir
und dir und mir kein schaden nicht brecht;
20 ach herzigs lieb, nu merkh mich recht:
on dich mich niemant erfreuwen möcht.
Ä.: 14. nit fehü. 17. sie.
Bergr, Nr. 55 {Neudr. 99/100 S, 112): 3. mein lieb muß jch yetz meiden. 4. und hab doch.
5. dir für. 6. du bist. 7. derhalb mir wirt mein herz beschwert 8. hat groß. 9. zejt
gar. 10. jch erlangen. 11. freund tlich gestait. 12. sehen an ein. 13 u. 14. aa£P erd mir
nichts mer freuden geyt, wo sie mir yetzund hülff auß leyd. 15. Ob du bist hart verstricket.
16. laß nicht. 17. ob es. 18 u. 19. das jch, herz lieb, bey dir möcht seyn und dir kejm
schaden brecht. 20 u. 21. mein herziges A, nu tbu jm recht, für dich mich nichts gefrewen möcht.
Foriter III 25; 1582 A 35, B 88 in je 3 entspr, Str,
Es. 1568 Nr. 23 u. s. w.
[164.] Ein annders lied.
1. Liebplich hat sich gesellet
mein herz inn kurzer frist
zue ainer die ja mir gefellet,
Gott weist wol wer sie ist —
6 sy tregt zwey falken euglin dar,
darunder ein roten mundt,
der leöcht zue aller slundt.
2. Für alles mein gemüete
hab ich sy mirs außerkorn,
10 sy tregt ein reines gemuete,
ein ayd hab ich ir geschwom:
ir steter diener will ich sein
mit wißen underthan
diewell ich das leben han.
CLXIV.
CLXV. IsT^^^
16 3< Sy gleicht sich einem engel.
4. Mit Venus pfeil durchschoßen V
die wunder, die schön, die rhain,
das junge herze mein —
ir haar mit goUfarb gsprenget,
herzlieb, ich mues dich laßen,
ir mundlein rolh wie robyn,
2ö bringt meinem herzen pein,
[122^] sy Iregt zwey falkheneüglin dar,
ich mues und soll vonn hinnen schier,
20 darunder ein roten mundt,
meins bleibens ist nymmer hie, ^
der lachet zue aller stundL
"-""■"""" J
H$,i 13. wesen vnd vnderthan.
Berp^, U3i {%. a.) Nr. IS (Neudr. 99fI0Ö S. 3g): ^^M
L Lieblichen hiit ekh gesellet
15 B. Ich gleich eie einem enget ^^^H
mein hera ynn kurier friit
die herz aller liebste mein, ^^^^|
gegen einer die mir gefetlet;
ihr her) ein kraaa als ein Sprengel, ^^^^H
Gott weis wol wer sie ist —
ibr milndlein roht rubein, ^^^H
5 sie liebet mir ganz inmgleieb
zwey blanke ermelein die sein «chmal, ^^^^1
die hera aller liebste mein.
20 da£u ein roten mund, ^^^H
mit treuen ich eie mein*
der lachet zn aller etund, ^^^|
2. Wo! fnr de« tneiens blute
4, Mit VenuB pfeil an durch achoMen ^^H
hab ich mir sie anaerkom,
das iunge hense mein — ^^^^m
10 Bie erfrenet mir mein gemüte,
echi^nes lieb, hab keinen yerdrisien, ^^^H
meinen dienst bab ich ihr geschwom —
2ö aetz deinen willen darein, ^^^H
denn wil ich halten stetiglich
geaegen dich Gott, mein ichönee Heb, ^^^H
mit wiJkn unterthan
icb Bol und mus von dir, ^^H
die weil ich das leben hab.
du ge&ichst mein nicner mehr, ^^^^
ffä. ms Nr. 7J5 IS74 Nr, 17; 1575 Nr. 92
1*. $. w. Arcliiv f d, neueren Spr. tlL 2ß9. fl
Dumi Büithtn^ t». p. d. Mogm S. i22\ Mülkr S, Sil Nr. 67L ^
Darmstadt, Hi, des A. Kroftft (1687) BL 8ß^.
■
[165.] Ein annders lied. ^^|
1. Kein lieb on leid wirt fun-
10 2. Ach glückh, laß dich erbar- ^^M
den,
^^H
das bin ich worden inn,
mein clag und schwere pein, ^^|
mein freud ist mir verschwunden.
verlaß nit gar mich armen, ^^H
krenkt mir herz, muet und syn;
thue mir dein hilf und schein; ^^^|
5 das Schaft das schone leiden
mein herz das ist verwundet ^^^|
das ich trag nacht und tag»
15 durch ihr zart mundlen roth, ^^H
das ich sie dammb mues meiden^
in Venus Sam entzündet, ^^H
es geschach mir nie so leide,
mit liebe so gar durchgrQndet — ^^H
wiewol ichs niemanndts clag.
hilf mir aus aller noth! ^^^|
184
CLXV.
3. Tröstlicher hört ob allen,
20 deine schöne weis und zier
thuet mir so wolgefallen,
darnach steet all mein begir;
ir falkhen efiglein clare
die ^ebengar liechten schein,
26 roth [122^] goltfarb was ir hare,
ir wengle weis und clare,
ir mändlein das gleichet dem rubein.
4. Ann ir ist nichts verges-
sen,
sie ist von edler art,
80 ir schone ist nit zu vermessen
so lieblich und so zart,
solt ich ir lob recht sagen,
wiewol ichs nit vermag,
ich endts in keinen tagen,
35 herz meidlen, vemim mein clagen,
die ich inn dem herzen trag.
5. Recht lieb und treuw inn
hast dus altzeit an mir, [ehren
nit mer thue ich begeren:
40 iann alles falsch von dir,
ob ich nit bin dein gleichen
von gewalt und großem guet,
ich will darumb nit weichen,
ich mag genad erreichen,
45 mein herz dich preysen thuet.
6. Ich geman dich an die stunde
do ich dich erst ersad^,
dir ist auch noch wol khunde
in eeren alle sach —
50 ich bitt dich du wollest stets be-
wol bey dem alten gesatz, [leiben
ob ich nit stets kan bey dir bleiben,
ich will mich darumb nit lassen
vertreiben
von dir, mein höchster schätz.
55 7. Nicht liebers dan cfich uf erden,
herz liebste kayserin!
kanstu mir ye nit werden,
so mues ich freudenlos stan,
inn deinem dienst geflißen
60 bis in das ende mein,
damit will ichs beschließen,
mein kommer mues ich büeßen,
dein ist der gwyn mein.
H$,\ 17. gar: ymb: durch. 23. dar. 24. begem. 25. bar. 34. tag. 35. clag.
37. ehm. 39. begem. 40. dann. 47. ersähe. 49. aUs geschach zu iesenf 55. dan ich.
Jkrostkhan: Katarin.
Es. 1575 Nr, 13 in 7 Str. Akrostichon verwischt. I 1. Kein freuwd ohne leidt wirt erfanden.
5. bringtt mir ein schweres leiden. // 1. Qelack laß dich erbarmen. /// 1. Trostleicher
hortt oben alle. 5 — 9. Ihr schonen Ogelein klar, die geben ghar hellen schein, golttfarbe
seind Ihre Hare, Ihr Wengelein seind wiß vnd klare, Ihr Munttlein ist wie ein rodt Robyn.
/F (= Es. 6) 1. Ich ermane dich ahn die stunde. V {= Es. 4) 1. Ahn dir ist nichts vor-
geßen. VI (= Es. 5) 1 — 4. Treuwe Liebe stedes in Ehren, soltu finden Hertzlieb bey mir,
nicht Hebers wolte ich bogeren, legge du alle falscheitt von dir.
VIL Nicht laß mich feinß Megdlein setzen
all mein yortrawend umb sunst,
thu mich meines leides ergetzen,
nicht wende von mir deinen gunst.
CLXV, GLXVI. 185 V
daß ich dich lunortrawe, ^|
punne dir godes
^or allen.
eß Wirt dir nicht
gerouwen,
geluck Wirt iich bald wen d od
zu mir in ktir«er frist.
P. ü. (i. ^e^#^, Biumm u. Außb. 1602 S. 146 Nr. läS Kain Heb ohn ieyd wirt fundeo . . - '
ß 5*r.
■
im»] [166.] Ein anders lied. ^^H
1. Lieb haben und meiden
26 4. Ach du edler, brauner wol- ^|
das ist ein schwere pein.
wie freyslu mich so seer! [gemüet, ^|
die falschen cläffer mich neiden,
kein blüemlin ich nie lieber gewann, ^|
es mag nit änderst gesein,
inn eeren ich dein beger, ^|
6 sy main mich zu verderben
dein ewigs wesen ^^^|
das junge herze mein,
30 bis inn das ende mein, ^^^|
wann claffen ist arbeit,
behalt mich inn deim herzen, ^^^|
es mag nit annderst gesein.
herztieb, vergiß nit mein! ^^^|
2. Ich gieng wol in ein wurz-
5. Herzlieb, du sollt nit den- ^^|
garten,
^^H
10 die weil ward mir zu lang,
das ich will abelan, ^^H
da dacht ich an die zarte
U von dir wtl ich nit v?enkhen, ^^H
mit großem . . . schwangkh;
ich darf nit zue dir gan, ^^H
ich warf mit rosenbletter
als ich auch gern thette ^^H
zue ir zum laden ein:
wol nach dem willen mein, ^^H
15 'schlafslu oder wachstu,
so irren mich die leüte, ^^^|
herz allerhebste mein?' —
40 des falschen klaffers neid. ^^H
3. *Ich schlaff nit, so wach ich
6. Ich weil das niergents kein ^^H
nit;
claffer wer, ^^H
redt sich das medlen fein,
er hett ein krommen kragen, ^^H
Hch hab so lang gestanden.
dardurch durch baide backen ^^H
20 ich habs gewartet dein,
brennte löcher tragen — ^^H
, , . • , * i , .
45 frey dich, frey dich, schöns lieb! ^^H
ich hab doch wenig rhuee,
ich freuw mich deiner treuw, ^^H
dein kan ich nit vergeßen,
mein herz ist steet, die lieb ist gros, ^^H
herzallerliebster buelJ
es soll dich nit gereüwn. ^^^|
20. deiBe. 21. ettmt daa nukgiiti wal ^t- ^H
ffä.z 12 unvoMändig. 18. feine. 19 fehU.
meßen? 26. secre. 32. hertss: ailerliebite i
nem: lieb. 35, vnd dieweil. 48. gereiiwco, ^M
186
CLXVI. CLXVII.
Ä. 1575 Nr. 144:
1. Leyb haben and zu meiden
bringet meinem herzen pein,
das schaffet der kleffer neiden,
de wolden nnß haben darein,
5 sie gedenchen ans zu yordreiben,
za yordreiben ganz and gaer,
noch habe ich dich leib im herzen,
das glaabe da m3rr ynrwar.
2. 'Ach gatter geselle, sydtt wollgemodt,
10 dn erfroawest mich so sehr,
de blomelyn ahn der heyde gadt
noch inne ist meyn boger,
ich drage eine freuntliche leibe,
leyb, amme den willen dyn,
16 das glaube du meiner im beßten,
herz aller leybster meyn.'
8. Ich gynck mych in einen garten,
der zeit wart myr nicht lanch,
nach der schonen und zarten
20 dede ich so mannigen ganck;
ich brack ein kleynes blomeleyn,
warp sie zum yenster ein:
'ach schleiffstu, leyb, oder wachatu,
du herz aller leybste meyn/ —
25 4. 'Ich schlaiffe auch nit, ich wache,
du feines knebelein,
ich habe so lange gestanden
gestanden, gewartet dein,
mein herze leidet schmerze,
30 yonn dir habe ich keine rouw,
scheide ich dich übergeben,
das wolde ich nicht gerne thuen.*
5. Doch will ich nit yurzagen
unde lassen ab,
36 de henker solle inne plagen
der nnß belogen hatt
mit seinen yalschn zungen
der ich gar weinich acht —
sey dir, braunß mettleyn, gesungen
iO zu tausent gntter nacht
ffs,: 28. wartet deiner. 35. plagn. 38. acht.
D(u m der Berliner Es. besser als in der Heidelberger gewahrte^ zu Gründe Uegemde Strophen-
Schema stellt sich so dar:
ab ab
cd cd
w m w m stets 3 H.
[1231»]
[167.] Ein anders lied.
1. Mein fleis und mfie lo 2.
ich nie
hab gespart,
alltzeit gewart
dem herren mein
zum besten sein, 15
mich schigken drein,
gnad, gunst verhofft —
das gmüet zue hof das wendt
sich oflfl.
Geet hin und her,
und wer
nit kan
sich kaufen an
dem ort, der zeit,
nach eeren streit,
mues dannen weit —
das thuet mir andt:
mein treüwe dienst sein un-
erkandt.
CLXVII. CLXVIIL
187
3. Wenig dankh noch lohn
30 darvon
ich bring,
man wi^ mich gring
und ist mein zwar
vergeßen gar;
25 groß noth und gfar
bestanden hab —
was freuwd sollt ich nu haben darab?
Ä.: 22. wingt.
121 Lieder 1534 Nr. 40: 3. gspart 4. vnd alzeit gwart 9. doch gmüt 12 n. 13. sich
kan, zn kanffen an. 18. trewer dienst bleibt. 19. Weng. 22. man wigt mich gering. 26. ich
bstanden hab. 27. sol ich haben dorab.
E8. 1575 Nr. 5 u. s, to.
[168.] Ein annders lied.
1. Mir ist eins feins brauns
megedlein
gefallen inn meinen syn;
wollt Got ich mocht heut bey ir sein,
meins trauwrens wer dahin;
5 kein tag noch nacht hab ich
khein rhue,
das schaJBTt ir schön gestallt,
ich wais nit wie imm furbas thue,
mein feins lieb macht mich allt.
2. Dem medlen ich gern dienen
wollt
10 wo ichs mit füegen khundt,
darumb hab ich der neider vä
das mirs nit werd vergünt,
ich hoff sie Solls erfahren schier
mit treuwen als ich sy main,
15 uf erden ich mirs nicht wünschen
wolt
dann ich wer bey ir allein.
[124«] 3. Dem medlen ich mein treäw
versprich,
beger auch änderst nicht
dann das do frumm und erlich
ist,
20 darnach ich mich stets rieht;
sollt all mein treuw verlorn sein,
kränkht mir mein syn und mQet,
ich hoff sie sols erfaren schier,
mein sach soll werden guet.
25 4. Darumb will ich dem mede-
lein
gesungen haben firey
zu gueter nacht ein liedelein
mit wunschung was dir guete sey,
damit du auch gedenkhst an mich,
30 wann ich von hynnen kom —
bescher, glügkh, mag nit hinder-
sich!
ade mein schon und fromm!
Hb,: 1. Megegdlein. 11 u. 12 fehlen. 14. maine. 32. fromme.
ForUer III {1552) Nr. 68: II. Mir ist ein schöns branns meydelein. 2. mein sin. 3. ich
solt heint bey jm sein. 4. mein trawren fttr da hin. // 1. meidlein. 2. wenn, fagen.
188
CLXVni— CLXX.
8 u. 4. Daminb bab ieh der neider yfl, das mir nit wirdt Tergnnd. 5. erfuren bald. 6l wie
icbs 80 trewHcb gmein. 7. anff erdt ieb mir nichts. 8. demi sein bej jr allein. III 1. mejd-
lein. 2. ran ehm vnd anders nicht. 3. Als was doch. 5. Solt denn mein, verloren.
6. vnd gmflt.
/F. Dann was die falschen rangen thnn
ist yetznnd an dem tag,
ach da mein feins branns meidelein,
hör zu was ich dir sag,
halt dich mir stets in ehm allein
wie ich dich berslieb mein,
so bhelst da ganst mit diser kanst,
das glaab mir meydiein rejn.
V (= JGTf. 4) 1 a. 2. Damit meydelein , gsangen. 4 — 8. als gats wünsch ich d&rbey.
Damit das sie gedenck an mich, wenn ich nit bey jr bin, so bhflt dich Gott im himelreych,
aide ich £ar dahin.
Fonier V 15 MeL u. erste Sir. Bicmia 1545 II 77 desgl.
m. 1574 Nr. 52; 1575 Nr. 43 «. t. w. Archiv f. d. neueren Spr. lii (1903) S. 2f. Dasm:
a F. Bedter, Lieder u. Weisen {1853) I S. 12-, Mittler S. 512 Nr. 673 u. s. w.
L] Ein anders lied. Man sieht noch wol wie steet du bist
6 fvnfs. Str. « Nr. 51. [124b] Str. V 1. Farhin mein Meints . . .
[170.] Ein annders lied.
1. *Mir ward verwundt
meins herzen gnindt^
do mich mein lieb gesegnen thet;
bey meinem ayd!
6 kein größer laid
mein weibliches herz erlitten hat' —
sie sprach: 'wolan,
mein liebster man,
nun gesegen dich Gott mit freüw-
10 darzue auch eehr [den' —
mit großer schwer,
mit großem laid thet scheiden.
2. Sy sprach: 'alhie
sitz ich recht wie
15 ein deines turtlteüblen,
verloren han
ich meinen mann,
ich armes, betruebtes weybelein;
ach Got, ach Gott,
20 hilf mir aus noth!
soll ich also verderben?
so bleibt mein herz
on schimpf und scherz,
bis ich inn sich mit freäwden.
25
3.
Von himelreich
der liebe Gott
der woU es ewig gelobet sein,
darzue so gar
on allen [125«] spot
30 bey dem vil allerliebsten bin;
erfreuwet mich seer,
wann ich in höer
mit sein vil süeßen worten,
darzue sein stimm,
35 mich recht vernim,
er liebet mir an allen orten/
Bs.: 16. verlorn hab. 17. mein. 30 u. 31. bin: ich: erfreuwet
CLXXI. 189
[171.] Ein annders lied.
1. Mein ainigs A, mein höchster schätz,
mein trost uf diser erden,
du bist mir die liebst, das ist nit nein,
nichts liebers soll mir werden
5 wann du mein bort:
vemym mein wort,
das soitu, herzlieb, glauben mir,
die werkh darbey,
sey wo ich sey,
10 mein treuw will ich erzeigen dir.
2. Mein freäntlichs A, mein höchster bort,
laß dich kein mensch verfüeren,
ker dich nit an das kleffers gschwetz
und thue mich bas probieren:
16 so verheiß ich dir
aus treuwer begir,
ich hab dich lieb vor andern allen,
deßgleichen für den heltest mich,
so frey ich mich
20 mit reichem schalle.
3. Mein liebliches A, mein zartes weib,
du hast mir mein herz umbfangen,
bis an mein end nit von mir wendt,
darnach hab ich gros verlangen;
25 tag und die nacht
ich stets betracht
wo ich heimlich zue dir khumb,
ich bitt darumb,
schier zue mir kumm,
30 verlaß mich nit, du mein guetigs A!
ffa,: 3. ich. 6. mein wort es sein nit wort
Fl, BL Yd 9126 Ein hübsch lied /Mein | ejnlgs A. | Ein anders /So wünsch | ich jr ein
gntte nacht. | Ein anders lied / Ich hab | yerschüt mein habermaß / des maß. | Noch ein lied-
lein / Lieb- I lieh hat sich gesellet / mein. | Item noch ein anders | liedlein / Ker wider glück
mit fremden. {Am Schluß:) Gedrückt za N&renberg | darch Jobst Ghitknecht. (4 BL 8^ o. J.
Rüdu. des ersten «. letzten BL leer.) SämtUche 5 Lieder dieses Einzeldrucks befinden sich in der Es.
Vffl, Nr. 75f 163y 164, 183. An erster Stelle: 1. Mein eynigs A. 3. das ist nicht nein. 4. nicht
6 a. 7. wort, das sind nicht wort, das. 13. Ker dich nicht an des klaffers schwatz. 14. mich
190 CLXXL CLXXn.
des prolneren. 17. ftr «ndere alle. 18 n. 19. för, da haltest miehy so frew icb mich.
21. Mein Hebliehs. 25. Tag ynde nacht 26L so jr komb. 27. komb. 28. gikttigs A.
Yd 9918 Zwej hfibsche Lieder/ | Das erst /Es ritt ein Bentter | wolgemnt | Das ander/
Mein eynigs A. | mein höchster schats. {Bädekem. Am S eh hß :) Oedmekt sa Nftrmberg
doreh | Valentin Neaber. (4 BL 8* o, J. Bmek». da entm «. ktMtem BL her,) Mein einige A
3 enitfr. S$r.
H$, 1568 Nr, 96.
Dies in aäen Fasnmgen Miark verdorbene lÄed iH noA dem Masaale» wehMMeä&gen Schema ge-
baut, das tMtstdUy wenn man vom der moeOen Hälfte der aekUeXgen Qnmdstmphe den fanften und
siebenten Vers aaeA metgembter Art in jene den damaligen Diektem überaus gelaufgen hureen Resm-
paare zerlegt. Zugleich aber verrät siek in diesem Oedickt ein bedenkücker Mangd an Übung ca der
poetischen Technik neben großer ünbehotfenheit in der Oedankenfukrung und im spraehOchen Aus-
druck, so daß man von vornherein einen gans ungeschuUen und ungebildeten Verfasser antundunen
und auf jeden Wiederherstellungsversuch su versiebten geneigt sein wird, weil schon die ursprüngliche
Vorlage Schnitzer und NachloMigkeiten gewiß mekrfack aufgewiesen haben durfte. Doch lautete wohl
die eweite EatfU der AnfangseeH e mein einigs ein im Reim auf nein^ der SMuß von der ersten
ZeHe der sweäen Strophe schats im Reim auf schwatz, und in der dritten Strophe mag die dritte
Zeile nicht von Anbeginn fälschlich durch Binnenreim serlegt gewesen und so die erste Zeile reimlos
geblieben sein, sondern es mag ursprunglich dagestanden haben bis an mein «id stets bei mir bleib
tsi Reim auf Z. 1 weib. Die Neigung su den kurzen Zeilen von je 4 Silben lag daausls alten zu
sehr in Fleisch und Blut, jenes iberhäufte Reimgeklapper zu sehr im Ohr, als daß nicht bestastdig der
ursprünglich vorschwebende Wortlaut und VerÄau dadurch beeinträchtigt sein sollte.
(125h] [172.] Ein anders lied.
1. Man sagt von schönen junkhfreülin viel,
ir lob ich allzeit preisen will;
so gar ein wunderschönes weihe —
ir eer und guet,
5 ir stolzer muet,
wie möcht ichs überwinden?
2. Ich lag eins mals in schwerer not
als wer mir vatter und muetler todt —
geschach mir nie so laide
10 dan das ich mich
so schmerzigclich
von meinem feinen lieb mues scheiden.
3. Eilend, du hast mich streng gefasst,
nach dir stet mein verlangen gros,
16 ellendt bat mich umbgeben,
ellent bin ich,
ellent krenkht mich,
ellent nimmbt mir mein leben.
CLXXIL CLXXIIL 191
4. Noch wolt ich lieber eilend sein
20 dann das ich solt verlaßen mein,
mein treuw die ich ir verheißen hab,
der reüler treuw
ist war und stett,
ir lieb bricht stahel und eysen.
25 5. Der uns das liedlen neuw gesang,
ein stolzer Schreiber ist ers genant,
er hat gar wol gesungen,
er ist schab ab
und ganz und gar,
30 ein reäter hat inn verdrungen.
ffs,: 9. 80 laide nie. 25. gesang fdUL
Förster III {1552) Nr. 52:
1. Man singt von schönen jankfrawen 3. Da ich erwacht, war alles nmb
vil, sonst,
jr lob nnd ehr ich stetz preysen wil; ich was entzündet in liebes brunst
der ich so lang gedienet han, 15 and 1yd darzn groß schmerzen,
jr ehr und gut inr selben nacht
5 nnd stolzer mnt lag ich and tracht
hat mir mein herz gar gefangen. als leg sie mir an meim herzen.
2. Ich lag eins mals in sehr grosser 4. Wie möcht ich nur mehr frölicher
not sein
als wer mir vatter and matter tod, 20 denn sehen die allerliebste mein,
mein herz schreyt ymmer waffen, ja dliebst aaf diser erden,
10 eilend krenkt mich, die ich yetzt han
eilend bin ich, * die ist mein krön,
eilend lest mich gar nit schlaffen. kein liebre sol mir nit werden.
25 5. Wie möcht ich nar eilender sein
dann so ich scheyd von der liebste [f\ mein
yetzandt aaf diser erden?
das sol nicht sein,
ich hoff die reyn
30 soll mir dennoch sehr wol werden.
m. 1574 Nr, 5; 1575 Nr. 63 u. $, w.
Oörres S. 70 u. $. u>.
|126>1 [173.] Ein annders lied.
1. Mein herz hat sich mit lieb 5 durch falschen haß und bösen neidt,
verpflicht sein gOflftig schneid —
zue dir, mich irt doch nicht glaub das ich dich darumb nit
des klaffers dicht, kein unmuet leid, [meid,
ob im sein herz zerbricht und wer er noch so geschigkht.
192
CLXXni. CLXXIV.
10 2. Du bist meines gfallens ober-
al
nach wünsch und rechter wähl,
freud one alle zal
hab ich ann dir zumal,
an dir doch kein mangpel ist,
16 falsch red ist nichts,
derhalb nit schaft des klaffers list
zue keiner firist,
man wais wol wer der claffer ist
3. Was glückh ich ime nun wün-
schen thue tmd gan,
30 da gee den Schweizer an,
sein untreuw kan
nit unvergolten stan,
erschemen wirt inn kurzer zeit —
wie fast er schreit,
26 an seinem blerr mir gar nit laid,
es fehlt ime weit,
mein herz sich dir ergeüt.
H$.i 9. Ue9i noch so gscheid im Reim amf meid und leid. 15. Heu ist mist. 19. und
feUL 25. Uid = leit d. i. Hegt 27. ergeflt == ergeit d i. ergibt
OegUn 1512 Nr. 20: 2. aaeh nicht 4. sein hals. 5. haß, auch. 9. so gscheid. 10. meins.
12 a. 13. frend one zal han ich von dir. 14. doch gar kein. 15. ist mist 16. des halh.
18. wer er ist 19. Was glückes ich im wünsch und gan. 20. das ge. 23. wirts. 25. gar
nichts leit 26. im. 27. ergeit
Fareter I 78; 1582 A 149, B 14.
Fl. BL Yd 7821 {Einband v. J. 1539) St 5 Drey schöner lieder/das | erst /Mein fleyß
vnd mfte. Das | ander /Mein herts hat sich | mit lieh Yerpflicht Das | dritt/Wo ich mit
leih I nit kämmen mag/ | da ist allUg. {Bildehen. 4 BL 8^ o. 0. «. /. Biieke. de* ereien BL
u. da» kUU leer.) 2 in 3 entepr. Sir. Da» enie Lied ». oben in der H». Nr, 167.
[174.] Ein anders lied.
1. Mag ich unglückh nit wider-
stan,
mues hoffnung han,
es soll nit allzeit weren;
manicher treibt yetzt großen bracht,
5 wirt hochgeacht,
und gschicht mit deinen eeren;
wann er die gnad
von Got nit hat
das er bedecht
10 was ime gebrecht —
alle ding thun sich yetzundt
ver kheren.
|126»>| 2. Recht will ich richten yetz
mein sach,
doch thue ich gmacb,
hab eben achtung uf mein schanzen;
15 thue nit der gleich wie es mich
angee,
doch wolverstee
ich schalkheit und finanzen,
die sie stets treiben,
voll untreuw bleiben
20 gegen irem herm,
den reichen werden,
sie selbst muessen danzen.
CUCXIV.
3. *Alles dings ein weil' ein Sprichwort ist,
derselbigen frist
25 ist noch wol zu erhellen;
geduldt vi] Sachen uherwindl,
sie seind zue geschwind!
yetKund zue disen Zeilen;
derhalben ich
30 will leiden mich
mit meinem herrn
ganz willig und gern —
glückh zue uf unser Seiten 1
Mi*! 3. werden. 21* /i*«; de« reigen wem ii L wäliren,
Fvrster I (L552) Kr. 6f in 3 Str. Akrostichon Ma— ri— a; ^ehr abweichend. — / t02i 2. doch
boüauug hao. 3, weren. 4. ManehBr treibt jt^tind groasen bracht. 6. gHchicht als mit
9. u. 10. gedecbt, waa jm entprecht. 11. al] diug thun sie verkereo. 12^ Bicbt wie ich
wöll, yet« all mein sach. 13. so thu ich gmÄch, 14. wart eben meiner Bchantzen. 15. gleich ,
ale mich. 16, darbey versteh. 17. jr vntrew vnd ünantzen. 18. triebn. 20, gen. 21. des
lejeti weren. 22* Doch mäasens selber tantzen. 23. All diDg. 24. der selben frist. 25. gut
EU erpeTten. 27. so gschwind. 28. wollen nicht mich hülffe zu Eeyten. 29 u. 30. dArunib
wii ich, aneh aUzeyt mich. 31 u. 32. herni, willig. 33. auff meiner eejten.
Oas^enii. u, iUuit&ri Nr. 31 nur d. erste Sir,
6iM. LtediT tt. Bioimen 1545 Nr. 11 ist -? Str. Akrostichon Marin.
FL Bi. Ye 2811 Zwey schöne lieder/ein | geietüchfi Tnd ein weltllehs/von der Kfi- | nigin
von Hungern, Das erst / in dem | tbon / Vngnad beger jch nicht. Das an- 1 der / im thon / Es
wonet Heb bey liebe. {Bildehen, Am Schluß:) Gedruckt iii Nürnberg dureh | Qeorg Wächter.
(4 BL S'^o. J: Rwckt. dm leisten BL ker.) L Mag jch vnglück nicht widerstan .,. S Str. Mari».
Die heiden zur Bezeichnung der H'ewre herungeeogenm Lieder *. ffs. Nr. 65 i*. 13 f\ Georg Walter
KerfetMer des LitdeM Hm. Nr, /4^.
Ye 2815 Twe schöne Lo'|de/Van der ESniginnen van | Vngern/Frouw Maria vnde
erem ] Gemahl Köninck Lndowicby Vnd© ys d&t | Erste ym Thone / Mach ick vnge- | lÄcke nicht
wedderstan, | (Bildciten) | Noch ein schien Qeistlick Leedt / | Im Thone/Ach Godt wem j schal
ickt klagen, (Am Scttkifit) Gedrücket tho Lübeck / dorch [ Johan Balhom. (4 BL S"" o. J.
B\ick%. des l^len BL leer.} L Macb ick vngelüeke nicht wedderstan . , . 3 Ä>, Maria.
Frankfurt a. M., AacL germ, L 522 St. 2^t Zwej hübsche newe liederj Straßbarg o. J.
1. Mag ich vnglück nit widerstan . . . S Str. Maria-
Weimar, Sammelb* Sl 3H Zwey newe lieder / das J erste / Gut Reyter bey dem weyne saö. |
Das ander /Mag jch vnglück nicht | wider stan/güt hoffnnng bau. {Bildchen, Am Schluß:)
Godmckt ^u Nürnberg | durch Kunegund | Uergotiu, (4 Bl. H^ o. / Hücks. des ersten u, Imten
BL teer,) 2 in 3 S^. Maria.
Lond&n 11522 df 15 Zwey newe lieder / Das | Erste / Künig ein herr ob allem reych. | Das
ander / Mag jch vnglfjck nit wi- 1 deraian / gat hoffnung han. | Noch ein ander Lied / Gut
Reyter | bey dem weyne saß. {Bildchen. Am Schluß-.) Gedruckt z\i Nürnberg durch | Georg
^^' achter. (4 Bl. S<» o. J, Rucks, rfe« kUten BL leer.) 2 in 3 Str. Maria. / in 3 fünfzehn^. Sir.
Akrostichon Kunlg Ludwig,
VgL noch den xu Nr, 9U d. Hs. angeführten Sonderdruck der Dartastädier HofbiUioU^ und
nocfi einen zweiten am demetlben Sanntelbande: Centralbiatt f Bibtiotheksw. 12^ 12$ «. 130.
Detitictio T^t« a«Ji MltteUttem T. 13
194 CLXXIV. CLXXV.
fTtfdfccnMvel 1841 S. 844\ III 1870 S. 118—120 Ar. 156—159; C. F. Becker U S. 11\ GoetUke-
TlMn. S. 202; & v. LOiemenm S. 28 Nr. 8; Böhme, Liederb. Nr. €37; LiederL lU S. 701 Nr. 1997.
Über die 'Komigim Maria vor ümgam und die ihr sfigeeigmiem Lieder' kandeU BoUez Zteckr. f.
d. AU. 35 {189t) S. 435/39.
[175.] Ein anders lied.
1. Mich badt ein jungkbfirauw seüberleich
das ich ir ein wachtel fienge
doheim in irem cammerlein
und do die wachUn giengen.
5 2. Und do ich in ir camerlein kam,
ich fand der wachtein keine;
ich lockht, ich klopft, ich widerlockht
mit meinem wachtel beine.
3. Mich bath ein jungkhfrauw seäberleich
10 das ich ir ein wachtel finge
doheim in irem bethelein
and do die wachtein giengen.
[127«] 4. Und do ich in ir bethlein kham,
ich fand der wächtelen eine,
15 ich locket, ich klopft, ich widerlockht,
ich fieng der wächtelen eine.
5. *Junkhfrauw, hab ich dankh verdient?
die wachtel ist gefangen!' —
*Ja, mein lieber waidman guet,
20 dir seind aber noch zwo entgangen.
6. Waidman, lieber waidman guet,
du muest dein gerrlen stellen,
die wachtl die du gfangen hast
die hat noch mer gesellen.' —
26 7. ^Junkhfrauw, liebe jungkhfrauw mein,
mein gerlen ist zerbrochen,
mir seind noch heüt zu halber nadit
drey wachtel dardurch krochen.' —
CLXXV. CLXXVI. 195
8. ^Waidman, liebster waidman guet,
30 das ist groß ungelückhe,
khomm noch heut vor halber nacht,
so wollen wirs wider strickhen.'
Hs.i 2. fieng. 3. cammerleine. 8. wachtel beiior. 17. verdienet. 18. ist: verdienet:
gefangen. 22 n. 26. gerrlen, gerlen » gernlenf Vgl 146, 12 hOrrlin; 155^ 28 hflelin.
30. vngelAckh.
[176.] Ein annders lied.
1. Mach mich nit thumb, mein |i27i>] 2. Sicht dich darnach, ich laß
kaiserin, nit ab,
erbarm dich mein, das bit ich dich, und sollt ich kommen in große noth,
jag mich nit aus dem herzen dein — i5 groß leiden ich durch deinetwillen
alles guets ich mich zue dir ver- trag,
sich, ufs letzst so leid ich gar den todt,
5 als du wol weist so hoff ich doch
in deinem geist du sagest ja,
wie ich mich han ann disem ort
gewagt daran 20 es wer ein mort
mit geschrifllicher bit, wan es nit geschee,
10 versag mirs nit, färwar man jhehe
gedenkh daran on allen scherz:
wie ichs im brief gemeinet han! das freuwien tregt ein steinen herz.
26 3. All dise wellt ist kinderspyl,
kein mensch uff erd ir gleichen mag,
und weren der weiber noch sovil:
mit der warheit ich sagen will —
hilf, glückh, und rath,
30 lauf nit zu spat,
das ich zue ir
mög kommen schier
wie ichs beger —
ein graf ich were —
36 imm ABC
der zehent buechstab thuet mü: wee.
AkrotOehoH Ma— ri — a.
13 ♦
196 CLXXVIL
[177.] Ein annders lied.
1. Nun schauw, mein giiickh, [m^] 2. HSluckh, hoer mich auch:
wie hejrmisch döckh er ist dn ganch,
die mitreuw voll — ein alter narr;
du merkhst mich wol — ob ich dann spar
6 stets gen mir treibt, so gros lid) an im
kein stundt sie bleibt und darnach nimm
bey mir in freäden; was er mir geit,
der Teufe] tregt doch nit lang peut
das ander jhar, bis ich den findt
10 das nimbt sie wahr S5 dem idis bas gündt,
und hat inn lieb; schad nit ein har:
was ich ir gieb, er ist förwar
das theilt sie aus, rin allter Hanns,
mir thuet der graus — het ich des bans —
15 drumb, glfickh, hilf mir drein oder so drumb, glückh, hilf mir ab meines
draus! — mans.' —
3. 'Ich hab gehört
clag und anntwort —
nu felds daran
das du, guet man,
35 mich glückh nit hast;
drumb billich las
als die fort wandern
und sich ein andere;
deßgleichen ir
40 getreuwet mir,
ich mein nit den,
ir wist wol wen,
dem sprecht nit nein —
pein über pein!
45 wer das glückh hat, der fuert die praut heim.'
Hs.: 13. mit. 28. pent hier = beit, d, t. toorte, harre.
A. V. Aich Nr. 61 1 1—3. Nv schaw mein glnck. wie heimlich duck, der yntrew vol.
5. dreibt. 7. frend. 8 — 11. der dofel treit. als ander dar. der niempt sie war. vnd hat
•ie lieb. 14 a. 15. mir ant der graaß. drumb gluck helff mir drin oder drauß. 18 u. 19. vnnd
alter nar. ob ich schon spar. 21. dannoch. 23. vnd nit lang beytt 24. fund. 25. dem
ich es gund. 29. branß. 30. darum b gluck helff myr ab des mans. 33. vnd leit nur dran.
36—45. drum wil du last, fürbaß wandern. s6ch ein ander, deßgleich du fraw. mir aach
so traw. ich mein mit dem. du weist woU wem. dem sag nit neyn. beyn vber beyn. wer
glnck hat der f&r die braut heim.
CLXXVIU
CLXXVIII, 197 H
Sätw S. t53.
■
Btm. Zuersi spricht ein ungiucktichtr Ehemann und beklagt äck hei der Qiückig6ii%n\ dann ver-
teidigt sich die Frau t/egen die Vorwürfe des Männrnt detien Lie&e ^ie nicht erwidern kann und von
dem sie gern befreit sein mochte; darauf erwidert aU angerufene Schiedsrichterin dm GBck und gibt
dem Manne den Hat, die Frau laufen zu lassen und «ich mne andre zu suchen^ desgtmhen der Frau^
getrost ihrent Herzen zu folgen und sich dem GtMten iJtrer WaAi nicht zu versagen* ^^^^ü
[17Sb] Ein anders lied. ^^^|
L Nu wollen wir beschau wen
4 Ein kind hab ich getragen, ^^^|
und also heben an
ehe ich kam zu meinem mann: ^^H
von einer magdt und frauwen,
30 ich yetzund dir thun sagen — ^^H
theten beyeinander slan;
es weis noch niemandls darvon; ^^H
6 die magt die waynet sere,
do ich ihet widerkommen, ^^^|
beiriebt wam all ir syn:
verdingt mich in ein ander haus, ^|
'verlorn hab ich mein ehre,
mein mann meint ich wer fromme, ^M
ich krieg sie nimmer mere,
35 zue der ehe het er mich genomen, ^M
ich gee mit einem kind/
ee ehr mich ganz lert aus. ^M
10 2, Die frauw sprach: 4ch dich
5. Das harrbandt thet ich tra- H
frage^
H
wan bistu kommen zu fall?'
bis man den kirchgang thet; ^^H
die mag! sprach: ich dir sage,
da sich endet der tage, ^^H
es geschach mir in eim staK —
40 man mich füeret zu be^, ^^H
an einem abentdanze
do thet ich schreien sehre ^^H
15 da machet er mich voll»
und sprach: ^^wer ich darvon!'^ ^^H
durch seine allofanzen
da das mein man erhöret ^ ^M
verlor ich meinen kränze,
das mich reuwet mein ehre, ^^^|
wie ich dir sagen soll* —
45 fieng er zu waynen an, ^^^|
[128b] 3. 'Die leng kanstn nymer blei-
6> Sollt einer yetzund sagen ^^H
20 ich gib dir ein guelen rath: [ben —
ich het wider ehr gethan ^^H
sprich^ dein vaüer Lhue dir schreiben
und het ein kind getragen, ^^H
und lig wol an dem lodt,
das es erhöret mein man: ^^^|
zeuch hin und hall dich besser
50 es wurd sich änderst machen, ^^^H
und bleib ein gueiweil aus;
er holt mich ganz vor fr um, ^^H
26 wann du dann kombsl herwider,
die leüth macht er offt lachen ^^H
dein kind leg elwo nider,
wan er redt vonn den sachen ^^H
ding in ein ander haus.
wie er mir mein niagthom nam.' ^M
8. mer. 10, frag. 12. sag. 13. at&Ue. ^^H
Hb.: h Regiäter wir; wunder: befichawen.
17. verlorn. 40. betthe. 4L eehre fthlL 45,
er; ftDi sn. §3. dm fsMi. ^^^|
19B
CLXXDL
CM«
[179.] Ein anders lied.
1. *0 wie lang
bab ich gewart!
ich meint dn sobt nit sein kom-
kom beot za mir, [men —
5 of tfane ich dir
die thär wol inn dem garten,
halt stilU hatt leis,
damff leg dein Tieis
das dn ntt werdst uberladoi;
10 ob mann midi spur
das ich Terlör
mein weiblich ehr, das brecht mir
schaden/ —
35
2. *0 einiges ein!
dn bist die rbein
IS die ich altzeit trag im berxen;
tut mein es sey
ein schimpf darbejf
das ich dn andere thoe
schen-
wQtn als idi,
90 so hastn midi
m lieb gant überwunden,
behalt du ja
du waist wol wa,
so wirt mein heix umUHinden.* —
3. K) kleffers pfeil,
wie seind sotO
die mich aUzeit thun schiefloi!
dann niemants zwingt,
kein nutz nit bringt,
90 das waßer das mues fließen;
wef ist der man
der ziehen kan
eim yetlichoi Tatter sein kinde?
das thuet der todt,
36 mir ist nit not
das ich mich solber Sachen underwinde.' —
Es.: 9. mt fekü, 15. im hertzen trag. 17. darbej/eAlL 20. in lieb ganz /'«Aft. 33. kind.
86. Toderwindt.
Hi. 1568 Ar. 121:
10
Janckfraw.
1. 'Ach Gott wie lang
stehe ich im schwang!
ich meint da wolst nit komen —
kam hindtt za mir,
aof tha ich dir
dannitt nitt werdt Temommen;
in stiller weiß ^
darann ker fleiß
das ich nitt werdt aberladen,
das man nitt spur
das ich yerlair
Der Jangelinck.
2. 'Ach einiges ein!
da bist allein
15 die ich stets trag im herzen,
nicht mein das sei
ein schein darbei
ob ich mitt dir will scherzen;
wilta als ich,
SO so hast da mich
in liebden ganz aberwanden,
Terhell aach das
da weist woU imu,
mein weiblich ehr, das bracht mir schade.* so ist mein herz in liebden gebunden.*
CLXXIX. CLXXX.
199
Die Janckfraw.
25 8. *Ach kleffers pfeil
und der so fill
die dich akeit thun Bcheissen!
der ein der spricht,
der ander jagt,
30 das wasser thatt sich fleissen;
wa ist der man
der zehen kan
eim andern seine kinder?
kundtt irs, so thuitz,
35 mir ist nitt nott
das ich mich des anderwinde.*
Der Jungelinck.
4. 'Ach unfals nidtt!
mus ich der zeit
meins glucks alzeit erwarten?
40 wiewoll zur stundtt
mir wirt vergunt,
stehet allein in Gottes handen;
der dem wiederstrebt,
nicht lenger liebt
45 dan die blomlein auf dem felde,
so baldt vergeitt,
nemant vergeitt,
das merk ein ieder gar eben.'
H$.i 4. hindtt« A6«nt 23. So du woll weist. 44. liebt = lebt; vgl, zu Nr, 184 H$, 157 5 Z.25.
Qantfih, u, Beutterl, Nr. 3 Ach Gott wie lang hab ich gewart, ich meynt du wolst nit
kommen . . . nur die erste Str. — 56 Lieder Nr. 54 lieb wie lang steh ich im zwang, ich
meynt du wölst nit kommen . . . ebf. nur d erste Str.
[180.] Ein annders Med.
1.
mein
scheidens not,
kumbst nit zu spot
herz und gemuet zuer-
mit deiner gwalt [schrecken
5 so manigfallt —
schaiden in allen eckhen!
wo mich umbsich,
scheiden krenkt mich,
scheiden sich thuet neigen;
10 reit ich färs thor,
schreib ich darvor:
^glaub mir, mein herz dein aigen!'
25
[I29bi 2. freüntliches S,
ich nit vergess
15 was scheiden mir thuet zeigen;
do wo ich bin,
do schreib ich hin:
^glaub mir, mein herz dein aigenl'
es ist nit nein,
20 darumb ich kein
ja zureden sollt beschweren,
und solt schön ich,
glauben sicherlich,
ein stund der flügen weren.
3. Noch eines mich nert,
das machts erwert —
glaub auch muest sonst verzagen —
ist dwiderfart;
ach S so zart,
30 solt ich dirs nit genueg clagen,
so wirt gefreuwt,
wiewol ich scheid,
soll dich keiner übersteigen,
und lebt ich zwar
36 ja tausent jar,
soll sein dein herz mein aigen.
200 CLXXXi. CLXXXii.
[181.] Ein annders lied.
1. wexel, gesell, das ist dein art:
wo lenger wo besser kanstu das —
du will kein steile lieb han,
darumb will ich dich fahren lohn;
5 *fahr hin, farhin' ist all mein syn,
an deiner lieb ist deiner gewyn,
vil besser zu scheiden dan lang zu beiten -
uf meinen aid:
zu scheiden bin ich ganz bereit.
10 2. Deines'/ liebens ich nit warten will,
wann ein ander kombt, schafiFt sein gewyn;
ich het dich lieblich außerkorn,
treuwe dienst sein [130^] an dir verlorn,
das schafft das du kein lieb erkenst,
16 darzue bistu auch vil zu stolze;
hett ich gethan nach deiner beger,
so wer ich werd,
ist zeit das ich mich von dir keer.
3. Mir ist zue dir als dir zue mir,
20 merkh, freundt, wie ich mich von dir keer,
das haben dein böse list gethann
das ich dich nit mer achten kan,
das Schaft dein boßheit, deine arge list
darab du ein canzler bist;
25 wer dich kennt, der kauft dich nit —
ich bins bericht —
zeuch hin, gros lieb verseüm dich nit!
H%r, 1. gesell: gesell: das.
Dasselbe Lied noch einmal oben, Nr, 69, ebenfalls in 3 Str.
[182.] Ein annders lied.
1. R, einiges bild, das schaft dein zucht,
inn eeren milt, o edle frucht,
wie thuestu mich so gar krenkhen? das ich dein nit kan vergeßen,
wann ich gedenkh lo wann du yetz mich
b der alten schwenkh, so innigclich
so will mir mein herz versenkhen; mit deiner lieb hasst beseßen.
CLXXXII. CLXXXIII.
201
2. Einiges ein,
dich ich yelz mein,
15 das kanstu wol erwegen;
mein schätz und hab,
kein lieber ich hab
yetz zu diser zeit uf erden;
du weist auch schon
20 on argen won
das dirs mein herz nit kundt per-
ich hoff auch doch [gen,
es werd und noch
bleiben ewig und nit ergan.
|i30b] 3. Güetiges herz,
26 on einigen scherz
khundt ich dir yetz offenbaren
meines herzens pein,
wie ich dann mein
30 ich werd wider zue dir fahren;
will ich aißdann'
das best ich khan
dich der ding gruntlich entscheiden,
ich bin dir holdt
36 vor alles golt,
mein herz gib dir ganz für aigen.
4, Leben bey dir
wer alzeit mir
ein gros sonderlicher woUust,
40 dann tag und nacht
ich stetigs tracht,
und ist doch alles gar umbsunst;
wenn aber ich
kondt wünschen mich
45 in deine schneweiße armen —
seidt doch nun das
on neid und haß
nit kan gesein, mües Got erbarmen!
Ei,: 24. ergen «= ärger werden?
[183.] Ein annders lied.
1. So wünsch ich ir ein guete
nacht
zue hundert tauset stunden;
wann ich ir lieb erst recht betracht,
ist mir mein leid verschwunden;
5 wann ich sie sich,
so erfreuwt sie mich,
sy hat mein herz beseßen;
darumb ich ir
mit steter begir
10 und khan ir nit vergessen.
2. Inn rechter treuw ist sie mir
Heb
der ich mein treuw hab geben,
zu dienen ir mich stetigs [i3i>] üeb
dieweil ich hab das leben;
16 wann sie hat mich
so gar lieblich
mit irer zucht gefangen;
keins menschen freüd
mir sie erleitt,
20 nach ir steet mein verlangen.
202 CLXXXliL CLXXXIV.
3. Ann alles falsch so will ich sein
bis in meins lebens ende
gegen der allerliebsten mein,
von der ich mich nitt wende;
25 mit seuftzen clag
ja nacht und tag
thuet mir mein herz bekrenken,
darumb ich hoff
sie werd mich doch
30 inn ir herz versenkhen.
H%,\ 13. zadiener. 21. Ann == an «» on, d. t. ohne, 23. gegen fehU.
Fonter I (1552) Nr. 130: 3. So ich. 4. ist all. 5—7. Wenn, sich, erfrewt sie mich,
hat mir mein. 8 n. 9. dramb ich in meinem hertzen brinn. 12. mein hertz. 13. jr, ich
mich stets jeb. 20. nach der mich thnt verlangen. 21. On allen fabch wil ich da sein.
22. biß an. 23. Gegen der aller liebste mein. 26. auch nacht 27. sie mir mein herts thnt
krencken. 28—30. danimm hoff ich, sie werd doch mich, in jr hertzlieb versencken.
Ochsenk/ntn 1558 Bl. 79b in 3 entspr. Str. Meüand 1575 Nr. 86 nur d, erste Str. u. e. «o.
Es, 1568 Nr. 49 u, s. w.
Das Lied ist nicht mu verwechseln mit einem gew&inUch ebenso, hier in der Es. midb befindUckemj
aber anders beginnenden Liede, s. oben Nr. 20.
[184.] Ein annders lied.
1. Sy hat mir mein herz ge- 2. Wer mir unkhunt ir hulde,
die raine, wolgemuet, [troffen, lo das wer mir sicher laid —
zue ir so will ich hoffen, red ich uf all mein schulde
mein sach soll werden guet; und schwer bey meinem aid,
noch liebet mir die eine das ich bey allen meinen tagen
wol inn dem herzen mein — irs dienens nie verdros,
als ich sie . . . maine, 15 das thue ich vil armer clagen,
ir diener wil ich sein. mein unmuth und der ist gros.
3. Der hoffnung der ich lebe,
sie hat mich offt ernört,
will sie mir kein trost mer geben,
20 vor leid werd ich verzert,
vor alle freüd uf erden
vil glückh und alles heil.
Es.: 9. vrkhant. 22 a. 23 fehlen. 22. daran hat sie den theil? 23. des wünsch ich der
vil werden?
CLXXXIV. CLXXXV. 203
H$. 1575 Nr. 16:
1. Sie hatt mein herz getroffen, 3. Noch will ich tzn ihr setzen
die reine ist wolgemaeth, herz, maeth and alle mein syn,
zu ihr 80 will ich hoffen, ich hoffe sie wirt mich deß ergetzen,
eß wirt noch allzeit gadt, 30 machte ich stedes bej ihr sein,
5 sie liebet mir die reine stedigleichen bej ihr zu bleiben
woll in dem herze mein, and nnmmer von ihr getan,
sie ißet und die ich meine, mein nnmaeth maß sich wenden,
ihr diener ich will sein. mein trorent maß sich Ihan.
2. Wehr mich unkandt ihr halde, 26 4. Der hoffhongh der ich liebe,
10 daß wher mich warlich leidt, die hat mich offt emert,
daß red ich woll auf mein schalde wirt sie mich keinen trost nicht geben,
and redes bej meinem eidt, so werd ich bald vorzert,
daß mich doch alle meine thage and alle mein trost aaf erden
ihres dienstes nie vordroeth, 30 daran hatt sie den theil,
15 daß maß ich armer helt klagen daß wansch ich der allerschonesten
meinen kammer and große nodt. viell glacks and alles heil.
Vgl Archiv f, d. neueren Spr. 111 [1903) S. 16.
[131b] [185.] Ein anders lied.
1. Seelig ist der tag
der mir solh glückh vergönnet hat
und hat geholfen mir,
herzallerliebstes medelein, zue dir.
6 2. Ich dankhes der stund,
darzue, schons medelein, deinen rothen mundt;
die antwort gab sy mir so bald
recht wye es mein herz nur haben wolt.
3. Die fra^ mich nicht gereuwt,
10 wiewol auch vil der bösen leüth
uns solh glückh vergönnen nicht,
schadt nicht obs gleich uns beiden geschieht
4. Halt dich nach mir
wie ich auch, herzallerliebste, nach dir,
15 bis das do kombt die zeit
die dich und mich, herzallerliebste, erfreuwt.
5. Ob ich gleich nicht bin bey dir
und du, herzallerliebste, von mir,
so gedenkh das widerkommen hat gemacht
20 das ich keins scheidens nie habe geacht.
204
CLXXXV. CLXXXVl.
6. Hallt dich nur steet und frey,
vor Gott bewar auch dein ehr darbey,
bleib fromm und thue es auch treuw bey mir,
ich will bald widerumb kommen zue dir.
26 7. Ann dich, herzlieb, vermag ich nicht
das ich des liedlen hab gedieht
und hab dirs [132*] zum neuwen jhar gemacht —
aide zue hundert tausent gueter nacht!
H».: 9. fraaw. gereuw. 21. fromm gebessert in frey.
Dasselbe Lied noch einmal in ähnlicher Fassung Nr. 97, s. oben.
[186.] Ein anders lied.
1. Von deinetwegen bin ich hie
herzlieb, vernimm mein wort!
all mein begir stet stets zue dir,
daraus treib ich khein spot;
5 laß mich der treuw genießen,
dein diener will ich sein,
thue mir dein herz aufschließen,
schieis mich, herzlieb, darein.
2. Inn meines buelen garten
10 do schmeckhets alzeit wol,
darinn sie mein thuet warten,
mein herz ist freuden voll —
die edlen rößlein brechen,
dan es' ist an der zeit;
15 ich hof ich wöll erwerben
die mir im herzen leüt.
3. Inn meines buelen garten
do steen zwey päumelein,
das ein das tregt mustaten,
20 das ander negelein;
mustaten und die sein süeße,
und negelein die sein re/7,
die geh ich meinem buelen
das sie mein nit vergeß.
— 25 4. Zue meines buelen seilen
do stet ein gülden schrein,
darinn da lefit beschießen
dein herz und auch das mein —
ach Gott, hett ich den schlußel,
30 ich tcürf in inn den Rhein,
er sollt mir nimmer beschlißen
das jung frey herze mein.
[132b] 5. Zue meines buelen füeßen
do stet ein brünlen kallt,
35 und wer des brunnen trunken thuet,
der jungt und wirt nit alt;
ich hab sein oflft getrunkhen
so manchen stolzen trunkh —
vil lieber wolt ichs kußen
40 meins buelen roten mundt.
6. Der uns das liedlen neuw ge-
von neuwem gesungen hat, [sang,
das haben gethan zwen Studenten
zue Freyburg in der statt, [guet
45 sy habens so wol gesungen
aus frischem, freyen muet,
sie seins wol innen worden
was scheiden von der lieben thuet.
Hs.i 22. vonn. resch. 29..8chlaßl. 80. rfief. 33. füeße.
CLXXXVi. CLXXXVH.
B^rgr. Nr. 47 [NeiidK99/iÖ0 S-98): I 3. all mein boffnnag setz ich zu dir. 6. dein »töter
diener ich a»y. 9. dein eigen ich wil mm.
II. Sie hf&ben une beide b^logan,
dag weiBtu herzlich wol,
das habea die falschen klefier gethan,
die aeiod uns beiden nicht holt;
wir wollen yns widder vorgelden
du mein edeler echatZj
erst wil ich dich Jiab haben
dem kleffer zu neid und has.
/// {^= Hl, 2] 2, do stehen viel edler dcbmack. S u. 4- wolt Qott, solt ich ihr warten,
das wer meins bertzen krön. 7- ich traw eie wol zn erwerben. 8. mir am* / V (=^ H*, 3)
2. stehen. 3. eine tregt« 4. ander die. 5. mnschkaten die. 6. die negelein die aeind
fr lach, 7. meinen feinen bufn. 3. das er mein nicht vorgiat V (= ffi. ^) L füasen. 3. wer
deB brünleins trincket 4. iunget. 5. doran» hab ich getnincken. 6. gar manchen. 7. ich
mir wünschen. VI (^ Hm, 4) 1. Zu meines hnJen haupte. 2. do leid ein gtildener acbrctn.
'6. darinnen do leit verschloeaen. 4. das iimge hertze mein. 5. wolt Gott. schlUssel.
6. ihn wol yn. 7 u. 8. wer ich bey meinem feinen bulen, wie kond mir bas gcsein?
VJI 1. Und der uns diesen Reyen sang. 2. so wol gesungen hat, 3. swen hauer. 4. zu
Freybergk. 5. haben. 6—8. bey met vnd külem wein, darhey ist gesessen der wirttin
töchterlein.
GS Lieder, Nürnberg o. J. (vgl Güedeke 11^ S, iO) Nr, 2i m 3 Sir, Dauhmann, Lkdkm,
Kfmg*perg 155S (vgl. Qoedike 11^ S. 40) Nr. *? rn 7 Str. * (Pteufi. Pro^nmolhlmter, andere Folge 9,
IH.>6^ 265)', Seandeäu^ 1578 Nr. 12 nur d. erste Sir. 15H2 A 5G u. «. lo.
FL BL Berlin^ Frankfurt a. 3L^ Zürich, Lotid&n u. s. iti,
Vai. Botü Ha. 1526 {Nürnberg, Germm. Nationat-Muaeum) BL 160^ in ^ achtt, Str.
Berliner N». 1574 Nr. 5h, 1575 JW. 5 t u. ». w,
Nicolai, Mmanach 11 (1778) Nr. 7; Wttnderhorn / (iSOfi) S. 212\ Oörrei S. 91 ; Uhland Nr, 30\
a F. Becker III (1863) S, H (Die brunnen die da fließen . , . 7 Str.); Simrock S. 262 (Bei
meines Buhlen Haupte . , . 5 Str.)\ Hof mann, Findlinge S. 116 (Wenn alle Wasser flies«en ,, *
5 Str.)'^ MiMler S. 504 Nr. 6f;2, vgl. S, 565 Nr. 786; Goedeke-Timi, 8. 56-, Ä, t\ Liliencrm S. 2m
Nr. 93; Rmch S. 94-, Böhme, LiederL Nr, 135; LiederL II S. 245 Nr. 428, vgl. II S. 283 JVr, 4$L
[187,] Ein annders Hed,
10
1. Von edler art
ein freuwien zart
bistu ein cron
der ich mich han
ergeben gar —
glaub mir für war:
das herz in mir
krenkt sich nach dir,
drumb ich beger
uff all mein ehr:
2. Wie ich im thue,
hab ich kein rue
on dein gestallt
15 die mich mit gewalt
gefangen hat;
herzlieb, gib rath
des ich doch mich
zue dir versieh
20 inn hoffnung vil,
nit mer ich will,
hilf mir, ich hab nit trostes mehr. allein setz mir ein gnedigs zyl!
206
CLXXXVB* CLXXXVH.
ri33>i
25
30
3. Seit du die bist
gen der mieh giöst
nit braocfaen soll,
das waista wol
on allen sdien,
will mir dein herz
inn trenwen sein,
daromb ich dein
kein stondt imm ta?
▼or iaid Und elag
ans rediter lieb yergefien mag.
Feintet l (/ii^) Mr. ^: 2. aaeh rein Tiid lart. 9. daramb ieh gar. la dein ekr.
14. deinr gstah. 15. gwalt 23. der bist. 24. gen dir idi li^ 28. dir mcTii.
VfL Fonter V 20 (Str. 1 m, 2\ 21 (mmr Str. i).
n Bl, Yd 7801 SL 61-, Yd S^SS. — Zmidttm XXX, V, 20 St S, nmi Ued^ m. O. m. J,
Z YoD edler tat, ^ St 31 Sdumer lieder drej, Erffort 1529. 3w Yonn edler art.
Es. iSSS Nr. 22 9,9, w.
Wmdkemmgd 1841 S. 8S1; C. F. Becker, Lieder «. Weieem {18S3) I S.4 u.$.w.
[188.] Ein annders lied«
1. Unfal will yetzond haben
recht,
das wili mich wol bedenkhen,
stet gegen mir Til arme metz,
yetz scheiden hat mir gewunkhen,
6 das andt mich seer,
o gläckh, verkher
das scheiden ich nit mag daTon,
dann sonst ich Terdirb,
im eilend stirb
10 wo mich nit tröst mein ainiges Y.
2. Ob Unfall ye will Geben sich,
so ich dich, mein schätz, mues
meiden,
den ich mir erwölet hab stettigc-
lieh,
das mues ich yedoch leiden;
15 wann es mit g wallt
hat sein gestaut
darumb ichs so hart zu herzen
nenime,
ach höchster bort,
mit einem wort
20 trost mich, du mein herzigs Y!
3. SoS es dann ye gescheiden
sein,
so woll es glückh doch wallten,
so bitt ich dich, herz liebster mein,
thue dich stet gegn mir halten;
25 dann urlaub ich
nit gern an dich,
ob ich nit bald wer widerumb
[133*1 kommen,
so gedenkh du mein
gleich wie ich dein,
30 trost mich zuletzst, freuntliches Y!
Es.: 3. Uee: knecht; öeeeUeehiertausch nicht eeäen im voOutüwäieke^ Oeearngt, 7. ich feklL
10, 20 o. 30. Y? V? N? 21. So. 23. lie»: herxUeb«te,
CLXXXVlil. CLXXXIX.
F&fUtr I {1552) Nr.72i 2, das thut mich wol bedancken, 3, stets, armen kDecht
4. d&DD scheiden wil mk winckeu« 7 u. 8- dz scheiden nit mein h^rtz zerklemi flunit ich«.
10. mein hertiEigs M. 12. dfts ich mein oehaU* 13, ich erweit häb. 14 je doch. 17. dromb
iehs gar hart su hertzen nymm, 20. trSet mich mein aller liebites M. 2L Sol es.
22 Q, 23. walten j. Ich bitt dich alter liebste mein. 24. gen« 26. jetz ger an dieb« 27 u« 2S* ob
ich so bald nit wider kem^ gedenek doch mein. SO. M.
VsL Goedeke, Grundriß //* S\ 27: Seh§ffer 15 i3,
Goedeke-Tiümann, Liederbuch ata d^ tß. Jah-L (1867) S. 5i (nach Forüer).
[189,] Ein annders lied.
1, Wo soll ich mich hinkeren,
ich armes brüederlein?
wie soll ich mich ernehren?
mein guet ist vil zu dein —
& als ich ein wesen han,
50 mues ich bald darTon,
das ich heur soll verzeren,
das hab ich femden verthan.
2. Ich bin zufrüe geboren,
10 und wo ich heuwr hinkhomm,
mein glückh kombt erst am mor-
gen —
hett ich des kayserthumbj
darzue den zoll am Hheini
und wer Venedig mein,
lö so wer es als verloren,
es muest verschlemmet sein*
3- Mein guet will ich verbraßen
mit schlemmen fme und spat,
ich will den sorgen laßen
20 dem es zu herzen gat;
was hilft mich das ich spar?
Tilleicht verlier ich.t gar,
solt mirs ein dieb auß tragen,
das reuwt mich noch ein jar.
35 4. Die vogell laß ich sargen
^egen disem winter kalU,
will mir der wirt nit borgen,
mein rockh gib im zu pfandt,
die gippen auch darzue,
30 so hab ich weder rast noch rue
den abent und den morgen
bis ichs gar verthue-
[134»] 5» Drey würfel und ein karte
das ist mein waffen frey,
35 sex hüpscher freuwlen zarte,
uff j etlicher seilen drey —
ruckh her, mein schönes weib,
do erfreu wst mirs herz im leib,
wol m dem rosengarte
40 dem schlemer sein zeit vertreib!
6, Wirt, steckh an die Schweinen
darzue die hüener jung! [braten^
darauf mag uns geraten
ein frischer, küeler trankh;
46 ach Witt, nu lang her wein
und laß uns frölich sein —
mir ist ein beut geraten,
sie mues verschlemet sein.
7. Ich henkh mein seh wert an
dseiten,
50 ich mach mich bald darvon,
hab ich nit zureiten,
zu fues so mues ich geen;
es ist nit allweg gleich,
ich bin auch nit allzeit reich,
&5 der zeit will ich erwarten
bis ich ein glückh erschleych.
Hm,i 19. laöen soTgenn. 22, ich.
208 CLXXXIX«
Ber^, iSai («. d.) Nr, 27 {Neudr. 99/100 S.53): I 2. ich thames. 7. was ich sol heaer
▼«neren. 8. fert // 1 a. 2. geporen, wo. S. kömpt mir erst morgen. 7. alles. 8. rana.
/// 1—4 {fehlt in der H$,)i
So wil ichs doch nicht sparen,
and ob ichs als verzer,
und wil darümb nicht sorgen —
Gott beschert mir morgen mehr;
was hülfs das ichs lang spar,
vielleicht so verleor ichs gar,
solt mirs ein dieb aastragen,
es reaet mich ein iar.
IV i — I {^sB H$. 3) 1. Ich wil mein gut verprassen. 3. und wil ein sori^en lassen.
5 — 8. Ich nim mir ein eben bild bei manchem thierlein wild, das springt aofT breiter beide:
Gott behüte ihm sein gefild!
F- VII {fehUn in der H$.)x
Ich sach auff breiter beide Kein grösser frend aaf erden ist
viel manches blümlein stan, denn gnts leben han,
das ist so wol bekleidet — mir wird nicht mehr za dieser ftist
was sorgen darf ich den han? denn schlemen umb and an,
wie ich gat nberkom, daza ein guter mat,
ich bin noch frisch and lang, ich reis nicht sehr noch gat,
solt mich ein not belangen, als mancher reicher bflrger
mein herz wfist nicht darümb. noch grossem wacher that.
Der gewint sein gat mit schaben,
daza mit grosser not;
wenn er sein rüe sol haben,
so leit er als wer er tod —
so bin ich noch frisch und iunck,
Gott verlej mir viel der stund,
Gott behüt mich iungen knaben
das mir kein unmut kom.
VIII (= H». 4) 1. Ich las die vögel sorgen. 3. mir der. 4. ich ihm bald. 5. ioppen.
6. ich hab. 7. als den. 8. bis ich das alles verthu.
IX (= H», ß) 1. Steck an. 3 u. 4. darauff so wird uns geraten ein guter frischer freier
trunck. 5 u. 6. trag her den külen wein und schenck uns dapffer ein. 8. die mus.
X (= ff$. 5) I. ein karten. 4. an iglicher. 5. kom her du. 6. du erfreuest mir mein.
7 u. 8. solt ich heint bey dir schlaffen, mein herz das würd mir frey.
XI (e=r ff$. 7) 1. Ich bind. 2. und mach. 3. hab ich denn. 4. zufusse mus ich gan.
5. alzeit. 6. ich bin nicht alweg reich. 7. ich mus der zeit erwarten. 8. das glück er-
schleich.
Niederd. Liederb. 124 (110): Jahrbuch f. nd, Spr. 26 (1900) S. 40; dazu:
Liedlein 1614 Nr, 60 nur d. erste Str, — Fischartj Oargantua, Kap,S „TVuncken Gespräch^:
Neudr, S, 134: Wo soll ich mich hinkehren, ich dummes Brüderlein . . .
FL Bl. Berlin Yd 9496, 9503, 9509. — Zwickau XXX, V, 20 Sl 26 Schoner Ljeder zcwey,
Erffnrdt 1529. 1. Wo soll ich mich hinkeren . . . 11 Str. In demselben Einzeldruck auch Nr. 18,
s. oben. — London 11522 df 52 Zwaj schöne | Lieder. Das Erst: | Wo soll ich mich hin
keren, | ich thummes Br&derlein, }c | Das ander Lded. | Nar N&rrisch sein ist mein ma- | nier,
die zubehalten ich, 7c. {Bildchen. Am Schluß:) Getruckt zu Augfpurg, durch Mat- | tbeos
CLXXXIX-CXCL
Wo toll ich
11 achu, Sir.
Francken Erben, (i BL S« o. /. RüeJu. des kiUm Bl leer,)
Nur Närrisch nein , . . 11 dfx* Str,
Nicolai, Älman(Uih II (1778) Nr, 14; n'^derhom FI (1808) S. 425 1 Whck&fiagä 1841 S. 849-,
Ohiand Nr, 2lS\ Simfock S. 504^ Miider S, 821 J\^. 13S7i o, LÜktmon S. 217 Nr, 69 u. i. w.
Ein annders lied.
2
[190.]
1. Wol kombt der raay
mit manch erlay lo
der blüemblen zart
nach irer art,
erquicket das
Terdorben was
durch winters gewalt, i5
des frey ich mich ganz manigfalt.
Alles das lebt,
sich yetz erhebt,
des Vogels gsang
welhes solang
verschwygen was,
auch laub und gras
das gronel schon,
derhalben ich nit trauwren khan.
[lU^ 3. Und sonderlich
erfrey ich mich
heimlich und des,
to ich wais wol wes,
darvon man nit
vil sonders spricht
noch sagen soll —
will uns glückh wol, so gets uns beiden wol
fff.: 3. die.
12 i Lieder 1S34 Nr, 5tf; 3. der plumleö. 4. nach seiner art. 7.
ikh. 9. Mb das da lebt« 11* der Togelgsaag, 12, welchee vor lang*
nit. 19. heimUchen dea. 24, wil es mir wol, so geta mir wol»
Förster I (1^39 u, ö.) Nr. 66 in 3 entspr. Str.
Bergr, 2574 II 2t in 3 entspr. Str.
Fi. BL Weimar, SammelL St, 2 Schöner aufierleaeiier lieder. X,
Hergotia o. I. 6. Wol itumpt der May . . . 3 Str.
Londm, SümmelL 11515 a 48 St. 12 Schöner auüerleßner Lieder Zehea. Nibmberg, Valentin
Neuber o, /, 6. Wol kuoipt der May . , . 3 Str,
NicQhi, Almanach II Nr. li\ Q^edeke-Tütm. S, 154; Erk-Böhme, LkderL II S, 202 Nr*39L
gwalt. B, das firewet
16. derhalb ich auch
Nümberg, Kunegtmd
[191.] Ein annders lied.
L Wach uf» mein lieb, und hör mein stimm ertdingen;
mir liebt vor allen dingen
der wahr allmechtig Got
und auch dein werder leibe^
fi o adeliclis weihe,
dein Innigkeit, dein liehe die will mich todten.
D«Dliehä TtiU d«i Mlttalmlteis V. 14
210 CXCL
2. herziges lieb, willtu das nit erkennen?
wie oft ich dich hör nennen,
so erfreuwt sich mein gemüet,
10 darzue sich ein figure
inn derselben natura
als ir gemüet ist geborn in meinem planeten.
3. herzigs lieb, laß dir es geen zu herzen
den jämerlichen schmerzen
ib den ich im herzen trag;
allein von deinetwegen
wie ofift bin ich gelegen
inn einem träum als het ich dich umbfangenl
4. Do ich entwacht, was mir mein freüd entschwunden —
20 als zue derselbigen stunden —
ach Got, wes ist die schuld?
ich weis nit umb iren handel,
mir liebt ir [135«] zucht und wandel,
dein weis und gebert, zue ir steet mein verlangen.
25 5. herzigs lieb, vast soltu auf mich bauwen,
wie du mir thuest vertrauwen,
was du mir heimlich sagst,
das soll bey mir beleiben,
was du mir thuest verschreiben,
30 das soll von mir kein falsche zung erfaren.
6. herzigs Heb, vertrauw keiner falschen zungen uf erden,,
gedenkh was draus mag werden
ein innerliche clag;
wo sich zwey mueßen scheiden,
36 vil weger wer inn beyden
der bitter todt, darvor uns Got beware.
7. herzigs lieb, das hab ich dir gesungen,
mir ist in allen zungen
kein lieber mensch uflf erd,
40 das lied will ich dir schenkhen
und will mich guets bedenkhen —
zu gueter nacht, du hast mein herz umbfangen.
Hb.: 10. figur. 11. natar. 19. Do ich entwacht: do ich entwacht: was. 20. stand.
30. erfarn. 36. bewaren.
CXCl. CXC1L
1582 A 55^ B 107 m je 5 Str. Foriter III 69 in 4 Sir. M. FraneL, Mmkal Bergkre^m
1602 JVr. 16 in 3 Sir.
Fi, BL Yd 7S21 {Einhttnd v. J. 1539) St 4 Vier schöner UedeT / Das | Erat / FreÄndtlicher
gruß. Dm ander / Eid | dehBiein geyl. Dm Dritt / Wach au ff \ mein lieb. Das vierd / Nun
grtQ I dich Oott m^in druBerlein. (Biidchen, 4 BL S^ o. 0. u. J. Rückä. du erHen u. de* ieUten
BL leer.) 3, Wach auff mein lieb vnntl hör mein »tymm erklingen , , . I 4 u. 5. darnach dein
werde liebe o adeüchee wejbe. 6> lieh. // 1. hertxes üeb will dm ee nit erkennen.
2. so offt. 3. so freüdt 4 u. 5. fignre, als in der selbenn Datnre. 6. ist in. /// L hertzes
lieb laß dir das geen zu hertzen, / V (^ Ha. S) h hertzea liöb, 2- ala du, 4. bleiben.
6. daa aoU kein falsche zang Fon mir erfaren.
falschen zungen auff erden. 2, darauf, 3 u, 4.
lieb inÄßöen scheiden, 6* pitler. beware.
V (^ Bi. 6") 1. Vertraw hertz lieb keiner
ein jemmerliche klag, wo sich zwej herti-
VII
hertzea lieb, lajde will ich dich
erget^en,
wiewol will ich dich setzen
inn masaen wie du wilt,
in züchten vnnd in eeren,
wa8 du thast von mir begeren,
in deinem dienst 9oi sich mein leyb nit ipareti.
5 u, 6. gute
VL Ich hab kein raat noch rw ich klag
dir dann mein lejden,
das ich dich bertz lieh muß meydenn,
das schafft Fraw Venus strick,
hat mir mein herts ymhfang^nn,
recht wie dea tagee morgen
Terd ringe nn thut die edel morgenr^te.
VIII {=^ ffs.7) 1 n. 2, bert^es lieb das lied my dir gesungenn, ich weyß in*
will ich dir gedencken, zu gutter nacht vnd spar dich Gott gesnndt.
Yd 9120 Vier achöoer Lieder/ Das f Erst/ Freftndtlicher grcB . . . | , . , | . , , Das vierdt/
Nun gr^ I dich Oot mein drnserlein. {BUdchen. Am Schluß:] Gedrfiekt zu Nl^renberg j durch
Jobat Gntknecht. (4 Bl. S° o. J, Rucks, des ersten u. leitten BL Uer,) DiueLhen 4 Lieder^ dai*
selbe Bildchen j in allem Yd 7S2J »o sehr ähnlich und entsprechend, daß wM für beide Heftchen die'
teihe Druckerei vürausmatUen ist. 3. Wach anff mein lieb . . . 8 Str. I—III entspr. Es. l—3\
M*. 4 fehU im. Einzeldruck^ IV = 5, V = tf ; VI u. VII fehlen in der Hm. VIII = 7.
VII 6. in deinem dienst sol sich mein lejb nit eparen,
ZtPickati, RatssehuibibL XXX, V, 20 Sl 22 Drey Schöne Lieder / | Das erat / Wach anff
meTn Heb Tnd h6r | meyn stjmm erklingen 3c, Daa [ ander / Nun grüß dich Gott | mein druser-
lein. / Das drit | w erder mundt. {Bildchen, 4 BL 8^ o. 0. u. J. Rucks, des ersten u. teilten
BL leer.) Wach auff . . . 8 Str,
Formier III 69 Str. IV entspr. Hs. 4 t
Do ich erwacht, was mir mein freud entschwunden —
ach Got der jimerlichen stunden
seid das mich Got beeehuffi
ich weiß nit umb den handel,
mir lieht jr xaeht nnd wandel,
jr weiß nnd gberd, nach jr steht mein verlangen*
Ms, iS7S Nr. SO in 5 Str.
[192.J
1< Was Wirt es doch
des Wunders noch»
so gar ein seltzanis leben!
als yetzund ist
6 all wellt 7oIl list,
mit untreuw übergeben;
Ein annders lied,
guet wort, arg dickh,
vjl grues, bös bluckh
ist jetzund graein uf erden;
10 eingunt keiner mer
dem andern ehr,
was will noch daraus werden!
14»
212
CXCII.
2. Will gluckh zue eim^
so gunt mans keim,
15 man stellt im ein für dlugken;
der rieht in aus
wol nach der [135^] pauws,
redt im nichts guets zuruckhen,
vorlauft im den weg,
20 all steig und steeg:
ist yetz der brauch uf erden —
yetzund nit mer
dan nur jäher,
was will noch daraus werden!
25 3. Noch werden die
zuzeiten ye
von untreuw selbst geschlagen,
wer nit ansieht
was ime gebricht
30 und will von andern sagen,
von ime und dem,
weis nit von wem:
ist yetzund gemein uf erden
ein solher lauf,
35 nun schauw man auf —
was will noch daraus werden!
4. Wer jetz hat gelt
in diser weit,
den stellt man vom an die spitzen,
40 tracht nit darbey
wie fromm er sey,
herfür mues er sitzen;
gewallt, gunst und gellt
den bracht beheit
45 yetzund uff diser erden,
an guet vii ehr
gilt nimmer mer —
was will es doch noch werden!
5. So mues der schlecht,
50 der fromm und gerecht
alzeit dahinden bleiben;
wer nit hat hab,
ist yetz schabab *
bey mann und auch bey weibem;
55 Vernunft, kunst, witz
gilt on guet nichts
yetzund uf diser erden;
wer guets hat vil,
thuet was er will —
60 was wils doch noch werden!
[136*] 6. Wiewol die zeit
nit außenbleibt
weihe all ding verkÄeret,
denkt niemant daran,
65 nur merfortann
ein yeder sein syn meret,
bis das ims glückh
alls weichet verzuckht
alhie uf diser erden:
70 da mues man schäm
zum schaden han,
es mag nit änderst werden.
Ei.: 10. ein = en. 63. alldang erkleret
121 Lieder 1534 iS^. (45 u.) 46 in 3 Str. Bicinia 1545 II 95 nur die er$te Sir. Forster
I 24 in 3 Str. IV 40 Mel, u. d. erste Str. V 51 desgl. 1582 A 21, B 73 in je 3 Str. Dedekind,
Dodekatanan 1588 Nr. 39 in 3 Str.
R V. d, Aelst, Bhmm u, Außb. 1602 S. 172 Nr. 176 in 9 Str.
cxcn.
m. BL Yd 78S1 St. Si Drey Schöne Lieder, Straabing, H, Burger o. X 2, Was wird es
doch ... B Str.
Yd 9637 Ein ichdn New | Lied / Friach au ff io \ Gottes naraen etc. | Ein ander Lied / Der
Weite I bracht ist hoch geacht. t Noch ein Lied / Was wird es | doch / dee wundera noch,
{Büdchen, Jm Schiuß:) GedHickt tu Nürnberg dnrch | Ftidericb Gntknecht. (I BL 8^ ö. J.
Rück». d€8 kl2^n BL leer.) L #. ol^m H$. Nr. 57,
3« Was wird es doch , . . Z. 2. wunder. 3* gar. 9. gemein anff. 10. es g&ndt.
15. einen f^ die lacken. 18- gate inn rücken, 19, die weg. 23. ja Herr- 29. jm- äO. wils.
SL von gem. dS. gmein auff. 34. solchen. 39, yomen. 42. herfAr da muß. iG. On gat
55. knnfit vnd wttz, 53. Wer hat gut vil. 60. was wil noch darauß werden. 63. welch
alle ding verkeret. 64. an, 6S- als wird verzückt. 70. denn muß. 72. ea mag nicht
anders werden.
VIL Es ist der lanff,
so man sieht drauff,
75 in aller Weit gemeine.
Vor binde rlist
die Welt jetz ist,
an ff" tngent acht man kleine.
Het ich nur gelt|
BO so wer ich ein Held,
vnd fÄrgezogen auff erden.
Nur aotchs man meldt,
dem gelt n achateilt,
wie kauB doch erger werden.
85 VIIL Gelt ist die klag,
daruon ich sag,
gelt gett ist nur der handel-
Wie man bey nacht
vnd auch boj tag
^ dem gelt nach mftge wandet,
Het ich DUT gelt,
achreit alle wett,
nach Gelt steht^t ynscr begeren,
Man thuet nichts
95 nach gelt man 6cbt,
wie kans doch erger wcj'den.
IX. Man lau ff t, man rent,
man reit, man sprengt,
nach gelt stehen all jre sinnen,
100 Im regen vnd schnee,
auff land vnd see,
wie man nur gelt mfig gewinnen*
Man lest nicht ab
biÜ in das grab,
105 Gelt Gelt ist nur jr leben^
Gelt ist jr Gott
fru vnd auch spat,
wie kans doch erger werden.
Fe 209 Drew schöne Lieder, a, 0. w. J, 2. Was wirt es doch - . , P Str, — Fe 4^7 Sfl«
iede, 0- 0. u. J, 1. Wat wert ydt doch , . . ff Str. Sehlußahsaiz daiut Lath dy genÖgen, wat
dy Godt föget . . . 12 Z.
Wtimar^ Sammtlb. St 2ß Ein hübsch new Liede, Was wirdt es doch {9 Sir.). Nftrmberg,
Eunegund Hergotin o. J. [2 Lieder im gafuen.)
Mimcktn, Un,-BibL Drey Schöne Lieder, Augfpurg, M. Eamminger o, J. 2. Was wirt es
doch . .. 9 Sir.
Zwickau XXX, F, 20 St 24 Zwey schöne lieder o. 0. u. J. L Was wirdt es doch . . . 9 Sir.
VffL n^h Hesfte, BücherschaiM S. 73 Nr. 1166.
Ooedtkt-Tittmünn, Lkderbuch au» d. 16. Jahrh. S. 17 5 \ B. v, liHencron, Devf^cftes Leben im
Volk^l. um läSO S. 9 Nr. ,?; Böhme, Altd. Liederbuch Nr. 487 h', Liederhori Ilt S. 480 Nr. 1678.
814
CXCIIL CXCIV.
[l9Sm] Ein annders lied. Wie schon freuwt vns der maye, der somma*
fert dahin . . .
9 tkkmM. Sir. » Nr. 17. [1361»] Sir. IV 1: Mich thet mein foins Ueb leren ...Sir. VIII 5: sa
hundert [187*] toasent gaeter nacht . . .
[194.] Ein annders lied.
1. Wo soll ich mich hinkheren,
ich armes waldbrüederlein?
untreuw thuet sich yetz meren,
das krenkht das herze mein;
6 Yorstatt ist mir mein claus,
mein trost hab ich verlorn,
der staub schlegt mir inn mein
ich armer wo soll ich aus? [obren —
2. So stee ich hie alleine,
10 gedankhen thun mir wee,
mein fireud ist wordra kleine
uff mich und uff niemants mee;
doch bleib ich waldbrueder vast,
die weit ist untreuw worden,
16 rotleit ist mein orden
darinn ich zu rassten pflag.
3. Hab Urlaub, falsche wellte!
zue dem wald ich mich hinkher,
uff schlag ich mem gezellte,
20 krauth, wurzel ich mich erner
bis das ich trost erwarb
von einem medelein vil raine,
Gott weis wol wen ich meine,
wolt sie, so wer ich erlöst
35 4. Auch seüftzen und kommem
will mein geselschafl sein,
das lied will ich ir schenkhen,
der allerliebsten mein,
damit sie sich ires leids ergötz;
30 der zeit mues ich erbeiten,
von hinnen mues ich reiten,
mein herz schenkh ich ir zue der letz.
H$.i 6. verlorn. 20. emere. 23. wan.
Andrei Lied mU gleichem Anfang s. oben Nr. 189.
Mgq 718 Bl. 21b:
1. Wo 8ol ich mich hin keren,
ich armes waltpmederlein?
nntrew tatt mich yerzeren,
zur stört sindt mir all mein pein,
6 zu rissen ist mir mein klauß,
ich hab mein lieb verlorfn,
der Stab steckt vor dem thore,
ich armer ich muß hinauß.
2. So sten ich hie allaine,
10 yil gedenken das tatt mir wee,
mein frewdt ist worden klaine,
nnn acht mein ganz niemantz me;
das klag ich armes waltpmederlein —
valsch ist die regel worden,
16 mir liebet ser der orden,
mein synn setz ganz darein.
8. Hab nrlab, valsche weite!
genn waldt will ich mich kern,
darauf schlach ich mein zelte,
20 kraut, würzen muß mich emem
pis das mir kompt ain besser trost
von ainem walt schwesterlein reine,
ich waiß wol wen ich maine,
ich hoff ich werdt erlost.
25 4. So pin ich geraisig worden
on stiuel und on schwert,
mein futter sack hab ich verloroi,
sy acht mein hewr als fert,
sy hat mir den seckel geraumpt,
30 das gelt hab ich verloren,
das tutt mir leichnam zoren,
sy hatt mirß daraoß erpflaombt
CXCIV— CXCVI.
215
m.
5. Noch will ich nicht verzagen,
wie woll ich ganz ellendt pin,
35 mein kntten will ich tragen,
darein stett mir all mein synn,
die regel ist mir nit hert,
in ein klosterlein will ich mich geben,
will fueren ain strenges leben,
40 Unfall ist mein gefert.
6, 27 u. 30. verlorn. 31. zom.
Q&rru S. 78-, Bohme^ Liederb. Nr. 459b; Liederh. III S, 560 Nr. 1780.
[137l>]
[195.] Ein annders lied.
1. Welt, er und rhuem
das ist ein bluem
der bald verdort,
das götlich wort
5 das bleibt allein
inn ewig rhein,
wiewol mans will vertreiben
mit menschen kunst,
und ist umbsunst,
10 man mues es lassen bleiben.
2. Wolfail sind lügen
und menschen dantb
damit man will
das gottlich spil
15 und auch zum theil
der Seelen heyl
in manchen weg verhindern;
es mag nit sein,
der götlich schein,
20 lest sich dergstallt nit mindern.
3. Und oflft verdirbt
so darinn stirbt
die göttlich schrift,
und Wirt gestifft
35 und uffgericht
vil falscher dicht
von menschen dannt erfunden;
ein gotlos rott
sich wider Gott
30 zusamen hat verbunden.
Es.: 3. den. 11 n. 12. lag: trag eu lesen. 28. red.
[196.] Ein annders lied.
1. Wie oflft feit uf mich neid
und haß,
dannocht kan ich mich tuckhen —
wans regen wehr,
mues haben scheäch,
bis ich khum bas aus sorgen,
ich schenkh nit gar,
wiewol ich zwar
10 der schuld ein weil mues por-
gen.
216
cxcvL cxcvn.
|18^] 2. Neidiger stich der leyd ich
vyl,
mit untreuw wol durcbspicket,
als wenn beim tag abfliegen will
ein eyl: wie bald sie erblicket
16 der Vögel stutz,
dan ist ir nutz
nit besser dann zu fliehen,
sonst wurd sie gezupft
und aber gerupft —
20 glückh mags wol besser fuegen.
3. Also geschiebt mir manchmal
gleich wie der armen eylen;
wann es sich begibt inn gleichem
fall
das ich außflug bisweilen,
25 mues ich leiden vil
neidstych on zyl
von mancherlay geflygel,
färcht keins so gar
als den am,
30 der zerreist mir meine flügel —
4. Und macht das ich mit Dichten
kan
mich in dise höhe uf schwingen,
wiewol ich ime nichts laid hab gethan,
thuet er mich doch hart zwingen,
35 fleugt hoch ob mir,
ich hofir gar schier
werd er sich zue mir wenden
und mich alBdann,
dem ich guets gethan,
40 inn sein gnad wider annemmen.
5. Wann ich bin nit eylen ge-
das alle vögell neiden, [schlecht,
sonder fromm, schlecht und on ge-
mein herz als arges meidet; [brecht,
45 tregt wenig fär,
wie ich wol spür:
wer nit gelernt hat versetzen
und khan allein
nichts dann fromm sein,
50 das thuen die herrn jetz leicht
schetzen.
H$,i 6. Ue$: Bchwer. 10. pergen. 12. darchspickt. 27. voon. 29. Aren. 50. thuebn.
|138b]
[197.] Ein anders lied.
1. Wollauf, guet gsell, von hin-
nen!
meins bleibens ist nymmer hye,
das ich bin worden innen,
ist mir geschehen vormals nie;
ich mues mich von dir scheiden,
herzallerliebste mein,
doch will ich dich nit meiden,
ich will wol bey dir sein.
2. Ach scheiden, du thuest mich
krenkhen,
10 wer hat dich erdacht?
du hast mein junges herze
inn gros leid und trauwren bracht;
das ich mein ellendt mues leiden,
das machst du schon und werdt,
15 doch soll mirs niemandts wenden,
dieweil ich leb uf erd.
CXCVII. 217
3. Ach schaiden thuest mich krenkhen,
herz lieb, ich mues von dir,
ich bitt dich mein zue gedenkhen,
20 dein treuw sollt sein stets bey mir;
mein trost ob allen weihen,
wie wol ich von dir bin,
noch will ich dein bleiben —
ade, ich fahr dahin.
Foriter III (1552) Nr. 35:
1. Wol auf, gat gsel, von hinnen! 2. Zart fraw, ich bin ein schaler,
schlag nmb and weyt hindan, 10 darza noch anbekandt,
laß sagen was man wolle, von rechter art ein baier
ich will dich ganz für eygen han, and lern eß mit der handt,
5 will stet bey dir beleyben, kan wol schreyben and lesen,
schafft deinem herzen rha, ghört einem baier za,
von dir wil ich nit weychen, 15 der herbst ist abgelesen,
wer wil ans schaden than? so han wir beyd kein rha.
3. Ich scheydt mich mit dem leybe,
laß jhr das herze mein,
dem aller schönsten weybe
20 das aaf der erdt mag gsein;
ach wehe, da bitters scheyden,
wer hat dich nar erdacht?
hast mir mein freudt genommen,
mein herz in trawren bracht.
Forster III {1552) Nr. 65 1
1. Wolaaf, gat gsell, von hinnen! 2. Ich kan nicht mehr gschweygen^
meins bleibens ist nimmer hie, 10 es glag mir nie so hart,
der mey der that ans bringen das ich trag heimlich leyden
den feyel und grttnen klee, gegen eim frewlein zart,
5 vorm walt da hört man singen jr lieb hat mich ambfangen,
der kleinen vöglein gsang, darza jr gat gestalt,
sie singen mit heller stimme 15 das ich dich lieb maß meyden,
den ganzen sommer lang. darza zwingt mich gwalt.
3. Gwalt, da bist ein grosse pein,
wehe der dich tragen maß!
da übst gen mir solchen scheyn,
20 mein leyd ward nie so groß;
hat mir ein eyd geschworen
sie wöl mir bleyben stet,
sie wöl daran gedenken
wenn sie ein ander bet. .
ForsUr II IS nur d. erste Str.
1582 A 54, B 106 etUspr. Förster III 65,
Meiiand 1575 Nr. 4 in 3 Str. (/ = ForsUr III 65 Str. 1; II u. III ^ Es. Nr. 40 Str. 4 u. S).
218 CXCVII. CXCVIII.
Fl BL BerHn Ye 776 « Hey^e, Bücherschau S, 58 Nr. 941 «. $. 10.
E$. 1574 Nr. 57 u. ». w.
ÜUand Nr. 64; Wunderhom 4, 236] Mittler S. 534 Nr. 717 \ Qoedeke-Täim. S. 153-, R. v. LÜMm-
enm S. 351 Nr. 123*, Böhme, Liederb. Nr. 260; Liederh. IIS. 556 Nr. 752, vgl. III S. 485 Nr. 1684.
[198.] Ein annders lied.
[139»1 1. *Wach uf, wach uf!' mit heller stimm
sprach sich ein wachter guete,
'und wo zwey herzlieb beieinander sein,
die halten sich in huete
5 das in kein arges nit widerfahr
und in die sach nit mißlinge.'
2. Der knab was cntschlafiFen gar,
und schlueffen also süeße,
die jungkhfrauw was weis, sie weckhet in mit vleis,
10 weckht in mit einem kuße,
sy kusst in freuntlich an sein mundt:
'jetz get es an ein scheiden.
3. Und der uns scheidet, das thuet der todt,
der scheidt uns also herte,
15 es scheid doch manches mündlein rot,
darzue mein buelen zarte;
o reicher 60t, durch dein güete —
wie scheidestu uns zwey so harte!'
4. Der knab wol auf sein rößlen sprang,
20 er ritt gar bald von dannen,
die junkhfrauw eylet im binden nach,
gros leid sties ir zuhanden:
'reitest du hinwegkh,
mein herz thuet nach dir synnen.'
Es.: 15. rot fehlt. 23. herz lieb, and einzusetzen?
Yd 7801 (v. Nagler) Sl 7t {offnes Blatt):
1. 'Wol anff, wol aaff!' mit heller stim 2. Der knab der was entschlaffen schon,
rat vnns der wachter k&nne, entschlaffen also syesse,
^d welcher bey seinem bullen leyt, die fraw was weiß, wackt in mit fleyfi,
der mach sich baldt von dannen, wackt in mit einem knfie,
also rat ich dem werden gast, knst in lyeplich an seinem mondt:
dx er sich von danen thie schayden, ja 'yetz mieB mir vnns bayde schayden, ya
schayden.' schayden.
CXCVUI. CIC. 219
3. Wol aaff, wol aaff, mein feines lieb! 5. Als bald die fraw die red erhört,
der vogel singt mit schalle, gar hayß fieng «y an zu wainen:
ynd lyg ich hie vnd ist es tag, 'ferst da da hyn vnd last mich hie,
weckt vns fraw nachtygalle, vnd last mich hie allaine,
fraw nachtygalle verkttnt vns das, ferst da da hin, vnd last mich hie,
wir seilen vns darein geben, vergeben, ver- so hat es kain rechte masse, ja masse.*
geben.'
4. Der knab wacht auff, sach ann den 6. Die fraw wol aafi der decke sprang,
^Si (S^^ eyllendt vnnd gar balde,
gar seer thet er erschrecken: wol vnder ain fenster sy sich schwang
*ach da mein allerhöchster schätz, vnnd hört den wachter balde:
m&ß ich mich dein verwegen, 'o wachter g&t aaß freyem mut,
muß ich dich meyden vnd faren lan, wendt mir mein sendtliches layde, ya
wa findt ich deinß geleichen, geleichen?* layde.*
7. Der vns das liedlein hat gemacht,
von neuem hat gesangen,
dz hat gethan ein gut gesell,
ein frischer vnd ein yunnger,
er hatz der liebe zh dienst gemacht,
zu ir kan er nit kamen, nit kamen —
vor den falschen zangen.
Oorres S. 111; Böhme, Hederb, Nr. 101; Liederh, II S. 598 Nr. 798.
[199.] Ein annders lied.
1, Wann ich des morgens früe uf stee,
zue meinem lieben buelen ich gee,
so kombt mein herz lieb und wünscht mir ein gueten morgen.
Ii39i>] 2. Ein gueter morgen ist bald dahin —
6 ich wünsch meim buelen ein steten syn,
darzue ein freies gemüete.
3. Hett ich ein buelen als mancher hat,
ich wolt im aufbinden sein gelbes bar
mit eitell brauner seiden.
10 4. Ich wolts im auf binden inn rotes gollt,
ich bin meim buelen von herzen holdt,
ich kont ir nit holder werden.
121 Lüder 1534 Ar. 67 u. 68 nur d. erste Sir. 115 Liedlein 15U Nr. 14 desgl.
Andres Lied mit ähnlichem Anfang Ye 581; Yd 7850 St 7 u. s. w.
Vgl. saarer winter, da bist kalt 1582 AS7, B 175; Niederd Liederb. Nr. 18; Antw. Liederb.
1544 Nr. 10 u. s. w.
Qörres S. 110; ühland Nr. 42; Mittler S. 516 Nr. 682/3; Böhme, Liederb. Nr. 154 u. 204;
Liederh. II S. 288 Nr. 466 u. II S. 305 Nr. 485.
220
CC.
[200.] Ein annders lied.
1, Wer wolt ir nil von herzen 16
sein holdt
und freüden mit ir haben?
so stet in zucht wie du dann solt —
macht kurz weil vil uns knaben;
5 dardurch das gemäet 20
inn freäden wäet
und lebet on alle sorgen, I^^
der mirs nit gunt
aus herzen grünt,
10 allzeit mues er erworgen.
2. Bist eren werdt, holdseliges 25
kind,
freuntlich mit weis und berden,
darumb das wild und seltzam ge-
sind
zu willen dir soll werden, 30
lauten und gesang
mit tanz und mit gang
kurzweil und freüd ze machen,
mit allem vleis
frefindtlicher weis
was dienen mag zun Sachen.
3. Wann ich dein zucht und lob
beschreib,
zue übel sols nit keren,
und will er böses mit dir treiben,
geschieht dir alles zu ehren;
dein schön gestalt
hat mich mit gwallt,
darzue so hart drungen
das mir von statt
ist gangen satt,
darnach hab ich gerungen.
Bs.i 8 u. 9. mirs: vnd: aus.
Ea, 1575 Nr. 113:
1. Wher wolde dir in ehren nicht
sein holt,
kurzweil und frewde mitt dir machen?
so stehet doch dein zucht wie du wnlt —
mache mir kurzweil, du jungeß herz;
5 dardurch mein gemueth
in frowden woeth
und lebet ohn alle den sorgen,
wer dir nicht engundt
auß herzen grundt,
10 all zucht muß sich ahn dem vorbergen.
22. kern. 24. ehrn. 27. hart hat drungen.
2. Du bist eheren wertth, du holt-
saliges kindt,
freundlich mitt weise und gebere,
darumb, du holtsaliges kindt,
zu willen dein sali werden
15 mitt luden und gesangh,
mitt dauzen und mitt gangh
kurzweil und frewd mitt dir machen,
mitt allem fleiß
freundleicher weiß
20 waß denen magh zu den Sachen.
3. Daß ich dein zucht und lob beschreibe,
zu dem ärgsten salstu mir daß nicht keren,
ich muß doch freundschafft mitt dir treiben,
daß geschut alle zu deinen ehren;
25 deine schone gestalt
die hatt mich mitt gewalt
so hoich und harte betzwungen
daß mir von stunden ahn
ist gegangen also —
30 nach dir hab ich offt gerungen.
Hs,: 13. kindt durchgestrichen, dahinter: freund t.
Oassenh, u. ReuUerl. 0. J. Nr. 8 nur d, erste Sir,
CCI. 221
[201.] Ein anders lied.
1. Wiewol Unfall sein muet wil han,
so will ich doch nit verzagen;
wer Gott zue einem helfer hat,
der mag es wol dapfer wagen,
6 dann wer dem vertrauwt,
hat wol gebaut,
kein feind wirt in veijagen.
2. Soll ich dan dran, kan nicht darvon,
so mues ichs geschehen laßen;
10 der liebe Got, dem ich alzeit vertrauwet han,
der weis aber noch zyl und maßen;
wie es nun dem gefeilt,
hab ichs gestellt,
ey der wirt mich nit verlaßen.
15 3. So komm geduld, du edles kraut,
und hilf mir überwinden;
wer in seinen nöten zue Got dem hem schreit,
der wirt auch trost befinden;
bey meinen jungen jam
20 hab ich bereit oft erfam,
das zeug ich vor allen menschen kinden.
[I40i>] 4. Unfall, Unfall, du wildes thier,
wie thuestu dich gegen mir sperren!
zeitlich ehr und guet das behalte doch dir,
36 vergönn mir nur Gott meinen herren;
dan das ewige guet
macht rechten muet,
das sey mein trost uf erden.
5. ^AU ding ein weil' man sagen thuet,
30 das hab ich gar ofFt vernummen,
und der Gottes seines herm erwarten thuet,
das glückh wirt auch noch kommen —
damit far nun
alles mein trauwren dahin:
86 nach dem regen scheint die sunne.
E$.: 20. erfaren. 25. herrn. 26. das das. 82. Uesi des glückh.
Qörrei S, 82,
222 CCD.
[2D2.] Ein annders lied.
1. Was mein Gott will, das ge- 2. Gott ist mein trost und zu-
schdi allzeit, Tersicht,
sein will der ist der besste, ein nfenthalHong meins lebens,
zü helfen den er ist bereit was mein Got will, das nur geschödit,
die an in gkaben fesste, will idi nit wi- [i4i^ derstreben;
5 er hilft ans not^ 16 sein wort sagt zwar:
der getreawe Gott, all mein bar
er liebt die weit ans maßen, hat er mir selber gezelet,
wer Got vertranwt er haet and wadit
und herzlich baü¥rt, treowlich tag und nadit
10 den will er nit Terlaßen. so das mir nichts widerfiEÜire.
3. Noch eins, Herr, will ich bitt«i dich —
du wirst mirs nit T^sagen:
wann mich der böse geist anficht,
las mich, Herr, nit Terzagen,
sö so hilf und wehr,
ach Gott, mein Herr,
durch dein heiligen namen;
was du sagst,
das holstu, mein Herr,
zo darauf sprich ich frolich amen.
FL Bl. Hfmn, 5020, drei Luder e/UkaÜendj Närnberg, Friderich Ghitknecbt o. J. 2. Was
mein Got wiL
Eymm, 5034, drei Lieder endkaäemd, Aagfparg, Valentin Schönigk o. /. 2. Was mein Gott will.
Bywm, 5681, furnfwäm Lieder enthaltend, NOrnberg, Valentin Fuhrmann o. J. 7. Was mein
Gott wiL
ffymn, 6824, neun Lieder enthaltend, Eialeben, Url>an Ganbisch 1568. 6. Was mein Gott wH
Eymn. 8494, viersehn Lieder enthaltend (Berliner Exemplar ohne TildblaUl, o. 0. m. J. 8. Was
mein Gott wiL
Eymn. 8703, vier Lieder enthaltend, Basel, J. Schroter 1606. 4. Was mein Grott wil.
Td 7830 St, 13, drei Lieder enthaltend, NOmberg, Valentin Newber o. /. 3. Was mein
Gott wiL
Td 7830 St. 35, drei Lieder enthaltend, Nttmberg, Valentin Newber o. /. 2. Was mein
GoU wfll.
7d 7831 Sl 41, drei Lieder enthaltend, Nflmberg, Valentin Newber o. J. 2. Was mein
Gott wil. Dieser Drude ähnelt eehr dem vorigen Td 7830 St. 35, ohne dawtk identisch tu sein.
Td 7831 St. 14 Nefin schöne Geistliche Lieder, Begenfporg, Hanns Borger 1566. DojuMch
Hymn. 6824.
Das Sechste lied. Was mein G^tt wil da gscheh allzjet . . . Str. I 2. sein wil ist der
aUer beste. 6 n. 7. der frome Gott, er tr6st die weit mit massen. 9. fest aoff in baat.
II L trost mein. 2. Mein hoffiiag [!] ^nnd mein leben. 3. das mir geseheh. 5 n. 6. Son wort
ist war, den alL 7. er selber hat 9 o. 10. stets f&r vns tracht, aoff das Tns gar aickta MileL
CCII— CCIV. 223
///. Dammm wil ich armer s&nder von diser weit, abscheyden in Gottes willen . . .
IV (s= Ha. 3) 8. Wenn. 5. bilff vnd auch wehr. 7. zn ehren deinem Namen. 8—10. Wer
das begert, der wird gewert, dranff Sprech ich fr^lich AMEN.
Vgl noch Hegae, BäehenehaU S, 67 JNr. 1071 = Eymn. 8494; S, 69 Nr. 1096 = iTywii. 5020.
Wackemagel 1841 S, 579 Nr. 683; III (1810) S. 1070/1 Nr. 1240/1; B&kme, Hederb. Nr. 640;
Liederk III S. 700 Nr. 1996; Füdker, Kfrekemüeder-Lesieam S. 335.
LUderk». v. Reifembergs {1588): Archiv f. d. »meren Spr. 105 {1900) S. 278.
[203.] Ein annders lied. Zart schone firauw . . .
3 seehjgehta. Sir. « Nr. 63. Sir. II 11. her [1411>] widerfert . . .
[204.] Ein annders lied.
1. Zucht, eer und lob dir wonet bey —
ganz frey
on alle reuw
bin ich verpflicht zu dienen ir;
6 sy hat fürwar das feinest gebert,
beschwerdt
und hilflich mert
sich herzlich clag und sendtlich gir;
seit ich nun weis zuekonftig noth,
10 kein rot
uff erden mich helfen mag —
es ist amm tag,
erhör mein clag
die ich stelz trag,
15 thue gnad, mein glückh, ee ich verzag.
2. Recht als ein wild kein Temunft hab,
gar ab
mein schätz und hab
durch scheidens gewallt verlaßen wirt,
20 dardurch mein [142«] kranks und schweres herz
on scherz
unseglich schmerz
mit seäflzen yil im eUendt firt;
ich glaub kein fireäd sey mir bescherdt —
25 Terkert
sich nit mein schmerzlich wee,
wie ichs nn dre,
gee oder stee,
gleich wie der schnee
30 ich armer bueb im laid vergee. —
224 CCIV.
3. ^Icb laß in reden was er will —
inn still
mich treibt sovil
sein herzlich leid mer dann ich dag;
35 mir was vor nie mein herz so wundt,
die stmid
ist mir wol kunth
mein schwere pein die ich stets trag;
glückh, durch dein hilf not wirt gewendt
40 behendt,
sover er selber wolt
mein gros Unschuld
durch mein geduldt
wenden in huld —
45 hilf schier, mein glückh, thue was ich sollt!' —
4. Schaffen nit vil ir sueße wort,
so hart
und seer bedort
ist in mir mein herz, muet und syn;
50 ir gunst thet sich ofiTt verkeren,
ehren,
albot meren
will ich ir preis, wo ich nur bin
und fahr dahin, ellendigclich
55 scheid ich
in disem jamerthal;
forcht bringt Unfall,
die weit ist holl
und untreuw voll,
60 ich weis nit wie ichs versteen soll. —
5. 'Thue was ich wöll, so ist mein gunst
umb sonst,
die große prunst
der treu wen lieb muet mich schwerlich;
65 mir geschieht unrecht — bey meinem aid!
mein [I42i>] zeit
on alle freüd
vertreiben mues, den lohn hab ich —
mein alte treuw bedenkh, gesell, bas
70 und laß
CCIV. 225
mich bleiben ewig dein!
in guetem schein
vertreib mein pein
und laß mich sein
75 bevolhen dir, erbarm dich mein!' —
6. Ja, frauw, dein red mein herz fasst äebt,
nun liebt
und unmaß betriebt
dein tugendt gros mich armen brueder,
so du waist daß ich on argen won
lieb han
dich höchste krön
und stets bewar dein zucht und ehr,
dann all mein freud inn deiner güet;
86 ich bitt —
verstee mich eben recht —
ich bin ganz schlecht,
darumb ansecht
getreuwen knecht
90 und uns beide nit weiter schmecht. —
7. 'Nit laß mich gen dir verhetzen,
letzen,
auch nit setzen
kan mich von dir keines menschen list;
96 ach werdes gläckh, erbarm dich mein,
verein
solh schwere pein
durch dein guete als from du bist;
o mein herzallerliebster gesell,
100 ich stell
mein trost und heil inn dich:
ich meins treüwlich,
mein lieb an sich,
bit herzigclich,
106 dein aigen bin, glaub sicherlich!' —
8. 'Ach gsell, nit glaub, ir treuw sich an!
obschon
sein gewoftlich lohn
traurige lieb erzeigen thuet,
DMtMh« Texte dM MIttelAlton Y. 15
226 CCiV.
110 darumb nit dein gemüet hinlenkh,
bedenkhf
OD not nit krenkh
dir selber, hab ein gueten muet;
dergleichen du, zarte schöne frauw,
115 anscbauw
sein dag und schmerzlich pein,
dein herz verzein,
khein frembden schein
nit laß darein!
120 treuw ist seltzani, drumb ballt sie einl^
Hb,', 27. dee. 35. vor mir. 37. wil. 55. ich fehU. 58. scholl; holl nach OegUn emge^eUt-,
heiter vieUeicht tholl? 104. bit fehU. 108. geworlich.
AkrogUehon Cristina.
Nr. 78 d. Hb. Str. i—3: 1. ir. 5. feinst. 7. höchlich. 8. klagt, vnnd senlich gir.
11. yff erdt. 12 u. 13. es leidt am tag, vemim mein klag. 15. sendt gnadt mein gludLh,
ehe ich verzag. 20. vnnd traorigs hertz. 27. wie ich nun de. 29. die sehne. SO. ich
armer im leidt yerghe. 35. vor nie. 37. wol kandt.
OegUn 1512 Nr, 39: 1. ir wonet bey. 5. feinst 7. nnd höchlich. 9 o. 10. nat, kein rat.
11. anf erd. 19. gwalt 20. schwirigs. 27. dre. 33. trttbt. 35. nie. 37. wol. 47. anhört
55. scheid ich. 58. ist holl. ßl. ich wil. 65. gschicht. 69. gsel. 71. bleiben dein. 72. in
gut erschein. 78. anmaß trübt 84 euer gut 86. verstet 90. schwecht 94. keine.
98. deine gut 99. gsel. 104. bit herziglich. 108. gwönlich. 110. darumb las nit ab, dein
gmüt hinlenk. 113. dich. 114. zart schöne. 120. halt dich sein.
Qoedeke, Grundr. 11^ S. 26; S. 27 Schöffer 1513.
Forster I 30 die ersten 5 Str. V Vagans 21 nur d. ersU Str. Bicinia 1545 II 96 nur d.
erHe Str. Oassenh. u, Reutterl. Nr. 74 ebenf.
Fl. BL Yd 7801 (v. Nagler) St. 73: Czucht eer vnd lob . . . ^ Str. — Yd 9559 Schöner
lieder zwey/das | erst/ Zucht eer vnd lob. Das ander /Mich | wundert seer/ye lenger ye
mer. {Bildchen. 4 Bl. 8° o. 0. u. J. Rucks, des ersten u. letzten Bl. leer.) 1 in 8 Str. -^ Yd 9562,
9tßei Lieder enthaltend'^ das zweite s. oben Nr. 99. An erster Stelle: Zucht eer vnd lob . . . S Str.
— Akrostichon Cristina stets unversehrt in diesen cichtstrophiyen Fassungen.
Wackemagely Kirchenlied 1841 S. 861.
Ähnlich une beim Liede Nr. 177 wendet sich auch in vorstehendem ein Paar, diu in seinen
Liebesnöten keinen Rat weiß, an die Glücksgöttin^ die nach Anhörung beider hier wie dort in der
letzten Strophe ihren Sdiiedsspruch fälä. Das OlOck wird als Vorsehung und Schicksal in diesen
Liedern mehrfach angerufen und kommt als allmächtige Göttin fast gleichwertig neben dem kirchlichen
Gott zur Geltung — eine heidnisch niedrige Vorstellung, die dem Seelenleben des Volkes einen dumpfen^
dOstem Hintergrund hinzufügt.
Wortverzeichnis.*)
ab Jhräp. 65, 25.
abentdanz 178, 14.
abentgang 131, 9.
abschlagen, haabt 66, 130.
abstellen 149, 9. 151, 35.
abwaschen 3, 47.
aff(e) 54, 67 (den äffen ma-
chen). 110, 37. 38. 43. 46.
äffen 114, 17.
albot 204, 52. DWb. /, 215.
allergotBliebst 123, 35. 37.
allofanzen 178, 16.
andt 42, 46. 167, 17. 188, 5.
anfechten 202, 23.
angreifen 112, 14.
anklopfen 54, 28.
anlegen 54, 15.
anschlag 66, 138.
ansingen 112, 5.
anwehen 3, 21.
apfergrowes roß 111, 15.
argelist 9, 135.197. (19,14.)
27, 13. 43, 18. (54, 75.)
65, 22. 66, 76. 69, 23.
92, 4. 15. 181, 23.
art, von arten 116, 14.
atzel 110, 16.
aufbinden 199, 8. 10.
aufenthalt 20, 20. 25, 27.
37, 24. 162, 44.
aafen(t)halten 66, 150.
(a)ufenthaltang 202, 12.
anfpreissen 55, 41.
angen, die meisten angen
werfen , beim Würfelspiel
52, 23. 27; aas den angen
kommen 130, 27.
aagenbliek(h) 67, 35. 117, 29.
augenwenkhen 121, 1.
ausbandt 85, 4.
aosleren 178, 36.
ausrichten 192, 16.
auswinden, van der Wäsche
128. 5.
ave Maria 66, 103.
b vgl. auch p.
backen, löcher durch baide b.
166, 43.
baner 66, 101.
bar 21, 43. 66, 148. 155.
bedeckhen, den scbalkh
124, 45.
behausen 42, 44. 66, 160.
beherber(ge)n 118, 7. 11.
behilflich 98, 9.
behuett 21, 67. 86, 9.
I beiten, beiden, erbeiten, ge-
' beiden ti. dgL 45, 26. 51, 14.
! 66,149.69,7.116,7.121,26.
; 174, 25. 177, 23. 181, 7.
! 194, 30.
I berden 162, 49.
beschetzen 66, 114.
beschlagen, sein rößlein
140, 11.
beschließen 55, 88. 103, 28.
156, 56. 186, 27. 31.
beth » Bitte 134, 23.
benrisch 65, 29.
bezalen aus der scheide
155, 24.
biderman 61, 39.
bitzue (= bis £uf) 134, 22.
bleiben, kleben bl. 8, 34;
weren bl. 8, 64.
blerr 173, 25.
bley Adj. = froh 160, 21.
bockh, ritter mit dem bockhe
154, 45. Vgl. Namenverjs,
Gauriel.
hoffen 160, 39.
boß Subst. 157, 1.
boßen ^ Possen 64, 27.
boßwicht 66, 134.
brennte löcher durch baide
backen 166, 44.
brunst, laufen in der br.
54, 86.
bueb 204, 30.
buechstab 176, 36.
büelin 150, 18.
buelschafft 162, 17.
c vgl. auch k.
canzler(in) 54, 73. 69, 24.
181, 24.
casten 146, 10.
chur 62, 18.
*) Bei dem geringen Alter der Bandschrift und der meisten in ihr enthaltenen Gedichte schien
ei ratsam, nicht, wie dies sonst in diesen Texten zweckmäßiger Brauch ist, dem Wortverzeichnis den
normalen mittelhochdeutschen Lautstand zu Gründe zu legen, sondern getreu der hsl. Orthographie zu
folgen.
15*
228
WortrermaJchnk.
127, 18.
crestmr 9, 42.
enicifix 66, 94. 95.
d vgl amek t.
dmntb = Tamd 195, 12. 27.
danxen 174, 22.
dar ab 167, 27. 181, 24.
daiTon, wer ich d. 178, 42;
kan nicht d. 201, 8.
dattnm 65, 18.
dea 106, 127.
deck(h) SmitL 123, 28. 31.
deckdein 13, 34; i^ docke.
dichtSa68/.6,26. 173,3. 195,26.
dick (dfickh «. dgl) » oft,
«db-55, 103. 139,9. 154,35.
dieblich HO, 22.
dingen (sich yerdingen) in
ein ander haos 178, 27. 33.
djrtelbaom 83, 21.
docke 154, 48; 99L deckelein,
doist 102, 6.
dran, soll ich dan dran 201, 8.
dre, wie ichs na dre 204, 27.
doch = T\ieh 6, 14.
dnrchgründet 165, 17.
dnrchapicket 1%, 12.
eck(h)e 180, 6.
eckfltein 9, 24.
ehe, zo der ehe nemen 178, 35.
eichel, beim Kartenspiel 73, 12.
einheizen 162, 27.
einreißen 57, 49.
enthalten 106, 28; vgl. auf-
enthalten,
entpfrembdt 104, 31.
entscheiden = bescheiden,
dich der sach gnintlich
entsch. 182, 33.
enttragen 110, 20.
entwachen 191, 19.
entwhennen 11, 36.
entzian 161, 17.
entzücken 135, 25.
erdterich 9, 105.
erfar 6, 8. 9, 184.
ergen 182,24.
erhal 86, 30; erhilt 26, 3.
erhören 112, 10. 131, 36.
178, 43. 49.
eria = erler 152, 35.
erieben 147, 27.
ermanen, deiner dren erman
ich dich 10, 23.
ermessen 157, 32.
erschleichen 1, 19. 4, 24.
145, 21. 189, 56.
erschwingen 40, 5.
eistaien 9, 149.
erw^en 182, 15.
erwert 180,26; v^ nnerwhert.
erworgen 200, 10; vgl 9, 167.
esel, den esel reiten 51, 15;
gesell ohn das g 51, 30.
ejKe) 196, 14. 22 «. «. ».
fiük(e), den fialken streichen
53, 17.
fiOken eoglin 164,5. 19. 165,23.
fiül, kommen zn f. 178, 11.
Msch SmUL 183, 21.
fiui(e) 66, 58. 85. 91.
hr SmUL 6, 29.
lederlessen 34, 43.
fei(e)l, feüel, feyheU 33, 45.
46. 95,10. 100,9.
fenderich 66, 87.
fendlein 61, 32.
femden, fem(e)t 13, 3. 189, 8.
figur(e) 191, 10.
finanzen 174« 17.
fingerlein 46, 6. 106, 32.
firmamendt 9, 82.
fladen 54, 31.
fleisch und bein 9, 210; fl. a.
plaett 11, 32.
flogen, der flügen weren
180, 24.
fragen, nichts nach fr. 57, 51 ;
vgL 15, 15.
freudenlos 165, 58.
frenndtschafft = Sippschaft
98, 29.
freyen = frei machen 66, 170.
fron(n) 60, 24. 66, 31; fron
Teste 86, 49.
f&egen, mit f. 168, 10.
14. 162, 47.
fimtreeken 153,47.
UMragen, wmmg 196, 45.
I&rwits 108, 87. 92.
fnefistiqileB, fiartatfea 9, 11.
128.
gang, im Etmae 1^22; gang
wie ein pfiuiw 157,43; tanz
nnd gang 200» 16.
gebrecht 196,43.
gefifft 106,106.
gefelle 73, 27.
gefer 21, 14.
geferte 13, 7.
gefiiasen 45,
165,59.
gettygd 196, 27.
gelegoi, an aeiner gdegenea
seit 88,22.
gdeidt, frey 66, 179.
gelfen 106, 32. 154, 49.
gemach 99,32. 108, 7. 174, 18.
gemein, dem gunmneo maa
66,116.
geoem 134^34.
genüegen thnn 147, 18.
gerecht in die ajdberkam-
mem 54,69.
gesatz 165,51.
geschmeis 154, 7.
geschrifdich 176, 9.
geschwinden 55, 100. 80,86.
99,69.
gesegnen 55, 85. 87 it. s. ■•.
100.27. 170,3. 9.
gesell recht ohn das g 5], 30.
gesellschaft 96, 25. 194, 26.
gesind 200, 13.
genden 104,40.
gezelt 58, 58. 125, 7. 156, 4.
194,19.
gilf s, gelfen.
giUe 32, 18.
gippe 189. 29.
glast 102, 31. 154. 11. 156, 31.
glockh = Uhr 154, 16.
glorieren 156, 35.
gloiy 6, 37.
glackh zno 174, 33.
glast SmhsL 187, 24.
WortTerzeiebnifl.
229 ■
goltfarb 164, 17. 165,25.
berzmeidlen 165,35,
1 kr«bßgang 162, 6. V
gottae megetleiii (Gottes oder
betzen 62,22; c^. verbetzen.
kreide, kreud© =» lomiTt^^
gotefl? vgl. allergotßliebet)
hilflich 204, 7.
StkkM^Qri 56, 4L
162, 55.
binder, all mein hab tlet
kriegen = bekommen 8, 60;
grEi9,^'m KarimtpUll^i 12, 15,
binder dem wirt 155, 3.
^ sanken 54, 58.
graQS 177, 14.
Binder Bicb 25,25. 51,5. (160,
kromm, kragen 166, 42. ^^^j
groueenlich 66, 17.
12.) 168, 3L
krüppel 110, 48. ^^M
griea dich Gott 143, 9.
boebgeacbt 174,5.
kuaermenlen 150, 3. ^^^f
gröU = Or^ 154, L
bocbgemait 131,4.
^^^1
gBprenget,mitgoltfftrb 164, 17*
boffieren 46, 17.
lab 102, 5. 106, 26, ^^H
guckgnckh 40,9; giigkhgauch
i hofücb 155,32.
laden 166, H, ^^H
110,33; gützgaach 111, L
hüelin 155,28,
laggei 46, 1. ^^B
bald, mit großen buiden 9, 71.
langen, widerumb l 123,29; ^^H
haberroueÖ 75, L 142,1.
hnndt = Teufd 4, 23; turki-
her 1. 139, 45. ^^M
hag 110, 17. 112, IL 25. 131,
sebe blinde 57, 32.
lauten und ge«ang 200, 15. ^^^|
23. 156,14.
lecken den }öffe\ 119, 3. ^M
bagedoro 109, 14.
icht 99, 15. 106, 40. 147, 6.
lendenn. 16,22.99,73. 137,20. ■
halb theil 120,31.
Ülaminiren 156,34
lercb, gsang wie ein lerch ^H
halten 153, 49.
inn(en) werden 20, 14. 51, 12.
157, 45, ■
handd 191, 22.
56,8, 58,68. 124,26, 153,
letz(e) 17, 38. 28,16, 38,17. H
baDd(eii), bu 55, 50. 66. 73,
62. 155, 6. 165, 2. 18ö, 47.
20. 103,33, 114,9. 133,26, ■
24. 97,7. 112,22, 145,34.
197, 3.
194, 32. ■
153*63. 198,22.
innerlich {ik^i jemerlich?)
tet2en, sieb 56, 59. 87^ 14. H
bandtierca 9, 114.
191,33.
204, 92. ■
har aaßraufon 8, 27; ecbad
Innigkeit 191,6.
Heb, in 1. und ancb in leide ^M
nit ©in bar 177,26.
innigklichen 5, 22. 33, 33.
8,42;lQ.leidt49,22. 65,5. ■
har{r)bandt 178,37.
inwendig 68, 35. 158, 32.
Hebe lange jar, da« 148, IL ^M
bardt ^ WM 126, 2.
liebes arm 156, 21. 78. ^|
barmdam 31, 26.
jäher 192, 23.
HebeBfall 43, 29. ^^M
banenspTQiig 155, 39.
jarryt 123.32; t^t ritt.
liebea kraft 157, 13. ^^M
batiBhan 112, 17.
jeben, rerjeben u, dgi. 31, 16.
Hebe« Pitt 23, 25. 25, 32, ^^^|
baue knecht 54, 52.
44,16.45,20. 82,10. 162,32.
liebbabenHeb 82, 20. ^^H
beber 110, 1. 6. 12.
176, 22.
Unkb anäebn 93, 4^ ^|
beide, blüemblen uf der h.
löeher, brennte, durch baide ^M
103, 31.
k t^L Quck c*
backen 166, 44, ■
beiden, einen beiden erbarmen
kernen liecbt 131, 86.
löffel, lecken den I, 119, 3, H
91, 14.
kettlen 159, 1.
lugkeu, stellen in dl 192, 15. ^^1
heindt, bent, binacht 20^ L
kballen 15, 26.
^^H
52,29.53,15.96,28, 123,10.
kind,gebD mit einem k, 178,9;
magthom 178, 54* ^^^H
131, 75, 82.
niderlegen 178,26; tragen
manücb 156, 47. 65. ^^H
heleparten 61, 28; und regnet
178, 28. 48.
markht 109, 15. ^^H
OB hellepartben 127, 39.
kinder epyl 176, 25,
inai5«n, sieh 72, 18. 73, 44, ^M
bennjin 155, 16.
kirch^ng 178, 38.
^^M
berle&en 66,82.
klopfet 123, 13, 16; ogL an-
masBieren 32, 10. ^^H
herz, scbeUen, gras und eichel
klopfen.
met£ 51, 21. 99, 19. 188, 3. ^^M
73, 12.
knöpf, bei Btumm 32, 12.
mindern 195,20. ^^H
berdg 35, 1, 39, 21, 76, 41.
kragen 166, 42,
mist 173, 15. ^^^M
107, 21 147, 2. 4L 163, 20.
kraut; gedojd, du edles kr.
mittemacbt 108, 12. ^^^|
191,7. 14 ti. #. V.
201, 15. 1
morgenrdte 141, 32. ^^H
herziglicb 63, 12, 45.
kränz yerlieren 178, 17, |
morgenetem 113, 18. 123, 9, ^^H
230
Wortreneielmk.
Bort /11I07. 155, 4S. 44. 15«,
68. 159, 6.
BfÜ 54,66.
mumn 8, 28. 116, 18.
Bostaten 186, 19. 21.
nach einem gneten 155, 4.
nachtigal, gem. fran nachtigal
86,28. 108,13. 111,5. 112,
4. 141, 36.
narren kappe 1S5, 17.
narren sejl 53, 22.
naat «. neet
natoi(e) 191, 11.
negeiein 186, 2a
neid stjeh 196, 26; vgi. 196, 11
neidiger stjeh.
nein, and ist nit nein 27, 28;
das ist nit n. 171, 3; es ist
nit n. 180, 19.
nest, Ar. jv nast » ast
110,42.
netsen 86, 25.
niden 156, 14.
ttiergents 166, 41.
nodt Jdv. 69, 11.
ndtten » mSÜffem 45, 4; =
nötig $ein, missenf 110, 54.
ochsenknnlich 4, 13.
omaeht 55, 102.
ongesam «. nngeseme.
onnoth 132, 11.
ordt = Emde 11, 65.
Orient 156, 26.
p 9gl auch b.
par «. bar.
paradeiß, parendeiß 9, 74;
55, 130.
parfnes off dornen gan 153,
56/57.
patemoeter 66, 102.
pans, nach der p. 192, 17:
DWh. 7, 1612.
pfaow, gang wie ein pf. 157,43.
pfeffer still? 119, 52.
pfeifen, vom Hahn 112, 17.
pfeiflin 119, 22.
pier = Bier 162, 12.
pim = Bimm oder Beermf
128, 12.
planet 191, 12.
planie 32, 12.
platt SwhM. 58, 67.
ploch 116, 5.
porgen 196, 10.
preng 116, 28.
probieren 171, 14.
qoit, qoeit 5, 12. 16. 42, 30.
rabe ^ Temfei 4, 27.
ranch 8, 3.
rauschen laaaen 103, 42.
regengns 149, 12.
reiten and raoben 144, II.
reißm, sieh drnmb 8, 58.
reisen 99, 58.
refl (resch) 186, 22.
reyen Vh. 40, 11.
riemen, schob mit schmalen
r. 52, 4. 7.
riett ambm. 76, 10.
ring «gering 50,35. 151,54.
ringlein giefien 34, 45.
ripp, darehschossen mit
Adams r. 157, 14.
ritt 155, 20; vgl jarryt.
robjn 164, 18; 165, 27.
rosenbletter 166, 13.
rosen heckherlein 109, 2.
rost, hin nemen den r. 10, 36.
106, 34.
rotleit 194, 15.
rot weiß schwarz 66, 107.
rupfen 196, 19.
sackh 110, 9.
sag S^htt. 102, 22.
aal Adj. 32, 59.
sam 54, 29. 119, 13. 33. 131, 95.
sattel 54, 70. 155, 38.
sau, schreit wie ein s. 54, 42.
schabab, schawab 22. 10.
76, 28. 172, 28. 192, 53.
Schach, bieten den seh. 27, 33.
schad, es ist schad 140, 14.
schaffen, von dannen seh. 93,
12; Ton derweldtsch. 9, 126.
sefaalkbeit 174^ 17.
seham mm aebadeo 192, 7a
schänden, werden so ach. 6^ 2.
•Chans 13, 18. 116, 23. 124, 21.
174, 14.
schein, im seh. 13, 15; hUf
und seh. 165, 13; ffgL 10, 19.
Scheitel, von Aeßen bis stff
den seh. 157, 42.
schelloi, beim Kartempiel 73,
12. 13. 30.
scheUen Vh. 146, 12. 156, 16
(schöU).
schiffel S2, 61.
schult, die gans seh. 102,44.
schimpf 61,10. 156,8. 179,17;
schimpf und sehen 20^ 12.
170, 23.
schimpfen und seheraen 9, 198.
19, 23. 137, 5.
schimpf Yogel 69, 19.
schlagen, vom der ükr 81,36.
127, 22. 154, 8. 16; inn
windt schL 145, 60; yon
untreu geochL 192, 27 (cyJL
51, 16); uff schlag ich m«n
geselte 194, 19.
8chlem(m)en 189, 18; t^. ^
schlemmen.
schlem(m)er 189, 40.
schlacker 155, 35.
schlfissel, der liebe schL
56. 186, 29.
schmatx 40, 48.
schmecken = rieckem 186, \y).
schmeicher 4, 31 ; vgL 76, 59.
schmeyßen, sich 135, 24.
schmollen 57, 44.
schmucken 18,33. 36,27. 9^,
55. 116,24. 142,52. 153,59.
schneid, gafftig 173, 6.
schneweiß 18, 34. 55, 97. 9^,
36. 117, 14. 128, 4. 131, 58.
141, 20. 153, 17. 155, 33.
159, 2. 182, 45.
schnieren 55, 38.
schon, das schone leiden
165, 5.
schrau = 9ckrie 55, 66.
schuester 119, 26.
156,
1
Wortirerzeichuis,
231 S
Bchwager 51, 20.
t tfffL auch d.
verbraten 189, 17. V
schwalbe 102, 45.
tageweiÖ 55, 2. 128. 125, 1,
verdammen 66, 135,
»chwaU 24j 2.
9. IT,
verdingeo, sich 178, 33; vgL
BchweiD, wilde achw. 123, 2;
taigen 123, 12, 15,
dingen.
Schweinen braten 189, 4L
text, lesen den t. 128, 22,
verdrieß 64,22. 66,24. 68,7.
schwer Suhl 106,37. 137, L
thier, iinfall du wildea th.
160, 26.
ach wetzer 17a, 20.
201, 22.
verdringen 13, 3L 72, 27. ^ä
schwitzen, vof freüdeo 1 13, 12.
thron 5, 28. 9, 50, 60, 88,
83, 5, 96, 7. 119, 55. ^^H
aeck(e)l 52, 44. 162, 11. 16;
106, 6. 160, 40.
130, 19. 172, 30, ^^H
BegkheleiB 119, 47.
tirann 64% m.
verdrucken 52, 64. 6Ü, 65, ^^H
»egel, Bchwarz s* 154, 13.
tratz S^ifii, 116, 9.
verdust 55, 46. ^^^^|
Beiden reich («elden nicht =■
tribnt 58, 36,
vergaugelt HO, 18* ^^^B
selten, sondern tfon Beide
troest, du = dr&hm 155, 2ö.
vergeben = vergifUn 61, 48. ^H
= ßaelde) 55,25; vffl 145
tninkh 186, 38. 189, 44
vergiß mein nit 129, 6. (138, ^M
FL BL Str. iU Z. 1.
tnckhen, sieb = ducken 196, 2.
36). H
send(t)lich =4tJmlich 21, 4.29.
Inrtltettbkn 170, 15.
vergiB nit mein 17, 19. (33, 18). ^M
23,11, m,h 104,29, 156,7.
40, 22. 76, 4, ^^M
204,8.
übergeben 58, 41, 83, 10.
verguett 70, 33. ^^H
■eren 154, 35.
192, 6.
verbergen 66, 7L ^^^B
»etzen, er aetst an mich 1, 24.
nbergroÜ 5, 10.
verhetzen 204, 91; vgl. betien« ^^H
sidel (aydel) 52, SL
uberk(h)ummen (ommen)
verhindern 195, 17. ^^^|
aigenb«fft ö, 4L
95, 27. 122, 21.
verho£fen 167, 8, ^^H
ailberkammem 54, 69.
uberkden 179, 9.
verjehen a. jehen. ^^B
eiinpel 15, 8,
nberlaat 154, 20.
verlaufen (vorlaufen) 192, 19. ■
sparber HO, 2a
uberatetgeD 180, 33.
vermachen 55, 39, ^H
spe Adj. HO, L
uberKwerg 125, 15.
vermeren ^ vermflren 21, 15. ^M
aperren, Bich 201, 23,
umbbunden 179, 24.
verreden 73, 49, ^^^H
BpiUaacht 73, 22.
umbefang 76, 32.
verreren 55, 123. ^^^^M
apitze 1Ü2, 39.
umbscbrenket 156, 2L
verscberen l, 47. ^^^H
atahel und ejBen, lieb bricht
ander wegen Ion 22, 23.
versehla(ge)n 34, 24. H
fit. u, e, 172, 24.
anderwinden, sich 22, 2.
verschlommen 189, 16. 48; ^M
atatt, von at. 200, 28? vor at
17i*, 36.
v^L ichlemmen, ^H
194, 5.
unerwbert 8, 55; tgL erwert.
veracbneiden 60, 29; ver- ^^H
staub ach legt mir In mein
uügefelUej 11/12, 48. 13, 10.
schniUen 21, 34. ^^H
obren 194, 7.
56,57. 71,4. 99,84.104,26,
veracb reiben 191, 29. ^^^H
iteif beharren 11, &4.
120, 28. 147, 8. 148, 18. 19.
verschulden 145, IL ^^^^|
steig nnd ateeg 192, 20.
154, 10.
verschütten 75, 1. 142, 1. ^^H
stempeney 66, 3.
nng(e)fer 157, 20,
verseUen 196, 47. ^^^^
steür, kommen zu st. 137, 17.
ungezeme, on ge^am 50, 16.
veratrecken 25, 8. ^^^H
stiege 40, 56.
66, 26.
vertentsebet 77, 34, ^^H
strefflicb 162, 48,
unglimpf 156, 10.
vertbun 153, 52. 189, 8. 32. ■
Btnbe 52, 16; atübelein 143, 2.
nnhulde SuhU. 15, 10,
vertruckhen s. verdrucken, ^M
stackh, böae 102, 53.
unhum 119, 7. 14 u. «. w.
verwegen, sich 16, 7. 100, 22. ■
Studenten 1S6, 43.
unkhnnt 184, 9.
149, 18, 153, 38. 161, 39. ^^B
stuelejn in irem hersen
unmaß 204, 78.
verwtmderlich? 157, 25. ^^H
18, 21.
unmuet 173, 8. 184, 16.
verzeinen 204, 117. ^^H
atundtglaiJ 127, 19.
unnrath 60, 3Ö.
verzeren 89, 24. 106, 23. ^^H
«turmen und streiten 66, 15.
unsegücb 204, 22.
verzigen 111, 12. ^^^H
Btutz 196, 15.
un vergolten 173, 22.
verzuckht 192, 63. ^M
süeßen Vb, 154, 32.
anverholen 57, 43.
vierte, der 34, 32; vßLBl, ^ H
232
Wortveneiehnis.
Tisch 181, 95.
▼oll maehen 178, 15.
Tording 151, 58.
vorUufen «. verlaufen.
Wachtel 175, 2. 4 u. s. w,
wachtelbein 175, 8.
Waffen nber waffen 157, 8.
wagenbarg 58, 57.
waidman 110, 4. 8. 175, 19.
21. 29 u. 9. w.
wald bmederOein) 194, 2. 13.
walBtatt 86, 75.
Wandel 43, 44. 191, 23.
wankhehnäetig 149, 6.
wecheelbankh 51, 10.
wedel, gehen im w. 54, 16.
wee, weder wee noch wol
117, 19.
weger 17, 35. 156,52. 161,68.
191, 35.
wegwarden 40, 23.
weide 111, 2.
weisbrot 109, 17. 19.
we](d)t;,aUe 7,7. 8,5. 60,21.35.
wenken 9, 36. 49. 35, 35. 49,
17. 63, 10. 76, 67. 84, 2.
102, 51. 156, 82. 166, 35;
vgl, aogenwenkhen.
wer? (von deinem wer —
wee?) 99, 67.
werhafftig 66, 122 ; wahrMchem-
Uch auch 61, 23 für war-
hafftig.
weeen SvbiL 189, 5.
wetten 8, 80.
widergelten 24, 25. 154, 61;
vgl 14, 14.
widerlaaf 154, 64.
Widerpart 50, 8.
widerstreben 6, 24. 154, 68.
202, 14; vgl 7, 21.
widerstreit 126, 28. 156, 13.
wigen 102, 66. 167, 22.
wUd Subst. 204, 16.
wind(t), schlagen inn w.145,60.
winder kleit 32, 7.
winkhel 153, 60.
wöUend 104, 23.
wolbertig 120, 25.
wolgema(e)t(h) Subtt, 17, 16.
40, 26. 76, 22. 41. 103, 32.
129, 7. 166, 25. 184, 2.
woniglich 158, 11.
wunder 145, 30. 164, 16.
192, 2; Wunderding 55, 7;
wanderlang 119, 88; wun-
derschön 126, 14. 172, 3.
wnnachung 168, 28.
a Af^ei 8a, 28.
wursgarten 166, 9.
seher 156,41.
leitglog^ 127, 22; vgL
glogkh.
leitlich(e) gfiter 145, 62.
selten 154, 64.
serschneiden, dein, recht sam
wer er ein visch 131, 94.
! sieht 32, 37.
sil(l), über daa sill schreiten
60, 32; Zakbmgitenmm 66,
; 148.
j simlich — gesiememd 106, 80.
soll am Rhein 189, 13.
suchten, in 17, 45. 57, 14; mit
sfichten 153, 50.
suekonft 153, 13.
suekonftig 204, 9.
supfen 196, 18.
susamen geben 58, 16.
suspringen 66, 60.
SU wegen bringen 127, 3.
swar » waMkaft 202, 15.
swelfpotten, die 12 Apomd
66, 124.
Namenverzeichnis.
Absolon 160, 46.
Adam 4, 6. 9, 76. 106, 140.
157, 14.
Adam von Falda, AkroiHehon,
Vf, V. Nr. 106.
Alphonsns 60, 51.
Ammon 145, 68. 70.
Anna, Sant 139, 26.
Artns 154, 27.
ADgfparg 52, 8. 11. 46. 60, 62.
Anriolns 106, 71.
Babilon 66, 29. 32. 40.
Behemerland 58, 9. Behemer-
wald 155, 9.
Boleckhen 66, 67.
Cato 145, 55.
Circe(8) 106, 187.
Cöln 140, 9.
Cnpido 106, 22. 145, 50.
Daphne 50, 16.
David 157, 28.
Diana 106, 16.
Dina 106, 94.
Elselein 52, 5. 10 u. s. w.
Flordamnr 154, 24.
Frey, Peter, Vf, v. Nr, 66
(Z. 193).
Freyborg 186, 44.
Friderich, Herzog^ der kühne
Schtoab 145, 74. 154, 37.
Qmtriel von Montabd^ der rit-
ter mit dem bockhe 154, 45.
Graff, Jörg, fy.ü.i^.54(Z.90).
Grems = Krems 61, 41.
Gans, Ortschaft 61, 41.
Hans, Hensel, Henfilin 51, 26.
140, 11- 14. 177, 28.
Hector 154, 56.
Helena 82, 13.
Heraclins 66, 36. 44.
Hercoles 106, 139.
Hifpania 57, 10. 60, 41.
Jales n= lale 106, 25.
Jason 106, 29.
Jerusalem 66, 30. 41.
Johan 127, 21.
Jörg, Graff J. 58, 68.
Joseph 93, 10.
Isot ^ Isolde 106, 113.
Ispragkh 139, 1.
Juden 66, 110. 114.
Jupiter 73,36. 106, 1. 154, 21.
157, 3. 17.
Karl, Kaiser 57, 10. 60, 7. 43.
Kosteras 66, 28. 88. 39.
Krems s. Grems.
Krichenlandt 82, 13.
Lucifer 66, 20. 24.
Ludwig, König von Ungarn
58, 7.63.
Maria 93, 18.
Maria, Himmelskönigin 32, 66.
55, 77. 66, 51. 108. 194.
139, 26.
Maria, Königin von Ungarn
58, 17.
Mars 106, 25. 154, 32.
Maximilian, Kaiser 66, 43. 54.
137. 186.
Mech eibarg, Überschrift sm
Nr. 131.
Medea 106, 130.
Meinratt 66, 25.
Mercurius 154, 41.
Mfinster 140, 8.
Mugenhoff 54, 41.
Ochsenkhan, Vf. v. Nr. 4
(Z. 13).
Oeeterreich 57, 11. 66, 107.
Ovidius 106, 120.
Paris 82, 2. 6. 160, 45.
Partsefal 154, 2.
Paul, Thummer, cL i, Tomori
58, 65.
Peter, Sant 15, 13.
Petro-Woradey 58, 51.
Phebe 50, 13.
Piramus 145, 42.
Pont(i)us 82, 21. 145, 29.
Querentia (Lucretia?) 106,73.
Bea 106, 126.
Rhein36, 3. 5. 118, 1. 140,9.
186, 30. 189, 13.
Rodiß 66, 65.
Rosina 82, 1.
Saffo 106, 88.
Salomon 54, 82. 160, 44.
Sambson 54, 84. 106, 145.
Satumus 154, 6.
234
Namenveraeichnis.
Schwab 52, 1; 8^ Friderich.
Schwemaa 54, 41. 49.
Semiramifl 106, 149.
Sibflla 66, 47.
Sichern 106, 95.
Sidonia 82, 23. 145, 32.
Stergerdt, Übertckrift mu
Nr. 131.
Thamar 145, 64.
Thedo8(i)iu 60, 50.
Thonaa 58, 71.
Tito = Dido 106, 121.
TrajanoB 60, 49.
Triatram 106, 114. 154, 12.
Troja 154, 56.
Tarkh 57, 32. 58, 30. 37.
60, 12. 61, 2. 15. 66, 7. 62
u. $. w.
Ungern: Nr. 5S u, 61.
Van(n)e8 145, 36.
Venedig 189, 14.
Venus (Venia) 55, 18. 73, 31.
82, 8. 106, 22. 145, 46.
154,49. 157,10. 17. 158,4.
164, 22. 165, 16.
Virgilios 82, 11.
Wächter, Jörg, Drucker, Vf.
V. Nr. 145 (AkroMtickam).
Weida, Janas 58, 28.
Weißenborg, Krichiach- 58,41.
Welsche 57, 41.
Wien 61, 5. 7. 38.
Verzeichnis der Anfänge
zu den beiden Liederbüchern vom Jahre 1582
Ambraser: 1582 A Berliner: 1582 B
zu den Berliner Handschriften vom Jahre 1568, 1574, 1575
und zur Heidelberger Handschrift Pal. 343 fol.
Ach du lieber stallbruder mein
Ach da heimliches leiden
Ach £ {bezw, W) nit brich
Ach Gott, ich klag dir all mein leidt — $. Ach
Qott, wem soll ich
Ach Qott, ich klag dir meine nott
Ach Gott, ich thn dich bitten
Ach Gott, mich thnt verlangen
Ach Gott, was soll ich singen
Ach Gott, wem soll ich klagen mein leidt . .
Ach Gott, wem soll Ichs klagen, das heimlich
leiden mein
Ach Gott, wem soll ich(s) klagen, daß ich im
(/W. ganz) elend bin
Ach Gott, wem soll (schall) ichs klagen, daß ich
so traurig bin
Ach Gott, wie ist mein boU so wilt
Ach Gott, wie lang steh ich im schwang {Pal.
O wie lang hab ich gewart)
Ach Gott, wie muß ichs schicken
Ach Gott, wie wee thnt scheiden
Ach herz, du mnst verbrennen
Ach hilf mich leid und sentlich clag
Ach Jungfrau soll ich mit euch gan {1582 A : Jung-
freulein soll ich)
Ach Jupiter
Ach lieb und {1568 u. Pal, mit) leidt, wie hast(u)
dein b(e)8cheid
Ach megdlein {Pal, meidtlein) rein, ich hab allein
mich eigen dir ergeben
Ach mutter liebste mutter mein {1574 Hördt
moeder)
Ach sorgen du muest zu ruckhen stan {vgl Winter
du must Urlaub han)
Ach trauren so mues ich tag und nacht . . .
Ach Unfall schwer und sehentlich pein ....
Ach Unfalls neidt, so lange zeit hab ich mennige
stund erduldet
Ach unser Vatter, der du bist im himmel . . .
Lieder
15
A
hüeher
82
B
Hm
1568
BerHne
ndsckri^
1574
r
fien
1575
Heiddh.
HttHdschr.
Pal. 343
85
3
(145)
91
27,30
83
102
56
24
62
13
79
183
50
99,145
109
25
38
57
121
51
66
17
130
19
101
179
41
100
99
76, 111
181
30
106
6
58
58
38
104
175
128
43
65
1
23
59
105
1
!
1
i
91
33
1
11
238
LiedenreneiehiiiB.
Ach W nit brich — $. Ach E nit brich . . .
Ach Winter kalt
Ade, ich mos mich scheideiif ade ich mos darrann
A(l)de, ich mos {besw. muß ich) mich scheiden
ana traoriglichem mnt
A(l)de, mit leidt ich yon dir scheidt
AÜ ding ein weil auf dieser erd
All mein gedenk ker ich nnd wendt
All mein gepens thoit mir so wee
Alle mein jnng leben das hat sich non ergeben
{1582 Ä 105: das alle)
Allein an dir Herr Jesu Christ
Alles wirt verkert
Allhie aof dieser Straßen da wont ein megdlein
fein
An dich hat sich gebunden mein hers
An dich kan ich nitt frewen mich — «. Ohn dich
An llebs brüst
Auf erden lebt ihres gleichen nicht . . . . •
Aus argem wahn
Aus gutem wahn
Aus herzen grundt
Liederhmeker
1582
A B
25
169
177
126
105,247
106
162
Bedenk herzlieb mein elend gros
Beschaffens glück ist unversanmpt 197
Betracht und acht was scheiden macht ....
Bewar mich Herr
Bomej, bomey, ir Polen .152
Brinnende lieb, da heiße flamm 110
Ciagen, Cleglich «. dgL s. Kl.
Cunts, steh auf und gang hinder die nasen
Cupidinis krafft hat mich verwandt . . .
Cupido triumphant
234
I
229
(27)
Darumb ich lang gehoffet han |,
Das alle mein jung leben — «. Alle mein j. leben ' (105)
Das flog ein blau fueß aus wilder art . . . . . 55
Das hum hum sein und wöUens doch nit sein
Das ich so arm und elend bin — s. Ob ich schon
arm u. e. bin
Das ist die aller holdtseligst auf erden — «. Die
Schoneste auf dieser erden ^j
Das mftgdlein trägt einen strohut auf . . . . |l
Dein(e) gesund mein(e) freud(e) du mein einiger |i
trost j|68,151
Dein lieb durchdringt mein junges (/.5 ^8 eilendes) | |
herz i 205 I 165 92
77
87
130
169
44
46
33,38i
154
BtfÜMtT
1568 I 1574 1575
61
68
I
' 47
i 67
I 102
i
120
(89)
107
85
109
(174)
185
16
j BeuUb.
44
91
21
(27)
64
84
89
102
108
23
107
45
134 109 I 55
i
43
96
110
118
(45)
35
70
(37)
Liederverzeichnifi.
239
Deiner gedenk icb offt und viell
Der gnaden bmnn thnt fliesen
Der gucknck {Pal, gutzganch) hat sich zu todt
gefallen
Der heher {1568 heger) ist ein speer {1568 spar-
wer) vogel
Der liebe Gott der woU m. seh. lieb in ehren
n. z. behüetten {1574 Nu segen dich Qott)
Der maenet stehet an der hogesten
Der mond der scheint so helle
Der müller auf der nider mühl
Der reif und auch der kalte schnee {1574 Nu fal
du reif)
Der Summer fert uns von hinnen
Der tag wol durch die wölken drang ....
Der ungefall hat getroffen mich
Der verlor(n)en dienst und der sein(d) (Pai. dienst
flndt man) vil
Der wech(8)el dregt ist kein gutt art ....
Der Wechsel (wezel) gesell das ist dein art . .
Der wechter der blies {PaL Wächter ruefft) an
den tag
Der wechter verkündiget uns den tag ....
Der winter will uns dwingen .
Des ich mich erfreu das muet viel leut {Pal.
Schonnes lieb das mich erfreuwet) ....
Des spils ich gar kein glick nit hab
Dich als mich selbst herzlieb allein
Die große liebe zwinget mich
Die leute {1575 lüde) (die) machen sich spitzig
auf {1575 uf) mich
Die Schoneste auf dieser erden, die ich habe
gesehen
Die 8onn(e) (die) ist verblichen
Die untreu jez beschwert viell frommer leuthe
auf erden
Die weiber mit den flöhen die haben ein steten
krieg
Doli und töricht (1575 Dull u. töricht) (und)
nimmermehr klug(k)
Dort außen uff jhenem berge
Dort ferne vor grienem walde — #. Ich sach mir
Drei gesellen in einem weinhaus saessen — $, Es
saßen drei gesellen
Du mein schätz (PäL 24 E du m. seh. — 47 R
du m. seh.)
Dweil umbsunst ist alle kunst
\\ Lieder
15
A
buchet
82
B
Ha
1568
Berliner
ndtchrifUn
[ 1574 1 1575
Heidelb,
Handschr.
Pal. 343
117
3
38
90
115
111
110
78
115
6
19
6
65
113
122
179
52
133
66
126
112
86
101
42
41
1
22
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36
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37
11^
213
125
3
65
50
(31)
18
109
(33>
24,47
240
Liedenreneiclmis.
LUdetimeker
1582
A • B
K da mein sehats — 9. Do mein sehatE . . .
E weiplich bildt
Ehe ich auf erd geboren wu
£(1i)e ich dich berelieb verlies
Ehr(en) werd(t), Aof erd, von togend schon . .
Ein k freuodlkb, »chön und lieblich
Ein blflemlen das heist meiden
Ein boler mos sich leiden fill
Ein dorf io einem baoren saß
Ein faoler bäum, der verholen steht
Ein freolin zart, gans schon von art, mir treo
erseigt
Ein freondliches aage(n) (Mit freundlichen aogen)
(lu) (mir) winken
Ein junger laggei soll frölich sein
Ein knab an einem morgen spacieren wolt er gan
Ein knab auf dieser erdeti
Ein kOrblinmacher in eim dorf in Schwabenland
Ein libeer (läppischer) man, der stersen kan . .
Ein medlen, ein medlen das ist gar hüpsch and
fein
Ein megdlein fein ist bei mir gesein
Ein megdlein maß ich meiden
Ein (braans) megdlein sagt mir freondlich za
Ein megdlein weiß mit ganzem fleiß hat mich
mein herz besessen
Ein mal 1er ist gesessen zu Basel an dem Rhein
Ein neaes lied hab ich erdacht
Ein atediger beger — «.In stettiger beger . .
Ein itundt vermagf das jar und tag zuwegen nit
mag bringen
Ein tage weis will ich singen
Ein wecbter gut in seiner hut ruft an den lieben
morgen
Ein weiblich bild mein herz bezwungen hat (Pa/.
umbfangen bat)
Ein weiblich bild micb aneficht
Ein züchtiges bildt
Einiger tiOHt, mein freud ein sprost
Eine batirea eobn hett sich vermessen ....
Eii](B)mala ftle ich spatzieren ginck
Eine mala gen Linz ich kam
El(l)end(t) bring(e)t pein dem (jungen) herzen
mein
£lend(e) du hast keine weile {Pal, Eilend war ich
ein weyle)
£ntlaub(e)t ist (uns) der walde
141
168
73
75
115
235
93 ' 39
l,156{23,36
I
240
157
46
221
; 190
26
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BtrUmer . Heidetb.
HamdMdtriflm \Hamd»ekr,
1568 1574 1575 \ PU. 343
42
123
54
24
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131
(12)
I
j.
j! 47
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26
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lao
129
124
71, 124| 121
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127
125
117
72
21
67
130
114
Liederverzeichnis.
241
Entsandt mein gemuitt ist nahe ir guitt . . .
Erenwerdt — $. Ehrenwert
Erat hebt sich not und jamer an
Ee fleugt ein kleines waldvögelein
Es fuhr ein baue? ins hah
Ea fuhr ein man den Rhein aus
Es gingetk (sich) ans ewo (zwej) ge8piele(n) . .
Es hatt ^in Scliwab ein dochterlein, es wolt nit
lenger dienen
Es hett ein Schwab ein töchterlein, halt die
kanne feste
Es hett ein Schwab ein töchterlein, krause mause
Es hett (hat) ein student ein medtlein liefF . .
Es hing ein Stallknecht seinen zäum gar hoch
an einen tannenbÄum
Es ist auf erde» keiu schwerer leiden ....
Es ist kein glaub auf erden
Es ist mir ein kleines waldvögelein geflogen aus
meiner band
Es ist viel wanders in der weit
Es ist weinigh treu {1568 Wenig trauw ist) auf
erden
Es jagt ein jäger {1568 jeger) wol(l) gemut(t) . .
Es reit ein reuter jagen
Es reit ein weidman mit sorgen
Es saßen drie gesellen {1574 Drei gesellen in e.
weinhaus saessen)
Es sollt ein medlen wasoKen gan
Es sprach sieh ein wird es dochterlein — $. Nun
laß uns frisch u. fr. sein
Ee steht ein bäum in Oesterreich
Es taget vor dem hohlen stein
Es taget vor dem osten {Pal, an dem höchsten)
Es taget vor dem walde
Es war ein mal ein junger knab
Es war ein mal ein echni^der man
Es war ein mal ein ungeratens kind
Es war ein wacker megdlein wol gethan . . .
Es wohnet lieb bej liebe
Es wolt ein (gut) jftger jagen
Es wolt ein janger geselle dee morgens früh
aufstehn
Es wolt ein megdlein wasser holen {1675 Ich
weiß mir e. haselen str.)
Es wolt (ein) gut fuhrman in Elsaa üahren . .
Es wolt gut Jäger jagen $, Eb wolt ein j. j. . .
Es wundert recht mich armen knecht ....
DeaUche Text« des MitteUatert V.
Liederbücher
Berliner
Heidelb,
1582
Handschriften
ffandschr.
^
B
1568^
1574
1575
Pal. 343
r
86
195
152
81
115
201
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84
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56
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236
28
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214
244
116
106
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47
79
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1
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(26)
159
30
192
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123
150
100
41
149-
239
184
(112)
90
16
242
LiedenrerMekiiM.
Liederbücher ßerlmer
1S82 Hamdedtriftem
A B 1568 1574 J 1575
Heiddk.
HmnHeekr.
FU 343
(18)
Ewiger Valter im himmelreieh
Ej wie (to) gar freundlich, lieblich erseig(e)etii
dich 49,248 101
Feine lieb, ich maeß dich meiden {FaL Scbonne
lieb ich mnee dich meiden)
Feo(e)r eitel {PaL ober) fea(e)r brennt mir mein
hen im leib i 70 24
Frend nnd mnt ist gar dahin 182 138
Freondlich mitt ogen wenken — «. Ein freond-
liehet aoge
Freundlicher art do haat mich hart mit deiner i
lieb beaeaaen
Freundlicher held 51 103
Friach anf in Qottea namen, da werde tentache ''
nation
Friach, frölich and frej, nicht frech dabey . . , 124 , 132
Friaeh ond frOlich ao willen wir aingen . . . . |(
Friach anveraagt hab ich*B gewagt — t. Ich hab's
gewagt, da achOne magd
Frölich bin ich aaa herzen grand(t) j 81 125
Frdlich §o wil (ich) aingen, frölich aas freyem
{Pol meinem) mat
Frölich »o wil ich singen wol hear za dieser i
fnst ! 107
Frölich §o willen wir singen, schU dein weib !|
amb den kop i 48
Frölich and frey, nicht stola darbey — s. Frisch, ,
frölich and firey
Frölich wöln wir singen, kein traarigkeit nit
pflegen 210 171 !
Für alle fread auf dieser erd hab ich mir ein
schätz (aas)erwe]t i 82
Fahrleat die han ein gaten mat ; 134
Far Zeiten — s. Vor zeiten i
i I
€ibiaz lastig — s. Gar lustig ; 1
Qar herlich kam gegangen ein graff, war wol i I |
gethan n i
Qar hoch anf jenem berge da stehet ein raaten- | ' |
streachelein > 216 j 119
Qar lastig {1574 Ganz lastig) ist spaciren gehn
Qehabe dich wol zn diesen zeiten
Qesang das will ich heben an
Glückselig ist der tag — s. Selig ist der tag. .
Gnad and ganst hoff ich herz aller liebste mein
von dir allein
108 I
I
133 i
29
eo
70
139
62
(124)
11
67
(11)
135
9
12
S4
98
31
58
132
93
(97)
77
LiederverEeicbniB.
243
Gott geb ir heindt ein gaette nacht — t. So
wttnsch ich ir ein gute nacht
Qott gnad dem edlen keyser also frommen . .
Gred steh auf und stoß das fenster anm köpf
hinaus
Groß lieb hat mich ambfangen, hera alderliebste
mein
Groß lieb hat mich ambfangen, zu dienen einem
freulein fein
Gnt gesell and da mast wandern
Gaet Henßlein über die heidt aßreidt — «. Traut
Henslein
Gatt lieb laß dich gedenken, das ich nitt bei dir
mag sein
Heimlich thet ich spacieren zauber allein . . .
Helff — «. ffilf
Her Gott las dich erbarmen
Herz allerliebstes frewelein, zu dir führ ich mein
klag
Herz einiger trost auf erden {1568 Herzlicher
trost)
Herz einiges lieb, dich nit betrüb
Herzlich thut mich erfreuen die fröliche sommer
zeit
Herzlich (so) wünsche ich mich bey ir (aUein)
zu sein in (1575 mit) freuden
Herzlicher trost auf erden — «. Herz einiger trost
Herz lieb du bist mein bort
Herz lieb ich scheid aus herzen grimm ....
Herz lieb mochte ich stedes bey dyr sein . . .
Herz liebstes bild, beweis dich mild
Hett(e) ich sieben wunsche(n) in meiner gewalt
Hett ich yil gelt, so wer ich wert gehalten . .
Hilf Gott, das ich moß meiden meiner lieben
roeder mondt
Hilf Gott, laß mich erhalten die ich außerkaren
hab
Hilf Gott, was schall ich syngen, untreuw nimpt
die averhandt
Holtseheligs weib
Hördt moeder — «. Ach mutier
Hört zu ir lieben Christen leut
Hort tho, wat ich will singen
Ich armer boß bin ganz verirrt
Ich armer man, was hab ich getban
Liederbücher
i
Berliner
_
Heideib.
1582
Handschriften
Handschr.
A B
1568\
1574 \
1575
Pal, 343
(20)
222
233
71
200
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250
40
(20)
2
25
2
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13
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(13)
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2
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184
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25
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88
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217
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18
70
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83
120
100
244
LiederreneichniB.
Ich armer sünder klag mich seer
Ich armes f&rstlein klage mein leid
Ich armes megdlein {Pal. medlen) (be)klag(e)
mich sehr
Ich beut dir da, mein herziges A, gans willig
pflicht
Ich bin darzn {PeU, sne ft'ue) geboren, das ich
kein gelacke sali haen
Ich bin durch freoleins willen geritten (so)
manchen tag {Fai. manche nacht) ....
Ich bin ein armer reute rs knab
Ich bin ein jeger nnversagt
Ich bin schabab, mir ist nit jach
Ich bin so lang gestanden — «. Ich hab so lang
gestanden
Ich bin so lang gewesen
Ich bin versagt gegn einer magd
Ich bin yerwnndt in jam(m)er8 not(t) ....
Ich bin zne finie geboren — «. Ich bin darzu
geboren
Ich bins — t. Ich bin
Ich dank dir lieber Herre
Ich erfröawe mich einer abend stände ....
Ich gieng bey eitler nacht
Ich gieng für einer fraa wirtin haas
Ich gieng mir ncchten abend heraus
Ich ginck mit last durch eineu waldt ....
Ich hab dich heralieb auÖerwelt
Ich hab groeß leid und ungemach
Ich hab mein herz zue friden gestelt ....
Ich hab mein sach zue Qott gestelt
Ich hab 80 lang geiaget
Ich hab(e) so lang(e) gestanden, ich stund in
sorgen groß {1575 in s. st. ich)
Ich hab verschütt {PaL 75 Verschütt hab ich)
mein habermus
Ich haben die zeit woll ehr gesehen — «. Ich
han die zeit
Ich habs gestelt so weit ins feld
Ich habs gewagt, du schöne magd {1568 Nr. 20
Ich habs gewagt frisch unverzagt) ....
Ich han die zeit wol gelebt, war ist sie nu ge-
faren {1574 Ich haben)
Ich han gelt^ssen ein coppej
Ich hatt ein stodig rnedlcken
Ich hatt mich ftiiÖorkor(e)n ein feins lieb wol-
gethann
Liederbücher
1582
A B
243
184
92
258
187
259
238
153
209
90
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144
182^
18
170
5
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21 !
BerwMT
Handschriften
1668 1574 1575
76
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34
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18,20
117
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(15)
15
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Heiiklb.
Bamdmskr.
PkiL 343
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18
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! 155
48
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1
95
7,94
75, 142
40
66
Liederverzeichnis.
245
Ich het(te) mich underwaDden xn dieDon eim
frealein fein
Ich het mir ein bnelen aoßerkoren
Ich het mir ein stetig lifikin
Ich het mir färgennmmen zu dienen stetiglich
Ich hoff es sey vast seher wol mttglich ....
Ich hört ein ft'eulein {1575 horde ein kammer)
klagen
Ich hört ein wasser raaschen
Ich kam darher gegangen, die zeit wart mir nitt
langk
Ich kan nicht gnugsam schelten die ontrenw
dieser weit
Ich klag den tag and alle stand
Ich lach der schwenk
Ich lafie leicht ab — «. Ich steU leicht ab . . .
Ich lejd and mejd, ist nit mein will
Ich mas von hin
Ich nam {1575 weiß) mir ein megdlein von acht-
zig jaren
Ich reit ein mal aaf eventare (Pai. Ich ritt mir
aas nach abenthear)
Ich reit ein mal spatzieren
Ich reit ein mal za Braanschweig {1575 Bnsch-
wert) an (aas)
Ich reit mir aas karzweile f&r einen grünen
wald
Ich reit (ritt) mit lost darch einen wald . . .
Ich rea and klag, das ich mein tag nicht(s) lie-
bers habe verloren
Ich sach (mir) far einem walde ein feines hirsch-
lein stan
Ich sach se nechten spade ga^r heimlich off
einem orth
Ich sag ade wir zwei wir massen scheiden . .
Ich saß and was ein mal allein in einem stübelein
Ich schall (schell, schwing) mein hom in(s) jam(m)
ertha](l) {1568 richtiger: jamers thon) . . .
Ich scheid von dir, kompt nit von mir ....
Ich schweig and maß gedenken {1568 Zn wem
sali ich ged.) herz allerliebste mein ....
Ich schwing mein hom — s. Ich schall mein hom
Ich sing and spring and was ich thu ....
Ich stell leicht {1568 leidtt, 1575 Ich laße leicht)
ab von solcher hab
Ich stand an einem morgen heimlich an einem ort
Ich trener wachter trit daher
Liederbücher
Berliner
1 Heideib.
1582
Handschriften \
Handeckr.
A B
1568 1
1571^
1575 1
Pol. 343
42
77 ;
148
160
82
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1
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206
166
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27
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69,148
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53
36
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11
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74
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74
152
64
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51
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143
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106
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106
79
176
129
153
156
146
LiederversMchiiis.
Ich yorkOnd each neue mftre and wolt jr dieventAn
Ich wart der seit and glucks erbeit'
Ich weiß ein blttmlein hfibsch and fein ....
Ich weiß ein graffen tdcbterlein
Ich weiß kein seit die mich erfreat
Ich weiß kein seit jetsander
Ich weiß mir ein blomgen, ee etat an groner
beiden
Ich weiß mir ein blamlein bloe
Ich weiß mir ein edle kejrserin
Ich weiß mir ein feine Weberin
Ich weiß mir ein hma bratmi megdelein, hat
mir mein herz beseaeen
Ich weiß (mir) ein frealein hübsch and fein . .
Ich weiß mir ein haselen streachlein — «.Es
wolt ein megdlein wasier holen
Ich weiß mir ein hübsche gräserin
Ich weiß mir ein megdlein (meidlein) gar hübsch
and fein, bey im wolt ieh gern fichlafiPen . •
Ich weiß mir ein megdlein (ist) hübsch and fein,
das wolte mein stedige treawe sein ....
Ich weiß mir ein megdlein hfibsch and fein, hüt
da dich
Ich weiß mir ein megdlein (ist) hübsch and fein,
sie hat ein rote« müDdelein
Ich weiß mir ein megdlein von achtzehen jaren
Ich weiß mir ein megdlein von achtzig jaren
— - «. Ich nam mir ein megdlein
Ich weiß mir ein Btolze mülJerin
Ich weiß mir ein wunderschöne magd
Ich weiß mir einen garten
Ich weiß mir noch ein jungkfran fein ....
Ich wii mich gan yerhoegen
Ick wil za landt außreiten
Ich zempt mir einen fa^ken
Ich zeunt mir nocbten einen zäun
Ick bins bedroyet, konts anders sein
In dich hab ich gehoffet Herr
In druck und schmerz mein junges herz wirt nu
ohn schuld t gequelt
In feariß hitz brent mir mein herz
In herter clagh für ich mein zeit
In Stettiger beger {1674 Ein stediger) ....
Ir Christen lasts euch zu herzen gan
Ir helßlin weis, ein kettlen dran
Isbrack (Pal. Isprngkh) ich mu(e)8 dich lassen
Ist dieß nicht schwär verdreiet
Liederbücher
Berlmer
Heide&.
1582
Handgd^.
^
B
156S±i574 1575
PiaL 343
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32
188 i 146
12
65
128
61
159
139
Liederverzeichnis.
247
«f e lenger ich gedenke ahn dich herzliebeter mein
Jegen diesen yastel abendt
Jet2(t) scheiden (das) bringt (mir) schwer {1568
Och scheiden, 1575 ttz seh. 15S8 du brenges)
J(e)tz(t) wnrtt mir kandt verlangen
J(e)tz(t) zne disem mayen grien will ich mich
deiden
Jetzundt so woln wir singen aoß frischem freyem
muet
Johannes Pocatias schriebe
Jang schön von art, lieblich and zart ....
Jangfrealein sol ich mit euch gan — t. Ach
jangfraa
Kan es doch nit anders sein, das ich dich feinß
lieb muß scheiden (/. meiden)
Kehr wider glück mit frenden
Kein freud ohne leidt wirt erfanden — s. Rein
lieb on leid
Kein größer {1568 besser) fread auf erden (nit) ist
Kein lieb {1568 freudt) o(h)n(e) leid(t) mag mir
(nit) widerfa(h)reD
Kein lieb c(h)ti(e) leid(t) schwer ich ein eidt ist
nie erfunden worden
Kein lieb {i->7.5 fread) o(h)n(e) leid(t) wirt
(er)fuudeu
Kein last hab ich, des freu ich mich
Kein trost auf erd ich haben mag
ELlagen thu ich dich herz alderleibste, hör merk
meines klagens bescbeldt
Kleglich (/. Kittglich?) so hab ich mich ganz
aiißerwelt, die mirs gefeit
Kand(t) ich von herzen singen ein hübsehe tage-
weis (1575 O daß ich konde)
Kand(t)8chaft mit dir ich begeren bin ....
liaeß tza gelack mit freuwden, wendt mir mein
noeth, darin ich byn
Lieb {1575 Leyb) haben und (zu) meiden das ist
ein schwere pein {1575 brenget meinem herzen
pein)
Lieblich hat sich gesellet mein herz in kurzer frist
Lastlich so hab ich mich aoßerwelt meines herzen
ein ewigen krön
Mach mich nit thumb mein kaiserin
Mag ich nngefell auch erweren nitt
Mag ich Unglück nit widerstan
Lieder
15
A
bücher
82
B
Ha
1568
BerUnet
ndschri^
[ 1574 j
'ten
1575
Heidelb,
Handschr,
Pal. 34S
123
78
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64
16
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8
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241
203,249
163
(111)
147
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2,23
19
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42
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(13)
39
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160^12
186
31
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115
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17
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4
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44
17
92
164
176
174
248
LiederyerseichDis.
I Liederbücher
■) 1382
' A B
Bfan sieht noch wol wie stet du bist
Man singt von scheidens hartem wehe ....
Man singt {Pal. sagt) von schönen Jungfrauen vil
Mein alter man der nimpt sich an
Mein einige A mein höchster ach alz
Mein elend thut sich vonnehren
Mein feine lieb ist hinweg geflogen
Mein feins lieb iat von FlaDdorn
Mein feins lieb stund in sorgen
Mein fleiß und mühe hab ich nit gespart (Pal.
ich nie hab gespart)
Mein gemiith entzündt m Venus flammen thut
mir im hersen umbtreiben
Mein gemüth und geblüt das ist dir hold . . .
Mein gemüth und geblüt (1582 blüt) ist gar
entzündt
Mein hene das funket flammen aus rechter lieb-
den gloett
Mein hen hat sich mit lieb verpflicht ....
Mein hen ist alles traurens voll
Mein hen thut sich erfreuen cur herz allerliebsten
mein
Mein herzigs lieb, ich mich stetz ieb nach dir in
allen ehren
Mein hoffnung Imb ich ganz gesetzt
Mein junge zeit ficht stets nach freud ....
Mein man der ist in krieg gezogen
Mein selbst bin ich Di(cb)t gewaltig mehr . . .
Mein syn hab ich an ir gelecht
Mein syn sein tnir enthogen
Mein synnekens seint mir durchtogen ....
Mein synnekens seint mir versturet
Mein tag kein zag bt^in gesellen wae
Meinem Godt will ich vertrauw^iti
Mich badt ein jangkhfrau seüberleich ....
Mich hatt erfreut des summers zeit
Mich wundert zwar vom frauen haar, wo es sein
krafft hat genommen
Mir ist ein feins brauns megd(e)lein gefallen in
meinen sinn
Mir ward verwundt meins herzen grundt . . .
Mit allem sin bin ich behafft
Mit einem bedruefden gesangen ich stedigh kla-
gen mues
Mit freuden hanthieren
Mit freundlichen äugen winken — s. Ein freund-
liches augenwinken
193
75
52
150
118
104
196 I 158
77 121
Berliner Heiddb.
Handtekrifien \ffandMdn;
1568 1574
19
96
1
i
5
57
1
63
149
219
143
24
110
14
185 : 141
194 I 151
132 '
163 ,
i 145
110
59
101
9
52
47
46
I '^ !
I
(156) ' (23)
1575 i P^ 343
63
111
64
83
127 i
140
25
51,169
172
171
137
I 52 I 43
64 1
69 '
167
178
I 175
1 54
168
170
29
(24)
. Liederyerzeichnis.
249
Mit ganzem elenden herzen klag ich mein schwe-
res leidt
Mit kommer schwer hat mit so (gans) sehr (gar)
groß nnglttck ombgeben
Mit lieb bin ich nmbfangen, herz allerliebste mein
Mit last reidt ich, da frendt ich mich der sammer
zeit
Mit last thet ich aaßreiten durch einen grünen
wald
Möcht ich feins megdlein stets bei dir sein —
$. Schöns lieb möcht ich
Möcht ich gnnst han bei dir das kan ich nit
yerstan
Möcht ich herz lieb bei dir geeein — «. Schöns
lieb möcht ich bei dir gesein
Möcht ich vergessen lerhen — ». Weß sali ich
mich emeren
Möcht ich vor traoren heben an
H ach grfiner färb mein herz verlangt ....
Nach lost hab ich mir aaserweit dich meines
(1568 die fraa meins) herzen ein trösterin
Nach willen dein
Nechtlicher zeit sich etwan geit im schlaff das
ich versöhne mich
Nie größer lieb mir za banden kam
Nie noch nimmer so raawet mein gemath . . .
Na(n) fall da reif, da kalter schnee
Nan grüß(e) dich Qott mein feines lieb ....
Nan grüß(e) dich Gott mein mfindlein rot . . .
Nan hab ich aU mein tag gehört
Nan heb ich an za singen aas frischem freyem mat
Na(n) hör, na(n) hör zartz frewlein fein . . .
Nan ist es noch ein wahres wort
Nan laß ans frisch and frölich sein [1568 Nan
wollen wir; 1574 Es sprach sich e. wirdes
dochterlein)
Nan lond ans frisch and frölich sein and unser
pfaff ist voller wein
Nan merkend itzand jung and alt von einem
Freyhart
Nan merket aaf was ich each sing von ebentear
Nan schaa mein glttckh
Na(n) schein da liebe sonne — «. Schein ans da
liebe sonne
Na(n) sogen dich Qott mein schönes lieb —
«. Der liebe Gk>tt
Liederbücher
Berliner
Heidelb.
1582
Handschriften
Handechr.
A
[ B
1568
1574
1575
PaL 343
56
87
126
26,87
101
88
8
27
93
32
50
102
(154)
(20)
190
147
191
(125)
(39)
31
57
10
10
52
90
4
173
72
3
55
5
22
37
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183
139
191
148
84
37
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180
35
57
72
114
1
208
168
45
97
15
127
8
260
186
36
26
131
139
140
(44) j
177
(19)
250
Liedenreneidiiiift.
\UederMeher
i582
Ä B
Na(n) wende, na(D) wende ongelficke yon mir
— «. Ob ich schon «rm o. elend bin . . .
Non wil ichs aber heben an von dem DanheiiB«r
Na(n) wollen wir beschauen and also heben an
Nun wollen wir frisch and frolich sein — «. Non
laß ans
Nan wolt (wölt) jr hören neae mir, es ist ein
seosack kommen her
Non wolt (wölt) jr hören neae mär, vom pox-
baom and vom felbinger
Nan wolt (wölt) jr hören, so wil ich each singen
Nar n&rrisch sein ist mein manier
Ny {1568) — «. Nie
O haaren knecht, las die röslein stan ....
O daß ich konde von hersen singen ein dagewjß
— t. Kondt ich von herzen singen ....
O falsches herz, o rotter mandt, wie hasta mich
bedrogen
O Herr ich klag daß ich mein tag so hab verzert
O herziges N wie hoch mich das erfreiet . . .
O reicher Qott im höchsten saal
saurer winter, da bist so kalt
O scheidens not kambst nit za spot
O Venus, dein art hat mich umbfangen hart . .
O Venus noet, wie krenkstu mich so hart. . .
O weh(e) der zeit die ich verzert hab in der
buler orden
O weiblich bildt, wie reich und mildt dein lob
erhelt
O wexel — s. Der Wechsel
O wie lang hab ich gewart — «. Ach Gott wie
lang steh ich im schwang
Ob ich schon (Wie wol ich — Daß ich so) arm
und elend bin
Ob mir groß ungefell schwerlich betrübt, das
muß ich leiden ganz duldichlich
Och scheiden du brenges mir schwer — «. Jetzt
scheiden das bringt mir schwer
Ohn dich (1568 An dich) kan ich nicht (nit)
freuen mich
224
I 142
•i 231
i: 188
!' 164
Berlmer \ HHddb,
EmuUekriftm \Bamdsekr,
1568 i 1574 } 1575 j fU 343
(146)
178
(36)
9
61
27
225
37
175
211
172
(115) j
10
35
180
62
29
81 I
lU
27,227
79, 174
P höchste frucht, all mein Zuflucht . .
Papirs natur ist rauschen
B du mein schätz — s. Du mein schätz
R einiges bild inn eeren milt
Recht gluckh von herzen winsch ich dir
34 I 86
245
104
66
61
4oJ46
(ISl)
(179)
38
I
30
(16) I
i
89 I
I '
U7>
182
39
LiederyerzeichDis.
251
Recht ist das man in aller noth Eaflacht Sachet
za dem liehen Godt
Recipe das hlaa vom himmel
Reich Oott wie sali ich clagen, wie sali ich da-
gen mein nott
Reif ah, reif ah, da kalter sehne — s. Der reif
and auch der kalte sehne
Resch and hehend der pfarherr sprach ....
Rosina wo war (1568 war was) dein g^talt . .
HtLg an herz lieb was scheiden that
Salig ist der tag — «. Selig ist der tag . . .
Scheiden mich krenkt, wenn ich (PaL so ich) der
Ibbfe) gede»k(e)
Scheiden thnt mich sehr kränken
Schein ans da liebe sonne (1574 Na schein
da 1. s.)
Schön bin ich nit mein höchster hört ... .
Schön blomgen gent ins herz geprent ...
Schön flenßlein — 8. Traut EeDslein ....
Schön and zart, von edler art
Sch5n(e zucht and geberd, kein sach aaf erd
Scböna (SchonneB) lieb das mich erfreuet —
#, Des ich mich frea
Schöne lieb ich bin dir trea and holt ....
Schöne lieb ich maes dich meyten — «. Feins
lieb ich maß dich meiden
Schöns lieb mOeht ich bei dir (ge)Bein (Möcht
ich feins megdlein n, fL)
Schons leiff wo heffetu mich so gar vorlathen
Schwer langweilig ist mir mein zeit
Sehnlicher «chmerz bekrenkt mein herz . . .
Selig (Salig, Salich, Glückselig) ist der tag, der
mir dein liebe verkündiget hat (solch glttck
verg. hat a. ft.)
Sich klagt der vollen brüder orden
Sie acht mein nit aas übermat
Sie hat (mir) mein her« getroffen
Sing(e) ich nftt wo II, das ist mir leidt ....
So will ich doch einen gaten mat haben . . •
So wünsch ich jr ein gnte nacht, bei der ich
war alleine (PaL Gk)tt geh jr heint e.
gnte n.)
So wünsch ich jr ein gnte nacht zn handert
taasend standen
Sonst kein ohn dich erfreaet mich
Steh ich allhie yerborgen die finster lange nacht
1 Lüderbücher
i
BerUner
Heidelb
, 1582
Handschriften
Handsch
A B
1568
11574 \
[J575^
Pal. 341
136
254
7
43
(66)
144
174
123
28
34
82
172
ii
116
34
(69)
(3)
133
49
16
1
66
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1
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(43)
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1
i
63
99
(U)
(12)
67, 154
20,135
125
61
82
22
74
89
87
192
149
95
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97, 185
130
178
131
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26
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98
13
65
46
41
20
10
62
15
49
39
183
114
12
252
LiederverzeichiuB.
Stettig du bist die höchste krön, die ich in meiDem
herzen trag
Störtzenbecker und Qödeke Michael
Sy {Pal, S43) — $. Sie
Tag and nacht leid ich groß not
Toll and töricht — «. Doli and töricht ....
Trauren da bist mein eigen all gebleben . . .
Traaren mas ich tag and nacht and tragen gros
verlangen
Traat {1582 B Schön, J574 Gnet) Henslein über
die heyden reit
Tröstlicher lieb ich mich stets üb
Vmb (Von) deinetwegen bin ich hie .
Und wölt jr hören singen, singen ein neues lied
Unfal will yezund haben recht
Ungnad(t) beger ich nicht von ihr
Tenos du und dein kind
Verlangen, verlangen, gy thaet meinem herzen
pine
Verschatt hab ich mein haber mueß — t. Ich
hab verschütt
Versturt hab ich mein habermuß — «. Ich hab
verschütt
Vi(e)l gluck man spricht hat neider vi(e)1 . . .
Vil gluck und heil ist niemant feil
Vil haß und neitt zue hoff ich leidt
Vil untreu ist auf erden
Vinum quae pars? verstehstu das?
Von deinetwegen — «. Umb deinetwegen . . .
Von edler art, ein freulein zart, bistu ein krön
Von einem mönch hab ich oft gehört ....
Von hinnen muß ich scheiden, bedrovet seind
all meine synn
Von rechter schön {1575 recht schöner) und
lieblicher art
Von ttppiglichen dingen so wil ich heben an
Vor lieb brennt mir mein herz im leib — *. Feuer
eitel feuer
Vor {1575 Für) Zeiten war ich lieb und wert
l^ach auf mein herz in freuden und laß dir woll
gesein
Wach auf mein hört, vemim(b) mein wort . .
Wach auf mein lieb und hör mein stimm erklingen
Liederbücher
J582
A I B
Berliner
Handechriflen
1568 I 1574 I 1575
Beidelb.
ffamdeekr.
i BtL 343
215
199 , 156
45
103
44
56
158
96
43
96
108
53
27
127
111
30
124
(34)
1 ^^
136
67
22
91
129
127
(70)
28
80
23, 202
55
162
107
20
58
74
33
51
150
116
I 26
107
102
46
85
97
50
50
186
188
(15
(75)
42, Ö9
15
HS
187
53
191
Liederyerzeichnis.
253
Wach auf meins gemüts ein trösterin ....
Wach auf meins herzn ein schone, zart aller
liebste mein
Wach af wach nf mit heller stimm sprach sich
ein Wächter gaete
Wahr seidt ir na mein lieff
Wann ich des morgens früe nf stee
Wan(n) ich gedenk der stount das ich mons
schejtten
Wammb die mönch in holzschah gehn ....
Warumb solt {1575 scholdt) ich nicht frölich sein
Was al mein tag erlebt mein herz
Was mein Gott will das gescheh allzeit . . .
Was wird es doch des wanders noch
Was wollen wir aber heben an, ein neaes lied
za singen .
Was wollen wir aber heben an, ein neaes lied
za singen
Was wollen wir aber heben an, von einem reichen
kargen man
Was wollen wir singen and heben an, das beste
das wir gelemet han
Was wdllen wir singen and heben an, (und singen)
von einem fränkischen edelman
Welt ehr and rhaem das ist ein bluem ....
Wenig traaw ist aaf erden — «. Es ist wenig
trea aaf erden
Wenn (Wann) mein stündlein vorhanden ist . •
Wer balen wil, halt masse and ziel
Wer wolde dir in ehren nicht sein holt {PaL We/r
wolt ir nit von herzen sein holdt) ....
Weß sali (schall) ich mich erfreawen kegen
diesem winter kalt
Weß sali ich mich emeren, ich werdt gehalten
so kort
Wha {1568) - s. Wo
Wie hastu mich so krefftiglich mit deiner lieb
ambfangen
Wie möcht ich {1575 kan ich) frölich werden
Wie offt feit af mich neid and haß
Wie schön blüht ans der meye
Wie sitzen wir hie so stille schweigen ....
Wie sült ich frölich wesen
Wie wol ich arm and elend bin {PaL jetzt g^nz
ellendt pin) — «. Ob ich
Wie wol anfall sein muet wil han
Wies Qott gefeit, so gefeit mirs aach ....
Liederbücher
1582
A 1 B
Berliner
Handschriften
1568 11574 [ 1575 [
Heidelb.
Handschr,
PaL 343
167
56
100
68
75
198
199
137
251
6
28
202
21
73
192
180
136
98
116
9
61
19
55
195
257
189
(116)
252
39,93
77
113
>
119
200
80
134
196
30
32,82
118
37
47
17, 198
161
7
(227)
(66)
(61)
(38)
201
8
254
Liederyerseichnifl.
WilhelmoB von Nassaue bin ich von teatBchem
^ Wut
Willig and tren ohn aUe reu ich mich ergib
Wils Gott, 80 geschichts, den reomen hab ich
Winter du must urlaub han
Wo mach ein man sein leben losten ....
Wo 8ol(l) ich hin, wo soll ich her
Wo 8ol(l) ich mich hinkeren, ich tnmmee (Pal.
armes) brüderiein
Wo soll ich mich hinkeren, ich armes wald-
brttderlein
Wol auf geluck dich zu mir ker
Wol auf gut gesell von hinnen
Wol auf ihr frommen vom adel gudt ....
Wol auf mit reichem schalle
Wol kombt der may
Wolt Qott das ich solt singen
Wolt mich der wechter wenken
Wor ich mitt dem leib nitt khommeu mag . .
Yets (PaL 343) - *. Jets(t)
2art schöne frau, gedenk und schau ....
Zart schönes weih, dein edler leib hatt mir
mein herz umbfangen
Zu Augspurg es geschehen ist vor jaren im
reichstage
Zu singen steht all mein begehr von einer königin
Zu wem sali ich gedenken — s. Ich schweig und
muß gedenken
Zucht ehr und lob ir (dir) wonet bej ....
Liederbücher
1582
Ä I B
146
48
120
82
97
54
1
100
50
155
106
Berliner
Handschriften
1568 I 1574 I 1575
35
94
135
226
54
63
64
14
(1)
57
68
81
87
29
BeidM,
Hamdackr,
/W. 343
92
11
189
194
197
190
44
63,203
74
78,204
Druck von O. Bernstein in Berlin.
Deutsche Texte des Mittelalter:
Deutsche Texte des Mittelalters
herausgegeben
von der
Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften.
Band VI.
Elsbet Stagel,
Das Leben der Schwestern zu Töß.
BERLIN
Weidmannsche Buchhandlung
1906.
Das
Leben der Schwestern zu Töß
beschrieben
von
Elsbet Stagel
samt der Vorrede von Johannes Meier und dem Leben
der Prinzessin Elisabet von Ungarn.
Herausgegeben
von
Ferdinand Vetter.
Mit zwei Tafeln in Lichtdruck und einer Nachbildung der Platte
des Farstengrabes von TöB.
BERLIN
Weidmannsche Buchhandlung
1906.
Inhalt
EinleUung VII'-XXVI
EUbet Stageij Das Leben der Schwestern zu Toß,
Vorrede Johannes Meiers 1 — //
Vorrede Elsbet StageU i2— /tf
/. Ita von Wejsztkon 17
IL Ita von Sulz 20
IIL Eisbei ScheffUn 22
IV. Margret WÜHn 25
V. Mezei SidwiMn 28
VI Bell von Liebenberg 29
VIL Offmya von Münchwü 32
VII L Margret Finkin 33
VIII^, EUbet von der Mezi 35
VIII^. Ita von Tungen 35
IX, Qutte von Schonenberg 35
X. Margret von ZOrich 36
XL Anna von KUngnau 36
XIL BeU von Wintertur 40
XIIL EUbet Zoinerm 41
XIV. BeU von Sure 41
XV. Kalharina Ptetin 43
XV L Margret von Hünikon 43
XVIL Mezzi von Klingenberg 45
XVII'. N. N. von KHngenberg 46
XVIIL Anna WansaseUer 46
XIX. Eine eilende Schwester 47
XX. Willi von Konstanz 48
XXL Gertrut von Wintertur 48
XXI'. Elsbet von Jestetten 49
XXII. Adelheit von Frauenberg 50
XXIIL Sophia von KUngnau 55
XXIV. Mechthilt von Stans 60
XXV. Jüzzi Schuäheißin 69
5CX VL Ita SuUerin 79
XXVIL Elli von Elgau 82
XXV UL Bdi von Schalken 83
XXVnia. Ricki von Schalken 84
VI
Stirn
XXIX. BeH von Lüiubaßh 84
XXX, MechthiU van Wädenswä 85
XXXL Adeiheä van Lindau 85
XXX IL EUbetBechUn 86
XXXIIL Ekbet van CeUinkan 90
Beschluß Johannes Meiers, mä dem Leben der MuUer des Seusen 95
Leiten Elisabeis von Ungarn . 98
Namenverzeichnis ^23
Wortverzeichnis 125
Berichtigungen und Nachträge 1S3
Einleitung.
jiflsbet Stagels Tößer Schumternbueh samt der Legende der PrinBessin Misabet
von Ungarn ist uns in folgenden Handschriften übErliefert:
l Ö: Stiftsbibliothek zu St. ßolhn, Hs. Nr. 603 (vgl [Gustav Scherrer] Yer-
seicknüs der Handschrißm der StißsbibUüthek von St. Oallen^ Halle 1S75^ S. 193 f)^
XV, Jh.^ Papier, Klein- Folio : 37 cm hoch, 20 cni breit ^ zweispaltig beschriebener
Baum 22jl3^(2 cm zwischen den äußern Umrahmmgdinien^ innerhalb deren jede
Spalte durch besondere bis an den Band hinansgäiende Umralimungslimen eingefaßt
ist. f>ie sechs Schriften mystischen Lihalts^ die (nach Greith) erst im 17. Jh. bu
diesem Bande vereifiigt wordeti sind, stammen von mindestens nvei verschiedenen
Händen: von der einen sind auf gleichem Papier unser Schwestembuch — ah
Nr, 111 dss Bandes — sowie (we7ngstens in der Hauptsache) Nr, IV und V (s. u.)
von einer andern auf anderem Papier Nr. 1, II und VI geschrieben. Jenes Papier
weist als Wasserzeichen einen Blumenkorb (?), ditMs einen großen roh umrissenefi
Ochsenkopf, Am Schluß von Nr. II sind die Seiten 153—163 leer gelassen. Mit
S. 163 schließt eine Papierlage urul damit ursprlmglieh auch das erste Heft misrer
Sanimelharidschrifif auf dessen letzte Seife unteti eine migeühte Hand des XIV./XV. Jhs.
einm halb abgeschnittetten Vermerk: 'äch gott wie kan vnd mag jxh fröchlich sin * . /
eingetragen hat. Mit iS, 163 (Nr. III) beginnt eine nem Lage und Hand und seilen
oben zwei Einrahmungslinien ein, die für diese Hand bis & 443 die Regel bilden,
während die der Nrn. I, II und VI stets nu^r eine anbringt. Nr, IV b^innt fnit
S. 369 noch innerhalb einer Loge, die von S. 347 bis 370 reicht. Hinter S. 443
scheint lediglich anfällig der Schluß der Lage mit dem von IV j^usammenzuf allen:
der Text von V schließt dort mit nur ^/^ Spalte freien Eaums unmittelbar an IV
an; doch beginnt hier die bloß einfadte obere Einratmmng und zugleich eine engere
Schrift (aber wohl desselben Schreibers), die so bis S. 399^ unten reicht, trorauf bis
Ende von V wieder alle Kennzeichen dar Hand von III und IV einsetzen, deren
Aufhören S. 571 abermals mit dem Schluß einer Lage (S. 548 bis 571) und dem
Beginn einer netwn (S. 572— 695) , sowie der Nr. VI, zusammenfälU ; zugleich be-
ffinnt hier nieder die Hand von I IL Sicher haben also einst Nr. III IV V einm
Band für sich gebildet, der noch jet^t durch Lagemchlüsse gegen I II einerseits und
gegen VI andrerseits abgegrefizt erscheint und den offmd^ar vor drr Vereinigung ein
Leser besonders mi beziffern begonnen hat (mn I bis 150^ bezw. 145, s. u,). Der
YUl
Einband besteht am Holz, bezogen mit gepreßtem Leder des 17. Jhs.; der Hucken
trägt einen aufgeklebten Zettel mit dem Titel: Liber afceticus. | item vitae Monialifi |
in Thös, & in Dieffen- | hofen germanicfe.
Der Band enthält außer unserm Büchlein folgende Schriften:
(vorher) S. 1 — 144^: (I) Die vierzig Myrrhenbüschd (Allegorie des Leidens
Christi, nach Scherrer avLch vorhanden in München, Cgm. Nr. 853 und 4716, und
— ehemals? ~ in Straßburg), von einem andächtigen geistlichen Herrn und Vater
Johannser Ordens zu Straßburg (wie er geheilTen mit finem namen, das han ich
nit funden in dem exemplar vnd och wie lang es fy, dz weißt gol der her wol
der alle ding waift — mille mille mille deo gracias);
S, 146 — 152^: (II) Leben der h. Ba (Oräfn von Toggenburg, Klausnerin zu
Fischingen im XIL Jh.);
(nachher) S, 369^ — 441^: (IV) Leben der h. Margareta von Ungarn, Prediger
Ordens (Tochter Bela's IV., Dominikanerin auf der Insula der Hasen bi der dunow
— S. Margareten-Insel bei Ofen — , gd>. 1242, gest. 1271; Litteratur bei Scherrer),
Hiezu als Anhang S. 441 — 443^ mystische Andachten, Anfang: ihs lert dif
fei b er | Dis ift wie du | din v'sumnus | mit lob folt erfül | len vnd wider brige
ge got II Vnfer lieber | her lert Sät | Trutten wie ain me | fch fin verfumnus | mit
lob fölt gege I jm erfüllen, worauf 3 'Laudat^ feigen;
S. 444—671: (V) Schwestembuch von Dießenhofen (vgl Greühs Mystik im
Predigerorden S. 295—298, 346—356. Überschrift: Dis ift von dem wirdigen
geiftlichen klofter Diefenhoffen das von recht heilTet Sant Eatharinatal by DiefTen-
hofen vnd ifl prediger ordens; Schluß: Hie hat dif buch j von den fälgen | Schwöllren
des I Cloriers Sant j Kaiherina Tal | by DielTenhoflFen [am Rand: pdg' orde]
ain end jn dem | Jar do mä zalt [das Weitere fehlt]);
S. 672 — 684: (VI) Legende von dem heiligen Biscliof Ludwig (wovofi eine
Kopie des XVII. Jhs. in Einsiedeln Nr. 694 und 695; eine andere von 1845 auf
dem Wiener Staatsarchiv, vgl. Scherrer a. a. 0.).
Das Vorsetzblatt des Bandes enthält folgenden Eintrag des ersten Benutzers in
neuerer Zeit, des nachmaligen Bischofs von St Gallen Karl Greith:
Codex iste facile autographus et unicus in iis saltem quae moniales in Toeß
speetant maximopere est aestimandus quippe qui illustrandae Theologiae et rei
niysticse Alamannorum ab anno 1250 — 1350 apud nos florentis plurimum inservit.
Quem in finem eodem usus est sseculo XVII P. Heinr. Murer in suo opere Hel-
vetia saneta et novissimis diebus eum examinavit D. C. Greith Decan. can. et off.
In S; Gallo die 14. Novemb. 1860.
*Facile autographus' stütet sich wohl auf den Schlußvennerh S, 684, dessen
Endbuchstaben Greith auf 'Schwester Elsbet StageV deutet; es lieißt aber d&rt deut-
lich von einer Hand des XV. Jhs.: Gedecket durch got j der fchriberin S. R. S,
nicht *S. E. S' (rtjl. Scherrer S. 194); auch könnte damit mir die Schreiberin von
Nr. I 11 VI, also facht die der Stagelschen Schrift (III) bezeichiiet sein.
Unser Tößer Schivesternbuch, Nr. 111 des jeteigen Bandes, umfaßt samt
IX
dem Leben Elisahets von Ungarn die SS, 163^ — 36&^\ Davon sind die Seiten bis
eum Beginn der Legende der Elisabet von einer etwas jüngerti Hand — mit 1 bis
150 — besmiders beziffertf doch mit einem Spnntg von 62 auf 67 , weshalb ich
i. J. 1&7G die SS. 63 (älter 67) bis 144 (älter 149) neu bezifferte; ein Neuester hat
södunn die Seüemähhing des Elisabefeiilebens gleichwohl auf Gnmd der unrichtigen
Bezifferung — mit 151 bis 189 — fortgesetM, woran ich nicht weiter habe ändern
wollen. Danehen geht durch den ganzen Band die wohl erst £um Zwecke der
Katalogisierung vorgenommene Seitenzählufig vm^ 1 bis 684 her.
Die gleichmäßige, aber etwan derbe Band (s, die Schriftnachbildung) weist rote
Anfangsbuchstaben und Überschrifteti der Kapitel^ rote Unterstreichungen der Zitate^
rote Strichelungen der Sat^anfangsbuchstahen auf. Auch die Kommata sind rot ein-
getragen; sie machten nach dem Plane dieser Ausgaben der Lachmannischen Inter-
punktion Platz. Von Bilderschmuch findet sich lediglich S. 61^ und 62*" (alte Zlädung)
ein dekorativer Zweig, mit roter Tinte je in einen freigelassenen Raum des Textes
hineingezeichnet; dasselbe einfache Motiv ist auch 31"^, 45^, 47^, 95 \ 136 ^^ 184^
gur Fiilhmg freibleibender Bäume verwendet.
Greith gibt nähere Nachrichten über die Hs. des Tößer Schwestembuches in
'fKaihölischeJ Schweizer Blätter für Wissenschaft und Kunst', Ä Jahrg. (1860),
65^77; 137— 151 ;399 — 416 C Heinrich Suso und seine Schule unter dm Ordens-
schwestern von TSßj bei B'interthur, im 14. Jh.'; vgL desselben ^Deutsche Mystik
im Predigerorden\ Freiburg 1861): sie ist geschrieben im KatharinmUoster zu
St, Oallen, zur Reformatiotiszeit nach Noüenberg und Wil gerettet^ im 18^ Jh, der
Stiftsbibliothek vo7i St. Gallen einverlmht, nachdem sie offenbar bereits mit den Schriften
I II VI zusammengebunden war. Eine Abschrift ward 1492 zu Gnadental erstellt
und nach dieser 1628 ein weiteres Exetnplar einfältig dem alten nachgeschrieben
durch Schwester M. Katharina DuUiger von Luxem des Konvents zu Hermehchwil
(nach Greith, der über diese Hs. keine weiten^ Nachrichten bietd). EifW Ver-
kürzung sclmni die Einsiedler Hs. 694 (17. JL) zu sein. — Gute Auszüge bei
Greith, Kathol. SIL 139 ff., 399 ff. und in desselbe^i Deutscher Mystik im Prediger-
ordett 363 ff. Ch^eiih setzt (Kath. BIL II, 75 ff., 150 f) die Abfassung des W^kes
auf Grund eigener Angaben Elsbets in die Zeit zwischen 1.350 und 1360,
Vor Greith sind eine Anzahl der Biographieen gedruckt worden von P. Heinrich
Murer (Kartäuser zu litifigen), Helvetia Sancta, Luzern 1648, S. 358 ff,; Ausg, 1751,
S. 328 ff. Meist auf seinen Mitteilungm beruhen die Erwähnungen der geistUäwn
Schule zti Töß in: Hottinger, Helvetische Kirchengeschichte (1707) 11, 33 f 61L
833; J. C. Fussli, Staats- und Erdbeschreihtmg (J771), 1, 102; Nengart, Episcopatus
Constmitiensis U, 324; Mone, Quellensanwdung IV, 14 f.; Meyer mn Knonan, Der
Kanton Zürich I, 276 (Eliscfbeth von Elggau), II, 400 (Kloster Töß); Burgener,
IMvetia Satwla 1, 157 ff. u. ö.; Th. v. Liehenau, Geschichte der Ritter mu Baldegg oo;
F. E, V, Mfdine^i, Helvetia saera II, 196; Schcrer, Heldeti und Heldinnen des chrisi-
lichefi Glmibens; Mötikofer, Bilder aus dem kirchlichen Lebeti rfcr Schweiz 109 ff^
Später ts s, n. S. XV f
2. Ü: Stadtiribliothek (Leopold' Sophien- Bibliolhek) tu ObTÜngen, Hß. Nr. 22,
XV. Jh., Papier, Kl.- Fol., zweispaltig, gekannt bereits von Denifle (laut briefl. Mit-
teilung von P. Gabriel Meier), zuerst benutzt und verglichen von Dr. K. Bthlmeyer
in Tübingen. Sie zeigt auf dem Vorsetzblatt folgenden Vermerk (vor der InhaÜs-
angäbe): Difcs bftch gehördtt zu S Catterina das man nemptt Zofingen in der
ftadt Goftenz prediger orden.
InhaU: Bl. 1—2 leer.
„ 3^ — 20* Gespräch zwischen Christus und der minnenden
Seele, in Versen. Anfang.*) Vnsser herr spricht zft der gespdncz
Wer mir czft [so] in min rieh welle kume, Der sol sin crucz vff sich nemc
Vnd soll mir das trulich nach tragen Vnd der weit by zitt absagen So spricht sy
Ach lieb' herr ich weit dir gern nach volgen sin So yerret mich die fröd
ynd die iugent min . . .
Schluß /3* unten]: Ach zartt' her vn vatter min Nun wil ich gancz di aygen
sin An dinem crücz beger ich zft sterben Das ich dich ainiges gftt mug er-
werben Ame
[3* oben ff. ein längeres Gedieht gleichen Inhalts, das auch die BAnsiedler
Suso-Hs. (710), Bl. I—XXI (mit Bildern) enthält und das mir Herr Dr. Bihl-
meyer außerdem in Hss. zu Karlsruhe, 15. Jh. (Katalog von Längin S. 66), und
zu Donaueschingen, 16. Jh. (106, Bl. 1 — 40), nachu^t**) ; wir geben hier nur einige
Anfänge und Überschriften wieder]:
Diss ist von ynsserrö here iha fpi vnd von der minenden seil die sin ge-
machel ist.
Sy sprach hie wil ich schlaffen gon vnd die sorg dem heren Ion (Raum
für Bild)'
Sy splrach]: Ich leg mich an min bettly gut her ih'us hab mich in sin' hüt . . .
/5*/ vor einem freien Baum: Hie weckt vn haist er sy vff ston
vnd zft d' metty gon
ebenso: Hie will er sy nit gnftg Ion essen
won er furcht sy werd vergessen
ebenso: Hie will er mit d' rftlen kestge Ire lib
dz sy dest' mind' in der weit belib
ebenso: Hie will er sy***) lemenn vn blenden
dz sy die hell nit mug geschenden 2c
ebenso: Hie will er sy leren vss den czechen botten reden
gar eben vn darnach lebe
♦) Die gesperrt gedruckten Stellen bedeuten rote Schrift^ die fetten Buchstaben rote Initialen,
rote Strichelvng oder Unterstreichung.
♦♦) Ein Bruchstück des Gedichtes ist gedruckt in Mones Anzeiger VIII (1839), 334 ff. Ein
verwandtes Gedicht bei Bartsch, Die Erlösung, Ar. XI, S. 218 ff., vgl. Einl. S. XXXV ff. Außerdem
vgl, Mones Anz. 1834, S. 40; Von der Hagen und Büsching, Grundriß S. 44ii (K. Bildmeyer).
***) Die beiden Worte fehlen Hs.
16'J
[7"]
17']
[9'J
XI
/5*7 mr einem freien Raum: Hie will er sy nit Ion spinnen
Noch vil ziltlich gut gewinne
[10*^] ebmsö: Hie wisl er kjt vff gcschaidenhait
won sy ist iren fründe ain grosses laid
[11^] ebenso: Hie will er sy hencken
das sy von im nit rnng gewencken
[ll^J ebmiBo: Hie gitt er ir ain minn Lranck
das sy von im mug tÄn kainen wanck
[12^] ^emo' Hie loffet er ii* bald nach
dz sy die weit im nit fach
[13^ J nach einem freien Baum: Hie verbiergl er sich vor ir
Das enczündet werd ir begird
[13^J vor einem freien Rawm: Mitt der mine strall schüsset sy in
Das wil sy han für gewin
Das er yr aygen müsse sin jc jc.
[14^] Aen»o: Hie wil sy in*) binden vnd zwingen
Das sy in nach ir mug bringen
[15^] ebenso: Hie will sy nitt silber noch golt
Sy wil nun iren heren gilt
der ir allain git fröd vn müt
flS^J ebenso: Jez [?] machett er ir das saile spil
Das er ir abgewinnen wil
[16^] ohne einen freief^ Raum: Hie will er sich laussen küssen
Tfi sy syn haimlichait Ion wissen 2C
[J6^] vor einem freien Mmum: Hie wil er ir zt runen ain worlt
Das ist ir nücxer daü aller eziltliclicr hord
[17 ^J ehmo: Hie will er ir vor truraen vn springen
Das sy belib by irl sinnen
[IT ^] ohne einett freien Baum: Hie wil er ir vff seczen ain krön
Milt der sy besiezen mag den ewigen Ion
[19**] eifmso: Hie sind sy kum vber ain
vnd wend nun alle ding han gemain
Schluß [IB'^J: her zft dir stat alle min sinn
Hiff [so] mir och dahin
Da mä diss alles vor dir tftt
Vnd du sigest in so richem mit Amen
Tnsser her spricht zu der minnende sei Frow sei wend ir disputier© . , .
Schluß fäO'']: Do sprach vnsser he' ir band mfch vbeVeit Wer beslatt
vncz an das end d* wirit behalte.
Es folgte noch auf S. W', das Exemplar SeuBeSy und m^ar ^is Ml^J der
Prolog, bei Dmiifie, Seme /, Ä 5 — 10; Anfang:
•> ejr by Ml Be.
XII
Diss ist der (|)]ogtis diss bftchs vnd die vored dess diene's der EJwige wlse-
hait[?] Darin gar vil trost vnd vnd'wissung funden wirtt Aines yetliche gaist-
lichen menschen tc ihüs
In dissem Exempellar stond gesehribe vier g&ty büchlin . . .
Schluß [21^]: aine richtige weg zft d' aller höchsten sälikait Hie vachett
an das erst tail diss bftches das da haissett d' sfiss || Hierauf der Text des Sensen-
lebens, bei Denifle S. 13 — ^1; \\ Anfang: Es was ain predger; || Schlufi: [90''] . . .
sin göttliches antlitt werdent schowowe [so] Am
Nun sölt hier nach ston der Ewigen wisehait (wischait?) buch So habent
wier es süss als wol vnd g&t geschriben in vnssef dost' dara ist es hie vnder
wegen beliben zft schriben (es fehU also der Teoct bei Denifle W5 — 504). Hierauf
3 Spalten leer; von 91^ an der Text des dritten und vierten Buches, bei Denifle,
Seuse, zweite Abteilung; Anfang: Hie vachett an das dritt bftch von inne'licher
gelaussenhait vn von gfttem vnderschaid der ze haben ist in ve'nünfftikaite Ecce
ein veritatam [so] dilexisti . . .
[102 ^J Hie vachett an das vierd Bftch Disse 1er ist vss gelessen vss den
gemaine brieffe . . .
Begna mudy . . .
Schluß [125^]: . . Dess helf ^ns gott d'vatt' g. d. s. vn g. d' hailig gaist Arne.
[126 leerj.
[127^] Von dem wirdigen geistlichen Gloster döss von ire haiigen gftten wessen
tugentrichen vn gaistlichen wessen So sy mit aller gaistlichait vnd hailikait vol-
bracht habent vor czitte || Estote perfecti usw.^ entsprechend unserm Teai des Tößer
Schwesternbuches, mit Einschluß des Lebens der Prinzessin Elisabet; Schiuß
[183^ unten] : erhören wil.
Es folgt das Leben der h. Margareta von Ungarn, entsprechend der auch
in O auf das Tößer Schwestembuch folgenden Legende, Anfang:
Von d' haiigen wirdige junckfrowen Sant Margrethen ains kungs dochl'
von vng' ir legent vn hailigs leben stät hie nach.
Schluß [202<']: Deo gras.
3 Bit. leer; hinter BL 205 Lage^ischluß, neues Papier und andere Hand (die
durch den Rest des Bandes hindurchgeht); dann
BL 206"* — 242"^ die in G nach dem Diessenhofer Schwesternbuch stehetide
Legende von deni Bischof und König St. Ludwig (bis 242^),
243^ — 284"^: Traktat von den vierzig Mirren büschely, der in O den Band
eröffnet, und 285^ ff. das Diessenhofer Schwestembuch:
[275^] Dis ist v5 dem wirdige geistlichen closter diessenhoflfen dz von recht
haisset Sant katlierina tal by diessenhoflfen vnd ist brediger ordens.
Schluß [320 ^J: vnd daz seilt sy ainer schwösler selber | Deo gracias.
Schließlich d^^r bekannte Sinnspruch: Lugi schaidet fruntschaflF vil usiv.
Die Hs. ist gut umi treu, dahtr in ZiveifelsfciUen öfter herbeigesogen woi'rlen;
doch liat sie die ursprüngliche wlr-Form mehrfach, und sehr inkonsequent, in die
XIII
3- Person ahgemdert, wasi wir anfantjH migemerld haben; nachher üt z, B. 44^1.
58, 13. Bfhü. 60,14. 7'2J8. 8(1,16. 90,11 186,14, 189 J. 192 J in den Eingiingm
Sy batiend ge^H (64. l 2.3. 4. 86, 10, im Text syh wogegm 70, 8, TT, 6. 78, 9,
84,14, 87,16, 88,15. 143,17. 183,18, 191,5 in dm Einfjängm Wir haftend
heihehaltm id.
3. N: StadtbibUotkek zu ifürnberg, Hs, Cent V 10, XV, Jh,, je eine Lage mn
10 BIl. Papier von 2 BIL Pergament eingefaßt, Klein- Folio, iweispahig. Auf
dem VorBetzUatt, Rückseite, steht: Item dz puch geliort in das Closter zu Sant
Kath(?rein in nurberg prediger ordpn. Die Hs, efUhäÜ:
Bl. 1—34 das Schwesternbuch von Tofi (einschließlich der Legende EUsaheis
von Ungarn) mit vorauf gehefndmn Leben Elsbet Stagels, dieses verfaßt (d, h, tneütt
aus dem Lämk Smos ausgesogen) durch quendam fratrem Turicensem de conventu
Bassiliensi ordinis predicaioruin 1454 (Bruder Johamie^ Meier — Meijer, Meiger —
geh, 1422 zu Ziirieh, seit 1442 Predige^ynonch bu Basel, vor 1458 Beichtiger in der
Sl Michads-lmd zu Bern, 1458 Ins 1464 im St, Brigittenkloster zu Schönenstein'
lach, um 1465 Klausner zu Gebweiler und Reformator der Dowinika^ierinnen zu
Adelhame}}, Freihur g und Gebweiler, 1^0 und 74 in gleicher Eigemchaß zu (Jhur
und Frankfurt a. M,^ 1478 in schwäbischen Fraumiklösteni, seit 1482 BeicJitvater
snt Adeihausm bei Freiburg, f 1485*)).
BL 84 — 89 das Schwesternbuch von Diessenhofen (Jieransgeg^en mm
A, Birlinger, Alemannia XV [1887], 150 ffj
BL 118 ff. die Stiftung des Klosters Ötenbach (Züridi) und Leben von
acht Schwestern dasdbst (hgg. v. H. Zeüer- Werdmidier und J. Bäehtold, Zürcher
Taschenbuch auf 1889, 213—274).
Uns^ Tößer Büchletn erschint bei Johannes Meier nicht bloß vermehrt, sondern
stellenweise anders geördnd, was mr weiter unten atmierken und im Texte nach-
tragen, Bächtöld nennt nicht ganz zutreffend für das Ötenbacher Schwesterfd^uch
den 'Wortschatz zürcherisali, die Vokalisatio^i baslerisch und den KofisonanUsmus
nach dmn Nürnberger Dialekt gestaltet Die Vokalisatiön ist ebenso wie der Kon-
sonantismus bei Johannes Meier fast rein mitteldctäsch, s, u.
Wir bemUzeti die Hs, vielfach zur Terdherstdlung, 7nerke7i auch den Bilder-
*) Prtgtr, GetcL d. dUck MtfBtik 11, 2^2. — Zürcher ToMdienb. 1883, 215, *- ZeUtckr. {.
GescL d Oberrheins Xfll, 25St P, Jlberi, Jahcmne^ Met/er, ein oberdeuiMcher Chronüt da XV. Jh$.
{wofithsi u>eitere Ltieratur über J. Meter mit Außühhmg uon /6" Schriften Mi.), — ZmlMchr. f. hoch-
devtivM Mundarten !\ SO f. (woselbst ein Traktat att^ Unterh'nden, enth€dtefi im Chronicoti Fr> JöanttiB
Meiori Tigurmi de PraedieatoribuB der Basier Univermtätsbibliotfttk^ müg^teUt üt\ hei Albert noch
fehlend f wo nur S. 263 das Leben der Margaret üon Eensingen £U Unier linden verzeichnet ist). —
Aiberi bringt ebd. aus der Leipziger B§. 1546, BL 202*, de» in Bern geschriebenen ' Atntsbtfches* und
des 'Buehleins der Ergetsung* noch ein Seibiißeugni» Meiere bei^ wodttrch er sich ak A Schreiber und
Bevorworter des T^ßer Schtteitertibuches bezeichnet', "S weiter Eljsabeth Stuglin in dem closter au
ToasO| >Ta8 gnadonreichen fiel igen menaeben ei gewesen aige, fint titan hin und ber eio wenig
m des Sensen bucb, aber icb bab ea 1454 zniamengeleöen nnd es geecbriben an d^n anfang
des bucbfl der aweeteren leben von ToB&e, dae ü selber gemaehet hat/^
XIV
schmiick (in reicliem, huniem Rankenwerk Initialen mit je 1 oder 2 NormengestaUm)
in einigen hesondem Fällen an (vgl, die Schriftnachbildung).
4. StadtbibUothek zu Zürich C 162, XV. Jh., Papier, enthätt Bl. 273^ — 274^ ein
kleines StUck aus dein Leben der Margret Finkin (ain andächtige S. genampt margret
fincklin)^ dem 3 Zeilen vorangehen, die den bei uns voranstehenden (8. 33) nicht eu ent-
sprechen scheinen (Anfang: die d' göttlich bona trait), wie auch dem Schluß (274^
versumn' vff weit nemen enpf . . .) bei uns im Leben der Finkin nichts entspricht.*)
5. Eine Sammelhandschrift des 17. Jahrhunderts (nach Sulser DKTfs. u.J S.4von
Placidus Murer) zu FrausnMd (Tkurgauische Kantonsbibliofhek y 105, Fol., Pap.)
enÜuUt (S. 30) einen Kurtzen Bericht von dem Anfang deß aoster Töß bei
Zürch, nach der Darstellung Elsbet Stagels G 2^—3^, unten 13, 12—14, 2.
S. 1 — [12] (von einer ersten Hand) die Gründungsgeschichte von Diessen-
hofen (Katharinental); 4 SS. leer;
auf 14 unpag. Seilen (zweite Hand) das Schwesternbuch von Diessenhofen,
mit Berufung auf P. Henrici scripta oder buch für diejenigen Lebensbeschreibungen,
die Heinrich Murer 1648 mitteilt, und die hier weggelassen sind;
auf 1 Seite (zweite Hand) einen Kurtzen Bericht von dem Anfang deß Closter
Töß bey Zürch, nach der Darstellung Elsbet Stagels G 2^—3^, unten 13, 12—14, 2;
S. 615 — 637 (unmittelbar anschließend, aber vermtUlich aus einer größeren
Sammelhs. stammend) eine Auswahl aus dem Schwesternbuch von Diessenhofen,
bezw. Nachtrag der zwölf oben weggelassenen, von H. Murer aufgenommenen
Lebensbeschreibungen einer Mitschwöster vor 200 Jahren, . . . derer Bücher noch
alda zufinden und wir denen hierinen nachvolgen.
Auf 25 unpag. Seiten: (L Blatt) eine farbige Ansicht von kloster Döss,
gez, Hans Jeggli (nachgebildet bei H. Sulzer, DKT Fig. 4); dann (4 SS,;
1. Hand): Gründungsgeschichte und kurze Chronik von Töß, fortgesetzt bis 1529
(„teilweise eine Kompilation der Bosshartschen Aufzeichnungen", H. Stdzer, DKT
S. 96 (16), Anm. 2); endlich, als Hauptstück (19 SS., 2. Hand): Gedenckhwürdige
Thatten vnd Leben derc Seligen Closter Frawe zft Töß bey Zürch Prediger
Ordens: das Schwesternbuch Elsbets in teilweise verkürzender Erneuerung, die
einzelnen Viten alphabetisch nach den Vornamen geordnet, mit Übergehung der
in scriptis P. Henrici zu findenden, so auch derjenigen der Elizabeth, Tochter
Königs Andrea in Vngern;
auf 3 unpag. Seiten (I.Hand): Gründungsgeschichte des Klosters im Bärenberg
(Beerenberg an der Töß).
Auf Greiih a. aa. 00. folgten von weitern Besprechungen des Werkes der
Elsbet Stagd:
F. Vetter, Ein Mystikerpaar des vierzehnten Jahrhunderts. Vortrag, gehauen
in Bern 1876, in erweiterter Gestalt erschienen Basel 1882 (ein Auszug bereits in
der N. Zürcher Zeitung, Feuilleton 1878).
*) nach gef, Müteüung des Hm, Oberbibliothekars Dr. H. Escher,
XV
/: H. S. Dmiße, Seme, MimdieM 18/6, l IS. 142 u. ö,
M\ Pref/er, OcschUhk der deutschen Mi/stik 11 ^ 5b\ ML
J. Bikhhld, Qeschichtc der dnitsrhen LiUerattir in der Schreb (1888) 317 f.;
Anmerkumjm S, uL
F, VetteTj Lehrhafte Litteratur des 14. und IS. xlahrhunderls (Kürschner,
Deutsche NaimmlUttei^alur XIIJ II, Gehüichm (1889), S. VII f, 24^—253 (Ein-
gang und Me^m Sidmibrin).
E, Schüler, Das mystiscJie Leben der OrderhsBchumtem m Töß hei Winterthur
(Berner DissertattoHf Zürich 1903),
Die letztere Arbeit beruhig tme meine eigenen einzelnen Yeroffenfliekungen^ auf
einer unvolhiändigen Abschrift , die ich i, J. 1876 in Bern von der St. Galler
Es, genommen habe. Eine Ausgabe der Stagdschen Schrift war, zusamufeti mit
einer solchen Susos, anyeMmdigt 1876j77 bei dem Erscheinen der von J. BäcMold
und mir herausgegebenen *BiMiothek älterer Schriflwerke der dmäscften Schwei^^j nt
welchem Titel damals, ebefn im Hinblick auf Suso, der Ztisatz *nnd ihres Grefiz-
gebietes' gefügt war. In dem Dnick mei^ws ^MysiikerpaarB* (1882) behielt ich mir,
da eine Förtsetmng der ^BibliotheJc* über die fest versprochenen 6 Bände hinum (denen
1892 nur noch ein 'Ergänzungsband ' folgte) bereits fraglich gewordeti war, wenigstens
die VeroffefilUchung des Stagehühen SchwesternbueJies vor, die in der Arbeit
Schillers 8. 7 als bevoräehend angekündigt werden konnte (vgl H, Sidzer, DET 96
(16) ^). Die Absicht, diese Arbeit Schillers, die das Werk Elsbets insbesondere von der
fsychologischm Seite würdigte, meiner Ausgabe als Teil der Einleitung ein^imrlmben,
mußte aufgegeben werden, da die St. Galler Hs. zum Behuf der Vervoll^ändigung
meifwr Abschrift lange Zeit nicht erhältlich ivar. Dafür habe frA in der Folge die
genaium und voÜsiündigen Abschriften ihres damallgtn Benutzers Dr, K. Bihlmeyer,
der im Zmammenhang mit seiner Ausgabe Susos auch eine solche des Schwestern-
buchen plante, aber dann davon euriickiraf, für die jetzige Ausgabe mit benutzen
dürfen: für diese seine Mitarbeit wie für seim Berücksichtigung meiner ältereti ttnd
fast schon veralteten Ansjmiche sage ich ilim hiemit meinen besten Dank.
Benutet ist ferner das Schwestembmh Ebbe^s in A. Hafner^ Das Dominikane-
rinnenkloster Töß (Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Wirderthur 1879^ darin auch die
einschlägige Stelle des Laurentius Bosshart, der jedoch nur im aÜgefneinen von der
Frömmigkeit der Tößer Nonnen zu berichten weiß); femer in Heinrich Sulz er,
Bilder aus der Geschichte des Klosters Töß (Neujahrsblatt der Hülfsgesdlschaft in
WinierÜkur 1903, Winterthur o. J., bei uns angeführt als BOT) Ä ^4—39: Inneres
Leben zur Zeit der Blüte, sowie in einer Erweiterung dieser Arbeit: Heinrich
SuUer, Das DominikanerinnetMoster Töß. L Teil Geschichte (Mitteilungen der
Antiquarischen OeselUchuft in Zürich, Band 26^ Heft 2, Zürich 1904y bei uns an-
geführt als DKT) S. 96 (16) — 102 (22).
Vö7i dem Leben der Prinzessin Misabet von Ungarn ist^ laiU einer Eintragung in
die Hs. G, i. J^ 1868 eine Abschrift gesandt wordm an ^Theodor Bothai, Landes-Dep. in
Ungarn' i ob sie dort zu einer Ausgabe dieser Legefide gedimd hat, iM uns unbekannt
XVI
Die St O all er Es. des Tößer SchtceiftembucJis, die mr unserer Atisgabe zu
grtinde legen, stellt, im dortigen Dotninikanerinnenldoster geschrieben (dessen schöner
Kreuzgang von 1507 noch heute a/n die Klosterzeit erinnert), eine genaue Wiedergabe
des im Predigerinnenkhster zii Töß verfaßten Werkes der Eistet Stagel dar, mit
allen Beziehungen auf den Ursprungsort, die allerdings durch den Miniator fast
durchgehend getilgt, bezw. abgeändert, oder auch ganz unverständig entstellt siwL*)
IHe Nürnberger Hs. von Bruder Johannes Meier hat zwar die Beziehungen
auf Töß und die Wir-Form der bezüglichen SteUen aus einer noch uhkarrigierten
Es. unverändert beibehalten; dagegen kennzeichnet sie sich als eine Erneuerung zum
Gdyrauche der Predigemonnen Deutschlands einmal durch ihre Sprachformen
(Mitteldeutsch des 15. Jh. mit ei, au, ew für mhd. u. oZani. i, ü, ü, — mit u für ft
usw.) und sodann durch verschiedene Zusätze und Erweiterungen, sowie gdegenUiche
Tilgungen und Umstellungen. Als Beleg für die Geschichte des Werkes und des
darin lebenden und davon ausgehenden Geistes mußten wenigstens diese Abänderungen
des Textbestandes angemerkt, bezw. aufgenommen werden. Auch für Unklarheiten
und Fehler ist der Nürnberger Text beigezogen, wahrend eine durchgehende Ter-
gleichung, die manchen Beitrag zur Kenntnis damaliger Sprache und Ätundart
bieten würde, durch die Anlage dieser Sammlung ausgeschlossen war.
Zunächst ist die ganze Einleitung von N (unten S. l—U) durch Johannes Meier
hinzugefügt, an Stelle einer kurzem von G, worin von den Verdiensten des Prediger-
Ordens, von der Gründung des Klosters Töß und dem strengen Leben daselbst, sowie
von der Entstehung des Büchleins die Rede war (unten S. 12—16, nach O !• — 5V-
Dafür bringt Meier (dessen Arbeiten wir durch kleineren Druck kennÜich machen)
(tönten S. 1 — 3, 7) einefi Prologus über das Nonnenleben, Angabe seiner Ztdaien
(Vorrede, Leben der Verfasserin, Nachrede, Register);
(unten S. 3, 8— 11, 16) ein Leben Eistet Stagds, meist nach dem Seusenbuch:
(unten S. 11, 17^11, 35) eine Schlußrede mit Gebet an Elsbet.
Es folgen sodann die Lebensbeschreibungen der Nonnen, so zwar, daß von der
zweiten an die Reihenfolge nach G eingehalten ist, daß aber als erste die der
MechÜiüt von Stans vorausgelU, die mit ihrer stattlichen IJinge (G 78"^ — 55*,
unten 8. 60 — 69) und ihrem eingelienden Anfangszitat wie eine ursprünglich
selbständige Arbeit aussieht und in G erst gegen den Schluß hin erscJieint: unmittel-
bar vor der ebenfalls sehr ausfiüirlictien (G 95^—114'^, unten S. 69 — 79) der
Jüizi Schtdthasin und vor der Vita der ersten Laieiischwester Ita Stdzerin. Der
Eingang der in G den Reigen eröffnenden Vita Itens von Wetzikon (In dem
süssen namen Ihesu Christi so vachent wir hie an u^c) spricht aber dafür, daß
O die ursprüngliche Anordnung der Verfasserin wiedergibt. Hierin stimmt iceiter-
hin N mit G üierein; auch der Text ist im ganzen der von G: einige Abweichungen
*) zB, 27a für diß kloster — korr, zu tßss für das kloster; 5Ö» hie inn — korr. xu
tÖBs; 51^ wir . . unser gutten bild — korr, sy . . . ir gütteu bild (hier garnz meehaniäch vnd
unverständlich) usw. Anderes (besonders die durchgehende unvollständige Korrektur von [W]ir im
Anfang der Abschnitte) s. in den Lesarten,
XVII
in den Eingängen vßrrafen mch ah Ahandenmgeti dadurch^ daß det' hanfige
einfacJte und sachgmmfie Beginn Wir hallend och ain . • swcster fnehrfmfi
variiert ersdmnt; zB. 99^ (untm Ä 5o, G 35^): Auch halten wir; 29^ (unten S. 36,
6 37^): Die selige swcster; 3ä^ (tmlen Ä 40, G 43*^): Es was auch; 34" (untmi
S, 43, G 48^): Die selige swester; 35" (müen S. 45, G öOy: Auch was ein; 36**
(unten S. 46, G 52^): Die selige swester; 37 '^ (miten S. 47, G 54^): Es was auch;
37* (untm 8, 48, G 55^): Hie was auch; 46^ (unten S, 69, G 95^): Die selige
swester; 56^ und 56^ (ufdm S, 83, G 122\ und S. 84, G — 134^}: Auch hatten
wir; — offenbar in der Absicht, mehr Ähtpechslung in den sehr reicMieh geplmüeu
Initialemckmuck £it bringen; eine Anzahl Kapitelanßnge mü W sind wohl aus
demsäben (rrunde lediglich mit rotem oder Mauern Buchstaben W ohne Initialbild
bezeichnet: N J7^ (unten S\ 30, G lO^J, 24"" (tmteti S. 29, G 26% 26" (unten
S. 32, G 29^), 39^ (unten S. 35, G 35^), 34^ (unten S. 43, G 48^^}, 42- (unten
S. 55, G 67% 35^ (unien & 62, G 120% 57^ (unten S. 85, G 125% 57^ (untm
& 85, G 126%
Die Einteilung in 33 KapÜd, die in N das Schwesternhuch (mit Ausschluß
de3 L^etis der Prinzessin Misabet) aufweist, verrät sich als ttmtrsprünglich schon
dadurch, daß sie auf ein dem Werke der Stagel nicht ungehöriges erstes Kapitel
(Prolog *nit Leben der Verfasserin) aufgebaid ist, sowie dadurch, daß gelegentlich
eine sdbständig gemeinte Yit^, une die der Bdi von Sure, nicht besonders gezählt,
sondern mit der der Elshet Zolnerin bu defmelbeti Kapitel 15 gerechnet wird, Zusätze
des Redaktors J, Meier sind offenbar auch die Vberschrifien seiner Kapitd:
ziemlich nichtssagende trnd formelhafte Angaben des hAalts mit Nefinung der betr.
Schwester^ eB, 42 "^ Von den hoche genaden die do got der herr tet Swest*
Sophie von klingnaw. Das XXIllI G. gegenüber dem einfachen Titel mn G ff/*,
unten 102^ ^ von der salgen S. Sophya vo klingenow.
Als Kap. 34 ist sodann in N eine ^ Be^chließung* und — ztimeisi wieder nach
dem Setisenbuch — ein Abschnitt über Muttet* tttid Vatet* des Seusen nebst einer
Seklußpermahnung beigeg^en (unten 5. 95 — 98),
Auf das Schu?esterrAuch, das nach dem Leben der Elsbet von CdUnkon
(CeUikon Ü, Tdlikon N) in G (und V) mit eijiem einfachen Deo gratias, in N
mit dem erwähnten 34, Kapitel und einem Explicit vi las sororum usw\ ahgeschlossefi
ist, folgt m allen drei alten Handschriften die 'Legende* der Königstochter Eli sab et
von Ungarn, und zwar in G auf der unmittdbar amchließendm (obwohl bei der
[spätem] Paginatur als 150"^ statt 145'' bezeichneten) Seite 329"" ohne Überschrift,
aber mit Leerlassung von etwa 6 cm der Kolumne {in auf derselben Seite mit
der Oberschrift: Ton der sälgcn S. Elsbet von vnger vii edlen küngin), in N
auf derselbefi Seite LXVIP mit der Vberschrifl: Hie fahet an die legende usw,
(unten S. 98) und mit einer nach der Vorrede neu mit 1 beginnendmi Kapitd-
Zählung (0 hat von einm* solchen nur einest Ansatz, indem am SeMuß der Ein-
leitung (unien S. 99, 11) die Überschrift stdtt: Das ander Capp(i/ei]). Am Schluß
wird nadi sämtllchm 3 Uss. (G 1B7^ ff., Ü 183 \ N LXXXU^^, mten 8. 120,
Dest«die Tflxtfl dn lÜttslAlUra VL ^
xvin
3 — 18) die von etlichen Leiden misslich oder zweiff liehen beurteilte ^ Legende^ verteidigt
mit Berufimg auf ein Gesicht, das nach dem Tod der 'Königin' eine Töfier Nonne
gehabt habe. Eine solche Verteidigung dünkt uns nidit in IHsbets Art; auch id es
befremdlich, daß sie zwar das Leben der Prinzessin (deren Tod, 31. Okt. 1336, sie
um 23 Jahre überlebte) beschrieben, dagegen die mit Prinzessin Elisabet besonders
befreundete Schwester Elisabet von Baldegg, die 50 Jahre in Töfi lebte und später
heüig gesprochen ward (Murer, Hdv. Sancta 367), mit Stillschweigen scÜte über-
gangen haben. Leicht könnte Elsbet Stagel zu jenen Leuten gehört hohen, die der
Verherrlichung ihrer einstigen Klosterschwester Königin Elisabet kritisch gegenüber-
stunden, wahrend es wiederum Zeitgenossinnen gab, die diese wegen der Strenge
ihrer Hofmeisterin, der Frau von Bussnang (unten 8. 101, 31), und der Harte ihrer
Stiefmutter Agnes (S. 100. 101 ff. 117) als Märtyrerin zu betrachten geneigt waren.
Nichts zunngt jedenfalls, die Stagel für die Verfasserin auch dieser Legende zu
halten, wie wir dies früher (Mystikerpaar 53) sdbst getan haben. Geu?isse allerdings
lediglich in O erscheinet^ Eigenheiten der Schreibung (Häufigkeit des Circumftexes,
den wir im Text beibehalten hohen*) und der im Schwestembuch auf das Wort § und
wenige einzelnen Fälle — Eigennamen wie Olli, unten 24, 21 — beschränkt isi)
lassen vielmehr auf verschiedene Schreiber und wohl auch Verfasser der beiden
Werke schließen.
Es kommt dazu, daß gegen Ende des Schwestembuches Spuren einer fremden
Fortsetzung oder nachträglichen fremden Bedaktion auftreten:
G 128^ (unten S. 86, 31-^87,4) spricht die Stagel noch in erster Berson von
sich als Verfasserin, zu der die Heldin der bez. Biographie, Elsbet Bechlin, kommt;
in der unmittelbar folgenden letzten Vita, der der Elsbet von Cdlikon, heißt es
(O 140\ unten S. 93,15 ff., vgl. 90,21; 91,5. 21 ff.), diese hätte die salgcn
Schwester Eisbeten Staglinum die dis ales von ir schraib gebeten, sie im Alter
zur strengen Beobachtung der Askese zu mahnen.**)
um so eher wird man für die in den Hss. hierauf erst folgende Legende
der Prinzessin Elisabet von Ungarn, wo nirgend von einer der Schwestern als
Autorin die Rede ist, geneigt sein, eine andere Verfasserin als Elsbet Stagel anzu-
nehmen. Für das letzte Kapitel des Schwesternbuches, für die Vita der Elsbet von
Tdlikon (Cellinkon G), hat schon Johannes Meier wenigstens Ergänzungen ditrdi
*) Der heutigen Mundart entsprechen die Verlangerungen vor r: w6r (= quis) i07,31'^ h^r
(= ezercitüs) 115, 37, — Einfluß fremder Mundart könnten schwankende Formen wie bietzcn
103, 2, überwunden 111, 25 sein, ebenso dür (= tür) 107, 36 {vgl, dagegen 108, 2), fnas drit
115,19', Bechechzehen 118,4; gcsin 104,23, neben gewesen 104,32 und gewessen WS, 1 ist
wohl auch sonst belegt.
**) Dagegen sieht freilich nachher {G 144 «, unten 94, 32 ff.) die Beschuldigung der Schwester
die dis von ir geschriben hat, ihre Pflicht als Krankenwärterin über gottesdienstlicher Übung ver-
säumt zu haben, wieder ganz wie eine Selbstanklage der gewissenhaften Verfasserin aus. — G 113 «
(unten S. 78, 99 und Anm.) sind, wie es scheint, die Spuren einer in erster Person erzählenden
Autobiographie zu tilgen vergessen worden.
XTX
eine andäre Schwester vertnutet;*) einer Solchen tvird auch nmere Legende von
Köniffin Elsbet stmischreibm sein.
Mit dieser Legende der Primessin Elhabet ist Jokünnes Meier gegmither dem
Text von G (und Ü) in benig auf die Aufeinanderfolge dm* Teile ziemlich frei
verfaJiren.
Seine Vorrede minächst setzt er zusammen L aus derjenigen von G (150^ —
151^^ unten 98, 31 — 99^14): Betrachtung über die Fiikrung der Äuserwäfdien £um
emgen L^en^ der X Meier noch den in G vieUeicht für die dort gelassene Likke
van 6 cm bestimmten Text: Esto fidelis usw. vorangehen läßt, 2. aus einer
spätem Stelle von G (152^—153^, unten 101 ^ 1—18): Betrachtung ilber das
Wirken Gottes in dieser FürsUnj die der h. Mar gar et a von Ungarn an die Seite
gestellt wird und an der sieh Gott besofiders wunderbar bezeugt hat). Zu Kapitel 1
sodann ist vereinigt die ganze Torgeschichie von Elisabets Klosterleben, die in G
durch die erwähnte zweite Betrachtung unterbrochen istj G 151^ — 152^, UTiien
99, 14 — 1()0^ 22: Familiefigeschichte bis zu der Erbauung Königsfeldens und der Ver-
bringung Etisahets nach Töß, U7id G 153^— 154^ unten 10119^102,3: Aufnahme
ins Kloster Töß im 13. Jahr, Weihe des Altars der VerMlndigung Maria und der
h, EUsabet; ^or^eitige Einhleidung der Primessin; dereft Hofmeisterin,
Die Kapitel 2 — 9 bei Johannes Meier geben sodann die Darstellung von G bis
zu der langen Krankheitsgeschichte der Heldin in der Anordnung des Originals
ziemlich genau wieder:
Kap, 2 ^ G 154^ — loff* unten 102,4—28: stürmische Brautwerbung Herzog
Heinrichs von Österreich^ der in swaben land (G in dis land) kommt; Kampf
und Sieg Elisabets, der Gott die Heimsteuer gibt, die er seinmn Sohne gegeben.
(Hierauf folgt in G noch, ujiten 102, 28—103, 2: Achtundzwanzigjdhrige Klosterzeit;
allgemeines Lob der Demut und wütigen Armut dieser Braut Christi),
Kap. 3 = G 156^ — m8\ unten 103, 3—104, 3: Besuch der StiefmuUer Agnes;
der Dürftigkeit Elisabets wird durah Verleihung Öningens gesteuert. Kur in
Baden, Besudi in Königsfelden, Empfang in Zürich, Einsieddn, Töß. Klage über
ihre Stiefmutter, Erneute Strenge gegen s-ich selbst,
Kap. 4 = 9 158^— 159\ uiüen 104,4^21: Eifer im Beichten. Grober
Beichtiger; dessen Beschämung.
Kap. 5, vgl G 156^, utUen 102,33 ff.: Bei ihrer Zartheit fällt ihr manches
schwerer als andet^n.
Kap. 6 = G 169^ — 162\ unten 104,22—106,15: Dmnut. Beue über ver-
botenes Beden. Verhalten beim Kapitel, bei Tische ttsw, Gebete und Andachten.
Ktip.7 = G 162'-164\ unten 106, 16— 1(F, 22; Eigene deutsche Gebete;
sieien Ave-Maria.
*) N 67 ^ fittitn: Dis Capitel beduDcket micli [ich] hab nit ^äiick folet aus ijeechrlbs
Swestcr P^tsbeth SUglhi bcöiind* ein ander Bweet' hat dar zu ffeloi^t vil es volpracbt- Vnd
lägt vö d' alton awest' Ebbet he Tellikon vn toh irem gutte lebe. Das XXX iij. C.
XX
Kap. 8 = G 164^ — 167^, unten 107,23^108,36: Im Gebet sieht man ne
ellenhoch über der Erde schweben. Gesichte van eweien, die sie betriibt haben.
Kap. 9 = G 167^—168^, unten 109,1—28: Mitlidung. MiUrauer. Kranken-
besuche.
Kap. 10 ^ G 168^—171\ unten 109,29—111,12: Wunder: sie heiU durdi
Berührung die lahme Hand einer Frati, löscht ein beim Bereiten von Bosenwasser
in Brand geratenes Ofenhäuschen durch das in einer löcherigen Wanne herbei-
getragene Wasser.
Kap. 11 und 13 geben die in G S. 17P—183^ (unten lU, 13^ 117,15)
enthaltenen Abschnitte in verschränkter SteUung wieder, indem Kap. U msommai-
gesetzt ist aus G 171^ Unser her — 182^ der tod und 182^ Do sy nun
— 183^ trostes (unten 111,13—116,30: Lange Krankheiteprüfungen, durdt die
Elisabet zum Tode vorbereitet wird, und 116, 38— W, 9: Schönes Ende, Dank an
die Schwestern), Kap. 12 aus G 182^ Do nun die zit — 182^ vatters land und
183* Und in dem andacht — 183^ beraitet ist (unten 116,31—38: Letttes Gebet
der ihres irdischen Vaterlandes Beraubten ton Aufnahme in das ewige Vaterland,
bei geöffnetem Fenster, und 117, 10 — 15: Tod als Übergang ins bessere Leben).
Dazu fügt J. Meier als eigene Zutat die Aufforderung, die selig Verstorbene
um ihre Fürbitte anzurufen.
Das 13. und Schlußkapitel J. Meiers entspricht den Seiten 183^—188'' in G
(unten 117, 16 — 120, 18), doch mit wesentlichen Umstellungen. Es folgen sich hier
von dem unten gegd)enen Texte:
118, 20—119, 12: Eine Tößer Schwester wird am Grab Elisabets, nach Begdnmg
des Dreißigsten, von zwei Krankheiten geheilt, eine andere vom Fieber (ritten)
befreit;
117,16 — 25: Klage des Konvents. Die Verstorbene bleibt 8 Tage unbegrahen;
zur Leichenfeier kommt ihre Stiefmutter, der sie nachts erscheint^ was sie ihr aber
gesagt, muß mit Agnesens Herzen sterben, da es nickt mehr gutzumachen ist; doch
tut diese seither dem Kloster noch mehr Chiles als bisher;
118,15 — 20: Wundertätigkeit der Verstorbenen im allgemeinen;
118,1 — 14: Ihre alljährliche ganze Beichte; Zeugnis ihres Beichtigers;
119, 13 — 120, 18: Übertragung der Leiche in ein „gehauenes Orab^', wobei jene
nach 30 Wochen noch unverwest gefunden wird. Nach Abfassung der Legende
erhebt sich vereinzelter Widerspruch; aber eine Tößer Schwester sieht im Traum
einen Mann in bischöflichem Gewand vor dem Altar die Legende dem Konvent
und einer Schar zur Messe dienender Herren vorlesen und die Wahrheit des
Geschriebenen bezeugen.
StaU der in G 188^ 189^ (unten 121, 11—19) noch folgenden Schlußvermahnung
(die zu Gott erhöhte Königin um ihre Fürbitte anzurufen: vgl. den 2!usatz J. Meiers
hinten- 117,15 unseres Textes) hat J. Meier hier eine andere, unmittdhar auf seine
Leserinnen, die Predigerordensschwestei% berechnete: Das Leben dieser Königs-
tochter soU den Nonnen, die aUe Vorteile des Ordens genießen, ohne solche Tugenden
XXI
SU iüen, ^n Yorbäd sän^ dem Anfangswort der Legende (Eslo Rdelis tistf\, s, o.)
flachzustreben und die Krone des ewigen Leherv^ mi gewinnen. — Daran schließt
J. Meier noch die MUeihing der Orabschrift ElisabeU.
Aueh in der EHsabetenkgende ist wie im Sehwesternbtwh die Ordnung der Teile
samt der Kapiteleinteilufig bei Johannes Meier unursprünglich; das Original kuUe
diese nicht und jetie nach G,
Hier in O verläuft nach der Vorrede die Erzählung der Vorgeschichte von
Elisabds EJoster leben zwanglos mit eingestreuter Betrachtung: in N ist diese bei
dem Erzälüer durch dm Schicksal der Königstochter hervorgertifene Betrachtung
mit der Vorrede verbunden^ offenbar lediglich um die Ergähhmg nicht mi imter-
breclien. Anch bei dm- zweiteft Umstellung (Meiers Kap. 11 w, 12) scheint das
Streben nach Konzentration den Bearbeiter geleitet zu haben: er verspricht sich
offetAar mehr Wirkung, indetn er das schone Gehet Elisabets unmittdbar vor ihren
Tod rückt und den in G erst darauf folgendeti Abschied von den Schtvestetm vor-
aufnimmt. Gans willkürlich offefibar sind sodann an die Zutat vom Anrufen der
Fürsprache der Seligen die zwei an ihrem Grab geschehenen Wmider angereiht^
wozu die ursprüngliche Einleitung (Elisabet als Wmidertäterin^ IIS^ 15 — 20) dann^
nachdem erst die Geschichte von der Beisetzung Elisabeta und vom Besuch Agnesens
nachgetragen ist, völlig vereinzelt und imverfniUelt nachfolgt. Die Mehrstellmi
sodann (nach 117 j 15 und nach 120^ 16) ergeben sich aU Zusätze J, Meiers schon
durch ihre seelsorgerliche Tendenz,
Unser Tejd des Srhwestemhmhes und der Misabetenlegende gibt die Hs, G
uneder^ mit folgeftdm Abweichungen von der tust. Schreibung einer-, vom fmitigen
mhd. Schreibgebratich andrerseits:
Mhd, anlautendes u, in G g^chr. v: gedruckt u (vnd, vflf, vn >
und, ufF, un),*)
n n h in G ,, h „ j (iar > jar).
„ „ ie, in G „ je, ie, ye: „ ie, ye (jemer, iemer > iemer;
yemer > yemer 4ö, 24)*
,, ö (gam offenes e), in bisw, geschr. ä; in diesem Falle gedr. ä (nÄchl,
geschlächt, Inkhen, sälig}.**)
^^ k, in G geschr. e mid ä; gedr, e (wer [e], wert [= mArf, du wgere]
75, 14. 15) und A (^Äch 57, S3)***)
*) m = im i*i okimonnisch [heute noch achaffhau^erisch) == mhd. ät](e) : 12^7. 14,6. 2(K 20, S,
34, t2. 35^ LI, 60, 2 L 35, S'}y2S\ ebemo und nicht uta zmummengesetttes Adj. ist wohi auch
un&OTg 63^ 27 aufzufautn.
**) doM I III sälig t>ermuilkh bereiU^ itie hetde in der 3Ia.t kutM gesprochen: daneben erscfteijti^
sicher mit kurzem ä und q, ealig 35, 4, eftlgen 35^ 26 u. ö.j aelgy 26^ 3.
*♦*) Neben geb[e] €5, //j. 7/j, 13 1 bete 57,3. 78, /; stech, brech 74, 3; |^ebi*rd S't, 20; lemerlieh
S8^27, wcneu €6^ 32 »iehen geliie, tkil ipri cj.J 5.9, 20. 6S, 14, lini^vüch rhS,27, g^ar bat! 50, /J;
dicht nehm a&cb 57» 55; geaöche 57^ 2 L
xxn
JOd. Ö,m0 fetekr. 6;^ yedr. 6 (gMIkfa).
„ dbyimG ge$d^r. ö: geAr. « (UHieh^ tAs8 > Ttes).
yj a, in G geukr, anL t, m/. ü: gtdr, n (über, for).
„ ia (ö) f]i G gewekr. omL ▼, M. u: gedr. A (ut,^ for).
„ ei, tfi (r ^«»cAr. ai: jttlr. ai (am, hailig). *^
„ ao, tu G getckr. anL ▼, hd. ft: ^r. ft (tU > ibt, gftt). f)
,, üe, tn 6 gesekr. atd. i, ML &: ^eclr. ü (fbet > Jkbet, gAtj).
„ oa. m (r gtnehr. o: psdr. o (odi, og, bom [9g. u.fL12, 17]^ ^oben, firow).
,j 5a, fM G geadir. 6, 6w; ^ecb*. 6, Aw (firAd 71, ID. 12, frftwlin JOO, 1^,
bescb6wd 08, 36)\ daneben audi in G gesdir. und €&f. gedr.: o, ow
(frode A3, 35, frowUn JOO, JO). ft)
D^, tm es sdteint, der Mundart txm G gemäße Übergang vom wikd, ä m d
wr nttt) ^ beibehalten: taiend 23, J9ff n^ftai ton, geton (= getin) 23^ 5. 32: ^ai
23, d if€Am ston 24, 1, stond fiS, 2; gat 28, 2^. ^, 19 nAen goD 25, ä> lasen
89,20 neben Ion 32,24, tmd neben an (= äneX 9. o. (dagegen han 4Mr>i);
aifcft nattren 23, 2 fielen ander 18, 7. 66, 32. Die van späterer Hand herrßhremden
Karrdcturen van hat m bat ^ 70, 35) ader bat (65, 8) sind nida amf g esm mm e m,
sondern blaß unter den Lesarten angemerkt Der Mundart des Se kreä er s dagegen
gehSrt der Übergang i > ie var r an: ieren ^. pass.) 73, 38, ieren (neben irren
70,27. 29) 61, 14, wohl audi der Zwischemfakal in karaft 113,20, darnxft 118,6.
Mhd. s, SS und z^ tz, in G zu s (an- und ndautend [ geschrieben) und seinen
Verdappdungen (ss, ß) zusammengefallen, ersAeinen im DruA ob s, ss. JFiir
3 steht in G — und im Drude — nadi langem Vokal bald das einfache, bald das
doppdte s, letzteres öfter audi im Auslaut: wis (= wi5e, zusammenfallend mit wis
= wisc, 38, 34) 31, 32. 34, 27. 39, 4. 43, 19. Ul, 19 (hier mit Circumfl. wfs
geschr.j, aber wissen acc. pl. (= wi3en) 44, 24, tco das zureite f allerdings vom Miniator
gestrichen ist, während 58, 12 Ton den wifen; ebenso gros 3S, 6, grofe o9, 21, bfts
40,14, flos 31,8, nos 31,20, hies 29,30, lies (frt. ind. tmd cj.) 60,4. 19,17,
*) HO, 37 erlceschint sUht Hatt etne» sekyndären ö ein oe ge^ckriehen,
*♦) = mhd. int, iht, zB. 48, 27; daneben vot > unt (ü wM kurz, vgL alam, künsch < kusch)
27, 9. 47, 19. 49, 18 und heute noch »chaffhau$erüeh nfint = mkd, niht, nicAtf.
***) daneben vereinzeU a in schao, erschan 31,31. 33.
t) aber häufig mit blossem u stund (prL von ston) 23, 21, 24, 18. 40, 34. 45, 20. 4S, S. 4S\ 16.
56, 32 neben stund 14, 15. 17, 9. 23, 27; auch trug steht 54, 21. Vgl. ging neben sonstigen gieng ^S, .5'>.
fr) In dem Ortsnamen Elgeo 25, 12. 40, 8, EUgu 82, 19. 21 {neben Elg6 24, 2S. 44, J»
scheint mit co t derselbe mhd. Diphthong öu gemeint zu sein {ahd. Eilahgowa, heute n^ch Elggaa
neben Elgg).
Oi) vereinzelt vor m: abnoment 112, 18.
§) Diesen Unterschied zwischen der jungem Zusammenziehung hau und den alten Formen
wie st4n vdgl. halten die nordostalam. Mundarten bis in die Gegend Elsbet Stageis nock heute
• •*» ■ *
fest: BiL, gä, 14, m& (< mäne), cha (< koraen), aber hä; weiter sudlich sind & und ä zusammen-
gefallen; weiter nördlich {in Schaffhausen) ist an zu u geworden (stü, gü, lu, mü, aber ha), was hei
Klebet auf ön « äne) beschränkt erscheinL
naiswas 55, 5, flis Öl, 12, flis% 30, 21. 34^ 16, fli^klich, fliseUichon 36, 7. 33.
29 j 4, emsig 23, 14, emscklicb 62, 7, tascTi 89^ 20, Torlascnhail 23, 19, unmäsig
25t 7^ fliefen 65, 50, süsikait 5i, 19, weÄe« grosse, grosser 58^5, 55, 23 y sass 59^ 38,
hiess 55, 2, fliss ^3, 8. 19. 57, i. 45, 50, flissig 23, 23, flissklich 57, 5, über-
mässeklich 20, 6^ süssenklich 55, 22, nach Kons, emsig 23 ^ 14, emseklich 67, 7
neben emssig &7,4^ emssklich 29,22 {atick emschecklich 26^34). — ss däU auch für
mhd, eiftfaches s im Aüb- und Inlaut: ross (= rose 42^ 22), böss, bössen 23 j L
22, 16 (neben Usen 59, 20), huss 59, 38. 66, 2 (nehmt Iius 2CK ^h spiss 50, m
(neben spis 20 j 19 und nebmieinander spiss nos 31^20), müss (— miuse) J6, 7,
gelass (= golas) 30, 5, gewessen 118, 15. Immer mit ss (ff) erscheint der Orts-
name töss, immer mit s dis und das, sofern letzteres fücht archaisttsdi durch die
Abkürzung dz ausgedrückt ist, die u4r in das auflösen; auch die erUsprechends
Abkürsunff wz (= mhd. waz), die nach bekamiter falscher Analogie auch für tnhd.
was steht, ist in beiden Fallen als was aufgelöst.
Das Schwanl^n zwischen ht und cht (moht 65, 1 neben häufigerem mocht) ist
im Druck beibehalten, ebenso der ma. Abfall des atisL l nach ch, insbesondere vor
Guttural: moch gon 51, 21, raoch gedenken 52^ 13, rech gehes 57, 15 (aber auch
aodacb, do 24, 15, ai]dach beglrlich 105, 19^ moch mit 59, 36, rech spielend 19,34,
gedaeh sy 25, 2 *). 87, 10, frag sy 55^ 40, folbracb sy 61, 20 *% versehniach
umb 102, 37) ***) und ebenso das durch falsche Analogie an ausL ch, imbes. vor
Gutturalf), angetretene i: ertrfcht gieng 75, 34, ertrich* tt) kumen 76, 30,
ertriebt ttl) gesteket 78, 26^ geselleklicht gegen 105,6, gesacbt dich 25,5*),
spracht do 34, 26, ocht elwenn 90, 7. Auf die heutige ma. Aussprache des st als
seht dmirni Schreibungen it^e vermist 26, 17, erlost end 111, 10 hin.
Die von G angewandten, im DrucJ: aufgdösten Abkürzungen (Striche über der
Zeile) treten mmeid auf für n und m: vö, mesclie, weil; irolköen, erbafen; auch
für d in vö und pieÜeicht in millideiies 70^1, wo wir allerdings die regeln^ Form -cndes,
find wen 70, 5, wo wir die heutige alum. Form wend « mhd, wellenl) nicIU eifitu-
sdzen getcagt habefi; für b in kumer 37,3, gedr. kumber, und in vim, gedr. ümb, da-
gegen, wie es scheint, ßir m in darn 56, 20. 23, warü 34, 7, gedr. darum, warum,
versehentlich darumb 33,14; für e in geborn 12,5. 75,1, ge^ir. geboren; ain-
gebofnen 50, 8; 68, 31, gedr. aingeborenen, obwohl auch -rnn- moglidi wäre. —
Einfaches n ist, wie es scheint, audi mir gu ergänzen in mi 38, 34, gedr. min
:
*) hier im, Druck üertchenüich t ergatnL
**) 1^/ nocA gesellscbaff die ll'^^l; lata^ der 12,14; duok das i^^2\ Ahfali ^on ä: utidank
(= imd d.) 115,29; im Worte: anren 105,17; gninlos lt4^24\ mäglkh im,ß.
***) hier üt das a^efaiiefie t nacftträglicfi üi>ergt$cJtrietfen^
j) ma. auch »anst^ tB. in Scltaffhavsin Licht (= Hch, Letche)^ ichtfott. -licht (<; Hell);
Weinhoid, Mhd. Gr. § 194,
tt) das t nathir. üiterge^chrithen.
ttt) das Wort gestridten und neu «rtrieh daneben gucltrid^n.
I) Bat t käue wM tm Dtmek ideiben können^
XXIV
(= mhd. minne), mieklich 36, 18. 22, mirich 28, 5, gemille 1?, 3, wogegen aller-
dings miü 43, 1, miüender 33, 25 in Formen mit nn aufzulösen waren. Für no
62 f 35 bietet das gleich in 36 folgende nun die richtige Auflösung. — Außerdem
begegnen noch die üblichen Abkürzungen im Lateinischen wie oms = omnes, zps
für Christus, sodann — regelmäßig als Titel und meist auch als Appellativ —
. S • = Schwester; S bedeutet aber auch 'Sanctus^ und war nadi 23, 32. 24, 4 u. ö,,
wo es ausgeschridfen erscheint^ als Sant aufzulösen.
Der Schreiber von O hat die alam., noch heute geltenden -i der Endungen häufig,
docfi nicht durchgehend, {als i, y) beibehalten, worin wir ihn folgen: küssy 26, 12,
underliby 37, 12; hetli 56, 18. 65, 19 dicht neben befände 56, IT. 65, 21; aber
befundy 41, 7 ; wölty, sölty, wurdy 27, 15. 16. 20; sogar bati 50, 15 aus bäte
korrigiert; mit nüti 59, 19 und mit nuty 33, 5 gegen mit nute 56, 26. Aus dem
voUen dienolind 44, 26 ist durch Korrektur dienetind gemacht und bei der Wieder-
holung dinetind gesetzt.
Auch die heute noch in der Nordostschweiz (als -ed, -id, -end) erhaltenen flek-
tierten Dative des Infinitivs auf -end, -cnt sind in O und danach bei uns, obwM
nicht durchweg, gewahrt: ze hörend 14, 2, aber in derselben Zeile ze sagen; zesechent
vnd och ze essend 20, 20; zewürken* {das t nachträglidi zugesetzt) 12, 7; ze tuend
23, 17. — Mo. ist femer das st. Prät. 2. 8g. Ind. aufi mit i- Umlaut: du wert 76, 14. 15,
sodann allen als n. sg. m. 49, 12 (vgl. der 57, 9 u. Anm.), Aenso -ing für -ung in
Abing 21, wonach auch manug belassen ist (die heulige Form ist -ig, in Sduiff-
hausen -ing). Vermischung von Konjugationsklassen nach G bei schliege 65, 17,
erzaig 104, 23 (oder Verschreibung für erzaigt?).
Umlaut und Nichtumlaut (bei Synkope) im schw. Vb.: vbet, do vbt 20, 6.
Zusammengesetzte Worte sind in G häufig getrennt, was wir durch (Ideinern)
Zwischenraum wiedergeben: werkhus, redvenster, hobt küssy, hör hörn und her hörn
34, 8. 39, 25, underliby 37, 12, über süss 41, 24; belassen ist lisl. Trenmmg von
davon u. dgl. 37, 23. 25 u. ö.
In G gegen unsern Gebrauch zusammengeschriebene Worte dagegen sind eben-
falls durch kleinern Zwischenraum getrennt: ze sagen, zetünd.
Absätze sind selten und durch große rote Anfangsbuclistaben (im Druck Fett-
Schrift) ausgezeichnet. (Der Druck macht außerdem solche nach Bedürfnis: s. m.
8. 17). LatdnsteUen, Eigennamen und einzelne Ausdrücke sind meist durcfi rote
Unterstreichung (im Druck Sperrschrift) hervorgehoben; die Titel sind gam rot (im
Druck fett).
VereimeÜe Abweichungen unseres Druckes von der hsl. Schreibung (bei offen-
baren Irrungen) sind durch Kursivdruck kenntlich gemacht. Doch bezieht sich das
nicht auf jene durchgehenden Korrekturen des Miniators von G, die insbesondere die
Beziehungen auf Töß, obwohl nicht gam vollständig, beseitigt haben (oben S, V*).
Diese roten Korrekturen sind in den Apparat, nicht aber in den Text aufgenommen
worden. Dagegen geschieht dies mit den schwarzen, vom ersten Sdir eiber herriilir en-
den Besserungen, wobei die erste Lesart, wenn sie nicht bloße gleichgültige Ver-
XXV
Schreibung ist, im Apparat vermerkt wird: 59, 11 ma, korrigiert in herr; 13 als,
nachträf/lkh getilgt.
Da der Druck eigene Interpunktitm einführt, sind die in der Handschrift ^ur
Gliederung verwendeten größeren Burhstahen, die meist auch tmniieit sind, nicht
besöfiders gekminzeichnet worden: die Sckriftnaehbildtmg gibt eine ausreichende Vor-
steilung davon.
Vim den übrigen Hm. lieferte die Nürnberger (N) aUMn die Vorrede (S. 1 — 11)
und den Beschluß (S. 95^98) des Bruders Johannes Meier ^mi 1454^ nihsi der
ohgemidertmi Scklufiverfnahnung (S. ISO f.) desselben Abschreibers, Der in Nürftberg
schreibende Zürcher eeigt in Mundart und Schreibung Abweichungen Vöfk O und
dem Mhd.j die unser Abdruck der bez. Abschnitte tmdergiht:
Mid. i > ei ey, wodurch tnkd, l und el zusaimnenfaüen (mein, sey — ein,
heilig, heylig); dmh kormnen vereinzelt lyden Ij 7^ lichlfertrkeit
1^ 11. 21 (daneben leichtfertikeit S, 2)^ beLtkemertia 1, 7
(daneben böchlein, binlein 3, 2L 4, 12) vor.
„ ü > au, zusamfnengefaüen »lit mhd. ou (auf, lauter, hauß, räumen),
„ iu (d) > eu, eü, ew, ew, ew, Eusammengefallefi mit mhd. öu (fround 8,25^
Seosse ö, 7, teut^sch öftere Seüsse 4^ 19, eusserlich 9, 26,
kreücz «9jio, ieücz 3,17, frewnd 5,33, krewcz 8,25, lewchl
11, 10, ewr öfter, getrew 120, 20. 29. 34, fr§wnd 4, 7, lewlzsch
5, 20; daneben tützsch t*» o,).
„ ie > i (d. h. i) (liber 6, 5, 38, 23, nissen 121, 15, sich tage 9, 14; da-
neben meist lieb 120, 35, ieckÜch 6, 31, geniessen 7, 16).
„ 110 > u (d. A. ü) (rauler 5, 24, raul 6, 6, tun 6, 3% lug 9, 2, prüder
4, 18)\ damheti ii (buch 1, 2, suchen 3,5, brüder, sg. 4,24,
pL 4, 7); bei w verkürzte Schreibung: uow > w (rw 120, 25,
rwlein 6, 28, neben unruwe 9, 6 und ru 10, 30),
„ üe > ö, w (d. A, wohl u, nicht üe) (fügen 8, 14, niülich 8, 18, prüder
pL 4, 7; frw öfter).
„ ou > ou, au, aw (zusammengefallen mit itihd. ü), in Verbindung mit
w: > aw (tougni 6, 29, urlaub 10, 26, trawiu 5, 15; frawe
l, 5, getraweu 7, 13).
„ öu > ew, EusammengefaUen mit nJid. iu (fröwd 5, 18),
„ Ö und oe sind wenigstens in der Schreibung zusamtnengefallen (gönich —
fröUch, Töss).
„ u y oß n (wfmder 2, 16, jung 3, 30, nun 4, 31),
*) einmal in f. geton ^, 25.
DenU^bft Texl« d«s UtttuliJt«» VI.
XXVI
Mhd. ü > u, w (aber, für, lustlich 9, 25 neben für, lustlich).
„ ä > 6, neben ä (worent 4, 14, geton 7, 19. 22 neben getan 7, 8, gedocht
11, 14, dor ab 4, 27, genoden 1, 18, begnoden 10, SO neben
genade 7, 22. 23).
„ 8B > 6 (andechtig 2, JtO, were 11, 12, Sprech 10, 19).
Neben diesem meist mitteldetdschen Vokalstand zeigt Johannes Meier in den
Konsonanten die bayrische Schreibung p neben b im Anl.: puch 10, 6. 7. 8, pis 6, 13,
furpas 6, 1. 13, pei 7, 4, pild 5, 33, ploss 5, 22, prüder 7,4 ti. ö; femer cz für
und neben z, tz (leczen 8, 34, hercze 9, 6, geczogen 9, 28, uncz 8, 31).
Absätze sind auch hier fast keine gemacht, die Hauptabschnitte durch farbige
Initialen, eimdne Säte- und Wartanfänge durch rote Strichdung des Anfangsbuch-
stabens oder der beiden ersten Buchriaben hervorgehoben. Wir aoemden hiefür FM-
druck an, ebenso wie für die ganz roten Titelwarte, während rot unterstrichene ge*
sperrt gedruckt sind,
N ändert häufig im Nebensatee die Wortstellung nach modernem (wohl damaliym
mitteldeutschem) Gebrauch:
hatt gewonel 14, 12 — g. h.
ab tisch gieng hungriger 14, 14 — h. a, t. g.
das sy es von andacht tätt und von ainem minenden hertzen 27, 16. ü
— d. s. c. V. a. u. V. e. m. h. t.;
und im Hauptsatze:
hftt sich vor aller verlasenheit mit fliss 27, 14. 15 — h. s. m. f. v. a. v.
N war neben dem altem O in erster Linie für eine Ausgabe beizuziehen, weil
es mit seinen Zusätzen und Abänderungen und in seiner mitteldeutschen Mundart
ein wichtiger Beleg für die Wertschätzung von Elsbet Stagds Werk noch am Schluß
des Mittelalters, sowie für die geistigen Zusammenhänge dieser Zeit ist, vermöge
deren damals ein Zürcher in Nürnberg seifte Mitbürgerin dort einfüJiren konnte als
swester Elysabeth Staglin von Zürich von dem closter Töss prediger ordens
tflczscher provincie«
Bern, im Sommer 1904,
Ferdinand Vetter.
Vorrede des Bruders Johannes Meier.
[2<*/ In dem namen Ihesn Christi der ewigen wishait facht an der prologas oder
die vorrede in das buch der seligen swestem prediger ordens von dem closter TOsse.
Mundam servavi animam meam ab omni concupiscencia, Thobie
tercio capitulo. Diso wort stand geschriben in dem bücli Thobie in der
dritten underscheid, und die schöne andechtige jungfrawe Sara Raguelis tochter 5
sprach si zu unserem herren in irem heimlichen bettkemerlin, do sy in grosser
betrübt, kumer und lyden was; der meynung also ist: Reyn hab ich behalten
mein sei von aller unzimlicher begirlicheit. Und sprach auch forpas me: Et
nunquam cum ludentibus miscui me neque cum hiis qui in leni-
täte ambulant: und hab nie mich vermischet under die da unzimlichen 10
schimpff/^^/en sind, noch auch under die da in süntlicher lichtfertikeit wonen
sind.
Also mag auch wol ain ieckliche swester sprechen von prediger orden, die
den heyligen orden wol und löblichen gehalten hatt von dem ersten ingang in
den orden und in das closter byss an daz ende ires tötlichen lebens, so si 15
under die heiligen und engel kumpt in dem himelischen hoff für den kunig
der eren: Hundam servavi animam meam: Herre Ihesu Christo, dir sey
geseit genad und danck und ewiges lob; wan von deinen genoden hab ich
mein sei reyn behalten in der sorgklichen weit vor aller unzimlichen begir-
licheit, und hab mich nie vermischet under die da mit unzimlicheit des schimpffes 20
der Sünden umbgangen sind, noch under die da in lichtfertikeit des Schadens
ir selbs eygen seien gewonet hand.
Wie aber gar vil swestren in prediger orden in manigfaltigen clöstren und
in mengen landen gar in grosser heiliger tapfferheit in dem orden gelebt hand,
1. Stau der ursprünglichen Vorrede, O 1^—5^ [unten 12^16], bietet N die folgende Vorrede
des Bruders Johannes Meier (1454) mit desselben Leben der Verfasserin,
1 In bis 2,11 proyincie (Überschrifty Betrachtung Ober das Nonnenleben nach Tob. 3, und Um-
gang JBU Schwester Elsbet): selbständige Einleitung Johannes Meiers. 5. ragnelis N. 23. Clöft*^;
/. clöstem?
4. 5. Tob. 3, 16. 8 bis 12. Tob. 5, i7.
D«utsehe Text« des MitteUlten VL 1
2 Vorrede Jofteumes Meiers.
und laatter und rein ir sei Got von aller [2cJ unzimlicher begirlicheit behalten
band, und sich behüttet band vor allen den die da in süntlicher leichtfertikeit
gewonet band: des band wir gar vil gelesen in gescbrifft und auch von andren
gebort sagen, wie in vil lenderen und swesterclöster gar manigfaltig-e bücher
5 sein die da melden das beylig geistlich andechtig leben der seligen swestren
Prediger ordens. Und soUiche gescbrifft oder bücber sind gemeinlicben gemachet
von etlichen geübten geistlichen brüder oder swesteren prediger ordens, als si
denn söUichs mit gar gütter gezeugniss von iren vorderen erfaren hatten oder
auch mit ir selbs person das gemercket oder gesehen hatten.
10 Und also hat auch getan die selige, weise, andechtige swester Ellysabeth
Staglin von Zürich von dem closter Tösse prediger ordens tützscher provincie.
In dem closter wonete sy under den swestren als ein Spiegel aller tngenden»
das si mit fleis und sunder minn mit irem krancken leib diss gegenwürtig buch
zesamen gefügt, geschrib/^<</en und gemacht hatt, das da zu einem teil seit von
15 dem seligen leben etlicher vergangener seligen swestren ires closters Tösse,
und was grossen wünders Got der herre mit inen würcken was, das do vil
reisslicb ist zu andacht allen guthertzigen swestren. Und von deswegen das
diss gegenwürtig buch färhin dester tröstlicher und dester nützlicher werde
und das es auch dester ördenlicher und bas stände, darumb so hab ich, Got
20 zu einem ewigen lob und allen swestren für die dis buch würd komen, ze
7. brüd' so; wohl ^getneinsame Flexion* mit ewesteren. 12 In 6i« 17 swestren (Susoi
menschen) aus Suso {Den. /, 142, Eins. 62<i). 17. swestren N] menschen Suso. 17 Und bis 3,7
Explicit prologas (Angabe der Zutaten des Schreibers: Vorrede, Leben Elsbets, Nachrede, Register):
selbständige Bemerkung Johannes Meierf.
11. Staglin, als weibliche Bildung zu dem Oeschlechtsnamen Stagel, ist von Spateren (3furer,
Helv. sancta 315. 367) zu Steiglin und Stehelein entstellt worden. Die längst ausgestorbene
Familie Stagel in Zürich erscheint 1267 als Outläterin des neuerrichteten Augustiner- Klosters daselbst,
wo sie ihr Begräbnis hatte {Leu, Helo. Lex. XVII, 491; Mijstikerpaar 52), Rudolf Stagel {vermutlich
Elsbets Vater) 1314 als Zeuge bei der Aufnahme der ScJiwestern Sc ha fei i ins Kloster Otenbach, wo
auch eine Nonne Elisa d et Stagel lebte, Otto Stagel und dessen Sohn Otto 1348 {wo/d Bruder und
Neffe Elsbets) als Stifter einer JaJirzeit in Töß. *Ruodolfus Stagel am RindermarchC ist 1307 Zeuge
neben 'Jacobus Nobilis de Warte' [bei Töß\ und ^Burch. Schaf linus\ 1313 werden Rudolf
und seine Söhne Fridrich und Otto^ ''die Metzre\ durch Herzog Lüpolt mit der Fleischbank
belehnt. 1292 erscheinen Rudolf der ältere und der jüngere; einer von ihnen hat eine Frau Mar-
gareta: diese ist wahrscheinlich Elsbets Mutter. Einer der beiden Rudolf gehört 1306, ein Kunrat —
der Bruder der Otenbacher Nonne — 1329 dem Rate an, ebenso ein Fridrich 1339. Spätere
Glieder des Geschlechts: Leu, Lex. a. a. 0.; MystUcerpaar 52. Elsbet scheint die Tochter des Ratsherrn
Rudolf und seiner Gattin Margareta, die Schwester der Metzger Fridrich und Otto gewesen zu sein,
laut einer wahrscheinlich eigenhändigen Bemerkung in einer Abschrift von Betrachtungen des Bruders
Johann von Ravensburg, die aus Töß durch Schenkung des Johann Friker aus Luzem 1378 ins^
Frauenkloster von Engelberg und von hier in das von Samen gekommen ist. {Mittig. Ths. v. Liebenau;
Mystikerpaar 52): Gedenkent dvr gotS- [swester] Elyzabeten ftaglin ze tcez in dem klofter
vnd ir vatter ßuodolfen, Margareten ir muoter, vnd drier ir bruoder, Fridrichef, Otten, vnd
Ruodolfes. Gedenkent euch einef ßredierf hies Bruoder Johans von RauenTporg, von dem
man vch [euch?] den meiften teil an dif bnoch gab. Elsbet sdieint um den Anfang des 14. Jahr^
hunderts geboren und um 1360 gestorben zu sein.
Vorrede Johannes Meiern i Eiihet Stugä$ Leihen. 3
trost, dise vorred gemacbet in dis buch, und in dem Anfang desselben buchs
so hab Ich das heilig leben der obgenanten s wester Elsbethen geachriben, und
die nachred oder die beschliessung diss bücheß, das es dester volkommener sey,
hab ich anch gemachet, und das man der seligen swestren leben dester e finde,
so man es sucht, m hab ich auch mit gehalten eappittelen ein regyster über die
buch gemache t.
Explicit prologOB.
/>/ Hie bebt oder facht sich an das buch der swe»treE leben predige? ordeng
von dem cloater tqe T^sse, das da leit tn tützschen land. Und yon ersten aa^
es von dem heUigen leben der seUgen ä wester Elysabeth Staglin: Das erste 10
capltel. Die vorred in awefiter KlBbethen leben.
Sapiens melier edificat domum suam; proverbiorum XIHL Diss wort
schreibt der weise kunig Solomon in dem buch der sprtlchen an der XIITI iindf*r-
scheide, und sSnt wol vor ge weissaget und werden t auch eygenlichen zugelegt
der weisen fr a wen, ja der heiligen jtingftaweu, und swester Elisabeth Staglin 15
von Zürich prediger ordens von dem cl oster genant T^/Sse, welch ^*JfV er wort
meynung also ze teücz lauten tat: Ein weise fraw die ist auffrichten und bawen
ir bauss. Diss hat wol geton die weise selige swester also das sie mit leben
und mit ler das hauss irs closters wol aufgericht hat und doby auch manig
ander closter in täwtzschem land mit dem lemunden ires guten lebens und mit 20
der geschrift ir guten biichleiUi die si gemacht und zesamen gefügt hatt und
auch gehauen und zu geistlicherem leben aufgericht hat. Und darumb das ir
beserlicbes leben und . . . nit sei hlnsleichen, darumb so hab ich gedacht
Got dem herren und seiner gesegenten muter zu einem lob und den menschen,
besunder den swestren prediger ordens zu einer nützlichen besserung irs leben^ 2S
2e schreiben das leben %vi einem teil derselben seligen sweeter Elisabeth, als
vU [S^J ich das selb ersucht und erfunden hab.
Hie facht an ir seüges leben.
Dise selige swester EÜsabet Staglin die was bärtig von der st^t Zürich Con-
Stanzer bistum von gutem riterüchen geechlechte. Und in iren jungen tagen 30
do ward si Got dem herren geopffert in ein geistliches leben in prediger orden
in ein closter genant Tösse. Und nach dem als ire kintliche tage sich vergangen
hetten und in dem orden bestetiget was und gehorsamkeit getou und verheissen
hat, do ward ir ördenliches wol geschicktes leben eigenlich geczogen durch
die rechten mitel, also das si ward gar geistreicher vemüftigkeit und auch 35
8 Hie bk 4,1 richten [Üherscfitift, B^traehiung über ^sbetg Lehm nach B-otn /J, ailgmneities Loh
der Mrcherin Ekbtt und deren EintHtt ww Klmer): selbständige Ztttat Johannes Meiers. 12, S mä
Miniatur'. Schwester Ehbei im Ordensgewand ^ auf hoehlehnigem KüÜieder sitsendt sahreiU {mit der
Linken) in dm uor ihr auf dem I^ft Ikgefide liniierie Buch. N. J2* niüHer K 16 ► hier und tteiierkin
(4,14} Toffo iV. 23, i/^er äi nach und (wo eine Lücke) mindestens ein Wort auigefaUeni sterben?
12. Prüv. Sat. 14, L
4 Vorrede Johanne» Meters: Elsbei Stagels Leben,
wol koDd verstan hoche geistliche ding und ir leben darnach richten. Der
edel ker den si nam zu Oot mit herczen und sei, was so kreftig das ir
enpfielent alle weltliche süntliche üppige [S^] Sachen, do mit sich manger mentsch
säumet seiner ewigen selikeit. Aber aller ir fleifi was stellen nach g'eistlicher
5 lere, mit der sy mocht geweist werden zu einem seligen Tolkommenen leben,
darnach alle ir begird rang. Si gewan kuntschaft etlicher weisen gelerten
heiligen Gottes fröwnden, besunder der seligen brüder die da warent von irem
heiligen prediger orden; under den gewan sy kuntschaft dess heilig-en hohen
meisters bruder Erckardus, Ton dem, und auch von etlichen andren mer, si gar
10 vil gtlter nüczlicher 1er enpfleng. Allso schreib si an, wo ir von sollichen seligen
Personen icht lüstliches werden mocht, das sy und andre menschen gefürderen
möcht zu gotlichen tügenden. Si tet als die gewirbigen binlein, die das süss
honig aus den manigfeltigen blumen eintragend. Und wiewol das was das zu
iren ß<^] zeitten vil seliger swester worent in dem closter Tösse, so was si doch
15 mit beiliger furnemikeit die andren übertreffen, und lewcht gar clärlichen under
in als ein spiegel aller tügenden.
Nun lebte in derselben zeit ein vil heiliger man prediger ordens von dem
covent ze Constantz; des namen geheissen was prüder Heinrich, und nach dem
gemeinen namen so nennent wir in den Seüssen. Und nit allein was er über-
20 treffen an hochen tügenden und an überswencklicher heylikeit, sunder auch so
was er fümem an götlicher kunst der heiligen geschrifft und an Weisheit heil-
samer 1er. Und das was in sflnderheit sein begird das er möchte heissen und
sein ein diener der ewigen Weisheit. Do nun dieselbe selige swester Elisabet
kflntsam gewan des selben heiligen brüder prediger ordens, do ward sy von
25 Got mit grosser andacht ß^l zu seinem leben und zu seiner 1er getriben. Nun
was aber dise swester gar ein arbeitseliger leidender mensch; darümb begen
sy oft von im, das er ir etwass sagt von leiden ausser eigner enpündung, dor ab
ir leidendes hertz ein kraflft möcht nemen, und das treib si vil zeit mit im,
wenn er zu ir kom. Also zog dise swester dem guten bruder mit heimlichen
30 fragen die weiss seines anvanges und fürganges und etlich übunge und leiden
die er hat gehabt, aus. Nun west er ir meinung nit grüntlichen und sagt es
ir allein zu einer pesserung in götlicher heimlikeit; also schreib sy alles an, ir
1 Der bis 6 rang aus Suso(Den.I, i41 f., Eins. 61 <^. 62 o). 6. trang A^. 6 Si bis 10 empfieng
{Verkehr mit Gottesfreunden aus dem Predigerorden, insbesondere mit Meister ^Erckardus*): selbständige
Zutat Johannes Meiers auf Grund der Erwähnung von Ekkhart'Studien Eisbets bei Suso (Den. 14ö^
Eins. 63^: meister egghard). 10 Allso bis 13 eintragend aus Suso (Den. /, 142^ Eins. 62<i).
13 Und wiewol bis 22 heilsamer 1er (Hervorhebung Eisbets unter den Tößer Schwestern, Einführung
und allgemeines Lob Susos): selbständige Zutat Johannes Meiers. 16. Dieser Susonische Aufdruck
schon oben S. 2 Zeile 12, s. d. 22 begird bis 23 Weisheit aus Suso (Den. 1, 13, Eins. 24 «).
23 Do bis 26 mensch zusammengearbeitet aus Suso (Den. 1, 142, Eins. 62<*^ und Den, 1, 13, Eins. 24 <^).
26 begert bis 5,6 wänte aus Suso (Den, I, 13 f., Eins, 24 cd), 31. Die EntscJnddigung, daß
Suso die Absicht Eisbets nicht gekannt, ist Zutat Johannes Meiers,
12. binlein] Die Vergleichung der gelehrten Nonnen, die sich von allen Seiten her Kenntnisse
sammeln, mit fleißigen Bienen schon bei Aldhelm, De laudibus virginitatis (ed, GHes, Oxf. 1844)
Kap. 4. (Ebert, Gesch. d. chr.-ktt. Litt. 587), 23. Ewige Weisheit, Aetema sapientia, ist Susos
Ausdruck für Gott und Christus,
Vürrtde Jchannes Meiers r Elshei StageU Ldrni^ Ö
und andren menschen zn einem bebelfen, und tet das verborfenlichen vor im.
Dar nach da er diser geistlichen diepstal innen ward, do bestraft er sy dar ümb
und must es im heraas geben. Er nam es und verprant ess alles das im do
ward, Do im das ander teil li""] auch ward und es auch verprant wolt haben,
do ward es im underBtanden mit himelischer potacbaft von Got, die im do 5
geschah, die das wänte Also macht sy darnach ein schönes puch darauss» das
wir mit gemeinem namen nennent das Seussen puch. Aber von des wegen,
wann er sy tiberleben was, do kam das selb puch darnach für in; do was er
es richten zu einer rechten form, nnd schreib etliche gute dlnek mer dar zu in
irem namen. Do die swester aber nochten het die ge&ehrift in sexsternen ver- 10
porgenlichen in einem gebeym, do gab sy es ze behalten und zu verpergen
einer ander swester in ein beschlossen laden. Also kom ein ander gute swester
zu der die es behalten het, und sprach: 'Bia, liebe swester, was hast du ver-
porgens götliches wunders in deiner laden? Lng, mir was heinnacht vor in
einem trawm das ein jünger himelischer knab stünde in deiner laden [-^J, und 15
hat der ein süsses seittenspil in seiner hant, das man nent ein röböblein, und
do machet er auf ein geistlichen reien; der ward als reisslich das menigklich
do von lust und geistliche fröwd empfieng. Ich pite dich, gib es herfur das
du beschlossen hast, das wir andren es auch lesend. Sy sweig und wolt !r
do von nit sagen, wann es ir verpoten was. 20
In dem ersten anfang diser seügen swester Elisabeten wurden t if ein-
getragen gar hoche, vernüftige, ilberswenckliche sinne von der plossen golhelt,
von aller dingen nichtikeit, von sein selbes in das nicht gelassenheit, von aller
püden pUdlossikeit und von manigfaltigen sollichen synnen. Die 1er was gut
in ir selbs, aber sy kond im nit geton, wann liinder sölichem so möchte grosser 25
verporgner schad ligen einfaltigen und anfahenden menschen. Also begert dise
swester von dem seligen vater Heinrich, dem diener der ewigen Weisheit, daa
er ir in söllichem /;>«/ ze hilff kerne und grobe 1er under wegen liesse und ir
von hochen sinnen schribe. Er antwortet ir also: 'Rechte selikeit leit nit an
schönen Worten, sy leit an gutten wercken; fragest dn aber nach söllichen 30
hohen Sachen darch eines leblichen ervolgens willen, so rat ich dir doch das
du davon lassest, und nim sölliches für dich das dir gemesse sei» wan du
scheinst noch ein ungeübte swester, und nim filr dich das pild der frewnden
Gottes, wie sich die des ersten mit Christus leben nnd leiden üpten, wann also
6 Alfio bii 8 für !D {das *Seustnbuch^ komm! nach ElabetM Tod an Smo)i trgmztndt EuUU
Johanne» Meier*, 8 do wue Am 10 nam©D, vffL Smo (Dm, /, 14, Emv. 24^); Elwas guoter
lere ward och naeh ir tod in ir perBon von im darzuo geleit. 10 Do hü 20 was, vgL Su»ü
(Den. 166 f, ^m. 6t/ ^) und Einieitung zu Suio {Den, /, 7, Ein». 23). 10. f weiten K
10. ten «# noch am Bande naehgetragen A' 10» scxsterneiD ] In der Einleitung zu Suso (Den.I, 7,
Eins, 23^ i«t von den quaterneo dies ersteo Binnerichen buoches die Rede. 12. einer and' N-^
t.i e. andern? 21 In hu 6J3 kaneten aus Suso {Den. i, 143—145, Eim. 62^-^) mit einigen
Kur£ungen^ und mit Ahandernng dtf Stelkn^ kw der Verkehr EUhets mit Suso als em brieflicher be-
xeichnei «1, s. unten 2fi f\ (Eins, tfl^*): Si schreib dem diener, 29. EtTi». 62^: Der diener
schreib ir hio wüder also.
16. röböblein] Den. /, 167 1 aftB. rebec, iL ribeba, dreisaitige Zither oder Oeige. VgL Zwing-
Uana {Zürich 19Ö2) Heß B: 'Das Rabögli^ ein von Zmtngli gespieltes Musikinstrumen f.
d
6 Vorrede Johanmes Mekn: EUbH SiageU Leben.
Wirt ein anfahender mensch gereisset und ftirpaaser geweiset in das nechst se
komen. Wiewol das ist, das Grot der herr sölliches einem menschen in einem
augenplick geben möchte, das pfligt er aber nit gewOnlichen ze ton. Es mnss
aber gemeinlichen erlitten und erstritten und eramet werden.' 8y sprach zu
5 im also: 'Liber vater, wissent, das mein begird ß^J nit stat nach klugen wortlen,
sy stat nach heiligem leben, und das han ich mut recht und redlichen ze
erfolgen, wie we das immer mag getan, es sei leiden, meiden oder sterben oder
was das ist das mich zu dem nechsten pringen mag, das mos volhertet werden.
Und erschreckent nit ab meiner krancken, zartten, fräwlichen natur, wann was
10 ir gettlrent geheissen, das der natur we tut, das getar ich erfolgen mit der hilff
Gottes. Und fahent an des ersten pei dem nidersten und weisent mich hindurch,
als man ein junges schulerlein des ersten leret das zu der kintheit hört, und
ess aber und aber ftirpaser weisse t pis es selber wird ein meister der kunsten/
Also vieng der heilig vater an und was die selige swester Elisabet an weisen
15 zu einem anfahenden gutten leben, und weiset sy unter andern dingen das sy
des ersten räumte ir gewissen mit einer ganczen lauter peicht, und also das si
mit guttem [5^J fleiss der peicht rewte nach ir vermüglicheit, also das ir ir sünd
vergeben würden von 6ot vor dem peichtiger, als der lieben sant Maria
Magdalenen geschah. Auff disen heilsamen guten rat viel die selige swester
20 mit begird und meint das ir der selb heilig vater der peste wer, das sy im
peicht tet. Nu lagent die Sachen also das die peicht mit wortten nit mochte
geschehen. Do nam sy alles ir leben herfär, das in der warheit rein und
lautter was, und wo sy sich yendert hat nach irem sinn verschuldet, das schreib
si an ein gross wechsln tafel und sant im die also beschlossen und pat in das
25 er ir aplas Sprech über ir sünd. Also fügt es sich desselben morgens frü, do
der heilig vater die tafel noch nit enpfangen hat und auch noch nit von der
Sachen west und er an seinem andechtigen gepet was und nach dem gepet sieb
saczt in f^^J ein stilles rwlein, do kam er in ein Vergangenheit der äussern sinnen.
Do was im vor vil der götlichen tougni, und unter den andren ward im ein-
80 geleuchtet, wie Grot die engelischen natur het gesündert in ir formlichen weiss,
und wie er iecklichen also sein sünderlichen eigenschaft nach sünderlicher
ördenlicher aussgescheidenheit hette geben, das do nit wol ist ze worten. Do
er nun ein gute weil mit den engelischen Jünglingen himelische kürczweil het
gehabt und im sein gemüt frölichen was von dem überflüssigen wunder das
35 sein sei befunden hette, do was im vor in derselben gesicht wie das disse
5. Eins. 62 c; Die tochter schreib im hin wider also. 11. an oder on N? 13. Eäbets
Qleichnü vom Pelikan und die Antwort Susos {Den. /, 140/'.^ Eins. 02^, OSo) sind hier weggeblieben^
der Anfang des anschließenden Abschnitts {Den. /, /47, Eins. 6'^«*) liegt im folgenden stark verkürzt vor.
16. laut' N\ /.: lautern? 19 Auff bis 25 sünd (etwas verkürzt) aus Suso {Den. /, 147 f^ Eins. fj3f»c)
19. Auff u. s. w.] Abweichung von Suso^ wo diss bild (von Magdalena) von der tochter ins Herz
aufgenommen und nachgeahmt wird. 21. mochte N. 25 Also bis 7,8 tun wolt (Qesidä
Susos von Elsbet) ist aus einem spätem Briefe Susos (Den. /, 149 f. y Eins. 63^, 64 <^) hieher an den
zeitlich richtigen Ort voraufgenommen, wobei in der Erwähnung Elsbets die Du-Form des Briefes in
die 3. Person verwandelt werden mußte. 33. kwrczweil (mit über das w gesetztem Doppelpunkt) A*.
32. Die Vorstellung von der besondern Art jedes Engels stammt aus Thomas von Aquino I.
p. gu. 50. a. 4: Den. /, 149^.
Vorretie Johann f» Mtkrtt Ehth^i Stayds Lehen,
heilige swester Elisabet kerne eingan und far in stunde, do er sass ttnder dem
engelischen gesind, und mit grossem ernsr so kniet sy nider für in und neigte
ir antlücz auf sein hercz, tind also kniet si ein gute weil, das es die heiligen
engel, die da pei stunden, pj^J [es] ansahen t Also nam der prüder wunder von
der getürstikeit der s wester; doch so stund es ir also heiJiklichen an das er es
ir giitlichen gestatet Und noch einer guten weil do richlet sy sich wider auf.
Do ward ir antlücz so frölichen und so gnadenreichlichen gestalt das es künt-
liehen ward das ir Got sunder genad hat getan und auch mer tun wolt, Do
nun dess selben tages dem dien er der ewigen weissheit die peichttaffel ward
und er sie aussgclass, do stand ze hinderst daran also: *Nnn falle ich sündiger ID^
mensche für ewr füss und pitten euch, das ir mich wider pringen in das götlich
hercz und das ich ewr geistliches kint heiss in zeit und in ewikeit/ Ab der
heiligen tochter wol getrawende andacht wart der selig vater hercziglichen
bewegt und sprach auf zu Got also; *Eia, zarter herr mein, ich falle mit ir ftir
dein tugenthaftige fasse und pitten dich das du sy erhörest. Sie sucht die 15
reicheit/tf*7 des herrn in seinem knecht; lass sy geniessen ires gütten gelauben.
Sprich ein tröstlich wörtlein zu ir, sprich also: Confide filia, fides tua te
salram feeiti Dein guter gelaub hat dich behalten; und hab es stet an meiner
etat, wann ich hab das mein geton und hab ir gewünschet ganczen aplas aller
ir Sünden/ Also do diss alles geschehen was, do enpot er ir wnder pei demselben 20
potten, und schreib ir wie ir begird were geschehen und wie es im alles were
vor geoffent von Got und wie ir Got gcnade hette geton* Also ward sy vü fro
und lobt Got, von dem ir die genad widerfaren was.
Nach disen dingen allen do tröst und sterkt der heilig vater prüder
Heinrich, der wirdig diener der ewigen weissheit, die selige swester Eisbeten 25
mit manigfaltiger heilsamer geistlichen gutten ler, und pei sunder so sant er ir
die pild und die ler der beilM*'^71igen altvetter» das do seit under andren dingen
von grosser strenger hertigkeit und von raanigfaltigem abbrechen. Also meynt
die gut tochter, ir geistlicher vatter hette ir das in der meinung gesant das
sy nach der heOigen altveter strenger weiss irn leib auch mit großer kestigung 30
Bolte Üben, Und also vieng sy an ir selbs abzebrechen und sich ze peinigen
mit heren hemden und mit seilen und grewligen banden und mit scharpffen
eissen negelen und des geleichen fil. Also do sy diss etwas zeittes hat getriben
8 Do his 12 ewikeit au^ Su^q [Den. iiS, Eins. 63^), 12. ewres (SSer w ein Doppelpunkt)
mii nachträglich gesfrichentm es ^V. 12 Ab Ais 22 vqq Got, etwas üerkürzt^ aus Smo {Den. /, t4ßf^
Eim^ tf^ctf), 13. getraw^fie A*; /.: getrawenden? 17. Conti de uew*] Die bei Suso voravsgthende
Erwähnung der 'Heidin\ d. L des Eanaanitischen IVeiU» {Matth. /.>, ^2ff,}^ igt hier übergangen^ *■ unten.
22 und wie bi$ 23 was: Zuiai Johannes Meiers\ ef^enso der Übergang im folgenden Absatz 24 Nach
bis 26 glitten ler. 26 und pei sötider bü 33 fil aui Swo (Den, IM, Eim, 6äd ßßa) ntit
selbständiger kurzer Zusammenfassung (27 das do seit bis 28 abbrechen) der bei 8uso üoHinhaliiich
fnitgeteiiten Lehren der Attifäter. 33 Alao bis 9,18 minicklichen Oot {eerkurzi) aus Suso (Den. l^
157—160, Eins, ö'fifa^^-).
18. Mat^. 9, 22 {vgl Marc. 5, 34 und LuL S, 48 ohne Con£de) £u dem hfuim*igen Weibe
SA Kapernaum : vielleichi der Grund, weshalb Johannes Meier die vorherige Hindeutung auf das ahn-
iicke Qe!tpra<;h mii der * Heidin^ {Matth, 15^ 22 ff. \ Luk, 7 ^25 ff,) weggetasBen hat, die ihm wie eine
Vencechslung Voder erquickung vorkommen mtychte.
8 Vorrede Jokamnet Meiert: EUbei Stapels Lebern.
und er eein von ir innen ward, do verpot er ir es gancz nnd gar, nnd sprach
unter andren Worten zu ir also: 'ünsser lieber herr Ihesos Christas sprach nit:
nement mein crewcz auf euch, besonder: ieder mensch neme sein krewcz auf
sich. Da solt nit ansehen ze erfolgen der altvetter strengheit noch auch mein
5 herte Übung, da solt aber aass dissem allem dir ein fß*J krewcz machen, das da
wol mügest erczewgen, also das die ontagent in dir sterben nnd mit leib lang
lebest/ Das wandert aber die selige swester warttmb er ir das weren was
and aber in sein selbs person die aller swersten, hertesten and grösten übang
hatt. Do antwortet er ir and sprach anter anderen worten also: 'Die ausser-
10 weiten frewnd Gottes band gar angeleich übong gehabt; wer kan aber das
wander alles aassrichten, denn [das] der herr, der ein wunderer ist in seinen
frewnden, und der von seiner grossen herschaft wegen mit mangerley weisen
will geübt werden? Dar zu sint wir auch ungeleich genaturt. Das eines
menschen gutter fug ist, das fügt dem anderen nit; lug aber ein iecklicher
15 mensch mit fleiß zu im selbs und merck gar eben, was Got von im welle, und
sei demselben genug und lasse andere ding beleiben. Wann, gemeinlich ze
[7^J sprechen, so ist vil pesser bescheiden strenckheit ze füren wann unbe-
scheiden. Seit dem mal das mitel mülich ist ze finden und es recht ze ergreiffen,
so ist doch weger ein klein darunder ze beleiben, den zevil darüber ze
20 wagen. Es geschiht dick, so man der nattur ze vil unördenlichen abbrichet,
das man ir darnach ze vil unördenlichen muss wider geben. Aber soliches
strenges leben mag den menschen nücz sein, die sich selber ze vil zart halten
und ir widerspenige nattur auf iren ewigen schaden ze mutwilicklichen brauchend
Das gehört aber dir und deinen geleichen nit zu, die da ir nattur ördenlicben
25 richten sint. Gk)t der hat mengerhand krewcz, domit er sein freund kestigen ist,
und dar ümb so versieh ich mich wol, tochter, das Got ein anderley crewcz auf
deinen rücken wolle stossen, das dir noch peinlicher wirt denne semlicher band
ke8tigung/7V sey. Dasselbe krewcz enpfahe gedultiklichen, so es dir wirt komen/
Also fügt es sich das darnach, do nit vil zeittes hin kom, do greiff Got die
30 seligen swester Eisbete an mit langwerigen siechtagen, das sy ward an dem
leib ein siech, dürre, dürftige uncz an iren tod. Sie enbot dem heiligen vater
Heinrichen heimlichen wie es ir ergangen was, alss er ir vor het geseit. Kr
cnpot ir hin wider und schreib ir also: * Wissest, liebe tochter, das Got nit allein
hatt dich damit getroflTen, sunder hat auch mich in dir geleczet, wann ich
35 niemant mer hab der mir mit söllichem fleiß und götlichen trewen beholffen
sei meine püchlein ze volpringen alss du test die weil du gesunt warst. Und
dar ümb so hab ich Got den herren getrewlichen über dich gepetten, möchte
17/*. Über dieses Citat Susos aus B[or]nh[ardu8] (so Eins. 06 <^ am Rande)^ Epist. ad fratref
de Monte Dei /, 2, vgl. Denifle, Seuse /, iöii^. 18/'. Nach Den. {Seuse A 156*) Citat aus
Cassian, Coiiationes patrum II, 16. 24 Die bis 25 sint] Zutat Johannes Meiers. 31. ein
siech ililrre dürftige] wold mißverständlich tastende Wiedergabe des allerdings unklaren ein siech-
turftig bei Suso (Eins. 66<^y wozu Den. /, i55^c). 36. teft so K 37. ich ] bei Suso a. a. 0.
erzäJilt von hier an der Hriefschreiber von sieh in der dritten Person (der diener u. s. ir.), vofur hier
in der Wiedergabe Meiers die erste gesetzt ist.
3. 4. MaäL W, 3S. 16. 24. Marc. S, 34. Luc. 9, 23. /4, 27. 12. Fsalm 67. 36.
Vorrede Johannes Meier»: EUt6et Stageh Lehen,
9
es sein wille sein, daz er dir denne geeantheit gebe. Und do mich Got nit
pald wolt (7^} erhören, lug do zümete ich mit Got eines iVewntlichen zürnens,
und meinte ich enwolt© von dem minicklichen Got nit mer püchlein machen
und woite auch meinen frölichen gewönlichen morgengruss von unmut wegen
under wegen lassen, were sach das er dich nit wider gesnnt machte. Und do 5
ich also in disser unruwe meines herczen nidergesass in iinsser csppel nach
meiner gewonbcit, do entßnneken mir die sinne, und also dünekt mich, es kerne
ein engelisehe schar hin fdr in die cappel, und sungen einen himelischen gesang
mir ze trost, wann ey mich in sunderm leiden do westen, und fragten mich
war ümb ich also trawrig were und nit mit inen auch sünge, Do seit ich in !€►
mein unördenlich entrichtung» die ich von deinen wegen gegen dem lieben
Got hettCj das er mich der pete deiner gesuntheit nit erhört bette. Do meinten
die himelischen geist, die heill/^*'/igen engel, ich solte nit also tun und solte
ablassen, wann Got hcte den sichtagen über dich verhenget durch das aller
peste. Und das solte dein krelicz sein in disser zeite, da durch du sottest er- 15
werben grosse genad hie und manigfaltigen Ion in dem himelreich. Darürab
so piss geduliig, tochter meine, und nim es auf als ein freuntliche gab von dem
minicklichen Got,*
Also beleih disse selige swester Elsbeth ein ser grosser leib krancker
mensch stet gar vil zeittes piss an Iren tod, und beleih in grosser danckberer 20
gedultigkeit und wuchss auf in mannigfaltigen tugenden und in hohem heiligem
leben. Also fügt es sich das ir geistlicher vater dick zu ir kam und ir s wache
leidende person erlaben was mit götlicher gutter tröstung. Er seit ir etwan
von seiner kintlichen andacht, wie er Got in seiner kintheit hette gedienet, das
da gar lüstlichen zc hören [S<^J ist götlichem gemüt, und gar vil anders seit er 25
ir; etwan von eüsserlichem leiden, etwan von innerlichem leiden und wie leiden
geschaffen sei, wie nücz es sei, wie er des so recht vil gelitten habe. Auch
etwen so wurdent si also auf gecEOgen in Got, da sy retten von ubertrefenlichen
2. frtjwntlichen {nichi freTent liehen) A^ überdnmimmend mii Su*o a. a.O. 19 Also 6fes 22
leben] der Übergang itt Zutat Jtyftannti Meter». 22 Also Aw 27 habe] kurze Zmammenfa&mmg
dti«^^ wa» El/bei von Su^oa lefffn nach dessen mündlkhen MiUeüumjen ertfiAii M Suso (Den. I,
1^1^224, Eim. 67^—87^^ vyi 67° t Von kintiichem anditcht einss iungen anTaheiiden
menBclien; 70^: Von einem vil jemerlichan Hden^ dos im hier inn begegnete; 76' «: Von
iuren Hden . . .) 27 Auch bU 10,4 lufft nach Suso (Den. I, 270, vgl 22ö, Eins. 99^]', der
Eingang svglekh Bimteisung auf den Mali von Susoi IL Teil^ 2, Abteämig, Den, /, 2 25 ff.
1 — 5. Sachlage, Stimnmng und Austkvck derselben kehren mif fallend ähnlich wieder im Leben
Luthers f wo dieser hei der Krankheil Melancltthms Gott den Sack f}or die Türe wirft und Htm die
Öhren reibt ^ uyeit ihm Melanvhthon noch it^eiier dienen müMei KosÜin^ Lutlter 11^ 536. 5 f. Die Ver-
wand Itmg der dritten Fersott der Vortage in die erste zieht die Verwandlung von in der capell
{Eim, 67°) in in nneeer c. nach sich, tta^ in der Meinung Johannes Meiers, der den votktändigen
Suso vor »ich hatte, tcofd nichi nur bedetften soll: in der Kapelle der Dominikaner ^u Konstanz,
sondern: in unser beider Kapelle; Suso hatte sich in seinem Kloster ein heimlich stat, ein
c&pell (£iVM. 6'^**) auserwähtl und mit der AlH^äter Bildern und Sprüchen ausmalen lassen {Den. I,
10 f 152 ff., Eins. 45^ f. )^ sodann die letzteren abgeschrieben und an die Freundin geschickt \ somit
konnte ihn Jofmnnes Meier ihr gtgenMer wohl diese Kapelle vertraulich nnafler oappel nennen lassen,
Meier wußte sicher, daß es im Predigerkloster m Konstanz nicht bloß eine Kapelk gab, die Suso aU
«nMT« {des Kiosttfs) Kapelle hätte bezeichnen, kimnen.
10 Vorrede Johatmes Meiers: EUbet SiageU Leben,
hohen gOtlichen dingen, also das die selige swester sOllichen Rötlichen trost
davon enpfleng, so si hört so minnicklichen iren geistlichen vatter von 6ot
reden, das si sprach: 'Waffen, wie ist meinem hertzenl ich schwime in der
gotheit als ein adeler in dem luflt!'
5 Was aber die minicklichen schonen wort und red alle sein gewesen die sy
warent reden, das stat zu guter mas geschriben an dem puch das wir heissent
des Sensen puch, an dem andern teyl desselben puchs, das da anfacht: Confide
filia uncz an das ende dess selben puchs. Er seit ir auch dick, was grosses
nuczes und manigfaltiger gnaden verporgen ist in dem heiligen f8^J minigklicheD
10 namen Ihesus, wie er den von grosser minne und andacht auf das fleisch und
in das plut der prust seines herczen geschriben hette, und also den selben namen
scheinparlichen auf seinem herczen trüge. Do gewan sy grosse andacht darzn
und natte denselben namen mit rotter seiden auf ein kleines tüchlein in diss
gestalt: . . ., den sy ir selber wolt heimlichen tragen, und machte do desselben
15 namen geleich unzalichen vil namen, und schuff das er der selig vater Heinrich,
der wirdig diener der ewigen weissheit, die namen alle auf sein hercz plofi
leit und sie mit einem götlichen segen seinen geistlichen kinden hin und her
santte. Also fügte es sich das Grot der herr der seligen swester kund tett, wer
den namen Ihesus also pei im trüge und teglichen ein Pater noster sprech, dem
20 wölte Oot hie gütlichen tun und wolte in begnoden an seiner jüngsten hinffart
[8«J Do nun disse heilige tochter, die selige swester Blsbet, von irem geist-
lichen vater, dem vil seligen man Gk)ttes, adellichen was geweiset nach gantzer
cristenlicher warheit mit gutem unterscheid auf all weg die da endent in hoher
selikeit, und si wol hatt ergriffen, als man es denn in der zeit mag haben: do
25 schreib er ir an dem jüngsten brieff under andern dingen also: 'Nun dar,
tochter, gib der creatur Urlaub und lass dein fragen fürpas sein; lose selbs
was Got in dir sprech; du macht dich wol frewen das dir worden ist das
mengem menschen vor beleibt. Wie säur es dir ist worden, das ist nun alles
dahin mit der zeit; dir ist nun furpasser nit mer ze tun denn götlichen frid in
30 stiler ru ze haben und frölichen ze peitten der stund deiner zeitlichen Ver-
gangenheit in die volkamen ewigen selikeiL*
Die swester sprach: 'Gelobt sei die ewig warheit, das ich von euren weisen
leblichen Worten so schön beweiset pin des ersten beginnens eins anfahenden
menschen und der ördenlichen mittel: meidens fS^J und leidens und übens eines
85 zunemenden menschen und mit gutem unterscheid in tugentlicher weiss der
aller nechsten plossen warheit. Darümb sy Got ewigklichen gelobt!'
5 Was bis 8 pucbs ] selbständige Verweisung des Schreibers auf die von ihm benutzte QuelU
8 Er 6m 20 hinffart nach Suso (Den. /, 223. Eins. 88c<i, mit Benutzung der früheren, Erzählung,
Den. I, 27, Eins. 27^ cd), u. Der Raum (gegen V2 ^eile) für die rot einzuzeichnenden Buch-
staben I H S (*o in Eins. 27c. S8ä^ vgl. Den. 223) ist leer geblieben. 21 Do bü 11,1G wilt nach
Suso (Den. I, 300 f. y Eins. 105 ^c)^ jedoch mit Vorausstellung des ersten Absatzes, der bei Suso unserm
zweiten (32 Die swester bis 36 gelobt) nachfolgt, womit einige Änderungen und Ejrweiterungen ver-
bunden sind. 31. Die 5 letzten Worte fehlen und sind hier aus Suso (Eins. 105 c) ergänzt
32. Die swester sprach ] abgeändert aus (Eins. 105 *) : Die tochter sach uff andächteclich und sp.
33. leblichen, korrigiert in löblichen ffs.; aber Eins, hat leblichen (Den. lebendigen).
3. Den. I, 270 'schwimme': eig. 'schwebe' (mhd. swime). 8. Den. I, 141—301.
Vorrede Johannes Meierst Ei$bei StageU Lehen.
11
Also geschah es das sie ir hohes heiUiges leben pracht zu einem alierpesten
endei und kürtzlichen darnach do ttam sy durch den tod ein vil seliges ende,
also auch ir leben selig gewesen was, und ward do wirdigklichen bestattet und
begraben in dem selben closter Tösse. Und nach irem tod do erzeigt unsser
lieber herr offenbarlicben mit wnnderz eichen und miracalen di da ge schaben t, 5
das er sy in der ewikeit seinen ausserwelten heiligen geleichet bette, als er sy
in der zeit auch inen gel eichet bat in volkomenem leben. Also von göt lieber
ordenung ftigt es sich under andren wundem das sy zehant nach irem tod
erschein irem geistlichen vater, dem seligen prnder Heinrichen, in einer abge-
scheidener gesiebt, und leweht in sne weisser watt [9^] wol gecziert mit liecht- lo
reicher clarheit vol himelischer freüden. Sy trat hin zu im und zeigt im wie
adelicben sy in die plosse gotheit vergangen were; das sah er und bort es mit
lust und mit frewden, und ward sein sei ab disser gesiebt vol götliches trostes.
Und do er zu im selber kam, do erseüfzet er inik liehen und gcdocbt: 'Ach Got
wie selig der mensch ist der nach dir allein werben ist! Er mag geren leiden 15
den du seines leiden s also ergeczen wtlt.'
Also hat man nun wol mit kurczen Worten verstanden das heilig und hoch-
wirdig leben dlsser seligen swester und das sy da mit erfolget hat das ewig leben.
Und darümb, seit dem mal du nun pist vor dem anplik Gottes, so pit ich dich,
ich armer sündiger prnder, vil selige mnter Elsbeth, das du mir von Got 20
dem heren, den du so hercziklichen lieb hast gehabt, wellest erwerben das mein
pi;esthaftiges sümiges leben ß^J gericht werde nach dem allerliebsten willen
Gottes. Und als ich mein zergenkliches armes tötliches leben enphangen hab
in der stat dovon dein wirdige persou iren zeitlichen ursprang auch enpfangen
hatt, darümb so pit ich dein müterüche trewe das du mir erwerbest das ich 25
das ewig untötlich leben nach meiner leczsten hinfart auch enphahen sei in der
heiligen stat des himelischen leruaaiem, das du mit frewden enpfangen hast
und ewiklichen da leben solt vor dem minikliehen anblick Gottes des herren.
Und also pjtten wir dich alle, berr Ihesu Christe, du ewige weissheit, das du
uns helffest das wir disser heiligen swester Elsbethen und ires geistlichen seligen 30
vatters, deines getrewen dieners, und aller deiner lieben frewnden aeyent
gemessen, also das wir e wicklichen dein göttliches antlüez werden schawen:
Qnod nobis prestare diguetnr idem Ihesus Christus, eterna sapiencia,
ß^J filius virginis, Qui cum patre et spiritn sancto vivit et regnat in
secula seculorum^ amem 35
Explicit vita aororis Elisabet Staglin composita atqne colleeta
per quendam fratrem Turicensem de conventu Bassiliensi ordinis
predicatorumj anno domini ^Pccccliiy,
3. wa&] Dm zunächst Folgende: HeHattnng in Toß und Wunderieichen daselbst^ ist Zutat deg
Schreihers ;eum lext bei *Siü*cp; themo die Hinumsung auf diue andren wunder ^ale ä und der
Name des geistlichen Vaiers Zeüe 9* 7. volkoineln^S K 16. wilt ergetzeo 3u9o {Eing. 10^).
17 ff. Der nachftdgende Beschluß f mit dem Gehet nn die selige muter od^ heilige swester Elsbet, die
ihrem Zürcher Mitbürger awch eine Stätte im himmtischen Jerusakjn erifyerhen mögey ist tJcm Johannes
Meier an die Steäe des hürnen JSehiußwtinsches bei Suso {Dm^^ Söi^ Eins. 105^] gegetit morden,
31. aeyent am Hand für lasBeet« dm ungetilgt^ aher mit VerweisungsMeichen, in der ZeOe steht N.
Yarrtde ELAH Stagek.
;:** Sstote perfecli sicat pater xesitr cel-»«:;« p«rfe<iX5 «t^-ii r
sooi TolkiiBKn szo als iver himesstber Tmiter TafkooK
ässer &«lMr berr Ihesvs Christas, io «* «ff ertnch
jungem uad masii odi mit inen al^ sn ssserveüeoL As* voc ikt sx ^ctit ^
S vvssen vcmI Bodi sood fe bo cwi werden hs a& äai j^v:~^;^bes la^^ Cmf -«ik
er Bst iber ai^ ift and anziklxh oad afn wt^kt a!L>sr i^sAizmat&xuc mif ss
nalärftebe rite anzifal e^ so est n ak iwag^Hi ümt tassat ^ fi&wrxnsu: ias
er wi afe tot M jiares.
Dte er aber <ias mc afaüs in ase Tunss^iEfissL ^swmD: iab^ soi&fisr se ?
1& es och crffecJttrfict pevirket hat jss^i nxh aLfe nt vTirt>t. «iis znii;^ üssa is^
na^Knfich schovnt an cfefn brnaeoim mintsa^a fir. diih« ' Ji alhs- ^f^i^mamt
valier Sant Dommico. der sadi GotlLes ^eluzt ipqi oae^ MOCXT jsirsi xl &
ersten astapfin trat der faabf<en n^iCbadisfL. do ^ läBssiL hugeix. -irns iif
satc der da ac^enOctt ^erkhtet äst narr der itaCgien jong«' leäesL
L> Umi iL anfSL 5eib«i iLiil^«: ord-fz. «c Jrai a»»- -»■»-jr lecifai^ir sanc^ na isL n
cimuisc^lträen '»fr dd ini: ir irrii^inicifc !!»:cj:iai '3ir»?i:kifn iUer i»*r itrscüniiiu:
^?T^ 2-r: kr^rür^c p'ciitrJiec. sehmak pf*z«*c»Hr znti rcisi iJe it p^fctHrc. 35* püitais'
31 IT*? als i»ir :2r3ii»:ii suiir il^e? ■»rr'.C!! •fmd'jrr^ :i:i«i znirruitir 3iaciit»!L
Unii wiii ias fr fj:? ±is»*r h^s i»fr -jcliirh siz'ierjii in*: j^'vr-iiir^c i:=e ias?
•fr ST 5fr krscici*a:t hai rir?«rct:i»i isf xuefoi ^üezthl 5üii?^«i inii r:f iirr»>m
•firüiciar. iJ? ii»c laJiprü Sxz:: ?-»::fr ind ütf Iii^cüt ^ mrm wT Sii^t TTimi.
TTTc iifn ijz jftlieri zi»f!ri?d: bilj«:!i sei li »j^rc ^«imaze*: Trariei. ^s st itni icci
Ü J»:r Samt: uvHt uucHrxifien *t. 1*. Suc^ x *^i»«/r *jc»» - mrrusncTKn «n« -ma«^>«»^ur:L
Trjik iiimistr: '>. il Ai^j 'i^: cwu inr- Firm'. Tfju Diiffnut 'S:fiulmu. uty. 7. 'r- Z. mt.r- JJl . .>^
1. ± JEcüCft. *. ^'* T TniTiTi* ^ rNMi^ «ix:» -/^it. J. ." inmx (nttm aon -sk- "STnanamn»*
•jjän: ^insBiaiitimB länmör-irnj mne "^'muf^ciutatt, ^auita,'. -71. --^jfsr Jt Üf^MUfie^ 1 Ji 4
•^jc Ä ^?ui iaät*mn;:;L*r!] -»m. ier ui :m*r r^^ibna in^fcir 5nQii»fr sr'vrxi^ — m < in»»: snlz*« -^ • J".
J''. >' I. /. i2i. Pvu Jturtnr 'mir r^imm» -^«1 ii/7iirf<i
Vorrede Elsbet Stagels: GrfinduDg von Töß. 13
maniger hocher bailig in disem orden, die doch nit erhaben sint, die gemartret
sint umb kristengloben, als sunderlich geschriben stat von in CXim, die in dem
anfang des ordens gemartret wurdent. Och ist der andren bailigen {2^Jü\,
baide frowen und man, die mit ir hochem leben hant verdienet das unser herr
by ir leben und och nach irem tod als grosse zaichen durch sy hat getan das 5
alles ertrich sich des wundren roöcht.
Wie manigvaltiklich nun der mineklich Got hat gewürket mit sinen gnaden in
disem haiigen orden in ieklichem cofent sunderlich, so hat er doch sunderliche
lieby bewiset gegen disem cofent von angeng das er gestiflet wart, und iemer
me tun wil, ob wir es mit linsren schulden nit verlierent 10
Ee das dir hailig cofent angefangen ward, do sach man etwenn schAne
wunnenklichi liechter schinen an der stat da dis kloster stat Nun was ain
maller an der selben stat gesessen, und der ward ungedultig das er von siner
mülly solt, und under stund es wo mit er kund. Und also hört er ain stim dry
nacht nach ain andren, die sprach: /<?•/ * Warum irrest du mich an der stat, da 15
ich selb rftwen wil?' Und von dir geschieht, und man och do gesach die schönen
liechter, die von Gottes Ordnung hie schinent, do gewan er als grosse gnad das
er willeklich von hinnen schied. Mit disen gaistlichen liechtem erzaiget unser herr
das er die haiigen personen an die stat hat geordnet, in den er ewigklich lachten
wil. Hie nach ward dis kloster angefangen nach XVIII jaren do der orden 20
bestätiget ward, do von Gotes geburt warend MCCXXXIII jar, an sant Marx
tag des ewangelisten, der was do an dem zinstag in den ostren.
Wie säliklichen nun unser alten s&ligen schwestren band gelebet, das war
2. in {ebmso Ü), l. ir? Oder nuL, wie noch keute m Zuridu ina vier = ihrer tfiere?
7. mineklich] lieh am Rand ergänzt Ö. 9. cofent] daxu r. am Rande: t&ttj wtd vorher m
der ZeHe difem m dem gewandeU G (gegen t5(T dem Connent Ü). 10. ob — schulden
korrigiert in: ob sj es mit seh. Ö (Ü). 14. Annd $o O. 17. hie korrigiert m da G (hie
auch Ü). 17. fchindent mit wUerpmiktiertem d G. 18. hiii§ korrigiert (r. am Rand) in
däne Q {C).
1. erhaben] heiäg geeproehen? 11, Zu den folgenden geeekiditiiekem Knd tagenhaften Beriehien
t>gL die urkundliche QrundungtgeeehiMe bei H, SuLkt, DKT 86 (6) f. (1233 ErhmbmiM det Biiehofe
tur Erbauung eine» Dominikanerinnenkioeten an der ToßbrOeke durch die Grafen Hartmann den altem
und den jungem \ 1240 Schutzbrief da Biechof» für die von ihm geweihte Kirche samt Klo$ter)\
auch H. SuUer, BGTöf Über die ent 1245 erfolgU förmliche Emverleibung m den Predigerorden
Den,, BGT 677; DKT 87 (7) ff. 12. Ganz ähnlich beridUet die Legende von der Gründung det
Frauenklostert Katharinenthal (H». zu Frauenfeld g 105, t. Einl) 1242 (wona(^ diezet und Toß auz
zwei um 1200 zu Wimterlhur entztandenen Franwen Closterlin, oder fil mehr Samlnngen hervor-
gegangen wären): beim Hasenhanss m dem verwildeten Tal nächst Dießenhofen läßt Gott den
Vorüberreisenden und -Schiffenden schone grosse kertsen, vnd heitter brennende liechter ehr-
scheinen: auch wnrdent mehrmalen so nacht in disem gestentt nnd thal gants schneweise
Schafflin gesehen, sich alda weittende. konte doch nimant wüssen, von wannen sie kemen
und wider kertten, oder was dise ehrscheinongen betentetten. 20. 18 Jahre iukA Bestätig u ng
des (Prediger-) Ordens {1215): 1233, s. o. zu 11. 22. St. Markus zonzt 25. Aprü\ Ostern ßd
aber 1233 (nadk WeidenbaiA) auf 3, Aprü
14 Vorrede Elsbet Stagels: Fromme Ubnngen.
g^t und lustlich zehArend, aber es ist nit muglich alles zesagen, won ir hertze
bran und ir leben lucht als krefteklich das es offenlich zaiget das das wort in
iren hertzen fruchtber was, das da vor geschriben stat: ^Estote perfecti':
Wessent volkumen als üwer himelscher [3^] vatter volkumen ist.
5 Und won sy kantent wol das sy niemer volkumen mochtend werden un die
dni stuk dar uff unser orden und ain ieklich volkumen leben gesetzet ist, das ist
willige arm&t und volkumne gehorsame und rechte lutterkait: darumb hattend sy
den aller grftsten fliss zA disen dingen und och sunder uf willige arrafit, won sy
die als begiriklich lieb hattend, das sy hüttend mit allem fliss, das sy üt über-
10 flissiges hettin an gewand ald an andren dingen. So och etwas von iren frunden
etlicher gesendet ward, das gab sy in die gemaind.
Och ward die regel und die gesetz und was sy in gehorsamy soltcnd t&n, als
andächttiklich und als gantzlich von inen behalten, das sy da von in rechter lutter-
kait ständen t Sy behieltend das wort das Sant Augustin in der regel schribet,
15 das da ob allen dingen lutterkait bringet: 'Ir sAllent die irdischen ding lassen
[^] und sond üwer hertz und üwer gemdtt uff haben zft himelschlichen dingen.*
Ir hailige Übung was och als gar gross und manigfaltig von emsigem wachen
und an hailigem gebett, und von hertzlichen trechen überflussent sy emssklich.
Sy nament och als fil starker disciplin un die gesatzten zit, das etwenn nach der
20 metty licht ir zwelff sament nament disciplin, und schlugent denn als gar fast,
das ain grusseliche vor dem capitelhuss was. Etlich schlAgent sich mit yssnenen
ketinen, etlich mit ainer gaislen, etlich mitt rekoltren.
Sy warend och als gar senft und still an Worten und an werken das in dem
tag als still in dem kloster was als ob es nach complet wer gewessen. Sy
25 pflagent och kaines sunderwerkes, und sassent mit als grosser andacht in dem werk-
huss das sy /4V hin flussent von trächen als ob sy in der mess werint gestanden.
Sy warend och als gar gedultig in grossem gebresten, den sy hattend in spiss
und von trank, won man gab inen do nit won zwürent in der wuchen win. Sy
warent och als gar demütig an gewand und an allen dingen, und sonderlich die aller
30 wirdigest in der weit warent gesin, die flissent sich die verschmachtest en werk zetün.
Wie manigfallig ir hailig Übung was, joch der die by ünsren zitten sint gewessen,
des wer zefil zu schriben; der herr der es als gewürket hat und dem es zu lob ist
beschechen, der waist es alles wol und hat es geschriben an das lebent buch, da es
niemer vertilget wirt. Darumb sy er yemer ewigklich gelopt und geeret A-M-E-N.
I. hertze 0. 5. mochtöd am Rande nachgetragen 0. 10. -flissiges «o, auf Rasur\ doch
vgl. 16, L 13. andächttiklich ] die beiden t am Schluß und am Anfang der Zeile 0. 17. von
aus won korrigiert (r.) O, 21. hier fchlugent ohne o über u Q. 23. fenft 0. 23 das bis 24
tag: die vier Worte (mit Verweisungszeichen in der Zeüe) am Rand nachgetragen Ö. 26. mess
{so auch Ü): lies ness? Oder ist die Besprengung durch den Weihwedel beim Gottesdienst gemeint f
26. werint korrigiert aus werent 0. 30. wirigoft O (wirdigoft auch Ü).
II. in die gemaind 1 zum allgemeinen Besten, 15 f, wdirscheinlich freie Übersetzung von
Augustinus^ Regula 2 {Migne /, 137 9 \ vgl. II, 960): Sursum cor habeant et terrena ac vana
[oL terrena bona] non quaerant.
Namenverzeichnis. 15
[Nahmen der Seligen deß Closter Töß bey Zürch, so hierin zu finden:
Adelheid von Frawenberg 57.
Adelheid von Lindaw 131 [126].
Anna von Clingelaw 37.
Anna Wansesellerin 51.
Beli von Liebenberg 26. 5
Beli von Lütisbach 129 [124],
Beli von Schalchen 127 [122].
Beli von Sure 45.
Beli von Wintherthur 43.
Catharina Blettin 48. 10
Elizabeth Bechlin 133 [128],
Elizabeth von Elgow 126 [120].
Elizabeth von Jestetten 57.
Elizabeth Scliefiflin 13.
Elizabeth Mezzi bey Margreth Finckhin, 15
Elizabeth Steiglin.
Elizabeth Königin auß Hungern 150.
Elizabeth von Zellikon 141 [136].
Elizabeth Zolnerin 45.
Gertrud von Wintherthur 56. 20
Gutta von Schonenberg 35.
Itta Sülzerin 120 [U^].
Itta von Sulz 10.
Itta von Tengen such bei Margreth Finckhin.
Itta von Wezzikon 5. (Juliana Ritterin bei Margreth von Zürch.) 25
Lucia Schultessin 101 [95],
Margare tha Finckin 31.
Margaretha von Httnikon 54 [48],
Margareth von Zürch 35.
Margreth Wülln 19. 30
Mechtild von Stanz 84 [78],
Mechtild von Wediswil 130 [125],
Mezzi von Klingenberg 50.
Mezzi Sidwibrin 23.
Oflfmia von Munchwil 29. 35
Sophia von Clingenow 71 [67].
Willi von Costanz 55.]
14. Dieser Name üi am Rand nachgetragen.
lif,] Die Hs, enthält hier ein epäUr eingeklebtes schmales Blatt (Hs, des 18. {f) Jhdts,), worauf
das obige alphabetische Namenverzeichnis mit den Blatteiffem nach der Zahlung von O erscheint, die
jedoch von 63 auf 67 tpringt und von uns hier [ ] berichtigt ist (wie dies auch im Text bis lum
Ausgang des eigentlichen Schwestembuches, nicht mehr jedoch in der selbständigen Legende der
Elisabet von Ungarn^ geschehen ist).
16 Vorrede Ebbet Stageb: fintstehung des Bachleins.
[5*] Won nun der sAss Grot von siner überflüssigen gAiy sich vor sinen
frdnden nit enthalten mag joch in der zit, er mdss sich inen dik minenklicb in
manigerwis erzaigen, das ir hertz ie me und me geraitzet werd: danunb hat er
sich linsren schwestren gar dik und fil mit hochen und wunderlichen Offenbarungen
5 erzaiget, das uns laider engangen ist untz an gar wenig, als uns aigenlich dunket
das es nach der rechten warhait wer; won ir iekliche was da mit dem aignen
gaistlichen g&t als bekümret das sy nit gedacht von ainer andren zeschriben.
Und won unser herr von siner gdtti uns zebesrung noch ain klain bat
behalten, da mit wir an ir hailig leben gemanet werdent, da von schribent wir
10 von etlichen die vor uns warent und och by ünsren zitten sintt [5^J gewessen.
Und doch gelobent wir das der als fil sy gewesen, mit den unser herr mit sinen
gnaden sunderlich hat gewürkt und doch hie nit genemmet sint, als die von den
geschriben stat. Das wir aber hie geschriben habent, das ist als w'vr es unser
eltren hortent vor uns sagen und och von in ain tail geschriben was.
15 Wer nun dis bdchly hAr lessen, der sol nit nach sinem aignen sin verkeren
das dar an geschriben stat; wil er sich da von nit bessren, so ist doch billich,
das er sich hüte das er davon nit bAser werd. Wir habent an disem btich
vil abgelassen, das doch g&t zühArent wer. Och haben wir etwas hie an geschriboi
das klain schinet; aber es ist et wenn vor Gott grAsser das da klain schinet, dem
20 das vil gross schinet.
2. entbaten Q, 4. offenbrungen Q. 7. gaÜtlichd, am Rand (r.) nachgetragen Q.
9. schribent] t scheint nachträglich hinzvkorrigiert O. 13. vnfer korrigiert aus vnfren G.
14. hortent ] das Wort am Rand nachgetragen G, 18. hörent ] t nachträglich hinzu-
korrigiert G.
Hl Von der salgen S Ite von >Fezzikon und was edeL
/^ay In dem süssen namen Ihesu Christi so vachent wir hie anzeschriben
von ainer schwester» die hies *S- Ite von T^ezzikon und was ain edly frow
von frigem geschlaucht und wart gegeben ainem edlen heren, und do hat sy fil
wirdikait, Sy hat och iren Üb in grosser Zartheit. Nun fügt es Got das sy ain witwe 5
ward, und gab ir och den müt das sy wolt ain gaistlich mensch werden, Darumb
kam sy dik her ze TAss, wie es ir hie gefiele. Nun gewan sy ain anfechtung^
was sy sach oder bort, das ir das gar übel gefiel und ir widei^em was, und sunder-
Jich so sy des convent mfts sach» das widerstund ir als ser das ir antlüt und ir
varw verwandlet ward. Doch von der hilf Götz do überwand sy ir herlz in disem 10
grossen strit, und als sy selb sait das sy lich/^*7ter het gelitten das man ir
das hobt het abgeschlagen, denn sy in das closter für, und von den gnaden
Gottes do verwag sy sich aller ding als gantzlich das sy frilich ufFgab dem
cofentt alles das sy hat, das sy ir selb nütz behüb, wie sy doch gross gut hatt
Und do sy in dis klosler kam, do nam sy sich an, als fil sy zärtlicher hat gelebet 15
in der weit, das sy als fil strengklicher lebet in dem kloster,
Sy hielt Iren orden an allen dingen als volkumenlich als wir ie dekain
Schwester sachent tun; sy was vll die erst in dem kor und hielt sich da mit
L * S * 1 = Soror? od&r Schwester? L Awr und weüerhin vGEzikon Ö. 3. weaaikö N.
7* her \tnd hie vom Min. ffistrichen Ö, feltli K 12. /, denn das? ho N {Ü me O).
12. f. gen töfa i, K 12, L fÄr? füre A' (Mr Ü). 15. dis in das korr, (r.) 0, dz, N
(dÜT C). 17. Die J&saUe sind hier und weiterhin gegen die He, {ß) gentachiy wa nicht großt
Initiale» durch Fdidruck angedmOei eind^ 17* wir tn fy korr, (r.) Q (fj C).
L Aii erste der Lebembuchreihungen erscheint in N die der MecftiftiU von Stan^, untere
Kr. XX Vi erst auf diese folgte als drittes Kapiteij die un$rig€ mit der Überschrißi Von dem feligC^
lohen und heiligt fterheo fwest^ iten vo wejczikoti. Das 111, Der Eingang seigt^ daß diese
Lebentbeschreihung die Reihe eröffnete, akü die Anordnung von ß die ursprüngliche ist (sie erscheint
ebenso in Ü). — Die Freifterren von Weteikon waren Diensimannen der Grafen von Kihurg und
Happerfmil, Zur Zeit der Gründung von Töß wird Ulrich von If'. ais Diener de$ Grafen Hart*
utaftn von Kihurg genannt {I2i2)\ ein Ulrich war 1269 Johanniier zu Bubikon, eine Elisa bet
^339 Äbtissin ^m Frattenmumtier in Zürichs Unsere Witwe Ita (Idda)t die spater wider Willeti
I¥iorin ^u Toß gettordenf soU ihrem Ehemann^ einem von Landenberg^ die Herrtchaft ^'elsikoJi
zugebracht haben. Leu, Helv, Lex.
D«ut9cbe ToKt« du MiCtelLlters VL 2
18 I. Ita yon Wezzikon.
grossem fliss an naigen, an ston, und das sy gar endlich sang alles das sy kund,
wie sy doch nit wol sang. Sy halt och grossen andacht ze gebett, und ain andar
gebet, das sy tett gewonlich, das liess sy nit /Tay durch unmftss noch von siech-
tagen, sy Sprech alle tag ain tusent Ave Maria. Und so ir joch gar lieb frund
5 hie warend komen, so wolt sy doch niemer uss dem kor kumen e das sy ir ge-
wonlich gebett gesprech. Sy ass och in dem reventar als steteklich das sy es
selten iemer gewandlet, denn so sy zu ander geliess ald durch ander grosse redliche
sach. Und won sy g&tter spiss hatt gewonet, so laid sy als gar fil gebresten und
hungers von ungewonhait der spiss, das sy dik abtisch gieng hungriger denn so
10 sy liber tisch sas, und das sy etwenn von hunger nit schlaffen mocht. Eüe mit
was sy doch frAlich und wolgemütt, Sy was och als gar fiiissig an gemainen
werken, sy wer ze dem venster ald wo sy was, das ir kunkel selten usser ir henden
kam, Sy erzaiget och grosse demdtikcit /7V an manigen dingen. Sy getrftg
niemer besser gewand won als es der covent gab, und das selb was dik als gar
15 krank das sy fil bletz dar an machet.
Es kam zeainem mal ain unser maisterschaft her; zu der ging sy haim-
lieh und sprach: 4ch sorg, das «S* Ita von Wezzikon priorin werd; der
bin ich hAlder denn dekainer Schwester; doch sprich ich von warhait das sj
ze dem ampt unnütz ist und der cofent mit ir versumt ist' Und won er sy
20 nit erkant, do wond er das es war wer. Und won sy dik vor mit maister-
schaft was, do ward sy dik geeret von dem covent und von andren lütten
und hat och fil wirdikait von ir gebomnen fninden. Dis gab ir fil kumers
an ir hertzen und bat Got dik das er ain Wandlung an ir täte also das s;
ain rechter verschmAchter und armer mensch wurde, und ir och gebe etwas
25 /S«7 sunderlicher arbait zelident. Diser driger ding gewert sy unser herr
folleklich, won sy gewan sölichen siechtagen das ir liden und ir ser un-
vertragenlich was, und ward och von dem selben siechtagen als gar wider-
zem das kum iemant by ir beliben mocht. Sy ward och als gar aiTn das
sy von ir selb nit hat won das ir die schwestren durch Got gabent: etliche
30 -vi« phenning ald als ir denn Got gnad gab; das entpfieng sy denn als gütlich
und dankberlich das wir wol an ir marktend grosse andacht, das sy zu williger
armüt hat.
Wie gross ir arbait was und wie vil sy gebresten hat, das laid sy alles
begirlich, das sy etwenn gedacht: 'Wess gebristet dir? du hast doch an dienst
2. ain f. N. 5. hie gestr, (r.) O (Ü\ bei ir N. 5. kome am Rand nachgttr. G,
6. refent' N (raffental Ü). 6. emßiglichn N. 7. Wo korr, in Den Ö, wan N. 8. gar
am Rand nac/igeir. O, 12. redfenet' N, 16. in der Zeile vffer; am Rand korr.
vnfer O (Ainer vff vnTfer mayfterfchafft Ü). 16. her in zu tös korr, O (Ü). 28. (von
hier — Sy ward och gar arm — auf ZL 31 gesprungen — vnd in dem alle vermarcktend wir
gancze gedultikait vnd groffe andacht — Ü), 30. vi f. N. 30. ir ] ing K 31. vfi als
danknelich N. 31. a. das] a. die N (Ü), 33. f. doch als N.
L Ita von Wezxlkon.
19
und an allen dingen din noldurftf Und kam ir ain ß^] an fechtung in, das
sy unser herr nit volliklich hetti geweret ir beU. Und dis ward an ir also ge-
wandlet: wie wol ir iemer gebettet ward, so was ir alle zitt als wie sy uff
stainen lege. Won nun ir ser als unvertragenüch was» so wundretend sich dik
die schwestren von ir gedultikait. Und das mocht sy nit liden das sy iement 5
hetti für ainen gedultigen menschen, und sprach: *Wer waist wie ich in
minem hertzen bin?'
Sy ward och ze ainem mal in sieh selber gezogen, und dunkt sy das sy
gar vil Stirnen horte vor Got im himelrich, und die battend alle sament mit
grossem ernst und begird für ainen menschen; aber sunderlich ain stim die 10
bat ungestidmeklich für die andren alte und bat das sich Got über sy er-
barmety, und der stim ward geantwurt AW also: *Sy hat erbärmd funden,
aber sy müss noch hl liden.' Do ward ir ze erkennent geben das sy der
mensch was fiir die dise stimen battent, und das die ain stim das das ir enge!
was. Aber wir gelobent von den andren stimen ^ das das die hailigen waren tt 15
den sy sunderlich gedienet hat. Sy dunkt och ze ainem mal das ain sul von
dem himel sich her abliess unlz für ir belt; die was als von wunderlicher
varwen gezierd das sy nit davon gesagen kund» Und uss der sul hört sy ain
stim, die retl gar trostlich mit ir, und sunderlich do ward sy gesichret das sy von
Got niemer solt geschaiden werden, 20
Sy dunkt och ze ainem mal das alle ire gütte werk fiir ünsern heren
bracht wurdent, und die enlpfleng er als gar mineklich und als loblich das
/ff*/ es unsäglich ist. Aber sy dunkt das ir als wenig wer das sy sich
inneklich erschamt.
Sy bracht ir grossen arbait und ir hailiges leben uff ain gut end. Und 25
do sy an ir end lag und ietz hinzoch, do sach ain Schwester das ain schönes
liecht recht als ain stem vor ir antlut erschain, und das es recht tett als es
sich frowte mitt ainer spitender fröd. Darnach do sy begraben wart, do bettet
ain Schwester spat an ainer stat da sy uff das grab sach^ und begert von
hertzen das ir ze erkennend wurd gegeben, wie es umb ir sei stund. Do sach 30
sy das in dem luft ob ir grab ain liecht schwebet, das was in der form als
ain klainas schifly, und in dem schifly sach sy ain ander liecht, das was als
ain sinwel kugel, und das was aber vil schöner und lächtender, und für liO^l
rech spilend hin und her dar inn* Und das hat sy aigenlich da für das es ir
sei wer, 35
3. als f. M 9. gotes thrö in dem k R 14. t die so G N {Ü}. 14. die aio
auf Ramr ö, 14. (dftfl daß f Ü). 15. von den] vmb die N. 17. von f, M
18. urspr. vö gezierd, dann vö ^«ir, Q, 19. do f. N, 22. gmr f N. 27. erfchin mii a
wlfer dem i 0; l. erechan? fcbein A' (erfchinfi Ü), 27. &. ob e, N. 30. gegeben f. N.
30. vmb (?. 31. grab am Rand mjchgHr. G. 34. rech #ö Q. 34. fyWh N.
2*
20 IL Its Yon Sab.
[H] Yon der saugen S- Ito yon Snlz.
Wir haltend och ain gar s&lige sdiwester, die hies -S- Ita von Solz und
was am witwe, do sy m kam. Und do sy noch in der weit was, im ander
tag^t die sy fibet, do flbt sy sich sonder dar an das sy als gern armen läien
5 gab das sy in ir hos hat Do sy ze ainem mal wolt nemen das sy dordi
6ot geh, do sass der bös gaist vor ir und wert ir vast, das sy nit als nbermis-
seklich Ton ir geb. Und do sy mftt gewan das sy in dis kloster wdt
varen, des hett er sy och gemn erwendet, und gelichet sich in irs bichters
gelichnus, der was ain gflter man, ain barftss, und riet ir mitt gantzer knfl
10 das sy nit ze kloster [iO^] kem, und lait ir für vil arbait, die uf sy word foDen
von den gebresten die sy liden mftst, da Ton sy in ungednltikait viel, und das
sy dik treg wurd zA Grotes dienst, so sy mit ir selber den kumer mAst haben
den ir ietz ir jnnkfrowen Tor trdgint Und sy verschmachet in und sinen rat
gantzlich und verwag sich durch Gott alles des das sy hatt, und kam in dis
15 kloster und lebet in williger armut, und in ainem strengen hailigen leb^i was sy
bis uff ir end. Und als sy da Tor hatt gelebt nach der weit sitten nadi
liplichem gemach, also lebt sy do in dem klost^ mit sunderlicher str«[ighait
Und Ton grossem ernst den sy hat, do benftgt sy des ord^is straigi nit,
wem das sy ain st&ti gewonhait hat das sy kalt wasser vor in die spis schntt
20 e sy die [tl*J ass, und da Ton ward etlich spiss allso unlustsam ze sedient
und och ze essend. Sy ftbt sich och ussgenomenlich an sunderlichem andacht,
und da von ward sy och wirdig das ir unser herr sin gnad manigfaltiklich
erzalget.
Sunderlich do was sy als demütiglich gehorsam. Und in den zitten do
25 der kor als gar eng was, do hies sy die priorin usser ir stAl gan und gab ir
ain stat hinder dem alter. Und hie mit ward sy als ser angefochten das sy
sprach das es ir wurs tity denn do sy von hus und von hof gieng, und was
doch als gehorsam das sy nie wort da wider geret. Und do tet ir unser her
als gAtlich hinder dem altar das sy etwenn dunkt das der kor als vol sAsses
2. [WJir unvoUst. in Sy korr, (r. W sUttt des ausgelassenen S gesetzt) G. 3. f. zu in k.
auf Rasur O, f. in das Cloft' kam N. 3. un ] on N, 7. dis 1 das S. 7. zv klofter
am Rande nachgetr,: toff Ö, doch vgl, unten hei Ita Sulzerin, -Ar. XX VI. 8. gern G.
9. gelichnos] geftalt A^. 9. i. d' pofs geiXt m. X. 10. ze ] in das N. 12. z. g. d.
am Rand nachgetr. G. 15. nach kl. eingeflickt (r.) tdfT G. 19. hat am Rand nachgetr. G.
20. e 8. d. a. f. N.
1. Sulz scheint ein BurgstaU bei Stdtj Pfarrei Dgnhard, Landvogtei Kiburg^ geheißen t%
haben. Ein Kiburgischer Dienstmann Hartmann Suizer ist nach Tschudi bei Näfels ( t-SSS) erschlagen
worden, — Das Winterthurer GescJdecht Sulzer ist erst seit dem 16. Jahrhundert belegt Leu,
Helv. Lex. Doch vgl. unten bei Ita Sulzerin, Nr. XXV L
II. Ita von Stilz.
21
geschmakes war das sy es enkainen liplichen dingen [U^] kund geliehen*
Etwenn sach sy och das der kor als vol liechles was das sy in ain gros
wundrung da von kam.
Man hat sy ze ainem mal 2e kelerin geseizetf und da von ward sy gar
betrübet, won sy vorcht das sy von der unmüss ir andacht geirret wurd. 5
Und do gieng sy in den kor und klaget es ünserm herren. Do trost er sy gar
lieplich und sprach zu ir: *Man vindet mich an allen steten und in allen dingen/
Und hie von ward sy gar wol getröstet und enpfieng das ampt gütlicht uml
unser her was ir als haimlich und tett ir als gütlich als er ie gelett* Sy sach
ze ainem mal och ünsern herren als do er ain kindly was, und das er ze den 10
schwestren gieng in dem kor, und so sy nigenl, so umbfing er sy, und weli nit
tief naig, für die gieng /u^^y er, als er nit ze ir möchte gelangen, Sy sach och
ze ainem mal, das unser frow in dem kor gar schon und wunnenklich umb gieng,
und besprangt die zwo schwestren die dingnare sungent, und darnach alle
die schwestren die in dem kor warent, und stund do enzwischent den 15
schwestren die dignare sungent, untz man die collect gesang: *Concede
nos/ Sy sach och ze ainem mal den covent in als grosser lütterkait das
iegkliche Schwester von dem heren erlüchtett ward als ain crislall. Und hie
von enphieng sy grossen Irost und gewan nüwe lieby xu iegkücher Schwester
sunderllch, und begert an ünsern herren das er dem covent dik etwas sunder- 20
lieber gnaden tete*
Sy hat och die xr tusent mÄgt als gar lieb. //5*/ Nun hat ain provincial
gehaissen das wir nit von in sungent als wir gewonhait hattend. Und do ainest
an Ir tag wart ze metty und das ander zaichen geluttet ward, do sach sy das
sant Ursula mit allen iren m^iglen in den kor gieng, und warent alle herlich und 25
wol beklaidet, und do man die melti anfieng und man nit Ton in sang, do
kerttend sy sich umb gar unwertsamklicb und giengend uss, Dar nach geliessent
wir nie das ampt ab»
Dar nach do sy unser her von diser weit wolt nemen, do erscban ir von
siner Ordnung ain sei gar wunneklich und gar schon, denn das sy ain klaines ao
schwartzes flekly uff dem füss halt, und das was da von das sy Irem engel nit
gedienet hat, und sait ir das sy schier sterben solt und das sy mit [is^j
ir zehimelrich solt varen. Und also starb sy kurtzlich darnach mit ainem
hailjgen end.
iJ. wüilrüg G. n. gi«ng mä ühcrgtMchrkbmtm e, dugtgtn vinfing imd 12. gieDg G.
14. beidemal dignare N. 23. wir heidffnai (f. u. sw.) korr. in fy O, 23, in um Rand
fiochgtir. 0. 24, das {nach ey) f, N {urspr. avigefaiien), 25* gieng 1 gän X,
27. 28. gelielTent wir korr. in gelielT der conft G. 29. weit korr. rmt yelt. 2*j. enchati
MQ G; vgl. ü. S. 19,23 (©rfchan hier mich Ü),
16. den Vtsptrguang Dignare nie laudare te virgo encratA mit dan ReMponamtim Da mihi
Tirtutem contra hoatea tuüB.
22 ni. Ebbeth Schefflm.
[ui] Von der silgen 8- Elsbet Seheffliiu
Wir haltend och ain sälge junge Schwester, die hiess -S- Elsbet Schäflin,
mit der Anser her sin gnad YoUeklieh tailt, das ir leben (rffenbarlich «rzaiget mitt
tagenden and mit hailiger flbang and odi an offenbanmg der gnad. und die
5 gnad fieng er an mit ir worken, do S7 noch in der weit was. Won sy gewan
als grossen ernst zA gaistliehem leben and mAst das als mit grosser arbait ge-
wmnen, and do sy der bös gaist nit yerirren mocht des gaistlichen lebens mit
maniger grosser widerwertikait and anfechtang, die sy Ton iren fronden laid, do
trowt er ir dardi ainen besessnen menschen [iS^] and sprach: *Nan far echt do
10 hin, ich will dich füllen'; do sprach sy mit getarstigem hertzen: *Nun mikss das
gewaget werden.'
Und do sy in das kloster kam, do verhängt unser her dem bissen gaist als
fil sines gewaltes ober sy das sy mit manigfaltigen grossen arbaitten gepinget
ward, and doch also das er der sei nit rflrt, zegelicher wis als wir lesend tod
15 dem säKgen lop, ober den och unser her Ton sonderlicher min verhängt das er
schw^nrlich von den bössen gaisten gepinget ward, und hie mit hat sy och unstf
her sanderlich geeret, won das grAst lob das man ainem gfttten menschen hie
in diser zit geben mag, das ist das man von ainem sprechen mag das er aiD
lidender mensch sy.
20 Das erst liden das sy angieng, das was das sy als gar [lim] vil unrftw laid
von angewdrm an ir Hb das es recht anvertragenlich was, and das sy och als
grosser siechtag an gieng, das sy etwenn ain halben tag lag in ainem geschwinden.
Und davon kam sy in sölichen lünden das man wond das sy ainen schweren
siechtagen het, und hie von ward sy vi! verschmächet. Dise arbait laid sy alle
25 in dem ersten jar, do sy in dis kloster kam.
1. Überschrift steht 4 Zeilen weiter oben am Rand\ zu Beginn des Kapitels ist nur elsbet
scheffll wiederholt O. Initiale W: Nonne knieend vor der gekrönten S. Margareta^ die den Kreuzes-
Stab dem Drachen in den Schlund sUckt N. 2. [W]ir unvollst, korr. (r.) in S[y] G. 12. das)
diß N. 14. rütt ö, rOrte AT. 16. schwerlich O. 21. ef nachträgt, eingefügt G.
22. zu gAfwinde {mit Verweisungszeichen) am Rand: od' amacht N, 23. zu lamde {so, mit
Verweisungszeichen) am Rand: od* leimüt N. — zu der Form lünden vgl. unten O 39^ lund.
25. dis korr, in das Ö, das A'.
1. Elsbet Schefflin und ihre Sdiwester (unten S. 23,14, 25,15) gehören einer längst ausgestor-
benen 2^rcher Familie an, die bei den Augustinern neben den Stagel u. a, ihre Grabstätte hatte. Zwei
andere Schwestern Schaf eli wurden 1314 ins Kloster Otenbach aufgenommen, wobei Rudolf StageL,
der Vater Elsbeis, Zeuge war, der bereits 1306 mit einem Johans Schaff eli oder Schäffh\ 1317 mü
^Burch, Schaflino' urkundet (Mystikerpaar S. 52), Die Ratsangehörigen des Geschieektes sieh bei
Leu, Helv. Lex. XVL Heinrich, des Rats 1333, wird bei der Regierungsänderung 1336 für einigt
Jahre verwiesen-, dagegen erscheinen als Ratsherren 1336 und 1337 Johannes d. ä, und d. j. Ein
Meister Johannes 8ch, war 1271 Chorherr, ein Ulrich 1285 Leutpriester zum Großen Münster,
ItL Elfibeih ScheäTlb.
23
Darnach liess och der böss gaist sin iibly gen ir nit ab und erschrakt sy
dik mit manigen dingen. Etwenn fand sy naltren und sölich gewürra an ir belt
ligen in dem dorrmitter, Ze einem mal was sy kellerin; do kam der bös gaist
7,ü ir in den keller und sy vertraib in getdrstiklich, und band da ain crucifix dar
ton /My, das er dester minder gewalt da hetty. Sy nam och dik vil streng 5
disciplinen, und in dem tet er ir och vH laides. Etwenn knüwet er neben t sy
und schlug denn über die tnassen fast. Sy hielt den orden in allen dingen, und
den gantzen fliss vieng sy an, do sy erst in das kloster kam. Won als da vor
geschriben stat, das sy als gar siech was in dem ersten jar, doch hielt sy also
Jr schwigliehy das sy es selten brach durch ir krankhait willen. Darnach ze 10
allen zitten und an allen stetten so reit sy wennig.
Sy bat och nit alain fliss ze grossen dingen, sunder och an den minsten so
hfit sy sich. Sy namt enkain Schwester mit ir rechten namen, sy sprÄch Schwester
darzü, joch ir lipliche • S -, Sy was och gar emsig an andächtigem und
/ijo/ grossem gebet. Und in dem zit do sy pornerin was, wenn ir denn die 15
mdss ward, so gieng sy in den kor ald sy sprach by der port ir gebet t. Sunder
werk kam ir niemer in ir band. Sy hat och mit niementt usswendig zetünd.
Ir Wandel was och gar senft und mineklich gen allen den schwestren und hüt
sich vor aller verlasen hait mit fliss, und an allen werken markt man wol das sy
es von andacht tAtt und von ainem min enden hertzen. So sy ettwenn hinderred 20
hortt, so sy das nit gebessren mochte so stund sy ufT und gieng dannen; won sy
erkant wol das es ist ain Zerstörung des hertzenfrides und götlicher min. Was
man ir fis^/ befatch, da was sy als gar flissig zu das uns dik dunkt das es gar
über ir kraft wer*
Der coventt was och ze ainem mal in kumer von alns urliiges wegen, und 25
tatend die schwestren gemainlich Sant Margreten gebet t, und das wist sy nit.
Und do in der cumplett ward und sy under dem covent stund, do kam ain gar
schönes liecht geches als an blik schoss, das es etlich schwestren wol sachent und
och etlich usser lütt: die forchtend das der kor enbrunnen wer Und do das
liecht vergieng, do wistend die schwestren nit, die das liecht haltend gesechen, 30
was es mainte* Aber die salig schwester erfraget recht in ainer geche was
gebettes der covent hett geton. Do ward ir gesait: Sant Margrethen. Do strakt
sy sich uff der stat vor /i^*»/ allem dem covent mitten in den kor und tetl och
1. Vbel (Mißverftändnü) AV 3. tonnen t* A'. 4. dtß Jtorr. attä dem G. 4, und band
^ und wir babeti; gtaü hand fnißv^ständikh hangt ttnd nach dar da4 ton getilgt N (band wig-
gttoMrn und r. hat Cy überge^chriehm Ü). 10. fweige N* IL wenig Wer wenig G\
dit Auflomng trsdmni nnsichtt. 15. pomerin G\ i, poi-tnerin? {to N, porttnerin Ü)*
16, 17. VöUcze werck kom^t N (ftmd' we*ck kam C'). 28, an) ein N, 32* strakt]
ftraflft iV. BB. den] d^m A"^.
25, urldges] mahrftcimnlich dm Streite» auf dem Toßftid tm Kampfe zwüchen den Anhängern
Jd&lfi vm Nauau und Jtbrecht$ t?o/i Hab96urgi tgL unten hei Jutzi Schukheißin {Q fOS^ff.}.
24 III* Elsbeth Schefflin.
das selb gebett. Und do sy ufif wolt ston, do was sy alls krank das sy zwo
schwestren denen mftstent fören, und do was sy by xiii wuchen in sAlidier
krankhait das man wond das sy ainen schweren siechtagen hetty. Und damacb
sait sy das sy Sant Margret bestrafet het, das sy ir gebet nit hat geton, und
5 das sy zft ir was kamen in ainem als wunnenklichen liecht das es ir ze über
kreftig was und enkainen andren siechtagen hat.
Sy sass och ze ainem mal in dem kor nach complett: do kam ain als
wunnekliches kindly durch den kor gegangen, und do es zt ir kam und als gar
mineklich was, do sprach sy: ^Ach min liebes kind, wer [le^] bist du?' Do spradi
10 es gütlich zt ir: ^Ich und die drivaltikait sind ain ding, und als gewarlich das
war ist, als war ist das du von mir niemer geschaiden solt'
Ir was ze ainem mal ain ampt befolchen; do dunkt sy das es über ir kraft
wer. Und doch gedacht sy: *Her min, nun wil ich von minnen gehorsam ao,
als du Ton minnen dinem himelschen vatter gehorsam wollest sin.' Und do sj
15 darnach in den kor kam an ir andach, do naigt sich unser her ab dem grossen
crütz das an dem lingen kor stat, recht tiefif herab gegen ir, und an dem selben
yerstflnd sy wie danknem ünserm herren ir gehorsamy was.
Von grosser lutt//7a/erkait, in der ir hertz stund, do ward ir och etwenn
ze erkennent gegeben wie rain und wie lutter etlich schwestren vor Got stftndent
20 Ze ainem mal, do sy an irem gebett was in dem refentar und die sälig Schwester
J^li von Wurmenhussen och da an irem gebet was, do sach sy das die selb
Schwester Elli also lutter was als ain eristall. Do fragt sy sy darnach was sy
der zit bettety; do sait sy ir das sy vor krankhait der zit nit möchte getün, won
das sy sich demütiklich für ünserm heren naigt, und gedacht: 'Herr min, künde
25 ich nun getftn das dir loblich wer, das tatt ich gern.' Und do verstund sy das
Got das erbietten als danknem was.
Sy was och ze ainem zit ufif der kapeil [n^] an ir gebett, und do sacb
sy das die sälig «S- Ellsy von Elgö vor dem schönen bild unser frowen
knüwet und das ir Hb oben dem gürtel als lutter was als ain kristall, und sach do
30 in der lutterkait ires libes ain liecht, das was so schön und so klar als ain
2. dene mit Strich über n und e; /. denne? 5. zq am Rande nadigetr. G, f. N. 15. andacli
so Q. 18. lutt I tterkait Q. 21. 611i G. 24. vnser G, Auflösung unsicher; ebenso vnßer K
25. tatt 80 0. 27. zit am Rand nachgetr, G. einer z. iV. 29. oben d., en durchstr, (r.) G,
ob'thalb d* N. Die Korrektur in G beruht auf dem schweizerischen Gebrauch von ob als Präposition.
21. Wunnenhuseen] Dieses Geschlecht erscheint in alter Verbindung mit Töß: die erste SchenkuRif
an das Kloster^ 1239, geschieht durch die Grafen von Kiburg im Auftrag ihres verstorbenen Ministerialen
Heinrich von Womhausen oder Wurmhausen ; sie betrifft Güter auf der Hochebene südlich von Kiburg
{zu Luckhausen^ Wolfgruben, Agasul, Erisberg), wo noch heute der Name Womhuseräcker an einem
ca. 2 ha großen Landstrich haftet, 1260 erhalt Töß Güter {u. a. auch in Wrmenhufen) zu Ltheti,
die früher Peter von Wornhausen gehört haben. Für die Güter derer von Womhausen gibt Toß
jährlich dem Bischof von Straßburg, als Lehensherm dieser Güter, 10 Pfd. Wachs. Ebenfalls l2C*f
erhält es von Peter von Womhausen den Zehnten zu Dorf, Sulzer, BGT 9 ff.; DKT, 28. Elg*^
s. S, 25,12 und Nr. XXVII (ö 120^» ff.).
II L ElBbeth SchefiTHu. 25
lüclitende sunn, und das selb Hecht für recht spillend und sich fröwend in ir,
und ward ir ze erkennend geben das das ir sei were. Und do gedacht sy:
*Gesac/t dich Got, selgy Schwester!* und gedacht do; *Ach ich arme Sünderin,
wie stal es umb dinn selT Und in der selben stund do sach sy im Hb in der
selben luUerkait und ir sei in der selben klarhait und in spilenden fröden als sy 5
die vor genamten Schwester gesächen hat. Dise gesteht weret ain gut wil an
ir^ ijs^f und hie von enpfieng sy unmäsigen frosl* Die gnad besehach ir nach
meti» und also belaib sy an irandacht untz das der covent über tisch wolt gon.
Nun hflrenl hie ain wunderliche bewerung von der gaistlichen gesicht. In
der selben stund do kam ain red in den cofent von dir gnad recht als och ir 10
besehen was, und dise red was ze dem ersten komen von Schwester Eilinun
von Elgeo der legen Schwester, die was ain usgenomen gütt mensch* Und do
man die darumb fraget» do sprach sy: *Ich lognen nit, ich hab es gesait, aber
es kam mir von nie kainem menschen für/ Nun hat die selig schwester Elsy
Schaflin ain lipliche schwester hie, und die wundret itH^J sich das es als offen 1&
was, und straft sy darumb das sy es iemen heti gesait. Do sprach sy: 4ch geret
hüt wort mit niemen und kam hüt nie ab dir stat\ und sy wond das sy nit
daran weri, und wider sait es offenlich. Darnach do fragt sy die selig schwester
Jüai Schult hasin gar ernstlich darumb, und sy wolt irs nit sagen und lognet
sin- Darnach über etwe vil zit do kam sy zu ir und wainet hertzlich und sprach: 20-
'Ich bin als innenklich betrübet das ich als unwar han gesait, won alls das
du von der sach hast gehört, das ist ales war, und waist doch Got wol das ich
es nie menschen gesait, wie es joch für ist kumen/
Als nun dis usserwelt mensch erzaiget mitt iren haiigen //.9a/ werken das
die götlich min bran in irem hertzen, also erzaiget sy es och mit ainem minenk- 2*>
liehen jamer und mit begrrlichen wortcn die sy rett nach dem tod* Und do sy
an irem tod lag, do müst man ir singen sissy wort von dem himelrich. Und
als ain zitt für kam, so sprach sy begirlich: *Nun bin ich aber dem lod nAchen'
Mitt ainem andächtigen end schied sy von dir weit zfl der ewigen selikait.
iivj 8 Margret WilUn. ao
Der milt Got, der sin gfilty manigfaltiklich erzaiget dar an das er sin gnad
niemen versagen mag der sy mit rechtem ernst suchet — won das hat er
sunderlich bewist an unser Schwestern ainer, hies schwester Margret Willi n,
2. a, gedach — ge/acht 0, gedacht — gefach K 4, im ifcofr. am ir O. 9. der tor.
aic# die; /. dir? lü, dirl diß* K IL eUinun, dünn nun gctstr. (r,) 6, ellinen R
12. legen | l»yg A^ 15. fchaffli A; 15. hie korr, in (r,) da G. 16. geret ] gc fweAfr. G,
18. die selig /: M 19. fchult auf Rasur Q. fchtiltheint N, 19. SchullhuBin ] #. ti. Nr. XX F.
31. Der ] tmtialß D mijf Ntjnne im Nemd, Jnnt und SthuUem nackig in der rechitn Hand eint Geißel N.
30* Wim i^i noch hmiU mn häuügtr GmtMtcht$num€ in der deuUchtn Sdmeiz {nach £«m, iietp,
Lex.i in Bem^ Appenzeif, Qrauhfintfen^ MiWtannn).
26 IV. Margret Willin.
und 119^] die was in iren jungen tagen als liechtes und emsthaites lebens das
man sprach das kaini in dem kloster ir gelich weri. Und do sy noch do in
g&tter jugent was, do gab ir unser herr gnad, das sy ir altes leben ze mal
yerschmahet und kert sich samhaft ze Got, und das beschach in als kurtzem zitt
^ das die schwestren in ain wunder da von koment, und fieng als ain strenges
leben an das sich ir kaine in dem closter geliehen mocht
Ir gen> nit an des ordens strengi, den sy flisklich hielt: sy arbait sich
noch fil grösslicher, das wir doch nit alles ze Worten kunent bringen. Aller ge-
sellschaft gab sy ain friges urlob; Des redvensters und aller ussrer menschen hat
10 sy kain acht, und 120^] joch gen iren aignen brftder, den sy in ünsrem orden
hat, gen dem hielt sy sich usserlich. Sy schwaig vil nach alwegen, das sy nimer
wort geret. Sy hatt ain hobtküssy von velwen und ain hertty hurt under ainero
alten strat. Aber als vil stain als so man ainen estrich lait, also was ir bett,
da sy an rftwet. Sy trftg ain herin hemd an mltt grulichen knöpfen und ain
15 starken ysnenen kettenen umb iren lib. Sy nam zwischent tag und nacht dry
disciplin mit ainer gaiselen, die sy darzfi gefnimt hat. Sy as wenig spiss und
trank selten win; so sy aber etwenn win trank, den yermist sy, das er
we/^OVnig kraft hatt. Sy wachet och als emsklich das man achtett das sy
dik kum ainer yigili lang schliefif.
^ Und ze ainem mal do sach sy ain gesiebt, das sy dunkt wie unser her durch
das tormentar wurd gezogen, als im die Juden tattend, do er gefangen wart
Und dis was ain als gar gemerliche gesiebt das es ir als gruntlich zehertzen
gieng das sy für die stund nie wolt geschlafen. Und so man complet gesang,
so gieng sy nider und stund denn ufif an dem ersten schlaff, so etlich schwesti:en
25 noch nit nider warent, und bettet denn in dem tormitar untz das man den kor
entschloss, und /2i«7 blaip denn für sich in dem kor nach metty. Und so es als
gar kalt was, so nam sy iren strat umb sich und kam nit uss dem kor. Etwenn
salzt sy des schaprens kugelen uff und lait den wil dar über, und also gieng sy
och in dem tag gar dik und vil nach alwegent verhenket untz ufif die ogen. Ze
50 ainem ainigen mal was sy vor prim zitt nider gangen, und do zeprim ward, do
stund unser hervor ir und sprach: 'Dir zlt stund ich vor gericht: so list du hie
und schlafest.' Wenn man zewerk lut, so gieng sy bald in das werkhus und
span denn flisklich, und was denn iemer da wer besehen, sy hett ir ogen nit dar
kertt, und runnend ir die trächen von grosser [2if>] andacht recht emschicklich
1. "leböf" vnd ernfthaftes G. 7. flifklich am Rand nachgetr, O. 8. wirG;
^ufzuiosen: wier? 8. kuSet 0\ aufzulösen: kunnent? 11. gen am Rand nachgetr. 6.
11. nimer] ni am Rand nachgetr. G. 12. "hertty" ain G. 17. vermift «o Ö. 18. we|ig6.
33. iemer nachtr. durchstr. (r.) G.
23. Die kanonischen Hören sind: Matutina und Landes um Mittemacht, Prim um G^ Ters
um 9f Non um 12, Vesper um 3, Complet um 6 Uhr.
IV. Margret Willm*
«7
Über ir wangen. Und so sy erst die glogen hört, so gieiig sy bald wider in den
kor. In dem sumer nach dem tisch segen so nam sy vor letltchem bild in dem
kor ain veni und lait sich denn uflf ir hurl und r&wet untz ze non. Sy übt sich
och daran das sy ze kainem venster uss sach, El wenn versÄchtend sy die
jungen schwestren und tatenl als sy ain wunder sechint: so kert sy ir ogen 5
niemer dar.
Dis streng leben ftbt sy dik nn sunderlichen Irost, das sy ir selber etwenn
ain zil satzt, das sy gedacht: *Nun bait nit won untz momJ So man sy etwenn
straft umb ir herles leben, so sprach sy: *Ich müs es tun: won lies ich lint ab,
so wurd ich es schier als ab/^S^ylan/ Won sy nun nitt hpliches trostes hat, do 10
trost sy linser her doch dik süsslich mit im selb und sunderlich mit siner liep-
lichen gegen würlikait» als er in dem kor stetiklich by uns ist Got und mensch.
Won dis was Ir gewonhait, so sy nit in dem kor mocht sin; so was sy aber by
dem kor, won so sy by dem confent solt sin.
Ze ainem mal vernam sy das man unsern heren in die kilchen wölty setzen, 15
das er alwent da sAIty sin. Do ward ir klag und ir jamer also gross das sy
tätt als ir hertz in irem lib wölty brechen, und das die schwestren von ir grossen
klag hertzlich wurden t wainen. Sy hat och sunderlich andacht ze ainem bild als
unser herr vor gericht stund, (22^} und bat in denn gar inneklich das sy an
dem jüngsten gericht genAdeklich gerichtet wurdy. Und do sy ze ainem mal in 20
dir bett was, do wart ir gar gütlich geantwurt von Got: *Du bist ietzt gericht als
du gericht solt werden/
Sy bettet och gewonlich vor unser frowen bild in der capell da die dry
kling stant. Und do sy ze ainem mal gar andächtiklichen da bettet, do trosl sy
unser frow süsseklich und sprach gar mineklich zft ir: *Min kind, du solt wissen 25
das du von mir niemer geschaiden solt werden/
Man hatt ze ainem mal ainer siechen Schwester unser heren geben: also schoss
er von ir mit andrem griitichem ding, und do bewiset sy och ires herlzen begird
und trank es als beben dekl ich uss als [23*>] ob es der best kleffner wer gesin.
Ir strenges und ir haiiges leben bracht sy an ir end. Und do die zit kam 30
das sy unser herr zd im nemen wolt, und man ir unerschrokenlich sait das sy
sterben solt, do lachet sy gütlich und schlug an ir hertz und sprach wolgemütlich:
*Das ist das herlichest leben das ie wart!' Und also schied sy seliklich von dirr
weit. In der selben nacht do was ainem ussren menschen, der von ir Übung nit
wist, in aim trom, wie sy uff ainr hurt uff dem aller luttresten wasser enweg für, 35
und ist geloblichen das ir sei für sich zu Got füre»
8, Baut G. 11. ludetlich 0. 11. ow liplichen korr. G. 13. cöfent
um Band durch kor erseUif in der Zeik (r.) ^e^ir. 6. nit mocbt in dem kor beleihe» X
20. gericht, dann et einffeßkkt 0, 29. Mtait kleftuer von ipüterer Hand wia «Vi eine um dir
iTiien ff and gela^Mne viel umitere Lücke e%nff€»chnebtn (?» kleffoer mk RandglotBC wel A^
29* Klävner in der OsUchntm^ noch jetist i Traubemorte ^nd IVdn von Ktavent Chia^enna,
28 V. Mezzi Sidwibrin.
[V] Von der s&lgen S- Mezzi Sidwibrin.
Wir haltend och uss der massen ain sAsse sälige Schwester, die hless
Schwester Mezzi Sidwibrin und was gftttes allter do sy in dis kloster kam, und
was [23^] aber gar güttes lebens do sy in der weit was, nnd was als gar ain-
5 t;altig und schlecht ze allen usswendigen dingen, und hat aber ain gar minricben
süssen gaist gegen Got, und das zaiget ir usswendiger wandel an Worten und an
werken. Und recht als sy von natur ainyalt was, also Abt sich och die gnad in
ir. Wie sich aber die gnad uswendig zaigte an ir, da von wend wir ain klain
schriben.
10 Sy hatt sunderlich die gewonhait das sy sich in dem kor naigt fär unser
frowen bild, und lag denn und sach über sich als ain mensch das kainer ding
acht hat won Gottes alain. Und so sy die schwestren etwenn fragtent, won sj
als vil vor unser frowen bild was, ob sy kainest mit ir rette: so sprach sy usser
aim ainvaltigen sin: ^Sy rett dik [24^] mit mir und lachet mich an: so hat ich
15 mit irem sun als fil ze tdnn.' Sy luff och etwenn in dem kor in der cumplet
umb, recht als sy nit sinn hetty, so man das Salve regina sang, und schlftg
denn an die schwestren von rechter gird und sprach: ^Singent, singent: Gottes
mfitter ist hie!' Und hattent es die schwestren da für das sy ir erschinen wer,
won dem warent ir geberd wol gelich. Nun was sy als gütter ainfaltikait das
20 sy wond (als sy dem gelich tet) das menklich ze mftt wer als ir, und daramb so
verbal sy sich etlicher ding nütz nit. Und ze ainem mal, do die wuchnerin
besprangt in der antifone, do sach sy unser frowen mit ir umb und umb gan,
und das sy ainer ieklichen Schwester naig, und do sprach sy mit lutter 124^] stim
und zaiget es och mit der band: *Wichent, wichent! Gottes mfttter gat selb umb!'
25 Sy was och als begirig Gotes wort zehörent, und mocht man denn als gar
licht gebredyen, das ain als gross wunder in ir ward das sy es uswendig er-
zaiget. Etwenn sties sy nebent sich die schwestren die by ir sassent, und
sprach: 'Lose, lose! hörest nit, wöle wunder!' Und sass also dik und wundret
sich mit worten und mit geberden. Etwenn zarttet sy och den heren die als
30 wol bredgetend, gar lieplich. Und sunder do bredget ainest der provincial in
dem advent als wol von dem wort Ecce das es ir als nach zehertzen giensr
das sy von rechter gird zetusent malen ecce las. Sy sach och ainest ze wiche
nicht das dem heren der da bredget, ain hüpsches kindly uff /2J«y der schos
sas. Sy gieng och etwenn von überflüssiger gird in die stuben und sprach zu
2. (W]ir unvollständig in S[irl geändert (r.) O, 3. allter so Cr; /. altera? so X (f ).
3. dis in das geändert O N, 5. ain waltig G. 15. als fil {mit Verweimngszeichen) am
Rand nachgetr. Q. 22. antifne Q, antiph^ N. 30. zu bredgetend (mit VerweUungi-
zeichen) am Rand vii (wohl irrtümlich) 0. 33. wiche nacht so 0, 33. vff i| vff ö.
1. Sidwibrin: das Maskulinum wäre Sidweber — als Familienname uns sonst nicld
bekannt und vielleicht nur persönlicher weiblicher Zuname, 16. Salve regina ] auch unten S. 47.
Y- Mezzi SidwibriD.
29
den schwesiren: *Kinder, kinder! Ihesus ist unser!' Etwenn sprach sy och zÄ
inen mit lutter stim: 'Ist Ihesus yene hie?' So sy denn etwenn sprachent; ^Nain
er\ 50 wolt sy och da nütz nit zetünd han.
Sy hatt och sunderUch gnad darz& das sy sich als fliseklichen ftbl an g*?*
mainen werken. Und so sy sass und span, so was sy als voll andacht das sy 5
recht hin floss, und sass denn und rett mit ünserm heren, als da niement wer
denn er und sy* Etwenn sprach sy: 'Herr, ich wil dir sin getrüwen das du mir
umb ieklichen faden den ich spinn« ain sei gist\ und runnent ir denn die trehen
recht genuchsamlich über ir /^J*/ wangen. Etwenn fieng sy an besprechen süssy
wörlly als; Propter Syon non tacebuni, und was ir denn als rilich zeniftt 10
das sy recht schlug mitt den henden, das es erhaL Etwenn fieng sy an und
sang sussy liedly von ünserm herren als frölich und als wol gemütlich in dem
werkhnss under dem cofent. Und sunderlich do sang sy ain lied gar begirlich,
das sprach also:
Wises hertz, fluch die minm 16
die mit laid mfis zergan,
und las dich in dem besten finden,
das mit frAden mag bestau.
ob du falscher min bist: der
li dich ab; Got laide sy dir* 20
Wie sdss als ir leben was, das kan man nit zeworten bringen. Won als vi!
das ir mund überflos von süssen worten» ir ogen gussend uss recht emssklich
die süssen min/^^Jo/trehen, und mit Worten und mit wandel tett sy recht als
niement wer denn sy und Got, Etwenn sprach sy von grosser min; *Herr, werist
du Mezze Sidwibrin und wer ich Got, so wöIt ich dich doch Got lassen sin und 25
wölt ich Mezzi Sidwibrin sin/
Ir haiiges leben bracht sy ufif ain gUttes end. Und doch do sy sterben soll,
do sprach sy: 'Ach das wir ze dir stund alle nit sorgen! T
i^ij Von der säligen S Beli von Liebenberg.
Wir hattend och ain gar selige Schwester, die hies Schwester Beli von Lieben- 30
berg, die was ain witwe do sy ze kloster kam, und was gar ain weltliche frow
die wil ir wirt lebet. Nun fAgt es sich, das ir wirt starb, das sy grosses liden
6. "rett" vfi O, BpSter vB por rett etngefticki^ ab^ vn hmier rett g» fügen ver^esien.
9. ftD avsgefalien ö, siehi K 10. t^cebo iV. 15 bu 20, die Veru ntcht ahge»em G N,
15. min Cr. la befton 0. 19. der] /, ir? d' X 20. L leide &'? leide fi M
aO. [W| ir fini^UaL m Sir geändert ö, 32. da» i. so G N; /. do L?
10. Jen^, 62 y i\ Propter Sion non tacebo^ die Abänderung in tacübunt (G) geht vieäeicia
auf den iänTgischm Gebrauch einzelner Frauenkiöiter surüek 28. Die Edlen mler Freiherr^
von Li'ebenbirg, ah Erb ■ Untersvhenken du StifU Einsiedein teilweüe auch Schaken von Liebenberg
genannt, stammen entweder ttm emer Burg bei Mmchük&rf oder einer suchen hei ZeU im Toßiäl
30 VI. Bell von Liebenberg.
an gieng, won er was in dem bann, und getorst man inn nit begraben, won das
man in also hin satzt in das bain/^^Vhus. Und da gieng sy alle tag hin und
satz sich alle tag zft im untz das sy ainen salter gelass. Und also sach sy das
gar yil wiirm uss dem bom fielent, und das wag sy als fast das sy gedacht:
5 *We, warzfi ist ale din zftyersicht worden!' und satzt do festiklich in ir hertz
das sy numen ze der weit wAlty. Nun was ir mfttter gar ain sälige frow UDd
was in Bürgenden gesessen, und dar fflr sy zft ir. Nun was do der bredger
orden noch do da unerkant. Und kam ain brftder dar, der hies brüder Aquillus,
und was der ersten brftder ainer die in tüsches land koment. Und do sy io
10 sachent, do wundretend sy sich ab im, was lutes er wer. Und do sy vemament
was ir orden was, und sin bredge hortent, do enpfiengend sy in mit grosser
wirdikait in ir hus. Und also loset dise selge Schwester sinen Worten und folget
[27^] sinem rat als fil das sy fiir dis kloster kam. Won dis kloster was do er-
haben zebuwent, und sassent die ersten schwestren noch by der bn#g in ainero
15 klainen hüsly. Also sass sy xxx jar vor disem kloster. Nun hat sy ain ainiges
tochterly, das hat sy Got geopfret, und also tett es sin etter wider iren willen
zft der weit. Und der frowen tochtren komend fünf her und sy selb, und do
kam och do disy selig Schwester her in, und lebtend alle tugenlich und säliklich.
Diser sälgen Schwester was unser herr gar haimlich mit sinem sunderlichen
20 trost. Sy lag fil jar von alter und von krankhait in dem siechhus, und doch so
was sy gar flisig zegebett und ze andacht, das sy das durch krankhait nie ablies.
Sy hat och die xi tusent megt sunderlich lieb. Und do ze ainem mal an ir
hoch/27 Vzit ward, do was sy sunderlich krank, won sy was iiii wuchen stetik-
lieh gelegen. Und an ir tag vor metty do was ir wie zft ir wurd gesproch^:
25 'Stand uff und gang ze metty!' Also wart ir als wol das sy uff stund, und nam
zway grosse bftch uff sich, da sy mety an las, die ir ungewonlich warent ze tragent
Und do man das ander zaichen zemety lut, do sach sy des kores tür uff gon
und sach die xi tusent mägt in den kor gon, ye zwo und zwo sament, und
1. in n. G, 2. satzt] dcL$ zweite t zugeflickt O, 8. aqnUlnB G {der Name nicht
ausgezeichnet), aquiUus N. 13. korr, in: f. zu töIT fiir das kl. 13. W. dis ] korr.
in: das. 14. "fchweftren" erften Ö. 14. brug] bürg Ö, pürgge N, 16. etter] Ärarr.
in vatter G-, so N (Ü). 18. tugelich so G.
{Leu, Helv. Lex.). Über Berta (Beii), Witwe Ritler Heinrichs von Liebenberg, der als Anhänger
Kaiser Friedrichs II. im Banne gestorben, und über Liebenbergische Vergabungen an Töß von 1241
{mit der Bestimmung, daß die Witwe Berta des Ritters von Liebenberg in lebenslänglichem Besitzt
der bez, Güter bleiben solle) und weiterhin vgl. IL Sulzer BGT 11; DKT 86{6)f, 93{13). 1291
genehmigt Graf Hartmann von Habsburg die Vergabungen seiner Ministerialin an das Kloster Toß^
worunter sich Güter in Dorf, WaUalingen, Nußbäumen^ Neuforn, Büttenhart, Loa und Bremüo
befinden; damals scheint Beli von Liebenberg gestorben zu sein. Ebend, 87(7), — Bei Plaeidus
Murer {Frauenf. Hs. y 105) heißt diese Nonne ^ Beli oder Barbara von Liebenberg* {ebenso weiterhin
bei Beli von Schalken, Beli von Sure, Beli von Lütisbach), 8. bredger orden] der 12 IJ
vom Papste bestätigt ward. 14. brug] die Toßbrücke, vgl. oben G 2^, S. IS, 12 und Anm,^
und H. SuUer, BGT 39. J7. frowen] nämlich der Mutter Belis?
VL Bell von Liebenberg^
31
10
m
nigent den schweslren an ielwedrem kor, und giengent och denn für sy ston und
nigent ir gar gütlich, und trüg ain ieklichy ainew grünen balnien in der band, und
luchtend die bletter als die tüchtenden sternoen, und gieng ain als gar uss der
massen süsser schmak von den balmen /2S^} und was der glantz als gar wunnek-
lich und der süss schmak als zart das es unsäglich ist. Und also giengent sy
in dem kor bin und ber, untz das die mety uss kam, sich frftwend mit groser
fröd. Und die selig Schwester Beli ward als gar durch gössen mit gnaden das
sy recht hin flos von gcnuchsamen trechen, und ward ir hertz also fol Mden
von der über flüsigen gnad und wart also sAssklicb gesattet von dem götlichen
geschmak das sy in fil zites wenig spis nos,
Sy begert ocb als inneklich das sy etwas bekantnus möchte haben \^on der
hajtgen driraltikait. Und do ze ainem mal wart, do dunkl sy das sy uff ain als
gar wunnekliches schönes feld gefüret wurd, und giengent dar uff als mineklich
und als seltzen lütt 128*^], und stundent als lütselig blfrmen dar uff und giantztent
al zesament recht als ain lulter gold. Und was da uff dem feld ain also wunnek-
lieber luttrer brunn und was der dryfalt und flos alwegent wider in den Ursprung,
und was das wasser als süss das es unsäglich was. Also wer sy gern da beliben,
do wart zt ir gesprochen: 'Es sol noch nit sin: du müst e fil liden.' Und
doch blaib ir der süsikait als fil das sy wol Uli wuchen was das sy wenig
spiss nos,
Sy sass och ainest in dem werkhus an ainem fritag vor imbis und betletend
die scbwestren als gar andächtiklich, und begert sy das sy gern bety gewist
wie fil seien des morgens von der scbwestren gebett erlöst werind. Also sach
sy iiii schöne liecbter» und förend die ze dem fenstter uss. Und do ward zu I29^j
ir gesprochen: *Djs sind iiii üwer scbwestren die büt von üwrem gebett 2b
erlöst sind. Aber die seien die alle tag von üwrem gebett erlöst werdent,
der ist ain unzalichy menge. Und also kam ain sei, die hört sy etwas sunder-
lieh an und sprach; 'Frow, Got dank und Ion üeh; ich bin von üwrem
gebett erlöst/
Ir selig leben bracht sy uff ain gut end. Und do das zit kam das sy sterben 30
solt, do erschan ir unser herr und unser frow und sichretend sy das sy niemer
in kain wis sölt kumen. Und do versucht der bÖs gaist ob im icbt werden möebt,
und kam zu ir gar grülich, und schan als lang das im das hobt untz an die tue
gieng. Also erschrak sy als gar übel von siner grüUchen angesicht; doch
sprach sy mit geturstigen wortten; 'Far enweg, fareowegl du macht mir nit 3&
geschaden!*
20
2. ainem G.
33. fchan io G.
8. (leraeD Q.
18 a. ö. 6 MO G.
31. erfchaii $c Q.
1. sn letwedrem kor] d. h. dm tu äeidm Seiten det ihcr€S MÜsmden Nonnen?
32 Vn. Ofinjra ron MOnehwil.
[viij Ton der salgen [st^i 8- Oftmya von MünehwlL
Wir haltend och ain hailt^ s&lge Schwester, htes Schwester Ofmya too
Münchwil, und was der ersten schwestren aine in disem oofent, und was Ton
irem tagenthaften hailigen leben den schwestren als lieb und ab wert das man
h sy in groser erwirdikait hat Und in der wurid unser herr ussgenomenlidi mit
sinen sonderlichen gnaden, won sy och ires hertzen begird gantslich an in bat
gekert Won das zaiget ir selig leben foUikltch das die götlich min ir hertz also
hat erfdllet das sy usren trost gar hat TerschmacheL
Wie sAsseklich Got mitt ir würkt, das mugent wir nit wissen denn gar aklain.
10 Sy flbt sich als gar inneklich in rechter andacht und davon ward ir hertz ab
foll götliches trostes und sflssikait das ir die weg sflss warent [SO^j und lidit,
die gemainlich andren hert sind. Sunderlich hat sy die gnad: so sj zebidit
gieng, und sy gedacht das der bichter an Grottes statt sass, so wart ir als gar
mineklich zemftt das sy etwenn nit gebiditen kund ze der zit Sy knöwet och
15 ainest Tor dem altar, und sait man ir das ir mftter komen wer (und wem sy
fer Yon ir gesessen was, do kam sy licht selten zu ir), und do getet sy nie dem
gelich, won das sy fär sich an hrem gebet was. Und do wurdent ir ussreo kreft
als gar ingezogen, und ward der gaist als kreftig das sy ward schwebe in
dem luft.
20 Sy wart och als gar siech vor ir tod, und hat sunderlich die krankhalt das
sy die spis nit mocht behaben, und da von getorst man ir nit Ansem hereo
geben, und hat [S(^] aber als hertzlichen jamer nach im. Und do aincs tages
ward an ainem grosen hochzitt, do wolt sy die Schwester die ir pflag, nit by ir
Ion. Und do in der mess ward, do gewan sy aber als grosse begird nach
25 ünserm herren. Und do sy also lag und ir begird hat uff gerichtet mit gantzem
ernst, so sieht sy ain liecht, und in dem üecht lies sich ain schöne zwechel uf
ir bet für sy. Also gedacht sy: *Ach herr, was maint dis?' und sieht aber uff
und sach noch ain schAners liecht, und in dem liecht lies sich ain schAne patten
nider uff die zwechelen. Also gedacht sy mit andächtigem hertzen: ^dnser herr
30 wil sich recht über dich erbarmen*, und ward ir gird noch do grösser gegen Gott
Und do sy in dem jamer was, do kam ain als wunneklich liecht [31<^J das sy
dunkt wie alle die stub erlüchtet wurd, und in dem liecht lies sich linsers herren
fronlichnam nider uff die paten. Also wart sy gar unmassen fro, und doch was
1. von f. O. 2, Wir karr, in Sy O. 2. haiige am Rande naehgetr, O, f. S.
3. nach cofent (r.) eingeflickt: t6££ O, 11. foll am Rande naehgetr, 0. 20. wart ]
urapr. wz, geair, G, ward N, 24. aber am Rande naehgetr. 0.
1. Münchwil, jetzt Münchwilen bei Simach im Thurgau^ nach Leu, Heiü, Lex, eine ehemalige
Burg, van der ein Bitter Diether 1249 belegt ist; Offmya (Euphemia) v, M. ist nach ihm 1248 ge-
storben.
yil. Ofmja TOD MüncliwiL
VIII. M^gret Finkm.
33
sy in sorgen; won sy wist nil wie er ir werden solt. Und do kam ze dem
fierden mal das aller schönest Hecht das sy for ie hat gesechen^ und in dem
kam ain zweswe hand und gab ir ünsern heren re^ht als sy in zedem altar hetty
enpfangeni und do ward sy als fol gnaden und trostes, do ir pflegerin kam^ das
sy wol sach das ir naiswas gnaden was beschechen, und sy wolt sy mit nuty
erlon sy mftst ir sagen was ir geschechen wer. Und won sy ir als getniw was,
do sait sy ir es, also das sy es niemen sagen sölti, die wil sy lebte, Dis ist uss*
ivLii] Ton der salgen 8 Margret Finkin*
[3i^] Sy quis non vivet in justicia, ille non potest manere in
sapiencia. Wer nit lebet in der gerechUkait, der mag nit wonen in der wishait 10
Es spricht der hailig Sant Bernhard: ^Got ist ungenem, was du würkest, ob
du das versumest das du schuldig bist.' Dis wort hat wol ze herlzen gelait die
Sc\lig und gnadenrich Schwester Margret Finkin; von der haiigen wandel und
Übung wend wir ain klain schriben, darunib das ir gehugt nitt vergessen werd.
Wie sy uns doch nit mit Worten ze erkennend gab das gut das unser herr 15
mitt ir wurkt, so zaigt doch ir hailiger wandel und ir dorchnechtig leben wol
das die ewig wishait iren schätz in sy hat verborgen. Won iry wort und iry
werk warent also geziert das sy allen den die ir war namentt ain raitzung
[32*^} gab zeGot. Aber wie gar ir hertz gerichtet was uff götliche haimlichy, so
hat sy doch den grösten fliss wie sy die regel und die gesetzt ordenlich 20
fol brecht an allen stuken, klain und gros^ won sy was recht aJs ain luchtender
Spiegel alles dis cofentes an ordenhaftem leben.
Dis usserwelt mensch kam in dis klosler, do sy v jar alt was, und lebt untz
uff Lxx jar tugentlich und Sclliklich in strengem leben mit menger hailiger dbung.
Mitt wie grosser minnender begird sy geflissen wer den orden an allen stuken 25
ze haltend, da von wer fil ze sagen, won das fleng sy an in iren kintlichen tagen.
Sy was steteklich in dem kor, also das sy selb verjach das sy by allem irem
leben nie [32^] zit versumple, es wer denn redliche sach, mit urlob. Sy hat och
gewonhait das sy allwegen for metty uff stund licht ain vigily lang, und las denn
iii patter noster, als unser her Jhesus Christus bettet t uff dem berg; das erst 30
der ellendikait so sin zartes hertz hat» do er sich verzech aller menschen gesell-
2, Hecht om Rande nachg^, Q. 3. zwefwo JO Q. 8. (Tincsklin hier, 9päter
fiackin Ü.) N fügi bei: Vn von Swefter Elfbeth von det meczie. Vn von Swefter Iteo von
tüngen. 9. in vor B&p, tsta Venehm gei&. Q. 22. 23. dis in dea^ dia in das korr. (r.) Q,
8* Fink: em aus^morbene* Qeachhüht der Stadt Zürich \ du Mai« mt itli und ivi^der
Mit 1343^ wo ein RiUger F. kht; einige deä QeichlechU Chorherren mm Qroßm Münster, Leu,
Ifeiü. Lejo,
DentidiB Tflit« d«i Mittelalten VJ. 8
34 VIII. Margret Finkin.
Schaft, und in allen sinen nötten unbehulfen von allen creaturen wolt sin; das
ander der grossen nott so sin eilendes bertz hat, do er gieng uss dem schirm
sins himelschlichen vatters in allen den unmilten liblen gewalt siner Agenden;
das dritf das er gieng uss dem trost des haiigen gaistes, also das sin martter
5 und liden kam uff das aller höchst. Mitt dir betrachtung gieng sy umb untz an
die mety; nach der metty wachet sy stettiklich, und so man sy fraget [S3*]
warum sy als stätiklich wachety, so sprach sy: ^So ich mich etwenn leg, das ich
rftwe, so ist mir wie ich du hörborn hör blasen die die engel blasen söllent an
dem jüngsten tag, und denn kan ich nit rüwen und ston wider uff.
10 Von dem das sy den saltter gelernet, untz an iren tod gelies sy nie tag sy
Sprech ir zit, joch an dem tag do sy starb; und do sy an dem tod lag, do mftst
man ir alwegen ab dem bett hellfen, so sy ir zit solt lesen, un alain an dem
tag do sy starb. Sy was och emsklich in dem refentar und fastet stet die regel
fasten. Und do sy von alter und krankhait nit me fasten mocht, so ass sy doch
15 in dem refentar mit den kinden, die von jugent assent. Ze gemainem werk was
sy als flisig: wenn man ze werk lut, so was sy berait in das werkhus ze gan.
Latin leren ald schriben und sich andäch-/35Vtigem gebett geben, das was ir
State unmfis, denn alain so sy von gehorsami etwas mtst ttn. Aber die gnad
hat sy usgenomenlich, das sy als lüttseliklich von Got rett das es gar begirlich
20 von ir zehörent was. Ir wandel, ire wort, ire werk was als still und senft und
da by yerntinftig und beschaiden, also das sy under den schwestren wandlet als
ain irdescher engel. Und so och etwenn ain gerdsch in das kloster kam ald das
kloster etwa enbran, so verwandlet sy nit ir geberd noch die stat da sy an ir
gebett was.
25 Ir klegt och ze ainem mal ain mensch ain liden das es hat: do hies sv m
gedultig sin und spracht do: 'Weder ist dir lieber, das unser herr zft dinem end
kum und das du niemer in kain wis kumist, ald das dir Got dis liden abnem?*
Do erwalt dis mewsch das besser, /54«7 und belaib im och das liden, und doch
ward es im von ir süssen trost fil gelichtret, won ire wort warent also sicher
30 das der mensch aigenlich da für hatt Got hett ir es kunt geton.
An fil dingen tett sy wol gelich das sy wist die ding die andren liiten ver-
borgen warent. Sy ward och an ir tod gebeten das sy etwas saiti, uns zebess-
rung, der gnaden die Got mit ir hat gewiirkt. Do antwurt sy fil usserlich und
sprach: 'Was sol ich üch sagen? mich dunkt des recht gnüg das mir Got die
35 gnad gab das mich nie verdros was ich tun solt, das zu dem orden hört, won
das es mir alwegen begirlich und frölich was zetftn.'
Ir haiZges leben bracht sy uff ain selig end, und hat ir leben in söllichen
tugenden vertriben das sy gröslich geklegt ward von den schwestren; won es
6. mtty Q. 7. "etwen" mich G. 8. du statt des sonstigen die nachtr. korr. aw dx;
ebenso 5 Worte weäer die aus dz O. 14. vn unederholt G. 20. ire {vor werk) aus ir
ergänzt G. 23. etwa am Rand nachgetr, G, 26. fpracht so G, 28. mefch G.
30. dz nachtr. ergänzt G. 34. "fagen" vch G, 37. haiges G.
VIII*. Elebet von der Meäi, VIIP», Ita von Tüngen. IX. Gütte von Sebdnenberg. 35
ist [34^} uozwifel: unser herr lies den cofent gemaintich geniesen ir hailgen lebens.
Won das hat och der gütt klossner von Veit he im gesait: die wil sy lebte, das
dir cofent behül sfllt sin vor aller grosser betrübt.
Dise salig Schwester Margretha die hat och ir anen in disem kloster; die was
gar ain sälger mensch und hies ^
fnii^j S Elsbet von der Mezi,
Und un ander manigfaltig tugent die sy hat, do hat sy sunderlich die tugend:
so sy ain ampt hat^ so tett sy ietlicher Schwester sunderlich also gütHch als ob
sy kainer nüt nit me täte* Uns sait och ain alte Schwester, die by iren zitten
was, das sy kellerin was, und das man noch do als wenig wins hat, und das ir 10
unser herr die gnad tett, so sy elwenn lang uss ainem schenkfass geschankt, das
es doch all wegen foll was.
Uns [35aj sait och die selb alt Schwester das och ain sälige Schwester by
iren zitten was, die hies
ivimj S* Ita voE Tungen iß
und was als gar haiiges lebens, und sunderlich do was sy als gar senft und sdss-
mutig das sy under den schwestren wandlet als ain senftes tiibly, und das sy
also emsiklich schwaig das man wenig yeraer ir st im gehört, und tett ir der bös
gaist als fil laid das er ir etwenn trowt er wölt sy fiir die port uss tragen und
in die T6ss werfen, Sy sait uns och das sy ze ainem mal turst, und do sy lang 20
uss ainem kopff getrau k, das er doch all wegen t fol was. Unser herr wurkt
süssenklich mit ir mitt nianigfaltigen gnaden, und do die zit kam das sy sterben
soll, und des die schwestren nit wistend, do rftft sy inen fil senftiklich hin zft
und 135^] sprach: *Kinder, ich wil sterben,* Und do erst der cofent kam, do ver-
schied sy senfteklich, als och ir leben was gesin. 25
fW Yon der salgen S Gütten von Schoneiiberg.
Wir hattend och ain andre sÄlge Schwester, hies Schwester Gutta von
Schönenberg, und übt sich mit raanigen hailigen öbungen. Sunderlich do bort
4. amen K 4. Zu kloeter nachgetr. (r.) tÖff G, 6. Auf elÄbet foigt: MehthJlt,
(r.) durchitr. Q. 6. Mezin, dm n {r.) dureh^ir, K 7. mftüigfatig G. 8. 9, 13 (2mal).
27 (2 mal) ßr achwester die Abkürzung *S' wie m dm Cberxchrißen G (sg auch imit g^kgent-
iich im Text). 19. unpr. gaiit aJÄid; als fiJ am Rande nachgetr. G. 20. ^ns tmm Min.
in in korr. Q. 25. fenfeklich 0. 26. von f\ G. 27. [Wtir in Si korr. (mw, u, r.) Q.
7. Ein Oetehlechi Vor der Met Mg haite in ZÜTteh im iS. Jahrhunderi mehrere Maisherren,
im !4. einen Chürherm zum Grüßen Müneter {ZeUy Heh^ Lex.}* VieUmchi ist von der Mezi eine
Entiieäung. 15. Tüngen, j. Thiengen: Städtchen und Schloß im {badiic/ten) Kletigau.
26. Au* einem früh autgestorhenen Geichtechi von Schonen&erg in Zürich #(awmto Johannee, 1480
Aht eu Kappdx mm emer Burg Schonerüterg bei Sttigen im Thurgau^ die mn den Appenseiiem zu
Anfang de4f 15. Jahrhunderis terelsrt ward, ifind ein IVemer 1209 und ein Johann 1269 beiegL
36 OL Gitto Ton SohSnenberg. X. Mirgret Ton ZfiridL XL Aniui von KHngnmw.
sy Qottes wort als begirlich das ir etwenn von andacht an d^ brege gebrasL
8j bettet och als gar and&chtiklich« und ze äinem mal do was sy in inneUidier
betrachtung ünsers harren marter, und do sach ain andre sälge Schwester das
ain als wunenkliches liecht ob ir schwebt recht als ain lichter stem, und das sy
5 das liecht umb geben hat.
[xj Ton der sälgen -S- Margret Yon Zürich, fss^j
Wir hattend och ain ussgenonmy s&lige Schwester, hies Schwester Margret
von Zürich, die hat als gar fll gütter Abung mit wachen und mit emsigem gebett,
und von hertzlichen emsigen trehen was sy under irem antlut als sy gescfawullen
10 WOT. Sy was och als gar siech das man sy m4st uff amem stfll tragen, und
doch was sy allwegen st&t an iren s&ligen dbungen. Die s&lig Schwester sach
dik wunderÜche gnad die Gott mit andren s&lgen schwestren wurkt, und wir
band es aigenlich da für das och unser her fil wundere mit ir wurkte. Aber
das wolt sy uns nit sagen von etwas sunderlicben sachen, das sy dar zfl zwang.
15 Won sy nun als fll gewainet, so befalch man ir ze dem adfent ünserm herra
das bftdly ze mächen [36^] (als wir gewonhait band im gaisUichen ze machen ain
hus und alles das des er mangel hat, do er uff ertrich was), und do sy ze ainem
mal mit hertzlicher andacht wainet, do erschau ir unser herr gar mineUlcb, als
er ain kmdly was, und sass in ainem b&dly vor ir, und als sy ainen trehen t&-
SO gos, der ward bald ze ainem schönen goldknApfly und fiel in das bädly, und
schlftg in das zart kindly mit dem hendly unden in das bädly, und was das als
gar mineklich schön anzesechen das sy grossen trost davon enpfieng.
Dise hailig Schwester sach och etwenn ain andre sieche Schwester, hies
Schwester Juliana Ritterin, das sy recht lutter und durch lachtet was, und das
25 ir lib wol ainer elen hoch in dem luft schwebt.
[xij Von der salgen -S- Anna Ton Slingenow. isr^j
Wir hattend ain ussgenomne sälige Schwester, hiess Schwester Anna von
Klingenow, und was recht ain luchtcndes liecht an hochem leben, won ir
hailige gegenwürtikait was ain sunderlicher trost gemainlich allen den schwestren.
1. brege so G (= bredige). 4. lüchter so O. 7. [W]ir in S\j] korr. Q, 9. hertsen-
lichö, en nacfUr, gestr. Q. 14. vnß in in (sto. «. r.) korr. G. 16. bädlj r. für betiy
korr. G, 19. ir am Rande nachgeir, G. 22. gar am Rande nadigetr. G. 24. d€u erste
dz am Rande naehgetr. G. 27. [W]ir tn Si korr. {sw, «. r.) G.
6. Wohl eine BürgerUehe^ nach ihrer Vaterstadt benannt. 26. Kling nau^ ein 1251
dwreh ükridi und Walther von KUngen gegründetes Johannäerhaus^ jeUt Städtehen und Schloß an der
untern Aare^ vermutlich Heimatsort einer BOrgerUehen; vgl S. 38,26 ti. 39,20. Eine Sophia von
KUngnau unier Nr. XXIII.
XI* Azina TOD Kiingnau.
37
Ir hailig leben fleng sy in ir jugent an, und hat grossen fliss zu den dingen mit
den sy ufif das aller bist möcht kumen, Sy was ain haimlicher gelrüwer fimnd
ussgenomner gütten lütten. Sy hüll sich flissekJich vor unmüssen und vor kumber
zergangklicber dingen. Andächtig und emssig gebett, lesen und latin lernen und
wie sy den orden andächieklich behielt: hie rattt bekumret sy sich flissklich. Sy 5
was och in ir jungen tagen als entzünt mit der gütlichen lieby das ir als begir-
lich was von Got zeredent, das sy et wenn [Si^} in dem winter in den bomgarten
gieng, und sass da als lang und rett mit etlicher seh wester, so sy uff wollend
sto», das in das gewand gefroren was«
Darnach lait unser her grosses liden uff sy, das sy untz an iren tod nie 10
gesund ward. Und doch so ir kain underliby wart,, so was sy flissig in dem
kor, und so sy nit ston mocht, so sass sy in irem stül und sang. Sy hatt och
als grossen andachl zu gemainen werken das sy fil nach alwegen an dem bett
span, und hatt denn vor ir an der kuncklen geschriben disy wort;
le siecher du bist, ie lieber du mir bist, If
le verschmächter du bist, ie neeher du mir bist.
Ie ermer du bist, ie gelicher du mir bist,
Dise wort sprach sy dik begirlich» und sy sait das Got ze ainem menschen
[38^} dis Sprech, Aber wir gelobent aigentüch das sy der mensch was,
Die schwestren saitend och gemainlich das sy als emssklich schwaig das sy 20
selten ie üppig wori gerett, und gab ir aber Got die gnad das sy recht hin flos
von übersüssen wortten, und was das als gütt von ir ze hörend das die hertzen
da von recht in ain bewegung komend; won ire wort Aussen t uss ainem f ollen
hertzen, als geschriben stat; Von überflüssikait des hertzen redet der mund* Und
won die schwestren Got ze allen zitten by ir fundent, da von warent sy gar dik 25
by ir jung und alt Und so et wenn aine ain upig unnütz wort in bracht, so
sprach sy: *Ach nun bist du das ferly von dem Gottes wort zerstört wirt!*
Sy rett och sunderlich gernn von der haiigen leben und ir marter, [SB^] und
so sy etwa was da man nit von Gott rett, das was ir unlidig. So hatt sy ain
gewonhait, das sy Gottes wort als gefügklichen in bracht das ander red recht 30
geschwigen ward, Sy was och ain gelrüwe nachfolgerin irs haiigen vatters Sant
Do mini CO, sunderUch an der ussgenomen tugent das sy ain als getrüwes mitt-
liden hatt mitt allen menschen. Won das saitend die schwestren begirlich von
ir: wenn sy mit kainer betrübt zfi ir kamend liplich ald gaistlich, das sy all wegen t
getröstet von ir giengent Sy kund och niement also betrüben, wer der selb S5
3, kßmer 0; h knmbet üdtr kniumer? 9, ftond Ö, IL kain (r.) ergänzt su
de kam Ö, nach H. 15. 16, 17. dk Zdk nicht abgesem G. 18. 19. $o (r.) kort, aun
dz fy g. E, a. m, fprach 6. 21, wor Ö. 26. ynnutz am Rande nachgetr. mit Ein'
ichitbunyszeichen f?.
24 Matth, i^ß^i Lvk- ß,^: Ei abundantia cordis ob loquitur*
38 2^ Anna von Klingnao.
mensch uff der stat zft ir kamen umb trost libs ald sei, sy wer als bekümbret
mit im gesin als ob er ir nie nutt hetty geton. Mitt disen iiii dingen Tertraib
sy fil nach als ir zit: mitt gebett ald von Got reden [39^] ald lesen der bailgen
leben, und das sy betrübte hertzen tröste.
6 Wie manigfalt ir haiige libung was, das kunend wir nit zft Worten bringen.
Won do wir dis schribent, do was ir haiiger lund als gros als ob sy kurtzlichen
von hinnen wer geschaiden, und was es doch wol uff xxxvm jar. Und do wir
hortend ir folkumen leben, do bettend wir och gern etwas sunderlich Offenbarung
von ir gewist der ding die Got durch sy hat erzaigt. Do hortend wir grosse
10 klag von den schwestren, das sy inen nit weit sagen an irem tod, und kam das
von etwas sunderlichen Sachen darzfl; denn das sy in sait alain das sy gesichret
wer das sy von Got niemer solt geschaiden. Doch fundent wir ain wenig wie
sich ir unser herr etwenn erzaigt hat.
Dem cofent was ze ainem mal schad [39^] beschechen, und des nam sy sich
15 an, und hie von wart sy betrübet, das sy sich ze fil mit bekümret hat, und gieng
in den kor und gedacht das sy gern iren bichter het gehebt. Und also sieht sy
ünsem herren vor ir hingon, und was in der gestalt als sy hat gehört von
Feronica dem bild, und sach sy an mit ainer ernsthafter gesiebt und sprach:
*Nun bin ich doch der an dem es alles stat.' Ze ainem mal do warent die
20 schwestren in sunderlichen sorgen. Do sprach sy frölich: ^Gehabend üch wol,
uch sol nut geschechen. Mir hat getromt wie der allerschönest herr vor dem
altar stund, und hat sich gegen dem cofent gekert und gab im sinen segen, und
trost mich das uns nüt solt geschechen /4007. Do sprach ich: "Ach liber herr,
wer sint ir?" Do sprach er: "Ich hais reparator", das sprichet in tusch: ain
26 wider bringer.'
Ain gftttes schwesterly, hies Lüki, das kam dik von Elingenow her zfl
ir. Und do es zu ainem mal uff dem weg was, do kam ain als groses ungestümes
Wetter das die hirten ab dem feld zu fluchend. Und es ruft allso unser herren
an, und manet in der min so er zu der sälgen schwester Anna hatt Und also
80 ging sy und ain kind, das mit ir gieng^ von Büilach untz her an die strass, das
sy nie dester nesser wurdent. Also sprach das kind: 'Sist du nit, wie fast es
hatt geregnet, und uns nütt ist beschechen?'
Dise Schwester Anna hat och die geu;onhait das sy sich täglich ünserm
herren befalch in dis dry wis: ßO^] das i in die min und in den frid, als den
85 unser herr uff ertrich bracht, das u als er Sant Johannes sin mütter befalch,
das m als er Sant Petter die kristenhait befalch. Do wart also zu ainem mal
7. 8. 9. 12. wir korr, in £y (r.) G (Ü). 26. klingenowe, dann das Schiuß-e gestr, O,
26. her gesir. (r.) Q. 28. zu gestr, (r.\ als Beziehung auf Tofi 0. 30. her (r.) tin^^-
jffunktiert; am Rand (r.), mit Einschiebungszeichen: zu toff O. 38. gemonhait 0. 34. den
(nach als) am Rand nachgetr., mit Einsehielmngszeichen G.
30. Bülach, Städtchen ungefälir halbwegs zwischen Töß und Klingnau.
SL Anna Ton KHtignau^
39
zu ir gesprochen: *Du soll bitten, als die dryfaltikait ain ding ist, das du also
ain ding werdist mit lins/ Sy dunkt ze ainem mal wie sy ir engel in das feg-
für fürty; also hat sy also grosse erbärmd über die seien das es unsäglich ist,
von der wis die sy sach. Und sprach der engel zt ir: *Nun dunket dich diss
gar grosse arbait, und doch, die wil du hie bist, so verdienest du kainen Ion/ 5
Und do yergass sy aller der arbait die da was, untz dar an das ir umb die
stund nüt Ion es soU werden»
Sy bat och gewonhait das sy sich allwegent gern in ir andacht ftbl, als
denn die zit was [4^^]. Und ze ainem mal in den winnächten do sass sy in
dem kor und gedacht nach ünsers herren kinthait, und do sach sy das aller 10
mineklichest kindly u£f dem alltar gon, und was sin herly als ain gold, und wenn
es trat^ so erschuttend sich im die löckli, und gieng ain ussbrechender schinender
gkntz von sinen ogen, das sy dunkt wie aller der kor erlüchtet wurd. Also
wer sy gern z4 im gegangen; do was sy als durch gössen mit andacht das sy
von über kraft nienen hin mochl kumen. Und do sy in diser begird was» do IS
hüb sich das kindly uff und gieng in dem luft in der höchy als der altar was,
und kam zu ir und satzt sich uff ir gewand, als es von ir gespraittet was. Und
do sy es von [4i^] ir grossen begird wolt umbfachen, do sach sy sin nit me.
Es was och ain gdtty klosnerin by Klingenow und hies von Endingen,
die hat sy nie gesechen, und doch gab sy unser herr ir gaistlich ze erkennend, 30
das sy brftder Berchtold iren bichter all ir gesch&ft kund sagen, und sait im
das sy sy gaistlich hat gesechen in dem spiegel der gothait, und das ir Ion soll
sin by den höchsten im himelrich* Sy verjach och ainem gar gälten haiigen
menschen, dem sy^sunderlich haimlich was, hies Schwester Willy von Costentz,
das sy etwenn in die innerkait kam, der ir ain her hörn an den oren helt ge- 2S
blassen, sy het es nit gehört. Da gedenk ain ietlich mensch wie fer sy müst
gezogen sin von allen liplichen sinnen und gesenkt /i^«/ in die grundlosen gothait.
Da sy sfilliche wunder schowet die man mit kainen wortten gesprechen kan, sy
mocht wol sprechen mit dem silgen Sant Paulo: Ob ich in dem Hb wer oder
nit, das wais ich nit: Got waist es woL 30
Do nun die zit kam das Got ir sei wolt setzen in ain stätes ewiges beliben
da, da sy so dik mit hertzlicher gird gewonet hat, do gab er ir ain gar strengen
tod. Nun wolt er sy sinem aingebornen sun geliehen und zoch ir och under
inwendigen trost. Und also manet sy ünsem heren gar dik sines lidens. Do
sprach ain Schwester zu ir; 'Schwester Anna, du ermanest ünsern herren als 35
19. Oher- und Unier- Endm^m, Dörfer in der Nähe von KUngnau. 21. ViäieidU rftfr
D&minikanm' Berih&id, der in der /. Häifie du /*. Jh$. die Saminft coafesaoruni deM Mianr^es
von Freihur^ verdetä^cfäe { Stint nni/. Populäre Literatur des rom.'hanon. Rechts 1867^ S. 5tft — ^%19\
W. Wackernagel, D. altd. H$§. der Ümv.-Bibl. z. Basel ISStl, S. ß2; — V&^utung von Dr. E. Bihl-
meger)l Eine Ahhandlung ^Joaiinb Hobusti Summa' herein Nicolam Breichii de Chur 1449 'Paduo
in Epiac opal i Pal 1 acio ' ahgeachriehen . Et. der Sohth urner Kantamhihl 24 . Wiilivon Konstan»^
«. u. Nr, XX, 29. 90. //. Kor, i2^2: Sive in corpore, neicio; sive extra corpos, nescio; Deoa seit.
40 ZI. Aniui von KUngnan. XII. Beli von Wintertnr.
dik sines lidras, und wenent die schwestren es sy ain ongeduIL' Do 142^] sprach
sy: *Owe, da ist mir als we das midi dunlct wie mich in ieklichem gelid ■
messer schnidmt.' Do sprach sy: ^Gedenkest du nit das du Got dik gebetten
hast das er dir an dinem tod geh ze enpfinden des lidens so er an sinem tod
5 hat?' Do geschwaig sy. Und über ain wil do kert sy sich recht bald umb und
sprach: ^Omnis spiritus landet dominum' und lag do gar senfteklicb, nntz
das sy verschied.
Nun hat sy die sälig Schwester Elli von ElgA die laig Schwester gebetten
das sy sy nach irem tod lies wissen wie es umb sy stAnd. Und do sy in d»
10 sibenden uff der kemnaten betet nach ir gewonhait, do kam sy in ainem als
schönen liecht das sy dunkt: hett sy sy angesechen [4^]^ es wer ir tod gesin,
und floch bald zfl irem bei Es lag och ain Schwester in ainem strengen ritten,
und von grossem geloben trank sy uss ir hobtschidelen, und ward ir des ritten
zemal biks.
15 [XU] Ton der s&lgen -S- Beli Yon Wintertnr.
Wir hattend och ain gar s&lge Schwester, hies schwester Beli von Winter-
tnr, und was der fll alten schwestren aine, und was als gar ordenhaft und als
strenges lebens das sy stätiklich die regel fasten fastet Und wie man noch do
nit won zwirent in der wuchen win gab, so wolt sy doch irem alten lib nit ent-
ao üben, won das man nit kund gemerken das sy an ainig mal in dem siech hus
wer. Un [^^J ander hailig dbing do las sy gewonlich alltag nach metty amen
salter. Sy genflgt och nit gemainer disciplin, won das sy och sich mit rekolten
schlftg. Sy hat och ain gewonhait, das sy niemer in den bomgarten kam, und
so die bom als schön blftgtent, so kund man nit gemerken das sy ir ogen yemer
25 dar gekerte.
Von irem hailigen strengen leben warent ir die schwestren als genädig das
sy wol xz jar supriorin was. Und so denn ettwenn ain schwester uss dem
werkhus wolt gon und benedicite nam, so sprach sy fil gAtlich: 'Benedicite,
das sprichet: wol sprechen, und davon solt nut reden won das gut sy. Und so
30 du getftst das du bedarft /44«/, so gang her wider in.'
Do sy nun von disem ampt gelediget wart, do befalch man ir erst das sy
gesellin wer, und dis wolt ir etwas wider sin, won sy het sich gern in ain rfiw
gesetzet, und doch was sy gehorsam. Und ir selber ze ainer behelfung do haft
sy ain brieffly an ir ermel, dar an stund: ^Als fil der mensch sines aignen willen
85 ussgat, als fll nunpt er an folkumnem leben zfl und nit me.'
6. olB spc O, 6. dnm Q, 16. [W]ir unvoüständig in S[y] korr. (r.) O. 20. zwUehm
dz und man ur$pr, fy, dann geitr, (bw. u, r.) G, 22. rekolten so 0\ ^= rekoltem (vgL Mhd,
Wb. III 31^), 81. ampt uniersir. (r.) G,
6. A. 150,6. 8. wUen Nr. XXVIL * 15. WM eine Bürgerliche mu der Tofi
benaMarten SUuÜ.
Xn. Bell von WiDtertur. XIII. Elibet ZolDerin. XIY. Bell von Sure.
41
Und won ir leben als hailig was, so ist geloplich das unser her fil mit ir
würkte. Sunderlich ze ainem mal, do sy an irem gebett was nach der melty,
do sach ain andry sAlgy Schwester das sy umbgeben was [U^] mit ainem
wunnenklichen liechti und das der götlich gaist all ir kreft allso in sich gezogen
hatt das ir hailger Üb in dem liecht und in dem lufft schwebet, Sy las ge- 5
wonlich och alle jar dem haügen David ainen salter» das ir end süss wurd.
Und do sy an irem tod !ag, do lag sy als sy kaines seres befundy* Und
do sy ietz sterben seit, do sprach ain schwesler: 'Sy züchet hin/ Do sprach sy:
*Wer züchet?' Do sprach die Schwester: 'Das tünd ir.* Und sy erschmiret und
sprach: 'Des müs ich lachen!' Und recht bald do der cofent kumen was, do lO
verschied sy senftiklich und gütlich.
[xiii] Von der salgen S- Elisabet Zolnerln.
[45<^] Wir haltend och ain gar haiige schwester, hies Schwester Elisabet
Zolnerin. Mitt der wurkt unser her fi] güües. Won das sait man uns von ir
das sy als fil gnaden hat das sy sich ir müst weren^ das sy ir sinn behüb. Und lä
das unser her gar miniklich in ir wonety, das zaiget ir usser wandel merklich,
Sy was gar stilK Ir wandel was süss und sanft, und ret gar wenig» Und so sy
in dem kor ze den zitten stund, so runnend ir die trechen recht emsklich über
ir Wangen ab. Och sait man uns das ir gaisl etwenn als gar ufifgezogen wery
in Got das ir üb etwenn in dem luft schwebete* 20
[XIV] Ton der salgen -S* Belinuiii. i^^i
Die götlich min ist ain gezierd aller lügend, und wo das für der gÖtlichen
min brinnet, da mag es nit verborgen sin: dis ist aigenhch bewert an der
übersiissen Schwester Belinum von Sure, die Gol sunderiieh damit geziert hat
das sy ain als süsses minriches hertz hat ze aller zit das ir wandel und ire 25
wort foltiklich zaiget: sy bran in göllicher lieby* Und davon mocht sy anders
12. {czollerin Ü.)
9pBier belinQ 0.)
13, (W]ir unvoiUtändiff in S[j] kürr. (r.) G.
21. (beliDiDunii
12. Züller oder Z&llntr, ein MureheHscftu Ad^geschUchL Konrad von Bock gmannt ZoUer
üi (259 de^ Rati '^m Geschlechtern^. Leu, Heiv. Lez. 21. BtU (Belinum, -an ut Datiü
einer vollem Nom.-Form Belinay vgl Eil i nun S. 25^11; Staglinum S, 93,5)^ Z£. 24 von Sure
genantüi vermuilich am dem Dorf Suhr hei Aarau, wöiier atlerdings auch ein ed/ex öeechleehi
stammte, auM dem Harn 1297 Müherr von Worh, Harn Ji^7 Burger von Bern war. Leu, Helv.
Lex, 24- 25» Doä EpOheton süsa, dbersüss aU Oj^^^oron su dem Namen »o» Sure gewähU?
42 XIV. Bell von Sure.
trostes nit geliden, won unser her bat sy so lieblich gewent mit sinem zarten
trost das ir fremder trost ruch und hert was. Und davon so ir etwas bescbach
das sy mficbt ban betrAbt, so klegt sy es niement, won sy gieng zu irem ainigen
lieb, von dem sy liebes ß6<^] und laides ergetzet ward. Alles das sy von orden
5 tftn solt, das tätt sy als gar begirlich und als frölich das foUeklich an ir bewert
ward das die min nit arbaitete, wie sy doch dik den orden mit krankem lib an allen
dingen strenklich hielt; won friege min hat das recht das sy mit lichtem mftt
trait schwere bürde. Sy was och fil nach allwegent als wol gemüt das sy recht
gieng als sy fliegen weit. Und sunderlich.so sy zekor solt gon, das was ir als
10 begirlich das sy etwenn kum uff den herrt ald das ertrich zefollen tratt.
Mit wie grosser sunderlicher sdssikait Got in ir wurkte, das ist unsäglich,
won ir leben was recht hin fliessend von min und süssikait. Etwenn [46^J wainet
sy als hertzklich, imd so man sy denn fraget was ir wer, so was es nünt anders
won jamer nach Got. Sy sait och ainer Schwester das sy niemer verdruss und
15 ir allwegen zites gebrast. Derselben Schwester gab sy ain 1er und sprach: 'Hab
Got lieb und dien im mit ernst, und wissist das ain mensch Gott in ainem jar
mit min vnd ernst als nach mag kumen das im Got den Ion git, darum er licht
XXX jar mdst leben imd siner angesicht enberen.' Und das ward merklich an
ir bewert.
20 Sy lag och vor irem tod wol ander halb jar das man sy müst tragen, und
was damit als frölich imd rett als gar sAsseklich von Got und bran under irem
anlut recht als ain ross. Und do sy m disem ge/47a7minten siechtagen lag, do
sprach ain Schwester zft ir: ^Du bist recht minn siech.' Do sprach sy uss amem
follen hertzen: *Das wer mir laid, wer das kain min won unser her.' Sy hat och
25 als grosse begird nach dem tod. Nun lag in der zit ain andre Schwester an dem
tod; die ret och gar girlich von dem tod, und also wainet sy gar hertzlich und
sprach: *Sol ich nit wainen das Sebach vor mir zehimelrich wil?' Do sy nun
in disem siechtagen lag recht als sy kaines seres befundy, do flrt man ainen
guten artzet zu ir. Do sprach er sy hetty kainen siechtagen, won das ir hertz
30 begriffen wer mit ainer unmessigen min und mit ainer sennung waiswarnach, das
es über all ir kraft wer und das es ir tod müss sin. Sy mocht ß7^] wol sprechen:
In Christi amore langueo volenti dolore
(Ich siechen in der min mins herren Ihesu Christi mit willigem ser).
Do nun die zit kam das unser her ir begird wolt folbringen, und sy
35 schier sterben wolt, da lag sy als sy kaines seres befunde. Und sait uns die
Schwester die by ir was, das sy als gütlich verschied als sy lachety, und das
was zimlich, won als ir leben fil nach ain sterben was gewesen und sennung
nach dem ainigen gut, das ir do die begirlich stund, in der sy mit im veraint
10. den herrt ald nachträglich am Rand O. 11. "füffikait" funderlicher O. 34. Zwischen
und und sy über der Zeile do nachgetr. (r.) Q. 31. 32. 33. Die Zeilen nicht abgesetzt Q.
XIV. BeH van Sure. XY, EathArina Fletin. XVI Margret vod Hünlkon.
43
so!t werden, ge wandlet wurdi in ain fröd, won die g&tlich minn sterker ist denn
der tod.
|!j DiSj^usserwelt mensch was wol uff xxx jar, do sy starb, und hat ir blugent
jugent verzert in götlicher inwenndikait* [48^}
ixv] Von der sÄIgen -8* Kathterina Pletin- s
Wir haltend och ain gar sälgy Schwester, hies Schwester Katherina Pletin,
und hat ain als strenges leben das es zewundren was das es ir alter lib geliden
mochl, mit stätem fasten und wachen und mit emsigem gebelt, und nani darzil
als starke disciplinen das man ir etwenn sach iren kranken rügen rot von blftt,
und das man das blflt an ir gewand sach, so sy es von ir laiL Sy sehwaig och 10
gar fil, und gantzlich schwarg sy den advent und die fasten. Diser säligen
Schwester was ainest befolchen das sy zu dem tor soll gon. Und do sy ze
ainem mal dar gieng, do was es nasses wetter und hat sy zerbrochen schlich^
und hie von ward sy etwas ßs^} gemüget. Also gedacht sy: Got git dir niemer
kainen Ion umb dise gehorsami; du tftst es als gar unwilleklich. Also trosl sy 15
unser her gar gfitlich, und das sy iren Ion darum nit verloren hett.
Es kam och ainest ir engel zu ir fiir ir bett, und bracht ain sei mit im und
bat sy das sy für die sei bett. Do sprach sy: *Wer ist die sei? Do namt er
sy und sprach: *Ich bin ir engel und sol sy in die wis füren/
/ZF// Von der salgen S^ Margret von Hiinikon* ao
Wir hattend och ain junge sälige schwester, hies Schwester Margret von
Hünikon, und nach manigem hailigen dienst, den sy ünserm herren hat geton,
do verhangt unser her von siner gAtty das sy wol vn jar gar siech was. Und
6. [W]ir unvQÜständig in 8[y] korr. (r.) G. IL Tn am Rand nachff^agm mti Ein-
9chi€bungucichm G. 2L [WJir unvolkiändig m S[yl korr. (r,) G.
5. Plete (Äet Leu feläend): ein Winterihwer GescJikcht, dag 13S9 in Benelamgen m TZß erscheint.
Am 10. AuguMt d, J, vernichtet Frau Ursula Plete ^ des Stephan Plete WUwe^ auf ein Gut Brmten-
fnaite ^ gumten des Ehster» Töß^ dem dastelhe ak Eigen .$tir Au^ateuer für ihre Tochter Sa f in a iU>er-
geben worden . In einer gleichzeitigen Urkun de vereichten S a fin a^ Enabeta und Stephan^ Kinder den
wd. Stephan Plete von Winterthttr, auf aäe Rechte an dem ffof ßreitenmatte eu gumten de» Elosten
Tüß, dem dtrstlhe ah Awttietter Safinens übergeben mt\ Peter Plete ak t%f der Einder siegeh
neigen dem Schultheißen {Siaatsarchiv Zur ich ^ Regeiten von 7*äß). Eatharina Plete ist mM eine
äUere Verwandte und Vorgängerin Safinens. 20. Hünikon^ Dorf bei Neftenhach und Name
eines ehemaligen Edeleiize» zwischen Neftenhach und Dorf , dessen Sprossen Leu als *öuUäter von Töß*
kennt {vgL 8. H^Mff.^ u^onadi der Vater nnsrer Margret vier Töchter in Toß hat und nach seinem
44 XVI. Margret von Httnikon.
do die zit /4^7 kam das sy unser her irer langen arbait mit im selber wolt er-
getzen, und do sy erst verschaiden was, do was die s41ig Schwester EUi yoo
Ellgö in dem kor an ir gebet, als es Got wolt. Und also erschan ir aines fromeo
ritters sei, der was vor etwe langem zit tod, imd was sin sei zehimelrich, und
5 dise sei was als übermässiklich schön und frowt sich recht mit ainer spilenden
fröd. Und do fragt sy warum sy sich als hertzklich frowte. Do sprach sy: *Da
bin ich hüt gegAnlichet von dem vatter und geeret von dem sun und geminnet
von dem haiigen gaist, und fröwet sich hüt alles himelsch her mit mir, und dise
fröd han ich von Schwester Margreten von Hünikon, die erst von diser [49^]
10 weit geschaiden ist, won ich der in dis kloster halff, und wistind alle menschen
den trost den sy davon entpfiengend, sy staltind mit allem fliss darnach das
sy iren frunden in klöster hulfind.' Und in dem selben do sach sy Schwester
Margretten sei in ainem als unmässigen liecht das sy dunkt wie aller der kor
erlüchtet wurd, und was fil seien by ir. Und do dunkt sy wie sich der himel
15 uff tätte und die seien alle mit ir in den himel fdrind. Und do sy do uss dem
kor gieng, do sach sy das sy tod was, und was ir hertz und ir ogen als erfüllet
von dem unmässigem liecht in dem sy ir sei hat gesechen, das sy ^wol acht tag
darnach wenig kain Schwester an der gesiebt erkant.
An diser säligen Schwester hat unser herr erzaiget wie lieb im föO^j lidenl
20 lüt sind, won sy von iren kintlichen tagen ain lidentder mensch was.
Der säligen Schwester Margreten vatter was dis klosters sunderlicher firund
und tett siner tochren iiii her in, und was disem cofent als gar diensthafL Und
nach sinem tod do erschan er siner Schwester in dem schlaf, und sait ir das im
sin dis cofent getruwer dienst als unmässig wissen ald pinn hety abgenomen, und
25 sprach do: 'Wistind alle menschen was gnaden in davon beschech, ob sy disem
cofent dienetind, sy dinetind sich selber ze tod.'
1. Das er von irer ist nachtr. zugesetzt G. 2. do eingeflickt G. 10. dis in
das korr. (r.) ö. 12. im kl. G. 21. dis in des korr\ am Rand: töff (r.) G.
22. thochre G, das erste h unterpunktiert G. 22. her unterpunktiert und dar darOber-
geschrieben (r.) G. 22. difem unterpunktiert und dem darübergeschrieben (r.) G. 24. des, am
Rand dis G. 24. wissen: das zweite s durcJistrichen und unterpunktiert (r.) Ö. 25. difem
unterpunktiert und dem darübergeschrieben (r.) G, 26. dienotind, dann o unter punktiert
und e übergeschrieben G,
Tode noch seine Schwester zur Guttätigkeit gegen Tbß mahnt); ein Heinrich von Hünikon ttar 1310
zu Winterthur seßhaft und ward Bürger von Zürich. Eine Witwe Willeburga von Hünickhon
('deren Slam: nnd geburtshaaß war das Adenliche Schloß Hünickon, zwischen dem Dorf
Nefftenbach, vnd Schloß Henckhartt vnfer von Winterthur gelegen: vnser zeyt verstortt*)
vom Schwesternhaus in Winterthur war 1230 mit dem Frieder Hugo von Dießenhofen die erste
Gründerin des spätem Katharinentcds im Hof der Truchsessen von Dießenhofen, laut der Gründungs-
geschichte in der Frauenf Hs, y 105, s, Einleitung, 3. s, unten Nr, XX VII.
XVJI. M«22i von Klifigecberg.
45
[Kviii Von der salgen 8 Mezzi Ton Elingeiiberg.
Wir hallend och ain gar tugenthafti Schwester, hies Schwester Mezzi von
Klingenberg, und was sengerin, und hat /^ÖV als grosse gnad, so sy mess
anfieng, das ir die trechen recht genuchsamklich iiber ir wangen runnent Die
sillig Schwester sach ze ainem mal, do zwo schwestren disciplin nament, das ain 5
wunnekliches kindli umb sy Itif und zunt in mit ainer kerlzen. Sy sach och ze
ainem mal das ainer andren Schwester, die hies Schwester Gisla, ain als wunnek-
liches kindli nach gieng von dem altar unlz das sy in iren stül kam* Die selben
Schwester sach sy och ze ainem andren mal, das sy als erlüchtet und geziert
was ze dem hertzen als sy ain wunnekliches fürspan vor ir het Sy enpfing 10
och fil sunderlicbes trosles von unsers heren iiden, und sunderlich so sy mit
ir betrübt zu ir kam, und sprach: *Wi6tind alle menschen was sy trostes
en/5iaypfiengint, sy kertind mit ir üden in das liden unsers heren.* Ir beschach
och ze ainem mal naiswas: also ward si angefochten das sy etwas darzfi sprach,
und do sy ir Schwester darnach fraget wie sy sich darinn hielt, do sprach sy: 15
*lch gieng und nam ain als gut disciplin^ untz das mir der zorn wol vergieng/
Do dise s&Iig Schwester von hinnen geschatden was, do hört die sÄlig
Schwester Margret von Zürich gar fil stimen singen, aber aine sang usgenomen-
lich wol und frölich dise wort: 'Ich far uff von der trurikait zu den fröden, und
von der klag zik den obresten frflden*, und do verstund sy das, das es ir sei was 20
und das sy ze himelrich für*
Dise sälig schwester Margret von Elingenberg hat och ir seh wester hie
inn, die was och ain flissige dienerin unsers heren Ihesu Christi: das sachend
wir wol an manigem hailigem dienst [5i^j^ der sy doch dik kumerlich ankam,
Sy geschüff das der altar in der capell gewicht ward und das man das 25
nacht liecht und die kertzen dar git. Und nach irem tod tromt ainem usswendigen
menschen wie sy sy sich gon in zwaigen guldinen schüchen, und sprach: *Sich,
die schüch han ich von den tritten die ich tett do ich sch4ff das Hecht in die
capell/ Wir band och fil nach alle unser gttten bild von ir; fil tüscher bücher
hat sy gefrümet. Aber ob allen dingen so hat sy den besten fliss zft dem kor» 30
1. fa!g§G. 2. [Wlir in Si kt^, (r.) 0. 7. am andre G {Ü)\ einer andren M
7. Gifila ) (fifia Ü). 14. nflifwz zttkchen zwei »eahrechien Sirtvhen G. 22. hie in am Rand
m zu törr kort, (k) G, 2L mt in fy korr. (r.) G. 29. Wir unitrpuriktieri und ty
darühergeBchriehm (r,) G. 29, vnfer unt^punktieri und Ire darüberge^hrieUfi (r.) O {ftier die
Ecrrekiii^ vclikommen »innloi).
L Mezzi oder Margret (EL 22) t)on Kting^nhery enütmnmt wo!d dem $päi4iT «o mächtigen
Hautt, deis&i Stammburg über dem Timrtal hm Wigoltingen statt. Ulrich war 1242 Landric/tter
im Thvrgau\ vxffi GekÜichen gehören dem Gcicitkcht an: Konradf um itöü Abt Vön JUerkeiiigen lu
S€fuxffhausen\ Beinrich, 1244 Domherr xn Chur\ ein zweiter Heinrich, 1211 Bropst ^m Großen
Müraier in Zürich vnd su Ä Stephan in Kontianz und ieü 1294 Bischof dmdhit\ ferner Johanne»^
1290 Proptt £u Biichofe^äi; Ulrich, 1B07 Dtmherr zu Konstanz und Chorherr n/m Großen Müntter,
— Ein Jihredd und ein Ulrich sind 1298 mit König Addf erschiagen worden. Im, Hdv. Lex*
46 XVUK N. N. von Klingenberg. XVIII. Anna Wansaseller.
won sy was obresti sengerin. Sy sang selb untz an iren tod, and ward darzt
aller der kor von ir wol gerichttet. Und tet ir och Gott die gnad, so ir etweuD
sunderlich we was, so sy denn in den kor kam und metty sang, so wart ir bas.
Un fil ander hailiger Abung so hat sy sunderlichen andacht zu f52aj den haiigen
5 fünf minzaichen, und eret sy mit irem gebet und mit fünf strak venyen,
und tett ir denn der böss gaist gar fil laides, das sy etwenn dankt wie ir gross
) müss umb das hobt lüffind und ir in den mund woltind schlieffen, and so lag
sy doch still an der veni. Sy verstund ainest ales das man sang und las, und
kund doch nit latin in tuscht verston. Sy hat och drü ding fil begert: das erst,
10 das sy der tod in ünsers heren dienst begrif; das ander, das sy willeklich sturby:
das drit, das sin hailiger fronlichnam ir jüngste pfrftnd wurdi. Und diss ward
sy foliklich geweret. Sy kam der tod in dem kor an, und lag wol nun tag also
frölich und ret als gar unerschrokenlich von dem tod, und wolt nit liden das ir
iement von [52f>j dem leben saiti. Sy verjach och das sy ain gantzes jar alle tag
15 ir sünd bat gewainet und gerüwet mit sölicher bitterkalt das sy ir gemner ir
hobt von irem Hb het gelon schlachen. Der driten gebet geweret sy och Gol,
won sin hailiger lichnam was ir jüngste pfründ.
[XV inj Von der salgen S Anna fFansaseUer.
Wir hattend och ain andre sälge Schwester, hies Schwester Anna Wansaseller ,
20 und was gar aines süssen senften wandeis. Sy hat och sunderlich gnad ze an-
dächtigen süssen gebetten, und hat och dis ze ainer geu;onhait das sy och dik
süss vers uss dem salter sprach und och minekliche wörtly von ünserm heren.
Sy hat och die tugend das sy armen lüten als gar gütlich tett; fil tagend hat
sy an ir, da von [53^] fil ze sagend wer. Sy was och als demütig, und wag ir
25 gebresten als gross das sy ünsern heren nitt getorst gebitten das er zu ir end
kem. Nun hat sy die geii^onhait das sy gar dik bettet vor dem antlüt das vor
dem capitelhus hanget, das selb gebet das da by geschriben stat: *Salve
summe deitatis'; und so sy an den vers kam in dem stat: 'Te salato milies\
4. "ander" fil G^ 8. ales: das e nachträglich eingeflickt G, 8. vH las am Rand
nachgetragen G, 11. korr. aus: fy Hnen hailigen G. 18. manfafeller (r.) G; aber im
Texte selbst wanfafeller (manfar 17, aber im Texte wanfaf eller). 19. [W]ir unvoliständig in S\y\
korr, (r.) G. 26. gemonhait Q {vgl S. 38,33). 28. miles; dann i darüber nachgetragen G,
18. Bei Murer: Wansaseler, Wanschelerin, In einer Urkunde des Zürcher Staatsarchivs
von 1360 ^ verzeichnet in den Regesten des Klosters Töß, erscheint der Name Wallaselier, tras
wofä auf den heutigen Ortsnamen Wallisellen (zwischen Winterthur und Zürich, 820 Walaselda,
1172 Walasellon, 1260 Walaselde, Zürch. ürkundenbuch L III) zurückgeJit. Bei Leu, Helv. Lex.
heißt der Name dem gegenwärtigen Ortsnamen noch ähnlicher Wallisseller\ aus diesem ausgestorbenen
Geschlecht Zürichs habe Heinj, einer der Pfleger des Spitals, i. J. 1279 beim Aufbruch zur WaUfahrt
nach San Jago dem Spital reiche Vergabungen gemacht. Außerdem kennt Leu Edle von WaiüsseUen
als ehemcdige Küchen- und Kellermeister der Grafen von Kiburg: einen Rudolf und einen Uhridk
1229, einen Konrad, Ammann des Stifts Fraumünster 1335. 27. 28. Salve summe deitatis . . .
Te saluto m Uli es ist als Strophenanfang weder bei Chevalier, Repertorium hymncHogicum^ noch bei
XVI IL Anna WaniafleUer*
SIX. Eine eilende Sebweaterp
47
Ich grilss dich tusent stund, so naig-t sy ir hobt gar andächtiklicheDj und sprach
sy dik mit begirigem hertzen. Und do sy och ze aineni mal also bettet, do rel
das antlüt ünsers heren mit ir und sterket sy und sprach: *Du soll mich bitten
das ich dir din sünd vergeb, als ich sy an dir erkenn, und das ich dir min marter
geb ze eren, als ich sy erlitten han, und das ich dich miner ßs^j mütter befelch S
und sant Johannesen, als ich sy ain andren befalch^ und das ich selb zft dlnem
end kum.' Hie von enpfieng sy unmässtgeii trost und folbracht ir leben säüklicli
untz uff ir end.
Nun hat ir getrüwe gespil, die sdlig Schwester Lucia^ unser frowen gelesen
tusent Salve regina über ir beder end» und hat ain ander gebet angefangen, lo
das ir unser her hulf das sy vor Schwester Annen sturb, und des gewert er sy.
Und der stund do man sy begrub, do kam Schwester Anna der tod an, und
starb an dem fünften tag, und nam das schönest end das wir an kainer schwoster
ie gepachent. Sy erzaiget mit worten und mit wandet das sy ain grosse minek-
liche Zuversicht hat zu Got und och da by ain demütigi forcht* Etwenn ß^^} ret 15
sy gar trostlich und sflsseklich, und die vers sprach sy gar begirlicb und dik:
'Quoniam mille'. Her, vor dinen ogen sind tusent jar als ain tag; *Quoniani
suavis*, her, wie süss und wie senftmütig und wie foll erbärmd du bist allen
den die dich anrüffent! Und so man sy ünt mögen wolt mit red, so sprach sy:
*Wcs bekümrent ir mich? So ich noch hüt für gericht mfts und ich Got red müs 20
ergeben umb alle mine wort und werk, so w^irt sin gnüg,* Sy rel och recht untz
das sy ietz verscbaiden wolt, und do man sy fragt ob unser herr da gegen würtig
wer, do hilb sy fr hobt uff und ir hend und laiL die hend zesamen andAchteklich
und naig tief. Und do fragt sy die priorin ob iinser frow och da wer- Do
gab [H^} sy es och ze verstennd als och vor, und machet do ain beschaiden crülz 25
und lail ir hend ordenlicb über ain ander und verschied bald an der selben
stund. Und ward ain grosse andachtige bewegung under dem cofent, won er
gegen würtig was.
ixix} Ton aln^r salgeii S die was eilend.
Wir hattend och ain sälge Schwester, die was gar eilend, also das sy wenig 30
trostes hat von iement inwendig ald usswendig. Und die selb Schwester was ze
ainem mal siech, und do ainest ward an dem hailigen tag ze winnächten, do bat
sy die stech maistrinen das sy ir ze cristmess hulff. Und des vergass sy, und
8. die ^ner Worte vftierHtricitm (r.) (?. 10. die iaimnUehen Worte nkht wie §onit durch rote
Unieritrekhunff hervor^ehohefi 0, 13. wir vnvoikt in ty korr. Ö. 24. priorio (r) unterür. 0.
26. "ordenlicb" bend G. 21, grAffe andächtig© io O. 29. ain sSlge G. 30. |W]ir uiwoU-
tiändig in S[y\ korr. (r.) 0* 31, xwiiehen n und d nttehtr, {imümlkh) ein i oben eingefiickL
Drtpei, Ämtiecta kymnica zu ßmien, auch nkhi su enischeiden^ oh die Brudutiücke mis einer Si^uenM,
einem l^aiierium oder etnim Rosarium Btcmmen (nnch MiUeihinff von Dr. J* Werner in Zürich),
9. Lucia {JüUi} Schultheiß in? unten Nr. XKV. 17. P^aim 89,4. 17—19. Psaim 85^,
I
48 XUL Eine MmO» Bdnrester. ZX. WiUi von Koartans. XXL Gertrat yoü Wiatartm.
also begert sj tBr inneklich das sy in dem kor wer by dem cofent, und &e
begird kert sy ze ünserm heren« Und do sy in disiss^jem iamer lag, do sadi
sy ainen wölken ob ir, und in dem ain minenkliches Undli, als es erst gebora
wer; das kert sieb gar zarüicb umb und umb, bot ir die bendly und die fUi
5 und lies sy sin zartes libli recht wo! durch scho wen und sprach zA ir: ^Do, mm
schow mich und nüss mich nach aller diner begird.' Und hie yon wart sy gar
inneklich getrost
fxxj Yon der salgen S- Willi Yon Kostentz.
Wir hatend och ain s&lge Schwester, hies Schwester Willi von Eostenx,
10 und kam in dis kloster, do sy m jar alt was. Dis s&Iig mensch hat fll togol
und balliger Übung. Aber sunderlich erzaiget sy das Got als süsseklich in im
hertzen woneti, damit das sy als gern und begirlich von im rett und och bort
reden; und das sy denn also gebort, das behftb sy untz das sy uns ain schta
bikch gemachet. Sy was och gar eilend, das sy wenig trostes hat von iemeni
15 Ir wandel was och als senft und als ballig. Und do sy an ir alter kam und
von krankhait in dem siech hus lag, so was ir als not wie sy enbiss, und Ott
denn in den refentar und satzt sich nebent die leserin und loset begirlich dem
Götz wort. Und do ir von allter an dem sinn abgieng, do bat sy doch Got also
in sich gezogen das sy des nit vergass, und so sy ander ding nit yerslftnd: so
20 man denn von Got ret, das markt sy und hftb sich hin zft und loset begirlich.
Und so man sy fragt etwas von im, so antwurt sy gar sdsseklich. Und so sj
kum ret, so man denn Ihesus sprach, so naig sy andächtiklich. Sy laid fse^j odi
als gar grossen schmächen siechtagen gar gedulteklich, und vor irem tod kurtz-
lich in der nacht do sprach sy zfl ainer Schwester: 'Hie gat ain als hüpsches
25 kindli.' Und die Schwester erwachet, und do sach sy ob ir bet ain liecht schinen
als ain schöner stem. Sy mocht aber des kindlis nit gesechen. Und darnaeh
do sprach ain scbwester zfl ir: 'Schwester Willi, was unser her üt hübsch, do
er by dir was?' Do wolt sy ir nut sagen, won das sy gar minenklich sprach:
'Er was lütsälig, war er ie kam.' Und dar nach schied sy säliklich von dir weit.
80 ixxij Von der salgen S Gertrnten yon Wintertiip.
Wir hattend och ain tugendhafli sälge Schwester, hies Schwester Gertrat
von Wintertur, die was als gar erbarmhertzig über arm lüt das sy recht was
genamt ain mfltter der [56f>j armen und ain sunderlich fründ ünsers heren
9, [W]ir unvoäUändig in S[y] korr. (r.) G. 22. vor ret üi redö ffCBir. (r.) 6,
23. als gutr, (r.) O. 28. won Ins gar: diese vier Warte am Band nachgetr, O. 31. [W]ir
umfoUstöndig in 8\j] korr. (r.) O,
8. Sie iit bereue erwähnt aie VertrauU der Anna von KUngnau, Nr. XL SO. woMeim
Bürgerin der NaMarstadt Wmterthur.
XXI. Gertmt von Wintertur.
SXI*. Ebbet von Jeetettea.
49
fründen. Und was ir ward gegeben, das gab sy ales gantzlich von ir den armen,
das uns dik dank das ir ir notdurFt gebrest, Sj dunkt sich selber unwirdig
das sy den armen frftlich gab. Sy dunkt och das es ir ain grosse uner wer
gewesen, ob man ünt nach irem tod hinder ir fund. Sy hat also gar fil sunder-
licher tugent an ir das es zelang wurd zeschribent* Sunderlich so hat sy das 5
Gloria patri in als grosser er: wa sy och in dem kloster was, so sy es las alt
hört lesen^ so na ig sy,
Sy sach och dik gar schön und wunderhch gesiebten* Sunderlich ze ainem
mal an dem stillen fritag do las sy den salter mit dem corent, und giengeot ir
die ogen zH licht kum ains Ave Maria lang, und do dunkt sy wie /57a/ ain 10
langer zierer herr das refetar uf gieng, und was im aller sin üb foll wunnden,
und was allen berunnen mit blüt, und was das gar ain erbärmklich gesiebt Und
also gieng er hin uff ston für die schwestren die den psalter in der gemaind
lasent, und sprach gar senfteklich: *Mit disem gebet werdenl mir min wunden
gehailet.^ Aber etlich schwestren lasent nit mit der gemaind: gen den tit er nit 15
dem gelich. Und do verstund sy wie Idblich im der gemaind gebet ist.
Dise silig schwesler hat als sflsseklich gelebt das ain grosse klag zd ir
begrebt was, und fand man wenig ünt hinder ir, do sy gestarb, won sy was
mit den armen^ und davon ward sy vor Got richer denn ob sy ain künkrich
zeselgret hetti gegeben. 20
Das och der
ixxi^j 8alge * S Eisbeten von Jesteten
gehiigt nit vergessen werd /^57V, so schribent wir ain klain, daby man erkennen
mag wie rain ir leben was, won die die bi iren ziten waren t, sachent wol wie
manigfaltig sy sich übt, wie grossen fliss und min sy hat zö dem cofent und zü 25
dem orden, also das der kor und aller der cofent von ir gerichtet ward. Ain
Schwester sach sy sunderlich ainest, das ir lib erlüchtet was, das sy wond sy
brunn; aber sy verstund schier das es ir von gnaden was*
2. vna am H4ind wi diu seh weiteren korr. (r.^ mü Vcrweiming^zeicheti) 0, 2, dank #o G,
4. "fil " gar 0. G. die laieinischtn ^Vorte nicfU ausgezeichnet (K 6. ocli mit Zeichm
am Rand nachgetr. G. 6, Mer siund zuerst, jtUt (si£f. und r.) gUilgii kor we, 10. die
iaUinisühen WorU nicht ausgezeichnet G. IL cor herr^ (r,) durchstrichtni mä. 12. allen
MO {fnundartlich} G {Ü)^ aW N. 12. vor gar, (r.) dvrchitridieu: als. 23. £Elgö to G^
22. D^ Name steht ohne Jhsat9 und kdiglich r. untergtrichen im Texte^ hezm, von J. gehiigt am
Rande Ü. 24. Das erste die au» dir {in der Vorlage wir?) korr, (*i^,) ö. 27, "aine«t"
runderlicb G-
22. von Jettetten nannte sich ein früh antgestorhenes Geschlecht zu EÜrich^ das avs Jestetten
im Ktetlgau dorthin^ sowie nach Schaff hausen und EgHsau gelangte. Bemhart von Jestetten stund im
Sempacherkrieg gegen die Eidgenouen; Dorothea war 14S2 ÄUi9mn vu S^iennis. Leu^ ffelv. Z««.
Deiitache Tejte d«s MltteMtere VL 4
50 XXII. Adelheit yon Franenberg.
[xxu] Yon der salgenS- Adelhait Yon Frowenberg.
Nemo potest venire ad me, nisi patter, qui misit me, traxerit eum:
Niement mag kumen zfl mir^ er werd denn gezogen von minem himelschlichen
vatter. Dise wort mag man aigen/^^«/lich verston und merken an der silga
5 alten Schwester Adelhait von Frowenberg, und ofFenlich merken mit welen
simderlichen gnaden der himelschlich vatter in ir hat gewürket, und wie er sj
im selber ewiklich hat usserwelt, und wie mineklich er sy gezogen hat durdi
sinen aingeborenen sun von iren kintlichen tagen.
Dise sälig Schwester Adelhait von Frowenberg was aines fryen herrai
10 tochter, und nach der weit gewonhait do gabent sy ir fründ ainem edlen hemn,
bi dem ir wirdikait gross und manigfaltig was. Doch lies unser herr sin werk
nit, das er in ir so lieplich wiirkt, und gab ir die gnad, wie fil sy wirdikait hat,
das sy damit alwegent ain bitterkalt und ain bestrafung hat, und [58^] das ir
hertz alwegent nach dem ainigen g&t ainen statten jamer trftg, also das st
15 niemer gelies under tag ald nacht sy Hati Got von gantzem hertzen das er ir
von der weit hulf; mficft es anders nit sin, das er über sy verhängte das sj
usssetzig wurd, das sy och also von der weit kem. Und wie das sy unser herr
ur begurd nit bald ge werte, do lies sy doch nit darumb ab sy übt sich angebet!
und an manigfaltigen tugenden. Von dem das sy xiiii jar alt was, do las sy alle
20 tag ünsers heren v min zaichen, ieklicher wunden l pater noster vor imbis,
und so sy dis gebet vor imbis nit mocht getfln, so was sy das mal un die best»
trachten ze ainer bftss.
Sy übt sich och an grosser demütikait und an den werken der [59»j erbarm-
hertzikait mit grosser minender begird. Sunderlich do hat sy sich aines menschen
25 angenomen, der was als ungestalt das man in zech er wer feltzieeh, und dem
tett sy al sölich dienst die im sin aigni mütter nit wolt tun. Und diser mensch
was als gar ungestalt das er menklichem widerstund zesechen, und den handlet
sy als gar emtzklich nach siner gird das ir die hend etwenn grülich unrain
wurdent, und was ir doch von grosser gird als lustig das sy recht dankt wie
80 sy mit Got umbgieng, und was das davon, won unser herr ir dik in dem bild
sölicher lüt erschinen ist.
Und do sy sich alsus in sölicher tugent so manigfaltiklich übt, do wolt sy
unser herr im selber noch nächer ziechen und ir begird erfüllen, und verhangt
das ir wirtt [59^] starb. Und doch do wolt sy unser herr versuchen und beweren,
36 und wolt ir begird nit follbringen un sunderlich liden, won ir fründ die woltend
sy mit rechter krafl han bezwungen das sy ainen andren edlen lutsäligen herren
1. Vchthilt N, 15. bäte korr, in bati O. 17. sy (vor unser) am Rand nachgetr. 0.
29. korr, Inftlich, dann lieh wieder gestr. Q. 34. doch so G.
1. Frauenberg: der Name fehU bei Leu.
XXII« Adelheit yon Fraaanberg,
Öl
hetti genomen. Und von der emsigen bet wegen ir fründ und von den üblichen
gnaden so an dem Herren was, und das och unser herr wolt das sj strit, do
wart sy als fast angefochten, e das sy sich überwunnd, das ir gar we geschach,
und doch so half ir die götlich gnad das sy sich der weit gar verwag. Nun
was ain gar gftte schwester in der stat ze Wintertur, die bat gar ernstlich für 6
sy, das ir Got her in hulf. Und des tags do man sy anlait, do dunkt sy wie
ain schöner stem von dem himel {60^j sich uff ünsem altar nieder lies. Und
hie von wundret sich die schwester und kam her: do fand sy sy vor dem altar
liegen.
Wie hatliklich sy lebt von der stund untz an iren tod^ da von wer fil 10
zesagent. Sunderlich do was sy als gar demütig das es zewundrent was* Sy
hat och sunderlich flis das sy sich nit fil bekümret joch mit irem aignen kind,
das sy hie inn hat: so das etwenn sin novizenmaistri schlftg fil übel, so gesprach
sy niemer wort, und geschach ir doch gar we etwenn davon, Sy hielt den ordon
flissklich als fil sy kund oder mocht. In dem kor was sj Qisseklich, und so man 15
ir die vers ze den ziten schraib oder was sy singen solt, das folbraeht sy txiit
groser begird, und hat ain stite gewonhait, das sy [Sö^j in der meti vor dem
lecchtor sass und zunt als der minsten kinden ains. Sy gieng och gar flisseklich
ze refentar mit krankem üb* Und was sälten kain ding so klain^ das die gemaind
nit hat, das sy des iemer welti versuchen. Sy fastet och gar flisseklich, und so sy 20
joch etwenn von krankhait kum moch gon, Ze gemainen werk was sy fil nach
al wegen t die erst, und Span denn als gar emsklich das ir sich dik die finger
erhM)ent, Und wie fil sy über das gemain wuchenwerk span, das gab sy doch
alles ze wuchenwerk* So sy och etwenn als fast turst das ir ir hertz in
irem lib möcht getorret sin, so woU sy doch nit ze unrechter zit trinken* So 25
man über tisch solt gon und sy denn als übel fror, so sties sy ir füss in haisse
eschen, das sy ir bald warm wurdint /^^y, das sy sich nil ze tisch sumte. Was
sy kund ald mocht getftn in der gemaind ald kainer schwester sunderlich, wie
schmäch och das werk was^ so erbot sy sich doch demütiklich, begirlich und
frfilich darzft. Und sunderlich tet sy ainer armen schwester gütlich, die den 30
andren widerzem was, und tet ir sunderlich etlich dienst die ir niement tun
woU, und geschach ir doch dik als we davon das ain grosse bewegt in ir
ward. Sy hat och ain stäte gewonhait, das sy nach meti wachet an irem gebet*
Was sy von usswendiger Übung mocht getUn, das tet sy als flisklich das man
wol mocht merken das sy üblichem gemach gar hat wider sait* Und davon 35
3, "faät" ab 0. 5. Bchwester groß gudiriehen und (r.) unierUrkhen G. 6, ber geiiigt
(rO und zu in am Rande dz kloBter n&chgetr. G. 7. i^n£emgeti^i und den dttfubergefchr. (r.) G.
7. nieder $o G. B, wundret korr. (r.) am wundretet G. 8. schweiter korr, [r,) um
fchweftren G, 8, -zu her am Rand nachgeir, (r-, mü Vtrweitunfftteichm)i zn to£f. 9. Hegen
*o Qf, 13, hio inn: hier krnne naehträgiicht Änderung 0. 21* moch «o Q\ vgl u, fi$,l2.
24, och am Rand (sw., mit Verweieungiteichen) nachgetr. 0. 28, kainer ergänzt (r,) m
dekainer ö. 32. "als we" dik Ö.
4*
52 XXn. Adelheit von Fraaenberg.
ward sy wirdig [61^] das unser herr ir hertz enbrant inwendig mit snnderlicher
hitziger begird.
Sunderlich do hat sy alwegent grosse min und andacht zA ünsers harren
kinthait, und erholt sich unser frowen dik and&chteklich, das sy ir möchte zfl hilf
5 sin kumen, irem ainigem lieb. Sy begert mit hertzlicher minender begird das
aller ir Hb gemartret wurd dem süssen kindli ze dienst: sy begert das ir ir but
wurd abgezogen ünserm herren zA ainer windlen, ir adren ze fedemly im zft
ainem rAkli, und begert das ir marg gebülfret wurd im zA ainem mflslin, und
begert das ir blAt vergossen wurd im zA ainem bädli, und ir gebain yerbrennet
10 wurd im zA ainem für, und begert das ir flaiseh alles verschwanet [62^] wurdi
für alle sünder, und gewan denn ainen hertzlichen jamer, das ir ain tröpfli wer
worden von der milch, so unser frowen enpfiel, do sy unsem herren sogt.
Wie manigfaltiklich sy sich Abt an balligem leben und an hochen tugenden,
davon wer fil ze sagen. Aber sunderlich so hat sy iii edel tugend an ir, mit
15 den sy ussgenomenlich lucht und in den sy wirdig ward und och behielt alle die
gnad die Got in ir wurkt: das was emsige ainikait, folkumne gedultikait und
wäre demütikait.
Do nun das zit begund nachen das sy unser herr schier von diser weit woH
nemen, do wolt er sy och sunderlich beraitten und noch höcher gnad mit ir
20 wurken, und verhangt das sy wol ain halb jar vor irem tod [62^] an etica lag
mit als grossem ser das es wunder was. Und dis arbait laid sy als andächtik-
lich und als frAlich das es Got alain in ir wurken mAst. Und wie we ir was, so
gebaret sy doch gar gAtlich gegen den schwestren und lobt Got umb iekliches ser
sunderlich, und das sy ünt solt liden siner marter zelob. Und do sy in disem
25 siech tagen als gedultiklich lag, do erschan ir der bös nider aller gfttter werken
in ainem bild ainer Schwester und sprach: 'Du bist als gedultig und sprichest
als: "Herr, gib mir me!" Er git dir das dir Got ergas. Du soltest dich übel
gehan und Got an schrigen, das er dir bas gebe.' Und do verstund sy sich [63*]
schier das es ain unrechte Schwester was, und sprach: 'Fluch, du bSsses fustAch!
30 Ich will minen willen gen in Gottes willen. Won du dich nit in Gottes willen
woltest naigen, darum mAst du siner angesicht enberen ewiklich', und wolt in
12. vnfer ohne ü-Zeichen G. 19. bekaitten Q. 23. "gÄtlich" gar G,
26. fchwfter G. 28. vnd bis fchrigen zwischen den Zeilen nachgetragen G. 29. bisses:
Nachahmung einer fremden Mundart?
29. Diese Verwünschung {^ arger Wischlappen^) ist wohl zugleich eine Anspielung auf das Fufi-
tuchy mit dem Heinrich der Seuse einst von seiner Zelle aus einen mutwilligen Hund im Kreuzgang
hat spielen sehen und das er als Vorbedeutung seines Leidens sich aufgehoben (Denificj Seuse I, 84):
es kommt auch in einem Briefe an BUsbet Stagel vor, der er es einst als Sinnbild der Oottergd>enheit
hat schicken wollen (Briefbuch, hgg. von Preger Nr. III, S. 32), sowie in einem andern an eine
Dritte gerichteten (ebd, Nr. II, Ä 27-, Mystikerpaar 62).
XXn, Adelheit von Franenberg*
53
do mit ainem stab geschlagen ban. Do wuchs er vor ir angesichtf unlz er fii
nach an die tili schlug, und verschwand und lies ain michel hüwlen und nichlen
hmder im uss.
Und darnach kurtzlich vor irera tod do gab ir unser herr ain sunderliches
unmäsiges liden^ won er och mit sunderlichen gnaden zft ir wolt kumen. Und 5
dis liden was ain als starkes ungewonliches gesucht das alle ire gelider davon
zerschütet /55*/ wurdent, und das aller ir lib für als sy uss dem bet wÖlt fallen,
und weret das von non untz ze vesper. Und dis lait sy in sölicher geduUikail,
wenn sy by ir selber was, des sy es alwegent ünserm herren zelob uff trüg siner
hailigen marter» 10
Und dir selben nacht do was ir als gar we das ir zwo schwestren wachetend,
und also gelag sj ain wil gar still und sprach do gar andächteklich: '0 frow
aller der weit küngini himelrichs und erlrichsr und sprach do gar inneklich:
'Gern, frow, gern*, und sprach do aber mit ainer sennlichen stim: *0 wie was
das so kurtz!' und wainet do gar inneklich, und do sy die schwestren fraglent IS
ob ir als we wer, do sprach sy: 'Gond von mir {64<^} durch Got: ich bedarf üwer
nütz nit.* Und sy naigtent sich als sy schliefind, vor ir nider, und darnach über
ain gute wil do rieht sy sich uff und hat ir hend andichtiklich und begirlich uff,
und tett recht als ain mensch der sich hertzlich gegen ainem ding fröwet, und
lait do ir armen gar zärtlich über ain andren, und trukt sy gar mineklich und 20
begirlich an ir hertz recht als ain mensch der mit MI icher gird den andren an
sin hertz truket* Und do sy das ain gut wil getraib, do sprach sy inneklich:
'Mineklicher her min, zerris mir hend und Mss, hobt und hertz und alle mine
gelider!* Und dar nach über ain wil do wainet sy als gar hertz/^4fiyklich als ain
mensch das von grossem jamer wainet, und tet recht als sy schrigen weit, und 25
do dis ain gtt wil geweret, do sprach sy zu den ii schwestren gar götlich und
frölich: *Kind, schlaff end und sind min unsorg*'
Und darnach do ging der schwestren aine zli ir, die was Ir alwegen sunder-
lich hold, und die ermanet sy gfltlicher lleby, das sy ir saiti was ir beschechen
wir, und sait ir die wort die sy gehört hat Und hie von ward sy gar betrübt 90
und wolt ir es gern han versait, und gelobet ir sy wolt ir gegen Got zft gut tÄn
alles das sy möcht, und nach langer red, e sy es ir sagen wolt, do gab ir die
Schwester ir trüw ß5^} das sy es by ir leben niemen sagen wölti. Und also
sprach sy do als ain mensch das sich von fröden nit me enthalten mag: 'Was
wilt du me? unser her und unser frow warent hie!* Und die Schwester fragt 35
wie sy ir erschinent. Do sprach sy: 'llnser frow was by mir e unser her, und
trost mich gar gütlich und sprach: *'Gehab dich wol; ich und min kind wend din
ewiger Ion sin; du mtlst aber noch fil liden/' Und davon sprach ich: "Gern,
frow, gern!'* Do sach ich ir nit me, und do sprach ich: "Owe, wie was das so
kurtz!"' und wainet do. Und do frag sy sy wie sy ünsem her^ sech. Do sprach 40
5. gadeix Q.
IL Vn ohne Zeidim ß.
17. fchli^fin 0.
40. frag $0 0-
54 XXIL Afltolhoit toh Fnmnherg,
sj gar kleglich: *Wie ich den sach, das kamt von minem herts^i niemer*, und
wainet md sinacli: 'Ich sach in an dem crütz mit blfltinden wunden, und
flchwdit [65^J ob mir emiten ob dem bett, und stund unser firow by im and Int
ataien arm über das crütz gelait, und lies sich unser her ab dem crütz und
5 umfleug mich gar lieplich, und trukt mich gar gAtlich und lieplich an sin götliches
hertZi und sprach gar sAseUich zu mir: ^Gehab dich wol, ich wil din ewig& km
sin." Do sprach ich gar inneklich mit gedanken: ^^Owe, her, wenn?" Do spradi
er gar mineklich: *'Du mftst noch me liden." Und davon sprach ich: ^'Her,
zerriss mir hend und ffis, hertz und hobt und alle mine gelider: das wil ich gen
10 lidenl" Und do hüb sich unser her wider uff und warent im alle sine wunden
▼erhallet, und sprach zu mir: '^Sich, du hast mir alle min wunden verhailet fee*]
mit dinen min brechen, die du dik hast gelon von erbärmd miner mart» und
mit dmer gedultikait, das du din arbait als frAlich und als gedultiklich lidest
miner marter ze lob." Und do sach ich sin nit me.' Und die Schwester fragt
15 ob die wil unser firow da wer. Do sprach sy: *Das kau ich dir nit gesagen, wqd
min min ward zu Got als gros, und ward mm hertz und min gemüt mit sölichen
ttMea durchgossen: der zu der zit tussent schwert durch mich hei gescUagen,
ich het mn nit enpfunden. Do ich aber ünsem heren nit me sach, do sach ich
unser flrowen, die was als gar schAn beklaidet und was als mineklich anzesecheo
90 und als zartlu^ und als gütlich geschaffen das [66^J alle zungen da von foleklidi
nit kündint gesagen. Und den mantel den sy umb trug, den zertett sy und lies
mich ainen himelbrwen rok sechen, den sy an hat, und sprach: ^^Sich, den rok
trag ich von dir, das du dinem cofent als getrülich werketest", und sprach do
gar lieplich: ^'Won du mir min kind als gar getrüwlich hast hülfen züchen, so
26 wil ich din begird erfüllen und wil dich trenken mit der milch mit der ich min
hailig trut kind sogt", und gab mir ir rainen zarten brüst in minen mund. Und
do sach ich ir nit me. Und do mir dise unsäglich sAssikait enzogen ward, do
ward min jamer also gross das ich do also fast ward wainen.'
Und do fragt sy die Schwester was unser frow mainte, das sy sprach: *Won
80 du mir min kind als getrüwlich hast hülfen züchen.* Do sait f67*j sy ir die
begird die sy zu ünsers heren kinthait hat, als da vor geschrieben ist, und das
ir das so genem was. Und do sy dis gesait, do was ir hertz als gar gesterkt
von der grossen gnad, und was als foU fröden und sdssikait das sy sprach:
^Blich dunkt ich gieng wol war ich wAlt', und was ir sei als durchgossen mit
85 götlichem trost das sy sprach: *BIir ist alle die weit in minem hertzen als un
mist, und sässe min ainiger sun for mir, den ich gar lieb hat, und alle die firünd
die ich ie gewan, ich kerte nit min og dar, das ich sy s&ch.'
8. her, mtir VerseUfunffiseidien, am Rand naehgetr. G. 21. trug 90 O. 21. sertett,
das T nachirägUch eingesehobem Q, 32. ''dz" ir G, 36. for mir am Rand mit Ver-
weinrngiseiehen nw^etragen Q,
XXnL Sophia von Klmgoau«
56
Nach dir gnad lebt sj fü nach vi wtichen in frAden und in irost. Etwenn
ward ir jaraer och als gar gros das sy gar hertilich wainet- Und also schied
sj (67^ säUklich von diser weit mit ainem hailigen end.
fXJiw Von der salgen S Sophya Ton Elingenow.
Wir hatend och ain haüige gftte Schwester, hies Schwester Sophya von 5
Klingenowe. Die kam in Iren jungen tagen in dis kloster, und do sy erst in
dis kloster katn^ do fieng unser herr bald mit ir an mit sunderlicher gnad würken»
und wurkt mit ir ussgenomenlich süsseklich untz an ir end. Aber wie wir des
nit gantzlich kunend wissen, doch wend wir etwas davon sagen. Do sy des
ersten von der weit in dis kloster kam, do gab ir unser her die gnad das sy 10
grosse erkannt nus hat gegen ir selbs gebresten, und das sy mit bitterkait und
mit serigem hertzen emseklich ßS'^J moch gedenken und betrachten und och
wainen ir sünd und das verloren zit das sy in der weit uppiklich vertriben liat,
und fett ir das als we und gieng ir das als nach zu hertzen das sy das darnach
Terjach etlichen schwestren^ die ir haimlich warend, das sy das jar alles vertraib, 15
also das sy enkaines andren dinges gelust noch enkainer kurtzwil begert, won
das sy an ir ainikait wer und bitterlich wainety, und was ir hertz alle zit als
beweglich ze wainen, so sy joch by den schwestren mftst sin in dem kor ald in
dem werkhus oder anderswa, das sy sich nit enthalten mocht, wte laid es ir
iemer was, sy milste wainen. Und das bezugtend och die schwestren die in 20
dem kor by ir stündent, das [68^J sy als genuchtsamklich wainet das sy fil
wmider dik sachend, so sy naig, das ir die trechen uff die erd enpfielend.
Do sy das jar mit als großer bitterkait vertriben hat, was trostes sy do von
Got enpfieng, davon sait sy entlich niemen nüt, e sy an dem tod lag und schier
sterben wolt. Do kam ain Schwester zft ir, der sy lang sunderlicb haimlich und 25
hold was gesin, und die och dik an ir befunden hat das sy von Got getröstlet
was, und bat sy fliseklich das sy ir durch Gott saite wie der trost wer den sy
Ton Got enpfangen hat Und des antwnirt sy ir und sprach: 'Wiste ich das es
Gottes will wer, so saite ich dir wol etwas. Nun enwaiss ich des nit: davon
mag ich dir (69aj ietz mit gesagen, Kum nun schier her wider; was denn Gottes 30
will ist, das sag ich dir.' Also gieng die Schwester von ir und haltet untz das
man complet gesang und recht nacht wart, und kam aber do zd ir und fraget
5. [W]ir tnuN^lfil in Stj] Jbofr. (n) G. 6. KliDgenowe: dta Schluß-Q getilgt (r,) O, du
hmdm Namen hier ohne jede Hervürhdhung 0^ 6. 7. 10. dis m das Jtorr, (r.) G. 12. mocli;
ein t erst nacMr. (p,) zugeim^ vgl S. ^,2; 5t,2l\ 57J5[ 59,36 {auch 34,26-, 53,40*, €1,20).
20. w^tTte Q. 21, feh. "in dem kor" di« b. i. 0; die VergeUvng v<m in dem kor könnte <xueh
90 gemeint #ein, daß ee hinter ir eu »etsen wäre.
56 XXm. Soplik Yon KKiigiMHi
sy wes sy aeli mit Got beraten hetü. Do sprach sy: ^Richte mich uff nnd g3>
mir Wasser in den mnnd, das ich reden mug: so sag ich dir das da gen
hArest' Do das geschach, do hftb sy an zesagen nnd si»ach: *In dem andren
jar nach dem do ich gehorsami geton hat, ze dem hohzit der haiigen winkten,
5 do yerainet ich aines tages nach der meii in dem k(^, and gi^ng hinder des
altar, nnd lait mich do an ain veni, and wolt sprechen min gel>ett nach [&^]
miner gewonhait Und in dem gebett do kam mir zesinn min altes l^ien, vrie
fil nnd wie lang zit ich in der weit appiklich vertriben hat Und sundariicfa do
begand ich betrachten and wegen die nntruw die ich Got da mit erzaiget hat
10 das ich des edlen and des wirdigen Schatzes miner edlen sei, dorch die er an
liailges biftt vergos an dem crütz and die er mir in so grossen tniwen befoldieD
hat, das ich der so ungAtlich gepflegen hat, and das ich sy mit so menig^ sund
and untagent entrainet and vermasget hat, also das sy angefellelich mid wid^zem
mikste sin sinen gAtlichen ogen, die im e so wol gefiel. Und von disen gedenken
15 kam ich in als grosse ruw das min hertz foU ward bitters and nn^wonliches
/70a/ seres, and wüch^ das ser als fast an mir das mich duncht das ich aines
liplichen seres and schmertzen befunde, recht als min hertz ain lipliche wanden
hetti. In disem schmertzen ruft ich mit klagenden sünftzen minen Got an und
sprach: ^'We mir, we mir, das ich dich ie erzürnt, min Got! Möclite ich das
20 erwenden, darum wAlte ich mir erwellen das ain grub hie vor minen ogen were,
die gieng antz an das abgrund, and darin geschlagen were ain pfal, der uff
gienge antz an den himel, das ich mich an den pfal iemer sölte winden untz an
den jangsten tag: die arbait wAlte ich gern liden, darum das ich dich, minen Got,
nie erzürnet het!" Do ich in disem willen und /7ö*7 in diser begird was gegen
25 Got, do begund das ser und der schmertz der mir zehertzen was, als fast
wachsen das mich des wolt dünken das ich mit nute das liden möcht, won das
min hertz enzway müste brechen. Do gedacht ich: Stand uflf und sich was Got
mit dir tun well. Und do ich uflf gestund, do was der schmertz als gross und
die überkrafl des seres also das mir alle lipliche kraft und aller sinn engieng,
30 und fiel mines ungewaltes nider und kam in unmacht, das ich weder sach noch
enhort noch sprechen raocht. Und do ich als lang gelag als Got wolt, do kam
ich wider und stund uflf; aber zehand do ich uf gestund, do gebrast mir und
fiel aber in unmacht, und also geschach mir /7i«/ aber zft dem driten mal.
Und do ich do zA mir seber kam, do begund ich sorgen, ob ich an der stat
35 dekain wil belib, das die schwestren über mich kement und inen wurdint wie
mir gesehen was. Und darum begert ich von unserm heren das er mir so fil
kraft gab das ich möchte komen etwa an ain haimliche stat, da min niement
5. /.: V. ich mich? (so Ü). 11. vor in ist als gestr, (r.) G. 13. vng. vn, die zwei
Worte am Rand naehgetr. G, 16. wuch G, 17. fchwertzen G. 20. ogö am Rand
nachgetr, G, 26. wachen G. 34. feber so G {ma.? wie heute zürch, sßb? vgl unten J8,57).
36. gefcben so O. 36. ynferm ohne ü-Zeichen 0.
XXIII. Bopilia von Klitigiiau.
57
innen wurdi, wie es mir Joch ergieng. Und also stUnd ich uff, und mit grossen
arbaiten kam ich für den altar und gestund do und sprach zA ünsertn heren:
^*0 her min 6ot, nun bete ich dich gern gnaden: nun erkenn ich mich selber
gantzlichen un wird ig aller der gnaden so du dekainer creatur uff ertrich tost,
und achten mich selber unwirdiger und schmäeher vor dinen ogen denn ainen &
wurm, der uff dem fTi^j ertrich schlichet, wen der erzürnt dich nies so han ich
dich erzürnet über alle mass; davon getar ich nit gebitten, won das ich mich
gantzlich ergib an din götlich erbärmd.'* Und do ich das gesprach, do naig ich
und gieng für mich in der tormitar für min bet; do dunkt mich das ich aller
haimlichest wer. Und do ich für das bet kam, do was ich als gar krank das lO
ich gedacht: dir gebristet aber; du solt ain wil rüwen. Und also machet ich
ain crütz vor mir und wolt mich legen rüwen und las den vers: In manus
tuas. Und do ich den gelas, do sach ich das ain liecht kam von himelrich,
das was unmass schön und wnnneklich, und umbgab mich das und durch lucht
und durch glast mich allensamenl, und ward min hertz {72^/ rech geches ver- 15
wanlet und erfület mit ainer unsäglicher und ungewonlicher fröd, also das ich
gar und gantzlich vergass alles des wider möttes und seres das ich da vor ie
gewan. Und in dem liecht und in den fröden do sach ich und enpfand das
min gaist ufgenomen ward von dem hertzen, und ward gefürt ze dem mund
hoch in den luft, und ward mir da gegeben das ich min sei lutterlich und aigen- 2a
lieber sach mit gaistJicher gesiebt denn ich mit liplichen ogen ie kain ding geseche,
und ward mir alle ir gestalt und ir gezierd und ir schonhait foUeklich erzaigt.
Und was wunders ich an ir säch und erkante, das kündind alle menschen nit ze
Worten bringen.'
Und do manet sy die seh wester aller trüwen, und bat sy /72*7 mit allem 25
ernst das sy ir saity wie die sei geschaffen wer. Do antwurt sy und sprach;
'Die sei ist ain als gar gaistlich ding das man sy ze enkainen liplichen dingen
aigenlich geliehen mag. Doch won du sin als ser begerest, so gib ich dir ain
gelichnus, by der du ain wenig verston macht wie ir form und ir gestalt was.
Sy was ain sinwel schönes und durch luchsendes liecht, gelich der sunnen, und 30
was ainer goltfarwen röti, und was das selb liecht so gar unmas schön und
wunnenklich das ich es zft nüti geliehen kan. Won werint alle sternen die an
dem himel stond, als gross und als schön als die sunn, und glastind die alle
in aini der glanlz aller möchte sich nit geliehen der schonhait die an miner
sei was» und dunkt mich 173<'J das ain glantz von mir gieng der alle die weit 35
erluchte, und ain wunnenklicher tag wurde über alles ertrich, und in disem
3. bete #o O, 6. erzurt G. 9. der #o Gt mundartliche VeriDecAaiung von Nominaiie
und Jfi^usativ*^ 15. alleiiramtöt {Btuemng um allenfamt) ö. 15» min G. 15. rech
m G\ vgl moch S.61,2!; 55,12, 16. verwanlet to Ö. 28. begereet: das letzte © nacht-,
oben eingefiiciä G. 30. Idehende« Q.
58 XXIIL Sophia von Klingnmtt.
Uechtf das min sei was, sach ich Got wunneklich lachten, als ain schdnes liecht
lüehtet nsser ainer schAne lüchtenden lucernen, und sach das er sich als mine-
klieh und als gAtlich zA miner sei (ftgt das er recht geainbart ward mit ir und
sy mit im. Und in diser minenklichen ainbarung ward min sei gesichret joa
5 Got das mir alle min sünd vergeben werind lutterlichi und das ich als rain und
als lutter wer und als gar un all masen als sy was do ich uss dem toff kam.
Und hie von ward min sei als hoches mAttes und als gar frAdenrich das sy dunkt
das sy alle wunn und alle fir6d be/T^Vsessen het, und ob sy wunnsches gewalt
hettii das sy doch nit me möcht noch kund noch vrfllte me wünschen. Und do
10 min sei in diser frAd was, recht geches do sach ich das sich ain gaist uff hAb
von der erd, und begund der zA mir nachen. Und ward mir ze erken^id geben
das es ain sei was von den wisen, und hilf von mir weite begeren. Und do sy
mir begund nachen, do bort ich das sy rAft ain klegliche stim und begert hilf
und sprach zA mir: "Edli und wirdigi sei, bit Got fiir michl" Und dunkt mich
15 das mich das ain klain wAlt iren. Do illt ich und bat minen Got das er mir
den gaist abnem, das er mich an miner frAd nit ierte, und zehand do ensach
noch enhort ich sin nit me. Damach do sach ich ds^ sich der himel uff tet
ob mir, und das wunne/74«/klich gret von dem himel herab giengent untz an
die stat da ich was, und hört da fil stimen baidi engel und haiigen, die rAftend
20 von dem himel herab zA mir mit lutter stim und sprachent also: ^Gesach dich
Got, hochgemAte sei, was dir Got gAtes hat geton und noch tAn wU!'* Und
davon ward min sei aber do me erfüllet mit unzallicher frAd. Und do ich ietz
in der besten und obresten firAd was, do begund sich min sei wider nider lassen,
als Got wolt, und kam über den lib, da er vor dem bei lag als ain toder lich-
25 nam, und ward ir frist gegeben das sy nit zehand wider in den lib kam, won
das sy ob dem lib schwebet ain gAte wil, untz das sy sin ungestalt und ungetoni
wol ge/74Vsach. Und do sy in recht wol geschowet, wie tÄdlich und wie jemer-
lich er was und wie im hobt und hend und alle gelider tagend als ainem toden:
do gefiel er ir gar übel und dunkt sy gar ungehür und schmäch. Und kert ir
90 gesiebt bald von im wider an sich selber. Und do sy aber do sich selber an
sach und sich als schAn und als edel und als wirdig fand weder den lib: do fAr
sy ob im spilend mit sAUicher frAd und wolnust, die alle hertzen nit erdenken
kündint Und do ir ietz aller b^st was und sich mit der obresten wolnust niettet
ir selbs und Gotes, den sy mit ir geainbart sach: do kam sy wider in den lib,
35 sy enwist wie. Und do sy wider zA dem lib kam, do ward sy diser frAlichen
beschAwd nit berobet, won das sy noch do in dem lib [75aj wonend sich seber
8. wnfiTches G. 18. gret van gleicher Band in eine viel weitere Lücke kineingeeckrieben;
darüber als Erldänmg (r.): ald ft ||| rimen G. 33. das e von beft taUerjmnktiert ynd a
diirüberffeickrieben (r.) G. 36. berobet: das o darübergeeckrieben G. 36. feber so G;
vgl S. 56^34,
20. 21. Gesach dich Got: vgl, Noikere kesah in got, Oraff IV^ 148: beatosl SekweieerietA
Gse-Gott, 'Gott segne* (eig. 'sehe*).
XXin. Sophia von KÜngnau.
59
und Got in ir als lulterlich und aigenlich schowet als do sy von dem Hb ver-
zuckt was. Und die gnad weret vin tag an miri und do ich zum ersten wider
kam, und ich innen ward das ain lebender gaist in mir was, do stund ich ufF
und was der frÖdenrichest mensch, des mich donkt, der ie ward uff ertrich, Won
ich achtel alle die fröd die alle menschen ie gewunnend ald iemer mugend ge* 5
winnen untz an den jüngsten tag, als klain gegen miner fröd, als aines klainen
müglis klewh ist gegen aller der weit. Und von der überflussi der unmässigen
fr6d do was min Hb als licht und als schnell worden und als gar un allen
bresten das ich die acht tag nie befand ob ich ainen lib hat, also das ich ie
ka/7^Viner liplichen krankhait innen wurdi klain ald gross^ also das mich nie 10
gehungret noch geturst noch Schlafes begert, und gieng doch ze tisch und zebett
und ze kor, und gelichet mich do den andren, durch das min gnad verborgen wer,
das ir niemen innen wurd. Und do ich die viii tag als wunneklich vertraib,
do ward mir die gnad gezuket, das ich der gesiebt miner sei und Gottes in
miner sei nit me hat, und do befand ich erst das ich ainen lib hat. Und 15
darnach zehand do ich der gnaden berobet ward, do begund ich in mich selber
gon, und begund betrachten wellich die gnad was die mir wider faren was, und
wie unwirdig ich der was, und verhangt Got über mich das ich in ainen zwifel
fiel, das ich mit nüti mocht geloben das Got ainem als sündigen menschen ie
sflÜch I76<fj gnad getÄte, won das es von den bösen gaisten wer. Und hie von 20
üel ich in also grose trürikait das ich gantzlich un alle frdd und un allen trost
was, und wist minen kumer niement uff ertrich, und wolt och ich niement da von
nit sagen, und also was ich lang in untrost und in grosser biterkait mines
hertzen, untz das sich Got über mich wolt erbarmen. Do gefügt es sich das ich
aines tages ze dem fenster kam, und do hört ich das ain usser mensch ret mit 26
unser Schwester ainer, und sprach: "Wissent ir nit, was wunderlichen ding ist
beschächen ünsrem wachter ze Wintertur? An ainer sunderlicher nacht, do er
gewachet hat unlz vor tag, do begund er uff warten gegen dem himel, ob es
tagen wölt, und sach ob dem /76'V kloster ain liecht uff gon, das was als gar
schön und als wunnenklich das in dunkt das sin glantz über alles ertrich luchte SO
und ainen schönen tag machete, und schwebt das lang ob dem kloster, aber fil
hoch in dem lufl, und lies sich do wider nider uff das kloster, und sach er sin
do nit me, und ist gross wunnder under den lütten was es mug sin/* Und do
ich dis gehört, do ward min hertz recht erfület mit frflden, und sprach zt mir
selber: "Gesach dich Got! do was dir doch fil recht." Und dise fröd entwaich 35
mir dar nach nie, wenn ich mich verhaimlichen moch mit Got.'
Irs hertzen süssikait marktend wir an menigen dingen wol So sy in dem
werkhuss sass by dem cofenl, so sang sy dik gar süssi wflrtli von ünserm ^7*7
23. "in vntroft" lang 0. 27, waehtero, dann n finm-punkiiert G. 27* Wintertar;
tnr nachir. oh^n emgtftieki Q, 35. eutwaeh; i oben emg^ßlicki G. 36. moch io G\
t?gL Ä 57,J5. 37. wir unvoüstündig m ti korr, (r. und #»•) G,
00 ZXm. Sophia von KliognML XXIV. MeehthiH Toa SteniL
heren, und das bortent die schwestren denn gar begirlieh und gem. Wenn wj
och fenfltrerin was, und so man denn Intt, so sprach sy von überoiteig«
fSUi ires hertzen andacfat: 'Bait, lieber min her, ich kam bald.' Sy begert odi
lang üt das sy Got befinden lies etwe fli unser frowen s^res. Und do sy se
^ ainem mal an irem gebet was, do befiEmd sy recht geches aines als unmis^gen
seres das sy dankt wie ir ain nagel geches darch ir herts geschlagen war, und
ward ir als we das sy recht lat schre un anderlas, nnd mftst man sy in das
siechhus tragen, und sorget man das sy wAIt sterben. Und do begert sy uns«
heren, and do ir der priest er ünsem heren in den mand bot, do was ir als man
10 ir bald den [77^] nagel ass dem hertzen zach, and an der selben stund was sj
genesen, und doch sprach sy das sy sAliches seres befunden hetti das es mesoa
mensch begeren sdlti.
llan gab och ainest dem cofent ainer band ops, das sy gar gern ass, and
des selben mals sass sy ze tisch nebent ainer Schwester, die hat ir niuswas getoo
15 das sy betrflbet. Also gedacht sy: Du solt recht diser Schwester dis ops gen
und solt ir mit danken das sy dich betrAbet hat. und do sy es der Schwester
bot, do bot sy ir es wider, und do ward sy als fast mit angefochten, nnd nam
es doch wider. Und do sy m den kor kam mit dem cofent mit dem tisch segen,
do sach sy dfus unser her yon dem altar herab gieng wunneklich und scboD,
SO und gieng ztk ir und umbfieng sy und trukt sy gar zärtlich I78*j an sin hertz,
und danket ir das sy durch sin min der Schwester lieby hat erzaiget die sy tot
betrübet hat
Nach fil hocher gnaden die ir unser her hat geton, do schied sy mit auiem
hailigen andächtigen tod hin zegot
25 fxxivj Ton der sülgeii 8- Mächthilt Yon Stanz.
Ecce relinquimus oronia et secuti summus te etc. Unser her sprichet:
'Wer alle ding lat, der sol sy hundert falt wider nemen, und darzft das ewig
leben.' Und dis ist ussgenomenlich bewert an der haiigen und alten sälgen
Schwester Mechthildt von Stanz, die an allem irem geläss foUeklich erzaiget
3. vor bald em (r. und sw.) durchstridienea fehler G, 16. mit mit Zeichen am Rand
nachgeir. 0. 23. "geton" hat G. 26. famns Q, 29. dU Namen nickt au^
gtsseichnet 0. 29. (und 67,34) Mechthildt so O.
25. Von Stans oder Stanz: 1) ein ausgeetorbenes OeechledU su Lueem {Wemi von Sians
vermitteU 1348 eine Marktttreüigkeü zwischen üri und 8chwyz\ 2) das ausgestorbene Adebgeschlecht
der Meier von Stans^ vielleicht Besitzer der Burg Stans (Hartmann von Stans 1331 Landammann und
Bitter). Leu^ Helv, Lex.^ wo Mechthilt von Stans {bei Murer 365) zu dem zweiten dieser OeechledUer
angeführt wird. Mechthilt ward nach ihrem Ableben in VeUheim und BOlach noch als HeOige verehrt
und vielfach zu ihr gebetet (Greith, Mystik 456; B. Sulzer DKT 101 (21) W). 26—28. nach
MaUh. 19,29; die Stelle ist (unvollrtän<üg) lateiniseh und deutsch ang^ührt in N.
XXiy. Mecbthüt ?on Staus,
61
das ir sei allen trost diser weit hat versprochen, und darum begegnet ir och das
ainig gftl, das Got selber ist, in als rilicber wis das in ir /7S*/ ward uff walten
ain brunn des ewigen lebens. Do dis usserwelt mensch des ersten in dis kloster
kara^ do hat sy niement sunderlichen der ir trostlich oder behulfen wer Und
won sy als ain frölich hertz hat, do tet es ir gar we, und doch do kert sy es 5
an den heren alles trostes, und begert das er sy trosty, und das tet er och
folieklich, als hie nach ir hailig Übung geschriben stat.
Wie haihklich und ordenlich sy lebt an allen dingen, von dem das sy in dis
kloster kam untK uff ir end, davon wer gitt und lusHich ze hörend. Aber es ist
unmuglich ze schribent, won wie man wol ain klain mag wissen von iren hailigen 10
u SS wen ewigen Übungen, so kan doch niement wissen noch (79^j gesagen wie
in brunsteklich ir hertz und ir gird alle zit in Got was bekert. Alles das sy
in gehorsami tftn solt, darzü hat sy als grossen andacht das sy enkain sach des
geieren mocht, Sy was och als emseklich in dem kor das man nicht kund ge-
achten das sy ie zit versumte, sy leg denn zebetL Wenn man ze werk lut, so 15
gieng sy bald uss dem kor in das werkhus, und so man erst lut, so gieng sy
behendeklich wider in den kor. In dem refentar was sy emseklich, und so sy
et wenn zegros überkrafl hat, so gieng sy ain mal ald zway in die siech Stuben,
und so sy erst hat gessen, so gieng sy wider an ir haimlichi. Was man sy
ingehorsami hies tön, das folbracht sy schnelleklich, won sy hat allen iren willen 20
I79^j zemal in willige gehorsame genaigeL Sy was fU jar gesellin ze dem fenster,
und so sy denn erst in den crützgang kam, so hat sy vergessen was sy gesechen
ald gehört hat, und kert denn bald wider an ir ersten andacht. Sy was och als
miltes hertzen: so sy ainen betrübten menschen sach, mit dem was sy betnlbt;
mit dem getrösten was sy fro. Alle ir zit vertraib sy als gar mit Got das man 2^
sy selten iemer gesach by iement, als doch etwenn gut lüt tünd durch ain be-
helfung ir selbs. Und wie sy von natur frölich was, so hat sy sich selber doch
allso nber wunden das sy enkainer fröden diser weit begert* An dem firtag was
sy stetiklich in dem kor, denn so sy in gehorsam! anderschwa was. Sy tet
recht [sm} als das kind das siner mütter von zarten niemer gern uss der schoss 30
kumet.
Wenn sy nit zebett lag, so hat sy ain stete gewonhait untz an iren tod:
das sy allwegent vor meti und vor prim uff stund, und wackt sy ir engel all-
wegen ze disen zitten. Und so sy etwenn als krank was das sy von hertzen gern
het gerüwet, so tet er ir als not das er sy recht stossen dar zu bracht das sy uff 35
mftst ston, und gewan denn als grosse gnad das ir hertz recht inbrunstig ward.
Sy nam alle tag cc venien und dar zft xsx starker venien an blossen
3, 8. dis kl. vom Min, nicfu geändert G. IL Tlfw^Digeo G. 13. d^: dz; darüber
(r.) e geschrieben G, Vgl 65^27. 14, wi am Hände nachgeir. Q. 20, folbrach; das t nocAlr.
übergfichr. G, vgL 2ii 55^12. 2L redf^nfter N. 24. vor hertzö^ {sit. und r) durchsir.^
andacht O. 34* «twen am Randj ohne Vermeiminyszeichen^ nachgetr. \ Einschiehungssteäe unsicher.
62 XXIY. MeehiUlt Ton
knüwen. Etwe fll jar gieng sy in den kor ze der sit do sjr der engd waeU,
und do begond sy der täffei ab dik erschreken in ab nian/90i|;!ger wis das sj
do tor irem bett behub. Etwenn ramret er mid schweglet; etwenn tett er ab
er das gewelb weit niderwerffen ald feilen. Sy kam och gar fll und 4ik nadi
6 alle hochzit sonderlich nach complet in als gross andacht das sy lut ward waineo.
Ainikait jond schwiglichy minet sy ¥on hertzen. Des iages so sy anaem
heren enpfieng, und alle firitag den advent und die Ceisten schwug sy emseUidL
Und wenn sy gesellinn was, so was sy es forhin lang, das sy denn ledig wu
und das sy das zit zemal geschwigen möcht sin. Sy ftbt sich och emseUich an
10 ünsers heren marter mit hitzigem ernst, und hat sin liden ir herts und kreft
also durch gangen: wenn man ze tisch lass etwas von ünsers heren fSfj liden,
so ward ir hertz als bewegt das sy für das nütz nit mocht essen, and kam in
ain innekliches wainen, und kam yon überflissiger andacht als gar von ir selber
das man sy darnach über etwe lang, so der cofent abkam, dennen mftsst fAien.
15 Dis geschach ir dik yon unmässigem innbrünstigem ser das sy hat von ünsers
heren marter, das sy nngewaltig ward aller irer kreft Und sunderlich in der
martter wuchen so getorst sy selten iemer zu den schwestren kumen, won es
geschach ir fll nach alle tag, und an dem stillen fritag, so sy zu dem crütz gieng,
und wenn sy ünsem heren enpfleng, und gar dik nach cumplet, so mikst man
ao sy mit kraft uss dem kor fftren, als sy fSi^j wer gefallen. Sy vergoss och als
fll trechen von überflüssigen gnaden das sy ain tfich als gar durch f alt das man
kum ains flngers brait truken fand, won das man es wol hety gewunden. Wenn
sy ünsem heren enpfleng, so hat sy als fll gnaden und sflssikait das ir recht
gebrast, und der Schwester die ir acht bat, der gab sy ain zaichen, so sy ir an
25 ir hairoliche solt helfen, und belaib denn da untz ze non und ass denn ain fll
klain und gesach des tags niemer mensch gern by ir, und was ir alle süssikait
diser weit als bitter als ain wurmftt. Sy was och sunderlich zA ainen ostren als
durch gössen mit gnaden das sy von der mitwuchen untz an den haiigen tag ze
nacht nie geass noch getrank.
80 Hie foUendet [82aj ir hailig Übung, und fachend an die ussgenomnen gnaden
und wunder die der her der natur übernatürlich mit ir wurkt.
Do dis rain usserwelt mensch erst her in was kumen und sy alle die weit
hat gelon durch Got, als da vor geschriben stat, das trüg sy ünserm heren ab
adelich uff und sprach mit inneklichem hertzen:
85 *0 her min Got, nun han ich durch din liebe gelassen alle dise weit und
alles das mir zelieb und zetrost möchte kumen; nun bit ich dich durch din gdt-
liehe erbärmd und durch din unzallichen güti das du min trost wellist sin, won
du waist wol das ich nienen trost uff ertrich han.'
5. cnmplt Q. 8. goBellin O, 21. Dz ey am Rand ohne ZeMen nackgetr, G.
27. "difer weit" Amkait O. 32. "menfch" vITerwelt Q. 32. her getOgt (r.) tuwi
nach in dtarch Zeichen am Rand ds klolter beig^tigt O, 35. na G.
XXIV. Mechthilt von Staus.
63
Und also bat sy ünsern {83^J heren mit gantzem ernst und mit emssiger
begird und mit unsäglichen unraassigen trechen umb sin gnad.
Und darnach kurtzlich an ainer nacht nach mety, do sy zb irem bett kam,
do kam ain gar erbrer lütsäliger her und mit im ain michel her von herren, und
trüg der heren ainer ain gross crütz, das was als lulter als ain kristall, und der 5
sprach gar gütlich zA ir:
'Schwester Mezzi, du solt dir nit fürchten: dir mag nütz geweren. Gang
mir nach geturstiklich un alle forcht!'
Und gieng do der selb her vor mit dem herlichen crülz in den kor, und gien-
gend im die heren all nach gar schon und sungent gar andächttiklich das gesang 10
das man an dem stilen fritag f83^/ singet, und gieng sy inen nach untz in den kor*
Und do gieng der ain herr hin uff zu dem alltar und hftb das crütz uff gar
hoch, und die andren heren sungent gar wunneklich und knüwetend ze ieklichem
vers nider und nigent als man tut an dem stillen fritag. Und do ir hertz hie von
in grossem wunder was, do sach sy uff und sach das sich unser her von dem IS
himel herab liess an das crütz das der her trüg, recht als er och an der martter
stund mit allen sinen zaichen, und sy stund ver von ünserm heren- Und unser
her sach sy an mit ainer minenklichen angesicht und sprach gar gütlich zft ir:
^Schwester, gelobest du, das ich gewarer Got und mensch bin?*
Do sprach sy: 'Genad, f83f>j her, ich gelob es wol/ 80
Do sprach unser her: *So gang herzu T
Won der heren was als fil das sy nit hin zft mocht kumen, und do sy
unser her hin zft hies gon, do wichend sy all untz das sy für ünsern heren kam.
Und do stall sich unser her gar ernstlich und sprach zfl ir; ,Schwesler
Mezzi, begerest du kaines trostes won min?' 25
Do sprach syi *Genad, her, nain ich/
Do sprach unser her gar süseklich: *Sit du nun kaines trostes gerest denn
minen, und allen andren trosl will Ion faren» so wil ich dich selber trösten und
wil dich trösten mit minem hailigen lib und mit minem hailigen blüt und mit
miner hailigen sei und mit miner hailigen gothait, und wil [84^} dir allen den 30
trost gen den ich minen Üben jungern gab an dem grossen dunsttag, und solt
wissen das ich diner sei und dines libs selb pflegen wih Ich han ntement so
Heb denn ich diu getrüwe won mir selber alain» und solt das wissen das dir
tnines trostes niemer sol gebresten; won was dich widerwertiges an gat, so ker
nun in diu hertz: da findest du mich mit allem trost und mit allen froden, 35
Min fil liebe und min vil sälige, du solt wissen das das himelrich din aigen ist,
wenn du von diser weit schaidest. Ich gib dir minen ewigen segen**
14, tille G, 24. vnfer ohne ü- Zeichen G. 25. 27. begerest und genad her (r,)
unter Str. G. 29. troften hier so G, 36. mi am Rund mit Zeiche naehgttr. G.
32. 33. *icA habe zu niemand eine iokhe Liebt in« ich sie dir zutraue, aii (ich iie) mir aliein
{stäfnueff d, h. mir aUein traue ich eine »oiche Liebe *w, «c/e ich sie dir geg^ mich mtraue und
mie ich Mie $omt gegen niemcmd hege?
64 XXIY. Mechthilt Yon Stans.
Und den enpfieng sy frölich und g&telich, und do für unser her von ir uff
in den himel und fttrt ir hertz und ir sinn mit im [84^]^ das ir für des mal
götlicher gnaden und bimelscber sennungen selten ie gebrast, won ir hertz das
enbran als gar von der gegenwirtikait ünsers heren das sy nit kund genügen
5 dar an das er ir sei und ir gemüt durch gössen hat mit siner gütlichen
sdssikait: sy begert och von grund ires bertzen das er ir geh liplichen ze
enpfinden etliches siner y minzaichen, das sy das ser durch sin liebi trAg
und im sines lidens ain klain da mit dankete.
Und do zft ainem mal ward an sant Katherinatag und sy och vor mely
10 an irem gebet was, do ward sy verzuckt und gefürt in ainem schi£F über ain
gar schAnes wasser, und kam do uff ain gar wites schAnes feld, das was recht
foU der aller schAnesten wunneklich/^J«/esten bltUnen, und da sach sy gar fil
lütsäliger und wuneklicher lütten, die hattend alle wisse klaider an und warent
also frAlich geschaffen das sy grossen trost von inen entpfieng. Und do sy hin
15 zA inen kam, do wichend sy ir gar wirdiklich und machetend ir ainen weg, das
sy enzwischent inen hin gieng, und do sy allso emitten uiider in gieng, do bort
sy ain süsse stim von dem himel, und die sprach gar zärtlich zft ir: ^Schwester
Mechthilt, du solt wissen, das Got din begird erhAren wil, und als du begert
hast das er dir geh siner zaichen etliches ze tragen, des wil er dich nun geweren.
20 Und du solt sin zaichen zft dem bertzen enpfachen, und solt du das tragen durch
sin liebi die wil du lebest.' Und [85^] alzehand do befand sy der wunden ser zft
dem bertzen, und do hftb sy den schapren uff und Iftget: do sach sy und enpfand
das ir hertz durch wundet was, und sach das die wund wol in der mass wit
was als aines mans finger gross ist, und sach das sy als tieff was das ir die
25 tieffi untz an den rügen gieng, und zwen rüns, ainen von wasser und ainen von
blftt, davon fliessen. Und do gedacht sy: 'Ach, wie solt du dis iemer haimlich
getragen ?' und bat ünsern heren gar inneklich das er ir die wunnden usswendig
abnem und ir aber das ser zft dem hertz liessi: das wolt sy gern tragen. Und
zehand do sy das begert, do knüwet ain engel vor ir und hat ain himelfarwes
30 werkli in siner band und [86<*] lait ir es gar zärtlich in die wunden, und recht
zehand do was die wund ussnen zeraal hail. Aber das scharf ser belaib ir untz
an iren tod, und was aber ir ser und ir pin zft ainer zit fil grAsser denn zft der
andren.
Aber do zehand do sy wider zft ir selber kam und ir ser als gross was, do
35 Iftget sy aber zft dem bertzen, und sach das die wund ussnen hail was, und sach
aber die rünss des wassers und des blftttes, als es von irem bertzen gerunen
was. Und do man meti lut und sy och wolt lesen, do was ir ser als unmdssig
und als unvertragenlicb das es über alle ir kraft was. Und do sy sich nit me
3. fenungen ö; vgl 8, 66,33, 11. "feld" schönes G, 15. wichtend, das n
awradiert G. 28. hertz so G, 34. wider mü Zeichen am Rand nachgetr, G.
36. wassers: d<u Schluß-s von anderer Hand zugesetzt.
XXIV, MechtbiJt von Stans.
65
enthalten moht, do ge/^6*/prast ir von Überkraft, und schre als lul das der
schwestren fil zft ir kam. und do wolt sy in nüt sagen^ won das sy sprach:
'Mir ist als gar fast we!' Und do fürtend sy die schwestren an ir belt, won sy
was Sclliklieh und hailikHch min wund: won Christus hat ir hertz enzundet in-
brünsteklich mit sinem götlichen hertzen. Das mag man offenlich merken das
sy wol mocht sprechen das, das man von dem hochen lerer Saot Äugusti^uis
liset: Vulneraverat Caritas Christi cor meum:
Die min Christi hat min hertz verwun^,
und ich wird niemer me gesund
e ich getrink von dem götlichen runst 10
da die lebenden brunnen Qiessent
und sich alle minende herlzen ergiessent
die sich im alain gebent:
den IS7^J git er hie fröd und der^ ewig leben.
Und wie ir unser her ze der zit nit geh won das ain zaichen zu dem I5
hertzen: do mocht es doch wol also gesehen von siner gnad und von über kraft
des brinnenden seres das ir hertz trtg, das das uswiel und schliege in hend und
in föss, das den och kreftteklich des seres und der min zaichen gegeben ward:
won das sait man offenlieh das sy die v min zaichen helti, und dem warent
ach ir geberd wol gelich, Ir gang was als j&merlich als sy zt iedem tritt 20
sunderliches seres befunde. Sy mocht och kain kreflig werk mit den henden
lün, und joch klaine ding; sy mocht nit ain schüschel getragen, und l^y mocht
der hend och nit gebiegen, das sy die ßnger in die band laite. Och sait ain
Schwester: do sy ze ainem mal die band uff hatt gegen der sunnen^ das sy ir
durch die band sach* Sy verjach och selber grosses seres in henden und in 25
füssen. Aber das ir die zaichen gegeben wurdent, als das zaichen zu dem
hertzen, das sprach sy nit. Och ist es nit alain gelophch das ir hertz, hend und
füss verwundet werint: es ist gar geloplich das alle ire gellder und ir kraft gar
durch gangen und verseret werint, do sy befintlich innen ward wie scharpf-
lich ir schfipfer und ir ainiges lieb durch sy verwundet ward. Das aber das 30
durch schnident ser das ir hertz Irflg, ir alain da gegeben ward, das sol uieraen
wenen [SS^^j; won der mit sinem götlichen hertzen ir hertz liplich verwunndet,
der verwundet och ir gemüt galstlich mit der brinnenden hitz siner götlichen
min, und ie grösser das liplich ser ires hertzen was, ie sterker und inbrinsliger
was gaistlich die minnbewegung ires gemiltes, und also hat sy arn stetes in- 35
fliesen in den Ursprung dannen sy geflossen was.
L Biobt hier #o 0. 6. Aüguatin [ miaa am Schluß und Anfang der Zeäe 0. 7—14, die
Zeilen nkht abgueut 0. 8. bat vtm späterer Hand mit ä-Zewhen verahen. 8. ver-
wundet Cr, 12. vor alle frgän^e'^ in ? 14. tlerl ] der 0. 16, gesehen so G.
16. YO G. 21. henen G, 23. hend och ffiU Verweisungaseichm am Bande nachgtir, G.
27. dz spr. Q; außuiment des? Vgl 74,36.
66 XXIV. Mechthilt von SUn«.
Do darnach ward an dem ersten fast tag, do ward sy als gar krank das
man ir in das siech huss betet, und der selben fasten do erzaiget ir unser her
sunderlich alle die marter die er ie erlaid von dem das er gefangen wart, mid
wie er gefangen ward, untz das er ab dem crutz genomen ward, und sach [S8^],
5 do er in siner marter stund, das aller sin lib und sin antlüt als schwartz was
das er kum ainem menschen gelich was. Und hie von kam ir hertz in als gar
über grosses ser das es über alle ir kräft was, und das sy es nit möchti han
erliten, won das sy unser her trost, und sy ie under wilen an sach mit ainer als
lieplichen und gütlichen gesiebt das ir hertz gesterket ward. Und do er ir
10 erzaigt wie er ab dem crutz genomen ward und unser frowen an ir schoss ward
gelait, do was sin lib und sin antlüt als gar jemerlich das sy sprach das niemen
davon folliklichr sagen möchti. Sy sach och das unser frowen ser als gross und
über schwenklich was das es ir menschlich kraft nit me mocht erliden, won [89^]
das ir von groser Überkraft geschwand von dem mitliden das sy von unser
15 frowen hat, und och mit ünserm heren. Und als es unser her wolt, do kam ir
siechmaisterin und bracht sy wider. Und hie nach do begert sy gar innenklicb
an ünsern heren, das er ir gebe etwas ze befinden des seres so unser frow hat
an siner marter, und des gab ir unser her folleklichen ze befinden, und von dem
überschwenklichen grossen ser ward sy als gar krank das man wond sy wAU
20 sterben, und ward geölet, und mocht weder essen noch trinken won als wenig
das es über mensche kraft was. Sy wolt aber nit trinken won wasser ald ain
klain milch, unnd [89^] das selb das sy nos, das mocht nit by ir beliben, und
zoch sy unser her m als hoche über-natürliche gnad das sy drizechen wuchen
und ain jar lag fil nach alle tag von non untz ze vesper, das sy als gar ver-
25 zukt was das man kum das leben an ir mocht gemerken. Und so sy in dir
verzukung was, so was ir antlüt als gar wol geton, und was als gar güth'ch und
lustlich anzesechen das man da by markt das sy lebt. Und so sy wider kam,
das geschach allwegen mit ainem hertzlichen wainen, und da von was fil wundrung
under den schwestren und von gelerten lüten, ob ir dis von siechtagen ald von
80 gnaden beschäch.
Und under disen zitten do kam ain wiser artzet her: dem ward ir wandel
[90a] gesait, und do er ir audren gegraif, do sprach er sy het enkainen siech-
tagen: sy het ain grosse sennung nach ainem übergriflFenlichen ding, und were
alle ir natur als fast dar uflF gedennet das da von alles ir blüt zu dem hertzen
85 was gesigen, das es dem hertzen zehilf kern, und sprach: *Es ist als unmuglich
das sy das begriffen mug darnach sy sennet, als unmuglich mir ist das ich
begriffen mug das das gras grün ist.' Und des verjach sy selb das es
also wer.
21. menfche so G, 22. vöd hier G. 24. Iflg G, 31. her (r.) dwrckstr. und
am Rand (r., mit Verweisungszeichen) zu jn beigefügt G, 36. scnet ö, vgl, S, 6*4,5.
XXIV. Mechthüt von Sto&fl.
67
Und in der selben zÜ do kam brÄder Wolf ran unser proBncial zfi ir, und
hles sy der gar ernstlich das sy sich sin werte. Und sy was im gehorsam und
ßfßj tet es, und do ward sy als siech und ward ir als we das man gar an ir
verzwiflet und ir alle zit der sei warttet, und ir ain og recht lod was. Und
daroach an der ufffartag do kert sy wider und begund sich wol bessren, das 5
sy darnach fil jar zekor und zerefentar gieng. Und hienach fragt sy die priorin
wie ir die wil wer do sy also lag. Do sprach sy: *Ich was in als grossen und
hochen fröden, die menschlich sinn nit gedenken mag. Und das ich also wainet,
so ich wider kam, das geschach mir davon das ich dannen scAaiden mtlst. Und
der mich nit heti gehaissen das ich mich der gnaden gewert heti; Got heti ßi^j IQ
die wunder mit mir begangen da von iemer ze sagent werf/ Und doch wie das
nit beschach, so mag sich doch ain ieklich rain hertz wnndren und gedenken
was überflüssiges wunders ir sei schowet, do sy in das grundlos gut so emsklich
und so gantzklich gezogen ward, won es ist geloplich und nit zwifelich: sy wer
jne und och aigenlicher in dem himel denn uflf dem ertrich* So ain gut mensch 15
zu ainem mal mit siner Vernunft in Got gezogen wirt, dem werdent alle ding
bitter und alle die weit ze eng: wer mag denn gedenken wie überflüssig ir sei
von dem lebendigen brunen gelrenket wurd, do sy drizechen wuchen und ain
jar fll nach alle ßi^J lag in ain als hoch es schowen gezogen ward!
Es geschach ir och nit alain in dem zit, sunder fil dik da vor und dar nach, 20
so sy an ir gebet und an ir haimlichi was, won das ward bewert damit das man
sy etwenn fand also ligent un alle uss wendige bewegung. Und zi ainem mal
do kam ain Schwester über sy, die ir andacht nit erkant, und schult ir wasser
under die ogen, und wond ir wer geschwunden. Und do sy ir als fil getet, do
kam sy zft ir selber und sprach fil gütlich: 'Ir sond mir es niemer nie gelün,' W
Sy was och zu ainem mal in irem stül und hört ain gar schönes und süsses
gesang, und waren! die wort: 'Sanetus, Sanctus' mit *Alleluia*, und do ß2^J kam
sy in ain wunder und gieng her für: do sach sy das es alles schön lütsilig heren
warent und stundent nebent dem altar, ze ietwedrer siten ald ort des altars zwelf,
und als sy ain wenig gesungent, so nigent sy gegen ain andren gar andähtiklich, 30
und do sy uss woltent gon, do gieng letlicher sunderlich für sy ston und naig
ir gar wirdeklich, und den sach sy denn nit me, und also taten sy all nach ain
andren*
Disi aller säugest Schwester Mechthildt hat ires brtders tocher hie inn.
Und do sy für die gar ernstlich nach irem lod bat, do dunkt sy wie sy gefürt 95
9, fclaiden O, IL sageot: das t tiachir. tugesetzi. 18- braue G\ 18. vor
getreDket anfanglich got| gutr, 27. Seaot' {dann Sah, ge^irkhenl Scant* G. 29* Debe&t
dem allar nacMr.y mit Verweigungs^cichm. am Rande nachgetr. 0* 34. tocher io^ gdbesiert für
(r. und j^tt. gestrichenes) tochren G. 34. hie nac/tir. (r.) dvrchariehm und nacA iß durch Ver- '
mäsungsMcidim am Rande (r.) de cl öfter nathgtir. G,
1, Bruder Wolfram, I^omnmatprii^ du Jh-edigerordem fiir Schttahen: H. 8uher, DKTB8{Sy
5*
68 XXIV. MechthUt von Stana.
ward uff ain schöne haid, und was ain [92^] ring mit schönen wunnenUichen
mägten da. Und do ward ain still in den ring gesetzt under die mi^ und in
den stfll ward sy gar wirdiklich gesetzt. Und also gieng Schwester Hemme ir
mftm ab dem ring fdr sy ston, und sprach frölich zu ir: ^Nun sich mich an und
5 sich was firöden ich han, und fröw dich mit mir: won dise fröd han ich von dirf
und sprach aber do: *Fröw dich und fröw dich! won wistist du was fWden
und eren in der ewikait dir berait ist, du frowtist dich iemer mel' Sy dunkt
och ztl ainem mal wie in dem refentar ain tisch wer gerichtet, und was der
fol himelscher mägt, und sass sy ob inen allen ze/Pd«7 tisch, und kam unser firow
10 gar schon und Sant Eatherina mit ir, und brachtent fil himelbrot und gabent
den megten allen und och ir, und do sy das himelbrot ge essen haltend, do kam
sy in als grosse gnad und sdssikait, und belaib ir die sflssikait wol ainen monel
Do nun die gemint zit kam das ir unser her ir gantzen tniwen Ionen woU,
do bat sy die priorin, ob ir unser her kain gnad täti, das sy das ze erkennen
15 geb. Und do man ir die tafel geschlftg und der cofent komen was, do erzaiget
sy das unser her und unser frow da werind und Sant Eatherina, die zi tusait
mägt, die [93^] x tusent ritter, und sprach do zwurent: ^Omnes, omnes!' do
maint sy: alles himelsch her.
Und hie under hat sy das aller jämerlichest geberd etwenn, und ersehnt sidi
20 aller ir Hb, und segnet sich denn gar dik. Und denn zehand so hat sy die hend
gegen dem himel uff, als sy Got lobte. Und darnach do kam sy wider, und sait
mit beschaidnen wortten alles das sy vor gezaiget hat und das sy nit gelfen
mocht, das unser her und unser frow und alles himelsch her by ir was; der
tiefel erzaigt sich ir och, und das sy denn die jämerlichen geberd hetti. Sy sait
25 och das unser herr mit dem cofent ingieng und mit dem cofent zu ir kam, und
gab ir da mit zu verston: wa der [94^] cofent ist, das och er da ist. Und do
ward sy gefraget wie sy in gesechen hety: do sprach sy das sy in in siner
gdnlichi gesechen hety, und das sy da von nit gesagen kündi wie rilich und wie
überwunneklich die gesicht was.
80 Und darnach lebt sy etwe fil tag, und verschied mit ainem hailigen end, und
für ir edly sei zu dem der sy hie sinem aingeborenen sua, ünserm heren Ihesu
Christo, gelichet hat ussgenomenlichen.
Do wir dis von ir geschribent, do sprach ain fil alti Schwester: *Es ist nit
der hundertest tail von ir geschriben, das ir Got geton hat.' Sy sprach och an
85 irem tod das sy das für ain als grosse gnad heti als kaini [94^] die ir Got ie
geton heti: das sy nit wisti das sy ie hofart enpfieng von den gnaden die Got
mit ir wurkt.
Und nach irem tod do erzaigt unser her offenbarlich das er sy in der
ewigkait sinen hailigen gelichet hat, als er sy inen och in der zit gelichet hat
3. der Name nicht hervorgehoben G. 7. "ift" dir berait G, 17. zwirent: über i em
n gesetzt O. 20. zehand mit Vertoeisungizeichen am Rand nachgetr, 36. gnaden: das a (r.)
oben nachgetr. G.
XXIV* MechthiJt von Stana.
XXV. Jützi Schulthftain.
69
an hochem und an folkumnem leben. Und von siner Ordnung do erschau sy
ainer schwester» und hies die das mau sy getriilich sölte anrufen und sy ermanen
der lieby die sy hat zd den hailigen t minzaichen, und das man die sunderlich
silte eren, und das unser her den menschen wfllte eren der sy anrftfte : das hat er
erzaiget offenlich daran das er {Bö^/ mengen menschen hat erlöst von arbaiten 5
libs und hertzen. Ain erbri frow gab zv^aigen menschen die den ritten hattend,
ze trinken ab ainen klainen har ires hares, den gieng er baiden ab* Ain andri
frow hat ainen schweren siechtagen an ainem armen und bestraich sich mit irem
bar, und ward ir bas. Ain erbri frow von Wintertur bracht drü opfer, und sait
das sy iren wirt von grosser not hat erlöst, und das sy wol wisti das sy es heti 10
geton. Ain erber man von Felthain, dem was als we das im kum der autem
ward, und wolt recht tod sin, und ruft sy an und enthiess sich zfi irem grab:
do ward im bas. Unser knecht ainer was gar siech und las ir sechs hu/^^^7ndert
patter noster und bestich sich mit irer erd, und genas. Unser schwestren
band och sicherlich gesait das sy inen etlichen siechtagen hat abgenoraen den 15
sy lang hattend gehebt.
[ixvj Von der sälgen *S- 3üzi Scliulthasin,
Wir hatend och ain s&Hge scbwesler, hies Schwester Jüzi Schulthasin:
die kam in iren jungen tagen in dis kloster und übt sich an manigfaltigen tugenden,
das zelang wer zeschriben: won wir des zegfttter mass zeschriben habent wie 20
der her der natur übernatürlich mit ir wurkt von gnaden« Doch sol man
zwaiger dingen nit vergessen, da by man ßß^J ain tail merken sol; die min und
och die hftt irs hertzen, Sy hat sich aller ir fnind also gar verwegen das sy
wol uff XXX jar was das sy nit zu dem fensler gieng. Sy hat och von minen
13. Vnfer durch^ir, (r.) und Ir (r.) darüberffetetei G. IL befismich G. 14* vnTer
durcMr. und die (r) darübergaeizi G, 18. [W]ir in Sy korr. (r.) G. 19, dis: über
dem i ein K (r.) Q,
11, J"«tef VeUhem^ hd WifUerthttTt wo Töß mi 1358 einen seiner drä Eircheruätet {Nüfom^
Veäheim nnd DätUikon) besaß. Inkorporation durch den BUchof von KoTi^tünSj 12. De^mber 1358,
in der Jbsicläj 'den Ihch der Frauen m bestem, deren Zald beständig tma hundert beträgt*
(coatinao centuni monnialee vel elrea). 1428 war sodann rfer Leutpriester Heinrich Ifiiter v&n
Veäheim Guttatier von TBß. K Suher, BGT 16:^ DKT91 {il\ 92 (12). 96 (Iß). 17. Schult-
hasin; ein Jühans Sculihais, Bürger ^u ^interihur^ amitt am 28. Äug, 1337 bei einem Kauf du
Klosters Toß um einen Acker eu l^intertkur als SteUvertreter des Schultheißen. Züricli, Staatsarchiv,
Regesten* SchulihaSj Schulthasin ist woftl m a . (jetH noch t* B. tli urga utsche) Monophthofigierung
fWÄ »i, ei ^ft. — Jutzi »«rrf in der Fraumif. H$. {wie hei Murer) als Luc ia udedergegeben {ebento
bd H, Sukf^, BGT32y Vitknehr wohi zu Jutta? — Das Zürcher Geichleclii Schultheß iü
nach Leu erst seit 1594 belegt.
70 XXV. JttUi SchulthMin.
ain als mitlidennes hertz: so ain mensch zt ir kam mit lieb oder mit laid, so
wainet sy mit im als ain kind.
Die sälig Schwester sait uns an der zit do sy wond das sy sterben s61t
6ot züainem lob und uns zfi ainer fumemung an gftttem leben, das Got manif-
5 faltig wunder mit ir begieng, der wir hie ain tail wenn schriben, als fil wir
kunnend; aber nach der rechten warhait, als sich ir Got folleklich dik und filzt
erkennend gab, so mag es niement ze Worten [96^J bringen als es ist, wen das
alain sy sprach also, der ales das sölt schriben was Got wunders mit ir bei
geton sunderlich in siben jaren, das das nit möchte geston an ünserm metibikch.
10 By dem ersten do Got sin grossen gnad an ir würken wolt, da lait er
grossen siechtagen uff sy, das wir wondent sy wölt sterben, und das was ir gar
unlidig, und als gar wider ir hertz das sy fil gfttter lut bat das sy Got bättind
das er sy lenger lies leben, und darzft gewan sy als grosse hertikait in irem gebet
und ze allem dem das sy solt tun, das sy fil kumers und grosse betrAbt da Ton
15 hat Und dis klegt sy ainer gar glitten Schwester, die trost sy gar miltekM,
[97aj und bat sy das sy irem rat dar an folgete und das sy alle tag xv patter
noster les in der er ünsers heren marter, und so wölt och sy allen den ernst
den zy gelaisten möcht, an ünsern heren keren, das er ir zehilf kern. Und dis
tet sy fil zites, und von der erbirmd Gottes do begund ires hertzen hertikait
20 etwe fil verwandlet werden in am sftssikait, das es ir gar begirlich ward, und
dunkt sy das des gebettes ze lützel wer^ und lies es ab und fieng do an und spradi
alle tag Ix patter noster und Ix 'Laudate dominum omnes gentes' und
Ix * Gloria patri', mit betrachtung unsers heren marter, und fieng an als unser
herr uff den berg gieng untz das er zu himel für. [97f>j Und zu disem gebet gewan
25 sy als grossen ernst, und kert ir hertz und kraft sogar dar uff das de kain
üppiger gedank in ir hertz kam, oder in dem gebet iemer wort gesprech, das sy
etwenn dunkt das es von Überkraft ir tod müst sin. Und so sy darinn geirret
ward, so fieng sy es aber fernen an, und so sy von unraässiger krankhait ald
von dekainer sach geirret ward das sy es des tags nit mocht getün, so tet sy
30 es aber nachtes. Und in diser Übung gab ir Got alle zit nüwe gnad und sunder
erkantnus, das sy an ieklichem uff das aller hAst kam, und das sy nit höcher
möcht kuraen. Und sunderlich so ward ir min als gross das sy willeklich {9s<^]
gern wolt haben gelitten alle die arbait die ie kain mensch gelaid, und das ir das
ain frölich ding wer gesin das sy mit Got sölte haben gelitten alle die marter die
35 er durch uns gelitten hat. Und von disem ernst so ward ir dik als we das sy ge-
dacht das sy ab der stat niemer lebendig kern, und hie von gewan sy etwenn forcht:
1. mitlidefies so G. 5. weü so G. 8. ir nachtr. durch VorseUung von m ni mir
verwandelt (unrichtig) G. 11. wir in £y geändert {sw. und r.) G, 17. les fMcfify^. can Rand
(mit Vertteisungszeichen) beigefügt, 19. erbarm d: d nacktr. oben zugefügt G, 23. vnfer
ohne ü-Zeichen, mit nacfitr. zugefügtem s. 35. hat mü v (oder ä-Zeicfien?) darüber (= h&t
oder hat?) G (spätere Hand? vgl. S. 65,8).
XXV. JtiUi Sclitiltbasiii.
71
ob sy also sturb, das sy an ir selber schuldig wer. Und disen kumer lait sy brüder
Hugo dem Profincial für: der was ir bichler. Der sprach also: wer das ir
dis besehäche von dekainer usswendigen iibung, das Terbutt er ir slrenklichen,
Do sprach sy das es ir nit wider für won von inwendigem ernst und von grosser
min ßB^J die sy zft Got hat. Do antwurt er ir und sprach: das wölt er ir 5
crloben, und sturb sy also, so weit er Got für sy antwurt geben. Und sprach
do: *Sterb, so sterb\ und davon ward sy getrösttet und gieng ir die forcht gantz-
lich ab. Und also nam sy zu alle tag an gnaden und an mtnen, und ward ir
linsers heren marter also silss, so sy betrachtet und bekant was güles ir und
allen menschen beschechen was von siner marter, uud so ward ir fröd so gross 10
das sy dunkt das sy in ertrich noch in himelrich nit me fröden bedörfte*
Und do verhangt Got ain grosse anfecbtung über sy, das sy dunkt und es
aigenlich da für hat das sy Got niemer 199<^} sölte beschowen. Und da von kam
sy in als grose verschmicht ir selbes das sy den himel nit getorst ansechen, und
das sy sich unwirdig dunkt das sy das ertrich trflg. Und dis weret an ir tag 15
und nacht also das ir niemer underlibung ward, won als lang das sy ztl ir rechten
notdurft ain wenig ass und schliefl\ Und in diser grossen not und arbait do
geliess sy nie ab an disem genamten gebett und an ir andacht und ir ernst, den
sy zu Got hat, und nam als fil me zu an göüicher min das sy folliklich den
willen gewan: sÖlte sy untz an den jüngsten tag leben, das sy doch ir Übung 20
und iren ernst niemer wölte ablon gegen Got, wie ßn^} sy do enkain zfiversicht
hat das es Got genem wer von ir^ und doch von der miltikait Gotes so kam ir
alles das ze gut das ir begenet. Also was sy sach ald hört, da von wuchs ir
min zti Got, und lobt in in irem hertzen iemer. So sy ainen menschen sach frö-
lieh gebaren, so gedacht sy: 'Gesach dich Got! Es ist billich das du frilich 25
sigist, won Got hat dich darzA geschaffen und geordnet das du niessen solt die
ewigen fröd und Gotes angesjcht, des ich armer mensch unwirdig binT Dise pinn
laid sy von dem das man Äüetuia lait, untz an den grossen donstag vor meti:
do was ir als gar we, won sy was ain nüwer ritt ankumen zu dem siechtagen
den sy e hat, und was als gar krank das sy das [Wö^j gebet nit hat geton in 30
dem tag, als ir gewonhait was, won sy hat den siten das sy es gern teil in
dem kor, dik so sy als krank was das man ir kum in den kor gehalf, won ir
gewonhait was das sy es nienen anderschwa folbracht, und das hat sy des
tages ab gelon von unmässiger krankhait.
4. in wen | igem 0,
28 alta O. 30. ^e*
33, daa syl 'fy' ds Öf.
fo nachtr übtrgttühr, G. 23. beg*net O. 27. pin G,
3i. fiten ow Rand für mn ytiiigU» Wort (fy?) in der Zeüe.
2. Bruder Hugo von Staufen^ Luemmttr in Ktmt^tam^ längere Ztit BHchivüttr in Toßi
K Stäser^ DKTS8 (S)\ er scheint ako auch Provintiaiprior ffeworden zu «etrt. Oder üt der General
det Ordens Hugo von Vauctmatn 1333—41 {Denifk^ Sev$el, 20; Mystiker paar :'f9) gemeint?
Vgl 6\ 7SJÖ. 28. Das AHeluia (h in- J legen, deponere alleJulai f?i«tVi Kuurai vm
Jmmenhawen 7429^ S. 299,
72 XXV. J&tn SekttltliMiiL
und do in der nacht ward Tor metti, do rieht sy sich off an dem bett mid
wolt aber dia gebet tAn: do gebrast ir, das sy nit me mocht, und dodi wolt ej
nit ablcm und fleng es wider an, und do hört sy ain stiniv die spnudi gar
minenUich z& ir: 'Da sott rftwen, und sott mich dich Ion wisen wes du bitten
5 solL* und do erschrak sy und forcht das es ain trognos wer. Do 8i»adi aber
die stim [lOO^J die selben wort, nnd do scbwaig sy und loset, nnd do sprach aber
die stim: *Du solt bitten omb din Tergessen siind und nmb din ungesaiten sänd
und nmb din nn^kantten sünd und umb die sünd die du nit xeworten bringeo
kanst, und solt denn bitten das du mit im am ding werdist, als er und der
10 vatter ain ding was 6 das er mensch wurd, und solt bitt^i das niemer kain
nuttel zwischent dir und dem yatter werd, und solt bitten: als er hüt ain xüfamft
ist worden und ain ewige spis aller der kristenhait, das er also din zflkmift wefd
und ain ewige spiss, und solt bitten das er selber asft dinem end kam nnd dis
alles Fol bring und ewii^lich bestiL' Hie fiOfj Ton rapfleng sy grosse nnd un-
IS m&ssige frM und gewan kraft an hertsen und lib; doch do dunkt sy sich selber
nnwirdig der gnaden und des trostes, das sy nit gantz sicher mocht sin db es
Ton 6ot wer. Und do die mety für kam, das sy aber alain an Ir rftw bdaib,
und do sy in diser sorg was, do bort sy ain stim ob irem hobt, die sang ab
unm&sseUiche sflsse tusche wort das beide stim und wort sich kainen liplicfaeD
SO dingen gelidien mAchtent und do rieht sy sich uff, und wolt loss^i ob sy der
wort ieht gemerken künd, und do begund ir die stim feren, das sy kain wort
mocht begriffen, und war sy sich hin k^ nach der stim, da dankt sy das es
anderschwa fioi^j wer. und do gedacht sy: Her Got, ich kan nit erdenken was
dis mug sin, won din ewige gflty, das du mich wilt sichren das ich enkainen
25 zwifel hier an haben sei. Und do bort sy nit me der stim, und do ward ir die
anfechtung gantzlich benomen. Und hie nach gieng alle tag nüwe wnnder und
nüwe erkantnus Gottes m ir uff, das sy lutterlich erkant und sunderlich alle die
wunder die Got ie gewurkt m himelrich und uff ertrich.
Sy was och als wis in der stim das sy er kant und kund alle kunst, es wer
30 in der geschrift oder von usserlicben werken: das kund sy bas denn alle die
maister die ie da Ton gelemetend von ieklichem sunderlich. Sy erkant och
lutterlich wie das [102^] ewig wort ze flaisch was worden in der magt lib.
Sy erkant och lutterlich in weler minn er das tett, und wie gross die sälikait
und das hail des menschen was von siner geburt. Und schowet aigenlich
85 wie wir sine gelider worden smd und zft im gef&get und geheftet als die est an
den bom.
Sy erkant och was der mensch gnaden hat von schöne, von wishait ald
weler band gnad er hat, das die wider an Got fallet, so der mensch stirbet, als
es och von im geflossen was.
9. mit im am Randj mü VerweimmgiMeiehen, nachgetr. O. 22. hin am Rand mü Ver-
weiiungsuidien naekgeir, O. 82. zeflaisch (r.) unientr, O.
XXV. JütEi Schnlthaam.
73
Sy erkant och in wellicher nminung er di^ alten und die nüvven e gab, und
wie er dis tel dem menschen zenulz und //02V zehail nach dem allerbesten und
nach dem aller höchsten, das kain engel noch enkain hailig noch enkain creatur
kainen höchren noch besser weg möchlind finden, und wie wir alle ain andren
gelich sind und recht ain ding sind, und wie der mensch schuldig ist dem andren &
alles g&ttes als im selber.
Und die erkantnus die sy hat an allen den dingen die Got ie getett und
noch tun wil, das was Ir sunder lieh an ieklichetii als offen als den engel im himel-
ricb, und schowet es als lutterlich als sy es nach disem leben in der ewigkait
schowen solt. Und wenn dise erkennung für/^io^^ykam von ieklicher, so gieng sy 10
für bas, das ir hertz nie dar gestund , noch das sy nie enkainen trost dar an
gewao, won als es nie geschechen wer.
Sy erkant och sunderlich wie Got in allen dingen ist und in allen creaturen,
und das kain ding folhracht mag werden, won da Gottes gegen wirf ikait mit siner
kraft mos sin, joch an liplichen dingen. 15
Sy erkant och wie Gott ist in ainem ieklichen gressli und in ainem ieklichen
blümh und löber, und wie er allenthalben umb uns unnd in uns ist.
Sy erkant und kund in der stunden alle künst und iekliche sunderlich, nit
sament, won von ainer in die andren uf das aller [103^^] höchst. Und das kund
sy alles bas denn alle die maister die ie da von gelernetend, 20
Zu ainem mal do sass sy an irem bett in grosser krank hait, und kam in so
grosse min und gnad, und kam Got so nach, und begert so grosser ding von Got,
die überschwenklich gross warent» und do sy in der begird was, do hört sy ain
slim, die sprach; *Was waist du ob dich Got darzü erweit hat?' Do sy die stim
erhört, do erschrak sy so gar ser das sy in so gar grosse verschmächt kam ir 25
selbes das sy recht zenüte ward, und erkant das sy schmecher was denn le
kain wurm wurd, und das sy von ir selber nit hat won sünd. Und in diser
grossen verschmächt ir selbs do erkant sy doch was Got was, und fand [lO^j
enkain stat in ir selber noch in hell noch in himelrich, der sy dünkte das sy
wirdig wer, won allain in dem grnnd der hell. Da saczt sy sich in ain ewig 30
beliben, won sy was mit Got als gar verainet das sy nutz nit mocht wellen won
das Got woU. In dem ding belaib sy untz mornent in der mess; do bort sy
aber ain stim inwendig, die sprach und gab ir lutterlich zu erkennen das vor
gesprochen wort, das ir in dem gebett ward, das er und der vatter ain ding was
6 das er ie den manschen geschüff ald selb ie mensch wurd: das das nit anders 35
ist won das er ain will und ain min ist, das och sy allso mit im ain will und
ain min solt werden* Und do kam sy in. [liM^J ain stet beliben und veraint
leren willen mit im.
1. *%: 0^ 8, ir an ieklich; *©m (mt.) mngeftkkU an guir^ (r.) und mü VermeimngE-
mehm funderlich an an den Hmd guüM G* 17. vüd G. 33. erkem G\ bioß für erkenn
perichriehm? 3a. ^ so 0.
74 XXV. Jtttsi Schnlthasin.
Sy erkant och das Got nüt verborgen mag sin und das das minst m^gli —
das dius sin f&sslin nit mag gesetzen, Got schowe es lutterlich. Und als unmo^
lieh das wer das ain mensch dem andren in das og stech und im das uss brech
das es des nit wiste: noch dusent stund unmuglicher wer das Grot nit aDe
5 dinge wiste.
Sy erkant och lutterlich wie er lins sinen fronlichnam gab, Got und menseb,
und in welicher min. Wie gross die erkantnus was und die wunder und die
gnad die wir da von enpfachent, da von kund sy nit gereden, das sy doch do
lutterlich schowet. Und erkant wie ain ieklich mensch [lOSaj Got entp&chet
10 aigenlich als er ist Und erkant das ain ieklicher mensch nach dem jüngsten
tag, so wir zft himelrich kument, als aigenlich hett Got und mensch als es in hie
enpfachet von des priesters henden, und aber aines fil me und fil mineklicher
denn das ander, als fil och sin min hie grösser was.
Sy hört och zu ainen mal ain stim in ir, die sprach: ^Bitt das du wonist in
15 mir als ich in diner sei.' Sy ward och zu dem selben mal in das himelrich ver-
zucket: da sach sy Got und menschen, als er ist, in sinem thron, und sach zwoi
bredger in wissen klaidern bredger gewandes for im ston, und stundent tot
sinem antlüt und wundretend sich und fielend denn nider und lobtend [i05^] Got
und stundent denn aber uff und schowetend aber wunder an Got. Und do sy
ao dis gesach, do gieng sy och hinzu, und wolt och haben gesechen als och sy; wir
sy denn gieng, nebent oder was ztl vor, so mocht sy doch nie gesechen das sy
sachent, won er hat allwegent sin zwessme für sy, das sy sin antliit nie gesach.
Diser gesicht was nit me.
Darnach schowet sy lutterlich das tussent tussent jar im himelrich nit sind
25 won als ain ogen buk. Sy sach och in Got alle ding. Sy sach och und
schowet das man un underlas nüwe wunder in Gott sieht, und das die wunder
sind ewigklich stett.
Sy erkant och wol die engel und die seien für ain andren, und erkant wie
die haiigen die marter durch Gott [i06<^] littend, was er inen gnaden gab und
50 wie er es an inen follbracht.
Sy erkant och die grossen wunder die er geton hat an den kindlin die
Herodes in sinem namen tott: den gab er so grosse gnad das sy by den
höchsten sind.
Sy erkant och das hunert dussent seien nit als fil liplicher stat bedurffent
55 als ainer nadlen spitz. Wie dik sy in himelrich kam ald wie es bescheche das
sy disse wunder lutterlich sach, das sprach sy: 'Ich enwais das nit: Gott waist
es wol.'
Sy schowet och luterlich was das ist: Got sechen von ogen zu ogen. Hie
von kund sy nit me gesprechen. Sy schowet och lutterlich und erkant wie der
19. denn G. 24. nach sy urspr.-. dz, (r.) durchstrichen G. 34. hunert io G.
36. dz n. G: aufztdoaen des? Vgl. 61^13^ wo dz in d«z korr. ist.
XXV. JütEi Schultbäiin.
75
sun geboren wirt ewigklich von dem vatter [iOß^h das alle die fröd und die wunn
die da ist, die litt an der ewigen geburt. Wie sy furer kam in das ewig wessen
Gottes, da von kund sy nit me gesagen noch enwist sin och nit, won sy verlor
sich selber da so gar das sy nit enwist ob sy ain mensch wer. Darnach kam
sy aber wider zu ir selber, und was ain mensch als ain ander mensch, und mftst S
do geloben und alle ding tftn als ain ander mensch. Und das tetl ir als we, und
was ir min und ir jamer als gross das sy dik versticht und alle ir kraft daran
lait ob ir icht werden möchte: so ferret es ir allwegent, das sy es nit gefachen
mocht. Und do sy in disem j aroer was, do kam sy zÜ irem bichter brAder
Hugo dem pro/^/07«/vincia], und sait im mit grossem jamer wainend das Got so 10
grosse wunder mit ir geton hat, und das ir das nun so gar enzukt wer. Do
sprach er: 'Du wainest gar ungeslümklich: wie sol es Got von dir vergftt han?
Wer das das du es mit Sünden verloren hettisl, das lies Got niemer er gebe
dir es ze erkennent» Wer es och von den lütten, so wert du do under den lütten
als nun. Wer es och von krankhait: werlich, so wert du do krenker denn du 15
ietz sigist. Du solt Got allen dinen sin und din begird geben, und solt in uss
dir Ion tun sures und süsses, wie er wiL* Und dis folget sy im als fil sy mocht.
In disem jamer hört sy aber ain stiro, die sprach: 'Du solt alles din leben richten
nach dem globen, und solt wissen [I01^}^ das ist das aller sichres t und das aller
best/ Und do erkant sy lutterlich das der glob grösser ist denn die sicherhait 20
und die schowung die sy hat gehebt, und do rieht sy alles ir leben nach dem
globen.
Und also hat sy siben und zwintzig jar vertriben, das sy uff den globen
wurkt, und tbt fil das doch was über ir krafl und och gar uji allen menschlichen
trost» In dem selben zit do geschach ir och dise gnad die ich hie schriben wiL 25
In den siben jaren do Got dise wunder mit ir wurkt, do was sy v jar das sy
nie in kain stuben kam noch nie kain wil by den lütten belaib, da sy sich es
behütten mocht. Und zfi ainem mal was es gar kalt, das die Schwester die ir
pflag, die bat sy mit [W8*^J ernst des sy ir in die stuben Hess helfen, die wil die
schwestren zu vesper werint. Und won sy so gar krank was, so folget sy ir, 30
das sy sy in die stuben fürt zu dem offen. Und sy sprach do zft ir pflegerin:
^Nun gang du zu vesper und las mich hie, das Got etwas lobes da von be-
schech\ won es was ain hailiger tag. Und do sy also alain belaib, do sach sy
das unser her ingieng, und was in den jaren alß er uff ertricht gieng und
bredget, und gieng mit im Sant Johannes und Sant Jacob der grösser, und sy 35
erkant sy sament und doch by sunder ir iekliches antlüt. Und sy fürten t in als
jfttie^. G* 31, foite, düM e radkri G. 3 h
vgl S, 76^0.
30. wereiät: über dm Mitmk e ein i
fprach" fy G. M. ertricht *ö Q\
76 XXV. Jtttn SchalthaniL
ainen heren, des sy sorgetend, wer in begegneti^ und haltend [iOS^j in umb-
schlagen mit den armen mid ainen arm binden, den andren fornen. Und do sy
I allso inkoment, do liessent sy in uss den armen, und er gieng fdr sy ston und
sprach: *Nun schow, wie min leben uff erdtrich was!' Do schowet sy lutterlich
5 das er so jämerlich was: sin ogen warent in gefallen, und sine wangen warent
so jemerlich von liberschwenklicher grosser arbait die er laid, und do sass er
nider und kert ir den rügen, und do er nider wolt sitzen, do erkant sy das er
als gar mdd was von grosser arbait das sin rüg und alle sine gelider er-
krachettend, und recht in im selber griss grämet. Und do er nider gesass lio^]^
10 do sass Sant Jobanns und Sant Jacob zft im. Und nach dem do sach sy, als
es sin solt, das die schwestren uss und in giengent und doch nie kaine gespracfa:
*6ot grüss lieh' ald *Was wend ir?* Und das stund so gar yerschmäcblich und
also gar ellendklich das es alle hertzen nit kündent betrachten. Und so die
schwestren also uss und in giengent, so stftndent die junger uff; aber unser her
15 sass still. Sy sach och das ünsers heren klaid und Sant Jakobs klaid gelich
was, und warent innen rot; aber Sant Johannes klaid was nit innen rot; es
was aber ussnen als ire klaider. Die junger warent gar wol mugent an dem
lib. Und do sy in diser beschöw was [109^]^ do kam ain Schwester und ret mit
ir und bracht sy wider, und do sach sy nit me.
20 In den selben siben jaren wart sy zft ainem mal verzukt in das himelrich^
und do sach sy herab uff das ertrich, und erkant und schowet das alles ertrich
als klain ist als klain die stat ist die ain band bedeken mag, wider alles ertrich:
als klain ist alles ertrich mder das himelreich.
Sy erkant och lutterlich das ain ieklich stem als brait ist und als gross als
25 ales ertrich zft ainem mal. Do wolt sy bitten fdr ainen grossen sünder; do kam
sy in ainen zwifel das unmuglich wer das das an im follbracht möchte werden
des sy über in gebetten wolt han. Und von dem zwtfel kam sy in ain ungird
/iiO«7, das sy über den menschen nit gebitten mocht. Do begejrnet ir Grot mit
als grosser erkantnus, als er ist Got und mensch in himelrich, und sprach zft ir
30 gar mineklichen: 'Darum bin ich uff ertrich kumen und bin recht darum hie das
ich trüg alles das ir wellent.' Hie von enpfieng sy als grose fröd und süssikait
das sy vergass aller creaturen ze dem mal.
Damach zft ainem andren mal, do sy och an irem gebett was, do erkant sy
lutterlich von unser frowen wie gross die fröd ist die sy vor allen creaturen
35 het an Gottes menschait Wie aber die sei unser frowen mit götlichem wessen
verainet ist, des erkant sy recht nüt. Ob unser frow mit [liOb] lib und mit sei
zft himelrich sy, das erkant sy och lutterlich. Aber es ward ir kurtzlich benomen,
das sy von warhait aigenlich nit kund davon gesprechen, won des das sy es
2. hinen und d übergeschrieben. 27. zwilfel G, 28. bcgnet ö. Vgl 71,23,
30. darum (beidemal) hier so G, 30. ertricht: doi t nachbr. oben sugefUckt ö; vgl S, 75,34 tt.
S, 78,26.
XXV, Jützi Sehatthfttm.
77
sicherlich dafür hat das sy unser frowen da sech liplich. Und darnach kurczl ich
in dem selben zit, do ain breger da von gar wol breget, do erkaot sy es aber
lutterlieh die stund, und dar nach nit me. ZA alnem mal in dem summet do
gieng sy in dem bomgarten und sach die sunnen an mit andacht irs hertzen, und
in ainem ogenblik do bekant sy und begrajf Gottes als fil, und wer es icht lenger 5
geweret umb ainen puneten, sy wer an der {iii^J stat zersprungen, won das sy
ir sinn mit allen iren kreflen wider zoch; won ir ward als we das sy sprach
das ir kain gnad ir kreft nie so fil benem, won sy noch do liptich verstantnus hat.
Damach in dem zit do der strit vor Wintertur geschach und das urlug
ward versünet, do ward ain turner genomen gegen Zürich, und sorget man das 10
der ^e heisslich und ze riectilicb wurd, und davon ward ain Schwester gar fast sy
a "Itttterlich" aber G. 7. "zoch" wider G, l(X (duruer ü). H. ze bafflicb
vnd ze ricWich; dann korr* hairflich — riech lieh; tndlhh alles gestrichen und in obiger Ftumng
(zeheiaslich vu zeriechUeh) mii VeriteiMungi^eicIien utäen an die Seüe geschrieben G. (ze haifTHcli
vnd £e rilich Ü)^
10. Der Streä vor Winierihur üi dai Treffen bei S, Georgen am Feld mr W»n/«tAur 1292^ in dem
Hug von Werdenberg- Rkeineck tnit den Bürgern Winierthuri dk Zürcher Manmchaft teik vemichiet€,
teiU gefangen nalifn\ nach Stumpf war ein siegreicher Kampf der Zürcher auf dem Toßfeld tJora«-
gegangen {iL Sulser BOT 19). Die Sttftang*geichicfä4 i>on Töß in der Frauen f. Mm. g 105 (vgl
Einlmiung) erzMU diemen Btreii {ttach ^Ckrontcon WeUngense^} und seine SchUchiung {nach ^StvmphJ
/l'i 33, VIj 17 \ vgL mßerdem laurenttus Böxhart, Suher BGTJ) folgendermaßen:
ÄDDo t292 an ff den IS tag ApriJlen geeach [so] ein harter Btr^it zwUeebent denen von
Znrich &o keiser Aoldpho [$o] von NasBOW, all waren kei&er anhiengent, vnd denen von
WinterthuT vnd mithelffeten Österreich er on ao da im znsatz lagend, ea hertzog Albrechteo
yon Oatericb vndertlmnen, vnd gern k eiser gewesen wäre aiteh sich wider keiner Adolph anff
lenete vnd kriegte ein harter streit auff dem Toserfeld aueent Winterthur. Die Zürcher
lagent im ersten atreit gewaltigklich ob. aber anB vngewarsamkeit ynd der feinten liat^
wnrdent sei vber fallen vnnd geschlagen, vnnd ob sei sich die voo Zürich beßamleten was
der schaden geschehen also zugent die vberigen mit groaem schaden und iamer heim, vnd
wnrdent bei 80 zu Toß in ein grab begraben vnnd die vberigen Znrich geinert. Also
banwten die von Wlnterthur etn Capel an^ die Hofetadt so S Jörgen Cappei h eiset Im velt,
Tnnd stifftend ein pfmnd da hin.
Anno 1293 war ein nehtung gemacht zwnachend den Zenrcheren vnnd den leatten dea
Gotthans Toß, von wegen des achadena, den inen die Znrcher in vergangenen krieg vnd zng
für Winterthur gethon hattend. Darumb mnaten die Znrcher 15 pfund pfennig geben aulf
S, Otbmars tag, iarlich.
In der «cA anschließenden Erzählung Eäbet Siageis wird JMtsH Schultheiß wohl nicht 'gemahnt^
ihr Gebet bei GoU einzulegen für einen Turntr^ der nach Zürich ^ur Bestrafung weggenommen
itard" {GreOh^ H. Suso 151; M. Suker, BOT Ii2l)\ vielmehr gchmnt eine Schwester in Töß von einem
nach detn Friedensschluß in Zürich abgehaltenen l^urnier neue Feindseligkeiten befnrchtei und des-
halb die ßchuUheifiin um iJire Fürbitte gebeten zu haben^ Diese mll sich, nachdem sie wegen des
Krieges so viel gebetet^ nicht mä solchem Spiel abgeben^, aber eine Stimme Gotiet hält ihr vor^ was sie
alles vor jenen Weltkindem v(/raus hat-^ sie sieht dann GoU seihst auf seinem Throne sitzend tind vor
ihm die Menschen den irdiscfien Sorgen ntgekeltrt^ aber gleichwohl mn Gott geliebt und beschulst:
darum soll auch sie ilir Gebet ihnen nicht weigern. Darauf unterbleibt das gefUrchtele Turnier,
78 ^XV. JttUi Schalthmain.
bitten das sy Got mit ernst darüber bete. Des wolt sy nit tfln, und sprach mit
herten Worten sy hett gnftg gebetten über den ernst, und wölt mit hm
mtltt willen schall nun nit me sich bekümren. Und die Schwester fiii^J liess nit
ab: sy gieng ir alles nach und bat sy mit grossem ernst; do ward sy ie herter und
5 ie herter. Und do sy die hertikait gewan das sy nit me über die sünder woH
bitten, do sy do an ir gebett kam: do gewan sy als grosse hertikait das sysich
selber nit erkant, und das sy och nit wist ob es Got was ald war sy sich keren solL
Do hört sy ain stim, die sprach hertiklich: * Alles das Got mit dir ie gewurktald
mit dir ie getett, das ist sin und nit din.' Do erkant sy das sy gar blos was
10 aller der gnaden und des gftttes so Got gelaisten mag. Und do sy in der schäm
stfind so gar blos, do wolt sy von schäm hinder sich tretten: do hat sy alles
fil2<ij ertrichs nit als fil das sy ainen fftss möcht gesetzen. Die stim lies nit ab
und sprach: *Got hat dich geordnet und gesetzt in dis leben; da hast du alle
ding un allen kummer: du hast glitte gessellschaft — des band sy nit; du hast ze
15 allen ziten gfttt bildung und 1er — des band sy nit; niement stellet uff dich — des
hant sy nit Sy pingent sich wider ain andren, und wil aines für das ander
sin — du hast din lipliche notdurft un alle sorg; es ist dir alles for berait —
des hant sy nit; du hast Got, wenn du wilt — des hant sy nit: er ist inen gar
frönd, won aines das ziichet das fil2f^j ander zu sünden.* Do ward sy noch
20 innrer verzuket in sich selber, und do sach sy Got, als er un himelrich ist, Got
und mensch, und sach in untz über sin brüst. Wie mineklicb sy sin antidt sach,
das möchtent alle zungen zft worten nit bringen. Sy erkant da die grossen min
die er zft dem menschen hat: wie ungemessen und wie gross die ist, das ist
unmuglich das das iement zft worten kunn bringen. Sy sach och do das die
25 liit alle for ünserra heren warent, und hattend alle die siten gegen im gekert, und
hattend ir antlit in das ertrich gesteket, und sftchtent als klainlich uflF dem ertrich
[il3aj recht als der nadlen sftchet, und hattend Gottes kain acht, wie nach er
inen was, und er hat sin zwessrae so gütlich und so mineklich ob inen und
sprach zft mir: 'Nun sich wie recht lieb sy mir sind: bitt für sy.' Da was aber
30 enkain bitten noch nit, won Got schowen; do was der gesiebt nit me. Doch
belaib ir an irem hertzen als grosse fröd das sy lang darnach grossen trost
davon hat. Der selb turner ward wendig, das da nie nüt geschach.
Von diser gesicht hat sy als fil gnaden und sftcht ires trostes als fil dar an
das sy alle ir kraft dar ufiF dannt das ir diser gesicht joch ain ogenblik möchte
35 fii3f>j werden. Und dis wider für ir etwenn ain ogenblik: so ward sy also gar
fro und so sicher das sy dunkt das zwischent ir und Got nichtes nit wer, und
14. "da" hast O. 26. vorher: ertricht, dann gestrichen und ertrich neu daneben ge-
schrieben G; vgl. S. 76,30,
29. mir: Spur einer zu gründe Hegenden Autobiographie?
XXVI. Itm Suberia,
70
SO es ir nit mocht werden, so gewan sy so grosse tmrikait und jamer darnach
das sy begund erkennen das es sy ieiren wolt, und erkant das sy nit won Iren
Irost und Iren nutz daran sucht, und das sy nit geware min noch GoHes lob
daran steht. Und do gab sy es Got als aigeDlicb uff, also das sy es von Got
memer niemer me begeren wöit, und niwet sy das sy es ie getet, und also 5
lebt sy darnach das sy hat sures und süsses, wie Got wolt
Und nach irem sdligen leben, in dem sy gelebet hat dik mit jamrigen
hertzen nach dem ewigen gütt {n4<^j des ir gaist befunden hat, do nam sy unser
herr uss disem eilend, das sy es in der ewigkait folleklich nusse un end. Dar
hellff uns Got allen durch die liebi siner kind und tnser geminten schwestren, 10
Amen,
I ÜU
fxxvi} Von der i&lgeii S- Ita Siilzerin der laygen.
Der gut Gott hat och aigenlich erzaiget das er nit alain riwen wil by den
die er dar zu geordnet hat das wir uns alain innren gaistlichen dingen söllent
geben : er hat sich och den schwestren gar lieplich erzaiget die er darzü geordnet 15
hat das sy dem cofent getrulich dienetind. Und wie der gar fil ist den unser
her gar gütlich hat geton mit sinen gnaden, doch {lu^j so schribent wir Ton
etlichen sunderlich.
Wir hattend ain gar sälige schwester, hies seh wester Ita Sulzerin: der
hailiger wandel und Übung zaigent aigenlich das Got mit sinen gnaden folleklich 20
in ir wonet und och fil wunders mit ir wurkt, des wir doch nit won ain klain
wissent.
Dise sÄlig schwester hat zu ainem mal ein grosse an fechtung, das sy unserm
heren anderschwa loblicher gedienen möchte denn hi in disera kloster it Töss.
Darum hat sy fil strjtes mit ir selber, ob sy hie wölt beliben* Und do sy zu 25
ainem mal in der kuchi was, do kam ir aber ir anfechtung; do gedach sy; 'Her
min Got^ un dinen willen wil fiis^j ich mit tun.' Hie mit gedacht sy das sy
12. vor der KapMüherßckrifti {r.} Von den layen achwestero N. 2S. Tnfarm hier
MO G. 24. difem cofent M kl, d&nn cofent ald durchür. (r.) G. 25, D&ntm Aiw
m G, 25. hie in da gmndtft (r*) Q. 26. gedieh m 0\ egl S. Sl^tS u, d.
12. Dim€ LmemchweiUr Ita Sui serin iM ßdmfalli von der retchm Wüme Ita i»on Suh
(Ä 20 ff.) £u unierMcheiden, Ein Heinrich Sulzer^ Unteramtmann m Kiburg^ nitzt am S. Aug. t349
m Her sog AibrechU üot Oderreich Kehthof ^ WinUrUmr $v Gerichi ^eim Verkauf ein^ Guies an
Eioiter Toß\ deraibe heurkundei die Übergühe einer Mühle su Oberwinkrihur durch die Eloiterfrauen
SU Tofi an die MüMerin zu Oberwinierthur. Am 2. Märe 1358 gebieiei Hersog Rudolf vom Oiierreidi
dem Rudolf Sutser, Vogt zu Kiimrg, oder teinen Nachfolgern^ dem Gnadenbriefj den sein Vater
dem Khiter Totz wegen des ihm im Kriege f?on den Zürchem und deren Eid^enouen sugeßgten
Seftadene erteilt habe, Folge su leisten.
80 XXVL Ito Solzerin.
brinnend glftt in die hend nem: brannte sy die giflt, das ir das ain urknnd wer
das Got ir leben anderschwa genemer wer denn hie. Mit disem geding, das sj
mit Got hat, do graif sy in das für, und fult ir hend bed foU frischer glftt, ODd
sass ain wil und stflnd do uff und gieng in den krdtzgang und hat allwegent die
5 glitt in den henden. Also forcht sy das die schwestren uss dem kor gieogest
und es sechind, und iait die glftt in den schapren, und trukt sy do fast an sicfa,
und do sy wider in die kuchi kam, do hat sy weder an den henfus^jden noch an
dem schapren kain zaichen, ob ir ie kain für dar in kumen wer. Und do gewan
sy gantze sicherhait das Got ir leben nien als loblich wer als in disem kloster.
lOj Dise Schwester dunkt och zt ainem mal das ir Got als frömd wer. Das klagt
sy der sälgen Schwester Willinum von Gostentz: die trost sy mit sässen and
mineklichen Worten und sprach: sy sölt von Got vergftt haben siner gnad. Hie
mit gieng sy an ir bet an ir haimliche, und kam in als hoche andacht das es
über alle ir kraft was, und sprach denn mit lüttem lachen: ^Hör, herr, hör! ich
15 enmag recht nit mel' So sy das ain wil getraib, so brach es denn zft ainem
lütten wainen fll6(^J, Zfi diser gnad und fil höcher kam sy gar dik, da von wir
doch nit gantzlich gesagen kunnend. Zfl ainem mal do lag sy siech, als sy laof
vor irem tod tett, und zft ainer zit do sprach sy zft ainer andren s41igen Schwester,
die och in dem siech huss lag: ^Schwester Anna, uns kumet ain artzet und ain
20 artzetinl' und zehant do sachent sy bed das unser frow kam uff dem esellin, als
do sy Joseff in Egipto fftrt, und hat das kindli in der schoss und fftr zft ina
beden und Iait ietweder ir band uff ir hobt, und an der selben stund do wurdent
sy gesund von grossem siechtagen.
Von der emssigen Übung in der [116^J sich dise sälig Schwester an allen
25 gfttten werken ftbt, do ward sy manigfalteklichen angefochten von dem tufel, der
da ist ain nider aller tugent. Er nam ir dik ir pailemoster und zerbrach es alles
und warff ir die ringly under ir bett und Hess ain ringly nienen by dem andren,
und so zwang sy in denn das er sy alle zesaraen mftst lessen und ir sy in ir
fenster legen. Und hie by mag man wo! merken wie gewaltig sy sin an andren
30 Sachen was, das ir och grösslicher möcht han geschadet. Zu ainem mal wolt der
cofent ünsem heren enpfachen, und sy ftbt sich in grosser andacht. Und do
[Il7aj in der mess ward, do erschan ir der tüfel als ain schöner herr, und tett dem
glichen als er unser herr wer. Also ward sy betrogen alle die mess, untz das
sy die bewerrd anfieng. Und do sy zft dem altar wolt gon, do sprach er: 'Wes
35 bedarfft du des? ich bin doch gegen wirtig hie by dir!' Do sprach sy: *0 her, so
ist doch die gnad der gemaind als gfttr Do verschwand der tiiffel. Und do sy
ünsem heren enpfieng, do ward sy gesichret das sy von dem bössen gaist niemer
me betrogen solt werden, und ward ir in der gnad erzaiget das Gottes lichnam
die sichrest gnad [ii7f>j ist die der mensch in disem leben mag enpfachen.
2. defi hie unterpunktiert (r.) G, 11. von den Namen ist der erste nicht ausgezeichnet G.
14. hör = hör auf: Schwz, Idiot. II, 1573, 27. ringlj: 7 aus i korr. G,
XXYL Ita Sulzerin.
81
Es beschach och zu ainem zit das sy wuchnerin was in der kuchin. Und
aines tags, do sy nach der melty den haffen gesod und in der kuchi gelett was
sy bedorftf do was es dennoch gar fn\. Also gieng sy uff die capell an ir ge-
bett» und ubergoss sy do Got mit so hocher gnad das ir gaist von irem Üb ge-
zukl ward, und ward ir do zu erkennenl geben sftlliche wunder von Got davon 5
wir nit geschriben kunnent. Under andren wundern das sy schowet, do ward
ir foUkumenlich zft erkennent geben die lutterkait ir sei. Und do die sei wider
tt dem IIb solt kumen, do schwebet sy lang ob [tis^j dem lichnam, und schowet
wie schmAch und wie unedel er was und wie tddmig als die erd, und wie adel-
lich die sei von Got geflossen was. Und do sy wider zu dem kranken lib ge- 10
füget mftst werden, das tett sy als gar ungern und gedacht: *Owe! mfist du zil
dem grüUchen lib wider faren?* Und also kam sy wider zA ir selber und was ain
mensch als och e, und gieng wider in ir kuchi.
Unser herr raitzct sy mit mengen dingen, das ir gird dester grösser wurd.
Sy sach zu ainem mal ünsem heren, do in der priester uff hftb, in der form als 15
ain kjaines kindli, Sy was och ztl ainem mal als maslaidig der spiss das sy
nit gern ass (tis^j^ und gelust sy naiswas als gar fast, und das sach sy ain
Schwester essen, und doch überwand sy sich selber gantz da. Und do in der
nacht ward, do erschan ir unser her in dem dormiter in dem bild als ain alter
her, und hiess sy mit im in das refentar gon und salzt sy über ainen tisch, und 20
stund er für sy und fieng an Gloria in excelsis und sang es alles uss mit
ainer also rilichen stim das sy muglich dunkt das es ales ertrich hetti gehört,
und darnach sprach er zft ir: 'Schwester Ita, wilt essen?' Do sprach sy: '0 her,
ich han die masslaide, das ich nil gern iss,* Und do woU ir unser her erzaigen
das im danknem was das sy sich an dem abent (lt9^J an der spiss hat über- 25
wunden^ und lait ir ain wisses brot für, und do sy des brotes erst versucht, do
vergieng ir alle ir masslaide, die sy vor dik hat gehebt, und gieng sy für das
mal niemer me an.
Sy was och zA ainem mal als siech das man sy in das todbet lait, und do
sy sich beseret, do wer sy gern wider an ir rechte betstat gelegen. Des woltend 30
ir die schwestren nit helfen und sprachent sy wer z4 krankp Und do die
schwestren zu mess giengent, do kam unser her und unser frow und die haiigen
engel, die pattriarchen und die profeten, die xii botten» die martrer, die
bicbtter und die haiigen ra> und betenden t iiiBf^J ir^ und do die schwestren
von mess koment, do fundent sy sy an der stat da sy for gelegen was, e sy 35
siech wurd-
8. lib nacAir, am Remd migeßgt G. 13, - E ' G.
hervorfffhohen G. 32» giengent naehtr, am Rand sugefugi.
nichi hen?ofg€hobm G* 34. betedent m G,
2L dk laidnkchm W&rU nicht
33. botten, {mt$ Versehen)
7— 12. Zu diesem Ekelgefühl nach einer V^zückung vgl Deniße in Bm. f. dt A, 2i^ 4^5^;
wem Mgitiksrpaar S. 5ß und MutpüU S, llft.
Deatictie Text« dei HltttUKer« Vi §
82 XXVL lU SabMrin. XXVII. EUi Yon Elgao.
Sy saeh oeb zft ainem mal in der cumplet das sich ain schönes wuimek-
liches liecht von dem altar herab lies durch den kor nider uff iekliche Schwester
sunderlich, als sy in ir stdlen stundent« aber uff aine fil klarlicher denn uff die
ander, und wele Schwester in ir stftl nit was, uff die schan och das liecbt nK.
5 Sy sait och ainer Schwester zft ainem mal was das wort Jerusalem betute.
Und als fraget sy die Schwester wer ir es hetti gesait, do sprach sy in ainer
gehe und von überfölli aines sdssen hertzen: *Do ich [120^J manigen sAssen
harten klang han gehört, do bort ich och das. Und da by mugent wir merken
wie dik ir minender gaist gezogen ward in die himelschen Jerusalem in amem
10 luttren schowen, won das erzaiget ir usser wandel foUeklich das ir hertz und ir
gemAt emssklichen wonet in ewigkait, wie sy doch mit dem lib wonet in der zit
Ir säUig leben folbracht sy uff ain sälig end. Und do man sj begrfib, do
bewiset unser her vor aller der lütt gegenwirtikait das das ewig liecht in irem
hertzen hat gelüchtet, mit diser wunderlichen geschieht. Es was des tages als
15 fil ungewitters [i20^jy und do die schwestren die kertzen trügent ob dem grab,
do erlaschent sy recht gantzlich, und dar nach schier un aller menschen hilf do
enbrunnent sy als krefteklich das das wachs recht nider flos. Und hie von
wundretent sich die lüt die es sachent.
[XX VW Yon der salgen Schwester EUi you EUgnn*
20 Wir hattend och ain andre sälige laigen Schwester, hies Schwester Elli von
Ellgü, mit der unser her och gar sösseklich wurkt, und gab ir och fil zu er-
kennent der gnaden, so er andren schwestren tett.
Dise sälig Schwester kam in dis kloster do sy xim jar alt was, und fieng
bald [121a] an ünserm heren zft dienent mit grossem fliss. Sy lait gar ir ussren
25 sorg und unmflss dar an das sy dem cofent getrülich gedienete, und darum was
sy wol uflf L jar in disem kloster, das man nit kund wissen das sy ie kaines
andren werkes begunde. Sy pflag do des gadems und der seien alain, das sy
kain helferin hat, und dar an was sy den schwestren als gar trostlichen und
was als milt, und erschoss ir doch als das wol da mit sy um gieng. Wenn sy
80 den cofent bericht des er zft der zit bedorft, so ilt sy mit begird in den kor
untz für den altar, und lait denn ir hand uflf den altar als sy gedächte: 'Lieber
her, möchte ich dir nun nächer kumen, das täte ich gern', und goss [I2if'j denn
recht bald als fil trechen das sy recht uflf der erden schwebetend. Sy hat grosse
19. schweßter hier nicht in • S • abgekürzt G. 20. [W]ir unvalUt. in S[y] korr, (sw. u. r.) G.
23. dis in das korr. (r.) O. 26. dlfem in dem geändert {sw. u. r.) G.
19. VgL S. 24,28, 26,12. 40,6. 44,3 {Zeitgenossin der Elsbet Scheffiin und der Anna von
Klingnau). Ellgu (wolU < EllgÖu): j. Elgg, ma. Elggau (< Eilahgowa), Städtchen bei
Winter thur.
XXVH. Elli von ElgÄn. XXVIII. Bell von Schalken.
»
arbait mit dem cofent, und dar zft arbait sy sich grösslich och mit fasten und
mit ernsthaftem emssigem gebett. Sy wachet stäteklich nach meti und vor meti
als lang das sy licht kum zwatger vigilien lang schlieff, und bettett denn als
mit grosser andacht das es nit zwifel ist, aller der cofent genusse ir grösslich
gegen Got* Sy hat och sunderlich grosse gnad^ über die siinder und über die 5
seien zt bittend, und kamenl denn die seien recht emssklichen zu ir und rettend
mit ir und sy mit inen, Sy bat och sunderlich für ainen weltlichen heren» der
lebt in als {122^} grosser wirdikait das es umb sin sei ungewärlich st(i.nd, und
unser frow sichret sy das er durch ires gebetes willen behalten wurd und das
er aber gar ser verschmächt wurd, und das geschach im och* Sy sach och 10
ainesi an aler engel tag, do der cofent ünsern heren enpfieng, das iekliche
Schwester, so sy von dem altar gieng, als durch lüchtet was als ain kristalh
Ir hailig leben zaiget folleklich das die götlich min in irem bertzen bran, und
das sy klaine sorg hat umb alles das zt irem lib gehört. Sy hat das wort wol
zt hertzen gelait: Querite primum regnum dei etc., Söchent des ersten das 15
rieh Götz» und alle andre ding werd/i^^J^yent ücb zftgeworffen.
(xjvinj Von der salgen 8 Belli toh Schalken
der laig Schwester,
Wir hatteot och ain andre sälge Schwester, hiess Schwester Belli von
Schalken, und lebt in disem kloster von iren kintlichen tagen untz uff ir end 20
tuglich und sAliklich, und hat den aller bessten fliss das sy den schwestren in
dem reffentar wol kochite, und manet och die andren von grosser andacht darzft,
Sy hat als grosse [I23^j begird zH dem cofent: wenn sy sich zH im mocht
gefAgen, das was ir ain sunderlichi fröd und trost, Elwenn so sy die mfts hat,
so gieng sy in den refentar, so man zfi tisch las, und loset begirlich. Wie fil sy 25
unmÄss hat, so bettet sy doch recht emssklich und wainet och als genucht-
samklich als ob sy in dem kor wer gestanden* Sy nam och gar stark disciplinen.
Sy faslet och regel fasten unlz an iren tod, und was wol xxx jar das sy nie un
mal getrank, sy fasteti ald enbiss, und hat denn als grosse pin von turst. Und
do sy och zu ainem mal also fast turst, do gieng sy an ir gebet und enschlieff 30
ain klain, und dunkt sy das ain minenklicher {i23^J köpf mit dem aller luttresten
16. etc. ] et ee G.
dtni geändert G-
19. [W]ir m Sy gtanderi (r,) G.
21, tuglich io G.
20- diTeiD nach^. (r. u, tw.)
18. Schalken^ Schale hin ^ "ein Dofflein in der Pfarrei Wüdherg, Uihaeise mr Lmd^^gUi
Kümrff^ ieilweiMe -rwr Lnndvogtei Greif en^te gehörig* {Leu), äum der ehemaligen Burg äa8eih*t<t au*
der em Harinmnn 1267 Difnstmann des Grafen Hartmann von Kiburg, eine Elisabeth 1275 ÄbiiMin
tu Scktnnis war, dürfte «twcrc Ktoiierkoehin woM kaum stammen, 27. in dem kor, pgL i4,27
in der mes^ {und Anm.\ was hiedurch bettätigt wird.
84 XXVm. BeU and XSTIU«. Biehi Yon Schalken. XXIX. Bell Ton LütisiMch.
brunnen für sy bracht wordi, und sprach do ain stimm gar sftsseklich z& ir:
^Trink des wassers so von minem hertzen flos.' Also trank sy begirlich, and do
sy zft ir selber kam, do was ir turst gantzlich dahin.
Sy hat och ain sälge schwester hie inn disem kloster, die hiess
5 [zxviiH -S- Bichl,
die pflag der siechen von ir jugent untz an iren tod mit grossem fliss und an-
dacht. AI wegent zft meti gieng sy umb zft ainer ieklichen sunderlichen . Tag und
nacht was sy inen diensthafft willeklich und frölich. Sy hat och fll hailiger
Übung mit wachen, mit fasten und mit andächtigem gebet. Sy lag zft ainem mal
10 an irem bett [124^^] und schlieff, do die sälig schwester Mechthilt von Hoff hin-
zoch, als es licht Got wolt (won es ungewonlich ist), und do hört sy gar schon
singen. Also erwachet sy, und do hört sy das sy tod was. Do yerstund sy das
die engel ir sei zft himelrich hattend gefdrt mit dem schönen gesang.
Do dise sälig schwester Riebe von diser weit säliklich geschied und sy uff
15 stund, do sprach ain stim zft schwester Iten Sultzerin: Tetin ir alle als Richi
von Schalchen, o was üch grosses nutzes dar an geläge, so ir ain zit anfiengint,
das ir denn andächteklich gedächtind was unser her zft der zit durch üch laid!
Amen.'
[mh] [XXIX] Yon der sälgen 8 Bell Yon Lütisbacta.
20 . W\T hatent och ain gar sälge alte schwester, hies schwester Beli von Lutis-
bach, die erzaiget die min so sy zft Got hat, an fil strengen und hailigen
Übungen. Und sunderlich do hat sy grossen andacht zft der muten mfttter unsere
heren Ihesu Christi, und las ir gewonlich alle tag m fünflzig Ave Maria.
Nun wolt unser liby frow erzaigen wie genem ir ir dienst was, und do sy zu
25 ainem mal in dem siech hus an irem bett lag, do erschau ir die aller schönest
frow die ie menschen og gesach, in ainem schnewissen klaid, und satz sich recht
haimlich zft ir nider zft dem bett. Do [i25a] wundret sich die sälig schwester
Beli von der un massigen schflni diser frowen und wer sy wer. Do gab sich
die milt magt zft erkennent und sprach: 'Ich bin din mfttter von himelrich, die
80 du dik geeret hast, und dis wis klaid hast du mir gemachet mit dem engelsch-
lichen grfttz, den du mir als dik mit andacht sprichest.' Hie von ward sy
recht durch gössen mit fröden, und sait der milten mfttter gnad und dank das
sy iren klainen dienst als danknemlich hat enpfangen.
1. und ] vn G. 4. hie in gestr, und am Rande (mit Verweisungszeichen, sw.) in de kloster
nachgdr^ aber wohl erst infolge der Korr. des MinüUors O, 9. "mit" und G. 20. [W]ir tu
Sy geändert (r.) O. 26. fatz so G,
19. ^Leutisbachj Lütisbach, Lütschtbach, ein Dorf in der Pfarrei BoUingen in dem Bemtrischen
Amt Ober-Simmental,' Leu, Helv, Lex.
XXX. Mechthilt von Wediewil.
XXXL Adelheit yon Lindau.
85
Nun woll sy die milt mütter noch merer raitzen zti irem dienst in diser wis,
woö sy dunkt in der gesiebt wie unser frow nienen ermel an dem klaid hetti,
und hie von wundret sy sich und [126^] begert zu wissent von unser frowen
was es mainte> Do sprach sy gar mineklich zu ir: *Dü sprich est mir alle tag
m fünftiiig Ave Maria; nun solt du mir noch ain fünflzig sprechen: so han ich 5
ain folkumen klaid von dir.' Und dis 1er enpfieng sy dankberlich von iinser
lieben frowen, und flais sich fdrbaser noch merer zu irem dienst und zft dem lob
ires aingebornen kindes ünsers Heben heren Jhesu Chris ti*
[xxK] Von der salgen 8 MecW/iilt Ton Wediswll.
Wir hattend och ain andre tugentsame Schwester, hies Schwester Mecbthüt 10
von WediswiK Über die verhangt unser her von sunderlicher liebi grossen
siech tagen vor irem tod, und sunderlichen [t26<^} in dem hobt hat sy als unsag^
liebes liden das ir es die schwestren emsseklichen müstent heben nun vor irem
$er. Und sunderlich hat sy zu ainem mal als gross liden das sy es unserm
heren klegt. Do wolt sy der herr alles trostes nit ungetröst Ion und erschan 15
ir in siner marter, als er mit der dürnninen krön gekrönet was, und lait sin ver-
wundet hobt für sy uff das bett und sprach do gar mineklich zu ir: 'Nun schow
wie mir min hobt verwundet was durch din liebi, und betracht ob mir wirser
sy gewessen ald dir!' Und hie von entpßeng sy als unmäsigen trost und ge-
dultikait das sy dar nach nit so 61 trostes wolt [12G^] han das ir die schwestren 20
das hobt hettin als for, won das man ir es hinder sieb müst binden mit ainem tüch.
[xxxij Yon der sälgen S- Adelhait von Lindow.
Wir hatend och ain gar sälige laigen Schwester, hies Schwester Adelhait
von Lindow, und was wol hundert jar alt, do sy starb, und was recht gantz-
lich erblindet, und lag wol iii jar vor irem tod zH bett in sMlicher gedultikait 25
das ir pflegerin das von ir sait das sy sy zu ainem ainigen mal nie ungedultig
gesach, und bettet als gar emsklich das sy ir pflegerin fil nach al/i27aywegent
betend fand baidi tag und nacht, und was als frölieh das sy dik hübschi liedli
9. meehilt hkr O. 10, [W]ir in Sy gtündett (r.) 6\ IL Wediawile; doM Schluß-e
wiierpuiikikri {wm.) und gestr. (r.) G (weldirwü ttntf weldiffwil ü). 14. unferm hier $q G,
23. [W]ir m Sy geändert (r.) G.
9. Wädenamii am Zürchergeei hier jedenfalk dm DGrf\ nickt dit gleichnamige herMmie
Burg. 22. Lindau hei lUnau^ eitern . Landvogiei Eihurg. Auch ein Dörfchen in der Pfarrei.
Küfinacht {hm Zik-ich) ßArt dii^en Namen, Leu^ ffelv. Lex.
m
g6 XXXL Adelheit von Lindau. XXXH. Eltbet Bechlin.
sang Ton ünserm heren wol gernfttlich. Etwenn rett sy och als gar mineklicfa
mit Got recht als er vor ir sesse in gegenwurtikait. Etwenn sprach sy:
^Ach lieber her, du bist min vatter und min mfttter
und min Schwester und min bruder;
5 ach her, du bist mir alles das ich wil,
und din mütter ist min gespil.'
Unser her was ir och gar haimlich mit sinen sundren gnaden, also das st
selb veijach das sy etwenn unsern heren und die haiigen sächi. Sunderlich lü
ainem mal was sy als gar frölich geschaffen, do ir dienerin nach der meti zi ir
10 kam, das sy wunder nam was ir wer beschechen, und fraget sy [127^1 darum.
Do sprach sy wol gemütlich: 'Was solt mir me sin? unser her und unser frow
warent by mir und band mich getröstet, das ich niemer von inen sol geschaiden.'
Ain andre Schwester lag och ainest by ir in dem selben siechhus da sy lag:
die bort das sy ainest mit lutter stim ruft und sprach: *Ist iement hie, der stand
15 uff bald: unser her und unser frow und alles himelsch her sind hie gegenwirtigH
Dis mftst sy mit gaistlichen ogen sechen, won sy gesach mit den liplichen nil
Sy lert och zft ainem mal ain andre laigen schwester die antiphon Ave
Stella matutina und sprach do zu ir: ^Nun lern sy dester gemer, won üns^
frow hat mich sy selber gelert.' Und dis [12%^] sond wir bilich geloben, won sy
20 tet och sunderlich unser firowen, der muten kiinginen, manig gross und andächtig
gebet Damach do unser her sy ires getrüwen langen dienstes weit mit im
selber belonen, und sy mit ainem hailigen end von disem eilend geschaiden was,
do erschau sy ainer schwester in dem schlaff, und sprach mit ainer frölichen stim
den vers: 'Quam magna multitudo dulcedinis tue, domine!' o her, wie
25 ist die manigfaltikait diner süssikait so gross, die du hast behalten denen die
dich fürchtend! Do sprach die schwester zu ir: *Verstast och du was das be-
dutet?' Do sprach sy begirlich: *Ja, won ich bin da, da ich sin alles befunden
han!'
[12%^] Dar helff uns Got allen! Amen.
80 [xxxu] Ton der salgen S- Elisabet Bechlin.
Mich hat begird zu ünserm heren das ich im möcht gedienen an sinen
fründen. Das fügt er mir also das mir zu sinn kam zu schriben von gütten und
s41gen schwestren Übung und von sunderlicher Offenbarung der gnaden, so unser
her tet, der ich dik fil vor mir hört sagen. Und do ich aines tages sass und
2—6. du ZeUen vnabgesetzt 0, 17. antiphon] an" G, 20. kunginen manig tmfer-
strichen {ohne Grund?) G. 81. Mich] /.: Ich? (so Ü).
24. Ps. 30^20. 30. Der Name erscheint bei Leu nicht, — heute noch im Aargau (Bächli).
XXXIL EUbet BticMin.
87
schraib von üßsren sälgen schwestren, als man an disem Mch wol gehöret hat^
do fi^t es sich von geschieht das die lugenthaft Schwester Elisabet Bechlin
zi mir kam. Nun het ich gern etwas von ir gewist, und bracht es mit bedachten
[129^J Worten darzft das sy mir ward sagen.
Do sy nit won viii jar alt was, do was ir in dem schlaff wie sy unser Heben 5
frowen vor ir sAche, und sy gieng bald zft ir zehand: do enpßeng sy die rain
magt under Iren mantel als zartUcfa als ain mütter ir hertz liebes kind, und sprach
zA ir: 'Sich, uss disem mantel wil ich dich niemer gelasen.' Do ward ir kint-
liebes hertz also gesterket mit gnaden: so ir darnach etwas wildikait begegnet^
als sölichen kinden von natur an ist, so gedach sy zu band: 'Ach, wilt du unser 10
frowen uss dem mantel fliehen?' Darnach do sy x jar alt was, do dunkt sy wie
sy ir [129^] vatter zu der weit welti tun- Do gieng sy zft im recht keklich und
sprach: 'Vatter, du solt wissen: und gist du mich zt der weit, ich wil an dem
jüngsten tag uff dich schrigen!'
Dar nach do sy xi jar alt was, do kam sy in dis kloster, und dienet Got 15
also Mlich und willektich das sy also was gesin uff lxü jar in disem kloster,
do sy mir dis sait, das sy nie so fil armüt noch arbait gelaid das ir ie rüwiger
gedank in ir hertz keme, ienen anderschwa zu sin. Do sy mir dis hat gesait,
do bat ich sy fil ernstlich und wolt sy nit erlon sy müst mir fürbas sagen. Do
sprach sy fil ainfaltikhch: 'Kanst du mir icht sagen war zu es gÄt sy?* Ich 20
sprach: ^Ja. Es beginnet ietz die götlich min /I30^j an fit stetten erWscben in
der menschen hertzen, und mÖcht ain mensch über fil zites etwas hören, das es
gedächt: *'Wie lebst du sus! nun wilt du doch och zu himelrich: warum stellest
du nit darnach das dir och Got sin gnad gebf
Do sprach sy: *So wil ich es Got ze ainem loh sagen, also das du es ver- 25
schwigist die wil ich lebe. Ich was zÄ ainem mal gar siech; do ward z4 mir
gesprochen: ^Won du mer lipliches trostes hast gehebt denn Schwester Margret
Finkin, da von müst du dis arbait liden/ Hie mit ward mir zu verstent geben
das ich ir gelich solt werden an dem Ion, In demselben zit ward ich als tob
das man mich in grosser hfit müst han und fil arbait, und do mir der sinn wider SO
fiso^j ward, do was ich etwe fil zites das ich nit wist mit gütter beschaidenhait
wenn ich recht oder unrecht tet, und das was mir ain als pinliches liden. Hie
von lost mich Got, und gab mir alsölichen trost das ich do lang zit was, das
mich kain ding raocht betrüben. Hie nach was ich aber wol xmi tag in dem
forgenamten liden, und in dem selben zit ward der cofent ünsern heren nemen, 85
und do ich ünsern heren hat enpfangen und ich in ünsern stil kam, do gedacht
ich an ain wort, hat mir der gut lüppriester von Bichlense gelert sprechen^ wenn
10. gedach iö G; vgl 7$,SÖ. 15, dia i>i das geändert {r.) G.
und dafür am Rand (#».) der 8[chw«Äter] emt^eMelst G. 20, "aAgen"
17, lüir durchsir^ (r.)
icht Q.
37. jeUt Bichdsee^ See und Dorf am Fuß dti Schaumher^a.
88 XXXn. Ebbet Beddia.
ich nit gnaden bet, und das was also: *^Her« ich ermanen dich das din hend und
din hertz gegen mir offen stond, und das du mir [isi^] diner gnaden nit yersagen
macht" Zfthand do ich dis gesprach, do hört ich das ain stim recht in mir
sprach: ^^Was wilt du das ich dir tdg?" Do sprach ich: das er mir selb geh zft
5 sprechent: ^'O herr, ich wil das du dich niemer von mir geschaidisL" Do sprach
er: ^^Das wil ich tftn; ich wil mich niemer von dir geschaiden." Do ward min
hertz und min lib von sinen gnaden also gesterkt das mich das liden sider nie
berftrt hat; mir gehiess och niement das ich gelebeti. Nun bin ich uff Lxzm jar
komen, und das wil ich von sinen gnaden han; won mir gebrast sider nie trostes.
10 So mir joch etwenn etwas geschach, so ich mich denn nit won zft im kert, so
was es enweg.'
Do sy mir dis gesait, do het ich gern etwas me gewist Do sprach sy [131^]-.
*Ich kan dir nit me gesagen: mich dunkt wie ich als fil und als gnftg het das
ich in sider nie nütes sAliches wolt bitten.' Doch sait sy mir darnach das sy
15 ainest dunkt wie sy ünsem heren sech, als er ain kindli was, von dem altar
herab gon, und hat ain sidin rökly an in der farw als ain bruner samet, und
gieng zft ir gar haimlich, und satzt sich uff den bank der vor ir stund. Also
sprang sy uff von rechter gird als ain mensch das von im selber komen ist, und
zukt in und satzt in in ir schoss, und sass sy an die stat da er gesessen was,
20 und tet im so sy iemer gfttlichest kund, won alain das sy in nit getorst küssen.
Also sprach sy von hertzlicher min: ^Ach hertz trut, getar ich dich geküssen?*
Do [132a] sprach er: ^Ja, nach dines hertzen gird, wie fil du wilt.'
Sy was och zft ainem mal siech, und dunkt sy wie unser frow zft ir kem
und bracht ir aber ires kindes nit. Do sprach sy: *Ach frow, wo ist din kind?
25 gang recht und bring mir in.' Damach in dem advent dunkt sy aber wie unser
frow kem und bracht ir ir liebes kind und gab ir es an ir armen und sprach:
'Nun nim in und tft im wie gütlich du iemer wellist.' Und dis was ain als
mineklicher anblik, und aber sunderlich so was im die kel under dem kinn als
zart und als mineklich. Do ward sy gefraget ob sy in icht kusti, als da for stat.
30 Do sprach sy: *Ja zwar, er hat mir es doch [132^] erlobet!' Dis sait sy für ainen
trom; aber es ist geloblich das sy in Got entschlaffen wer.
Was ir unser her lieby erzaigt mit sus getonen dingen, das enpfieng sy dank-
berlich; aber sy stalt nit fil mit gebet darnach, won sy sprach: 'Der sichrest
weg den ain mensch mag han, das ist das er sich vor sünden hdty und sich
35 an tugenden übe.' Ir was och zft ainem mal wie das gross crutzifix an den
gräten lag, und warent ünserm heren die ogen zft geton, und sang aller der cofent
Gloria in excelsis Deo, und do sy sungent Gratias agimus, do dett er sine
ogen uff und sach an ietwedren kor und sprach mit ainer ernsthafter stim:
'Warum nigent ir üch nit und lobent und [I33a] dankent mir umb als fil arbait
3. vor recht ein zu gestr. (r.) Q, 8. ber&t Q. 35. mal mit Verweisungszeiehen
am Rand nachgetr.
XXXII. Ebbet Beehlin.
die ich für üch und durch üch erliten hau?* und naigt do sin hobt uff ir hobt,
und gieng sy do der siech tag in dem hobt an, als davor geschriben ist.
Des selbes jares hat der cofent grossen gebresten an win und an körn, und
hat sy dafür das das von undankberkait gesehen wen* Ainest, do sy kelerin
was» do starb ir brUder. Nun het sy siner sei gern fast gehulfen. Also ward 5
sy siech an ainem bain» das sy nit tne kelerin mocht sin. Also was ir wie ir
brüder kern und hies sy lü dem tor gon und sprach: 'Ich han dir ainen artxel
bracht/ Und do sy dar kam» do stund ain Jüngling da in sehne wissem klaid
und trüg ain büchsen uff im mit ainer edlen salb und salbet sy recht wo), und
ward ii33^J also gesund das sy noch do fil jar kelerin was. Also gedacht sy IQ
das der Jüngling ires brüders engel wert und siuer sei die gehorsami nütz weri,
so sy sich ze dem keler übt.
Sie hat och den guten heren Sant Blas&i sunderlich lieb, und was ir zA
ainem mal, wie sy für sinen altar giengi, als er hie vor was, und sach in for
dem altar ston in bischoTflichen klaid, und warent im die füss bloss, und sy IS
fiel bald für in und kust im die Mss und stund do wider uff* Do sprach er zu
ir: 'Enüw nider und enpfach den segenT und sprach do zu ir: 'Nun hab alwegen
jamer und begird zu den dingen darzü du geschaffen bist/ Do sprach sy: '0 her,
ich weri von gantzem hertzen gern [iSi<fj da/ Do sprach er: 'Das sott du an
Got lasen wenn er das tftn well, und solt aber du allwegent jamer und begird 20
darnach han.'
Dise sÄlig schwester hat vor allen dingen sunderlich ain fridsames rainriches
hertz gen Got und gen den lütten, und was sy gutes tett, das tett sy Got frilich
zft lob, und sprach; ^0 her min, was ich tun, das gib wem du weihst, und bis
du mir alain hold : daran han ich recht gnttg/ Sy hat och sunderlich ain Übung, 25
das sy die xl tag als unser her in der wüst! was, alle tag mit ir andacht zft
im gieng und mit sunderlichem gebelt, und nam im denn sin füss in gaistlicher
betrachtung in iren bissen und durch wärmt im sy [f3i^J recht wol: hie von
enpfieng sy fll gnaden und andacht. Und ztl ainem mal do sassent elwe fll
schwestren by ain andren, und retend och davon das unser her in der wüsti 30
was, Do sprach ain schwester: *Ich kan als wenig mit im in der wüsti/ Do
sprach dise sälig schwester Elisabet Bechlin: ^Nun kan ich da gar wol mit im:
ich nim im da sin hend und sin fiiss und werm im sy in miner schoss. Dem
hobt kann ich nit getfln: das har ist im als verwalken das ich im enkainen rat
kan gettin/ Sy sprach och: *Unser her hat sich mir mit sinen gnaden dik 35
früntlich erzaiget; aber mineklicher und begirlicher ward er mir nie, er wer mir
als begirlich in der wüsti. Er gab mir von sinen gnaden, do ich [iSf^oj in der
betrachtung was ze ainem mal und vor minen ogen hat die grossen demütikait
1, v&r ir hobt üt lin broat r, durchitr. G. 3. felb^B »o G. 3. und (v&r an) ] vn
Mer {?, 10. fy (das xweiie} mit Verweütmffixeichen am Rand liacfig^agen (r. 33- "fft£f''
Hq G* 35. ünler unferstr. (r.) O. 33. vn mit Verweifunffizeichen am Rand nac%«lr. 0.
90 XXXII. Ebbet Bechlim XXXUL Ebbet Yon CeUinkon.
die er von minen erzaiget durch lins an der stund do er von dem bftss^i gaist
versucht wolt werden, — und er zaiget mir die stain mit den in der bAss gaist
versfleht, do er sprach: ''Sigest du Gottes sun, so sprich das die stain brot
werdint", und gab mir ze entpfindent das liden und die not so er do von himger
5 hat Des ward ich entpfintlich inen von siner vätterlichen gAti/
Ain Schwester klegt ir zfl ainem mal das sy nit als fil trostes von iren
fründen heti als sy gern hett gehebt und ocht etwenn not dürftig wer gesm.
Do rett sy als gar trostlich mit ir das sy wol von ir getröstet ward, und riet ir
[135^] gar ernstlich das sy sin an unsem heren kern, und under andrer red do
10 sait sy ir das sy och zfl ainem mal mit söllichem liden versuchet ward: do ging
sy zfl flnserm heren und bat den mit ernst das er ir darinn zft hilff kern« Dfö
gewert er sy all zfl band unser lieber her, und ward von sinen gnaden wd
getröstet an dem hertzen, und sant ir zfl hilff den gedank wie er sprach zt
Levi: *Verwig dich dines vatters erbes und weltliches g&ttes: ich vdl selb din
15 sin.' Und do verwag sy sich willeklich durch Got aller liberflüssikait, und uns»
her liess ir darnach ir notdurft nie gebresten.
Do nun die sälig Schwester [i%6»] Elisabet Beklin fil zites and&chteklicfaen
Got gedienet hat, do schied sy von diser weit mit ainem säligen end.
[XXXIII] Yon der salgen S- Elsbet Yon GellinlLon.
20 Die sälig Schwester Elsbet von Gellinkon kam in dis kloster do sy vi jar
alt was, und sy sait der Schwester die dis schraib, das wol uflf xxx jar was
das der orden bestettett was und dis kloster hie töss wol xviu jar gestanden was.
Und als sy alt was an dem orden, also hat sy das an ir das ietz laider von
unser fil, die in gaistlichem leben sind, ist alt und verworfifen und [ise^j aber
25 den menschen Got fil genem machet, der es an im hat: das was dis: sy was ain
minerin der strengikait und arbait, des libes armflt und eilend, und fil nider-
trächtig ald klain geachtet in der lüten ogen; die stuk diser tugent hat sy an ir.
In grosser strengikait ward sy in ir jugent erzogen, und in söllicher armflt
das uns ward gesait: do sy fil jung was, das sy do dik zfl refifentar mftst gon.
7. ocht 80 Q. 12. er mit VerttemingBzeichen am Rand nachgetr. G. 13. gedenk
in gedank korr. (r.) G, 14. leui (?) G. 17. beklin hier so G. 22. dis kloßer
hie in das klofter korr, (r.) G. 28. erzogent G.
14. 15. Freie Ausführung nach Marc. 2J4, Luk. 5,27 (MaUli. 9,9). 20. Tellikon Uest
Ny Cellikon Ü und die Frauenf, Hs.; H. Sulzer schreibt Zellikon oder Köllikon BGT S0\
DKT 98 (18), Letzteres wäre der Name eines Dorfes und einer ehemedigen Burg im Aargau zvfisckem
Aarau und 2jofingen; von den Edeln dieses Namens war Budolf 1360 des Rats zu Zofingen.
Ebbet V0& CeUinkoD,
so man den andren kinden etwas koft, das sy nil hat zu vergelten. Darnach, do
sy elter ward, do lait iinser herr als grossen siechlagen uff sy das sy dik gedacht
das sy an dem bett tod fanden wurd, und in disem und in fil andrem siechtagen
was sy fil lieblos, als //57a/ sy Qot im selber alain haben wolL Sy was och als
eilend das sy nil wist ainen alnigen menschen der sy an horti. Sy sait uns 5
selb das sy mer den l jar was das sy nie weder ze fenster noch ze der port
gef ordre t ward. Sy was och als arm das sy wenig icht hat, won das ir die lut
durch Got gabent.
Sy hat grosy min zu der armftt: sy het anders gnig gewannen^ won sy
kund gar wo! schriben und schraib gern gftti ding und begert kaines gegen* 10
wiirtigen lones davon; so ir aber etwas davon ward, so gab sy es alles an bild
in den kor, das der cofenl gemainlich davon getröstet wurdi* Und sunderlich
do frumt sy das gross crucifix das wir haben t, mit grosser andacht, und hat
och fil kuni//^^7^;ers da mit, und ward ir ain mess bracht über mer nach der
lengi als unser herr was, und ligent in dem selben cnitz xxx stuk bailtums. Die 15
selb miltikait folget ir nach an irem alten So sy etwenn nil won v 3. hat»
der gab sy zwen ald dri von ir, und etwenn, so sy nit won ainen hat, den gab
sy durch Got. Es gieng zft ainem mal ain schwester umb in dem kloster und
bat ainem armen menschen das almüssen. Do hat sy nit pfennig und zoch ain
tüchly ab dem hobt und sprach; *Nim hin, das ist wol aines 3^, wert.* 20
Sy was och zu ainem mal gar krank; do fragt sy die schwester die dis
alles von ir schraib, wie ir wer. Do sprach sy kleglich: 'Ich sorg das ich disen
siechtagen verschuldet hab.' [i^S<^I Do sprach die schwester: *Liebi, wa mitf Do
sprach sy: 'Mich bat ain armer mensch das ich im ain tüchli geb; des wolt ich
nit tun, won ich hat als wenig und hat im och da vor aines geben.* Ir was als 25
frftlich von ir ze geben was sy hat, und was aber ir selber gar karg, joch ir
grossen notdurft zft nemen* Sy lait irem lib klainen zart oder fliss an, und was
doch dik krank und joch gar siech» Sy sait ainer schwester das sy nit wisti
das sy ie hün gekofti ald andren win denn der cofent trunk, wie siecb sy ie
ward. So ir es die lüt durch Got gabent, so nam sy es gar dankberlich und 30
ass es, und etwenn, so sy als gar krank was^ so kofl ir die siechmaisterin
//JA*/ hünr, und wond sy denn sy werind ir durch Got geben. So man sy
etwenn fragt ob sy etliche spiss essen wölti, so sprach sy: 'Ich sol es nit essen:
es ist mir zu hert/ Ain schwester fragt sy ainest was sy in dem siech huss
3. andrem f. w. f. fil mü Vertöeimngiteichm am Rand nachgtir. Q. 13. wir m fy korr.
(r*) G. 16. d] in pfenDi(n)g aufzulösen? 20. d] in pfenninga aufmi&ien?
15. Ym ähräkker ein^äi/iicher Sthreii/eriaii^keü der Nonntn von öimÖoch htrichm da» dorii^
S^hweMtemhuch: K Stäzer^ DKT 98 (IS), A£b Schreiherinnen ttertfen fi^i unt noch Mesm von
Klingenbertj (die thmfaUi bild ^tMiiftei hat, S. 4^,25 f\ 29) und WilH von KoMtcms (S. 4SJ3f,)
kervorffdtoh^n.
92 yy^TTT. Ebbet Ton CelUnkoii.
esse, 80 man ir nit von der gemaind gebe, won sy ir selber als wenig icht behlU).
Do sprach sy gar bluklich: 'Ich iss fil wunder gern brot.'
Sy was och aines mitlidendes hertzen und trostlicher wort^i gen den
schwestren die in liden warent, und sprach et wenn: 'Grot tAt dir es zft heitz
5 lieb und als sinen usserwelten kinden.' Sy kam ainest zft ainer Schwester, die
ainen schmechen und wider wertigen siechtagen hat, und sprach zft ir: ^Ifir ist
recht wie ich es vor Got gesechen und och gehört hab [t39^] das er dir dis
liden darum hab gegeben das du im nit endrunist und du sin ledig aigen sigist\
und sprach ir die wort als sicherlich und begirlich das die Schwester wol daToo
10 getröstet ward. Ir was gar unlidig, so sy bort das sun mensch mit unserm heren
geding wolt han umb kainen Ion siner gftten werken, und sprach denn: 'Do
soltest es Got zft hertz lieb tftn.' Sy kund ander Inten gftti werk und tugent
gar hoch wegen, und was aber sy gftttes tett, das achtet sy gar klain. Sy hasset
alle Wollust und liplich gemach und minet Grot von hertzen. Ain Schwester was
15 zft ainem mal mit ir in der schweren schuld; do sprach sy: *Ich han alle min
tag begert das ich die selben bftss tragen sAlti unverschüldt/
Sy hat och vor andren tugenden zft der gehorsami als grossen andacht und
zft [139^^] allen den stuken des ordens und sunderlich zft den zitten, das sy die
in dem kor begieng: do sy joch gar alt und krank was, do gieng sy alle tag z&
20 meti. Do sy by den nützig jaren was imd in dem siech hus lag, do wer sy
ungern in dem kalten winter oder in dem sumer zft meti uss dem kor gewessen.
und won sy von allter wenig gesach ald gebort, so stiess sy sich etwenn, das
sy sich fast gewursset, und verirret dik, das sy nit wist wo sy was, und lies
doch darum nit ab sy wolt alle tag zft meti gon. Und kurtzlich 6 sy in das
25 todbett kern, do hat sy ain Schwester gebetten das sy ir alle tag saiti, so man
meti luti, won sy nit wol gehört; des vergass die Schwester zft ainem mal untz
das die meti gesungen ward, und do sy für den kor kam, do gehftb [140^] sy sich
als kläglich das wir sy nit getrösten kundent, und wolt och für das nit an ir
rftw gon. Ir gewonhait was das sy dik vor meti uflf stund und gieng denn bald
30 in den kor, so man erst das erst zaichen lut. Und sait uns ain Schwester, die
och gewonlich, so man das erst zaichen lut, in den kor gieng, und do sy ainest
in dem advent in den kor kam, do was der kor als fol guttes schmakes als in
dem summer die rosen schmekent, so ir fil ist an ainer stat. Also gieng sy in
dem kor hin und her, und wundret sy was es möchtti sin, und do sy für
35 Schwester Eisbeten stftl kam, do was der schmak da als stark das sy sicher was
das er von ir kam, und was och niement in dem [ii(ß>] kor; won uns sait och
ain tugenthafti Schwester Gepe sälig von Tetingen das ir die sälig Schwester
Mechthilt von Costantz saiti das sy die selben schwester Eisbeten ze ainem
3. mitlidendes »o G. 7. "gehört" och G, 20. nützig so G. 24. e so G.
30. vns gestrichen (r.) G. 32. fchamakes O, 37. die Namen nicht hervorgehoben G.
mal in der nacht vor irem bet sach ston, und was ir lib als durchlüchtelt das
ain so wonnenklicher schin von ir gieng, das enkain stat in dem dormiter was
man heti ain nadlen ab der erd gesechen ze nemen.
Do sy nun als fast baidi von alter und krankhait begund abnemen^ do bat
sy die s&lgen Schwester Eisbeten Staglinum^ die dis ales von tr schraib, so 5
sy sächi das sy sich jenen nider liessi an ir gemach ald mit iement zH red kern,
das nit von Got wer, das sy sy denn maneli, und so sy denn nit won für sy
stund, so gieng sy bald mit ir von dannen, [Ui^] So sy och siech was, so sy
denn gar klain wider kam, so iUt sy bald in den kor und in das refentar*
So sy dennocht als krank was das uns wunder nam das sy es erliden 10
mocht, was dise sälig Schwester gMter werken fürbracht: darzfl mftst die gitlich
min ir helferin sin; won sy hat ain klaines kurtzes libli als ain kind, und hanget
ir fil jar das hobt herab, das es den achslen gel ich stund« Sy hat och fll sunder^
lieber gnaden zt ünsers heren marter und sprach: unser her kund recht kain
mass; aber wir farent gar fer under mass; wir rürrent kum ain zipelin der mass. 15
Sy tett och emsseklich als grossi gebett ünsers heren marter. Und do sy als
alt ward das man ir das hobt kum ob den achslen mocht gesecheri, so [Ui^] sprach
sy etliches tages etwe dik v miserere in crütz wis. Und so wir etwenn
sprachent wir mflchtind als kum also strengi gebet getün, so sprach sy: ^Ir söltind
an mich alUen stok sechen, was ich getün mag; versuch tend ir üch, unser her 20
kem üch darin zti hilf/ Und die andacht und die min die sy zu ünsers heren
marter hat, die zaigt sy an ir jüngsten z\t Won do sy ietz sterben wolt, das
was an dem stillen fritag, do warent etlich schwestren by ir^ do man das ampt
begieng in dem kor, und las ir die sälig und tugenthafl greffin Schwester
Ädelbait von Neuenbürg den passion Sant Johannes vor. Das verstund sy 25
gar wol^ und do sy die worl las, als unser her sinen gaist sinem himelschen
[H2^] valter nffgab, das sy do ir armen von ain andren zertentt in crütz wis,
do sy noch do licht ain stund kum lebt* Sy frowt sich ires eben menschen
tugenden und gülten lebens: wenn sy ain junge Schwester sach die sich tüssklicb
und ernstklich zft dem orden und zu gebet hielt, da gewan sy als grossen trost 30
von und ward in als hold und frowt sich sin so begirlich, won sy minet Gotes
lob und gaistlich leben von hertzen, und tett ir fil wunder we so sy kain un-
ordenhafli sach ald icht under uns uff stund das untz dar nit gewonlich was:
5* Sta^Unuxn; da^ um maehir. (r.) durchätr. und («wO tmierptinktiert G. 10, deunoclit]
ocht {mit Verv^etninffizeichenf 8W.) am Rand nadigetr, 10. dz ty 4n&^ dann vne gtitr. (#«?,, um
naehirägtich im Sinn des MiniaiorM die H'^ir-For/n su imeiiigen) G. 13* achlen G. 17. ge-
feche G, 18, wir in die fchweftren korr. G. 19. wir m fj korr.^ dann wißder wir
üherguchriehen, iw. G* 23. vor ampt »Uht bereits amt (^« %en vergeuen) G. 33. Amt
und weiterhin (S. 94,20. 2L 30 [?]) die Wir- Form vom iViniaior beibehalten 0.
5. eälgen; vgL Einieiiung. — Zu der Form Staglinum vgl, S. 41,21 und Anm. 25. Die
To^d^r die»es gräflichen Geschiechtg wsr nur vorübtrgeliend im Khätm', nach H, SuUer BG T 29.
94 XXXm. Ebbet yon Celliiikon.
das klegt sy fil hertzklich, won sy wist wol in wellem grossem fiiss und andacht
/i4^V die schwestren warent in der nüwi des ordens, und das sy wenig staltent
uff iren nutz oder gemach, won das sy Got dienetend frdlich, doch in arraüt und
in gebresten, und war nament wie der orden und die gesetzt strenklich tod m
5 allen wurd behalten, also das etlichi under in was die sprach: e das sy wAhi
sechen den orden fil libergon und dar zu schwigen, sy wdlti 6 ir leben yerlieren.
Do dise sälig Schwester nun uff das alter kam wol uff nutzig jar ald darüber,
do ward sy recht als ain kind von m jaren und mocht nit gon und kund noch
enmocht nit reden und erkant och wenig schwestren. Und das joch von Got
LO ain wunderlichi gnad was: so man ir etwas von Got sait oder p43^j las, so
tett sy als begirlich darzft und hftb sich recht uss dem bett uff, das sy der
Schwester nachen mdchti komen, und so die Schwester nit me las, so rAft sy
begirlich: ^Me, me!* So man ir och die hochzit vor namt, und man sy denn fragt
was man zft ieklichem begiengi, so kund sy es wol gezaigen oder gesagen. Sy
L5 sprach och das Ave Maria dik begirlich, und so sy kam an das wort Ihesos,
so rAft sy etwen dik: Rhesus, IhesusI' Äin Schwester zaiget och ainest z&
dem hertzen und sprach: ^Du sottest dem Ihesuslin gütlich tftn: es lit recht
da in dem hertzen.' Also fieng sy ain gewonhait an, das sy fdr das mal dik ir
armen begirlich über ir hertz trukt recht als sy in lieplich umb fienge, und dunkt
iO [l43f*J uns dik das ir Got als nach wäri und merer mit ir zft tftn faeti denn do
sy alle ir beschaidenhait hat, wie wir doch in dem zit fil gfttes bildes von ir
nament, die wil sy alle ir sinn hat: do ret sy dik begirlich von der erbärmd die
unser her erzaigt dem Schacher an dem crdtz an dem stillen fritag und allen
christten menschen, und wie die wirdig sei linsers lieben heren Ihesu Christi
i5 zft der vor hell kam, wel gross wunder von frflden da ward: dar zft was ir
unmas begirlich zemftt. Und fftgt ir es der barmhertzig Got, als sy alwegen
sunder andacht hat zft dem tag und zft der stund, das sy an dem haiigen stillen
fritag starb uff mitten tag fiUaj^ als es die bredger achtetend und sprachend es
wer wol uff die selben stund als unser her verschied an dem crütz, und
M) wend es aigelich da für han das ir sei un mitel kern für die beschöw Gotes.
Won als sy dik lieblos was gewessen by irem leben von den lüten, also was sy
och an dem tag ires todes, da laider schuldig an was die Schwester die dis von
ir geschriben hat: die was do ir dienerin, und wist nit das sy krenker was denn
zft ainer andren zit, und Hess sy alain ligen untz sy fil nach den salter hat ge-
J5 lessen mit dem cofent; do kam sy zft ir und hftb sy uff und lait sy wider nider
und gab ir zft essent, das sy wenig kain verstantnus an ir bekant, untz das sy
ietz begund hin ziechen; do ward fi44^J sy als besint und als wol gehörent: so
sy von Got ir vor ret, das sy darzft tieff naig, und gab ir zft verstend das sy
4. gebraten G. 5. E G. 5. "fy" dz O. 6. e G. 7. nützig so O; vgl. S. 92,20.
8. jaren (r.) unierstr, G. 30. wen G, 30. aigelich so G 30. (beschöwd Ü),
30. wend eher 1. (wii) als 3. (die bredger) Person.
Riebet yoq Cellinkon.
Beschloß*
gern ir arbail und den tod wolt liden linserra heren zft lob, als er och des tags
starb umb das hau alles menschtiches künnes. Und zertand ir armen, als da
Tor geschriben stal, und won sy dem tod als nach was^ so was wo! zft merken
das es ain sunderliche gnad von Got was, won sy davor dik wenig rechter be-
schaidenhait hat. Hierum sy gelobt der milt Got, der die gedult der armen nit
lat verderben, won das er sy wider wiget mit ewigem Ion,
Das ir sei aber alzehand für die beschöw Gottes kern, do sy von diser weit
schiedj das ward ainer Schwester erzaigt in söllicher wis^ das sy nit zwiffel dar
an wolt han. Deo gratias!
Beschlu/s,
Ein beschliefiung dis hucheSf nnd von der seligeB f^aweD, der mntter dea dieuers
der ewigen weißheit. Das Maderst ^^d XXXIIII capitel.
U na queque arbor de fructa suo cognoacitur (Luee sexto).
ünfler lieber herr Ihesus Christus hat gesprochen In dem heiligen
ewangdio das ein iecklicher panm werde bekant von seinen fruchten, als
ob er wölte sprechen: wo die frücht gut sind, do sol man wol den paum der 15
selben frucht auch für ILXV^J gut scheozen und nemen. Und das ist auch
das unfler herr am einem andern end spricht: Arbor bona fructus bonos
facit (Math ei septimo), Ein gutter paum tut gutte frucht Und diß ist
wol scheinbar an dem seligen fruchtbaren gntten paum, an nnßenn beihgen
vater Sant Do mini cos, der do gar vil grosser gntter frucht getan hat, dar 20
nmb er manigfaltiklichen wol ze loben ist. Und seit dem mal das er so vil
frucht, das ist so vil gutter geistlicher seliger andechtiger kinder in einem
einigen closter seines ordens hat gehabt: wie fil meinest du das denn ge-
weßen seint In andern manigfaltigen clöstem und conventen seiner geistlichen
kinden, der prüder und swester predlger ordena, die da weit und preit und 25
manigfaltiklichen zerpreittet sind in alle land der ganczen heiligen cristen-
heit? Und dar umb so wirt uns zu einem gntten flX V^/ exempel diß edeln
panmes frucht von Got für gehebt, do er spricht (deutronomii xx); Sume-
tis vobis fructus arboris pulcerrime, Ir werden euch selbs abprechen
die frücht des aller schönsten paomes. Als Got der herr sprechen wölte zu 3a
2, kund; dann d ^$trichent aber dtm Wort unergänst gelauen*, vgl. S, 102^22 kdunes.
2. zertackd sq G; pgl S* 93^27 zertaDtt. 14, EwaDgüo A^.
10. wolt hau ] hier hängt N {LXUIM) ein ktztes Kapitel des Schwesternimcftei an (verm^äiich
fräe Zidai J. Meier* mit Benutzung du Seui^ibuche* der Stagel^ Den. Settäe /, 37).
96 I^i® Matter des Sensen.
aUen prüdem und swestem prediger ordens: Brechent euch selbs ab dk
fracht, das ist: lugent und nement war das selig leben das die ersten prüder
und swestem gehabt habent in aller andacht und heilikeit, nnd ir auch also
sollichen seligen exempel nach leben seit, das ir wirdig and von recht
^ werdent genant die gutten und lebende frucht des aller schönsten panms:
des lieben eures vatters Sant Dominicus, der do ein miniklicher paum ist,
und alle seligen prüdem und swestem prediger orden sint die gutten Mcht
Ja er ist auch ein seliger rebstock oder weinstock, als man von im singet:
Felix [LXVc] yitis, de cujus surcula tantum germen rednndat seculo! Da
10 seliger wein stock, von des perhaftigen aufschießenden würczen so vil s&m^
der weit bekimet ist 2c. Nun spricht auch die ewige warheit Christus in dem
heiligen ewangelio also: Facite arborem bonam, et fructus ejus
bonum bonum. Ex fruchtu enim arbor agnoscitar (Mathei in),
Machent einen gutten paum und auch seine fHlcht: wann auch von da
15 frucht so Wirt der paum bekant. Difl gepot het wol verpracht prediger erden
in dem das die felige frawe, des dieners der ewigen weißheit mutter, die ds
vil gutter pild und exempel nam und enpfieng von dem seligen leben der
heilligen prüder und swester prediger ordens — imd also ward si von
prediger orden gemachet zu einem gutten paum, und ir frucht ist ir sun der
20 diener: die selbe frucht ward auch gut, und von diser edlen fmcht so ist
auch der paum bekant [LXV^] worden. Aber wie und wer diß edel frucht
sei — das ist: wie heilig der wandel und das leben des dieners der ewigen
weiflheit sei, der do was ein pmder prediger ordens — das ist in tentsch
geschriben von der seligen swester Elßbeth Staglin, und nennent wir es niit
25 dem gemeinen namen des Seußen puch, und das selb puch ist gekert
von einem andechtigen brader Cartewser orden von teutsch in latein, als
denn das in geschrift haut unßer brüder die prediger ze Basel und auch ze
Ntirenberg. und darumb sol pillichen bekant werden von dißer edeln
frucht dißer gutter paum, wann dißer paum hat prediger orden gar ein
80 nütze frucht pracht. Ja ich mag diße selige fraw auch g-eleichen einer
prinenden latternen, die da gehabt hat ein dar leuchtendes liecht, das der
cristenheit und besunder prediger orden wol darliehen gezun/ZX F/«ydet und
geschinen hat. Und dar umb das ir vil andechtiges leben zu nnßer bessenmg
werde gekeret, so wil ich Got ze lob in einer kürtze von irem seligen leben
85 ein wenig hie sagen.
DIße andechtige frawe, dez dieners muter, der nam geschriben sei in
dem puch des lebens, die lebte all ir tag Got in großer andacht, und von des
5. lebende so N. 13. fruchtu so N. 14. feine mü Verweisungszet'c/ien am Rand
nachgetr, N. 14 f. wan bis frucht mit Verweisungszeichen am Fuß der Seite nachgHr. S.
23. 26. teusch, dann t oben eingeflickt N.
27. 28. In Basel ist über den Verbleib dieser Hs, eines lateinischen ''Seusenöuchs^ nichts bekannt
(gef. Mitteilung von Oberbibliothekar Dr. Bernoxdlt)\ in Nürnberg findet sich das Werk toeder in der
Bibliothek des Germanischen Museums noch in der Stadtbibliothek (gef, Mitteilung der letztem).
Die Matter dea SeuBen.
97
I
wegen das si sunder gnad und andacht zu dem heiligen prediger orden hett,
dar iimb tet si Got das ze lob das si iren sun, Heinrich genant, tet in
prediger orden, do er dreizehen jar alt was, und het in in sol icher mas
geczogcn in cristenlicher geistlikeit das er behüb seinen glitten leimnnden
eines cristen liehen lebens vor Got und ILXVI^J vor seinen engelen und auch 5
vor den menschen, und dar nach ward er gar ein heiliger mensch, als denn
das pueh seines lebens weisL Aber die fraw sein selige muter was ein vil
große leiderinn, und dis kam aller meist von der widerwertigen ungeleichet
die si YOn ir hauswirt betten. Si was %^ol Gottes und het auch gern dar
nach götlichen gelebt: do was er der weit vol und zoch mit strenger hertikelt 10
dar wider, und dar umb so viel manigfultiges leiden hie Äwischen. Si het
aber gar ein gntte löbliche gewonheit: das si alles ir leiden das ir begegnet,
warflP in das pitter leiden Christi, und also do mit über wand si ir eigen
leiden. Ein gtlte Übung het si xxx jar: das si nie geließ, so si stund zu
meß, si erweinte sich pitterlichen von hertzenlichen mitleiden das si von 15
unßers herren marter het und seiner (LKVh] getreuen muter, und geschach
auch sse einer zeit das äi von unmeßiger minu die ei ze Got hat, minnesieh
ward und wol xai wochen ze bette lag, also jamerig und senende nach Got
das sein die arczet küntlichen innen wurden und gut pild dar ab nament
Do si nun ir leben in söUcher mas und in andern manigfaltigen tugeuden 20
verpracht hat und große begird zu dem ewigen Got und dem himelreich
bat, do wolt auch der miU Got ir begird genungk sein* Also fägt es sich
das si ein mal ze äugender fasten gieng in das münster, und in dem selben
münster do stund auf einem altar die ablößung unßers herren mit beschnitte-
nen bilden. Und von andechtigem betrachten des wirdigen leidens Christi 25
hinderkam si etwas in enpfintlicher weis der groß smercz den die xarte
muter Gotea het unter [LXVl^j dem kreutz, und do von der not geschah
dißer gutten seligen frawen auch als von erpermd, das ir hertz etwas er-
krenckte enpfintlichen in irem leib, das si von amacht nider seig an die
erden* Und do man ir heim gehalff, do lag si siech untz an den stillen 30
IreitÄg ze non, an der selben stund do der sun Gottes Iheaus Christus
durch unöer Sünden wUlen an dem fron crentz starb: do starb si auch under
dem do man den passion sang, und nam ein vil seilig end, also auch ir
leben selig gewesen was.
IN den selben zeitten do waz prüder Heinrich prediger ordens, ir leip- 35
ücher sun, der do genant Wirt der diener ü^v ewigen weißheit, ze Cöln ze
schule, und si erschein Im zchant in einer gesicht und zeigte im den großen
Ion den si von Got enpfangen het, und sprach lLXVn<^] mit groöen frewden:
*Eia, kint meines! hab Got lieb und getraw im wo!; er let dich mit nit In
keiner widerwertikeit Lug, ich pin von diser weit gescheiden und pin nit 40
tod, besunder ich sol ewiklichen vor Got lebend Bi kost in müterlichcn an
seinen mund und gesegnet in müterlichen und verswand. Er vieng an ze
weinen und rüfFt ir nach und sprach: *0 getrewe und heilige muter, pis mir
getrew gegen dem muten GotT
8. vngeleichot ^q N. 40. von diXer — pio tnit Venceisvn^szeichm am Rand nudigeir. N.
DEüUchn T«*te d«» Mitl«Ult«Ta VI, 7
98 Dor Vater des Sensen. — SehlaßTermahnaog. — Königin Elsbet.
DEs dieners leiplicher vater was ze mal der weit kint gewefien. Doch
so richtet er sein leben vor seinem tod in solicher mafi daz er auch erwarb
die genad Gottes. Und do er starb, do erschein er noch seinem tod seicem
sun dem diener der ewigen weifiheit. Sein engstliches fegfeür und wo mit
5 er daz aller meist verdienet hett, zeigte er im mit einem [LXVII^] jemer-
liehen anblick, und sagte im ans gescheidenlichen wie er im solte helfen,
und das tet er mit kintlichen trewen. Also do erschein er im aber ober
etwas zeittes dar nach, und sagte im wie er ledig worden were.
Nun hand wir an dißem pnch wol verstanden wie andechtiklichen in
10 aller heillikeit nnßer alt vordem lieben müttem uns ein gut exempel der
selikeit hand vorgetragen, auf das das wir inen auch nach volgen nach dem
pesten in haltung unßers heilligen prediger Ordens ; und als si rein 6ot dem
herren behalten habend ir seien von aller süntlicher begirlikeit, also
sülent wir auch rein behalten Got dem almechtigen sei, hercz und gemtt,
15 das wir auch mit gutter concziencz zu Got in unßerm gepet mit der seligen
junchfrawen Sara sprechen mugen: Mundum servavi animam meam ab
omni concupiscencia. Rein hab ich mein sei, herr Ihesu Christo, dirze
einem lob behalten von aller unzimlicher unreinikeit mid Sünden. Das wir
nun in solicher maß leben in behaltung aller tugenden des heiligten prediger
20 orden, also das wir durch die götliche genad nach difiem leben erfolgen das
ewig leben, das verleih uns allen Got vater, sun imd heiliger geist! Amen.
Explicit vitas sororum ordinis predicatorum monasterii Töss
provincie Teuthonie. Hie hat ein end das puch der swestem leben
prediger orden des closters Töss in teuschem land.
25 [XXXIV] Hie fahet an die legende des lebeng der hochwirdi^n junck-
frawen swester Elsbethen, herr Andreas tochter des knng^es von Ungarn,
die da was ein swester prediger ordens in dem closter se TOsse in
tettczscher province jc.
Esto fidelis usque ad mortem, et dabo tibi coronam vite. Der
30 almechtig Got . . .
//.5r>«7 Der ainvaltent Got, der mit sines gewaltes kraft von aigner fryliait
siner überfliessenden güti ain creatur nach sin selbes bild schöpfen wolt, die er
entpfenklich wolt machen von gnaden des waren gutes, das er von götlicher
5. v'dienöt (e nachtr. zugefügt) N. 7. 8. aber — im mit VenoeUungszeidien am ohern Rand
nachgeir, N. 11. so N. Das zweite das zu tilgen? 16. Mundum so hier Ny dagegen richtig oben l:^
nach Tob. .?, i(l 29. in dein Anfangsbuchf^taben E das Bild einer Dominikaner- Nonne {in tteißem
Rock und schwarzem Mantel mit Kapuze^ die weiß unterlegt ist)^ in der Rechten ein rotes Buch^ in der
Linken ein Scepter, aus einer weißen Lilie und zwei roten Rosen bestehend, links neben sich einen roten
Wappenschild ohne Bild mit Krone darüber, um das Haupt einen Strahlenkranz N. 31. Hier und
weiterhin ist die auf Bl. 63 (unrichtig Gl) beginnende falsche, ältere Seitenzählung der ffs. O d»
Schwestembuches, die wir bei unserer Benutzung derselben i. J. 1870 bis 144 berichtigt hatten^ bei-
befialten, daher hier diese ZäJilung eine scheinbare Lücke (Sprung von 144 auf 160) aufweiM
31. almeclitig N (ainig Ewig Ü). 31. eigener reicher N.
KÖDigin Elebet.
99
ewiger natur hat und ist, der hat sich och gewirdiget von angeng her das er in
der grundlosen wishait siner viUterlichen fürsichtikait allen sinen üsser weiten hat
geordnet und nlf gelait alle die wis und die weg mit [läO^j den er sy beraiten
wi], zu entpfachent das unzerganklich gut leben das sy in der fröJenriuhen
süssikait siner minenklichen angesieht ewigklich mit im besitzen s611ent. Das hat 5
er inanigfaUiklich bewart an einen haiügen und an sinen aller liebsten fründen,
den er in diser zit hat uff gelait zc tragen das schwer crütz maniger hand lidung,
das er in och in dem eilend diser weit mit allem sinem leben hat vorgetragen,
won da mit wil er sj bringen uff das zil da sy begriffent das erb das er in
vorberaitel hat in dem himelschen vatterland, ieklichem sunderlich nach der 10
wirdikait, als es von der göllichen Ordnung ewigklichen fürsechen ist*
/i^^V Dis hat unser her och folleklich bewiset an der hochgebornen künginen
Elsbelen, des edlen und wirdigen fürsten tochter küng Andres, der von adel
und von erb gewaltiger kung zft Unger was. Won es ist menklichem zu wissen
das des wirdigen und durchlüchten fursten Andreas, kling zu Ungers, tochler, I5
des driten des namen — der hat ain frowen, die hies frow Fenn und was
geborn von Gecilie — den baiden gab Got ain tochter» die ward genami
Elisabet* Do die geborn ward, do waren t etlich lüt von Costentz da ze Offen
2, ÜBserwelten u, ö, ; m dieser Legende x^t G häufige Anwendung de* Citcumfle^es^ den mr
heihekalien, #. d.EtnÜg. 4. gilt G, ewig N. 8. a. feinö heilige IN, IK cb] er (Ü),
üs N, 13. Ebbeten, 13. andreB» U. vngor, 15, vngersi 18, offeoi 100,3. ofterrich mcht hervor-
fjtfhohen^ wahrend 13. edlen, 13. fu raten toeliter, 14. 15* kung, 15. tochter, 16. frow rot unter-
ütriehen sind 0. Wir geben dme Hermrheimngm wieder^ hthen aff&r auch die Eigennamen durch*
(fchmd hervor. 14 Won bis 100,22. T^ka folgt in N ersi auf 101,18 als Beginn eine* ^sten
Knpiieiäj wgsh die Übertcftrtßt Wie die Eule fürst in vö irem vtitcr lanct gefäret ward in fwaben
hmd. vil in das Cloft' gen töffe kam, vü legt do predig* orde äö. Das * j • Capitel.
l(j. fenn G (t/), fenin N~ 17, Cecilie vn wai ein heidinen gefein. Der gab N,
li. Zu der fotgmäen Fatnilienffeichichie KlisabeU non Ungrirn vgl Greith^ ff. Sm& {Kath* Schw.
BU. 1860^ S99ff.^ nach Lgehnownky, Oeechichte de$ Erzhumen Mabnburg I] Damberger^ Sgnehron.
Oeseh. XU w. a.); Snher, ßGT26, DKT Ith'i {2:iy, Uchdi, QueUenbiJch £. Schtteizergesch. //, 2f*2~2rj.
König Andrea» II L t?t>fi Ungarn^ genannt der VenelianeTj der teilte Sproß de^ ffatiseä Afpad^
war der S(^m des Prineen Stephan (etnee ffaibbruders Konig Ladiäaü IV.) und der Vmetianerin
Thomas ina Mauracena. Er heirateie um t2Bt die polnisc/ie Prinieann Fenna oder Fennema,
Tochter dee Herzogs ^inmütyii von Cnjavien aus dem Gesehkrhte der Pjaden {aho nicht *von Cecilie*).
SU hatten zwei Töchter^ \ömim die allere, umteri Elisabeth zwischen 1292 und IH geboreji sein wird^
da Fenna 1295 an den Fohjen der Geburt einer zweiten Tochter stark Die FeMlicfd^eiten, mornit
diese zweite JYinzes»in begrüßt worden «ein solt (Greit/i naift Damher ger XII, 49 f), erzählt EMet
Stagely die eich auf einen Atigenzeugen der Feste zu Ofen, Mnllber den TBss^ beruft {ein Chtinrat
Tot »er «r#cA«'nl am 4. April IMO als Eigenmann dc^ Kloster» zu 1^4«, Zürcher Staatmrchivj
Regetten} wohl ricfdiger zu der Gehurt der ersUn Tochter^ unserer EÜsabei^ die als Erstgeborne die
recfitmäßige Thronerbin von Ungarn war und bereits als kleines Kind dem jungen König fVenzel von
BShmen (also ni(M einem ff erzog von Taiger') verlobt ward. Noch !205, wenige Monate nach dem
Tode Fennas und der ztceiten Tochter^ vermaldte sich Andreas abermals, mit Konig Albredtts Tochter
Agnes, Da diue seine zweite Ehe kinderlos hltebf war bei Meinem Tode 1301 Elisabet seine einzige
7*
100 KdnigiD EUboi
in der stat gegewürUg« der hies ainer Waltter der Toss; der hat och siner
tocbter kinden zwo [151^] in ünserm kloster: der sait uns von grossen eren und
firAden die da was; besonder sait er das man zft allen toren win mnb susl
scbankt aller menklich, riehen und armen, als ob es winbrunnen werint, und
5 all glogen wurdent gelAt und un ander grosse herschaft die da was.
Damach ward sy vermächlet ainem heren von Paiger, und über etlich zil
do ward dem ktinff von Unger des rAmschen küngs Eüng Albrechtz tochto'
frow Agnes von Osterrich gemächlet. Do die gen Unger kam und etwe fil
zit da was gesin, do lait sy dem heren für und bat in das er ir gundi das
10 frowlin hin uss ze fftren gen Win, das man es zug mit ires bi%d/'/52«/er8 kindcD.
In dem do start) der küng; do yerhies sy den lantzheren zA Unger sy weit
das frAwlin geben hertzog Hainrich von osterrich, und verbiess in och sy
weit ir geben ir hainstür zu dem heren; das was zft drigen malen hundert
tusent guldi.
15 In dem do ward küng Albrecht, frow Agnesen Tlitter, erschlagen ton
hertzog Johannes, sines brftders sun. Dd fflrt sy mit ir küng Andreas
tochter heruss in Schwaben land. Und bede von laid umb Iren heren den kung
von Unger und och umb iren vatter do ergab sy sich under ain gaistlich leben
barflkssen orden und buwt das kloster zft Edngsfeld, und do zwang sj das
20 frAwli [15^] das es och gaistlich mftst werden. Do ward ir ires aignen willen
nit me denn das man sy lies alle klftster schowen in Schwaben: do wolt sy in
kaines denn in dnser kloster zft Töss.
1. töff N (toIT tf). 2. het ewü tocht' ze toITe N^ zwo z& tdss im kl.: nadOr. Änderung
in (finer dochf kind ij zu töff im doft' Ü). 2. ins gestr, (r.) ö, fM N. 5. vn yn 0,
vn AT; lies: nn (ohne) und streiche und? 10. win so 0, wien N {Ü), 10. kind N.
15. erfchlage am Rand nachgetr, 0, 22. dnser in dz geändert 0. 22. den gft tofT A".
Hierauf folgt in N du Stelle unten 101,24—27, 101,19-^23, 101,28-^102,3.
Erbin. Aber ein Teil des Adds /latte bereits 1300 einen Urenkel König Stephans L oo» Ungarn,
Karl Robert von Neapel aus dem Hause Anjou, zu Agram krönen lassen, wahrend der Konig Shtkl-
loeißenburg und Ofen beliauptete; nach seinem Tode wurden die Witwe Agnes und deren Stiefioehter
EHsabet auf der Königsburg tu Ofen so hart gefangen gehalten, daß die Königin, um ihren Unierhak
Mu bestreiten, ihre Kleinodien verpfänden mußte; i/ir Bruder Herzog Rudolf Heß die Gefangenen durch
den Marschall Herman von Landenherg befreien und nach Wien fuhren, wo sie bis zur Ermordung
Kaiser Albrechts {1308) blieben. ( Von diesen Schicksalen der Prinzessin weiß oder erzähä Elsbet Stagel
nidiis.) EUsabets frühere Verlobung ward offenbar aufgehoben', das nun ganz verwaiste, etwa S jährige
Kind ward {was auch E. Stagel erwä/tnl) dem Herzog Heinridi von Österreich {Bruder ihrer Stief-
mutter, geb. 1299, f 1327, s. S. 102,4) versprochen. Der Tod des Familienhauptes 130S schniä
sodann für die beiden Frauen alle weltlichen Pläne ab. Agnesens Mutter EHsabet stiftete an der
Stätte seines Todes Königsfelden; Agnes kam dahin 1309; wohl im gleichen Jahre hun ihre Stief-
todUer ins Kloster Töss, wo sie 15-, vielleicht 17 jährig {Mystikerpaar S. 51; jedenfalls nicht 13 jährig
wie bei E. Stagel 101,19) eintrat und 28 Jahre (102,28) lebte, somit bei ihrem Tode 1337 {6. Mai)
43' bis 45jährig {nach N 41jährig, unten Anm. zu O 183^) war. Agnes starb zu KonigefMen
11. Juni 1364.
Königio Elsbet.
101
Von den i^naden Götz do ward uns der wirdi^ schätz behalten, des wir Got
iemer ze loben und ze danken habenl^ won Got der aliraachtig hat mit sinen
wundern merklich erzaiget das er sy im selber z4 lob und nit der weit zu frfiden
geschaffen hat. \^on der wellen l wir fürbas sagen, nier dem zft lob und zu eren
der da was ain lerer der tugenden uff crtrich und nun ist ain loner der lugenden 5
im himelrich, und das och alle die da von gebessret werdint die es ver//^>ynement,
Won recht zu glicher wis als unser her das land ze Unger und sunerlich
den haiigen orden der bredger hat geziert mit der haiigen und der wirdigen
frowen Sant Margreten, die och von dem selben geschlecht geboren was: also
hat er och dis iand und denselben orden und sunderlich dis kloster zft Töss 10
geerct mit diser edlen fürstinen, umb die wir die unergrünten nilltikait Gotes
imer zu lobent habent, das er uns die gnadenrichen gab ir küngklichen person
ie gertlcht ze geben und zu zufügen der gaistlichen gemainsami dises cofentes.
Aber wie sy von dem rät des haiigen gaistes und von der fiirkomenden Ordnung
{iü3^} sins göthchen willen in dis kloster ist koraen von ainen so feren kungkrich, 15
das wer wol grösUch zeverwundren, won das man es dem geben sol der den
gewalt und die wishait mit dem willen dar lait : der wolt dis werk selber wiirken
mit der kraft siner gnaden, do die zit konien was das er es fügen wolt.
An der selben zit do was die edel küngin in dem drizechenden Jar, do sy
ünserm cofent under das joch der gehorsami befolchen und gegeben ward nach 20
aller gewonhait des ordens, und och sy sich selber demütiklich darzü naigt, und
sieh verwag, was Got und der orden mit ir wölti, das sy des gern gehorsam
w^Ölti sin.
Dise edel kiingin was (t^ti^l die erst frow der vor fron altar in der nüwen
Stift ie der orden angelait ward. Und do ward der allar gewicht in unser lieben 25
frowen er Annunciacio und in Sant Elsbethen er, die och ain küngin von Unger
was und ain lantgreffin von Türingen von Hessen land» die ir fründ was.
Do dise tugendhaft küngin xv wuchen gaistlich was gesin, do gebot ir
stüffmütter das man sie mftst wilen vor dem zit und das sy gehorsami mftst ge-
loben; do naigt sy sieh demötiklieh darzü, Ir stüffmüter nam och ain frowen 30
von Bussnang, küngRfidolfes Schwester tochter, uss dem kloster zu Friburg
das man {154^] nemt ze Sant Katherinen; die gab sy ir zu ainer hoffmaisterinen
1. VHS in in geandtrt G. L wir in sy gtändtri CL 2-3, Mü diesem Satt: An dißer
Etsbetli^ hat er feine wund' mereklich© e neiget schließt N wieder an ^mem Tt^t S. 99 J 4 an,
2. hat tnä ä-Zeiehen darüher G. S. au* B^erkÜch karr. G, 7, gUcbcr mit Verwti^ngäzeichen
am Band beigefügt G, 7. fiineriich to ö. 10. dk in dz ffmndert G (da ü). 11* umb
bis 13, cofeutea fehlt K 13. geändert in (r. u. äitJ.): der gaiitlichftit des orden zu t^sM Cu
15. dis i» dz geänd. O. 15. ainen #o G. 20, geänd. in dem c. tösÄ O, 25, ^u atift über
der Zeüe zugefügt (n): m tfisB.
9. Margareta von Ungarn: ihr Leben fdgt in G (tmd U) auf dasjenige der Prinzessin
Eliiahet', siefi Einieihtng und unten G lSff<* Annu 27. frdnd: ihre Muhme: Tochter Kömg
Andreas I. von Ungarn^ f als Landgrafin üon Thüringen und ffeam 1231.
102 Königin Elsbet.
und zu ainer pflegerinen. Die was ain als grimme herte frow das sy ir als fil
hertikait an tett das wir kainen zwifel dar an habent das sy der martrer gnoss
sy von liden das man ir an tett.
Nun fügt es sich das hertzog Hainrich von Ostericb in dis land kam und
6 sy sieht. Do was sy gewilet und ward im fast versait; er weit aber nit ablon
und wolt zu ir gegenwirtikait komen, und kam her in dis kloster, und do er
sach das sy gewilet was, do ward er als gäch das er ir den wil ab dem hobt
zoch, und warflf in uflf das ertrich und trat daruff, won er hat [155^] ain gantzes
wol gefallen und begird zu ir lütsäligen person, won die was wol geschikt, und
10 er hat ain gantzes wol gefallen an ir und zu ir gemachelschaft, won ir lib was
wol geschikt und adelich von antlit, von gelidern und och von allen fröwlicben
gnadrichen wisen und geberden. Darum ward er gar ernstlich mit ir reden, und
bat sy das sy noch so wol tett und mit im hain gen Österich für; er wölt sy
nit lassen engelten das sy ain gaistlichi und gewileti frow wer gesin. Do ant-
15 wurt sy das sy sich darum wölt bedenken, und gieng in den kor für ünsers
heren fronlichnam, und fiel uflf ihre knü und bat Got das er [155^] ir sinen aller
liebsten willen zu erkennent geb, was sy dar inn getftn möcht, Do ward ir des
ersten für geworflFen sy möcht es wol getftn, won sy ain frow was lüt und lantz
und ain rechti erbtochter des küngkrich zu Unger. Da wider zestund do gab
20 ir Got zft erkennent das sin liebster will wer das sy in diesem kloster belib und
arm und eilend durch sinen willen wer, als och er arm und eilend was durch
sy und alles menschliches künnes willen. Und do gab sy iren willen gantzlich
in den willen Götz, und beschach ir da durch als we das sy lag zu gelicher wis
als sy tod wer, und schoss ir das blftt zemund und zenas uss. Und do man
25 sy wider bracht, do sait [i56f^] sy dem heren ab, das sy nit mit im wölt; sy
w6It hie ain armes leben füren nach der Ordnung Gotes. Do gab ir der himelsch
vatter die hain stur die er sim aingebornen sun gab: das was eilend, hden
und armüt. Sy hat gelebt xxviu iar, also das der cofent gemainlich und manig
mensch sunderlich dik grösslich von ir gebessret ward, won ir gaistlich leben hat
30 ainen als gnadenrichen anfang das der schwestren hertzen dik wol da von ge-
bessret wurdent und och gar wol getröstet.
Sy hat ainen gar demütigen und gi\tlichen wandel gegen dem cofent an
Worten und an werken, und tett willeklich [156^] was man sy an mütett, wie
doch das wer das sy zu irem grossen adel och von jugent und von natur ain
35 als zartes hertz hat das ir joch gar klaine ding dik inneklich wo tattent. Sy hat
och in grosser rainikait ir leben vertriben und die weit mit aller ir geziert gantz-
lich verschmach umb iren heren Ihesum Christum, den himelschen gespuntzen
aller rainer und demütiger hertzen. Sy hat och gelebt in grosser armüt und hat
fil gebresten an zitlichem gut.
4. hier in N Kapitelüberschrift: Wie herczog Heinrich vö OftVeich füchet die Edle kunigin
fraw Elifabet. vn fi habe wolt zu d' heilige Ee. als fi im v*trewtet was. Das • ij • Capitel.
6. in dis kl. ] geändert in dz kl. töff G (Ü). 37. v'fchmach 80 G,
Kdni^n Elibet.
103
Und es ttgl sich zt ainem mal das ir sLüffmAUer zu jr kam, und do zemal
was sy als arm das sy nit gowandes hat won ainen gebietzlen gebletzet rok,
den sj an trftg. Do fiel sy ir in die schoss und sprach zu ir: ^Schwester,
scheinest du dich nit das ains /iö?«/ küngs tochter von Unger, aiu rechti
erbtochter, also schwachi klaider antrait?' Da vor hat sy nit me järlicher gült 5
denn drisig Schilling haller. Darnach ward ir erworben von der herschafl von
Usterich ain hoff, ist genemt Öitingen, der galt xl mütt kernen, zelibding.
Darnach fügt es sich von grossem siechtagen das ir die arlzet riettend das
sy sÖlt gen Baden farcn. Do nam sy demütiklich urlob von dem maistter breger
Ordens zft dem bochen capitel Do sant sy unser kloster mit erwirdiger gesel- 10
Schaft gen Baden» Do ward ir gar fil geschenkt und so fil grosser eren erbotten
von den lantzheren und von den umbsessen, die ir wirdikait und ir //57»y
armflt wol erkantend» Och lud sy ir mütter von Baden gen Küngsfeld, und
lies sy schowen ales ir klainet, das ir ir vatler von allen landen gebracht hat,
und gemaint sy mit aines haller wert nie. Die hertikait tett ir wirs denn ir tett 15
schaiden von ires vatters land,
Do für sy von dannen mit eilendem und betrAbtem hertzen* Nun was man
zft Zürich wol wissent das sy ze Baden was gesin, und haltend grosse begird
zu ir baide die stat und unser orden, won sy wisstend wol und erkanlend wol
das sy die wirdigest person was die do zemal lebt, und ain kunginn von allen 20
iren fier anenen, und och von ires gfttten lebens und hailigen lündens wegen, der
erschollen was durch l!5S^} alles land. Do begertend sy sy zesechend und sich
in ir haihgcs gebet zu befelchenl» Do kam sy zft inen, und beschach ir grosse
er von der stat und och von ünserm orden: das was von gnaden Gottes ain er*
getzen ir zarten edlen nalur, Damach fürt man sy zu unser lieben frowen gen 25
Äinsidelen, das sy ir selbs dester bas vergess. Dannen ward sy do wider her
in unser kloster ze TAss gefürt, und ward enpfangen von ünserm kloster mit
grossen fröden und erwirdikait, als bildlich was, und do sait sy ünsren schwest-
ren: wer die gros er nit gesio, sy wer sin in grosse krankhait gefallen der grossen
1. hier in N Kapitelüherachriß: Wie die hochf^epome fürftin Elifabeth lebt in fo großer
Rrmut Tn von großem fiechtagö* das it der meift' des ordenj Vn da« geoeral Capitel erlaubet
zu den paden xe fare. Das iij CapiteL 2; gebiVcatö Ü, 7. OringS Q (dringen Ü}}
iat — Oringen fehlt N. Der Name üi in G {und Ü) eniiteUi am Öningtn (Dorf mit Ähtei bei
Siein a. Rh.): H, Suizer, EGT 27. In einer Urkuntie von 1342 erscheinen auch Eit/enkuie di^i
Kloiter» Oningen zu Neufom ah Verkäufer eines Weiriffartens an Kloster Tofl. Zürcher Staatsarchiv
Regelten. 10. ^nfer unvollitändig korrigiert in difer [so] G\ nach klofter zitgueizh t'jff (da«
cloft" dßfT Ü). 19. sü ir am Rand nachgetr. G. 23. groffe; dm e nachtr. geHlgi G.
24. Er O, 26, her geitr. (r,) G, 27. ^nfer unvoUit. korr. in df., dann wieder üher^
geschrieben G. 27. ^nfenn Jfcom in d^m^ dann wieder übergeichr. G. 28. vnfren unvotht.
korr. in ^s den, dann wieder Ohergetchrithen G.
14. ir vatter: wM der Vater Elshets^ König Andreas, Ein kostbares Diptychon mn griechischer
und venezianischer Arbeit^ das Andreas »einer eufeiien Gemahlin aus Venedig gebracht und hinterlasMin
hat, befindet »ich §iä der Aufhebung KÖnigsfeldem in Bern {jetst im Historischen Museum).
104 Königin Elsbet.
untrüwen so ir ir stüflfmütter tett. Und hat sy formals ain ernsthaftes strenges
leben gefürt, do fieng sy dar nach [i58^] noch ain fil ain strengers hailgers
leben an.
Dise hochgeboren edel küngin Schwester hat die gnad und min das sy gar
5 dik und lutterlich bichtett mit manigfaltigen trechen, und gab aihvegent irem
bichler zu erkennent alles das ir hertz bekumret. Nun fügt es sich zu ainon
mal das uns gar ain grober bichter ward gesendt ze ainem hochzit. Und do
der cofent gemainlich gebichtet, zu dem kam sy och und gab im demüteklich zft
erkennent ir schuld und die bekümernus die sy hat in zitlichem liden und
10 eilend. Do was ir wirdige person im unerkant, und fragt sy gar gröblich wie
sy hiess. Do antwurt sy gar demüteklich: *Ich haiss Schwester Elsbet von Oflfen.*
Do fragt er sy [i59<^] och ob sy dannen geboren wer. Do antwurt sy: 'Ja ich'.
Da antwurt er: 'So macht du wol ain arbetsälig lident mensch sin, das du so
fers lantz bist herkomen in dis eilend.' Also gab sy im sich nit me ze erkennent,
15 wer sy wer. Sy gieng in den kor für den altar und ergab sich dem der ain
trflster ist und ain helfer aller hertzen, und ergab im och alles das ir anlag.
Darnach do ward der bichter fragen, do sy von im geschied, wer sy wer. Do
ward im gesait das sy die wirdig küngin Andreas tochter wer. Do erschrak
er gar übel und bat ernstlich das man in für sy liess. Und do er für sy kam,
20 do strakt er sich uflf die erd für sy, und bat sy mit grosser demüt das [159^] sy
im es lutterlich durch Got vergeh, und das tett sy.
Dise gnadenrich künginn ist och gar ains demütigen' wandeis und lebens
gesin und erzaig ir grossen demütikait dik an fil dingen. Och so sy etwenn an
verbotten stetten ald ze ungewonlien zitten garet hat mit den jungen schwestren,
25 und denn etliche Schwester dar kam die sy entsitzen soltend, so tet sy recht
als erschrockenlich und als forchisamklich als die andren, und gieng denn zehand
danen. Sy gieng och gar begirlich und gern zu kor, und stund da dik mit un-
slaten und gebaret doch frölich, darum das niement ir krankhait markti und
man ir es deslerbas gundl. Sy ist och dik demütiklich joch in [iryOaj geniainen
30 capiteln gestanden und hat ir schuld gesprochen vor der priorin.
Sy hat och dem cofent dik gar demütiklich und gütlich ze tisch gedienet,
und tett das als begirlich das ir laid wer gewesen ob dekaine raangel het ge-
hebt, das sy ir möcht han gebessret. Sy flaiss sich och das sy die schüschlen
selb usstrüg, so sy die schwestren von in gesatztend, und sy etwen markt das
1. ernfthaftes mit Verweisung szeichen am Rand nachgetr. O. 2. ain getilgt (sw.) ; aher vieil, ma.
Pleonasmus. 4. hier in N Kapitelüberschrift: Wie dio feiige Swcfter Elifabeth fo andeclitik-
lichen vn mit trehnen ir peicht tet. vnd fi ze einem mal vö eine groben peichtig' als vntroft-
liche aus gerichtet wa'd. Das iiij Capitol. 20. den herd ald uflF die erd, sodann den bis äff
unterpunktiert 6. 20. und ] vn G, 22. hier in N Kapitelüberschrift: Wie fleilTiklichC« £i zw
Cor gieng. vn wie diemüttiklichen Ci fich gegen dorn Conuenttö hielt, vü ir fchuld fprach
in geraeinö Capiteln. vn wie mit groffem fieiß Ci den fweft'n zu tifch dienet. Dz • v • Ca.
24. ungewonlien] zwischen i und e etwas ausradiert: wohl ch (um eine ma. Form herzu f^tellen)^
Königin Ebbet
105
ir die schwestren nit gern wollend muten etliche ding zetiVnd: so wainei sy
inneklich darum, und vcrschmachet die er die man ir tett und die sy ir damit
crbutend. Wen sy och selb ze tisch sass, so hielt sy sich als deniüliklich das sy
nit wolt noch begert [t^ußj das man ir sÖUiche er erbul an den dingen die zu
irem lisch gehorlend, als man doch bilich und gern hei gelon. Sy tett och als 5
geselleklichl gegen allen den schwestren die mit ir ze tisch sassenti sy werind
jung ald aJl, das sis mit ir gdtllchi und mit ir lügenden recht zwang das sy
uss ir schüsslen mit ir müsLend essen. Uns sait och die Schwester die ir wol
xxnu jar in der kuchi und an sölichem dienst gepflegen hat, wie sy ir mit spiss
ie getelt ald was sy ir gab, das sy ir darum mit ainera worl oie dester ernst- 10
lieber getelt» sy wer joch gesund ald siech; sunder sy hat demüteklich vergüt
das ir unser her fügL Hie by ist wol zemerkent wie demüt//6^/*/lig sy och an
andren sachen was, da von wir dik grosse bessrung und gut bild namenL
VoD (rem andaditigen innigen gebett.
Es ist och gut und nütz zewissent wie begirlich sy sich übt an anddchligem 15
und strengem gebet. Aber sy bat die gewonhait: was sy gutes tett mit gebet
ald mit anren dingen, so flais sy sich mit ernst das sy es also zu brecbte das
n lernen t da von ze red hei. Doch niocht sy es nit gantzlicli verbergen, wir
sechind sy dik in gantzer andach begirltcli beten, und dik mit krankem üb tel
sy als streng! gebet das wir uns da von wundretent das sy es erliden mocht. 20
Ellich schwestren sachent och, so sy an ireni gebet was, das ir denn //^/*/
die trechen recht genuchsamklich von iren ogen flussenl. Aber sunderltch an
dem stillen fritag so erzaiget sy grossen andacht und ernst. Sy nam des
selben tags fierhundert venien, unsers heren marter zu eren, und was
och denn den lag über gantzlich un alles trinken, uad hie von ward ir als 25
we das sy darnach etwe lang fil dester krenker was. Wir fundenl sy och
eiwenn in dem kor, das ir in dem gebet geschwunden was und das man sy
also dannen tragen müst.
Sy hat och sunderlich grossen und begirlichen andacht zu unser frowen:
das zaigt sy an mengen dingen wol, won sy dienet ir mit flissigeni ernst Aber BO
sunderlich zft der dult als !m2^} der engel unser frowen verkunl das sy Gotes
müler soll sin, der fröden und der eren ermanel sy sy dik mit hertzlicher begird,
und bettet ir denn der fröd zti lob ain m * Ave Maria mit als fil venien, und
6. -Hcbl «0 G. 13. fachen; am Band dafür digen 0. IL hier itatt der unmgen
in N die Kapitetülterichrift: Wie andechtiklichü Ci fieh bielt au dem karfrei tag mit voiiui. Audi
von dem gepet dAB H tet zfi dem Hochzeit anüei&cio. vn dem iidveiit vn in tV wejnnacht
nacSit als IhefuB gcponl ward. Das -vi- CapiteL 15. Ee] Eea 0. 18. J9, wir fechind
korr, m mü fech G. 19. andach ^0; vgl. ohen 87,10. 102^37 und Eint. 26, wir fundent
gfandtrt in WJl fand (/. 28, alfo nachtrat^fich mii iWwemtngazeieficn am Rand zugefügt 0.
33, d' frende ze ere vn ze lob ein taufet S (Ü me G),
106 Königin EUbet
darnach ze ieklicher dult unser frowen so bettet sy ain -m • Ave Maria nul
• in * venien. Sy Abt sich och sunderlich in dem advent mit ernsthaftem erzaigen
ires hertzen andacht, won denn so bettet sy gewonlich siben tasent ÄTe
Maria mit als fii venien in der er aller der stunden die unser her in dem
5 rainen üb siner süssen zarten m&tter beschlossen lag.
Und so denn der hailig tag zewinnächten kam, so ging sy zemeti an etliclie
haimliche stat in dem kor die ir dar zft fügt [i62^}^ und stund da an ainerstat
untz das die lang meti gantzlich üss kam, und bettet denn stend ain - m • Ave
Maria ze lob der haiigen gehurt und der waren hilf die unser frow allen
10 mepschen an dis weit bracht. Darnach so bettet sy denn durch das jar un ander
gebet xxxim tussend Ave Maria zelob und ze eren allen den jaren und dem
zit das unser her uff ertrich was. Sy sprach och etwenn, so die jungen schwestren
durch kurtzwil zft ir giengent: ^Kinder, ich wil gon etwas für senden m das
künftig land, so ich selber darkum, das ich es den find', und gieng denn in
15 den kor und bettet da gar ernstlich.
Sy Abt sich och gar fil an schönen und nützen tuschen gebetten, die sy
also mit ires hertzen andacht und gütter be/^/ö5«/trachtung also zesamen hat
bracht und gefüget, und och ieklichen sin als wol underschaiden das die ma-
nungen gar begirlich ze bettend warent. Sy hat sunderlich gnad, m patter
20 noster zebettent in diser wis: das erst dem almechtigen gewalt ünsers heren,
für den alle menschen zegericht müssent kumen, das ander siner rechten ge-
rechtikait, mit der alle menschen gerichl werden sölent, das drit siner grund-
losen erbärmd, mit der alle menschen behalten sölent werden.
Sy hat och zegewonhait vii Ave Maria ze betten mit disen manungen:
25 Die erst: Ich ermanen dich, raine frow, Gottes mütter, alles des güttes
zu dem dich Got geschaffen hat allen menschen für das ewig übel, da wir in
gefallen [ißS^] warent, und bit dich, milti mütter, das du an mir vertribist alles
das übel das mich diner gnaden geieren mug.
Das ander: Ich ermanen dich aller der lutterkait zu der Got din menschlich
30 hailiges leben geordnet hat von anfang der weit für alle die finsternus unser sei,
und bit dich, raine mütter Gottes, das mir mit diner hilf erwerbist das liecht
rechter erkantnus und rüw aller miner sunden.
1. ain -m-] j tauffSt N. 3. vij hund*t N (vij m Ü). 4. der ftanden wiederholt 0.
8. ein taußent N. 16. hier in N Kapitelüberschrift: Wie die feiige kuoigin dichtet auffer ire
eigne finne • iij • schöne v'manüg mit • iij • pr nr • auch vij • andechtigo v'manüg mit vij aue
maria zu vnß' liebe frawe. Dz vii- Cap. 16. "fil" gar G. 19. manugen G; vielleicht
mundartl.? (heute ist alam. -ung meist zu -ig geworden), 30. vufer ahne ü,- Zeichen G.
32. "ruw" aller {Umstellung^ wohl irrtümlich) G.
_
3. Die Zahlangabe {7000) in G {und Ü) stimmt mit der wofd zugrunde liegenden Berechnung
(0 Monate zu 30 — bezw. 6 davon zu 31 — Tagen zu 24 Stunden = 6660 Stunden) besser iiberein
als die in N {700).
Köaigin Ebbet.
107
Das drit: Ich ermanen dich aller diner minn da mit Gol diu hertz orfult
gen des menschen ewigen hail für den grossen zorn unser schuldi und bil dich,
gnadige frow, das du mir gebist ain m inendes hertz alle zit ze haben t gegen dir
und dinem kind umb alles das gut so wir von dir enlpfangen haben!.
Das fierd: Ich ernianen [ifA^j dich aller der wirdikait mit der sich die h
gfitlich drifallikait naigt in dinen mäglichen lib für die grosen verschmächt unser
verdienten schuld, und bit dich, frow aller eren, das du mir vergebist alle
die uner die ich mit Sünden dir und dinem kind ie erholten han-
Das -V': Ich ermanen dich aller der demAlikait in der dir Got in disem
leben underlenig ist gewesen für unser verfall nen hoffart, und bit dich, mfltter lo
alles gutes, das du mir mit diner gnad helffist, minen willen mit gantzer demät
ze naigen gegen dir umb das hail miner sei
Das »VI-: Ich ermanen dich aller der sicherhait die du by Got ewigklich
enpfangen hast, uns zft erwerbent gantze sicherhait des ewigen lebenns, und
bit dich, frow alles gowaHes, das du mir mit //ß4*/ diner hilf erwerbist ganlze 15
begerung in minem hertzen des ewigen lebens.
Das *VU': Ich ermanen dich, frow, aller der zft versieht die uns Got an
dir gegeben hat unser sei und ünserm Hb für die ewigen ferzwiflung, und bit
dich, milte mütter, das du min begerung ansechist und mich behdtist vor
zufallenden schänden und vor künftigem übel nun und iemer ewigklich, Amen* 20
Mit s6]lichen gebetten bekümret sy ir gemiltt und lait fil ir zites daran, won
sy erkant wol das alle ding üppig sind un alain die zil Got wisent,
Das aber ir gebet Gol genem und loblich wer, des haben t wir an etwe (il
dingen glitte urkünd, Sunderlich zft ainem mal do begert ain alltc sdige Schwester
von etwas sach wegen ze redent itßf**^} mit der tugentrichen küngen, und sucht 25
sy lang in dem kloster hin und her, und ze jungst do kam sy in den kor und
fand och da niement. Hievon wolt sy aber fürbas gegangen sin, und do sach
sy neben t dem altar ain Schwester ligen an ainer veni vor unser frowen bild,
und sach och das sy me denn ainer gantzen eilen hoch von dem ertrich uff er-
haben was und in dem luft schwebt, und do krüwet die alt Schwester nider 30
und wolt gern warten w§r die schwestcr wer die sy in der gnad sach. Und
darnach über ain stund do kam die wirdig fürsltin von dem altar herabgangen,
und do sprach die Schwester zft in 'Ach lieby frow, wo sind ir gewessen?
Ich han üch als fil gesucht/ Do antwurl sy ir und sprach: 'Ich was //'?^V hie;
bedurfist du min, so red mit mir was du wellist.* Do sprach aber die all 35
Schwester: 'Nun gond für die dür üss, so kum ich och.' Und das lett sy darum
6. mHglichen «o ö. 8. kind «?(( Vtni^imngizmchm am Rand nackgeir. G. H. zwüchen
hast und utia stdti froWj dann getilgt G, IL lebefia 0\ liut 1 ebenes? 18. vnfer «o G,
23. hkr in N Ka^^üetahtfschrifii Wie genem vti walgefolUg ir gepet dem alm echtige got were.
D;e merckot an dpn nach gefchribe fAchn. Das -vüj* Capitel. 25. knngen ao G, 28. veniS:
doM e giür. (n) G, 28. vnrer $o G. 30. krdwet ao G\ itesi kniiwet? SL vn ö.
108 Königin Elsbet
das sy gern wolt wissen ob iement me in dem kor wer gewessen. Und alUo
tet sy die tür zft und nam ain Hecht in die band, won es was spat an ainem
abent, und gieng umb in dem kor, und fand das kain mensch me in der zit da
gewessen was won alain die sälig frow.
5 Es fftgt sich och zft ainer zit das ain mensch der edlen künginen etwas
hat geton das sy betrübt, und darnach über etwe fil zites do starb der mensch,
und nach sinem tod do erschau er ainer Schwester in ünserm kloster und spradi
also zu ir: ^Ich bit dich mit gantzera ernst das du gangist zft der künginen,
und nim ain veni for ir, und bit sy das sy [166^] mir lutterlich durch Got ver-
10 geb alles das da mit ich sy betrübet hat, und bit sy och das sy Got für mich
bit; won recht als lutter der wiss schnä ist, so er von dem himel fallet, also
schön lutter gat ir gebet uff für Gotes antlit.'
Ain ander mensch hat sy och betrübt mit etwas sach, und kam och nach
dem tod zft ainer Schwester, und wackt sy von dem schlaff und namt sich selber
15 mit rechtem namen und sprach do: ^Ich bit dich durch Got das du noch hat
dis tags gangist zft der künginen, und strek dich deraütiklich für sy uff das
ertrich, und bit sy durch Got das sy mir vergeh, wo ich sy ie betrftbti.' Damach
do erschau aber der selb mensch ainer andren Schwester und sprach: ^Ich müss
selb zft der künginen komen, das ich ir benem das ich sy betrübet hat.' Do
20 antwurt [166^] die Schwester und sprach: *Sy ist als gar krank das sy es nil
erliden mag.' Do sprach aber der todt mensch: *Ich sol nodi mag sin nit über
werden, won ich mftss in der wis sin untz das ich sy selber gebitt das sy
lutterlich min fründ werd.' Und des verjach die tugentrich küngin selb darnach
das ir der selb mensch in dem kor erschinen was.
25 Die hoch geborn fürsltind hat och die gewonhait, wenn sy als kreftig was
das sy vor krankhait mocht in dem dormiter geligen, so hat sy andacht das 5y
alle tag der ersten schwestren aine was die zft unser frowen meti uff stund,
und lett das mit söllichem fliss das die andren dik gftt bild an ir naraent. Und
zft ainem mal da sach ain Schwester ain gesicht in ainem trom, die was also:
30 Sy dunkt des, so die schwestren [167^] zft unser frowen meti uff stundent, das
denn ain ieklichi Schwester ain klaines gelteli in der hand . . ., und so sy unser
frowen meti anflengent, so ward ain ieklich wort zft ainer schönen berlen, und
fielent denn in die gelteli, und do es an die wirdigen frowen kam, do sach sy
das ir von ieklichem wort zwo durchlücht berlen wurdent und fielent och in ir
35 gelteli, und da by verstund die schwester wie genem unser frowen ir dienst
was, den sy ir dik so begirlich tett, und joch dik mit krankem lib.
7. fnferm in dem korr., dann wieder übergeschrieben G. 11. vor wiss zuerst: blitzg f
[ergänze: schinet?], dann (r.) gestr. G. 15. 16. hut dis nachtr, übergeschr. G. 25. fürfttind
80 G. 31. vn am Rand mit Verweisungszeichen nachgetr. (7; vorher fehlt noch hat oder dgi
33. fielet am Rand nachgetr. G. 35. nach schwester [S.] sind die Worte vn da b}' bif
Slchwesterl wiederholt G.
KSnigin Ebbet.
109
Die edel künginn hat och die tugent der mitlidimg foleklich gegen alle
menschen die inbetribt und in liden warent* Und so sy joch etwas Ungemaches
an dem herlxen hat gegen etlichen menschen, und denn der selb mensch zi ir
kam in sincr betrübt und ir klegt lieibj sin liden und sy bat umb Iren rat ald
umb ir hilf, so bekümret sy sich als gelrüwlich damit als ob ir der mensch nie 5
kain laid heti geton. Sy sait och selb etlichen schwestren das ir in allem irem
leben nie mensch so laid getette, het er des selben tags ald mornent gütlich
gegen ir geton^ sy het im es lutterlich vergeben, als ob es nie wer geschechen.
Es geschach och dik, als es unser her wolt, das unsern schwestren ir lieben
fründ siurbent, und so die salig künginn sach das sy sich als übel gelifibent, so 10
wainet sy gar inneklich mit in, und von rechter mitliduwg so ward sy dik als
fast davon bewegt das es ir gar we teU und och etwenn fil dester krenker ward.
Und won wir die gewonhait wol an ir erkanttend, davon so woltend fidsaj ir die
schwestren etwen damit schonen, also das sy nit gern zt ir giengent, die wil ir
grosse betrübt nüw ald gegen wirt ig was* Und wenn sy das sach, so gieng aber 15
sy selb demüteklich zfi inen, so sy icht vor krankhatt ienen mocht, und klegt sy
denn gar getnilich umb alles ir ungemach, und das sis desterbas getrosten möchte,
so gab sy in sunderlich gebet der fninden seien die sy denn verloren haltend*
Sy erzaigt och das werk der erbarmd dik demütiklich an ünsren siechen schwestren,
zu den sy von ir grossen tugent selb in das siech hus gieng, und ret denn gar 20
miUeklich und gütlich mit in, und hat och grossen fliss wie sis nach irem Irustcn
möchte innen bringen das sy men ir liden gern hette gehulfen tragen» und gab
in mit ir getniwen red wol zli erkennend das ir von hertzen laid [tfmj was aller
der kumer den sy denn haltend. Sy hat och grosse mittlidung und erbärmd
gegen allen eilenden und armen lütion, und wa sy den ir hden ald ir gebrestcn 25
möcht han gebessret, des was ir hertz alle zit berail mit ganlzer begird. Von
disen und von andren gütten werken die die götlich gnad an ir wurkl, so haben t
wir unsern heren fil zelobent umb ir sdlig tugenthaft leben.
Das och ir leben Got selber in siner fürsichtikait geordnet hat, das ist sicher-
lich zu wissend, und das habent och gut lut dik und fil hie gesait und och her SO
enbotten das sy unser her zfi hocher sulikait und zu grossem Ion geschaffen und
erwelt hat, und ist nit zwifel daran, der almächtig Got gab sy joch by irem leben
etlichen lüten also zu erkennent das sy ir gegen liftif'»/ im geniessen sollen und
mochtend. Das ward sunderÜcb bewdrt an ainer armen frowen, die hat wol
L hier in N KaptUiübenc/trift: Wie die Telige kujiigin ein fo niitleidig hercz het geg§
dtJQ betrübtü menrclie. Däö - ix ^ CapitI 7, fo laid am Rand jtachgetr. G. 9. vnaern
w den getindtrt^ dann wieder ühergeschrieben G (dtjn Ü). Ih mitlidug G. 13, wir in tf
geändert^ dann wieder ühergeschrieben G (£y t/). 14. nach selionen üt wolt«d (r.) etngeßicMi G
{iTTtümlich}. 15. gieg am Rand nachgetr. G. 19. vnfren in vne den geänderij dann medt^
ühergeschriehen G (den 0)* 29, hi^ in N Eapitelüberidtrißt Wie der almeclitig gut in irem
leben durch die (?] zekhen tet. Das ^ % ' CapiteL 30. ri* hie am Eandf mä Verwei9Ungi-
seichen, (r.) zm tU£ Q.
110 Königin Elsbet
xxxx jar ain lame hand gehebet, und was des arms und der hand als gar un-
gewaltig das sy in den zitten allen nie kain werk da mit getetL Und nadi
disen jaren do kam ain stim an ainer nacht und sprach zft ir: ^Da soll goo zi
der künginnen von Unger, und solt sy bitten das sy dir din hand berAr: so
5 wirt sy gantzlich gesund,' Die frow gedacht das es ain tnignus wer, und kert
sich nit daran. Und an der andren nacht do kam aber die stim und ret die
selben wort mit ir als och vor. Und do wond die frow das sy gen Ung«
müste gon, und gedacht das sy das niemer gen tftn möchte, und [169^] da tod
hat sy aber kain zft versieht dar zft. Und do an der dritten nacht ward, do
10 kam aber die stim und sprach zft ir: *Du solt gon zft dem kloster zft Tiss.
darinn ist des küngs tochter von Unger, und bit sy das sy dir din hand ber&re,
so wirst du gesund.' Und do kam die frow her, und sait wie die stim zt
m malen mit ir geret hat, und begert mit grossem ernst trost und hilf von der
edlen künginen die ir unser her erzaigt hat, und do giengent die schwestroi
15 zft ir und saitend ir die red. Do erschrak sy da von, wen sy was noch do gar
jung, und sprach demütiklich: sy erkanti wol das sy sdlichi werk nit an hortiod,
und tett es von hertzen ungern; doch erhaltend sy die schwestren das sy iren
willen [i70<^] darzft gab, und gieng selb zft der armen frowen und begraif ir die
hand, und bat ünsern heren das er sy ires globen lies geniessen und ir zehilff
20 kem. Und das gebet erfult unser her, und machet der frowen hand recht
gantzlich gesund, die flertzig jar ain erlamtes gelid was gewessen. Und darnach
do bracht die selb frow etliche ding her die sy mit der hand gewürket hat, nach
dem und sy ir gesund was worden, zft ainem gewaren urkünd des zaichens das
unser her durch die waren lieby der erbarmhertzigen künginen hat geton an
25 ir nach allem irem trost.
Die wirdig Fürstin wolt sich och zft ainem mal ergon in dem bomgarlen mit
ainer sälgen Schwester. Nun hat ir junkfrow in den zitten ain [no^j brenn ofiFen
gemachet in dem bomgarten an die ringmur, da sy der sälligen künginen rosen
uflf brant, won sy von ir krankhait wegen des Wassers wol bedorft. Und do sj
30 in den bomgarlen kam, do wolt sy och gesechen wie es der junkfrowen ze-
handen gieng: do fundent sy niement da, und sachent och das das hüssli das
mit holtz über das brenöflfeli was gemachet, gantzlich was enbrunnen. Do
sprach die Schwester die by ir was: *Liebe frow, ich wil bald gon nach üwer
junkfrowen, das sy kom und das für lösch.' Des antwurt ir die tugentrich
35 künginn und sprach: 'Das solt du nit tftn, won § das ir herwider kemint, so
wer es alles verbrunnen: wir söllent gon wasser bringen, das Mrir es wol er-
loeschint.' Nun hatend /i7/«7 sy kain geschier darinn sy das wasser tragen
8. gen tun G: Verschriftdeutschung von getün? mit Anlehnung an das ul. gon, gen f?<>r In-
finitiven nach Verben der Bewegung? (gatün [?] Ü), 12. her in gen tolT geänd. G (gen töff Ü).
22. HtaU her (so nadi Zeile 2) steht auf Rasur und über der Zeile; gen töff O (gen töff Ü).
27. "offen" bren O. 35. ö] •€: G. 37. erloeschint] hier oe statt ö geschrieben G.
Königin Elabet.
111
inftchlind, won das ain bösse wann da lag, die was och ain tail verbrunnen, und
was dar zu von alter als fast zerfailen das sy zu kainen dingen gehelfen mocht,
won das man kolen ald elwas verworffens dings darin trftg. Und also sprach
die salig kiingiDn: 'Wir s61lent dise wannen nemen und das wasser darinn
her tragen,' Das denkt die schwester nit muglich, und sprach es möcht nit ge- 5
I schechen von der Ali und grösst der löcher die darinn warent. Aber die tugenthäft
künginn lait an dem demütigen werk ir Zuversicht an Got, und gelruwet im das sy
es mit siner hilf wol gelAn möchte, und nam die zerbrochnen wannen, und giengen
2Ü dem Wasser und schapftend es darin und trftgent es ainen [17 1^} langen veren
weg, und erlostend das für gantzlichen da mit das oifenhüssli umbgeben was* 10
Hieby verstunden t wir nit anders denn das üaser her durch ir liebi sin gnad
wunderlich an diser sach erzaigen wolt, als er och in andren dingen telt fil,
»Unser her hat sy mit sinen gnaden loblich gcxierti won wie edel sy von
geburt was» so was sy doch noch fll edler von manigfaltigen tugenten, mit den
sy sich liebt Got und den lütten; aber sy was alier edlest davon das sy den 15
ffisstapfen ires Schöpfers mit rechtem liden nach gieng untz uff ir end. Und
darinn erzaiget sy fil grosser gediiUikait, wie es doch dik was über alle ir krafl.
Und als sy von Got er weit und geschaffen was zt hocher silikait, also hat er ir och
geordnet die wts in der er sy beraitten wolt das ungebresthaft war lt72<^} gut
zu entpfachent, das sy nun ewigklich niessen sol. Und das fieng er mit ir an 20
mit grossem eilend» in dem sy ir leben von ir kinthait uff hat vertriben, won sy
was eilend des landes und der lüt dannen sy geboren was, und wisset och wol
das sy iemer also beliben solt und mäsl. Und won sy jung und gar zarter natur
was, da von gieng es recht über alle ir kraft libes und hertzen, won als fil sy
es mocht mit Got überwunden, der da ist ain starker hellfer in allen nötten und 25
ain wiser lerer in allem zwlffel und ain süsser trost in aller betrübt; der gab
och ir von dem iiber wallenden brunnen siner gnaden, das sy sich durch in ver-
wegen mocht der unslütten fransmütikait diser triegenden weit und aller der
herschaft in der sy geboren was. Doch fiel ir lil2^] dik nienig widermüt in,
da mit ir eilend geschweret ward, des sy doch kain ergetzen von niement begert 30
noch sucht, won von dem alain vor des ogen tusent jar sind als ain tag. Und
won sy Got so folleklich ergetzen mocht und wolt aller zerganklicher dingen,
davon wolt in och nit benügen von ir ires gaistHchen und eilenden lebens und
och maniger gütter Übung die sy hat: er tett recht als ain man der im selber
ain hüs hat an gefangen zebuwent und es och nach sinem willen beraiten will, 35
das er mitl iröden iemer darinn wonen mug, und graiff sy noch fürbas an in ir
6, grj^ffe G\ miß^ersUmden aus dSam, grflaai (gröffe tf), 11. wir in fj geändiriy dann
wieder ühergesühfieben (K 13, ffiar in N Kupüelüber^chrißi Wie fi dem leben fpi tiacii voiget
mit große eilend vml ianerlichem trang ires berede - vn vä den fweron vngehorten ricuhlftgä
die n vö jögent aaff vnez an ir ende leid. Daa x\ Caii. 22, und (por wiaeet) 1 vn (?.
28. (franfmülikait auch Ü).
112 Königin Elßbet.
jugent mit maniger band krankhait und mit manigem grossen und schweren
siechtagen, [HS"] der wir doch nit aller ze Worten bringen mugent noch kunnenl,
won das man wol da by erkennen und merken mag das des zites wenig wenig
was in dem sy Got inwendig ald uss wendig un sunderliches liden ie lies.
5 8y was unlanges zit in disem kloster gewessen do sy zft dem ersten mal ain
sunderlicher siechtag angieng, von dem sy grosses ser hat usswendig an dem
lib, und daran lag sy etwe fil zites gar kranklich. Dar nach do sy in das •nn*
jar by uns was gewessen, do sant unser her ainen grossen schweren sichtagen
über sy; der was also das sy gar dik ain lange wil geschwunden lag, und der
10 siechtag schlag ir denn och in die gelider und brach sich denn uff in dem ge-
schwinden, und das ward denn ain als unlidig und angstliche not das alle die
in grosse betrübt kom/i75»7ent die es sachent. In disem grossen liden lag sy
als emsklich, und nam och als kreftiklich an ir zft das man dik sich ires leben
verwag, und die ir pflegerinen warent, die mftstent als stetiklich by ir sinn und
15 iren arbaiten warten das inen kum die stund werden mocht das sy zft ir rechten
noiurft die spiss genemen möchtind. Und in dieser kleglichen not und roanig-
faltiger arbait lag sy von pfingsten untz zft Sant Eisbetten dult, also das sidi
der siechtag alle zit m^ret an ir und och all ir liplich krefl abnoment
Und do nach aller heiigen tag wart, do gieng sy der siechtag als gar stark-
20 lieh an das sy recht gantzlich kam von allen iren sinnen, also das sy weder gtt
noch übel noch kain ding verstund, und sprachent die arzet das sy den selben
[ü4<^] siechtagen in allen tuschen landen nie me gesechen hettind an kainem
menschen, won alain an ir.
Und do sy in diser grossen bitterkait, die sy hat an lib und an sinnen,
25 im gantz tag gelag, do erschan ir die hailig frow sant Eli sab et an ainer
nacht nach der meli und sprach also zu ir: 'Wie slat es umb dich?' Do ant-
wurt sy und sprach: ^Mir ist gar we, und sunderlich in dem hobt da han ich
die gröstten not.' Do sprach aber Sant Elisabet: 'Du hast nit diner sinn, und
dar zft hast du uu sicchtagen zu den dir kain artzet gehelfen mag; won was
30 dir zu ainem gut ist, das ist dir zu dem andren schad, und doch so solt du der
artzet rat haben. Aber won du von minem geschlächt geboren bist und ich
dir von Got gftttes schuldig bin, so han ich den gewalt von unsrera heren das
//74V ich dir din sinn sol und mag wider geben, und das dir och bas wirl an
dinem grossen siechtagen, und solt wissen das von hüt über xiiii tag min tült
35 ist: hinnen dar müst du fil liden.' Und do lait sy ir die band uflf das hobt und
gab ir die sinn wider. Dar nach sach sy sy do zemal nit me, und do die
schwestren en(;achetend die by ir warent, do hat sy alle ir sinn folleklich wider.
3. wenig wenig so G. 4. in dem bis vffwedig mit Verweisungszeichen am Rand nach-
getragen G. 4. un 1 vn (irrtüinl.) G. 4. "lies" ie G. 8. für uns steht in cnif E<ifur 0.
13. lebe so G. 32. vnfrem so G. 37. ermachetend G.
K^ni^in Elflbet.
113
und sail in das ir niüm Sant ElisahcL by ir was gewesen, und wie sy niit ir hat
gerel^ und das sy ir och die sinn hat wider pegeben. Do lobtend sy Got und
Sant Elsbelen von gantzem hertzen.
Dar nach do ward ir liden hl grösser denn es da vor ie was gewi&ssen, und
der siechlag gieng sy do fd slrenkücher an denn er vor ie hat ton. Und do 5
das vjii tag geweret, do erschan ir die sälig frow Sani /iTJ^y Elisabet und trosl
sy, und sail ir das ir grosse arbait schier gelichlret soll werden. Aber sy müst
den siechlagen die nachgenden viii lag noch pinhcher liden und krenker werden
denn sy da vor ie wurd. Und das gcschach och, won der unlidig siech tag
gieng gy do als seh wdr liehen an, und ward ir not und ir liden als gross und als u>
manigfaU das die lüversicht irs lebens Jag alain an der miltten hilf Got^ und
der haiigen frowen Sant Eisbeten.
Und do sy dise grosse martter und die angstlichen not aber die wuchen
gelaid innwendig und usswendig an dem lib und au den sinnen, do erschan ir
?M dem driten uial die sali ig Sant Elsbet an irem lag vor nieti, und sail ir das 15
sich der iiJü^j stech tag in aller wis des selben tags kreftiklicher und slarklicher
s^ilti an ir üben denn er davor ie getÄte, und das ir och denn gnad sölli ge*
schechen, und das sail sy aber den die by ir warent.
Und do vor tag ward, do ward ir als ungestüniklich we das es über alle ir
karafl was, und das Iraib sy unU wo! uff den tag, Upd do vor der vessper 20
ward, do gab ir unser her so fd kraft das sy recht in ainem unsinn uffstund
und in den kor gieng für den altar. Und do kam aber der siechlag, und übt
sich an ir in allem irem hb und in allen iren gelider mit s<*)lUcher kraft das sy
recht irs ungewaltes nider fil, und die äthwestren die ir gewartett haltend, die
kamenl ir zehilf, und also lag sy vor dem allar unsechen, unh&ren, un sprechen, *25
unlz das /!7f;^j der cofent vesper gesang. Und do sy in diser unsaghchen not
was, do foUbracht die hailig frow^ Sant Elsbet an ir das sy ir och gelobt und
verhaissen hat, und nam ir ab die ungewon liehen marter des schweren siechlagen.
Dar nach zehand do kam sy wider zu ir selber und sach uff und sprach zu ir
pflegerinen: *Hais mir bald ain bad machen t' Und do das geschach, do trüg 80
man sy uss dem bad an ir bet, won sy hat ir kraft als gar verloren das sy da
VI ganlz wuchen lag, das sy für das bell nie kam. Darnach begund sy sich wol
bessren, also das sy gar dik mochl zfl kor gon und dem cofent dienen und
andri gut! werk tun. Aber sy ward nach disem ^iechtagen nie guntzen lag recht
gesund unlz an iren tod fi76^j. 35
Dis grossen und manigfalligen notl und arbait hat sy also erliten und
überwunden das nie ungeduUig wort von irem mund gehurt ward. Darnach über
etwe fd zites do gieng sy als grosse krankhait an zu dem hertzen das sy gar
10. und (vor ir)] vn (L
Vertchreihunq für verlöre) G.
D«iit»cb0 Text« de» MlttelAlters VL
17. "defi" och (h
3ü. noIt] fiai trmeät
20. karftft to G.
t eingeflickt G.
3L verlorne (wM
114 Königin Elsbet.
dik]^lang geschwunden lag, und das sy och dik fil zittes was das sy ain wort nil
reden mocht. In diser krankhait engieng ir etwenn die gehörd und etwenn die
gesicht, und was doch als gedultig das sich davon ze wundrent und wol ze
bessrent was. Sy lag och darnach an ainer sucht gar kranklich aines mals, and
5 recht gäches do ward ir als gar we das man wond das sy an der stunnd ver-
schaiden weit. Und do sy ain gftt wil also gelag, und die schwestren in grossen
angsten //77«/ warent das ir bald ire recht geschechind, do kam sy wider und
sach das die Schwester die ir pflag, gar inneklich wainet. Do sprach sy iil
gütlich zft ir: ^Gehab dich wol! Got lait kain liden uff den menschen, won das
10 er wol waist das er es getragen mag.' Und von der gedultikait die sy in den
grossen nöten erzogt, do ward die Schwester gar wol gebesdret.
Darnach do was sy och zu ainem mal siech, und aines tags do kam ain
Schwester zft ir und klegt sy umb ir krankhait Da antwurt sy und sprach:
'Ich bin gern siech, darum: wa ich den orden nit halt als ich sölt, das unser her
15 das ersetz mit dem liden und mit den arbaiten mines siechtagen.' Und das
was och siner grundlosen und ungemessen gdti wol zft getniwen, won sy bid
gedultiklich gr//77Yosse und manigfaltige krankhait, und lait demdteklich fil wider-
wertikait hertzen und libs,- das wir doch nit alles geschriben kunnent, won das
sy unser her mit emssigem liden sinen üsserwelten fhinden folleklich gelicfaet,
20 und daran ir selten ie entlibet ward, untz uff das zit das ir Got das untAdlich
leben geben wolt umb dis kurlz schmertzlich pinlich leben.
Aber ^ das zit erfiilt wurd das ir unser her geordnet hat in disem zer-
gangklichen leben, do sant er manig wunderliches arbaitliches ser mit siechtagen
an sy, und das geschach wol im jar vor irem tod. Das erst dassy do an kanu
25 das was der fierlägig ritt: den hat sy gar strengklich, und ward davon als krank
das sy in grosse arbait kam. Und do sy das etwe fil zites geJaid, do begund er
ir sölli//78«/ch gebresten zft bringen das sy von gesuchten dik gar schwärlich
gemügt und gepinget ward in iren gelidern. Darnach über etwe lang kam sy
ain tödlicher siechtag an, von dem sy die grflssten bitterkait laid und serliche
30 not die sy davor in allem irem leben ie erlitten hat, und das was ain winden
und kriimen in dem IIb. In disem siechtagen kam sy dem tod als nach das man
ir alle ire recht tett, und das wir och alle zit ires endes wartetend. Und der
artzet, der ir krankhait lange zit hat erkennet, der sprach: 'Under drigen dingen
mfts etliches an ir geschechen: aintweder sy mfts sterben ald erlamen, ald aber
35 der siechtag mfts von ir schweren.' Und dis ward och alles an ir war, won sy
erlaid es alles nach dem aller [178^] bittresten. Aber der milt Got, vor des an-
gesicht ewigklich blügent die loblich marter siner haiigen, der wolt sy noch
wirdeklicher beraiten in die gesellschaff die mit warem trost in iemer werenden
19. 22. vnfer so G. 23. do fät er mit Verweisungszeichen am Rand nacfigetr, G. 32. wir in
mä geändert, dann wieder übergeschrieben G (man und warttett Ü). 37. bKigent die lobliclu'O
niartrcr, dann korr. loblich und marter, aber vermuüidi bl&gent in blftgt mu korr. V€rge$sen A'.
K5ni|E^in FJflbet
nr>
frflden mit im richsn«»nt, und gab ir tVist, das sj do zc mal nit starb; aber alle
ir tiatur und Ire gelider waren* darnach alle zit in sterbender not mit serlicher
bitterkalt; won der selb siechtag begund sich zerlon in allen iren lib, und sonder-
lieh da die gelaich der gelider zesamen gtengcnt, und hie von ward ir not und ir
liden als gross das sy von ir selbs kraft nit mocht kumen üsser dem bett, won 5
dar man ir mit arbaiten küm gehalf*
Und do sy in disen grossen arbaiten ain gantzes jar was {ilB^} gewesson, also
das sy nie gfttte stund gewan, und sich der siech tag alle tag meret mit nüwem
ser, do lag sy ainer nacht nach der meti an irem bett, und entpfand recht g*l*ehes
das ir die kraft gegeben was das sy kaines seres noch siechtagen enpfand an 10
kainer stat ires übs. Und do stand sy fil haimlich uff und lait selber ire klaid
an, won die schwestren schlieffend all die by ir warent, und gieng allain mit
Gottes hilt in den kor und kam für den altar. Aber was unser her da mit ir
mainte ald was ir gesch^che, das verjach sy nit. Und do sy da was gewesseh
als lang Got wolt^ do gieng sy hin wider und fand sy aber ^ille schlaffend und 15
lait sich wider an ir beü, das es nie mensch inen ward //7.'>Vi won das sy es
selber kurlxlich vor irem lod sait etlichen schwestren*
Darnach gelag sy reehl gantzlich zebett, also das sy für das mal nie
füssdrit me getett untz an iren tod» won dar man sy höh und lait, und erlametehd
ir die fäss und die bain und och darnach die hend, und ward ir selbs als gar 2o
ungewaltig wo! n Jar vor irem lod das sy ab ainer sitten an die andren ir selber
nit gehelfen mocht. Dise überschwenkelich bilterkait wuchs alle zit an ir mit
xuanigfaltiger not, won der siechtag begund an ir üssbrechen und von ir schweren
an etwe maniger stat ires Hbs, und das was ain als unlideliche marter das es
recht über alle ir menschÜche kraft was, und dis schw^*ren übt sich als fast an 25
ir liHii^} das sy davon et wenn x löcher mit ain andren hat in irem lib. In diser
sertichen not sprach sy dik mit hertzlicher begird: 'Her ich lob dich und sag dir
gnad un dank, das ich mrner gelider und alles mines tibes durch dich sol un-
gewaltig sin, also och du diner gelider und dines libes an dem crütz ungewaltig
wollest sin durch mich* 30
In disem sieehtagen was die edel künginn zu ainefti mal als krank das wir
es ai genlich da für hattend das sy sterben wölt* Und do kam ain mensch her,
der was besessen mit dem bissen gaist, und der ret fil von ir, das sy Got als
zu grosser sAlikait geschaffen hat, und sprach under [tsm} andren worten: 'Ist
das sy es mültett an ünsern heren, sy niniet ainen rob mit seien üss dem fegfür^ 35
des sich alles himelsch hör fröwet** Aber der almachtig Got, der das zil ires
lebens in siner gAtlichen wishait gemessen und geordnet hat, der wolt iren Ion
noch manigfaltiger machen. Und von sinen gnaden do lebt sy dennoch me denn
14, 'inatte" ir n. 20. gar mit VerweimngtMeithen am Rand nachgetr. (h 3L wft in fy
geämteri, dann wieder übergeschrieben G (fy Cf). 32. »kxM Her, yHU iicker da^0tandin hat, isi
lü in eingeieut O {»ü in Ü)^ 34. \\kli über ft ein e guüzi (r») Q, '
8*
116 Königin Ekbet.
ain gantzes jar, und aber also das sich ir übliche krankhaft mit grosser bitlerkait
zft allen zitten meret an allem irem lib. Mit disem serhchen schmertzen was st
allenthalben umbgeben in so überschwenklichem liden das es niement ze werten
kan bringen. Und alle die spis die sy nös, die raüst man ir in den mund geben
5 [l8i^] als ainem kind, und das nam sy gar demdteklich und gdtlich von ir nidresten
junkfrowen, die ir kochet. Und so die mit unsubren klaidern zft ir gieng, als
sy denn och in der kuchi gegangen was, so getett sy doch niemer dem gelich
das es ir wider st And, als es joch von ir grossen krankhait wegen wol geloblich
wer gewessen.
10 Nun fügt es sich ainer nacht, do die hoch gebom küngin in grossen on-
kreften lag, das das Hecht erlasch das gewonlich vor ir alle nacht bran. Dnd
do sy das gesach, do erschrak sy da von, won sy als krank was, und wackt zwo
ir junkfrowen, und sait in das das Hecht erloschen was, und bat sy ain anden
bringen. Do warent sy mdd und haltend [iSi^] fH mit ir gewachet, und ent-
15 schlieffent als bald wider, das sy es nie tattend. Und do sy das sach, do ge-
dacht sy an die arbait die sy mit ir hattend, und schwaig mit demütiger ge-
dultikait und befalch sich ünserm heren. Und darnach über ain lange wil do
erwachetend sy von in selber, und sachent das das Hecht schöner und kreflik-
lieber bran denn do sy es von erst angezündet hattend. Und won sy vor wol
20 hattend gesechen das es erloschen was, und do un aller menschen hilf so fast
bran, davon gelobtend sy do sicherlich das es von sunderlichen gnaden ünsers
heren geschechen wer der tugentrichen frowe zft trost, als och der gronlosen
miltikait Gottes und der min sines vit//S^«/terlichen hertzen wol gezam, won sv
lag un alles entliben in zünemender not alle zit, won der streng siechtag erwand
25 nie, untz das an ir natur alles das verdarb da das leben möcht ienen kain stat
funden haben in ir zebeliben. Und das lait sy och als vernünfteklich zft hertzen
das sy selber sprach: 'Ich bin darzü komen das ich des begeren mfts dar ab
alle menschen erschrekent von natur: das ist der tod.'
Do nun die zit kam das sy Got von dem eilend diser zit weit nemen, do
30 bat sy ir ain venstcr ufiF tun by ir betstat, und sach den himel an und rftft begir-
lich zu Got und sprach: 'Her min Got, min Schöpfer, min erlöser und min ewiger
be/^/8^Vhalter! sich mich hüt an mit diner grundlosen erbärmd, \xr\d enpfach mich
in din ewig vatterland von dem eilend diser weit durch din wirdiges liden und
durch dinen biterlichen tod, und las mich geniessen das ich also von diser weit
85 schaid das ich nit kan wissen das ich mensch ie gesäch das mich von sip an-
gehört!, sid dem mal das ich geschied von mines vatters land/ Do sy nun in
1. mit oben eingeflickt (r.) O. 22. frowe so G. 22. grunlofen so O. 29. hier in S
Kapitelüberschrift: Wie aDdechtiklichen Si (tarb. Das -xii* Capitel. 32. bejbehalter G.
32. und] vn G.
35. 36. von sip angehorti] die Stiefmutter und das österreichische Hersogsh<ius (Herzog
Heinrich oben 102,4) rechnet die aus ungrischem und polnischem Geblüt stammende Frinz€8$in also
nicht zu ihren Gesippten,
Königin Elsbet ^^^^^^^^^^^^ 117
disem pinnlicheR schmerizenn lag des todeSf und das zit komen was das sy Got
mit im selber ergetzen wolt alles des das sy von ufiFgender jugent durch in
ver mitten, geton a!d gelitten hat, und do gab er ir das aller schonest minek*
liehest end, umb das wir Got iemer ft^-^^J zu lobent habent. Sy hat nit alain
gantze Vernunft und erkantnus gen dem orden und dem cofenl, dem sy an der 5
jüngsten stund ires lebens danket aller der eren und der zucbt und des g&ttes
so ir von in ie geschechen was: sy erzaiget och grosse min und andacht die sy
tu Got bat, den sy in gantzer Zuversicht mit hertzen und mit sinnen an rAfl
timb die hilf slner götlichen erbärmd und sines gegen wirtigen väterlichen trogt es.
Und in dem andacht schied die wirdig sei von dem durch martreten lib, und lo
für, als wir gedingent, von der grossen armüt diser zergangklichen weit in den
waren richtum, von disem iamerlal in die ewigen fröd fiss^j^ von der krankhait
des todlichen lebens in die ungebresHichen gesundhait» von dem eilend dis un-
sichren lebens z4 der vAt erheben bainmftt des bimelschlichen riches, da sy ewigk-
lich besitzen und niessen sol das erb das ir von angeng der weit beraitel ist. 15
Do nun die edel gnaderieh tugendhaft künginn verschaiden was, do ward
gTossi klag und geschrai von gemainem cofent, als billich was, und do ward sy
enthalten vin tag uff dem ertrich, und kam ir stüffmütter und was fruraer lüt
warent, do man iren tod vernam. und do in der nacht ward, do kam sy an*
sichteklichen zfl ir stüffraütter für ir beUstat, do sy lag, das sy ir hoffjunkfrowen 20
hortend und sacbent {iS4<^j und die vor ir lagen!, und der schin ires gaistes was
lutter und wis, und schwebt zwaiger elen bocb ob dem ertrich; was sy aber mit
ir retti, das wolt sy niement sagen, won das sy sprach es niilsl by irem hertzen
sterben, won sy ktmd es laider nun nit gebessren. Und darnach tett sy untz an
iren tod ünsrem kloster TÖss fil me gnaden und gittes denn sy vor ie hat geton, 25
1- fehert^efi G. 6. "d«Dket" hm leti^ ß. 10* nach UV Ziuaisi do fi dj jar alt wsa N
(ftftti U). 12, ricbttam io G, 14. haüniit G. nach 15 in N h(er foi^tnde Erw^üerumfi
iLXXXII^^): Do Bölknt wir ai an ruffen uod pitton, dae ai uiia genad eT/LXXXil^JwefhG
nmb Got. Wunn do er pei irem leben den leutten gnade tete durcb ir liebe, so sdllent wir
im wo] gctrawen das si uub nun noch jiaa gegen Qot gehelffen müge. 16. hier in N
EaptieMUferichrifit Wie der milt got die hochgepome kunigin Eret vn wird iget mit zeichen
nach irem tod. Das ^xiij- Capitel 2b. dem kl. T. auf Rmtif^ thnn über dem rfa^r ^nfrem
wiederfiergtsieUi G.
25. Vgl H, Suktr, DKT 1U3 (23) f.: 135 J Siiflnng von Jnhr^eüen ßt osferreichisc/tf Ner^ö^
mmi derm Fatniitm auM dem Ertrag dir öüur Marcftrtin und Wtti^km ; tS^iB Scht^ikung des K^ten-
sal£€^ von Velihe^im iamt den Kinkünfien^ die Kihartf von der Kirche dmdbit mu fordern halte. *Z»
dieter ISHO aÜen LundmffUn im Thurgau und den Vögten auf Kiburg ulhU msr Kenntnis gthraehten
Schenkung hatte Agnes ihren Vaiter Radotf bev*ogen {SiaaiMarchip Zürich, Akten Toß Nr, 2f^S)J' —
Töß fültrte aus iMnHarkeit das ungarist-ht iJoppetkreiii im Happen. — Dit Verfatserin {Blsbet Staget?)
ffeuttt im ieUten Satze einen Geiinnwngettevhsd Agnesens an, auf die Ate vonsit u^gen früherer Karg-
hat gegen das Khstcr und immeiUiith gegm Prifuessin EÜaahei^ das ^Asdiefihrödel des ffUerreichiick'
^8 Königin Elsbet.
Die gnadenrich künginn hat in irem leben die gewonhait das sy alle jar
ir gantzen bicht tett in grosser begird und andacht die sy z& Got hat« dar um
das sy sich im dester bas genäcben und verainen möchte. Und das sait ir bichier
nach irem tod selber von ir das sy das wol uff sechschzehen jar hat [t84^] geton,
5 und so sy Joch nit wol etv^enn darzft beraitet was oder zfl andren zitten licht
mer gnaden darzft hetti gehebt, und won sy aber unsicher was wie es darnadi
gestanden wer umb sy, so zwang sy die g6tlich min als ver darzft das sy ir
hertz kreffteklichen kert von allem dem das sy dar an geiren mochL Und so
sy och etwenn als krank was das sy zebett lag, so lies sy es doch darum nit
10 under wegen, und hies sich zft dem bichter tragen, und bichtett denn als andäch-
tekiich und als lutterlich das ir bichter, der ain wol gelerter man was, gar wol
davon gebessret ward, und nament och unser 3chwe3tren dik daran gütt bild by
ir, allso das [i8S^] sy dester gerner gantze bicht tatend, und och dester me
emsttes und begird hattend, das sy sich darz& beraiten und gefdgen möchtind.
l& Die edel kungin, als sy was gewessen aines milten mitlidenden hertzen mit
den betnlbten in irem leben, das selb erzaigt sy och nach irem tod folleklich,
won es ist ze wissent das sy mengem menschen zft hilff ist komen das sy bat
an ger&fl in haimlichem liden und betrübt. Sy hat och den lüten abgenomen fil
grosser krankhaitten des libs und der gelider: gesucht, krankhait des hobtes, der
20 ogen und der gehörd, und den ritten und ander krankhait. Und die barmhertzi-
kaijt irer milten hilf erzaiget sy och an unser schwestren [i85^] ainer kurtzlich
nach irem tod. Die hat etwa manigen siechtagen die ir gar schw^ warent,
aber sunderlich do hat sy n die ir gar schwer warent, und also gieng sy z4
der säligen künginen grab dar nach do man ir drisgost begangen hat, und er-
25 manet sy alles des lidens so sy von iren kintlichen tagen ie erlitten hat, und
enthies ir das sy ain gantzes jar alle tag wölt gon zu irera grab mit gebet, und
ob sy von ir erhört wurd, das sy gern schaffen wölt das es von ir wurd ge-
schriben. Und mit der hilf ünsers heren do gewert die sdlig künginn die
Schwester irer bet folleklichen, und nam ir die siechtagen baid recht gantzlichen
30 mit ain andren ab. [1SG<*] Aber aüi miracul.
6. daruzü G (vielleicht doch, trotz darzu in der vorherg. u. der folgd. Zeile, als mundartl. Form
zu halten? < darezü, das e durch n zu u gefärbt*^ oder ''farbiges SvarahhaktV wie karaft bei der
gleichen Schreiberin oben 113,20?). 16. folleklich mit Verweisungszeichen am Rand nachgetr. G.
17. 18. hat gerüft an, dann an vor gerüft oben eingeflickt und das erste an zu tilgen vergessen (/.
20. vn den ritten mit Verweisungszeichen am Rand nachgetr. G {stellt in der Zeile Ü).
Ungar kchen Hauses\ nicht gut zu sprechen ist (H. Sulzer, BGT 28^)^)). Das Schuld gefUhl Agnesens,
das die Verfasserin andeutet, hatte seinen Grund jedenfalls niclU in der Blutrache für Konig Albrecht
(Greith a. a. O.), woran sie unbeteiligt war: auch die Güter aus dem Hause des Königsmorderg Rudolf
von Wart, die T^ß erwarb, verdar%kte es nicht der Huld Agnesens oder Elisabets, H. Sulzer , BGT /'>,
DKT90 (tO); der Kirchensatz von Dättlikon ward üim als Ersatz für die im Kriege zwischen Herzog
Lüpolt von Osterreich und Ludwig dem Baiern erlittenen Einbußen von Bischof und Papst einverleibt
IS44 (H Sulzer, BGT /5; Zürcher Staatsarchiv, Regesten).
Königin Ekbel.
119
Tns sait och ain andre seh wester das sy ainen strengen ritten bat, der kam
sy ie an dem andren tag an; von dem ward sy als sehwärlich gemügel etwe ßl
ziles das sy da von gar krank was- Und aines lages do gieng sy mit unstalen
in den kör, und do sy das grab ansach da die wirdig fürstin in lag, do kam
recht g^ches die begird und der andachi in ir hertz die edlen künginnen 5
ze bittend umb ir gnad und hilf, das sy ir den ritten abnem» und ermanet sy alles
des lidens so sy ie erlaid, und aller der fröden und des gutes so sy von Got ent-
pfangen hat und iemer ewigklich mit im niessen sölti, das sy sy lösti von item
{186^J siechtagen, und enthies ir das sy ain gantzes jar alle tag zfl irem grab
mit gebet wölti gon. Und unser her erzaigt aber, als er dik me hat geton, die lo
grossen lieby die er zft der sälgen frowen hat, und nam der Schwester den ritten
als gantzlicb ab das sy do zemal nie kainer krankhait me da von entpfand.
Es fügt sich och ?A ainer zit do die erlich und gnadenrich frow etwe fil
zites in dem ertrich gelegen was, do wolt man ir ain gehowes grab machen,
und die stain warent also gewürket das ir edets gebain ob dem ertrich darinn 15
rftwen soll, als och irem künklichen adel und ir haiükait wol gezimt [isr^^j. Und
do das grab berait was, do grub man sy üss dem ertrich, da sy xxx wuchen inn
was gevvessen, und do man sy herüss bracht, do begertend die schwestren von
grosser liebi die sy zft ir hattend, das sy sy gesechint. Und des getorst man in
nit gerat ten, won ir lib von grossem und langem siechtagen als gar zergangen 20
was: do sorget man das sy licht ain tail zerfallen wer. Und also tattend sy
den bom haim liehen uff, und fundent das alsus ir Hb und ire gelider als gantz
warent das joch do ir hüt noch do nie gebrochen was, wie doch ir gewand an
irem lib was erfötet. Und itS7i'j also noment sy sy getursteklich by den armen
und nidnen by den füssen, und htlbent den wirdigen lib uss dem bom in den 25
stain, also das weder irem hobt noch kainem irem gelid nütz gcschach noch och
nie entwaich noch entlediget ward. Dis was von Got wol zewundren, das der
lib, der by dem leben von unlldigem siechtagen dik an so mäniger stat ge-
1. [¥]d& in K« ffiänderi G. 3. Und ] yn O. 5. küngiiltien G. 10. vnfer io G.
13. £es Q^ 16. vnd ir bailikfiit mit Verwctmin^seeichen am Hftnd {r.) nachgfir. G. 18. und ]
vnd vn 0. 26. öch fnä Verwekungs^ikhm am Rand nachgeir&gm Ö. 38. fo fo m* 0.
14, Von ditsem 'gthauenen Grab\ da» man der Frimuun Eiisahel in der Ki&MerkircIit ^od dem
Erdreich'' (15) trrichieU^ glauben wir den NaupUeit, die Flafie, in der [S. f22) i/eifofgmden Nach-
hitdung m'edergeben *« Mnneti. Die Nachrithten über diem Grabpiaite hat J. R. Rahn summtnen-
tjeBieiii in DKT II {Dm Domimkamrinnmkl&hter TogM. IL Teil Seine Bauten und WaudgemäidCt
in: Minlgn. d. Aniiguar. Getelisck ia Zürich LXIX, Zürich W05) S\ t33: med^mtfßndung I59S,
Wiederatifitälung im Chor SG02 üder IßOH^ Veneisurtg ujüer die Kanzel i7Ö3. BamaU wM ist
durch die Erneuerung der Kirche die uritprüngliche GrahatäUe im Chor voUendf in Vergtä^enheit ge-
raten^ »0 dmß die mit der Brhehung der Geheine {I77(f) beauf (ragten Abgeeandkn Maria ThertMO» und
der Regierung t^on Zürich auf dem nunmehrigen Standort de« Grabiteim keine Gebeine mehr fanden
120 Königin Elsbet. — VerteicBgnng d%r Legende.
brochen was, das den nach dem tod das fücht ertlich in so fil zittes nit gefdlet
noch gebrochen hat.
Do nun dis legend mit grossem fliss geschriben was, und aber nach etlicher
lütt Worten die ieklicher materi ir wis und ieklichem ding sin üss richt//^««/tuDg
5 wol geben kunnent, was etlichen lütten do misslich darzü ze mftt, die alain ir
menschlich krankhait an sachent und aber nit zu hertzen laitent wie Grot mit
der frihait siner gnaden wunderlich mit ir gewürkt hat. Davon sait uns ain gar
erbre sälge Schwester in ünsrem kloster hie ze TAss ain gesiebt, die ir nach der
säligen künginnen tod in ainem trom erzaiget ward. Sy dunkt das der kofent
10 in dem kor wer, und do sach sy das gar fil heren in den kor giengent, und
warent all mit söllichem gewät angelait als die spulgent zetAn die da bellffer
sind zft der mess; under den allen was ain [18S^] gar erwirdiger her, der was
angelait als ain bischoff; der trfig dis bftch in siner band, und do sy alle für den
altar koment, do gieng der selb herr für die sidelen ston, und kert sich atn tail
15 gegen ünsers heren fronlichnam und och ain tail gegen dem cofent, und las dis
legend ald buch alles sament öffentlich, und sprach do mit lutter stim: *Was
hie geschriben ist, das ist alles war, und noch fil me das nie von ir geschriben
ward.' Und do was der gesiebt nit me,
3. grlTem O. 5. wz etliche ldtt$ i?i«f Verwemmgtzeichen am Ramd nachgetr, G (ttekt m
der Zeile Ü). 5. misslich ] zweiff liehe N. 7. vns so 0. 13. böch mü VenteUumg*-
zeigen am Rand nachgetr. O. 18. me fehU G, scheint ausgefallen^ mer N (me Ü),
(vgl. Gerbert, De translatis Habsburgo-Austriacorum principum eorumque conjugum cadaveriims p. 10;
Müller, Merkwürdige Überbleibseln von AUer-T kümmeren der SchweiU, IIL Teil, Zürich 1775, S. 7,
tnit Abbildung-, Werdmüller, Merkwürdigkeiten 159; Greith, Suso 408-, Rahn, Gesch. d. büdd. Künste
582 Anm.i *'der angebliche Grabstein der Königin Elisabet/i von Ungarn^', mein Mt/sdkerpaar S. 50\
H. Sulzer, BGT 283). In den Fünfzigerjahren des 19. Jhs. soll der Stein unter dem Fußboden der
Kirche vergraben wieder aufgefunden worden sein (Angabe eines Hrn. Rieter bei Rahn a. a. 0.)\
Greith sali aber noch, wie er 1860 berichtet, unter der Kanzel den ^Denkstein mit dem habt-
burgischen Wappen in zierlichem Laubwerk\ sicher denselben, der nach der Verwandlung der Kirche
in ein Fabrikgebäude {in den ersten Fünfzigerjahren) in das Rietersche Landgut bei Winterthur und
1898 in das Landesmuseum, zu Zürich (Raum IX) gelangt ist. — ^ach Laurentius Bosshart ward
Elisabet von Ungarn ^begraben nebend dem fronaUar im kor ze toss in eim erhaben grab^ darauf
stund geschriben . . .' Das Weitere feldt. Der heutige Stein zeigt außer den Namen der Evangelisten
keine Inschrift mehr-, aber diese (vgl. unten S. 121, 22 — 26) kann auf der Platte des dazu gehörigen
Tischgrabes gestanden haben. Als Deckel eines wirklichen Sarkophags kann er nicht gedient haben,
seiner geringen Große wegen {1,7 15 > 0,66 m; die Länge des jetzt dazu neu angefertigten Sarkophag*,
Rahn a. a. O. 134^, beträgt nur 1,64 m; eine darin begrabene Person könnte höchstens 1,45 m lang
gewesen sein). Wenn er von unserm ^geltauenen Grab* stammt, so beruht offenbar unsere Erzählung
von der Übertragung des SO Wochen hindurch wunderbar erhalten gebliebenen Leichnams aus dem
^Baum^ in den ^ Stein* (unten ZI. 25 f.) nicht auf unmittelbarer Beobachtung oder Berichterstattung,
sondern es hat sich im Kloster diese Wundererzählung an das vielleicht über der eigentlichen Gruft
errichtete Kenotaphium trotz seiner Kleinheit angehängt, was bei einem neben dem FronaUar auf-
gestellten und näherer Untersuchung entzogenen Detikmal durchaus denkbar ist. Denn dort stund
doch, zur Zeit da die Biographin Elisabets schrieb, laut üirer eigenen Angabe das 'gehauene Grab,
f 6c K t uij y #rm A hu uQg.
121
In N hier statt unserer Schlußverttmhnung die folgende lLXXXlin^<^^]i
Ntm Dement war, aller getrewsten geswistrigeten : seit dem mal sich so
diemttttiklichen und tugen reichlichen gehalten hat ein söliehe junge, schone^
zarte sweeter, die da eines gewaltigen, reichen, edlen kuniges tochter was
und ein rechter erbe aller lenderen des ganczen kunig reiches ze Ungarn,
und doch des ordens armut und großes leiden so gedültiklichen gelitten hat, S
das allen swestern wol ein pild und exemplar sein sol, die da niessent des
Ordens gemach, also das [LXXKlIII^j si mer rw habent denn ob ei lebten in
der welt| und doch sollicher tugentreicheit, diemut, geloflenheit und gedult
nit habent: dar umb in pilMchen diße selige swester Elsbet, die löbliche
künigin für gehebt wirt 2ti einem pilder, die da so getrew, fest und stark an 10
Got geweßen ist in armut, eilend, gedult, versmecht, diemut, undergang und
ander tilgenden, also daz si nun ge krönet ist mit der krön des lebens, als
die wort sprechent die an dem anfang dißer legende geschriben Stent, die
Got wol zu ir sprechen mag: Esto fidelis uaque ad mortem, et dabo
tibi eoronam vite. Biß stet, fest^ getrew und starck pis an den tod, so gib 15
ich dir die krön des lebens. Also süllent wir auch tun, mein lieben s westreu,
das wir habent grtintUche diemut, götliche mynne, gedult und ander tugent
pis in den tod: so -w^rlLXXXIV^J^^m wir mit dißer diemüttigen, leidenhaffti-
gen, gedultigen swester von Got auch gekrönt mit der krön des ewigen
lebens. Das verleihe uns allen die heilige drivaltikeit: vater, sun und 20
heiliger geist. Amen,
Biß ist die umb geschrifft und das epithaphium daz umb ir grab ge-
schriben ist: Anno domini MCCC° xxxvj, pridie kalendas nouembris objit
aoror Elisabeth ftlia Ülustnssimi principis domini Andree quondam regia
Ungarorum, soror ordinis nostri, ducens laudabilem vitam in isto conventu 25
Thös xxTÜj, annifl, hie sepulta juxta mayns altare.
der Prmstmn^ tmd am dim^^en Zmt ttammt die irhaliene Grahptaiie^ an dir — nach MäteüuTtg
von DtTekior Dr. Lehmann vi^m Lande^fnuMetim — 'Form und Größe der H'uppcnschiiiie enUehieden
auf die er^U Hälfte des 14. Jhs. htnweisen\ trotzdem die ürnomenitk ohne die St^hilde ^dem Ende
des 14, oder i(^ar dem Anfang des IfK Jhs.^ ^wsuifprec/ten träre. Daß man den Stein der lÜn^eMin^
den dk Biographin doch neben dem FronaJtur ak ein itaUiicht^ '^^erk gtMhen hat, $ehon Md nach
meiner ErsteUung wiederum erneuert hättet i*f kattm ansumhmen; daß der erhaltene dem andern
mit Tfiß in Verbindung Hehenden OHede der ungariicken Konigsfamitiey at/f weiche die Wapfien
deuten, d^ k der Käm'gin Agnei (t er§t 1364 1)^ mtm Dank für die dem Eioster erwiesenen H'Maten
als Kenotaphivm erriehtet worden Ht^ iH sehr tinwahrsvkeiniith^ da ein solches Deftkmal im Verlauf
der Jahrhtmderte get/^ß auch einmai^ und vermulüeh Öfter als da» Uirer Stieftochter, eru'ähnt tüorden
wäre\ auch war die Verehr mtg für Agnes in Toß wenigaten^ zeitweise nicht sehr groß: vgL (^en
S. 101,30 ff. 103,13 ff. 104 J. injSff. — Wir halten also die Platte S. 122 ßr den Rest des 1337
im Chor der Klosterkirche errichteten Grabmals der Prinzessin EÜsabet (\ 3L Okt. 13'Sß}, der dann
1103 aus dem Chor unier die Kanzel ver setzt und neulich ins Landesmusmm verbracht worden ist.
Die Platte hat du Form eine$ flachen Üiebek, dessen Rand ringsum von wdlenjormigen Biattrmnken
umzögen ist^ während die beiden Flachen mit symmetrisch angeordneten Ranken geschmückt mnd^ deren
üußeriit Windung jeweiien eines der vier Evangelistenieichtn umrahmt^ währmd je inn^halh der
122
Scb] uß V er m&h n u n g<
Gol der da ist ain beloner aller siner hailigen und ain erh6cher alktl
demAUgen rainen liH9<*j hertzen, der unzwil och hat dise iugenthaflen deraAligeii|
künginnen erhi'»chl by im selb und ir geben für die xergangklichen richtitiii
iemer werenden schätz der ewigen glori, die sj mit hochen f roden nun ewigk-*
5 liehen nissen ist in iemer vver^nder sicherhait. In diser gnuchtsamen fnlkomen*
halt Stilen t wir sy an n\ffen und bitten das sy uns gnad er wer b umb ünserj
hereOt won sitdemal er by irem lebenden Üb den lütten durch ir liebi so
gnad telti so sAlent wir im wo! getrüwen das sy uns nun fil basser by im
hellfen mug, und sy och gern erhiren wil.
2* vnz wil; ii^' wn awifel? (vncÄwiffeU Ü). % ricUtam 90^ ry/. Seile. If'Jf
5* wereotider 6. 9. hierauf in G l Spalte leer {für die UherncJiriß dex folgenden Leh&u da
ff, Ma^gattla VQn Ungam)\ nur ^anz unten (r*): Dz erft Capitel. — In N fotgi auf die dort dm
Schluß machende Gralm*hrift {oben ZL 7 — 10] der Beginn des Schmmternl/uckea t?on Dießenhiifem ma
dff Oherschrißi Hi« fachet odiT hept an die vor rede in das puch d' ftiff'Eiiog^ vm dm Jebeai
der Xwert'H das cloltera getiatit dieHenhoffeD ^dig* ordens in teficftfcher p[ro]ain^e.
itiitteläim Windung ein Wappen in der MSchüdfarm de» 14. Jh». iehnt. Diete Fto^^n Acz^v^Awoi (fifl
Werk als ein Denkmai des ungarischen KÖnigsltauses aus der ersten Häiße dee XI l\ JahrinrndeflL *
Der Wappenschiid mit den 3 roten und 4 weißen Balken Andet sieh — /aifl gütiger Mitieiks^
Dr. Leitmanns — auf den goldenen Wappensiegeln Künlg Emmerichs^ tVM-- 120^^ and Jadrtas U.
S2(/5 — 12S5 {ahgehildet ük dem zur M^enniums- Landesausstellung erschienenen Werke üSer die kittßr.
Denkmäler Ungar m^ Bd. /, S. 20 f). Das Patriarchenkreuz des andern Scliüdts iegegnU so ekm
Zutaten in dem Wappensleget Andreas IlL, 1290 — tSOi (a, a. O. S, 2S\ wahrend et sjioter geteiim-
lich auf einem Dreiher g und in halhierietn Wappenschild e heraldisch links neben das äitere Wappm
f^esiellt erscheint.
Wir haben für die Aufmdime der Platte und dit Erlaubnis^ dieselbe hier miedermtgeäe^ der
D^elUhn des Schweizerischen LandesmvseumSy und für die Bereitwillvjkeity dieses jeden faUs /Ir die
Ge^hichte tind Kunstgeschichte von Töß sehr wichtige Denkmal hier auf^un^^hmen^ cÄer fi-^isßmekm
Akademie der Wissensdmften unsem besten Dank anssrnprechen.
Platte des Fürsttngrahes von Töß fmaltrscheinlkh von einem Tüchgrah der Primessin
Eiiaaht(t tmn Ungarn, f f^VU*), jettt im Schweieerischeri LfttidfAmuseum zu ifwnVA
Namenverzeichnis.
Agnes von ÖBterrich^ Königin
van Ungarn 100, 8. 15.
(101, 29. 103, 1. 13. 104, 1.
117, 18 ff.)
Ainsidelen 103, 28.
Albrecht, römucher Konig
100, 7. 15.
Andreas, Andres, König von
Ungarn 98, 26. 99, 13. 15.
100, 16. 104, 18. 121, 8.
Anna 80, 19.
Aquillus, bruder 30, 8.
S. Augostinlns] 14, 14. 65, 6.
Baden 103, 11. 13. 15. 20.
Basel 96, 27.
Bassiliensis, conyentns 11, 37.
Bechlin (Beklin), Elisabet
86, 30. 87, 2. 89, 32. 90, 17.
Berchtold, brüder 39, 21.
S. Bemhart 33, 11.
Bichlense 87, 37.
S. Blassi 89, 13.
Bullach 38, 30.
Burgenden 30, 7.
Bnssnang, frow von 101, 31.
Cecilie 99, 17.
Cellinkon, Elsbet von 90, 19.
20. 92, 35. 38.
Costentz, «. Rostentz.
David 41, 6.
S. Dominicus 12, 12. 37, 31.
32. 95, 20. 96, 6.
Egipt[us?l 80, 21.
ElgÄ (Elgeo, EIgft, Ellgft,
Ellgft), Elli von 25, 11. 40,
8. 44, 2. 3. 82, 19. 20. 21.
Ellsy von 24, 28.
Elsbet (Elysabeth, ElBbeth)
Staglin, 8. Staglin.
Elsbet (Elisabet, Elsbeth),
Königitochter von Ungarn
98, 26. 99, 13. 18. 104, 11
(E. von Offen). 121, 8.
S. Elsbet (Elisabet), Land-
graßn von Thüringen 112,
17. 25. 28. 113, 1. 3. 6. 15.
27.
Endingen 39, 19.
Erckardus, meister 4, 9.
Felthain, «. Veitheim.
Fenn, Königin 99, 16.
Feronica 38, 18.
Finkin, Margret (Margretha)
33, 8. 13. 35, 4. 87, 27. 28.
Friburg 101, 31.
Frowenberg, Adelhait von
50, 1. 5. 9.
Gisla 45, 7.
Hainrich von Osterrich, hert-
zog 100, 12. 102, 4.
Heinrich, der Seüsse 4, 18.
5, 27. 7, 25. 8, 32. 10, 15.
97, 2. 35; «. auch Seusse.
Hemme 68, 3.
Hessen land 101, 27.
Hoff, Mechthilt von 84, 10.
Hugo, brÄder 71, 2. 75, 10.
Hunikon, Margret von 43, 20.
21. 22. 44, 9. 13. 21.
S. Jacob (Jakob) 76, 10. 15.
Jerusalem 11, 27. 82, 5. 9.
Jesteten, Elsbet von 49, 22.
Johannes, hertzog 100, 16.
S. Johannes (Johanns) 38, 35.
47, 6. 76, 10. 16. 93, 25.
Jop (Hiob) 22, 15.
Joseff 80, 21.
8. Katherina 68, 10. 16.
S. Kath er inen k lost er in Frei-
burg 101, 31.
Ratherinatag 64, 9.
Rlingenberg, Mezzi (Margret)
45, 1. 2. 3. 22.
Rlingenow 38, 26.
Klingenow (Rlingenowe),
Anna von 36, 26. 27. 28.
38, 83. 39, 35. Lüki von
38, 26. Sophya von 55, 4.
5. 6.
Rostentz (Rostenz, Costentz,
Costantz, Constanz), Willi
(Willy) von 4, 18. 39, 24.
48, 8. 9. 27. 80, 11. 99, 18.
Mechthilt von 92, 38. Con-
stanger bistum 3, 29.
Riingsfeld 100, 19. las, 15.
124
Namenverzeichnis.
Levi 90, 14.
Liebenberg, Beli von 29, 29.
30. 31, 7.
Lindow, Adelhait von 85, 22.
23. 24.
Lucas 95, 12.
Lucia 47, 9.
Liitisbach, Beli von 84, 19.
20. 21. 28.
S. Margret, Margreth 23, 32.
24, 4. S. Margret von Un-
garn 101, 9.
S. Margreten gebett 23, 26.
Maria Magdalene 6, 18. 19.
S. Marx, der EoangeliU 13,
21.
Mathens 95, 18. 96, 13.
Meier, Bruder Johannes 1, 1.
Mezi, Elsbet von der 35, 6.
Münchwil, Offmya (Ofmja)
von 32, 1. 2. 3.
Neuenbürg, Adelhait von
93, 25.
Nürenberg 96, 28.
Offen 99, 18. 104, 11.
Oningen 103, 7.
Österrich 100, 8. 12. 102, 4.
103, 7.
Paiger, Baiem 100, 6.
S. Paulus 39, 29.
S. Petter 12, 23. 38, 36.
Pletin, Kathterina (Katho-
rina) 43, 5. 6.
Raguel 1, 5.
Ritterin, Juliana 36, 24.
Rudolf, römischer Konig 101,
31.
Sara 1, 5. 98, 16.
Sch&f lin (Schefflin), EUbet,
Elsy 22, 1. 2. 25, 14.
Schalken (Schalchen), Belli
von 83, 17. 19. 20. Richi
(Riebe) von 84, 5. 14. 15.
16.
Sch6nenberg, Gütte (Gntta)
von 35, 26. 27. 28.
Schnlthasin, Jdzi 25, 19. 69,
17. 18.
Schwaben, Schwaben land
100, 17. 21.
Sobach 42, 27.
Sensse, Seüsse, Heinrich der
4, 19. Das Senssen pnch,
des Seoßen pnch 5, 7. 10, 7.
96, 25.
Sidwibrin, Mezsi (Meue) 28,
I. 3. 29, 25. 26.
Solomon 3, 13.
Staglin, EUbet (Elßbeth,
Elysabeth) 2, 11. 3, 2. 10.
II. 15. 26. 29. 4, 23. 5, 21.
6,14. 7,1.25. 8,30. 9,19.
10,21. 11,20.30.36. 93,5.
96, 24.
Stanz, Machthilt (Mechthildt
Mezzi) von 60, 25. 29. 63, 7.
25. 67, 34.
Sulz, Ita von 20, 1. 2.
Sulzerin, Ita 79, 12. 19. 81, 24.
Sure, Beli von 41, 21. 24.
Tetingen, Gepe von 92, 37.
Tcuthonia, Deutschland 98,23.
Thobias: bücHThobie 1,3.4.
Thomas, Sant 12, 23.
Tdsae, T688 1, 3. 2, 11. 15
3, 11. 16. 32. 4, 14. 11, i
17, 7. 35,20. 79,24. 98, a
24. 26. 100, 22. 117, Ä
120, 8. Thös 121, 10.
Tftngen, lU von 35, 15.
Turicenaia, frater 11, 37.
Tdringen 101, 27.
Ungarn, Unger 98, 26. 99, li
100, 7. 8. 11. 18. 101, 7. 26.
102, 19. 103, 6. 110, 4. 7.
120, 22. üngari 121, 9.
Veltheim (Felthain) 35, 2.
69, 11.
Waltter der Toss 100, 1.
Wansaseller, Anna 46, 18. 19.
47, 11. 12.
Wediswil, Mechthilt von 85,
9. 10- 11.
Weszikon, Ite (Ita) Ton 17,
1. 8. 18, 17.
Wülin, Margret 25. 30. 83.
Win 100, 10.
Wintertur 59,27. 69,9. 77,9.
Wintertur, Beli von 40,15. 16.
17. Getrut von 48,30. 31.32.
Wolfran, brüder 67, 1.
Wurmenhnssen, Elli von 24,
21.
Zolnerin, Elisabet 41, 12.
13. 14.
Zürich, Zürich 3, 16. 29.
77, 10. 103, 20.
Zürich, Margret von 36, t^.
7. 8. 45, 18.
Wortverzeichnis.*)
ainbaren vb, vereinigen 58, 3.
34.
ainbarung f. Vereinigung 58,
4. 34.
ainig adj, einzig; das ainig
gut = GoU 61, 2.
ainikait f, Einsamkeit 62, 6.
ainvaltent adj. einfach, einzig?
98, 31.
aklain, s. klain.
alleluia, s, legen,
allwegent adv. immer 39, 8.
allwent, alwent adv. immer
27, 16.
alt (= ald) conj. oder 49, 6.
alter m. Altar 20, 26. altar,
alltar 20, 29. 32, 15. 33, 3.
38, 22. 39, 11. 45, 25. 51,
7. 8. 56, 6. 57, 2. 60, 19.
63, 12. 67, 29. 30. 82, 31.
88, 15. 89, 14. 15. 104, 15.
107, 28. 113, 22. 115, 13.
120, 14.
altvatter m. {M) Patriarch
7, 27.
amacht /•.(ilf) Ohnmacht 97,29.
an {ma. < ain?) ort. ein
23, 28.
an[e] tit., d. pL anenen {E)^
Ahn 10:^,21.
angeng ». ? (E) Anfang 99, 1.
117, 15.
anlut, antlut, antlit n. Antlitz
42, 22. 46, 26. 47, 3. 66, 24.
74, 22. 75, 36. 78, 26.
an mütten vb. (E) c, acc, der
Pers. w. d, Sache, einem zu-
muten, von einem verlangen
102, 33. VgL muten.
ansichteklichen €uiv. {E) sicht-
barlich 117, 19.
antipbon, antifone f. Anti-
phone 28, 22. 86, 17.
arbets&Iig (<C arbeit-) adj. {E)
sorgenvoll, elend 104, 13.
dBo adv. (M) = also 12, 21.
ander (< ftder) 18, 7. 66, 32.
ausgescheidenlichen adv. {M)
ausdrücklich, ausführlich
98, 6.
balme m. Palme 31, 2. 4.
begenen (<: begegenen) be
I gegnen 71, 23.
: behalter m. (E) Retter 116, 32.
< beliben: subst. inf n. = ein
ewig, stet b. Ausharren,
Ruhe? 73, 31. 37.
berle f (E) Perle 108, 32. 34.
beschaidenhait f. Vernunft,
gute Sinne 94, 21.
beschnitten adj. (M) ge-
schnitzt? 97, 24.
beschöwd f Anblick 58, 36.
beserlich adj. {M) zur Besse-
rung dienend? 3, 23. fgL
bessren 102, 29. 31; bess-
rung 105, 13. 114, 4. 11.
besprengen v6., den Weihwedel
führen 28, 22.
betstat, bettstat f {E) Bett-
statt 116, 30. 117, 20.
betten c. dat., das Bett bereiten
19, 3.
bewegt f. Bewegung, Wider-
willen 51, 32.
bewerrd f ? 80, 34.
bietzen vb. (E) < bdetzon
flicken 103, 2.
bildlich adj. (E) = billich
(117,17, bilich 105,5) 103,28.
bletz m. Fleck, Flicken 18, 15.
bietzen vb, (E) mit Flicken
besetzen 103, 2.
*) Die mit dem Beisatz '(ilf )* versehenen Worter und Formen sind dem {mitteldeutschen) Texte
Johannes Meiers von 1454 (SS. 1^12. 96,10^98,30. 120, 19 -- 121, 10) eigentümlich, die mü
^{Ey bezeichneten dem {durch die häufigen Langenbezeidmungen von dem Haupttext sich unter-
scheidenden) Leben der Königin Elsbet (Ä 98—121). Vom WortschaU sind die auf das Kloster
und das Klosterlehen bezüglichen Ausdrucke besonders berücksichtigt und ausgiebig belegt.
126
Wortverzeichnis.
blikschoBS n.Blüzürahl 23,28.
bluklich adv. schucfitem, ver-
legen 92, 2.
bom m. Totenbaum, Sarg 30, 4.
119, 22. 25.
bomgart[e] m. 37,7. 40,23.
77, 4. 110, 28. 30.
b688 adj. {E) schieeht, schad-
liaft 111, 1.
brege f. Predigt 36, 1.
bregen vb, predigen 77, 2.
breger m. Prediger 77, 2.
103, 9.
brenn offen m., bren6ffeli n.
(E) Brennofen 110, 27. 32.
bülfren vb, zu Puher ver-
wandeln 52, 8.
capitel hus n, Kapitelhaus
46, 27.
collect f. KoUekte, Altargebet
21, 16.
complet, complett, cnmplet,
cumplett /*. Komplet, abend-
liches Gebet 14, 25. 23, 27.
24,7. 26,23. 28,15. 55,32.
62, 19.
criatmefls f, Messe am Christ-
tag 47, 33.
crutzgang s, krützgang.
danknem adj. dankenswert, ge-
nehm 24, 26.
danut s. dennen.
denen adv. von dannen, fort
24, 2.
dennen, vb., prt» dannt, dehnen^
strecken, ricliten 78, 34.
disciplin f. Bußübung 23, 6.
26,16. 40,22. 43,9. 45,5.
16. 83, 27.
dormiter, dorrmitter, tormen-
tar, tormitar «., Dormitorium
23,3. 26,21. 26,25. 57,9.
81, 19. 93; 2. 108, 26.
drisgost m. (E) dreißigster
(Tag) nach dein Todestag
118, 24. Vgl. sibende.
dult f Fest 105, 31. 112, 17;
tult {E) 112, 34.
dunsttag, donstag, grosser,
Hollendonnerstag 63, 31. 71,
28.
durchfallen vb. {prt durch-
fult) fällen, durchnässen
62, 21.
durch martren vb. (E) durch
Martern ersdiöpfen 117, 10.
ele f Elle 36, 25.
eilend adj, heimatlos, enterbt
111, 22.
eltren plur. tant. Vorfahren im
Orden, ehemalige Ordens-
schwestern 16, 14.
emiten adv, (<: enmitten)
mitten 54, 3.
emsig, emssig adj., emseklich,
emssklich, emsklich adv.
fleißig, beständig 112, 13.
114, 19.
endlich, entlich adv. voUr
ständig, ganz und gar 18, 1.
55, 24.
engelschlicher grutz m. Ave
Maria 84, 30. 81.
entheissen vb. geloben {E)
118, 26. 119, 9.; sich e.,
eine Wallfahrt geloben 69, 12.
entliben vb. (E) unterbrechen^
aussetzen 114, 20. 116, 24.
ent pfenklich adj. empfäng-
lich, teilhaftig 80, 33.
enzüken? enzuken ?: pt. pf.
enzukt entzogen 75, 11.
erarnen vb.{M) verdienen 6,4.
ergetzen vb. (E) c. gen. etwas
vergessen machen, ersetzen,
wofür entschädigen 111, 32.
117, 2.
ergetzen, subat. inf. n. [E)
Ergetzung 103, 25. 111, 30.
erheben, sich vb. geschwollen
werden 51, 23. erhaben,
ptc. pf. heiliggesprochen 13, 2.
erschiessen vb. ausschlagen.
wol e. gelingen 82, 29.
erechinen vb.: prt. erschan
21, 29. 31, 31. 86, 18. 44,
23. 52, 25. 69, 1. 80, 32.
81, 19. 84, 25. 85, 15. 9«,
23. 108, 7. 18. 112, 25. 113,
6. 14. Vgl. schineo.
crschmiren vb^ lächeln, mf-
lachen 41, 9.
estrich n». Fußboden mü Stet»-
Pflaster 26, 13.
etica f. (<r hectica) Sckmiad-
ewAi 52, 20.
etter m. Okeimj Vetter 30, ]t>
f s. attch V.
fedemly n. Fädehen 52, 7.
fegfür ». Fegefeuer 39, 2. a.
feilen vb, niederwerfen 62, 4
feltziech (<r feltaiech) adj
aussätzig 50, 25.
fenster n. /) {Rede-^) FauUr
69, 24. 2) Fenstemisdtt
(Nische überhaupt?) 80, 29.
fenstrerin f* die am Rede-
fenster Auskunft gibt 60, 2.
Vgl, gesellin ze dem feii>
ster.
feren, ferren vb. fem uxrdea,
sidi entfernen 72, 21. 75, 8.
ferly n. Ferkei 37, 27.
fölli f Fälle 60, 3.
fransmütikait f. {E) zu vrast-
munt stf. StandhaftigM.
Herzhafligkeit, vrastgemonde
adv. herzhaft (Mhd, WB III
S95b)? Oder zu fransisch
= franzosisch , fremdartig,
Schw. Idiot. I, 1311?
frieg (< fri) frei 42, 7.
fritag, stillerÄTor/reita^ 62, IS,
63, 11. 14. 94, 23. 27. 28.
fronlichnam m, Fronleichnam
46, 11. 74, 6. 120, 15.
frümen vb. zubereiten, zureclu-
machen, anfertigen 26, 16.
45, 30.
fründ m. Freund, befreundä^
versöhnt 108, 23 ; Vericandter
109, 10.
fründ adj. verwandt 101, 27.
füllen vb. = nüid. viÜen,
sehinden, geißeln, strafen?
22, 10.
Wort Verzeichnis. ^^H
^^^WBr ^M
furapflti n., Spanf^ Schließt
liete die Bemnnmg GG, 14.
gAnlichi /; (Sehreihf für gM- ^^B
am Kkiä 45, l6.
07, 24. 105, 27. pt. pf. ge-
lichi) ilerrlichkeit 68, 28. ■
fiiBsdnt m.{E) FußtriU 115,19^
schwunden, heimtßtlm 112,
H
fustüch {Schreihf. f. fustiicb)
9. 114, 1.
haimlichi f. heimische Behau- H
n,Fußtu€h 52,29 (vgLAnm,).
»uh»t das geschwinden, Be-
»vng 61, 19. H
umßiioiigkeit 22,22. 112,10.
hainimit {< heimnt) f {E) H
gich udj. ßähiümuf 102, 7,
gesehen vLz gesach dich Golf
Heimat 117, 14. ■
[^^die] gethe, gehe f
'Goti hat dich angaehen'l
hainstiir f.lE)i= heim-) Aum- H
SehneUi'gkeit: in ftiner g.,
Neil dirl 25, 3. 5S, 20. 21
Mteuer 100, 13. 102, 27. ■
p/Siziwh, Bofm 23, m, 82,7.
(ü .inm). 59, 35. 71, 25.
hfl ua Wirt tn. (^/) Hmmlterr H
PTJichea, göches örfü. pBtziwh
gesellin, geaelHn» f. Dmkü*
97, 9. ■
113, 5. H5, 9.
niuin ? Dienerin ? 40, 32.
heben vL, pH. cj. 3. pL hettin ■
gftdem n, ? H'VinpewiflcA; des
62, B\ gesell in ze dem
( Vermischung von heben und H
gädema und der seien pfle-
fenater 61, 21 = fenstrerin.
haben, mie noch hmite aiam.) H
1 gen 82, 27.
1 gohijgt, n. ? Gedmhinii 33, 14.
geeicht f {E) Oemht, Vitlon
haken 85, 13. H
120, 18.
heinnacht adv. {AI) heut nacht, ^^^B
49, 23.
gespuntzle) m. Brmtligam
heunt 5, 14, ^^^^
gojeren « geirren) trren,
102, 37.
heiaslich adj. hitzig 77, IL ^^H
hindern 61, 14
gesi'icht ». Gliederschmerz 53, 6.
herd m. (£) Erdhoden 104, 20 V
gelaicb li. (£) (?e/^ife 115,4,
114, 27. 118, 19.
(nff den herd ald uW d\M H
gelÄBB ?i. 7>j«, Benehmen 60, 29.
gcewistrigeten n, pL (M) Ge-
erd). Vffi berrt. H
gelfen üä, prahlen 68, 22.
»ckwater^ Schiteüem {An-
herhoro, h^r hom, Heerhorn^ H
geloßenheit ^. (i>/ ) GüUetf^ehtn-
rerfe des Schrifhieliers an die
Poiatine 34, 8. 39, 25. ^Ä
heii 120, 26.
Nonnen) 120, 19.
her in adj. hären 26, 14. ^^^H
gel teil n. (E) kkiner Zuber
getüratikeit /'. (M) Kühnheit
heriy ». Härchen 39, IL ^^^H
(noch ma. Gelte, GeitltVi
7, 5.
herrfc m. £rrfe 42, 10. VgL herd, S
SüAw. IdiQt II, 2Sl) 106, 3L
gotuTstikl ich , geturiteklich
himelfdr|w| adj himmelhtau H
33. 35.
adv. kültnlidi, helterzt 23, 4.
64, 29. ■
gemaind f. Gesamiheii der
HO, 24.
hinderkomen vb. (M) m^ Akk, ■
Nonnm ? 14, IL 49, 13. 15.
gewarlich adü, vmhriieh, su-
d. Fers., üherkommen^ üher- H
16. 51,19.28. 80,36. 92,1.
certäuig 24, 10.
iräliigen 97, 26. ■
gemerlich = jetnerlich üdj\
gew&t[e] ». {E) Kleidmg
hinal eichen eb. {M) hin- ^^H
jämmerlich 26, 22.
120, IL
schleichen, mch verlieren 3, 23. ^^H
gern esse adj. {3f\ an ff erneuen
gewirbig adj. {M) tätig, arbeii-
hobtkÜMj n, Kopfkissen 26, ^^B
5, 32.
mm 4, 12.
^M
gen adv* vor in f. nmh t^L d.
glesten vh. {pH. cj. 3. pi^
hobt schidel f. Schädel 40, 13. ^^H
Bewegung i gen tön {E)
glast ind) gUimen hl, 33.
hochzit n. Festlag 104^ 7. ^^H
110, 8? Oder < getnn?
Gottes frewnd m. {M) GoUef-
hoffjunkfrowle) f (E) Hof- ■
genächen, »ich vh. {E) *icA
freund 4, 7, vgL frewnd
fräulein 117, 20. ^^|
nähern igeietig) 118, 3.
Gottes 5, 33. 34.
ho0'mfttstQrin f (E) Erziehen ^^H
geanchgÄin adj. reiehHek, ttre-
grät? gret? tn.? f.? Stufe, pL
^^1
mend 31, 8,
gret 58, 18, grÄten (dat.]
hik hörn, #. her hörn. ^^^|
genuchsflmlich adv. in Fülle,
88, 30.
hnnert (= hundert) hundert ^^H
siromu>ei8€ 29, 9. 105, 22.
grJBB gramen pL knirsekmi
74, 34. VgL sunerlich. ^^H
geruBch n. Geräusch, Alami
76, 9.
hurt f. Reisiggißeckt 26, 12. ^^H
34, 22.
grandios, adj, (^mnlos £) ii«-
27, 3. 35. ^W
geachier (<: getchinre) ». {£)
ergründlieh 39, 27. 116,24;
ho wen t^. ^ gehowes grab {E) ^M
Gmchirr, Gefäß 110, 37.
da^ grundlos gnt Goü^l, 13.
Grahmtd aus gehauenen Stet- ^^^M
geschwinden 1*6., unpert. c.
gruBseliche suft^t Grausen,
nen 119, 14. ^^M
dfji. mir geeehwindet, ©er-
grauiliches Hören 14, 22.
huwlen vL heuien 50, 2. ^H
128
Wortverseichnis.
icht ftron. etwa», wohl 72, 21.
88, 29. VgL üt.
ienen adv. irgend.
icren (•< irren), geieren vb,
e. gen, {E) irren, hindern an
106, 28. (geiren 118, 8.)
innerkait /*. Vereinken in sieh
geliuU, Entrückung 39, 25.
inwenndikait /*. Inneriichkeil,
Andachi 43, 4.
kaiDeat « keines) keinmal,
memaU 28, 13.
karaft « kraft) (E) 113, 20.
kelerin, kellerin f. Keüer-
meisterin 21, 4. 23, 3. 35,
10. 89, 4. 6. 10.
kemnate f. inneres heizbares
Gemacht 40, 10.
kestigung f, (M) Kasteiung,
Selbstpeinigung 7, 30.
klain adj.: ain klain, einwenig
28, 8. 49, 23. 61, 10. 79, 21.
aklain dass. 32, 9.
klainet n. Kleinod 103, 14.
kleffner m. Klamer Wein 27,
29.
klewli n. Klaulein 59, 7.
klosnerin f, Klausnerin 39,
19.
klosBDcr m. Klausner 35, 2.
köpf, kopflP m. Schale y Becher
35, 21. .S3, 31.
kor m. Chor der Kirche 17, 18.
18, 5. 20, 25. 29. 21, 2. 6.
11. 13. 15. 23, 16. 29. 33.
24, 8. 15. 26, 25. 26. 27.
27, 2. 3. 13. 28, 10. 15.
30, 28. 33, 27. 37. 12. 38,
16. 39, 10. 13. 41, 18. 42, 9.
44, 3. 45, 30. 46, 2. 3. 12.
48, 1. 49, 26. 51, 15. 55,
18. 21. 56, 5. 59, 12. 61,
14.15. 16. 62,1. 63, 9. 11.
71, 32. 80, 5. 82, 2. 30.
83, 27. 92, 21. 27. 30. 31.
32. 34. 93, 24. 104, 15. 27.
105, 27. 106, 7. 107, 26.
108, 1. 3. 24. 113, 22. 33.
115, 13. 120, 10; linger kor,
linke Choruite der Kloster-
kirche zu Tofi 24, 16; iet-
wedrer kor, beide Chorseiten
und Sängerchore 31, 1.
krützgang, criiUgang m.
Kreuzgang 61, 22. 80, 4.
krdwen vb, (E) kauern? 107
30; Fehler für knüwen?
kugelte] f. Kugel 19,33; Ka-
puze 26, 28.
knmerlich adj. adv. mü/isam
45, 24.
küng, dry: Kapelle derselben
27, 3. 4.
küngen (< küngin) (E) Köni-
gin 107, 25.
küntlichen adv, {M) deutlich
97, 19.
küntaam f. {M) Kundsame,
Kunde 4, 24.
layge {s. auch lege) Laien-
Schwester 79, 12.
leblich adj, {M) lebendig, prak-
tisch? 5, 31. 10, 33.
lecchtor n. Lectonum, Lese-
puU? 51, 18.
lege, laige, layge : legen scb we-
ster, laigen Schwester Laien-
schwester 25, 12. 82, 20.
86, 17.
legen vb.i das Allelaia legen
71, 28 (u. Anm.)
legend[e| /. {E) Legende 120,
3. 16 (legend ald buch).
leiderinn /*. {M) Dulderin
97,8.
leidenhafftig adj. {M) leidbe-
drückt 121, 2.
lemund m. (31) Leumund 3, 20.
Vgl. lund[e].
leserin f. Vorleserin bei der
MahlzeU 48, 17.
lichnam: Gottes 1. Fronleich-
nam 80, 36.
lieben, sich vb. (E) c. dat.
sich beliebt machen 111, 15.
lucerne /". Leuchte 58. 2.
lücht adj licht 36, 4.
liindfe], Idnden m. {g, lundens)
Leumund 22, 23. 38, 6. Uö,
21.
liippriester m. Leutpriester
87, 37.
müglich « m>lich) <u(/. (£)
jungfräulich 107, 6.
magt f.z die xi toaent megt
(in&^) 30, 22. 28. 68, 16. 17
mainen (gemainen?) vb. (E)
trs,j Sachobj. durch mit e. i.
ausgedrOckii Liebe beueisn
durck, beschenken mä 103, 15.
{fVeOeretUwicklung der Be-
deutung von Mhd. WBIl, l
/07* 4; vgl. noch mhd. einen
verehren mit).
maistenchaft f. Vorsteher-
scha/t, VorgezeUU 18, 16. 2iJ
mal n.i an mal cmßerhalh der
fesigeseteten Zeilen? 9;^,2Ä,'^.
martrer m. Märtgrer 102, 2.
maae /. fleck 58, 6.
maaalaide /. Überdruß, Ekel
vor dem Ezeen 81, 24. 27.
mesa /. Meeze (14, 27 gegen
die Hz,, vgl. eu 83, 27),
mess n. Maß 91, 14.
meti, metti, mety, metty j.
Matutin, Mette 26, 26. 34, t-.
40,21. 41,2. 46,3. 01,17.
33. 56, 5. 61, 33. 6.3, 3. 04.
9. 71, 28. 72, 1. 17. 83,2.
92, 20. 21. 24. 26. 27. '2iK
106, 6. 108, 27. 30. 32 (unser
frowen meti). 11*^,26. ll^J,
15. 115, 9.
meti buch n. ein {besondere
großes) Buch zum (lebmuih
bei der Mette in Töß f^-
stimmt 70, 9.
minn bewegnng f, liehtrollt
Erregung 65, 35.
minnesich adj. (M) liebeftkrank
97, 17.
min wund adj., liebe^urund
65, 4.
minzaichen, die fünf, Wund-
male 46, 5. 50, 20. 64, 7.
65, 18. 19. 69, 3.
11
1
Wort verzeichn la .
129 ■
mlsslicb adt\ (E) vencMedeni-
pildor m. f i^) For^örf, oötäiM-
ringmnr f. (E) Bingmauer des ^M
ii(A, kritüch 120, 5.
/«rAer Memeh 120, 2B,
Klöitere 110, 28. ■
moment adp. (E) kigs darauf
pingen iJ^, peinigen 22, 13. 16.
rittje] m. Fieber 40, 12. 13. ■
109, 7.
78, 16. 114, 28.
69,6. 71,29. 114,25. 118, ■
tnnm f. {£) Muhme 113, 1.
pinn /: fta», Strafe 44, 24,
20. 119, 1. 6. 11. ■
DiBten V*. {E) c. dat. d. PetM.
71, 27. '
ritter, die x tuaent 6S, 17. H
zumuten j an^mnen 105, L
pinnllch adj, (E) peinlich
roh m. iE) Rauh 115, 35. ■
115, 35. V(fl anmütten.
117, h
rdböblain n. (Mj Saiteninetru- ^M
iiiuttwill[e?] MuiwiUe, Spid
pomerin f. Pförtnerin 23, 15.
ment 5, 16; s, Anm, ^M
78, 3.
port f, Pforte 23, 16. i
rueblen *?ä. mehem, brüUm ^M
prim f* prim zitt /'. /Vm»
53, 2. ■
nacht liecht n. Naädlichi 45, 26.
erste Morgenstunde 26, 30.
runa m. Fluß, Erguß 64, 25. H
naiBwas pron. eiwai 33^ 5. 45,
61, 33.
65, 10. H
14. 60, 14. 81, 17.
priorin f Pri^n 47, 24 67, 6.
^H
natter f. Nüäer 23, 2.
68, 14.
aalter, saltter (vgL paalter) ^M
nisaen vb. (E) < nias«en, ge-
proTincial* profineial m. Vor-
m. Psalter, Psalm 30, 3. 34, H
nieuen 121, 15.
getetiier äner OrdenMprm>in£
10. 40, 22. 41, 6. 46, 22. ■
non f. None, neujiie Togm-
28, 30. 67, 1. 75, 10.
49, 9. 94, 34. ■
munde 27, 3, 53, 8, 62, 25.
psalter tn. Ptaiter 49, 13. Vgl
aamhaft adj. gantlich 26, 4. ^|
66, 24.
satter.
sehall m. lattie Fröhliebkeit ^M
Dovken maiatri f. Novhtn-
pnnct[6] m. Punkt, Augenhlick
78, 3. ■
mmxierin 51, 13.
77, 6.
Bch apren < aehaperfin, fr^. ^M
nun adv. /) nm 17, 7; S} nur
cbaperon, m. Mantel mit ^M
(< nuwan, niht wan) 24,
recht rt.; ire recht (E) die
Kapuze 26, 28- 64, 22. 80, 8. ■
25. 63, 35. 85, 13.
ihr gebührenden Sterhtmkra-
Bt: henken vb. als Badegesehenk ^M
nnntf 9. nüt.
mente 114, 7.
geben 103, 11. B
mit, fron. nkhUi mit tiutj^
red vßDiter n* Redefentter
echenkfaaB n. O^aß zum Au»- ^^^^
mii ni^tm 33, 5; nuDt
26, 9>
schenken 35, IL ^^M
42, 13.
regel fasten f, pL, Fas^n der
achif Ij f». Schiffchen 19, 32. ^^B
ndt^lg «^ iiuB2]g, nmnmg 92,
Hegd 34, 13. 14. 40, 18.
Bchimpffen {ßt) =^ ludere 1,9. ^H
20.
83, 28.
achiuen vb.: prt ächan 31,33. ^M
niiwi f Nffuheitj ersUr Anfang
reie m. {M) Reigen^ Tanzweise
82, 4. Vgl. erachinen. ^M
94, 2.
5, 17,
acbinak m. Geruch 12,19. 31, ■
reiesen vh. (M) reiBen^ anregen
4. 5. 92, 32. ■
offen m. Ofen 75, 3L
6, 1.
acbmeken vb, (inir.) riechen ^M
offen büsili n, (E^ Öfenkäm-
Teiielich adj. {M) reisend, ein-
{inir.) 92, 33, ■
chen^ im Baumgarien des
ladend, förderlich 2, 17.
Bchonen vb. {E) c. dat. und ^M
Elosier» siehcnd 111, 10.
rekolte f.t Waehholder 40,
mit; einen mit etvxu ver- ^M
ops 71. Öbii 60, 13. 15.
22 \ rekolter m.t daudhe
%chonen 100, 14. ■
ordenhaft adj. ordenggemliß
18, 23.
sebdachel f. Schüssel 65, 22. H
33, 22. 40, 17.
reventar, refentar, reffentar,
104, 33. Danebem achibael H
rsfetar n. wi. Refektorium
105, 8. ■
paten; patten f. Pttten&j
18, 6. 24, 20. 34, 13. 15.
schwach adj^ gering 103, 5. ^H
Sehüu0i 32, 28. 33.
48, 17. 40, 11. 51, 19. 61,
Bch weglen vL die Pfeife spielen ^M
patternoflter n. /) Unserpotm-^
17. 67, 6. 68, 8. 81, 20.
62, 3. ■
2) RotenkranM aui kleinen
83, 22, 25. 90, 29.
acbweren,schwer6n { < awörn) H
Ringen zum Btim de* Unser-
riechUch adj. ? 77, U.
vk (E) schu^^m 114, 35. ■
tfoiers 80, 26.
richsnen oä. herrechen 115, 1.
115, 23. 25. ■
pMod f F«rjor^«^, Speite
richten oÄ. kiten^ in Ordnung
Bcbwjglkh^r f. Schweigsamkeii ^M
46, IL 17.
hatten 49, 26,
{ais Bußübung) 23, 10. 62, 6, ■
DntKh« Toxte du Mltt«lalt«ii V
L
^^H
130
WortverseichniB.
schwimen vb. (M) schweben
10, 3.
schwinden vb. impers. vgl ge-
schwinden,
seb « selb) pron, selbst 56,
34. 58, 36.
seigen » mhd, sigen vb. (M\
sinken 97, 29.
sei f.: der sei warten, mifs
Ende warten 67,4; der seien
pflegen, für die Totenämter
sargen 82, 27.
selgret n. Vermächinis für das
Seelenheü 49, 20.
seltzen adj, seltsam, wunderbar
31, 14.
sengerin /. Vorsängerin? 45, 3.
46, 1.
ser n. Schmerz 19, 4. 41, 7.
42, 28. 35. 52, 21. 23. 56,
16. 17. 25. 29. 57, 17. 60, 4.
6. 11. 62, 15. 64, 21. 28.
31. 32. 34. 37. 65, 17. 18.
21. 25. 31. 34. 66, 7. 12. 17.
19. 112,6. 114,23. 115,9.
10.
serlich adj. schmerzlich 114, 29.
115, 2. 27. 116, 2.
sexstern f. (M) Sextern, Bogen-
läge 5, 10.
sibende f. siebenter (Tag) nach
dem Todestag 40, 10. Vgl
drisgoBt.
8idel[e] f. (E) Sitz, Chorstvhl
120, 14.
siech hus, siech huss n. Kran-
kenhaus 40, 20. 48, 16. 60, 8.
66,2. 80,19. 84,25. 86,13.
91, 34. 92, 20. 109, 20.
siechmaistrin /. oberste Kran-
kenpflegerin 47, 33. 66, 16.
siech 6tub[e] /. Krankenstube
61, 18.
siech tag[e], sich tag m. (M)
Krankheit 9, 14. 18, 26. 27.
22. 22, 24. 24, 3. 42, 22.
28. 29. 48, 23. 52, 25. 66,
32. 33. 70, 11. 71, 29. 80,
23. 89,2. 91,2.3.23. 103,
8. 112, 2. 6. 8. 10. 19. 22.
29. 34. 118, 6. 8. 9. 28. 34.
114, 15. 23. 29. 36. 115, 3.
10.23. 116,24. 118,22.29.
119, 9. 20. 28.
sinwel adj, rund 19, 33.
sip /. (E) Verwandtschaft 116,
35.
sorgklich adj. (M) sorgenvoll
I, 19.
spnlgen vb. (E) pflegen, ge-
wohnt sein 120, 11.
strak adj. stramm, scharf, stark
46, 5.
strat, m. Teppich (als Lager)
26, 13. 27.
stnb[e] /. Stube 75, 29. 31.
stüffm&tter /. (E) Stiefmutter
101, 29. 30. 103, 1. 104, 1.
117, 18. 20.
snmren vb. trommeln 62, 3.
snnerlich adv., ma. für snnder-
lieh (so 101, 10)? besonders
101, 7. Vgl. hunert 74, 34;
anren 105, 17.
siinftzen vb. seufzen.
supriorin f, Subpriorin 40, 27.
tafel /. (Metaa-?) Tafel zum
Zusammenrufen des Konvents
durch Anschlagen 68, 15.
tue, tili f Diele, Decke 31, 33.
53, 2.
t6dmig adj. totengleicfi, nach
Verwesung riechend 81,' 9.
tormentar, tormitar, s. dor-
miter.
tötlich adj. (M) todähnlich,
dem Tode bestimmt 1, 15.
II, 23.
tougni /. (M) Heimlichkeit,
Mysterium 6, 29.
tracht f. Gang bei der Mahl-
zeit, Speise 50, 22.
trügnus /. Betrug, Blendwerk
110, 5.
tübly n. Täubchen 35, 17.
taglich adv. < tugentlich?
83, 21.
tumer m. Turnier 77, 10.
78, 32.
übergriffenlich adj. über ofir
Begriffe, unbegr^Uek 66, 33.
überswencklich, dber-
schwenklich, übersehwen-
kelich adj, (M) Obersckwesg'
Uehj übermäßig 4, 20. 5,22.
115, 22. 116, 3.
dberwünden vb. < überwin-
den, dberwinnen, über-
winden 111, 25.
ftbing «ikbang) C^ü^ 40,21.
übly /. BoeheU 23, 1.
uffgeben vb. abtreten^ onAew-
stellen 17, 13. 79, 4.
umbsessfe] m. Umwohner 103,
12.
un < ftne prp. 12, 7. 14, 6,
20. 20, 2. 27, 7. 34, 12.
35, 1. 7. 40, 21. 50, 21. 35,
53, 27. 58, 6. 59, 8. 21.
74, 26. 75, 24. 78, 14. 17.
79, 9. 27. 83, 28. 94, 30.
100, 5? 105, 25. 106, 10.
107, 22. 112, 4. 113, 85.
116, 20. 24. 121, 12?
andergang m. (M) SelbstOtung
120, 29.
underliby f. Unterbrechung,
Aufhören der Krankheit 37,
11; underlibong f. dau.
71, 16.
anderscheid f. (M) = capitn-
htm 1, 5.
anders ton vb. (3f) verhindern
5, 5.
ungebresthaft adj. (E) nie ver-
sagend, unvergänglich 111,
19.
uDgebrestlich adj. (E) das-
selbe 117, 13.
ungeleichet f. (M) Ungleidh
heit, verschiedene Gesinnung
97, 8.
angetoni /. Häßlichkeit ö8, 26.
ungewalt m. Ohnmacht', mines
angewaltes, meiner nicht
mehr mächtig 56, 30; irs
angewaltes 113, 24.
ungewdrm n. häßliches Ge-
würm 22, 21.
WortverzeichniB.
131
ongird f. Abneigung^ 76, 27.
unlidig adj, unieidlich j un-
erträglich 118, 9.
onmacht, /. Ohnmacht 56, 30.
38. Vgl, amacht.
nnordenhaft adj. nicht ordens-
gemäß 98, 82. 88.
unördenlich adv, {M) in un-
geordneter Weise S, 20.
unsinn m. (E) Bewußtlosigkeit
118, 21.
uiiBtat|e] /*., d, pl. mit nn-
statten Unbequemlichkeit y
Mühe 104, 27. 119, 3.
dnt, tf. üt
antencheid m. (M) Unter-
scheidung 10, 23. Vgl. ander-
scheid f.
QDt^lich, antötlich o^^*. (M)
unsterbUdi 11, 26. 114, 20.
ontroBt m. T\rostlosigkeit 59, 28.
nnvertragenlich o^r. ifiier<ra^
ficA 19, 4 22, 21.
anwertsamkUch €uiv. un-
fremuBiek 21, 27.
anz wil {E) bis msr (heutigen)
Zeä (oder Sehreibfehler?)
121, 12.
üppig adj. (E) überflüssig^ eitel
107, 22.
orkiind f. (E) Kunde, Beweis
107, 24.
urlüg n. ? Krieg 28, 25. 77, 9.
oser, uBser adj. äußerlich,
körperlich, weltlich 82, 8. 17.
assbrechen « üz- brühen)
aufleuchten 89, 12.
UBserlich adv. auf äußerliche,
weltliche Weiset 34, 33.
usBwendig adj. äußerlich
(Gegensatz gu geistlichen
Übungen) 51, 34. 71, 8.
aswallen, prt. cj. 3. sg. uBwiel,
überkochen 65, 17.
Ät, lint =: icht {s. Einl.), irgend
etwas 27, 9. 47,19. 49,4.18.
52, 24; adv. wohl 48, 27.
velwe f Weide, Weidengeflecht
26, 12.
yem[e] f., pl, yenien, venjen
Bußübung durch Kniefall und
Hinwerfen des Leibes (/Vo-
stration) 27, 3. 46, 5. 8. 56,
6. 61, 37. 106, 2. 4. 107,
28. 108, 9.
yerainen vb. 1) einsam werden,
allein bleiben 56, 5; 2) ver-
einigen 73, 87. 76, 36.
yerfallen vb. (E) zu Falle
kommen: yerfallne hoffart
107, 10.
yergaDgenbeit f. (M) Ver-
gänglichkeit? 10, 30. 31.
yerhenken vb,: pt. pf yer-
henket, versehleiert, verhüllt
26, 29.
yerlasenheit f. WeltUddceü?
23, 19.
yermasgen vb. beflecken 56, 18.
yermiBchen vb. vermischen:
prt. yermist 26, 17.
yerschwanen vb, schwinden
machen, verzehren (ma.
< -aweinen)? 52, 10.
yersprechen vb. a. acc. ent-
sagen, verzichten auf 61, 1.
yerwalken vb. verfilzen 89, 84.
yerwanlen, yerwandlen vb.
verwandein 17, 10. 57, 15.
yerwegen, sich, c. gen. ver-
zichten auf 17, 18. 20, 14.
51, 4. 69, 28. 90, 14. 15.
101, 22 {sich in etwas er-
geben). 111, 27. 112, 14
{yocirain verzweifeln).
yerziLken: pt. pf. yerzukt, yer-
zuket, y erzucket verzückt
66, 24. 25. 74, 15. 76, 20.
78, 20.
y erzuknng /. Verzückung 66, 26.
yesper, yessper f. Abend-
stunde, Nachmittagsgottes-
dienst 53, 8. 66, 19. 75, 30.
82. 118, 20. 26.
yigili, yigily, pl yigilien /.
Vigüie, Nachtwache 26, 19.
38, 29. 83, 3.
yolberten vb. (M) ausharren,
durchfuhren 6, 8.
waiflwarnach {für naiswar-
nach?) adv, nach irgendetwas
42, 30.
wann[e] f (E) Wanne 111, 1.
4. 8.
warheit, ewige /. (M) die
Ewige Wahrheit, Seusescher
Ausdruck für Gott, Christus
96, 11.
weder g. für Oleichsetzung
zweier verglichener Gegen-
stände: wie {nidU: als) 58,
32.
Weisheit (M), wishait, ewige
f. die Ewige Weisheit, Seuse-
scher Ausdruck für Oott,
Christus 1, 1. 4, 23. 7, 25.
11, 29 (M). 38, 17. 96, 16
(M). 97. 36 (M).
wendig at^. abgewendet, rück-
gängig gemacht 78, 32.
weren, geweren (= wirren)
c. dat. hindern, Sdtaden tun
63, 7.
werk n. klösterliche Bandarbeit
26, 32. 34, 16.
werk hns, werkhns, werkhoss
n. Baus für klösterliche Band-
arbeit 14, 26. 26, 32. 34, 16.
40, 28. 55. 19. 59, 38.
werkli n. Flocke Wergs 64, 30.
wider adv, zurück: wider
komen zu sich selber kommen
59, 2. 3. 68, 21. 114, 7.
wider bringen zu sich selber,
zum Bewußtsein zurück-
bringen 76, 19.
widerzem adj. zuwider 17, 8.
18, 27. 51, 31.
wil /. (E) Zeit: unz wil (?)
121, 12. s. unter wil.
wil m. Schleier 26, 28. 102, 7.
wilen vb. als Nonne einkleiden
101, 29. 102, 5. 7. 14.
winden vb. auswinden {ein
nasses Tuch) 62, 22.
winnächten, win&chten f. dat.
pl. Weihnachten 89, 9. 47, 32.
56, 4.
wirser adj. cp. übler 85, 18.
9*
182
Wi
wit, wttcl.fl. witseii, wiaen
f. ianf4, Em 84, 27. 89,
4. 48, 19. H 34. 58, 12.
108, 28. 111, 19 (?)
wl% wti /. WmH 118, 16.
wol otf».: 10 wol db, M gfU
{g^aUg) mm 102, 18.
wolniut /• Gemfi 58, 82. 88.
wnelieiiwerk »., vorgmehrw-
ktm W oök m mrheU 51, 28.
24.
wuehnerin f. du du Woekm^
dimuie Aar 28, 21. w. in der
kuehin 81, 1.
waader, wiiiuid«r n. Nmgkr
59,88.
wafHen vh. veHäMen 92, 28.
dM erst 1^ d4»i
92,81.
lartea, Mrtten «6.
UeUmm 28, 29. 81, 8a
sertenneii «A., prt lertand,
pL pf. aertentt, mubreifm
98, 27. 95,2.
siechen «6. /) sMiii. 2) mi-
rfidbsn 82, 9. hin siechen,
vendmdm 19, 26. 41, 8. 9.
. 94, 87. in sieh selber ge-
sogen werden, w Btttack-
kmgf Selbtioergt$»mMi esr-
«Mfli 19, 8. nff gesogen
sin^ MTsfidbl mrs 41, 19.
sipelin: ein s. der msss? 98,
15.
dt, süt ». ?; so den Sitten,
MU iMw eofyffcensMMM (je*
JETor«» 41, 18. CL
15. M.
sAkea, Eoken? «6. f) es adk
Miehm 88, 19. ^ «sMUi
(€me Onmde) 58, 14. J) etf-
rfidboft (<!«• Geul mu im
Leibe) 81, 5.
AYeXw^VerämderUdikeU.Wm'
dd 12, 7.
swediel /. 7lM*tee* 83, 26.29.
zweewe, swesome odj. /.
« seswe), dU^ redhu (iTW)
88, 8. 74, 22. 78, 28.
swintsig (< swensig), ««»
jn^ 75, 83.
swirent, xwurent, swtost
od«, emmmal 14, 29. 40,19.
68, 17.
sworent, e, Bwirent
Berichtigungen und Ergänzungen.
Seite 7, Zeiie 1 v. u. Voder erqnickung lies: oder Verqaickung.
mal, das lies: mal das (u. ö, das Komma tu tilgen),
24^ 28 u, ö, die Abkürzung «S* im Texte in Schwester aufzulösen.
gewonhait, so find sin; so lies: gewonhait: so und sin, so.
zet&Dd lies: zetünd (u, o. das zc vom fleht. Inf. zu &ennen).
iiii lies: Uli (u. ö. röm, Zahlen statt der Buchstaben zu setzen).
Jhesns lies: Ihesus.
geriisch lies: gerdsch.
nach gothait setze Komma.
Da lies: Da, und kan, sj lies: kan. Sy (die Es, hat großes D
und S, aber ohne Interpunktion vorher).
nnsorg Ues: an sorg,
ainen Ues: ainem.
ainen Ues: ainem.
des lies: das.
jamrigen lies: jamrigem.
mit lies: niit.
Jhesu Ues: Ihesu.
Sie Ues: Sj.
iar lies: jar.
der Anmerkungen^ nach Staatsarchiv setze Komma.
21,
n
13
23,
n
14.
27,
n
13
29,
rt
3
31,
n
25
33,
»
30
34,
n
22
39,
n
27
»
9
28
53,
n
27
69,
n
7
74,
w
14
75,
n
29
79,
ji
7
»
n
27
85,
»
8
89,
n
13
102,
n
28
103,
n
6
Zu S. 4, Zl. 4^2 von unten: Dasselbe Bild in einem Leben des h. Antonius, Us, der StifisbihUothek
in St. Gallen 597 ^ S. 3: ynd tet recht als dz ymli tvt dz von einem bl^mS vff den
andren flyget yn jekliches fyfßkeit ys fyget AlTo nam er och yon jeklichem
etlicher hand gf t bild.
Zu S. 59y ZI. 28 ob es tagen w61t: gegen Osten kann er allerdings nicht geblickt haben, wenn er
gegen Töß hin schaute, das von Wintertur aus wesUich liegt. Offenbar ein kleines Versehen
der Verfasserin.
Zu S. 71, ZI. 3 V. u. Hugo yon Vancemain: vgl. BihUneger, Zur Chronologie einiger Schriften
Seuses, Hut Jahrbuch 1904, S. 177. 180 ff.
Zu S. 100, ZI. 1 Waltter der Toss aus Costentz: ein Thoman Toßel oder Töfiler erscheint im
Jahr 1413 als Leibeigener des Klosters Stern a. Rh. bei Konstanz: Isaak Vetter, Geschieht-
Büchlein der Stadt Stein, hgg. 1904, S. 96 f.
Drack von O. Bernstein in Berlin.
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